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Full text of "Die Oesterreichischen Alpenlaender und ihre Forste..."

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f^arbavli College l.ilirars 




FROM THE FUND OF 

CHARLES MINOT 

ClMS of 1888 



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DIE (ESTERREICHISCHEN 



iLPEIL^SDER 




UND 



IHRE FORSTE. 



GESCHILDERT 



VON 



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JOSEPH WESSELY, 



K. K. MINiSTERULCONCIPlSTEN FÜR UNDEiiCULTlU , DIRECTOff DKR MlHRlSCH- 
SCHLESISCllEN FORS'l'^»Clil;LE. 




Bei 



WUMIEILM BlAUM'iIJILILIgm, 

k. k. Buchhändler des Hofes und der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, sind 

erschienen : 

Oesterreichische 

VIERTELJAHRESSCHRIFT 

für 



FORSTWESEN. 



i'itiem 



t?, 



Herausgegeben von 
unter der Redaction des 



li. Qrabner, 

emeritiriem Professor der Forsikande an der k. k. Porstschule sn HariabniDn , fbrstl. Liechteiisteioiscben 
Hofralhes, Hitgrliedes mehrerer wisseaschafUichea Vereine. 

Jahrgang 1861 und 1852 oder I. und 11. Band in je 4 Heften. 

Preis des Jahrganges fl. 3 C H. 

INHALT: 

1. Banil, II. Banil. 



Die österreichisch steierische Hochgebirgs- 
Forstwirthschafl gegenüber den Forde- 
rungen der Jetztzeit. 

Einiges über den Eichenkäfer. 

Wie weit reicht die Wichtigkeit der Walder. 

lieber Beforsterung der Körperschafts Wal- 
dungen. 

Ergebnisse der zur Erforschung der besten 
Fälliingszeit und Behandlung des Holzes 
angestellten Versuche. 

Zur Frage der Waldordnung. 

Forstvereins- A ngelegenhei ten . 

Erste Versammlung ungarischer Forstwirthe 
zu Gran am 30. Juni 1851. 

Beiträge zu der Abhandlung: »Wie weit 
reicht die Wichtigkeit der Wälder ¥' 

Die obersteirischen Torflager. 

Ein Raupenfrass im Theimwalde in Nieder- 
österreich. 

Bericht über die Verhandlungen der forst- 
lichen Section der 14. Versammlung deut- 
scher Land- und Forstwirthe zu ^>&lzburg 
im September 1851. 

Forstverein in Karnthen 

Vorschlag zur Gründung eines österreichi- 
schen Reichs-Forst vereine». 

Das Waldarbeiter - Behandlungs - System bei 
der k.k. steicrraärkischösterr. Eisenwerk- 
direclion zu Eisenerz 

Die Forstservituten-Ablösung in Tirol 

(leber praktischen Waldbau -Unterricht. 

Mimsfrrieiie Mitthethingen. LiterttrUche Be- 
richte, Notizen. 



Zui Beantwortung der Frage : »Wie können 
im hohen Gebirge grosse, weitausgedehnte 
Culturflächen . welche dem Weidbelriebc 
fortwährend geöffnet bleiben müssen , am 
sichersten aufgeforstet werden?'^ 

Geber Eichenrindengewinnung. 

Ceber die Dichte der Wälder in den wälschen 
Alpen. 

Forst Vereins- Angelegenheiten. 

Waldservituten und ihre Ablösung. 

Denkschrift über die Bereisung der Torf- 
moore zu Aussee, dann Hammerau, Uaaspel- 
moos bei Nannhofen, Schleissbeim und 
Fichtlberg in Baiern 1851. 

Die Gesetze des Holzzuwachses und deren 
Anwendung zur Construction der Ei-trag»- 
tafelu. 

Die Forstabtheilung der Ausstellung land- 
schaflüeher Gegenstände in Wien am 7. 
und 8. Mai 185«. 

Die Entlastung des forstwirthschafllichen 
Grund und Bodens. 

Ministerielle Mittheilungen. 

Forstvereinsangelegenheiten. 

Literarische Berichte. 

Notizen. 



f^arbart CoUese l.i&rars 




PROM THB FUND OP 

CHARLES MINOT 

ClMS of 1888 



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DIE (ESTERREICIIISCHEN 



4LPEIiL^liDEß 




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IHRE FORSTE. 



GESCHILDERT 



VON 



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JOSEPH WESSELY, 



K. K. MINISTERUL-CÜNCIPISTEN FÜR LANDEiiCtrTüK . DillECTOff DhR MlHRlSCH- 
SCHLESISCHEN FORS^I'SCIILLE. 




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WIEN, 1853 




WILHELM lUlAüJllLLKK, 

K. K. ilOFBUCim \NnLFR. 




Vorzttglichste Fnndgraben, 



waldi» Ich die OiidcrB vm Bue dleios WeriLes eitMunM häU ttd die Edalstetne» 

wekh» «s BdunückeB. 

Vor Allein darf ich hier wohl die Erfahrungen und Beobachtaogen 
nennen» welche ich selbst wahrend zwölfjähriger Forstdienste in drei Al- 
penländern und bei mehrfacher sorgfaltiger Bereisung aller übrigen Hoch« 
gebirgslande gesammelt habe. 

Drackwerke. 

Tafeln zur Statistik der österreichischen Monarchie, zusammenge- 
stellt yon der k. k. Direkzion der administ Statistik. 

Hain, Handbuch der Statistik des österr. Kaiserstaales, 1S5S. 

Gebrüder Schlagintweit: Untersuchungen über die fisische Geografie 
der Alpen, 1850« 

Cotta, Geologische Briefe ans den Alpen. 

Sc hon w, Tableau du climat de Tllalie, 1889. 

Jahrbücher der k. k. geologischen Reichsanstalt. 

Steub, Drei Sommer in Tirol, 1846. 

Summarien des k. k. Steuerkatasters. 

Linden, Die Grundsteuerverfassung der österr. Monarchie, 18M. 

Hlubeck, Die Landwirthschaft Steiermarks, 18 W« 

Salzburg, dargestellt zur Feier der XIV. Versammlung deutscher Land- 
und Forstwirthe, 1851« 

Zeitschriften der Laudwirthschaftsgesellschaften vonKärn- 
then, von Steiermark, von Tirol, von Krain. 

Hittlieilaiigeii folgender freande: 

V. Angelis Gustav, k* k. Forstmeister in Tirol, Baumgartner 
Franz, k. k. .Waldmeister in Steiermark, Benno, Hochwürdigster Abt 
zu Admont in Steiermark, Breimann Karl, k. k. Forstmeister in Salz- 
burgs Bürgermeisteramt der Hauptstadt Klagenfurt, Dezenti Leo* 
pold, k. k. Rechnungsofßzial in Krain, Graf v. Fries Moriz, Gutsbe« 
sitzer in Niederösterreich, Fritsch Karl, Adjunkt des k. k* meteorologi* 



sehen Zentralinstitntes» Fuchs Johann^ k. k. Waldmeister in Steier- 
mark, Fax Karl, k. k. Waldmeister in Steiermark, Ginther Johann, 
k. k. Förster in Oberösterreich, Dr» Gintel Julius Wilhelm, k« k. 
Telegrafendirektor in Wien, Grossbauer Franz, k.^k. Professor in 
Niederösterreich, Ritter v. Guttenberg Anton, k. k. Forstrath in Steier- 
mark, Gatterer Anton, k« k* Oberförster in Kärnthen, Hilber Au- 
gust, k. k. Oberförster in Salzburg, Hopfgartner Johann, k. k, 
Forstrath in Steiermark, Kar gl Josef, k. k. General-Forstinspekzions- 
Adjunkt im Venezianischen, Dr. Knolz Josef, k. k. Protomedicus in 
Niederösterreich, Kossmatsch Markus, k* k. Oberlendhutmann in Krain, 
Kofi er Alois, k. k. Hammerverwalter in Steiermark,' Kamptner 
Kaspar, k« k. Forstmeister in Kärnthen, Mai er Rudolf, k. k« Ober- 
förster in Unterösterreich , Meguscher Franz, k. k. Oberwaldmeister in 
Tirol, Mastalka Eduard, k. k. Forstgeometer in Steiermark, Par- 
tisch, Forstmeister in Oberösterreich, v. Periboni Andreas, k.k. 
Forstmeister in Tirol, Ritter v« Panz Eduard, Gutsbesitzer und Eisen- 
werksdirektor in Tirol, Prot tu er J., k. k. Bergrath in Kärnthen, Resl- 
huber August, Hochwürdiger Direktor der Sternwarte in Kremsmün- 
ster, Rizzi Antonio, Güterdirektor im Venezianischen, Reinprecht 
Johann, k. k. Forstmeister in Unterösterreich, Sauter Franz, k. k. 
Forstrath in Tirol, Staudinger Johann, Gewerke in Niederösterreich, 
Schneider F., Güterdirektorin Oberösterreich, Strohal Rudolf, k*k. 
Ministferialkonzipist io Wien , Swoboda Leopold, k. k. Waldmeister 
in Steiermark, Thomann Ferdinand, k. k. Waldmeister in (Steier- 
mark, Vertous Mathias, Hochw. Pfarrer in Krain, Werner Gu- 
stav, k« k. Forstinspektor im Venezianischen, Edler v. Wun d erb al- 
dinger, k. k« Forstrath in Oberösterreich. 

Für die Bereitwilligkeit, mit welcher mir diese Herren den reichen 
Schatz ihres Wissens eröffneten, um mich in den Stand zu setzen, dieses 
Werk in der gegenwärtigen Weise auszubauen, sage ich denselben hier 
freudig meinen wärmsten Dank. 



G, 



Allgemeines Cfepr&ge der Alpen 



rrundversehieden von allen andern Ländern des grossen Kaiserreiches 
sind die Alpen. 

Unersetzlich ffir die eigenen Bewohner, behalten sie auch f&r den 
Fremdling ihr ewiges , hohes Interesse. Wer auch nur einmal die male- 
rische Anmuth dieser Thalgelände, die erhabene Einsamkeit und Wild- 
heit dieser Gebirgskolosse genossen hat» dem bleiben die Eindrücke mi- 
verwischt f&rs gansEe Leiten. 

Die Alpen haben nichts gemein mit der Unsicherheit der Appeninen, 
sie sind nicht unwirthlich» wie die Pirenäen, nicht einförmige wie die 
Karpathen» noch nackt und kahl wie die Cevennen. 

Bis zur Linie des ewigen Schnees in frisches Grün und dunkle Wal- 
dung gehüllt, und mit Dörrern und Hütten überstreut, bilden die Alpen 
unter strahlenden Eisfeldern und flatternden Wasserfällen das eigentlichste 
Prachtstück des grossen Kaiserreiches, den ungeheuren Garten, in wel- 
chem Liebliches und Grauenvolles aller europäischen Himmelsstriche ne- 
beneinander wohnt. — Drunten Italiens wollüstiger Hauch zwischen Wein- 
bergen ^ Zipressen und Feigengebüsch; droben der starre Winter von 
Grönland , aber . auch dieser noch mit Blumen umkränzt , wo die Massen 
des ewigen Eises Geviel'tmeilen einnehmen und dem Kaiserreiche zahllose 
Ströme hinabsenden; dazwischen alle Stufen mitteleuropäischer Naturbil- 
dung und Menschenwerkes. 

In der kurzen Tagreise vom südlichen Alpensaume bis auf die ewig 
beschneiten Hochgipfel durchschreitet der Wanderer alle Regionen, alle 
klimatischen Erscheinungen und Lebensformen Europas. Ganz anders ist 
in jeder der einzelnen Höhenzonen die Temperatur der Luft und des 
Wassers; in anderer Gestalt schlagen sich die Dünste nieder, und auf 
andere Weise vrirken Winde und Sonne; nach eigenthümlichen Gesetzen 
bewegt sich auf jeder Höhenstufe das Alpengewässer, und die Jahres- 
zeiten sind völlig verschieden in ihrer Dauer wie In ihren Gaben. Jede 
dieser Zonen stellt, wie in der phisikalischen, so auch in der organischen 
Schöpfung einen anderen Schauplatz dar , und Überall ist auch der Mensch 
ein anderer , weil andere Natureinflüsse auf ihn wirken. 

Aber nicht bloss die unbeschreibliche Pracht dieser grossartigen 
Natur ist es, welche den Alpen so hohen Reiz verleiht, als vielmehr 
auch das ganz eigene Wesen der Menschen, welche ihre abgeschiedenen 
Hochthäler bewohnen. 

Diese alterthümlichen Einrichtungen, Gebräuche und Trachten in- 
Mitten netter Sitten ; diese hochachtbaren Ueberbleibsel ungebeugter Kraft, 
Einfachheit und Biederkeit inmitten moderner Schwäche und Verkehrtheit; 

1* 



dieses einfachste Naturleben mit seinen geringen Bedürfnissen inmitten 
der Ueppigkeit und masslosen Ansprüche des verfeinerten Lebens; diese 
ehrwürdigen Reste ruhigen selbstbewussten Freisinnes und tiefer Gottes- 
lurcht inmitten von Unglauben und politischem Schwindel, all diese Tu- 
genden und Eigenheiten ihrer Bewohner sind es nicht minder, welche 
uns unwiderstehlich nach den Alpen ziehen. 

Was sind aber die Eigenthümlichkeiten der Alpenvölker zuletat An- 
deres, als eben der erhabene Stempel, welchen die gewaltige Natur der 
Hochberge ihren kraftigen Söhnen aufdrückt?! 



Inbegriff der OstreichisclieB Älpei. 

Mag nun der Ausdruck Alpen von Alm (Sennweide) oder von Alb 
(keltisch: weisse Berge) herrühren, so begreift man unter denselben jetzt 
die zwischen der lombardisch- venezianischen Ebene, dem ungarisch-kroa- 
tischen Flachlande, und der österreichisch-bairischen Donauebene gelege- 
nen Bergländer. 

Einmal beschränkt man diesen Ausdruck auf die blossen Hochge- 
birge (deren höchste Gipfel über die Grenze des Baumwuchses hinaus- 
reichen), und ein andermal dehnt man ihn auch auf jene Länderstriche 
aus, in welche die Hochberge noch ihre letzten Ausläufer hinabsenden» 

Auch ich werde den Ausdruck in beiden Weisen gebrauchen; im 
ersteren Falle jedoch immer „Alpen im engeren Sinne" sagen, es wäre 
denn, dass der verhandelte Gegenstand ohnehin keinen Zweifel aufkom- 
men liesse, wo ich von den Hochbergen spreche. 

Die Alpen im engeren Sinne begreifen: 

Die Ki*ouläiider Tirol und Kärnthen ganz; Obersteiermark; Salz- 
burg mit Ausschluss des Thalgaues, das diesseits der Donau gelegene 
Hochgebirge Unter- und Oberöstreichs, Oberkrain, den oberen Theil des 
Kronlandes Görz und die Hochberge der italienischen Kronländer Vene- 
zien und Lombardie. 

Zu den Alpenländem im weiteren Sinne zähle ich: 

Die Kronländer Tirol, Kärnthen, Steiermark, Krain, Salzburg und 
Görz ganz; von Unteröstreich den ganzen Theil diesseits der Donau, 
von Oberöstreich die ehemaligen Kreise Traun und Hausruck, von Vene- 
zien und der Lombardie den ganzen bis an die eigentliche Ebene reichen- 
den Landstrich» 

3 

Üatertheiliuig der Alpei. 

t)i« Göogfafen haben die östreichischen Alpen eingetheilt wie 
folgt 



Jene Ketten» welche aus Graubündten quer durch Tirol bis Salz- 
burg streichen» heissen siebis zur Dreiherrenspitze die „rhätischen Alpen," 
jenen sfidlichen Ast» welcher anfanffs an der Grenze der Lombardie mit 
der Schweiz und später mit Tirol hinabstreicht» und sich in die Lom- 
bardie verzweigt» nennen sie die ^lombardischen Alpen". Mit diesem Aste 
hangt an der Etsch jener zusammen» welcher von San-Pellegrino an der 
venezianisch-tiroler Grenze von Nordost nach Sudwest herunterstreicht» 
und von ihnen die y,trienter Alpen" genannt wird. Jenen Ast» welcher 
von der Nordseite der rhätischen Alpen nach Nordosten durch Nordtirol 
und Vorarlberg bis Baiern und Wurtemberg streicht» haben sie „tiroler 
Alpen" getauft. 

Die Fortsetzung der rhätischen Alpen durch Salzburg und Obersteier- 
mark gegen Ungarn» nennen die Geografen vom Dreiherrnspitz an „nori-* 
sehe Alpen". 

Die Grebirge » welche sich von San-Pellegrino » anfangs an der türoler- 
venezianischen, und später an der kärnthner-görzerischen Grenze ostsüdöst- 
lich lunziehen^ benennen sie bis zum Terglu Mkarnische Alpen". 

. Die südöstliche » bis Kroazien streichende Fortsetzung dieser Ketten 
pflegen auf den Landkarten als j'ulische Alpen" bezeichnet zu werden. 

Diese Eintheilung mag für die Geografie sehr gut sein» für die Zwe« 
cke der Bodenkultur jedoch taugt sie oicht. Für diese sind nur die vegeta- 
tiven Standoruverhältnisse brauchbare Eintheiluogsgründe» vor Allem der 
entscheidendste aller Faktoren : das Klima » und dann die Bodenkrume. 

Die klimatischen Verhältnisse der verschiedenen Alpentheile prägen 
deren ganze Natur verschieden aus und regeln durch diese auch Bevölke- 
rung und Volkswirthschaft 

Ich theile sonach die Alpen nach der Richtung ihrer allgemeinen Ver« 
fliehung ab » wie folgt : 

Hauptstock» mit keiner hervorragenden Verflächimg. Er ist der 
Mittelpunkt des Ganzen » seine Gebirge sind die mächtigsten » sind durchaus 
Hochberge. Zum Hauptstocke zähle ich Nordtfarol mit dem Pusterthale, die 
vier Hoohgaue Salzb^gs» ObersteiermariL und den ehemaligen villacher 
Kreis Kämthens. 

Westlicher Abfall oder Vorarlberg. 

Nordabfall Unter- und Oberösterreich diessseits der Donau mit 
Ausnahme des ehemaUgen Innkreises» dann das salzburgische Thalgau. 

SüdabialU Sfidtirol ohne Pusterthal» Lombardie und Venezien bis 
zur grossen italienischen Ebene» dann Görz. 

Östliche Verflächung, begreifend Untersteiermark, den ehema- 
ligen klagenfurter Kreis Kämthens» und Krain. 

Der Abfall naeh den angegebenen vier Hauptrichtungen hat zwar nicht 
immer im Einzelnen» wohl aber im grossen Durchschnitte so statt» und wird 
auch durch den Abfluss der Ströme ziemlicli scharf bezeichnet. 

Die Zwechthlismgkeit dieser Eintheilung wird später völlig klar werden. 



Alpennatur. 



OberflSchenform der Älpenländer. 

Die Alpen sind nichts weniger, als eine reg^elmässige Zentralkette, 
ein lückenloser ununterbrochener Hauptgebirgsfirst, der seine Arme und 
Nebenketten nach beiden Seiten aussendet; sie sind vielmehr eine Verbin- 
dung von mannigfachen Gebirgsstöcken und Ketten, sozusagen von 6e- 
birgsindividuen, deren jedes für sich seine Arme erstreckt, seine Griieder 
gruppirt; seine Thäler und Gewässer niederschickt 

Nur nach ihrem geologischen Baue und gegenüber dem umliegenden 
Flachlande bilden sie ein ungetrenntes Ganzes mit gemeinschaftlichen Tipen* 
Ihre Axe geht dann fast ganz gerade vom Orteies, dem höchsten Berge des 
Kaiserreiches, bis in die ungarische Ebene nach Pressburg in der Richtung 
von WSW nach OSO. Wo sie im Westen aus der Schweiz treten, sind 
sie am höchsten — der Orteies hat dort 1S,S(K> Fuss MeereshÖhe — nach 
Osten zu werden sie immer niederer, von den letzten Hochglpfeln in Unter- 
österreich enceicht nur mehr der Schneeberg 6000 Fuss. 

Längs der Mitte der ganzen Alpenkette läuft ein gewaltiger Zug kri- 
stallinischer, sowohl schiefriger als massiger Gesteine. Zu beiden Seiten 
lehnen sich an diese Axe zunächst Grauwackenbildungen, und dann die 
mächtige Kalksteinformation , welche die Geognosten als Alpenkalk bezeich- 
nen. Am Fusse der Kalkketten treten allenthalben Molassebildungen (meist 
Sandsteine) hervor. 

Die Alpen in engerem Sinne sind durchaus Hochberge von erhabenem 
Gepräge. Die einzelnen Ketten steigen auf 3000—10,000, die Ilorhgipfel auf 
8000—12,500, die Pässe auf 3000— 9000 Fuss Seehöhe, sind also hier 3*-5 
Mal so hoch, als in den Flachländern. Den Ausdruck von Gvrösse verdanken 
sie aber weniger dieser bedeutenden Seehöhe, als vielmehr der sehr be- 
trächtlichen Erhebung ihrer Gipfel und Jöcher über die dazwischenliegen- 
den Thalsohlen ; eine Erhebung, welche gewöhnlich nicht unter 3000—6000 
Fuss, also S-*5Mal mehr betragt, als in den niederen Gebirgen anderer Länder. 

Da diese Hochberge aus festem der Verwitterung weniger unterKe«* 
genden Gesteine bestehen, so geht allenthalben der Fels und oft in den 
grössten Massen zu Tage^ wess wegen ihre Umrisse und ivtirzugfitih die 
Gipfel und Gräten meistens scharf und eckig sind and steil, häufig sogar in 
prallen Wänden abfallen* 

Dieser Rücken und Gipfetbildung entsprechen ebeitfso enge steilab- 
schttssige Schluchten, starkiaUende Thäler, Abstürze, Wasserfalle und 
Schutthalden. 



Die Alpen uberctejg^n in Masse den O&rtel/ in welchem der Wald 
noch die Gehänge zu, überUeiden veroiag; ganze Kämme erheben sich 
Aber das gewfiimliche pflanzliche Leben binaaf in die Region des ewigen 
Winters ; ja ihre gewalligsten Häupter ragen tief hinein in die Werk- 
st&tte der Wolken* Daher auch die unabsehbaren baumlosen Triften, die 
nacklen Mauwn und Zinnen, £e weilen GUelscfaer und Firnermeere, die in 
Wolken verhüUlen oder in strahlendem Schnee erg^änteaden Gipfel. 

In den scharfen und abenteuerlichen Umrissen, in den pflauzenlosen 
Felsmassen, Wänden und Schluchten, in den Abstürzen , Wasserfällen 
Schuttmuhren und Eismeeren, in den wolibeiiverhfiUten oder schneeerglän- 
ztaiden Hochgipfein liegt das Erhabene ; in dem Kolossalen dieser Pracht- 
werke des Herrn, gegen welche auch die angestauntesten Bauwerke der 
Menschen zu unscheinbaren Punkten zusammenschrumpfen, liegt die Maje- 
stät der Alpen. 



5 

Thalbildnng. 

Die mannigfachen Gebirgsstdcke, ans denen die Alpen bestehen, wer- 
den geschiedai durch dieHauptthäler^in welchen zugleich die grössten 
Bergstrdme ihre Wässer den Ebenen zuwälzen. Man heisst diese Thäler 
auch Längenthäler, weil sie nach der Länge der Gebirgsstöcke hinstreichen 
und wirklich ungemein lang sind. Mehrere, wie das Inn-, das Drau-, das 
Mur«, das Save- das Etschthal durchziehen die Hälfte der Alpen, das Salza-, 
das Eisack, das Rienz-, das Piave-, das Addathal und hundert andere wenig- 
stens ganze Kronländer oder Kronlandskreise« 

Diese Hauptthäler streichen nach allen Richtungen; im Allgemeinen 
jedoch immer nach jener Linie, in welcher sich die Gebirgsstöcke senken, 
die ihnen ihre Wässer zusenden. 

Jeder Gebirgsstock hat eine höchste^ durch aufeinanderfolgende grös- 
sere Berge bezeichnete Erbebungslinie, von welcher aus seine Arme sich 
gewöhnlich in zwei entgegengesetzten Richtungen hinauserstrecken. — 
Die meist paralellen Einsenkungeu zwischen diesen Armen sind die Seiten- 
thäler erster Ordnung, sie munden sammt ihren Bächen in die Hauptthäler 
aus. Man heisst sie öfter auch Querthäler; weil sie mehr oder weniger 
senkrecht stehen sowohl auf die Hauptthäler als auch auf den Zug der 
Bergstöcke. 

Die Arme der einzelnen Bergstöcke schicken insbesondere gegen das 
Hauptthal zu wieder ihre Zweige hinaus; zwischen denen sich dann die 
Seiten thäler zweiter Ordnung einsenken. 

Und so kann man in dem vieliacii g^ippten und gdfarchten Körper der Al- 
pen auch noch Sdlenthaler djrittar> vierierundnoch höherer Ordnung verfolgen. 

Die Einsenkungeu der holierett Ordnung sind jedoch seilen eigentliche 
Thäler, sondern vielarahr Schrluchten {okmt Sohlen.) 



9 

Die Alpeoüiaier bestehen aus eioer Reihe von weiten Becken, 
welclie durch längere stark fallende Thaleugen (Klammoii) oder durch 
steilere Senkungen verbunden sind. Am oberen Ende der Thäler gestalten 
sich diese Becken zu Mulden > \velche in den höchsten Bergstöcken den 
Gletschern und Firmeeren zur Lagerst&tte dienen (Kare). Die ikiittlere 
Neigung der Thaler wird Um so grösser, je mehr man sich dem oberen 
Ende derselben nihert; jedoch ist das Geiäll der Becken stets weit geringer 
als jenes der sie verbindenden Thalengen. -^ Beim ZusammenslK^sse sweier 
Thaler liegt sehr oft die Sohle des kleineren höher, was insbesondere bei 
den Seitenthalern zweiter Ordnung scharf hervortritt. 

Die Heuplthaler haben gewöhnlich die breitesten Sohlen und bilden die 
weitesten Becken^ sie haben auch den geringsten Fall und liegen am tiefsten. 
Ihren Ursprung nehmen sie selten auf dem hohen Joche^ sondern gewöhn- 
lich auf tiefen und breiten Einsattelungen. — Die Hauptthäler sind iber- 
haupt als die tiefsten Einsenkungen rings um die Gebirgsstöcke zu be- 
trachten. 

Die Schluchten haben eigentlich gar keine Sohle, sie' fallen am starke 
steu ab und in ihrem oberen Theile noch steiler als die Berghange selber, 
als deren Furchen man sie fQglicli betrachten kann. 

Am deutlichsten sind di^ eben bezeichneten Thalformen in den Urfels- 
gebirgen ausgesprochen; weniger deutlich in den KalkbergeA« welch letz» 
lere sich durch eine grosse 2#aiil von Schluchten gatiz besonders her- 
vorheben. 

Im Allgemeinen fallen die gegen Süden gerichteten Thaler am stark* 
steu ab. 

Tafel des gewöhnlichen Falles der Alpenthäler. 

BqkMsolIe fttf Jede 
find« LingeHklafler 

Ebenen am Rande der Alpen O.uu-O.u O.o»~-0.2o 

Alpenthäler. 

Vorderer Theil der Ha up thäler O-ow— O.4 0.oa7-0.st 

Längster Theil der Hauptthäler und \orderster 

Theil einiger Seiteuthäler O.a — 0.» O.4 — Le 

Hinterer Theil der Hauptthäler und die längste 

Strecke der Seitenthäler 1 — * . l.s —2.7 . 

Hinterster Theil der Hauptthäler und oberer Theil 

der Seitenthäler 8—4 t.7 —0.0 

Hinterster Theil der Seitenthäler 4—19 5—15 

Schluchten • 1« ~ 60 15 -1«0 

Sehr hezeichtiiMid steigen die Sohlen vieler Alpenthaler van den Rän- 
dern des jetzigen tief eingeschnilteneii Strombettes treppenartig zur Haupt« 
ebene des Thaies Unauf; und jedem Staffel entspricht eine eigene Allavions- 
Schicht Die in verschiedenen von einander . sdir entfernten Zeitpunkten 



erfoln^teii Anschwemmangen rfihren fast immer vou den uiiunterbrocheiien 
GeBleinszerstoruDgen lier^ deren Erzeugnisse zeitweise durch die Wasser 
ans den Seitenthalern herausgetragen werden. 



6 
Bergform im Ällgemeineii. 

Die Gebirgsstöcke » aus welchen die Alpen bestehen^ sind durch die 
Haupttfaäler getrennt und nur durch tiefe Sättel mitsammen verbunden. 

lo jedem dieser Stdcke lassen sich gewöhnlich zwei Hauptabdachun- 
gen unterscheiden, an deren Zusammenstosse sich eine Reihe grösserer 
Berge hinzieht, welche zusammen mit den sie verbindenden Einsattlungen 
die höchste Erhebungslinie , das »»Joch** bilden. — Die beiden Abdachungen 
bestehen in der Regel wieder aus Bergzfigen , welche sammt den dazwi« 
schenliegenden Seitenthalern (Querthalern) mehr oder weniger rechtwinklig 
auf die Hauptrichtung des Joches stehen. Und auch diese Seitenbergzfige 
senden, insbesondere gegen ihr unteres Ende zu, wieder andere Zweige aus. 

Eine ganz regelmässige Anordnung der Bergzfige und Thiler kommt 
indessen nur seltener vor, 

Ueberall aber, wo der Zug des Gebirgsstockes von Osten nach We- 
sten geht, ist der Abfall nach Söden ungemein jäh, während die Senkung 
nach Norden nur allmählich statt hat« Es wiederholt sich so im Einzelnen 
das Gesetz , welches auch für die Alpen als Ganzes gilt ; ebenso , wie die 
östreichisch-bairische Ebene am Nordrande der Alpen bedeutend höher liegt 
als die südliche lombardisch -venezianische, ebenso liegen auch die Hanpt- 
thäler der Einzelgruppen im Süden tiefer als im Norden, und die Ketten und 
Hänge fallen steiler dahin ab. 

Die Seitenzweige der einzelnen Gebirgsstöcke bestehen aus paralellen 
HöhenzügeB , welche nach Aussen zu sich immer mehr senken. Bald sind 
sie breiter^ von beiden Seiten sich näherrückend, und bilden so die Thal- 
engen, bald sind sie schmäler, und lassen Raum für die grossen Mulden 
und Thalbecken. In den hintersten Theilen werden sie stets schmäler; es 
breiten sich zwischen ihnen dann die weiten Firumulden aus, jene bezeich- 
nenden Enden aller Hochalpenthäler. Dort treten sie auch mehr als einfache 
Kämme auf, während sie weiter nach Aussen , wo sie an Breite so bedeu- 
tend zunehmen, durch zahlreiche Seitenthäler zweiter und dritter Ordnung 
unterbrochen werden. 

Wie die Seitenzwtige der Gebirgsstöcke von Aussen nach Innen an 
Höhe zunehmen, ebenso steigen auch die trennenden Thäler hinan; ja noch 
etwas rascher; indem ihr Abstand von der mittleren Kammhöhe gegen das 
Ende der Thäler geringer . wird. — ^ Die höchsten Seitenthäler finden wir 
fast immer da, wo auch die Erhebung der Bergmassen die grösste ist. 

UehtHrhaupt liegt in dem Verhältnisse zwischen den mittleren Höhen 
der Thäler^ der Pässe, Kämme und Gipfel ein bestimmtes Gesetz^ welches 



10 

rücksichtlich der Hochber^e in folgenden Zahlen seinen Ausdruck fin« 
den mag. 

SMMke fai fiwM Tm 

MiUelhöhe des ganzen Alpenlandes • • — MOO ].| 

Thäler 1000— 4500 «700 1 

Pässe • • 3000— 9000 5800 t.» 

Kämme 3000—10000 6050 «.,« 

Höchste Gipfel 6000-lSOOO 9000 3., 

Höchster Gipfel (Orteies) — 1«500 4.7 

Die Berge der Alpen sind nichts weniger als vereinzelte Kegel, sie 
bilden vielmehr Theile der eben beschriebenen Kämme, über deren mittlere 
Höhe sie sich jedoch mehr oder weniger bedeutend erheben. Nur am Aus- 
gange eines Thaies treten die Berge selbstständiger auC 

Wie in den Thälern, so ist auch an den Abhängen der Berge die Nei- 
gung durchaus nicht gleichmässig. 

Die mittlere Neigung ist am bedeutendsten in der Nälie des Gipfels, 
Später folgen gewöhnlich kleine flachere Absätze , welche die Steilheit der 
Hänge unterbrechen, und den Bergen eine ungeheure Breite geben. Oft 
mündet der Absatz in eine mehr oder weniger senkrechte Wand. Dieses 
StafleUormige der Abhänge macht, dass die Berge vom Thale aus gesehen 
sich sehr verkürzen. 

Diese Oberflächenform macht die Hochberge, gegenüber dem niede- 
ren Geburge, besonders ausdrucksvoll. Ihr näheres Gepräge ist jedoch 
wesentlich verschieden nach der Felsformation, aus welcher sie bestehen. 



Urfelsberge. 

Die aus dem Piemontesischen und dem Kanton Wallis eintretenden, 
durch die Mitte der östreicbischen Alpenländer in einer Breite von IS— 16 
Meilen ziehenden »Uralpen^ bestreu aus Granit, Gneus und Glimmer- 
schiefer, mit Lagern von Thonschiefer und Urkalk. Man heisst sie die- 
ser Felsartea wegen mit Recht Uralpen; denn sie sind so alt, wie die 
Erde selbst, und haben längst bestanden, ehe in späteren Jahrtausenden 
sich die anderen Felsgebilde an ihre Seiten lagerten. -~ Sie bilden im 
Allgemeinen die höchsten Gebirgsstöcke. — Sie erheben sich anfangs 
sammt ihren Seitenthälern und später wenigstens in sehr breiten Massen; 
ihre Erhebung ist vorzugsweise massig; daher auch langgestreckte, 
weniger steile, nur selten von Wänden unterbrochene Hänge, breite Rfl- 
cken und Absätze, runde Kuppen, sanfter fallende breitere Thäler« — 
Dieser Erhebungsform und ihrer geringeren WiederstandsfähigkeiC gegen 
die Verwitterung weg^n, sind die Umrisse weniger scharf und prallig, es 
treten die Felsen viel weniger zu Tage, als bei den Kalkbergen und die 
Oberflächen sind fast allenthalben mit Pflanzenwuchs überzogen, die Wäl- 



11 

der wenig zerrissen, theilweise in langem ananterbrochenen Zusammen- 
hange. — Dieser Erhebongsform wegen beherbergen die Uralpen bei 
Weitem die ausgedehntesten Gletscher und Ferner. 

Die Hange der Urfelsberge wechseln in ihrem Falle awischen M 
und Kf^, gewöhnlich jedoch zwischen 15 und dO^, nur selten fallen sie in 
förmlichen Winden ab. Ihre mittlere Neigung betr&gt nahezu W^, ist 
daher nur wenig geringer, als jene der Kalkberge. Dass die Urfelsberge 
demungeachtet viel weniger schroff erscheinen, liegt in dem Abgange der 
Wände und in der bedeutenderen Erhebung der Seitenthäler, welche nicht 
selten bis auf 5000 Fuss Seehöhe und darüber ansteigen, — Bezeichnend 
sind auch die Absätze weniger zahlreich und weniger flach, unterbrechen 
daher viel minder auffallend den regehnässigen Abfall der Hange. — - Die 
Gipfel der Urfelsberge sind meistens spitz. 

Die granitischen Formen gehören zu den massenhaftesten und soli" 
desten, und dennoch entwickebi sie dabei sehr viel Anmuth und Mannig- 
faltigkeit Die Cranitberge sind selten einfach, meist aus vielen einzelnen 
Kuppen zusammengesetzt, die überall sich zu isoliren streben. Ihre 
Spitzen und Abhänge sind oft von Felsen geziert, die meist wie aus 
übereiaandergelegten Polstern ruinenartig aufgebaut erscheinen, und rings 
um sie her ist ein Meer von woHsackformigen Felsblöcken ausgestreut. — 
Diese echt granitischen, blockbedeckten, felsengekrönten Bergkuppen sfaid 
jedoch hier nicht so zahlreich wie in Böhmen. 

Die äussere Form des schieferigen Urfelses wechselt wesentlich 
nach der Stellung der Schieferang. — Wo diese nahezu wagerecht ist> 
sind die Berge und ihre Bücken breit, wo aber die Schieferung aufrecht 
steht:, iida ragen die zackigan Felsspitzen schroff zum Himmel empor, 
ausser dem Dolomite liefert kaum ein anderes Gestein so scharfe »Fels- 
nadeln" twid »Hörner"« 



8 

Kalkberge. 

Nördlich und südlich lagern sich an die Uralpen in gleichem Zuge 
von Westen nach Osten die Kalkalpen ; nördlich in einer mittleren Breite 
von 5, südlich in eine Querausdehnung von 5 — 11 Meilen. 

Die Kalkalpen sind eine ungeheure Buine« ein wildes Gewirre von 
Berg und Felsketten, Nadeln, Zinken, Mauern, Schlünden und Thälern, 
aus deren Bichtungen und Gestalten die wahre Beschaffenheit der ursprüng- 
lichen Anordnung oft kaum mehr erkannt werden kann. 

In der Erhebung der Kalkalpen herrscht überwiegend die Gipfeibil- 
dung vor^ daher die Steilhdt ihrer Hänge, die prallen Wände, die hoch 
emporragenden Gipfel, die schmalen oft schneidigen Gräten, die tiefeinge- 
schnittenen Sättel, die vielen Abstürze und Wasserlälle, 



It 

Diese Erhebung^sform and die später noch erläuterte eigeiitliumliche 
Verwitterung der Kalkgesteine ist der Grund, warum kier der Fels al* 
lenthalben zu Tage geht, sie ist der Grund der zahllosen pflanzenlosen 
(Kellen, der durch unzählige Schluchten gefurchten Hänge , der ausgedehn- 
ten Schutthalden, des vielfach zerrissenen und oft sehr spärlichen WsMt 
Standes, kurz der hervorragenden Wildheit dieser Gebirge. 

Diese Erhebungsform , bei welcher zwar eine grosse Anzahl von 
Gipfel , aber nur wenig ausgedehntere G^birgsmassen die Schneegrenze 
übersteigen, ist der vorzüglichste Grund, warum hier einerseits zwar die 
Vegetationsgrenze tiefer herabgedrückt wird , als es bei 'nässiger Er- 
hebung der Fall wäre, warum aber auch anderseits sich in der Eisre- 
gion nur wenig bedeutendere Schneemassen und Gletscher anhäufen. 

Die Neigung der Hänge (ausschliesslich der V^ände) wechselt ge- 
wöhnlich zwischen 17 und 45<>. Im Mittel beträgt sie auf den vorsprin- 
genden Riegeln SS und auf den flachen Seiten 33^; sie mag also im gros- 
sen Durchschnitte etwa 85^ sein. —Die Neigung ist daher nur unbedeutend 
grösser als bei den Urfelsbergen. Das viel Schroffere des Kalkgebirges 
liegt auch wirklich nicht in den bewachsenen Thc^len der Hänge, als viel- 
mehr in der Anzahl und Mächtigkeit der Wände, welche deren Verlauf 
unterbrechen. — Auch trägt Manches die tiefere Lage der Seitenthäler dazu 
bei, weichein den Kalkbergen selten über 4000 — 4500 Fuss fainansteigen. 

In den Kalkbergen sind auch die den Hang unterbrechenden Absätze 
insbesondere ober den jähen Wänden viel flacher und breiter; vne denn 
überhaupt der Abfell sich hier viel ausgeprägter staffelfSrroig zeigt. 

Häufig sind auch die obersten Theile der Kalkberge buckelartig 
(plateaußrmig) verflacht und fallen dann plötzlich in jähen Wänden «ab. 

Die Gipfel sind auch seltener spitz, weit häufiger zinken- und kammfftrmig. 

Bezeichnend für die Kalkberge sind auch die Zerklüftungen und Höhlen. 
Aufs Grossartigste tritt die Höhlenbildung in Krain hervor. Unzählige Bä- 
che, ja ganze Flüsse stürzen dort plötzlich in die Tiefe, und kommen erst 
stundenweit wieder aus dem Bauche der Erde hervor. In meilenlangen 
Irrgängen winden sich die Höhlen fort, hier sich fast verschliessend, 
dort sieh wieder erweiternd zu thurmhohen Grotten, ausgestattet mit 
Tropfsteinbildungen, welche an Abentheuerlichkeit der Form unsere kühn- 
sten Fantasiegebilde übertreffen. 

Durch grosse Unfruchtbarkeit der gerundeten oft von blendend weis- 
sen Felsen umgürteten Höhen unterscheidet sich die im Süden vorkom- 
mende Kreide von gewöhnlichem Alpenkalke. 

Die Felsen, Blöcke und der Schutt des Kalkes sind eckig und 
letzterer hat besonders bei der Kreide fast schneidige Kanten. — Keine 
Felsart liefert so viel Schutt, als der Kalk 5 wesswegen denn die Holz- 
scbidie vorzugsweise in den Kalkalpen üblich sind , und vor Allem im Krei- 
degebirge vortreffliche Dienste leisten, wo die zahlreichen Hornsteiii-v 
knoUen die Schärfe des Schuttes noch vermehren. 



18 

Dolomitberge. 

Die Wildheit» das Schroffe und Zerrissene der Kalkalpen mit AR dem, 
was sich daran knüpft, erreicht ihren Gipfel im dolomitischen Gebirge« 
welches am AUeraasgepragtesten dort hervortritt, wo Südtirol mit dem Ve- 
nezianischen zusammenstösst 

Dort steigt der vollendete Dolomit in geisterhaft weissen zahllosen 
und farchtbaren Wänden , Nadeln und Zinken mehrere tausend Fnss hoch 
aus den tiefgrünen Wtldma«|sen in die Wolken hinauf. — Oft möchte man 
diese wunderbaren Massen mit riesenhaften Wasserfällen vergleichen, die 
plötzlich in undurchsichtiges Eis erstarrt, mit ihren ungeheuren Zapfen auf 
den Kopf gestellt wurden. Nirgends bricht ein Spalt anderer Richtung das 
Senkrechte dieser Linien , und einzelne dieser merkwürdigsten aller Berg- 
kolosse erheben sich lothrecht bis hoch in die Region des ewigen Schnees. 

Die übermässige Schroffheit der Dolomitberge liegt nicht in einem stär- 
keren Fall des bewachsenen Theiles ihrer Hänge, denn diese fallen auch 
nicht steiler ab, als in den gewöhnlichen Kalkbergen; sondern vielmehr in 
dem grossen Vorwiegen und der ungeheuren Mächtigkeit der Wände. 

Das Dolomitgebirge dürfte das Allerschuttreichste sein. So schwer der 
eckige und schneidige Dolomitschutt in krümmliche Erde verwittert, so 
leicht zerfällt er nach seinen eigenthümlichen Absonderuugsflächen in Grus 
und Sand. 

10 

Granwake und Trappberge. 

Durch den Kalk und insbesondere durch den Dolomit der südlichen 
Alpen brechen stellenweise Porfir, Basalt und andere Trappgesteine, und 
an den Rändern der Uralpen Grauwakengebilde hervor. Sie liefern 
Bergformen , welche mit jenen der Uralpen ziemlich zusammenfallen» -^ 
Ihre Ausdehnung ist jedoch nicht bedeutend genug , um das Gepräge der 
Ur- oder der Kalkalpen im grossen Ganzen zu ändern. 

Die Gr'auwakengebilde bestehen nicht aus einem, sondern aus mehre- 
ren Gesteinen, welche vielfach mit einander wechseln und dadurch auch 
die Bergformen ändern. Die herrschenden sind Thonschiefer und feinkör- 
nige Grauwake. Sie bilden plumpe breite Berge oder wellenf5rmige Hoch- 
bnckel, durchschnitteil von sehr gewundenen Thälern. Wo Felsen aus den 
Hingen hervortreten, bestehen sie aus zackigen oder spiessigen Kämmen, 
an deren Gestalt man die Lage der Schieferung schon von ferne erkennen 
kann. Der Schutt dieser Gebilde ist klein, schieferig, und bei den talkigen 
Abänderungen bröckelig und erdi^. Kein Gebirge ist so reich an Erdaus- 
rissen, BergabMtzungen und den von diesen in den Thälern gebildeten Allu- 
vialkegeln, als die talkige Grauwake. 



Die Berg^e de« Porfirs sind einfacher als jene dea Granites« Seine 
Felsen sind eckig und kantig, er sondert sich fast säulenförmig ab, und 
bricht in eckigen Steinschutt zusammen. 

Der Basalt neigt sich auch in den Alpen der kegelförmigen Bergbiidung 
zu 9 seine Felsen und Ablösungen sind auch hier säulig, tafelförmig oder 
schalig. 



11 

Saidstein- imd Terzübrberge. 

Am Fusse der Hochberge treten sehr häußg Sandsteine hervor, oder 
es lagern sich andere Sandsteine oder Tertiärgebilde an. Im Norden , Osten 
und Süden bilden diese Gesteine den grösseren Theil der Vorberge und auch 
zwischen den Hocbbergen lagern sie sich ein. 

Diese Felsarten bilden blosses Gehugel oder niedere Berge, wie sie 
überall vorkommen. Sie haben gewöhnlich sanfte Formen, runde weiche 
Konturen, und ermangeln der Felsen so wie der Wände; diess Alles, 
weil sie aus den Trümmern der anstehenden Hochberge entstanden sind, 
oder weil sie sehr leicht der Verwitterung unterliegen. 

Die Neigung der Hänge schwankt auf den vorspringenden Riegeln 
zwischen 8 und 15, und auf den Rachen Seiten zwischen 10 und t5 Gra- 
den, sie mag im Mittel bei den ersteren 12, und bei den letzteren 18, 
und im Durchschnitte des ganzen Gebirges 17 Grade betragen. — Diess 
ist die Neigung der Hänge im Ganzen; stellenweise schwankt sie jedoch 
zwischen 3 und 15, und zwischen 10 und SO^. 

Diese Neigungen gelten für die eigentlichen Berge, jenes letzte Ge- 
hugel jedoch, welches sich unmittelbar in die Ebene verliert, ist bedeu- 
tend flächer, seine Riegel fiallen im Mittel um blosse 10, seine Seiten um 
blosse 15» und das ganze Hügelwerk um etwa 13^ ab. 

Auf die öfter vorkommende Nagelfluhe passt jedoch diese Beschrei- 
bung nicht. Sie kommt in ihren Formen ziemlich dem gewöhnlichen Al- 
penkalke nahe, nur sind ihre Berge runder und ihre Felsen plumper. 

12 

Klima der Älpei. 

Clachländer. von massigem Umfange haben ein bestimintes RBma. 
Nicht so die Alpen, hier ist die Wirkui^ der Meteore in jeder Höhep- 
Bone eine völlig verschiedene « eine ganz andere nach der Hauptverflä- 
chung der Gebirgszüge, ja selbst auf den vier /Seiten ein und desselben 
Berges ist sie sehr ungleich. 

Es gibt also kein allgemeines Alpenklima» wenn man nicht eben de« 
ungeheuren örtlichen Wechsel mit diesem Namen belegen wollte. 



15 

Einen einzigen Idimalischen Faktor haben die Hocbberge so ziemlich 
gemein^ d» i. «ehr starke wässerige Niederschlage. 



13 

LnftwErme. 

Ich rede hier nnr von der Wärme jener auf dem Boden aufliegenden 
Lufkschichte , in welcher die Vegetation und der Mensch sich bewegen; 
denn nur diese ist für die Bodenkultur von erster Bedeutung i und nur in 
dieser sind zureichende Beobachtungen angestellt worden. 

Riesengross sind die Warmeunterschiede, welchen wir in den Alpen 
begegnen. Ihnen gegenüber treten jene der übrigen Meteore tief in den 
Hintergrund. Die gewaltigen Verschiedenheiten der Wärmeverhältnisse 
sind es vor Allem» warum wir in der geringen Erstreckung eines einzi- 
gen Gebirgsabfalies fast alle Zonen Europas durchschreiten, warum wir 
auf dem Gipfel eines Berges, an dessen Fuss wir vor der sengenden 
Hitze in Weinlauben und Feigengebüsch flüchten^ warum wir auf dem 
Gipfel des nämlichen Berges ewigen Winter und völligen Pflanzentod 
finden. 

Von sehr geringem Einflüsse ist hierbei der Unterschied in der 
Polhöhe. 

Der Alles überwiegende Faktor ist die Erhebung des Standortes 
über die Meereshöhe. Die Seehöhe ist wirklich so entscheidend, dass 
gleichsam nüt ihr allein schon das Klima jedes Ortes ^ dessen Vegetation 
ja selbst dessen Thierleben und das Wirken gegeben sind , welches der 
Mensch dort zu entfalten vermag. 

Von ungleich geringerem aber immer noch erheblichem Einflüsse 
sind dann noch die Massenhaftigkeit des Standortes, die Neigung und 
Farbe seiner Oberfläche, seine Lage gegen die Weltgegend und gegen 
die Winde ^ so wie einige andere untergeordnetere Umstände. 



16 



14. üebersichtstafel der Lnftwärme anf allen meteorologischen Sta- 



Zahl 

der 
Beob- 

ach- 
tuags- 
jähre 



Beobaehiiiiissort 



n • n » t e 



Name 



00 
35 

8 



nrordabrall 

Wien 

Kremsrnfloaler • • 
Salzburip • 



3 Reichenhau 



12 

1 
8 
8 



5 

60 

6 

1 
3 
8 
1 
4 
1 
1 
1 
1 
lOi/i 



MQncheD • • • 
Beoediktbeuern* 
Aüdecha • • • 
Teg^ernaee 



17 llPeiaaeiiberg^ • . • 



Admont • • • 

Jonabruk» • • 
Chur .... 

Lienz . • • • 

isbfichl . • • 

iUenwald • • 

lagrils . - . 

iGriea • . . . 

nnicbeu • • • 

Heilig^enblut • • 
Haller Salzber«^ 

Vent . . . • 
S. Gotthard 



8 S. Biarla •• Wmo«? Jock« 
1 Pleaaa Goldzeche • • 

1 Pavilioil >• UBtcimtglttociMr 

JohaMiliahflUe •» ^m Pasime 

FaulhoFD 

Col da Geaot • • • 



6 
2 

10 
8 
1 
3 
3 

a 



15 

6 

16 



15 
10 
37 

7 
70 

10 
5 
2 



Ostttbfoll 

Marburg: 

Laibach 

Graz 

Klagenfurt • • • • 

Radaberg: • • • . 

Oblrberg / h Stazlon 
bei Kla- ] II. Stazlon 
g^enfurt ( Ili. Stazlon 

ZOrlch 

Lendaburf • • • • 
S* Gallen . . . • 

Trleat. . . . . . 

Venedig: 

Padua. 

Pavia 

Görs ...••• 
Malland . . . . • 
Breacia ..... 

Trient 

Tolmezzo .... 

Soiplio 

Monte Cenia. • - • 
S. Bernhard . . • • 



Breite 
Sr. 



*8-ia 
48-8 
47-« 
47-« 
48-9 

47—42 

47— a« 

47— jQ 
47—48 



See« 

hm 

Fuse 



460 
1220 
1340 
1450 
1620 
1940 
2220 
2320 
3100 



0.6 

-1.0 

0.« 

2.8 
0.8 

-1.« 

1.8 

-2-0 
-0.* 



47—84 

47—» 
46—50 

46-48 
47-87 

47— »7 

46—59 

47- la 
46—4* 
47- 1 

47-18 

46-« 
46—« 

46—38 

47— 4 

47— e 
46—« 



1700 
18*20 
1020 
2380 
2420 
2050 
3620 
3750 
4100 
4110 
4660 
5960 
6850 
7870 
8840 
7430 
7800 
8500 
10.900 



-3.6 
-2.9 
-0.1 
-4.1 
-1.» 

-0.4 

-2.1 

-2.5 

-7.8 
-2.8 
-2.5 

-6., 
-7m 
-9.» 

-11.4 



46—85 

46— 3 

47— 7 

46—87 

46% 

46V, 



47— as 

46—88 
47-46 



840 
940 
1230 
1380 
2470 
3880 
6090 
6460 



1.5 

-2.2 
-3.5 

3.S 

-0.6 

-4.1 



Jftnner 



-1.6 
-3.5 
-1.6 

-!.• 
-3.3 
-3.4 

-1. 5 

-2.0 
-2.1 



Febf. 



—5.4 
8.8 

—1.5 

—4.8 
3.4 

-2.8 

—2 
2 

—6 

—3 

—2 

— 7< 

—7 

— 12.5 
13.4 



9< 
6. 

-3. 

-4. 

—3. 

— 1. 
2. 

—6- 



0. 
— l. 
— 0. 

2. 
— 0. 

1. 
-0. 
-1. 
— 0. 



■in 



Aprü 



0.4 
0.9 
1.9 
—0-9 
0.8 

0. 1 

1.4 

-4.0 

-0.8 

-0.1 

—2.7 

-8.1 
-8.4 
—10-4 
—12.1 



4.9 
2.8 
1.6 
5.5 
3.» 
-0.» 
8.4 

o.< 

1.0 



3. 1 
8.4 
5- 8 
2. 
2. B 
1. 6 

0. 7 

1. 1 
0. 6 

—0. I 

-0. 9 
—5. 4 

—7. 5 

— 9. 2 
— 11.1 



Mai 



11.0 

8.« 
9.0 
9.4 
8.» 
10.1 
8.9 
6.4 
6.» 



8. 

9. 

8. 

4. 

8. 

6. 

4. 

6. 

4. 

2. 

1. 

-0. 

-8. 

—6. 

-4. 



16.8 

13.; 
11.9 
14.9 

12.8 

16. 3 

15-0 

11.5 
11.8 



Jim 



— o.y 

2*8 

2.1 

0.9 

-0.» 

—6.7 



1290 
1300 
1750 



-0.9 

-0.1 

0.9 



-1. 
-l. 
— 1 



45—88 
45—86 
45—84 

45—18 

45-54 

45— S8 

45—38 

46—41 

— 81 
46—84 

45-14 

45-60 




20 
. 40| 
220 1 

270 n 

440 

470 

720 1 

960g 

3500 

6150 

7900 1 



3.5 
4.4 
3.6 
2.5 
7.6 

2*4 

4.6 
1. 

0* 

2* 
-5. 
-7. 



-0 
1 

1 

5 



2-0 

0*7 
— 1.8 
-1.» 

-7.1 
-8*8 



0.6 

—21 

0.9 



3.8 
3.9 

3.0 
3.5 
5.0 
3-4 

4.0 

3* 
0* 
0* 
4- 
-7. 



8.7 

2*8 
29 
1*8 
4.4 
0.3 
-6.4 



3.8 

3. 

4.5 



6.9 
7.6 

6.9 

8.0 

7i6 

8.3 

9.6 

8.6 

4.0 

4*5 

-0*5 

-6.5 



9.1 

8.8 

8.4 
6.4 
8.8 

3.9 

— 1.8 



8.1 
10.0 

9.4 



11.9 
12*6 
11*9 
12*5 
12*5 

12.9 

14.8 
14.6 

9.f 

8.5 

5. 
-2*0 



14- 

14< 

15* 

12* 

14* 

11* 

lt. 

8* 

9* 

9* 

6* 

5. 

2. 

0* 

— 0. 



16* 
14* 
13* 
12* 
10. 
10* 
3* 



18. 

18* 

16* 

18* 

16* 

15* 

15* 

8. 

15* 

13* 

12« 

12' 

5< 

6< 

2. 



2* 5 



20.8 
18* 8 

17.7 

17.7 
14. 9 
12. 1 

8.8 



14*6 
15*6 
13*5 



17 

17 

17 

17 

12 

17 

17 

19.4 

15.8 

11.7 
9.6 
2.0 



17.3 
19.8 
16*0 



20.8 

fl.8 

20*1 
21. 7 
20.1 
21.4 
20.8 
21.4 

19*8 
13.9 

15.0 

4.3 



MU 



21- 5 
17.9 

16-8 

22.3 
17.» 

18. 8 

19. 8 

17. 9 
16. 8 



1R.9 
18.4 
18*8 



17 

18 

15 

14 

12 

15. 4 

14.0 

11.4 

12.7 

7.» 

9.4 

4. 

5.f 



4. 



15- 
19« 
20* 
19* 
16. 
16. 
14. 
9- 



18-5 

21.4 
18.0 



22.7 
23.9 
22.9 

23.6 
22 
23 
23 
23. 
20. 
17. 
16. 
6< 



ümm der SsterrdcbisGlien Alpen und ihrer nSehsten Umgebung 



II 






Jahreszeiten 




J m U 


r 


"1 


1 


ügiit 

21.1 


16.0 


Octob. 


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■ehaStta 




10.0 


4.0 


0.0 


10.8 


20.8 


10.6 


-26.6 38.» 


—14.1 31. T 


9.1 — 12.5 


10. 8 




17-0 


13.x 


8-4 


2.7 


-1.9 


8«* 


16.9 


8.1 


-28. 4 33 


—14. 9 27.8 


6.7 — 9.8 


7.8 




15* > 


13.7 


9.4 


5.0 


-0.8 


7.6 


16« 


9.4 


-23. 33.8 


—17.« 30« 


7.8 — 9.4 


8.« 




»1 


16.4 


9.« 


4.6 


1.1 


9.« 


20.« 


10.0 


-^ 




— 


10« 




16.4 


13.0 


8.7 


2.4 


-1.3 


8.0 


16.« 


8.8 


— 


_ 





7.8 




17- fi 


11-8 


6.0 


1.8 


-1.0 


8.« 


17.« 


6.4 


— 





_ 


7.8 




».« 


16-0 


9.4 


3.4 


— 1.0 


9.1 


19.0 


9.4 


— 


— 





9.1 




16.0 


13.7 


6.8 


f.a 


— 1-7 


6.t 


16-0 


7.0 


— 


.. 


— 


7.0 




15.7 


12. 


7.0 


2.2 


-l.i 


6.1 


16. 


7. 


-22. 8 32. 7 


— 


— 


6.8 




17. s 


15. > 


9.4 


10 


—2-9 


8-9 


18« 


8.« 


—24.0 34.1 






8.« 




18.0 


U.8 


115 


f. 5 


— 1.9 


10. 


18« 


9.0 


-31.« 37.6 








9.« 




170 


15.1 


10.8 


5.4 


0. i 


10.1 


17.7 


10.« 


^-. 


-^ 





9.5 




15. 


11.8 


6.3 


—2.0 


—3.1 


6.6 


16.8 


5.* 


-21.7 29.« 








6.4 




18. s 


U-o 


8.7 


2.» 


-1.7 


8.& 


17.9 


8.« 


— 


.^ 





8« 




tS-3 


12-8 


7.» 


3.« 


-.0-4 


6« 6 


15« 


7.« 


.^ 


.— 


— 


7.« 




13.fi 


11.5 


7.0 


-0.4 


— 1.8 


6- 3 


14.4 


6.« 


-19.0 23.4 





„^ 


6.8 




n.t 


11.4 


5.9 


3.3 


—2.9 


5.« 


12.0 


6.9 





M. 


— 


5.4 




n.« 


11.» 


8.7 


—2.4 


-4.8 


4.7 


16. 1 


5.8 


—23.8 28.8 





— 


5.» 




II.» 


10.0 


7.7 


—0.8 


—2.1 


3.9 


13.« 


5.6 


—16.4 27*0 





.* 


5.1 




1|.3 


11.0 


8.0 


—05 


-2.7 


2.« 


11.7 


6« 


-19.0 24.0 





— 


4.4 




ii.fi 


5.0 


2.3 


«.5.7 


—7.4 


—0.4 


12. 4 


0.5 


-31.0 26.0 


— 


— 


1.8 




7.S 


50 


-0-1 


-4.8 


-7.6 


—2.8 


6.7 


0.0 


-30.» 19.4 


— 


.^ 


—0.9 




7.» 


lo 


-1-7 


—9.0 


-10.7 


-4.6 


7.6 


—3.0 


— . 


—28.« 19« 


— 


—2.7 




3.4 


0.2 


-2.9 


-7.4 


—12,« 


—6.6 


3.« 


-3.4 


— 


— 


— 


-4.6 




— 


«» 


— 


—m 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 






5*1 


3.a 





— 


-^ 


— 


— 


— 


— 


— 


verinuthlich| 


— 1. 8 




3*1 


1.5 





— 


— 


— 


3.« 


— 


— 


— 


-6. 




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"^ 








^ 
















12.0 —12.« 


12.1 




».? 


16.« 


9.1 


2.4 


3.1 


9.8 


21.6 


8.9 


—18. 30. 







10. 8 




18.. 


15.0 


9.1 


3.4 


-2.8 


8.6 


19« 


10.0 


-22. 33. 


—17 31 


8.0 ^10*1 


9.0 




17.« 


13.4 


9.« 


2. t 


—3.0 


8.1 


18.« 


8,9 


—24. 8 31. • 


_« 


«. 


7.6 




15.1 


11.9 


— . 





—1.0 


6.8 


16.5 


7.0 


-19.4 27.5 


__ 


„^^ 


7.« 




15.2 


13.1 


9.« 


5.7 


0.0 


7.8 


15.6 


9.« 


—14-4 31.8 


_ . 


— 


8.0 




U.4 


8*7 


6*5 


2.t 


—1.4 


4.« 


13« 


6.8 


—10. 25. 





— 


5.8 




7.8 


5.1 


2.4 


-3.1 


—6.8 


—1.3 


8.0 


1.6 


-21.4 28-4 


— 


1 - 


0.0 




17.1 


13.0 


9.0 


4.« 


-0.0 


8.8 


17.7 


9.0 








8.» 




19.1 


16-0 


0.« 


TmO 


—1.4 


9»? 


20- 1 


10.4 


^^ 


.M 


„^ 


9.7 




19.7 


14.0 


9-4 


4.8 


0.1 


9.1 


18.1 


9.4 


— 


— 


— 


9.8 




8.S 


19.7 


13.1 


6-« 


2.1 


12.1 


21.9 


13.1 








12.4 




23.1 


19. 


13.7 


7.0 


4.1 


12.0 


22.9 


14.0 











13.0 




tt.i 


19.0 


13.0 


6.4 


2.8 


12.1 


21.« 


13.0 


-15.0 36.» 


... 


... 


12. 6 




23.1 


19.0 


13.5 


7.1 


2.2 


12.0 


22. 8 


13. 8 


-15. 3 37.6 


... 





12. 7 


!?•• 


20.tr 


12.« 


8.9 


5.9 


10.8 


21.8 


13. 8 







— . 


13. 1 




Z3.1 


19.0 


U.A 


7m 


2.1 


13.0 


22.8 


13* 2 


—16.« 34.4 


„^ 


.^ 


12.8 




a.i 


20.8 


12.8 


9.0 


3.7 


13.9 


22.4 


14.0 




__ 


^»_ 


13.4 




23.1 


19.8 


13.7 


6.8 2.0 


H.» 


22-4 


13.5 


-13 37 


_ 


9.0 — 14.» 


13.0 




10.4 


17.5 


10-8 


5.1 -^>.» 


9-6 


20. 1 


11.8 — 


_ 


— 


10.8 




le-c 


12.6 


8.5 


2.5 Ob 


8.8 


15.9 


7.9 - 





— 


8.« 




17.5 


11.0 


6-1 


—0.6 -*5-7 


4.7 


16.5 


ö.« — 


»^ 


— 


5.4 




<•« 


3.5 


— 0« 


—4.8 


-7.8 


—1.8 


5.9 


-0., 


—30« 19.7 


— 


— 


—1.0 



18 



15 

Hehrang der LnftwSnne mit der fallenden PolhOhe. 

Weil die ostreichischen Alpen mehr ak drei geografische Breitegrade 
einnehmen « so ist deren Luftvvarme bei sonst ganz gleichen Verhältnissen 
schon nach der Polhöhe verschieden, mid steigt von Norden nach Sflden. 

Die Mehrung beträgt für den Breitegrad im Jahresmittel: 

Wlm«ffnde 

Auf der Nordseite • • • O.s 

In der Mitte 0.« 

In den südlichen Th eilen * O.y 

Mittel 0.« 



16 
Allgemeines Aber die LnftwSnne bei versebiedener HeeresbObe. 

Die Luft selbst zwingt den durchgehenden Sonnenstrahlen nach Mass- 
gabe ihrer Dichtigkeit einen Theil ihrer Wärme ab. Und da sie mit der 
steigenden Seehöhe immer dünner virird, so muss schon darum auch ihre 
Wärme sich vermindern. 

Aber eine weit mächtigere Wärmequelle für die auf den Boden auf- 
liegende Luftschicht — und um diese handelt es sich hier — sind die Berge 
selber^ ebenso durch ihre Oberfläche^ wie durch ihre Massen. 

Ungleich stärker, als die Luft erwärmt sich durch die Besonnung die 
Oberfläche der Berge ; das blosse Befühlen mit der Hand kann uns oft davon 
überzeugen. Ein grosser Theil der eingesogenen Wärme tritt alsbald in 
die Atmosfäre über. Da nun die beschienene Fläche nach Oben zu immer 
kleiner wird, so vermindert sich auch die Wärmeabgabe. 

In welcher Weise die Berge als blosse Massen auf die Erwärmung 
der Luft wirken, ist vieUeicht noch nicht genug ins Klare gestellt; die 
Wirkung selbst aber ist eine unzweifelhafte Thatsache. Weil nun auch die 
Massen der Gebirge mit ihrer Erhebung immer geringer werden^ so ist das 
der dritte gewichtige Grund, warum die Luftwärme mit der steigenden See- 
höhe immer tiefer fäUt 

Die grössere nächtliche Wärmeausstrahlung (wegen der grösseren 
Dünne und Durchsichtigkeit der Luft, und wegen der grösseren Heiterkeit 
des Himmels) drückt; die Temperatur der Höhen. 

Die Verdichtung der Wolken zu Regen und Schnee hingegen ist wie- 
der eine nicht unbedeutende Wärmequelle für sie, denn sie macht sehr viel 
Wärme freu 

Die folgenden Tafeln zeigen einerseits die hauptsächlichsten Mo- 
mente der Luftwärme, wie sie in den österreichischen Hochbergen im 



19 

Durchschnitte wirklich sind, und anderseits das thatsSchliche Gesets der 
Warmeabnahme nach der Meereshöhe. 

Ich habe diese Tafeln grossentheils aus den Beobachtungen abgeleitet, 
deren vorzüglichste Ergebnisse in der Tafel ii verzeichnet sind. Sie dürf- 
ten die Stelle ganz genauer Isothermentafeln immerhin solange vertreten 
können, bis zahbreichere und wohlineinandergreifende meteorologische Be- 
obachtungen uns in die angenehme Lage bringen werden, das Unvoll- 
ständige und Beilauflge derselben durch völlig Ausgebautes und Genaues 
zu ersetzen. 

Obwohl bei diesen Tafehi von allen bloss örtlichen Wärmeverschie- 
denheiten völlig abgesehen wurde , so musste ich doch natürlich jene mit 
aufnehmen, welche sich auf ganzen Landstrichen geltend machen; es wa- 
ren das vorzüglich die Erhebungsform der Gebirge , die Farbe des Felses, 
die Lage der Grebirgssenkung gegen die Sonne und gegen die Winde. 

Zum besseren Verständnisse der Tafeln und der darauflfolgenden Er- 
klärungen will ich nur noch Folgendes andeuten. 

Die Wärmeabnahme nach der Seehöhe ist in Gebirgen von massiger 
Erhebungsform (Urfelsbergen) geringer, als in jener von gipfeliger Er- 
hebung (Kalkbergen). 

Berge von dunklem Gesteine (Urfels, Grauwacken, Trapp- und 
Sandsteingebilde) sind wärmer als jene, welche aus lichten Felsarten 
(Kalk) bestehen , denn die Sonne erwärmt sie weit stärker. 

Der Südabfall der Alpen ist wärmer wie der Nordabfall, denn er- 
stens ist eine grössere Fläche seiner Bergzüge der Sonne zugekehrt, und 
zweitens ist dort die Beschattung durch die vorstehenden Berge weit ge- 
ringer, weil diese weniger hoch sind. 

Die wärmsten Winde sind in diesen Breiten die südlichen. Hierauf 
folgen die westlichen. — Die östlichen Winde sind kühl und am kältesten 
die Nordwinde. — Jenachdem nun ein Gebirgsstrich den kalten oder war- 
men Winden mehr oder weniger verschlossen oder geöflfnet ist, ändern 
sich auch seine Wärmeverhältnisse. 



17 

Hohe fBr einen Grad Jahreslnftwllrme. 

Die Höhe, um welche man durchschnittlich in den Hochbergen steigen 
muss, um eine um einen Grad geringere mittlere Jahresiuftwärme zu fin- 
den, erhellt für die Regionen der Pflanzenkultur aus folgender Tafel 



M 



^ 





T«n dar Ebene 
Indle 


Ten den HanpttliMern In die 
•bere Grense der 


Hanp««haier 


lekflithUer | SnuMrel 


finnai | Httd 


Creuci 


KHel 1 «MMi 


1 niti 


Hauptatock • 
Nordabfall • • 
Westhang • • 
OsUbfall • • 
Sadabfaü • • 

Aligemeines Mittel 


500-1400 
400—1200 
500—1300 
450—1000 
4J0-1450 


650 
6S0 
630 
500 
700 


500-670 
500-600 
410-650 
340—760 
510—800 


600 
580 
600 
450 

580 


500-600 
500-540 
520—570 
240—600 
480-830 


530 
520 
530 
470 
560 


400-1450 


620 340—800 


560 


240-830 


520 


555 \ 



Die örtliche Schwankung dieser Höhe ist in der Tiefe darum am 
^rössten , weil sich hier die untergeordneten Einflüsse am meisten geltend 
machen. 

lieber der Sennereiregion, d. i. auf den vereinzelten Hochgipfeln rei- 
chen schon einige hundert Fuss hin, um die Luilwarme um einen Grad 
herabzudrücken. 



18 
H&he für einen Grad Honatwänne. 

Nach anderen Gesetzen jedoch gestalten sich die Monatisolhermen. Sie 
sind unter sich nichts weniger, als gleich weit entfernt, sondern im Winter 
viel weiter auseinander und im Sommer um eben so viel näher beisammen. 
Die Ursache tritt bei näherer Betrachtung der Tafel dieses Absatzes allso- 
gleicb hervor; die Winterkälte nemlichi wächst mit der Hdhe beiweitem nicht 
in jenem Masse , in welchem die Sommerwärme sich vermindert 

In den Hochbergen mag durchschnittlich die Höhe, um welche man 
steigen muss, um eine um einen Grad geringere Monatstemperatur anzu- 
trefTen, betragen, wie folgt. 



Januar • 


Foue 

730 


Winter • 


690 


Februar • 
März . • 


620 
580 


Frühling • 
Sommer • 


530 
450 


April • • 
Mai ' . 


540 
470 


Herbst • 


580 


Juni • • 


460 






Juli . . 


450 






August 
September 
October • 


450 
490 
620 


Jahr • . 


560 


November« 


640 






December • 


730 








19 

Jährliche Wärmeschwankimg. 

Im langjährigen Durchschnitte ist in den Alpen altentlialben der Juli 
der heisseste und der Jänner der kälteste Monat, obwohl in einzelnen Jahren 
die Extreme auch häufig in die Nachbarmonate fallen. 

Temperatirsiiiteridiiodo la den Hochborgea iwlschea dem helssestea and UltesteaTage, 
dem heiMesten and kUtestea Monate, so wie iwischea Sommer and Winter. 



Im der SeehUie v«n 


lirftrmeanteraclil^d In «r»«en 1 
Bwls«li»n ^ 1 


hdssMtn od Ultaitei 
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1000 — «000 
9000 — 3000 
3000 — 4000 
4000 — 5000 
5000 — 6000 
6000 — 7000 
7000 -~ 8000 
8000 - 9000 
9000 — 10000 
10000 — 11000 
11000 - ISOOO 


67 
63 
61 
57 
54 
58 
50 
48 


46 
45 
44 
43 
48 
4t 
40 
40 


88 

81 
80 
80 
19 
18 
18 
17 
16 
15 
13 


19 
18 
18 
17 
17 
17 
16 
15 
14 
13 
18 



Durch die geringeren Temperaturunterschiede zwischen Winter und 
Sommer unterscheiden sich auch die Hochpunkte der Alpen sehr wesent- 
lich von den Polarländern. Selbst im polaren Amerika, wo die Sommer 
jenen der Hochregionen in den Alpen so ziemlich gleichkommen, sind die 
Winter hingegen viel strenger. Gewaltig ist jedoch der Unterschied im 
Vergleich mit den östlichen Polarländern; Jakuzk, welches ich im Fol- 
genden den höchsten Gipfeln der östreichischen Alpen Cvon 12000—13000 
Fnss) gegenüberstelle, mit welchem es gleiche mittlere Jahreswärme ^ hat, 
mag hief&r ein Beispiel sein. 



\ 



Höchate Alpengipfel 
von 


Jakusk 
N.Br.eS»!' 


laooo^iaooo Fuflg 


W.L.v.6.iyM^ 


Januar • — 17.e 




'- ko " 


Februar • — 17.o 




-81. 


März . — 16.. 




-tu 


April- • — 11.» 
Mai . . ^ a. 




- 8., 


Juni • • — 6.9 




14.. 


Juli • • — 6.8 




«0.. 


August • — 6.1 
September — 6.9 
October • — 9.4 




14.. 
6., 

- 8.. 


November — 12.8 




-30.. 


December — 13.8 




-37., 


Gr«..taiWfr™e + 
Kälte — 


5 
S9 


+ 30 
— 58 



Mittlere Jahrestemperatur. 
— lO.g 
Ein ähnlicher, wenn gleich bei Weitem weniger greller Unterschied 
hat statt zwischen dem Wärmegange der tieferen Alpenregionen und den 
nördlicher gelegenen Ländern gleicher mittlerer Jahreswärme. 

Alpen in etwa Moskau Alpen in Tabor 

4600 Fuss NB. 55—45^ etwa 2500^ in Böhmen 
Seehöhe Höhe NB. 49» 24' 



Winter • • • 


-4., 


- 10.. 


- l.r 


-«., 


Frühüng • • • 


U 


6., 


7., 


7., 


Sommer • 


lao 


16.8 


16., 


16.. 


Herbst • • • 


3., 


1.. 


7.. 


7., 


Kältester Monat • 


- 5., 


- 10.. 


- 3.0 


- 4.. 


Wärmster Monat 


1«., 


17.. 


17.» 


l&o 



Mittlere Jahreswärme 



7., 



Es unterscheiden sich die Alpen daher wirklich von allen Ländern glei- 
cher mittlerer Jahreswärme durch geringere Extreme sowohl der Sommer- 
wärme als auch der Winterkälte ; nur die meerumgürteten Nordländer ma- 
chen hievon eine Ausnahme, weil die See dort nicht minder die Extreme zu 
mildern pflegt 



S8 



20 




TSgliche WErmeschwaBkniig. 

T«fM te tIgIMMii WlnMsckwukng 4«t ■•taonlogisdm SUHnas 4er A^ nl 

Ongakiif. 





«raf 


Bm 


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Chur 


HA «7 


Sagrix 


Fad«» 


Polhohe . . . 


4»-» 


46-» 


47— «8 


46—50 


46-59 


46-ai 


Meereshdhe • • 


1290 


1840 


1290 


1930 


1380 


9620 


70 


Beobachl. .Jahre 


>«k4lhri« 


10 


6 


6 


1 


1 


■«■qtonf 


Bexember • • • 


37 


4.8 






8.9 


9.5 


4.1 


JSDuer • • 




3*8 


6.» 






12.9 


9.1 


3.4 


Februar 




5-5 


7.S 






16.6 


8.8 


4.0 


Mars- • • 




7.t 


7.9 






16.1 


10-3 


4.9 


April • • • 




8*6 


10.« 






14.5 


10.« 


6-8 


Bfai • • • 




0.0 


11.8 






16.3 


12-8 


7.6 


Juni • • • 
Juli • • • 




8*» 


11.2 






16.5 


13.4 


6.6 




8.8 


llo . 






16.6 


12. t 


7.4 


AufUflt • • 




9.1 


10-6 






13.9 


10.8 


9.1 


September . 




7-» 


9-8 






13*5 


17-8 


6.9 


Oktober • • 




6-« 


7.7 






12.5 


14.5 


4.5 


HoYember • 




4.« 


5-5 






8.5 


»•4 


4.1 


Winter • • • 




4.a 


6.0 


4.0 




12.8 


9.0 


3.8 


Prflhlinff • • 




8-« 


10. i 


8-1 




15.8 


11.8 


6.0 


Sommer* • • 




8-9 


10.9 


8.« 




16.7 


12.1 


8.8 


Herbat . • • • 


6.x 


7.7 


5.7 




11.4 


13.7 


6.2 


Taliai 


6.. 


8-5 


6.« 


7.5 


13.8 


11.5 


6-9 







Tifol iber dl« Toringeiug der Wlmaichwaiikiiig nlt der SeeUUie. 



Seebohe 



Im Juli 
llittal 
ans 16 Tagren 



Seehöhe 



Genf - . • 
Obamouni 
Col di geant 





Lians . . * 
Heiltgenblnt . 
Johanniflhtttte 




Von Eode Ao|^. 

bis Anr Septb. 

Mittel 

ans 26 Ta^^en 

14.0 
11.9 
11.5 



Es bestätigt sich auch in den Alpen das für Europa aufgestellte Ge- 
setz, nach welchem die täglichen Wärmeschwankungen mit der Polhöhe 
geringer werden. Nach annähernden Berechnungen dürfte diese Minderung 
in den Alpen etwa 1.6^ für jeden Grad Polhöhe betragen. 

Obige Tafel zeigt ganz klar, dass diese Schwankungen aber noch ra- 
scher mit der Seehöhe fallen (vielleicht auf je 1000 Fuss um 0.^^)* 

Im Hauptstocke der Alpen mag die Schwankung in der für die Vege- 
tation am meisten entscheidenden Jahreszeit, d. i. im Sommer, beiläufig in 
folgenden Ziffern ausgedrückt sein. 



Hauptthäler • . 
Obere Getreidegrenze 
Obere Fichtengrenze 
Höchste Bergspitzen 



11 

8 
5-6 



»4 



21 SeehQlM der Linien gleicher JalresloftiHlrme 



iWXrme- 

grade 



13 
12 
11 
10 
9 
8 
7 
6 
5 
4 
3 

;; 2 
1 



— 1 

— ^ 

— 3 

— 4 

— 5 

— 6 

— 7 

— 8 

— 9 

— 1Ö 



&twMing 



1380— t060 
1830— «540 
2420- 3080 
3140- 3680 
3870- 4290 
4380— 4770 
4850— 5240 
5330- 5820 
5810— 6510 
6290— 6960 
6780— 7350 
7270— 7740 
7800— 8030 
8380— 8600 
8970- 9170 
9460— 9710 
9950-10260 
10490-10830 
11010-11420 
11560—11740 



1750 

2370 
2990 
3550 
4120 
4620 
5120 
5610 
6110 
6590 
7070 
7540 
8000 
8480 



lortahbU 



Sikwaüi 



Bttd 



9480 

9990 

10510 

11020 

11550 



800-1240 
1280-1970 
1660-2310 
2260-2880 
3030-3500 
8710-4120 
4300-4640 
4800-5150 
5670-5640 
5720—6120 
6020—6590 
6650—7040 
7180—7500 
7800—7950 
8070-8400 
8550-8870 



930 
1540 
2160 
2780 
3350 
3860 
4370 
4870 
5360 
5820 
6280 
6750 
7250 
7760 
8280 
8800 
9330 



WmUUUI 



8«hnika 



1090—1400 
1480-1900 
1800-2420 
2240-2940 
3J00— 3610 
3850—4250 
4350^4750 
4800—5200 
5300—5800 
5800—0500 
6200—6900 



nui 



1110 
1740 
2350 
2970 
3540 
4100 
4600 
5100 
5580 
6070 
6540 



- 



In d«r WSb» 

TOlFUUB 



1000— 2000 
2000— 3000 
3000— 4000 
4000— 5000 
5000- 6000 
6000— 7000 
7000— 8000 
8000— 9000 
9000-10000 
10006-11000 
11000-12000 



22 Dnrchgelmittlicher Cfang der Lnftwärme 



1 « « 1 



det 
Jakr. 



0.. 

7.4 

5.. 
3.. 
1.. 


-2.0 



-5.» 

-7., 
-9., 



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d«r JakrestettM 



WMtr 



-0.4 
- 1., 

-3., 

- 4.2 
-6.. 
8 
9.. 
-11., 
-12., 
-14.. 

15.T 



WMJH 



9., 

7.; 

5., 

3.0 
0., 

- 1.7 

-3.. 

- 6.0 

-7., 

- 9.4 

—10.. 



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18. 

16., 

14.r 

13. 
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3., 

2. 



-1.4 

-3.0 
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6.2 



der 



DtCM. 



-0., 
-2., 
3., 

-5.4 

6. 

-7., 
-9.. 
-10., 
-11.. 

-12.B 



2 
-3.0 

— 4 

— 5, 

— 6. 
-8., 
-10., 
-12., 

13.« 
—15., 



MWit 1 Ifa I Awil 



-7.,- 



[— 14.o|-l&4 



1.4 


3., 


8., 


0.. 


2., 


6., 


- 1.8 


0., 


4.4 


- 3.8 


- 0., 


2.. 


- 5.8 


-3.4 


0., 


-7., 


-5., 


- 1.. 


-9., 


-8.. 


-4., 


-11, 


-10.4 


-6., 


-13h, 


-12.0 


-8.4 


-14.4 


-13, 


-9., 


-15., 


-15., 


-10., 



ib 



(Iiotknei) in 


den OstreicbischeD Alpen. 






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ftUt 


SMüf 


KUd 


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UUI 


Seknüug 


HilM 




— 


0— 800 





— 


— 


13 


— 


— 


250— 1400 


720 


— 


— 


12 


«00- 900 


730 


750— 1950 


1400 


— 


— 


11 


800-lMO 


itao 


1250- 2490 


2000 


— 


— 


10 


1100-MOO 


1730 


1490-2840 


2560 


1100-2840 


1870 


9 


1300-3800 


SfOO 


1990—8530 


3150 


1300-3580 


2450 


8 


1530-4350 


2660 


2770- 4460 


3710 


1530—4460 


3020 


7 


tOOO-4900 


8750 


3370^ 4910 


4270 


2000-4910 


3490 


6 


»00-5180 


3190 


3970—5360 


4840 


2500-5360 


4020 


5 


3000-5460 


3630 


4500- 5770 


5390 


3000-5770 


4520 


4 


3500-5740 


4070 


5040- 6180 


5940 


3500—6180 


5020 


3 


MOO-0080 


4510 


5570- 6630 


6490 


4000-6630 


5510 


2 


UOO-6300 


49S0 


6100- 7130. 


7040 


4500 7130 


6000 


1 


— 


5390 


6630— 7620 


7580 


5000-7620 


6480 





— 


— 


7070- 8140 


8080 


.— 


— 


— 1 


— 


— 


7610— 8660 


8560 


— 


— 


— 2 


— 


— 


7960— 9190 


9080 





— 


-3 


— 


— 


8480— 9640 


9560 





— 


-4 


— 


— 


8880-10100 


10000 




— 


— 5 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 6 


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— 


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13., 


14., 


11., 


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11., 


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-11., 


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M 



23 

Oertliche Einflüsse auf die Luftw&ime. 

Wegen des günstigen Einflusses der Massenhaftigkeit des Erdkör- 
pers ist die Mitte einer Hochebene unter sonst gleichen Umstanden wär- 
mer, als ihr Rand. 

Aus gleichem Grunde steigen die Isothermen im Innern der Hoch- 
berge höher» als auf den vorspringenden Bergzfigen, und sie fallen am 
Tiefsten auf Hochbergen, welche im Hügellande oder im niederen Gebirge 
ganz vereinzelt dastehen* 

Derselben Ursache wegen gehen die Isothermen auf massigen Ber- 
gen höher, als auf gipfeligen. 

Die Temperaturextreme sind am allergrössten in den engen Thälern 
und am kleinsten auf den Abhängen ; weite Thäler nähern sich den Hoch- 
ebenen und ihre Wärmeschwankung liegt etwa in der Mitte. Die bezüg- 
lichen Unterschiede sind sehr bedeutend und haben einen grossen Einfluss 
auf die Vegetazion. — Ais Beispiel mögen die Stazionen 1 und H auf dem 
Abhänge des Berges Obir, gegenüber der Thalstazion Klagenfurt dienen. 
~ Darum behaupten auch die Holzer im Allgemeinen mit Recht, dass 
der Winter oben in ihren Holzschlägen (auf den Hängen) wärmer sei, 
wie tiefer unten in ihren Dörfern (in engen Thälern). Darum baut der 
Aelpler seine Wohnstätte viel lieber auf die Absätze der Berghänge , als 
in die (engen) Seitenthäler , darum gedeihen die Rebe^ die G«treide- 
arten und viele der mehr wärmefordernden Feldgewächse wid Holzarten 
noch recht gut auf den Hängen, während sie im (engen) Thale unten das 
Fortkommen versagen. 

Auf Gipfellagen haben im Vergleiche mit engen Thälern kleinere Tem- 
peratursextreme, obwohl ihre mittlere Wärme geringer ist 

Die Abhänge sind um so wärmer , als sie der Besonnupg günstiger 
gelegen sind. Daher auf den Bergen der grosse Unterschied zwischen 
Schatten- und Sonnenseite. Die Luft verdankt auf den Letzteren ihre hö- 
here Temperatur hauptsächlich der grösseren Erwärmung des Bodens. 

Auch der Winde wegen gestalten sich die Wärmeverhällnisse der 
Hänge nach der Lage gegen die Weltgegend mehr oder weniger günstig; 
die verschiedene Lage schützt sie gegen die Einen Winde, und gibt sie 
preis den Anderen. Und bekanntlich nehmen ja die Winde von Nordost 
bis Südwest an Wärme zu. 

Die Temperatur der allen Winden zugängigen Hochebene als Mittel 

angenommen, schreiten die Temperaturen der Hänge von der kältesten zur 

wärmsten in folgender Reihe fort 

/ Nordostseite 

«.. , I Nordseite 
Unter dem Mittel j q^^^.^^ 

( Nordwesiseite 



Sudostoeite 
Westseite • 
Ueber dem Mittel ^ güdseite 

Südwestseite 

Diess g^ilt von freien Abhängen. Etwas Anderes ist es im Innern der 
Hochberge, indem dort die Richtung der Winde durch jene der Thalzuge 
wesentlich geändert wird« 

Gletscher und Ferner drücken wesentlich die Temperaturen der Um- 
gebung herab« denn sie erkälten die aufliegende Luftschichte und diese 
durch ihr Herabsinken die tieferliegende Umgebung. 

Ausgedehnte Wälder ermässigen die Extreme der Temperatur, drü« 
cken diese aber im Ganzen etwas herab; Sümpfe und Wässer mindern die 
Wärme einer Gegend, ohne die Winterkälte wesentlich zu massigen. 

Auch die grossere oder geringere Menge des Regens, der Luflfeuchte» 
der Nebel, die grössere oder geringere Bewölkung des Himmels ändern 
nicht ganz unbedeutend die örtlichen Wärmeverhältnisse. 

Wirklich nehmen so viele Umstände Einfluss auf die Temperaturver« 
hältnisse, und die Grösse dieser Einflüsse ist so verschieden, dass sich der 
Wärmegang eines bestimmten Ortes nie wird aus blossen meteorologischen 
Sätzen genau jLonstruiren" lassen. 

ErdwSrme. 

Das Gebirg hat als Masse eine eigene selbstständige, sich zu allen 
Tages- und Jahreszeiten gleichbleibende Wärme. Sie vermindert sich mit 
der steigenden Meereshöhe und folgt überhaupt ganz ähnlichen Gesetzen 
wie die Luftwärme. 

In der Unmöglichkeit, die innere Wärme der Berge an vielen Stellen 
unmittelbar zu messen , hat man zu deren Beurtheilung die Temperatur der 
Quellen benützt; denn diese nehmen die Wärme des Erdkörpers an, durch 
welchen sie fliessen und ändern sie bei ihrem Ausflusse gar nicht oder nur 
unbeträchtlich. 

Nach den bisherigen Wärmemessungen der Quellen , die freilich bei 
Weitem nicht zahlreich genug sind, um daraus die Isogeothermen der 
Alpen allenthalben genau ableiten zu können , lassen sich die folgenden zwei 
Tafeln aufstellen, welche die innere Erdwärme der Alpen anschaulich 
machen. 



HftheiUiileii glelohor Erdiribrme In den dstreicUsdiOB Alpen. 



Wir- 


lordaMUl 


lai^titodc 


SftdabM 


WSr- 


fflüd 








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SchnikoH 1 itui 


S«kwukug 


liUel 


SehnUug 


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10 


— 


— 


— 


— 


1950-2300 


2050 


10 


9 


1550-1800 


1750 


1650- 2150 


1950 


1950-3100 


2150 


9 


8 


1950-S150 


2050 


1950- 2550 


2250 


2550-3400 


2850 


8 


7 


8450-2650 


2550 


2750— 5250 


3550 


3300—3600 


3350 


7 


6 


S950-3400 


3300 


3500— 3500 


5050 


3600-4100 


3750 


6 


5 


3900-4650 


3950 


4850— 5950 


5850 


3850—4650 


4100 


5 


4 


4650-5350 


4900 


5350—6700 


6550 


4550-5850 


5150 


4 


3V. 


5350-5950 


5550 


5950— 7100 


6900 


5350-6350 


5650 


3'A 


3 


6600-6700 


6650 


7100- 8100 


7800 


6150-6800 


6500 


3 


2 


— 


— . 


8250- 8650 


8400 


7300—7400 


7300 


2 


1 


— 


— - 


8550— 9800 


8850 


— 


- * 1 





— 


— 


10400—10550 


10500 







Erdwftrme der YerscUedenen Ubengfirtel der ftstrelcUseben Alpen. 



teeUke 


fordabfUi 


B«9titock 


StUabfUI 


1000 — 3000 


9 


10 


loy. 


2000 — 3000 


7«A 


8 


8'A 


3000 — 4000 


6 


7 


6% 


4000 - 5000 


4V, 


6V, 


4'/. 


5000 — 6000 


3% 


5 


3V, 


6000 — 7000 


3 


4 


3 


7000 — 8000 


— 


3'A 


i'A 


8000— 9000 


— 


2 


— 


9000 — 10000 


— 


V. 


— 



Ein höchst merkwürdig^es Erg^ebniss liefert die Gegeneinanderstellung 
von Luft- und Erdwarme* 



S9 



N'ordabfall der Atp«n 
(Kalk«Jpen) 

Mittlere Brd- Dnter- 
liUflwirme wSrme achied 



Hauptstock 'der Alpen 
(Urgebirg) 



7.» 
-0.« 



7.5 

4., 

ao 





0.8 
3.5 



In der 
MeereshMe 

2000—3000 
4000-SOOO 
6000-7000 
8000—9000 



Mittlere 
Luftwürme 

7.8 

4.. 


-4.0 



Erd- 
wirme 

6.3 

4.0 

1.8 



Unter, 
schied 

T 

«.l 

4.0 

5.8 



Ob zwar die hier zu Grunde liegeoden Dateu nicht« weniger als haar- 
scharf sind, so wurden sie doch genüg^end genau erhoben, um zu zeigen: 
1, dass die Erdwärme in der Tiefe so ziemlich mit ^er mittleren Jahres- 

luftwärme zusammeniällt; 
2« dass solches jedoch durchaus nicht üb^r die Hauptlhäier hinaus der 

Fall sei ; dass im Gegentheile in den oberen Regionen die Erdwärme 

jene der Luft um so beträchtlicher fibertriffl, als Wir uns höher 

erhellen ; 
3. dass die Wärmeunterschiede in dem mächtigen Urfelshauptstocke der 

Alpen jene der minder hohen und gipfeligeu Kalkalpen wesentlich 

übersteigen« 

Diese Thatsachen werfen plötzlich ein klares Licht über den im Ab- 
schnitte 16 hervorgehobenen Einfluss der Gebirgsmassen auf die Luft- 
wärme; sie zeigen^ dass dieser Einfluss grösstentheils in deren eigenen 
selbstständigeu Wärme liegt, von welcher sie in den drei Jahreszeiten , in 
denen die Luft kälter ist als die Bergmassen, einen guten Theil an die 
Atmosfäre abgeben. 

Diese Wärmeabgabe steht in genauem Verhältnisse zur Masse der 
Berge. In der Thahregion ist die Masse des Erdkdrpers und mit ihr die 
Wärmeabgabe so gross , dass dadurch die mittlere Luftwärme auf die bei- 
läufig gleiche Höhe gebracht wird; je höher aber die Berge sich erheben, 
desto geringer wird auch ihre Masse, und die in stets fallender Menge abge- 
gebene Wärme reicht dann immer weniger zur Ausgleichung der Tempe- 
ratursunterschiede zu* 

Auch andere wichtige Erscheinungen werden jetzt klar* 

In der Tiefe erwacht die Vegetazion zum neuen Leben gewöhnlich 
erst längere Zeit nach dem Abgange des Schnees ; denn die steigende Luft- 
wärme schmilzt diesen bei sdner verhältnissmässig geringen Mächtigkeit 
schon hinweg, bevor noch die innere Erdwärme die Krume aufthauen 
konnte. — Anders ist es in den mit einer viel mächtigeren Schneeschicht 
bedeckten Höhen. Hier birauchen Luftwärme und Sonne in der Regel so 
lange zu dessen endlicher Aufzehrung, dass die Erdwärme Zeit gewinnt, 
von innen heraus auf die Krume zu wirken, sie aufzuthaueu und die Vegeta- 
zion schon wachzurufen, bevor noch die letzte Sefaneelage verschwunden ist. 

Die Thatsache der bereits unter der Schneedecke sich regenden Ve- 
getazion ist jedem Aelpler bekannt, gar oft sieht er Buchenforste im Laube 



stehen /deren Boden noch mit Schnee belegt ist, auf jeder Alm sieht er, 
wie die letzten Schneereste durch ihr Wegschmelzen die schon fertigen 
Knospen und Blatttriebe der ersten Alpenblumen entblössen. 

Gänzlich verschieden von der Erdwarme, d. i. von der selbststandigen 
Temperatur der Bergmassen, gestaltet sich die Wärme des Bodens, d. i* 
der Krume. 

Diese unterliegt vor Allem den Einflüssen von Sonne und Luftwärme 
und geht mit der letzteren einen ähnlichen Gang. Tief gehen aber diese 
Einflüsse nicht Die Wlirmeschwankung der Tagestemperatur verschwindet 
bereits bei 3 — 4 Fuss Bodentiefe, und jene des Jahres bei 30 — 75 Fnss; sie 
vermögen also Nichts über die selbstständige Temperatur des ganzen Ge- 
birgskörpers. 

Von grosser Bedeutung sind sie jedoch für die Vegetazion, sei es, 
weil die Krumentemperatur unmittelbar auf die Pflanzen wirkt, sei es, weil 
sie die aufliegende Luftschicht erwärmt 

An gänzlich trüben Tagen und bei dauerndem Regen nimmt die oberste 
Lage der Bodenkrume ganz die Temperatur der Luft an. 

An heitern Tagen jedoch erwärmt sie sich durch die Besonnung mehr 
oder weniger, und es steigt dann ihre Temperatur hoch über jene der Luft 
Die gemeine Erfahrung und eigens darüber angestellte Untersuchungen 
haben in dieser Beziehung für die Alpen das Folgende ans Licht gestellt 
I. Bei gleich starker Besonnung und unter sonst gleichen Umständen er- 
wärmen sich die Erdkrume und die sie bedeckenden Gegenstände um- 
so stärker, als sie dunkler an Farbe sind. Schon das der Sonne aus- 
gesetzte Thermometer gibt hierüber Andeutungen ; es steigt gegenüber 
eines im Schatten aufgehängten bei völlig reinem Himmel um 6 Grade, 
und falls seine Kugel geschwärzt wäre, selbst um 21— S4i Grade höher. 
— Nun sind zwar die Pflanzen, welche die Krume decken, im Allge- 
meinen dieselben, wie in den angrenzenden Flachländern; aber die 
Krume selbst ist etwas anders. 

Die Böden der Alpen sind insbesondere in den Höhen entschieden 
humusreicher, und daher dunkler von Farbe. Der Ackerboden wird 
ungleich stärker gedüngt, und die oberste Lage der Wies-, Weide- 
und Waldböden besteht viel allgemeiner in tiefschwarzem Humus; 
die Erwärmung der eigentlichen Krume ist daher auch eine entschie- 
den grössere. 

Ausserordentlich wechselt in den Alpen die Erwärmung der am 
Tage liegenden Felsen und Steine, der Schutt- und Grussflächen; 
denn hier sind sie weisser Dolomit, gleicli daneben wieder schwarzer 
Porfir oder Basalt, dort lichtgrauer Kalk und anderswo schwarz- 
grauer Schiefer oder braungrauer Granit Wie gewaltig anders sich 
diese verschiedenfarbigen Gesteine in der Sonne erwärmen, davon 
weiss jeder Hirt zu erzählen. Am schönsten tritt dieser Gegensatz 
auf jenen Bergen hervor, wo der Porfir mit dem Dolomit zusammen 
stösst« Der Dolomitfels fühlt sich auch in der Sonne kühl an, ist also 



81 

weniger warm , als das Blut (38^), der braunschwarze Porfir dagegen 
ist völtig heiss anzufühlen; noch tief in die Nacht hinein, nachdem sie 
schon mehrere .Stunden einen Theil der am Tage eingesogenen Wärme 
durch Ausstrahlung verloren haben , noch tief in die Nacht hinein sind 
die Porflrbidcke wärmer, als das Blut; wer sich je auf einen solchen 
hinsetzte um auszuruhen, hat seine Wärme sicherlich durch die Klei* 
der durchgefühlt — Fällt dort an einem sonnigen Tage plötzlich ein 
Gewitterregen» so fangen die Porfirbldcke an zu rauchen, während 
die Dolomitfelsen nie das Regenwasser in solcher Masse verdampfen, 
dass es Nebel bilden könnte. 

Die Grösse der Erwärmung der Krume und des Gesteins unter all 
den verschiedenen Verhältnissen ist noch i^ näher untersucht worden; 
Temperaturen jedoch von 90— 65<^ in den unteren', und von 80~4rt^ in 
den höchsten Regionen habe ich selbst erhoben« 

S. Die Erwärmung ist um so grösser, als die Erdoberfläche, um welche 
es sich gerade handelt, auf die Einfallsrichtung der Sonnenstrahlen 
mehr senkrecht steht. — Dieserwegen erwärmen sich auch die Kru- 
men der Bergabhänge immer stärker, als jene der Ebenen und Thäler, 
und weil in den Alpen der bei weitem grösste Theil der Erdoberfläche 
aus Abhängen besteht, so ist die Bodenerwärmung hier im grossen 
Durchschnitte erheblich grösser, als in den an ebenen Stellen viel 
reicheren Flachländern. 

3» Dass nasse und feste Böden sich weit weniger erwärmen, als tro- 
ckene und lockere, haben die Alpen mit dem Flachlande gemein. 

4. Wohl aber begünstigt die wesentlich grössere Heiterkeit des Himmels 
(geringere Bewölkung und grössere Durchsichtigkeit der Luil) gar 
sehr die Erwärmung des Bodens der höheren Alpenregionen. 

5. Da die grössere Erwärmung des Bodens ein Werk der Besonnung ist, 
so ist sie in sehr hohem Grade verschieden , je nach der Lage des Ab- 
hanges gegen die Sonne ; denn von dieser hängt nicht nur der Ein- 
fallswinkel der Sonnenstrahlen, sondern auch die Zeit ab, während 
welcher der Boden der Besonnung ausgesetzt bleibt — Daher die un- 
gleich grössere Bodenwärme der sonnseitigen Hänge , gegenüber den 
schattenseitigen. 

6. Dass die Erwärmung des Bodens sehr geändert wird durch den darauf 
vorkommenden Pflanzenwuchs, haben die Alpen völlig gemein ^nit den 
Flachländern. Eine; viel grössere Zahl von vegetazionslosen Stellen 
jedoch haben sie bevor; die unzähligen Felsen,. Steinblöcke, Schutt- 
halden, trockenen Wassergerinne , Lawinenbahnen und Erdausrisse; 
sie haben bevor einen sehr häufig weniger dichten Pflanzenwuchs , der 
allentlialben die nackte Krume, das blosse Gestein hervorblicken 
lässt. — AU diese zahllosen grossen oder kleinen pflanzenlosen Stellen 
erwärmen sich nun ungleich stärker als die bewachsenen, und machen 
die durchschnittliche Bodenwärme der schneefreien Jahreszeit erheb- 
lich grösser, wie in den Flachländern. 



f 



Der höheren Erwärmmig folget dann g^leich nach dem Hinabsinken der 
Sonne die Abkühlung auf dem Fuase. Nicht bloss, dass die Erde während 
der Nacht sog^leich ihren Ueberschuss an Wärme insolange an die Luft ab- 
§^ibt, bis sie mit dieser auf rölUg gleiche Temperatur g^ekommen ist, son- 
dern sie strahlt in heiteren Nächten noch einen weiteren Theil derselben 
derart ans , dass sie um mehrere Grad kälter wird als diese. 

Dieselben Umstände , welche die Erwärmung^ der Erde beg^flnstig^en, 
befördern auch ihre Ausstrahlung*, wesswegen denn die Gegensätze zwi- 
schen Tag- und Nacht - Bodentemperatur in den Alpen auf das Maximum 
steigen. 

Es ist auf den dortigen Höhen nichts Seltenes , in den Sommermona- 
ten Krumen, welche sich am Tage bis auf 90^40^ erhitzt hatten, bei An- 
bruch des Tages an der Oberfläche gefroren zu flnden. 

Die durchschnittlich- höhere Erdwärme der Alpen kommt zuletzt nur 
wenig vermindert wieder der Luft zu Guten, ein weiterer Grund, warum 
bei massiger Erhebung die Luftwärme der höheren Regionen grösser ist, 
als bei gipfeligem Gebirge. 

Aber auch abgesehen vom gfinstigeii Einflüsse auf die Temperatur 
der Luft, wirkt die höhere Erd- und Bodenwärme an und für sich entschie- 
den vortheilhaft auf den Pflanzenwuchs , ihr verdankt man vielenorts das 
namhaft höhere Steigen der Pflanzenverbreitungsgrenzen (gegenüber von 
Orten, welche bei gleicher Luftwärme eine geringere Erdwärme haben). 

25 

Lvftfenchte der meteorologischen Stationen der Alpen nnd ihrer 

nächsten Umgebung. 

Der Dunstdruck bezieht sich auf die Quecksilbersäule und ist in Linien 

angegeben. 

IHmfltdmeli nacli der Sediftlie. 

Polhöhe 470 

Von den letzteren Tagen des Augusts bis gegen Ende September. 

Seeh5he Danstdruck 

FuA« Linien 

Gratz .... ISSO 5.4 

Admont • • • 1790 4.3 

Peissenberg • • 3100 a^ 

Sagris .... 36t0 3.» 



Mehrere i 8660-- 9S00 U^ 

Berggipfel \ 10500— ISSOO I.70 



n 





Wl«l 




Frtg 


asBB 


Kromiifbiftei 


Gm 


Polhöhe 


«-.3^ 




60— jjO 




48-3O 


47-^0 


Seehöhe 


«20' 




667' 




1220" 


1230" 


Beob.-Jahre 


16 




7 




17 


10 


Zeit- 


SäUlf .-proz, , 


)unat- 
Iruck 


Sättig. 
Proz. 


Dunatdruck 


Sätti«: 
Proz. 


Jl>unat 
1 druck 


Sättif. 
proz. 


fimWM 

■BlOlf 


abschnitte 


Greuel J ü. ( 


WttLfirtiMi 


I. 


Dezember 


76—98 


»S 


1.4 


79 


0.^2.9 


1*8 


92 


2k> 





1*« 


Januar . 


86—99 


93 


U 


86 


0.7-3. 


1.6 


92 


l*e 


— 


1-4 


Februar • 
März . . 


81-98 


90 


1.9 


73 


0.7-3.0 


U 


91 


h 


— 


u 


74—93 


86 


2.6 


70 


0.9—3.4 


1.9 


81 


2., 


— 


1.9 


April . . 


61-88 


74 


3.fi 


66 


l*3-4.c 


2.7 


70 


2.. 


— 


2.4 


Mai . . 
Juni . . 


60—8* 


72 


*.3 


62 


l.e-6.0 


3.6 


68 


_ 3.6 


— 


4*0 


64—79 


72 


4i 


62 


2.,-6.9 


u 


71 


4-4 


— 


»• 


Juli . . 


61-76 


71 


4s 


62 


2.8-7.4 


4ii 


73 


6.0 


— 


6-3 


Aufuat 
September 


63—79 


72 


3.8 


61 


2.^-6., 


^1 


76 


- *•? 


" 


».. 


71-86 


78 


2.9 


68' 


2.,-6., 


^-0 


80 


*.3 


— 


4.3 


Oktober . 


69-86 


80 


2.. 


76 


1.8-6., 


3.3 


86 


3.4 


— 


«•• 


November 


77-93 


87 


1.7 


80 


Ie-4.o 


2.4 


91 


2*4 


— 


2ki 


Winter . 


— 


90 


u 


79 


0.7-3.« 


J.7 


92 


l8 


90 


u 


FrOhling . 


— 


77 


3.5 


66 


0.9-6.0 


2.7 


73 


28 


74 


2*. 


Sommer • 


— 


72 


4.3. 


62 


2.3.-7.4 


4.« 


73 


4*8 


72 


6*3 


Ueri>ai • 


— 


82 


2., 


76 


I..-6.3 


3.3 


86 


3-4 


80 


^0 




















75-83 


2.s--aJ 


Jahre • • 


77—90 


81 


2.9 


70.5 


0.56-7.Ü 


3.x 


8O.3 


3., 


19 


3.04 1 




Admont 


Sah 


borg 


Htnchen 


Brflim 


PelttaiiberK 


■alland 


Polhöhe 


470-34 


470 


— ^ 


480-^ 


4t^-.3 


4^-48 


430— M 


Seehöhe 


1790' 


11 


140?^ 


1620' 


1608« 


3100^ 


44<r 


lMl.-Jahrt 


1 




6 


4 


1 


3 


2 


Seitab- 
flchnitte 


Satt 
Pr. 


Dunstdruck 


Satt. 
Pr. 


Dunat 
druck 


Satt 
Pr. 


Dnat 
drck 


Satt.] 
Pr. < 


[>unat 
Iruck 


Satt 
Pr. 


Bnnat 
druck 


8ätt 
Pr. 


Dunat 
druck 


•ktliteCntt 


JL 


Dazem. 


76 


0.4-3., 


U 


— 


— 


■— 


2.0 


86 


l8 


— 


1.9 


— 


2., 


Januar 


n 


0.3-2.4 


t.o 


— 


— 


— 


1.7 


79 


1.1 


— 


1*7 


— 


^*6 


Febr. 

März 


71 
02 


0.I-2.4 


i.3 


— 


— 


— 


t»9 


70 


1.9 


— 


1.6 


— 


t. 


0.3-3., 


!'• 


— 


— 


— 


2.0 


68 


1$ 


— 


1-8 


— 


TT 


April 


66 


1.3-«-4 


2.S 


— 


— 


— 


2.8 


69 


2.9 


— 


2.4 


— 


3., 


Mal 
Juni 


67 


l.r-6.5 


6.0 


— 


— 


— 


3.« 


68 
71 " 


3.9 


— 


2*8 


— 


4*. 


60 


l.;-6.s 


^^ 


— 


— 


— 


4.4 


6.0 


— 


3.9 


— 


^ 


Juli 


66 


3.1-6.3 


4.5 


— 


— 


-^ 


4.7 


72 


6.1 


— 


4n 


' — 


6-6 


Augnat 
Sept. 


68 


3.^-6.8 


4„ 


— 


— 


— 


4-« 


76 


6-6 


— 


3.9 


— 


5.7 


71 


1.8-4.9 


3.C 


— 


— 


— 


4., 


62 


3.4 


— 


3*7 


— 


6.0 


Oktob. 


76 


1.7--4«a 


2.8 


-_ 


— 


— 


3.3 


77 


3., 


— 


2*9 


-. 


3n, 


IVovem. 


80 


1.-3., 


2k, 


— 


— 


— 


2.5 


74 


U 


— 


2.3 


— 


3*3 


Winter 


7^ 


0.1—3., 


1.3 


— 


— 


88 


1.8 


78 


1.6 


83 


>-8 


84 


2.3 


FrfihL 


62 


0.3-5.6 


3.0 


— 


— 


71 


2.8 


68 


2.8 


69 


2*4 


60 


3.« 


Somm. 


66 


1.7-6.8 


4.4 


— 


— 


73 


4.4 


73 


5.3 


68 


4.0 


61 


6.5 


Herbat 


76 


l.,-4.g 


2-8 


— 


— 


87 


3.4 


71 


2.9 


82 


3.0 


77 


4*0 












3-3-3.8 


















Jahr 


69 


0.1-6.8 


2*9 


80 


3.S 


80 


3«, 


72.5 


3.. 


76 


2*8 


w., 


3.7 



3 



I 



» 



Eb^ne 



Polböhe 



Prag . . . 
Kremsmöaster 


. 50-» 

. 48-, 


Salzbarg • • 
Mailand • • • 


• 47-« 
45-M 



M IUI. Jahres 

Donstdruck 

Linien 

3., 

3.8 



26 
(rang der Liftfenchte in den Alpenregionen. 

Dunstdrock, ausgedrückt in wiener Lioien Quecksilber- Barometerh5her. 
Sittigungsprozente: Prozente der Danstmenge von vSlIig gesiittigter Luft. 
Duastmenge: w. Grane Dunst in einem wiener Knbikfusse Lufl. 





NCrdllelie 
firens- 
lande 


Alpen 




■ 


TtafUiUar 

von 
1000-2000' 


iMMUkr 

von 
8000-4000' 


lOChglrM 

von 
8000-12000' 


SUdliche 

Crrns. 

Innde, 






Seebdbe 


Seeböbe 


Seehöbe 




Dmt- 


Sittig-' 


Dnit- 


Dmt- 


Siltig. 


Dwt- 


Omt. 


«tlif- 


Diiil- 


iDmit- 


Ktܫ- 


Dmit- 


Dnil- 


[Sattig- 


Dilti. 




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— 


2., 


— 


2.« 


Febr. 
MSrz 


»7 


73 


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Juli 


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Aug. 
Sept. 


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61 


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76 


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76 


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4, 


Okt. 


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76 


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Novbr. 


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2.3 


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3., 


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2., 


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66 


2.7 


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73 


2.7 


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2.3 


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— 


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60 


3., 


Som. 


4« 


62 


4.3 


4.7 


74 


4.4 


4, 


66 


3.7 


«•8 


80 


«M. 


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67 


6., 


Herb. 


3.3 


75 


3.. 


3.3 


85 


3., 


3.0 


82 


2-9 


— 


— 




4^ 


77 


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3.0 


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81 


3^ 


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76 


2.7 


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— 


— 


JjB 


»Os 


3.« 



Die bisherigfen Beobachtaiigen , 00 unvollstlndigf sie auch aind , haben 
doch Folg^endea ans Licht gestellt: 
1. Die absolute Dunstmenge, und noch mehr der Sättigungsgrad der 
Luft sind in den gleichhohen Alpenthalern grösser , als in den angren- 



as 

zetiden Flachländern. Der grössere Sättigungsgrad (die grössere 
relative Luftfeuchte) wird auch schon durch die geraeine Erfalirung 
bewiesen, nach welcher alle Feuchtigkeit anziehenden Gegenstände 
des gewöhnlichen Gebrauches, z. B. Salz, mergelige Steinplatten, 
Taback, Heu, Wäsche und Kleider in den Alpenthälern viel häufiger 
greifbar feucht werden; nach welcher der Abendthau bei einer viel 
geringeren Abkühlung eintritt, als im Flachlande. 

t. Die Luftfeuchte wird mit der steigenden Seehöhe geringer. — Ruck- 
sichtlich der relativen Feuchtigkeit ist das auch schon für die Region 
der Menschenwohnungen aus alltäglichen Erfahrungen bekannt, die 
den so eben erwähnten ziemlich gleich kommen. 

8. In der Höhe zwischen 8000 — ItOOO Füssen jedoch d. i. in der Region 
der Wolkenbildung ist der Sättigungsgrad der Luft, im Sommer we* 
nigstens, bedeutend gröBaer als in den tieferen Regionen, oder was das- 
selbe ist, die Luft steht dem Thaupunkte, der Ausscheidung des Was- 
serdunstes, viel näher. 

k. Die absolute Dunstmenge vermindert sich aber gleichmässig bis in die 
höchsten Höhen hinauf 

5. Die absolute Dunstinenge steigt. nach der geografischen Breite von Nor-. 
den nach Sfiden. 

27 

Thau und Reif. 

Die Häufigkeit des Thaues steigt in den Alpen mit der Höhe der Re«- 
gionen. Denn weil dort die Luftwärme gewöhnlich gleich nach Sonnenun- 
tergang dem Thaupunkte bereits sehr nahe steht, so ruft schon eine ganz 
geringe Ausstrahlung die Thaubildung hervor. Sind dann die Nächte auch 
nur theilweise heiter, so schlägt sich fort und fort Thau nieder. 

Aber die Masse des Thaues nimmt durchschnittlich mit der Höhe ab, 
indem ja auch die absolute Luftfeuchtigkeit geringer wird. 

Am stärksten ist ier Thau in den Thälern, und auch hier wieder auf- 
fallend grösser au den Bächen und Seen, auf nassen und sumpfigen Stellen 
und in den schmalen Seitenthälern. Die Thaubildung erfolgt hier so reich- 
lich, dass sich selbst im Hochsommer vorzügUch aber im Spätsommer und 
im Herbste alsbald nach Sonnenuntergang eine förmliche Nebeldecke über 
die Gegend lagert, welche häufig erst wieder durch die nächste Morgen- 
sonne zur Aufsaugung gebracht wird. Derlei Thäler sind dann von den Ber- 
gen wie weite Seen anzuschauen. 

Diese Gattung Thau wird im Herbste öfter zu einem Nebel von sol- 
cher Mächtigkeit, dass ihn selbst die Mittagssonne des nächsten Tages 
nicht mehr aufzuzehren vermag. (Das sumpfige Oberennsthal, die nassen 
Seilenthaler der salzburgischen -oberen Salzach.) 

Vergleichungsweise ist jedoch unter sonst gleichen Umständen die 
Thaubildung in den weiten Thälern bei weitem stärker, als in den engen 

3* 



? 

^ 



Schluchten, offenbar weil in erateren die Ausstrahlung; ungehiniLert (nach 
allen Seiten,) und mit ihr auch eine stärkere .^Abkuhluni^ statthat 

Auf den Abhangen ist die Thaubildung; nie stark genug, um Nebel zu 
erzeugen; offenbar, weil die Ausstrahlung nicht nach allen Seiten (also 
nicht in vollem Umfange) erfolgen kann, und weil die Luftfeuchte hier ge- 
ringer ist» 

Durchschnittlich ist der Thauniederschlag um so ausgiebiger, als 
man mehr nach Süden kommt; zweifelsohne, weil dann die Wärme und mit 
ihr der Wassergehalt der Luft immer grösser werden. 

Daher ist in den südlichsten Bergen der Thau selbst an der obersten 
Getreidegrenze noch so stark, dass mehr ebene, wasserarme Grasflachen 
die oberwahnte Erscheinung der Thaunebel im höchsten Sommer so zahl- 
reich darbiethen, wie im Norden nur die tiefgelegenen wasserreichen Thä- 
1er zur Zeit des Spätsommers oder des Herbstes (Alm im venezianischen , 
Gansiglio auf einem 3000^ hohen Plateau der letzten Berge). 

Leider sind die Erscheinungen des Thanes hei weitem noch nicht zahl- 
reich oder genau genug bemessen worden, um die obigen Thatsachen mit 
Ziffern belegen zu können. In Graz jedoch hat man die jahrliche Thaumen- 
ge in einer zehnjährigen Periode mit O-os*— O-i» im Mittel mit 0-,, Zollen' 
oder mit 0*4 Prozente des atmosferischen Gresammtniederscbfaiges erhoben. 

Der in den Alpen entschieden ausgiebigere Thau ist von vortrefflicher 
Wirkung auf den Pflanzenwuchs und insonderheit auf den Wald. Er er- 
frischt die Vegetazion und regt sie zu neuer Lebensthätigkeit gerade dann 
an, wann sie (nach heissen Sommertagen wo auch der Thau am reichlich- 
sten fällt) am meisten erschöpft wurde. 

Ohne Zweifel ist der vorzügliche Waldwucbs und insbesondere das 
gute (Gedeihen mehrerer ausschliesslicher Alpengewächse (der Lerche s. B.) 
nicht ohne Zusammenhang mit den reichlichen Thaufällen. 

Hervorragend wohlthätig wirkt der Thau im Südabfalle der Alpen. 
Hier ist der Hochsommer zugleich die trockenste Jahreszeit; wochenlang 
fallt kein Regen, und streift denn doch endlich ein Gewitterregen vorbei, 
so nimmt ihm die Steilheit der Hänge jede nachhaltige Wirkung* Da lie- 
fert nun der ungemein ausgiebige Thau so glücklichen Ersatz, dass man 
auch in den trockensten Sommern [nur wenig von eigentlicher Dürre zu er« 
zählen weiss. Der Thau ersetzt hier auf quellenlosen Hochalmen sogar die 
Tränke mit solchem Frfolge, dass er selbst Rindern zur nothdürftigen Er- 
quickung genügt 

Man kann füglich behaupten, dass ohne dem reichen Thau die gesamm- 
te Vegetazion des Südhanges eine andere ungleich ärmere wäre« 

Auch die Reife nehmen zu mit der Erhebung der Bergmassen. 

In den Vorbergen sind die Reife noch häufig bis Ende April , in man- 
chen Jahren jedoch erscheinen sie auch noch im Mai ; über den 16. dieses 
Monates hinaus sind sie jedoch noch nie beobachtet worden. Sie kehren wie^ 
der Ende September, sind aber auch schon Anfangs dieses Monates vorge- 
kommen« 



37 

An der oberAten Getreide^renze haben Reire selbst noch bis halbem 
Juni statt, und an der Stranchgrenze durchs g^anse Jahr« 

Ob zwar die Reife in den Alpen bis zur Baumgrenze hinauf den For- 
sten nacbtheilig werden , sei es durch Ertödtung der eben ausgeschlagenen 
Triebe (selbst bei der Lerche und Fichte) , sei es durch Vernichtung der 
Blüthen und Vereitlung der Samenjahre , so hat man doch noch nirgends 
bemerkt, dass sie, ausser an den obersten Regionsgrenzen, dem Holz- 
wuchse seine durchschnittliche Ueppigkeit genommen hätten. 

Die häufige Vereitlung der Samenjahre in den höheren Regionen 
kömmt aber i^irklich grosseutheils auf Rechnung der Fröste. 

Während die Fichte in den tiefen Hauptthäleru alle 3 — 4 Jahre reich- 
lichen Samen trägt, thut sie das an der Buchenwaldgrenze nur alle 8 Jahre 
und an ihrer eigenen Waldgrenze gar nur alle 11 Jahre* Die Buche und 
Tanne tragen zwar auch in den Tief lagen nur etwa alle 5^ und die Lerche in 
den Hochiagen häufiger Samen, als die Fichte; aufiallend aber ist bei 
sämmtlichen Holzarten die grosse Seltenheit der Samenjahre an den oberen 
Verbreitungsgrenzen, welche Erscheinung dieSelbstverjfingung der dortigen 
Schläge ausserordentlich erschwert und verzögert. 

Verderblich wirken endlich auch die Reife oder vielmehr das mit star:^ 
ken Reifen, verbundene Gefrieren des Bodens durch das Ausziehen der klei- 
nen Holzpflanzen aus unverrasten Böden, also auf das mühsame Erzeugniss 
der Saatschulen und der künstlichen Holzsaaten. Die Fröste werden hier 
nidit selten vernichtend, insbesondere auf den Südseiten^ weil hier der Bo- 
den (in Folge der Besonnung) mehrfach aufthaut, um wieder zu gefrieren, 
sich das Ausziehen also rasch wiederholt ; während auf den Schattenseiten 
das Anfthauen im Frühjahre erst spät statthat, und im Herbste nach dem 
ersten Froste nur selten wiederkehrt. 

Das Ausziehen ist sicherlich ein Hauptfibelstand bei den Hochgebirgs- 
saaten , so wie auf den hochliegenden Saatschulen , weil die kleinen Pflan- 
zen demselben öfter auch noch nach 2 — 3 Jahren ^um Opfer fallen. 

Leider sind noch wenig genaue Beobachtungen über die Reife ge- 
macht worden. Von Kremsmünster Cam Fusse des Nordfalles der Alpen) je- 
doch liegen 49 jährige Beobachtungen vor» nach welchen in jener Gegend 
die Zahl der Reife durchschnittlich sich ergiebt wie folgt 

Winter O-s 

Frühling 5-4 

Sommer O-oe 

Herbst 5-« 

In Graz ergab sich im Laufe von 81 Jahren 

Grenzen Mittel 

Der letzte Reif am 30. März — Sl. Mai S5. Apr. 

Der erste Reif am 17« Sept. — SO. Nov. 14* Oktober. 

Entschieden nachtheiliger zeigen sich die Reife für die Feldwirth- 
schafl; sie vereiteln an den oberen Regionsgrenzen nicht nur häufig die 



I 



Obst- und Weinernte, sondern auch den Ertrags des Gretreidebaiies, ja aelbat 
der Erdäpfel, und drücken die Kultur dieser (Gewächse überhaupt tiefer her- 
ab , oder maclien sie höchst unsicher und unausg^iebig. 

Man hilft sich zwar z. B. in Salzburg und Tirol durch das Räuchern — 
es ist aber das eine mühsame Arbeit, die oft fehlschläg't — in Nordtirol, 
wenn Spätfröste den keimenden Mais vernichtet haben, durch die Nach- 



28. Nebel- 

leMtagt dtr BtttörslogUcliMi Staiiaasa 



Zahl der 

Beobach- 

tongs- 

Jahre. 


Stasloa 




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April 


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4 
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Prajf . . . 
Braon . . . 
Wien . . 
KremsmOnster 
Salzbur«^ . • 
Admont . . 
Kiairenfort . 
Laibach . . 


11 
19 

17 


10 
13 

12 


7 

12 

13 


4 
5 

10 


3 
3 

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2 

l 

11 


2 

1 

19 


3 
3 

22 


7 

10 

19 


11 

18 

19 


11 

20 

15 


10 

18 

17 



lieber den Thaunebel habe ich schon im Abschnitte über den Thau ge- 
sprochen. Der Höhennebel ist am Bedeutendsten auf jenen obersten Berg- 
theilen , welche in die Region der Wolken hineinreichen — und daher von 
diesen bestrichen werden; denn die Wolken sind ja im Grunde nichts an- 
ders als NebeK Vom Oktober bis Februar geht der Höhennebel bis tief in 
die Waldregion herab; in den übrigen Frühjahrs- und Herbstmonaten 
steht er gewönlich schon über der Grenze des geschlossenen Buchenwal- 



39 

saat; bei kursen Sommern jedoch kann die zweite Saat daim nicht mehr zur 
völligen Reife gelangen. 

Sehr verkürzend wirken die Frühreife auch auf die Weidezeit der Al- 
men ; denn sobald sie einigemal eingetreten sind , steht der Graswuchs völ- 
lig stille , und das Vieh muss abgetrieben werden^ wodurch nicht selten 9 ^ 
4 Wochen Weidezeit verloren gehen. 



Verhlltiiisse. 

tai dea Alpaa nd Ikraa Sreailaidoa. 





JahresiaitSB 


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Jahre. 


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Wien .... 


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3 


2 


17 


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38 


40 


KremamOnster . 


— 


— 


— 


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32- 55 


41 


8 


Salzburg . 


46 


32 


52 


53 


— 


183 


6 


Admont . . . 


— 


— 


— 


— 


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54 


4 


Riagenfort. . . 


— 


— 


— 


— 


— 


68 


1 


Mibach • • . 


I 




BBSSS 













des, und im Sommer kommt er ausser bei Gewittern nicht viel unter die obe- 
re Grenze des geschlossenen Fichtenforstes herunter. 

Von den Stazionen dieser Tafel ist das inmitten der Ennsmoore ge- 
legene Admont ein Beispiel des Nebelreichthuitis sehr nasser Thäler. 

Die Duftnebel reichen in den Alpen selten über die Grenze des ge- 
schlossenen Buchenwaldes hinauf. 



40 



29 
Wolken. 

Die Hochberge der Alpen ragen tief hinein in die Werkstatte der 
Wolken. 

In die Regenwolke reichen auch schon die niedersten Gipfel. Bei lang- 
dauerndem Regenwetter liegt der düstere Nimbus fast auf den Thäiern auf , 
die grössere Masse des Gegirges ist von ihm eingehüllt, die höheren Gipfel 
aber ragen über ihn hinaus. Während in der Tiefe der Regen kein Ende 
nehmen will, erglänzen nicht selten die Höhen von strahlendem Sonnen- 
scheine, und verwundert schaut man hinab auf die unabsehbaren Wolken- 
massen, welche gleich einem wogenden Meere die weiten Thäler ausfüllen 
und sie in ihre Fluthen baden. 

Die Haufen- und die Schichtwolken bestreichen im Winter, im Frühjahre 
und im Herbste , kurz zur Zeit , als die Wolken tiefer gehen , noch alle 
mittleren Gipfel, im Sommer jedoch treffen sie nur mehr die höchsten Berge. 
— Aber selbst die erhabensten Gipfel erreichen zu keiner Zeit die Region 
der Federwolken. 

Die Hochberge der Alpen befördern auch sichtlich die Wolkenbildung, 
Durch Erkaltung wärmerer Luflmassen , welche entweder gerade auf sie 
treffen , oder Ton Unten aufsteigen , durch die Mischung der Luftmassen mit- 
tels ihrer bewaldeten, oder felsenzerrissenen Kämme und Gipfel verdichten 
sie Dünste zur Wolke (Nebel), welche ohne der Berge sicherlich aufgelöst 
geblieben wären. Offenbar wird hier die Wolkenbildung durch den Um- 
stand wesentlich erleichtert, dass, wie die Tafel des Abschnittes 26 zeigte 
die Lnftfeuchte in jenen Höhen dem Thaupunkte viel näher steht. 

Aber auch auf lösend wirken die Berge auf die Wolkenmassen. Auf den 
Hochgipfeln werden überhaupt am schönsten jene ununterbrochenen Verän- 
derungen der Wolkengebilde klar, welche unten gewöhnlich jeder Beob- 
achtung entschwinden; auf den Hochgipfeln erst begreift man, dass die Wol- 
ke nichts Fertiges ist, dass sie nur besteht, indem sie entsteht und wieder 
vergeht. 

Bezeichnend für die Hochberge der Alpen sind jene Haufenwolken, 
welche an den höchsten Gipfeln scheinbar unbeweglich verweilen. — Nach 
schönen, heiteren Nächten, verdichten die durch Strahlung sehr erkalteten 
Spitzen den Wasserdampf der Luft, sobald mit der steigenden Sonne der 
aufsteigende Luftstrom hinreichend lebhaft geworden ist, oder wenn dün- 
stebeladene Luftschichten wagrecht vom Winde an ihnen vorübergetrieben 
werden. Die kleineren Wolkenhaufen werden dann durch den Luftstrom 
vom Gipfel weggeführt und lösen sich auf, während andere sich wieder 
bilden, und so der Wolke den Schein der Unbeweglichkeit verleihen. 



kl 

Diese Wolken senken sich Abends; wie denn überhaupt alle Wolken 
durch die Nacht hindurch viel tiefer liegen, und Morgens wieder auf- 
steigeir* 

Die hSufige und reichliche Wolkenbildung , ganas abgesehen, dass sie 
den Regenfall herbeiführt, wirkt an und für sich auf die Vegetasion des 
von den Wolken bestrichenen Höhengürtels» indem sie ihr einerseits viel 
Feuchtigkeit abgibt und anderseits die Verdunstung der Pflansen ermässigt; 
sie trägt mit bei, dass in den Alpen nie eine eigentliche Darre eintritt. 

Die Wolken haben schon manchen Wanderer in grosse Verlegenheit 
und Gefahr gebracht , manchem kühnen Bergsteiger sogar das Leben ab- 
gefordert Nur die allergenaueste Ortskenntniss vermag vor Verinrung su 
bewahren , wenn Alles in dichten Nebel gehüllt ist, und wie wäre es mög- 
lich, die unscheinbaren und vielverzweigten Steige der selten betretenen 
Höhen immer genau zu kennen ? 




4< 



30 Tafel des wiUserigei NiedeneUages 


der meteorologisekei 


ZaU 

der 

Beobaeh- 

tQW- 


S t a B f o it 




Taire der wftsserlsen Mieder- 
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1620 


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26 


24 


27 


22 


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Re|ren«burg . . 






— 


115 


25 


21 


32 


22 


« 


Praip 






127-104 


161 


26 


26 


27 


21 


4 


Brflnn .... 






137-148 


142 


23 


28 


26 


23 


11 


Wien .... 


W-.3 


460 


142-227 


180 


27 


24 


24 


25 


30 


Kreni«mllB0ler. . 


48-3 


1220 


00-160 


130 


24 


25 


30 


21 


3 


Salzburg^ . . . 


^7-4; 


1340 


137-fll 


160 


— 


— 


— 


— 


10 


Peiaaenberg^ • . 


"-rs 


3100 


— 


163 


23 


24 


31 


22 


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Andecha • . . 


"-t 


3100 


— 


147 


24 


24 


30 


22 


8 


Teg^ernaee . . . 


47-30 


2320 


■ - 


170 


22 


25 


31 


22 




Innabruck . . . 


47-!^ 


1820 





130 


20 


23 


36 


21 


8 


Haller Salzburg^ . 


w-2 


4660 


86-138 


115 


21 


22 


35 


22 


5 


Admont. . • . 


47-34 


1700 


•. 


155 


21 


27 


31 


20 




S.Maria dl Bormio 


W-3I 


7870 


— 


84 


— 


— 


— 


— 


11 


St. GoUharl . . 


46-3, 


6850 


._ 


161 


21 


25 


20 


25 


14 


St. Bernhard • . 


45-^ 


7000 


.. 


— 




— 


— 


— 


20 


Cercivento . . . 






— 


— 


— 


— 


— 


— 


25 


Toimexzo • . . 


46-3. 


060 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


5 


Trient .... 


*6-^ 


720 


50-03 


73 


20 


24 


30 


25 


6 


Görs • • • • 


45-^4 


270 


— 


— 


— 


— 


— 


— 





Montebelluna . • 






— 


— 


— 


— 


— 


— 


17 


Coneg^llano • . • 






— 


— 


— 


— 


— 


— 


21 


Schio .... 






— 


— 


— 


— 


— 


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Spillmberi^o • . 






— 


— 


— • 


— 


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15 


Saclle • • • . 






— • 


— 


— 


— 


— 


— 


23 


Valdobtadene . . 






— 


— 


— 


— 


— 


— 


10 


Fellrc .... 






— 


— 


— 


— 


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— 


8 


Caatelfranco • • 






— 


— 


— 


— 


— 


— 


18 


Vicenza. . . . 






— 


— 


— 


— 


— 


— 


26—86 


Verona .... 


45-« 


160 


— 


111 


23 


26 


25 


26 


10-12 


Breacia .... 


45-3, 


470 





126 


27 


26 


10 


28 


18 


Udine «... 




430 


— 


— 


— 


— 


— 


— ' 


16—68 


Milano .... 


45-3, 


440 


53—102 


72 


24 


26 


25 


25 


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Pavia . . • . 




— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


Mantua • • . . 









— 


— 


— 





— 


17-48 


Padua .... 


45—14 


30 


— 


126 


24 


26 


25 


25 


7—19 


Venedig. . . . 


45-j: 


20 


— 


81 


24 


25 


24 


27 


3-27 


Chioggia . • . 






— . 


HO 


27 


24 


25 


23 


15 


Trieat .... 


45-3, 








— 


— 


— 


— 


■^ 


12 


Pirano .... 






— 


— 


— 


— 


— 


— 


3 


Freiburg . . . 


«-48 


2000 


^. 


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6i/t 


Bern 




1840 


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115 


-i» 


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— 


— 


5 


Zörich .... 


47-,, 


1280 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


12 


Mannheim • • • 






^_ 


140 


26 


24 


27 


24 


10 


Stattgart . . • 






— 


127 


25 


24 


28 


23 


6 


Ulm 






— 


130 


27 


25 


27 


21 


23 


Klagenftirt . . . 


W-37 


1380 


O'l-UO 


103 


—. 







»— 


10 


Graz » . . . 


47-, 


1230 


86-151 


130 


20 


30 


30 


20 


11 


Ofen. ... 






— 


112 


26 


27 


25 


25 



43 



Staiioie» 


der SsterrekUsclM Alpen nd 


ilffer ümgebmtg. 


RUie «es )fie€erselilfiseii In Xolleii 


«rAsste IVIeder- 
•ehlftipe 


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PiomtAiithtU der Johrei- 




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19 


18 


40 


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14.5 


16 


24 


41 


20 


7.7 Juni 


1» 


— 


18., 


18 


25 


32 


25 


4.7 Juni 


»•* 


10—20 


17^ 


19 


19 


39 


22 


5^9 Aog. 


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22-60 


35., 


18 


22 


40 


20 


0, Juni 


~. 


^1—48 


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— 


— 





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21.0 


12 


21 


48 


19 


— 




— 


27^ 


20 


23 


43 


14 


— 


— 


— 


43.8 


16 


18 


45 


20 


— 


— 


31—59 


47.5 


21 


24 


34 


20 


_^ 


2.47 


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4ao 


15 


21 


45 


22 


10.5 Juni 




32-81 


68 


30 


24 


26 


20 


20. MSrz 


■ — 


58—100 


77 


18 


19 


29 


84 


36. Nov« 


__ 


58-155 


92,5 


21 


20 


26 


34 


46. Nov. 





35-44.$ 


42 


27 


21 


23 


29 


^. 





47-82 


63 


22 


26 


23 


29 


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38-65 


46 


-^ 


— 


.. 


— . 


^. 


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34-70 


49 


20 


22 


27 


31 


12.4 Nov. 


«« 


23-80 


50 


23 


22 


25 


30 


15.4 Nov« 


- 


40-72 


54.5 


18 


18 


31 


38 


_ 


.. 


41-84 


60 


22 


22 


26 


80 


I6.5 OlLtb. 


-. 


32—78 


50.e 


21 


22 


25 


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I8.5 OlLlb. 





47-108 


68 


18 


20 


27 


85 


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_„ 


20-48 


37 


22 


24 


23 


31 


«. 


_ 


26-58 


42 


21 


22 


24 


33 


16. Nov. 


_ 


25—50 


36 


18 


23 


29 


30 


13. April 


_ 


34^62 


48.5 


21 


23 


22 


34 


15.5 Oktb. 


„^ 


48-102 


65 


20 


23 


28 


29 


19. Oktb. 


— 


26-61 


87 


21 


24 


24 


31 


14.4 Au|ru0t 


._ 


24 —51 


08 


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— 


— 


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30 


22 


27 


23 


28 


... 


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17.S— 47 


33 


«1 


22 


26 


31 


10.0 NoY« 


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23.J— 41 


33 


18 


23 


26 


34 


— 


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16,s-^.5 


30 


24 


19 


25 


32 


U. Juli 


_ 


21.5-« 


42 


23 


22 


24 


31 


12. Nov. 


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24.$— 59 


41 


25 


17 


20 


38 


19. Nov. 


— 


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46 


12 


26 


34 


28 


_ 


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43., 


20 


21 


36 


23 


— 


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— 


37., 


20 


23 


33 


24 


— 


— 


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22 


18 


24 


33 


26 


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24 


20 


20 


34 


27 


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— 


26 


21 


20 


37 


23 


— 


— 


16 —47 


37., 


10 


24 


36 


30 


10.0 «'uni 


_^ 


23 -38 


30.3 


10 


24 


41 


26 


7.5 Juli 


«•» 


— 


10.0 


19 


25 


26 


29 


— 


— 



44 



31. Tafel des wSsserigei NfedeneUages m i« 



fffscbMem 



HaupUtock der Alpen 

fVorb«r^e . 

lUliflche (Obere .' . . 

Ebene {seekfiste. • 



Nordabfiill 



(Hocbberge 



Vorberg^e. ." 
Nördliche GreiizlaD<|e. . 

Oatabfall !''"*'"'*'«*•• 
Unf^ariflche Ebene » . . 



Westbangr Hochberge. . . 
Nordweistliche GrenzUnde 



^TAffe der wAsserlffen üledersdiUse 



Jihr 



firauei 



8»— 170 

72-161 
71—126 
72—126 
81-110 

147—170 
130—180 
116—161 



127—149 



131 

117 

116 

00 

92 

160 
166 
142 

130 
121 
112 

133 
136 



Ithrosseltei 



Prozente vom Jahr 



WiBterlFrihLI Sf. | Herbit |WMter| f5l 



24 33 



26 
26 
26 
24 

24 
24 
24 

27 
30 
27 

24 
24 



30 
26 
26 
26 

31 
27 

29 

31 
30 
26 

80 
27 



Taifc 



21 

26 
26 
26 
26 

22 
23 
22 

21 
20 
25 

22 
23 



27 31 



23 
28 
24 
23 

37 

39 
37 

26 
24 
29 

81 
36 



29 
29 
26 
22 

38 
38 
34 

36 
36 
30 

32 
32 



43 

36 
29 
26 



60 
42 
41 

40 
36 

28 

40 
36 



Hirhil 



24 24 



28 

29 
30 
25 



35 
36 
31 

28 
24 
28 

29 
31 



unim nuie dei JUirUehenliedeneUagds In XoUm 
In den Alpen 



Rofllibergen 
Haaptstock • ... 44 
Nordabfall -' • 33 

Südabfall 61 

OeatBche Verflachung . 37 
Westhang • • • • 41 



Etwaige Mittel. 



43 




41 



96 

48 
30 



In den 
andren senden 

LaBd8tri€keB 



19 



16 
24 



35 



S4 



45 



Alpengrnppen ud ib its 


aigreuendei LaiditrieliMi. 






Höbe de« BTIederMlilaffe« In Zollen | 


Jilir 


J 




'.. 1 


Prosente Yom Jahr 


Zolle 


Im 
Uittel 


iDDlIittdderJab- 1 
reazeiten. J 


(MM 


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Wiiter 


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Wiiter 


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Sml 


IlSTVll 


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17 


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21 


6.5 


9., 


18.0 


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0.34 


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0.33 


36-68 
33-^ 
30-42 


61 
48 
42 
36 


22 
20 
20 
23 


21 
22 
23 
20 


27 
25 
26 
23 


30 
32 
32 
34 


13-4 

9.6 
8.4 

«.3 


12.8 


16.g 
12.0 
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8.3 


18.3 
15.4 
134 
12., 


0.5, 

Ott 

0-39 


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0-34 
0.3S 
0.3. 


0.« 

0.36 
0-37 
0.33 


0.47 

0.4. 
0.4. 

0.33 


0.« 
O-ii 
0.S4 
O.S. 


21 -41 
17 -35 
14^22 


33 
26 
19 


16 
18 
17 


21 
21 
21 


45 
40 
40 


18 
21 
22 


3., 


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5.5 

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14.g 

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24 
25 


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38 
26 


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27 

29 


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8-26 


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22 
21 


36 
35 


24 
25 


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0.3. 


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TaM d6r grtatei RegraMigeB In doi Alpeigrippeft« 



SüdfalH 



HaupUock . . . 

Hocbberge 
Vorberge 

Italienische Ebene* 

Nordfall j ?°'J*'"«'' 
\ Vorberge 

Grenzlande • • 

Hochberi^e 
Vorberge 

Ungarische Ebene 



Ostfall I 



■m jKkre 

Mittel 
der Abtolate 



IIS 
7« 

65 



60 
155 
109 
102 

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38 



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Ezirme to wilMrigti IMencUlitt tai im ilpoi tbtrhaipt 
Wledewliltur tn goHen> 



Tagesniederschlag 
MonaUniederaclilag 

Jahreszeiten . 



Winter . 

Frühling 

. Sommer 

Herbst . 



Jahr 



Udtaftar 

. 
. 

U 

U 

4.1.1 
t.« 

10.0 



5.5 Nov. Tolmezzo 
46.0 Nov. Tolmeszo 
36.8 Tolmezzo 
Wien 36.1 S. Bernhard 
38.8 Tolmezzo 
TS.» Tolmezzo 
tiß Tolmezzo 



32 

N&heres ttber den RegenfalL 

Obige Tafeln zeigen, dass die Alpen zu den Lindern der reichsten 
Niederschläge Europa's gehören^ und dass sie in dieser Beziehung ihres 
Gleichen nur wieder in andern Berglindern finden. 

In den Alpen in engerem Sinne , d. i. in den Hochbergen , ist der 
Niederschlag fast doppelt so gross, wie in den Flachlandern der Umge- 
bung. In den Vorbergen der Alpen steht die Regenmenge etwa in der 
Mitte, und von der Ebene aufwärts steigt überhaupt die Höhe des Nie- 
derschlages mit der Erhebung der Bergmassen. 

Zweifelsohne bewirken eben die Bergmassen die grösseren Nieder- 
schlage, weit weniger durch Abkühlung der dunstgeschwangerten Lüfte 
als vielmehr dadurch, dass ihre hohen Kamme mechanisch die Mischung 
der Luftmassen befördern. 

In den Hochbergen des Westabfalles ist die Regenmenge fast so 
gross, wie im Hauptstocke der Alpen, offenbar, weil die Berge dort den 
regenbringenden westlichen Winden gerade entgegenstehen und daher 
destomehr Dünste zu fallen vermögen. 

Aus ahnlichem Grunde ist der Niederschlag im Südabfalle ungleich 
grösser, als auf allen anderen Seiten, ja übertrifft sogar sehr bedeutend 
den Regenfall des Häuptstockes der Alpen. Thatsachlich fallt in den 
Hochbergen des Südhanges 3— 6mal so viel Regen , als auf der ungari- 
schen Ebeiie, in Prag oder Wien und um die Hälfte mehr, als im übrigen 
Hochgebirge. Die Erklärung liegt sehr nahe. — Vom mittelländischen 
und adriatischen Meere her streichen über die lombardisch- venezianische 
Ebene die sehr nassen Südwestwinde. Die Ebene vermag nur einen ver- 
haltnissmassig geringeren Theil ihres Wassers zu fallen, sie gelangen 
daher noch mit einem sehr grossen Feuchtigkeitsgehalte an die Berge, 
welche sich ihnen mauei'ahnlich entgegenstellend, die Mischung der Luft- 
schichten, und mithin die reichlichste Fallung des Wassers um so aus- 
giebiger bewirken, als sie höher emporsteigen. 



«7 

Au8 ^ans gleiciiein Graude ist im Südabfalle der Niederschlag; am 
Rande des süddatlich siebenden jullacben Gebirges (Tolmezzo, Udiue, 
Görz, TrieaO am allergrösaten , und um die Halbacbeid grösser^ ala im 
Westen des SQdabfalles* Die steigende Regenmenge gegen die julischen 
Bergreihen su, lisst sich verfolgen in den Bergen wie in der Ebene» von 
den meerbespfilten Städten Triest uud Piraiio bis in den grossen Hochge- 
birgskessel von Tolmezzo hinauf, in welchem zuweilen in einer Woche 
eben so viel Wasser vom Himmel stfirzt, als auf den ungarischen Haiden 
im Laufe eines ganzen Jahres. 

Im Nord- und Ostabfalle ist der Niederschlag ungleich geringer , als 
in den anderen Abfallen^ offenbar, weil die Verflachung hier den regenbrin- 
genden Winden abgekehrt ist. 

Die Starke des wässerigen Niederschlages der Alpen liegt viel weni- 
ger in einer grösseren Anzahl von Regentagen — denn diese ist iiticht sehr 
verschieden von jener der umliegenden Flachländer — als vielmehr in der 
ungleich grösseren Dichtigkeit des Regens oder Schnees« 



Tag«. 

g o 1 1 j e 

Im Uttel IB mttel firtostor 
des des beobachteter 

Mim t wm« liederteUag 

In den umgebenden Flachländern 0.^ O.sa l-s 

IH den Alpen \ Vorbeuge • 0.„ 0... «.. 

} Hochberge • O.ss O.38 3.» 

Diese Mittel sind vielleicht nicht vollkommen genau , aber treffen nahe 
genug , um zu zeigen , dass die Niederschläge der Hochberge um mehr als 
die Hälfte dichter sind, wie jene der umgebenden Flachländer. 

Im Hauptstocke und im Nordabfalle der Alpen herrschen (gleichwie iti 
den nördlich grenzenden Flachländern) die Sommerregen weit fiberwiegend 
vor; die Zalil der Regentage ist nur etwa um ein Drittel grösser^ wie jene 
der übrigen Jahreszeiten ; die Höhe des Niederschlages jedoch (der grösse- 
ren Dichtigkeit der Sommerregen wegen) ist doppelt so gross. 

In minderem Grade herrschen die Sommerregen im Westhange der 
Alpen vor. 

Noch weniger in der östlichen Verflächungsgruppe , woselbst sie be- 
reits mit den Herbstregen die erste Rolle theilen. 

Im Sfidfalle der Alpen gewinnen die Herbstregbn -sowohl in ihrer Häu- 
figkeit und Dauer, als auch in ihrer Dichte umsomehr das Uebergewicht 
über die Sommerregen, als die Berge sich tiefer gegen die italienische Ebene 
hinabsenken. Der eigentliche Regenmonat ist dort der November; durch 
10—16 Tage giesst es dann öfter ohne Unterbrechung fort 

Eine genugende Zahl von Beobachtungen hat herausgestellt, dass in 
den Hochbergen die Regenmenge bis auf etwa 6000 Fuss Seehöhe, d. i. bis 



48 

t 

8ur Baumgrenze, kaum abnimmt, dasa sie von dort aua zwar ackneli klei- 
ner wird, daaa jedoch auch auf den höchsten Spilzen noch erhebliche Nie- 
derachläge statthaben. 

Erstere Thataache widerspricht keinesweg^s der vieirach g^emaehten 
Erfahrung;^ dass der Regen um* so ausg^iebig^er wird, als er einen grösseren 
Raum durchßlit; denn offenbar ist die verhiltnissmassig; g^rossere Regen- 
dichte der Höhen dem Umstände zuzuschreiben, dass die Berge, sei es 
durch ihre Masse, sei es durch ihre Walder, ursprünglich schon eine be- 
deutendere Fällung erwirken, weil sie selbst in cfie Wolken hineinragen, 
oder ihnen doch nahe kommen. 

Auffallend ist in den Hochbergen auch die übergrosse Dichtigkeit der 
Platzregen und Wolkenbrüche , thatsächlich ist der grösste Regenfall hier 
doppelt, ja dreifach so gross, wie in den Flachländern, und bei einem in 
den Hochalpen niedergehenden Wotkenbruche stirzt an einem halben oder 
ganzen Tage dieselbe Wassermasse nieder, welche in dm nnliegenden 
L4indstrichen kaum im Laufe eines Vierteljahres zu fallen pflegt. 

l)iese eigenthfimlichen Regenverhältnisse der Alpen sind von entschie- 
denem Einflüsse auf die Bodenkultur und insbesondere auf die Forste und 
deren Betrieb. 

Grossentheils vermöge der viel zahlreicheren und ausgiebigeren Som- 
merregen, kennt man in den Hochbergen keine eigentliche Dürre, imGe- 
gentheile sichern verhältnissmässig trockene Jahre dem Landmanne gewöhn- 
lich die besten Ernten , was insbesondere im nördlichen Theile der Alpen 
der Fall ist. 

Das Ueberwiegen der Herbstregen im Südabfalle schadet der Feld- 
wirthschaft in der Regel gar nicht , denn die Hauptregen treten erst im No- 
vember, also zu einer Zeit ein, in welcher sämmtliche Felderzeugnisse 
schon eingebracht sind* 

Vermög der viel grösseren Dichtigkeit wirken insbesondere die Som- 
mer-, und im SudabfaHe die Herbstregen viel starker, sowohl auf die Ab- 
schwemmung der Erdkrume, als auch auf das jähe Anschwellen der Bäche 
und Ströme. 

Schon auf den Berghängen des Flachlandes schlemnrt jeder stärkere 
Regen die obersten feinen Erdtheile von jenen Stellen hinweg , welche we- 
der durch Rasen, noch durch Bewaldung hiegegen geschützt sind, nur bei 
ungewöhnlichen Platzregen oder Wolkenbrnchen jedoch wird die Ab- 
schwemmung bedeutend, oder geht über den feineren Sand hinaus. 

In den Hochbergen ist diese Wirkung des Regens doppelt so gross, 
ausser den feinen Erdtheilen werden Sand und Gruss in Masse abge- 
schwemmt, ja besonders starke Regen bringen sogar den Schutt in Be- 
wegung. 

Die Regen verwüsten daher alle ungeschAtzten Bodenstellen ungleich 
mehr, fuhren den Bächen und Strömen ungleich grössere und gröbere Erd- 
nnd Schnttmassen zu, und vermehren dadurch ausserordentlich deren na- 
gende und zerstörende Kraft. 



49 

Sehr deutlich zeigt sich die gewaltig^e Aiischwemmungfskraft der Hoch- 
g^ebirgsregen an den auf den Hängen gelegenen Aeckern. Starke Platz- 
regen reissen ganze Stücke davon weg, mögen sie immerhin mit Feld- 
fruchten bewachsen seinj und alljährlich füllen die gewöhnlichen Regen 
einen am untern Rande absichtlich errichteten mehrere Fuss breiten Gra- 
ben» dessen Inhalt man im nachfolgenden Frühjahre mit grossem Aufwände 
wieder aushebt und am oberen Rande aufschüttet. 

Nicht minder fällt sie bei Waldsaaten auf. Steile Platten , auf wel- 
chen im Frühjahre feine krümmliche Erde an die Oberfläche gebracht 
wurde» sind im darauffolgenden Herbste mit mehr oder weniger grobem 
Sande bedeckt Sämmtliche feine Erde haben die Sommerregen hinweg- 
gespült und nur Sand und Gruss blieben als zu schwer zurück. 

Von besonderer Wichtigkeit wird unter diesen Umstanden der Wald 
auf all jenen zahlreichen Hängen, welche keine ununterbrochene Grasnarbe 
zu bilden vermögen, sei es wegen zu grosser Steilheit, sei es wegen 
Mangel hinlänglicher Erdkrume; denn er allein vermag dort den Boden 
vor völliger Abschwemmung, vor völliger Verödung zu schützen. 

Höchst merkwürdig ist der Verlauf der Verödung von rücksichtslos kahl 
geschlagenen Wäldern, deren Wiederaufforstung vernachlässigt wird. Kaum 
ist der Boden blossgelegt, so beginnen die Wässer ihr Spiel mit Abschwemmen 
ondEinreissen^ und zur Verzehr ung der^obersten Humuslage hilft eine vorüber- 
gehende Grasvegetazion mit. So wird von allen steilen Stellen die ganze Krume 
nach und nach bis auf den nackten Fels abgespült, und Erde und Vegetazion ver- 
bleiben nur auf jenen kleinen Absätzen und Vertiefungen,welche den Ablall allent- 
halben unterbrechen. Einen ganz gleichen Gang nimmt die Verödung auf jenen 
steilen Hängen , deren Untergrund Gebirgsschutt ist (weil sie ursprünglich 
reine Schutthalden waren). Die Verödung wird dann wesentlich beför- 
dert durch die Aufarbeitung und Abbringung des geschlagenen Holzes, 
wobei der Boden vielfach aufgerissen und gelockert wird, noch mehr aber 
durch die nachfolgende Viehweide , indem der Fuss ^ besonders des schwe- 
ren Viehes, die Erde Cbei nassem Wetter) hinuntertritt und damit die Ab- 
schwemmung vielfach begünstigt und die Rasenbildung wesentlich beirrt 

Allerdings wird der Verödung häufig durch die Bildung einer Rasen- 
decke Einhalt gethan; jedoch ist ein grosser Theil der Hänge viel zu steil 
und hat ursprünglich schon viel zu wenig Krume (Kalk-Fels und Schutt- 
böden) , als dass sich ohne künstliche Nachhilfe je eine zusammenhängende 
Grasnarbe bilden könnte. 

Ohne Zweifel sind auf diese Art die steilen Hänge , mit welchen die 
Hochberge im Süden der Alpen plötzlich zum Mittelgebirge abfallen, zu 
jenen erschreckenden Wüsten (Karsten) geworden , welche jedem Reisen- 
den so unliebsam in die Augen fallen; ohne Zweifel sind darum die südli- 
chen Hänge im unteren Theile der Alpen üast immer unfruchtbarer und 
als Wald viel schlechter hestockt, wie die anderen Bergseiten. Drei Um- 
stände sind es, welche in dieser Beziehung den Südhang in grossen Nacb- 
theil stellen. Erstens dessen gewöhnliche ungleich grössere Steilheit^ 

4 



50 

welche sich durch die glänzen Alpen verfolgen lässt; zweitens dessen Lage 
zu den Regen-(8üdwest0 winden, vermög welchen der Regen um so mehr 
unmittelbar an den Boden angeschlagen wird, als die dort sehr geringe 
BeStockung hiegegen nur wenig Schutz gewährt, und drittens endlich der 
in dieser Alpengruppe ungleich stärkere Regenfall. So grosse, fast un- 
mittelbar und unverändert an den Boden geschlagene Wassermassen müs- 
sen auf so ungewöhnlich steilen Hängen unfehlbar die Krume verzehren, 
es wäre denn, dass durch zweckmässige Kulturmassregeln entgegen gear- 
beitet würde. 

Im nördlichen Theile der Alpen beobachten wir eine ähnliche Ent- 
nervung der Krume auf den , den dortigen Regen-(Nordwest- und West-) 
winden frei entgegenstehenden Westhängen. Hier jedoch konnte der Re- 
genfall die Verwüstung nirgends so weit treiben, denn erstens ist er 
selbst um die Hälfte weniger stark und zweitens sind die Westhänge im 
Durchschnitte weniger steil. 

Der Wald hat einen nicht minder entschiedenen Einflnss auf die An- 
schwellung der Bäche und Ströme. In den Forsten verdunstet ein be- 
trächtlicher Theil Regen gleich nach seinem Auffallen auf die Kronen , er 
gelangt daher gar nicht auf den Boden. Der übrige Theil wird in grosser 
Masse vom Boden aufgesogen, da ja bekanntlich die Humus- und Moosdecke 
des Waldgrundes eine überraschende Aufsaugungskraft besitzen. Von dem 
aufgesaugten Wasser wird eine nicht i^nerhebliche Menge durch die Bäume 
der Verdunstung zugeführt, denn der Wald verdünstet ja um die Hälfte 
mehr ^ als eine gleichgrosse Wasserfläche. — Auf den bewaldeten Hängen 
kommt daher bei gewöhnlichen Regen nur ein sehr massiger Theil des ge- 
fallenen Wassers zum Abflüsse in die Gerinne und bei aussergewöhnlich 
starken Güssen vermindert der Wald wenigstens die abschiessende Was-* 
sermasse und die Plötzlichkeit des Anschwellens der Ströme. 

Ganz anders ist es bei entwaldeten Hängen. Hier stürzen die Regen 
in unverminderter Menge auf einen Boden nieder, der nur sehr wenig da- 
von aufzunehmen vermag; sie schiessen also in den Gerinnen inner- 
halb weniger Viertelstunden zu ungeheuren Wassermassen zusammen, 
welche die gewöhnlichen Ufef übertluthend, unter furchtbaren Zerstörungen 
sich in die Ebene hinunterwälzen. 

Nicht, dass die Bewaldung alle Hochwässer verhindern könnte, aber 
sie vermindert ihre Zahl, wie ihre Grösse und Wuth', und nimmt, ihnen 
nicht minder ihre verderbliche Plötzlichkeit. 

Zahllose Erfahrungen liegen vor, dass früher völlig unschädliche Bä- 
che durch die Entwaldung der Thäler, aus welchen sie kamen, in verhee- 
rende Wildbäche verwandelt worden sind , und weltbekannt ist es , dass 
die Häufigkeit die Höhe und die Zerstörungen der die lombardisch-venezia- 
nische Ebene durchschneidenden Wildströme genau in dem' Masse ihre frü- 
heren Grenzen überschritten haben , als die Entwaldung iti den Hochthälern 
überhand nahm , aus welchen sie ihre Wässer beziehen. 



61 

Diese ungemein dichten Regenf&lle werden nur zu oft auch die Veran- 
lassung zu den furchtbarsten Erdfäilen und Bergstürzen , worüber ich mich 
in dem betrefienden Absätze näher verbreiten werde. 



33 

Yerdnnstnng. 

WuMTgahatt in rollkoaunei geatUgten Lvft nach JahreiMlt nd HHMire|lM. 



SeehAhe 


J m 


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Helsses«. ll*n| 
(Juli) 1 


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druck warms 


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Waaaardmft 
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SrmMtlfinMirf 
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3000— 4000 


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3.« 


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1.« 


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16.0 


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4000— 5000 


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1.« 


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5000— 6000 


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6., 


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6000- 7000 


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7000— 8000 


21.8 


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2^ 


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4^ 


8000' 9000 


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-4.0 


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1.. 


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0.9 


1-0 


6.. 


3.« 


3.5 


9000-10000 


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1.4 


1.x 


-13.« 


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0.» 


2.4 


2.» 


2., 


10000—11000 




-7^ 


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1.« 


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0.7 


0.8 


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11000—12000 


18., 


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1.x 


It 


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0.6 


0.7 


-3.. 


1.. 


1.« 



Diese Tafel zeigt klar^ dass die Wasserhalt-Fähigkeit der Alpenluft 
mit der Meereshöhe zu allen Zeiten, und besonders stark im Sommer 
abnimmt. 

Würde also die Verdunstung von der absoluten Dunstmenge abhin- 
gen, welche ein Kubikfuss Luft gasförmig aufzunehmen vermag, so 
müsste die Verdunstung nach obenzu immer geringer werden. 

Es ist jedoch eine erwiesene Thatsache, dass gerade das Gregenlheil 
statthat« — Diess liegt in der Luftströmung. — Im Abschnitte über die 
Winde wird gezeigt werden, dass die Dauer und die Stärke der Luft- 
strömungen, oder was dasselbe ist: der Luftwechsel mit der Meereshöhe 
wächst; es werden also neue, weniger gesättigte Luftmassen über die 
verdunstenden Oberflächen immer rascher vorüber geführt, je höher diese 
gelegen sind. 

Zwei weitere Umstände begünstigen dann noch die Raschheit der 
Verdunstung. Die grössere Heiterkeit der Höhen lässt hier die Sonne 
nachdrücklicher auch in dieser Richtung whrken; und nicht minder beför- 
dert auch der geringere Luftdruck die Verdunstung^ denn bekanntlich 

4 * 



wird diese durch den veränderten Druck der Atmosfire g^anz nach dem- 
selben MasBtabe beschleunigt, wie das Sieden des Wassers. 



Iledtpoikt dM Wassers tub dsr SMUhe. 



■eereshNie 
laFusm 

500 
SOOO 
3000 
4000 
6000 
6000 
7D0O 
8000 
10000 
13000 



Sletepakt 
IB Ovadsa 

97.» 
96.8 
95* T 
94.. 
9a, 
9S.4 
91., 

a6*g 



Welche Wirkung^ die kräftigere Sonne der Höhen aaf die Verdun-' 
stiing haben mag, lässt sicli schon aus deren gewaltiger Wirkung unter 
dem minder heiteren Himmel des nördlichen Alpenfusses ermessen, wo- 
selbst sie die Verdunstung , gegenüber dem gebrochenen Lichte (im Schat- 
ten), um das S'/gfache steigert. 

Auch die mächtige Wirkung der Luftströmung ist einigermassen be- 
kannt; in Tubingen hat man genau erhoben, dass bei windigem Wetter 
die Verdunstung doppelt so stark sei, wie bei Windstille. Erwägt man 
dann, um wie viel mächtiger die Luftströmungen der Höhen sind, wie oft 
sie hier zu förmlichem Sturm werden, so kann man sich wohl das sehr 
rasche Wachsen der Verdunstung erklären. 

Auf den Kämmen und Jöchern ist sie wirklich so stark , dass Was.. 
serfäden, welche z. B. aus dem Firn- und Gletschereise über eine höhere 
Wand hinabfliessen , bevor sie noch an deren Fuss gelangen können, völ- 
lig aufgezehrt werden» 

Bei weniger bewegter Luft wird die Verdunstung in dem Höhen- 
streif zwischen der Thal- und der Wolkenregion sicherlich auch gefördert 
durch den geringeren Sättigungsgrad der dortigen Atmosfäre. 

Nach dreijährigen. Beobachtungen beträgt die jährliche Verdunstung 
der Wasserfläche in Tegernsee, im Schatten 15 Zoll Höhe flüssiges 
Wasser. 

lieber den Feuchtigkeitsgrad der in den Alpen herrschenden Winde 
und seine Wirkung auf die Verdunstung liegen noch keine Erhebungen 
vor. — Höchst wahrscheinlich aber sind diese Verhältnisse hier ähnliche, 
wie in den nördlichen Grenzländern. 



WMcng der Winde vd die Terdinitaiig In nuigei- 



58 





Jahr 


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14.. 


0.« 



Der Nordostwiod i9t auch in den Alpen der trockenste und befördert 
am allermeiaten die Verdupstung'. 

Die Sfid-, Südwest- und Westwinde sind im Allgemeinen die feuchte- 
sten und halten die Verdunstung am stärksten Kuruck. — Nur im Winter 
fordert der Südwest^ ungeachtet seiner Feuchte^ die Verdunstung, und zwar 
darum, weil er dann gewöhnlich Thauwetter bringt« 

Die grosse Verdunstung des Sommers bei Nordwest liegt nicht in der 
Trockenheit, sond^ii in der starken Strömung dieses Windes, welcher 
sehr häufig in Sturm ausartet 



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31 Tafel des Schneefalles in 



Zahl 
der 
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Jahr 



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10 
24 
16 

5 



8 

5 

10 

23 



Venedig • . 

Brescia • • 

Verona . • 

Mailand • . 

Trienl . . 

Wien. . . 
Kremsmfinsl 
Salzburg 
Admonl • • 
Graz . , . 
KJagenforl . 



LI 



Haller Salz- 
burg . . 

S.GoUhard. 

S.Mar.d.Bor, 



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48-13 
48-3 

«-48 
«-34 

4«-37 

4'-i8 

46-.3, 

46-33 



20 
470 
160 
440 
620 

460 
1230 
1340 
1700 
1230 
1380 

4670 
6850 
7870 



81 

126 

111 

72 

73 

180 
130 
160 
155 
130 
103 

115 
211 

84 



33 
42.| 
34., 
36 
41., 

17 
35., 
44, 
40 

30.^ 
37, 

47., 



0.4, 
0.33 
0*3. 
0.SO 
0.58 

0.09 
0.f7 

Onte 
0.« 

0.,3 
0*34 



4-, 
3.7 
3.1 
2.1 

2.0 



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-2 9 

-3.5 

-2.7 
-10^ 



2—24 

4-21 
1-17 

21—54 
15-44 

22—48 

13—40 



42—67 



53 
127 

48 



7 

9 

6 

14 

10 

20 
22 

20 
22 
25 

46 
60 
57 



»9 
1.6 
2.. 



2.4 
4'9 
2.2 

3.8 



10 

8 



1-3 

2-. 



5.3 
17 



10.4 
15 



11 



6.4 
15 



SchneefUl In den Alpengmppen vnd Regionen. 

(Etwaige Dnrchachnitte.) 

Gesamiiitnleder« 
Abaiolttter jcMag 

Hohe des Höhe des 

Sehnee- gesehmolx. Sehneo- geschmoli. 
läge Schnees läge Schnees 



im Süden 



9 
32 



Fuaa der Vorberge \ Y^ Z 

( im Nordeo 

SeehAhe 

Hauptthäler (1500—2000) M 

Weizengrenze (3000-4000) 48 

Oberste Getrei- 
Hoch- ) degrenze (4000— SOOO) 57 
berge ) Baumgrenze (5000—6000) 67 

Grenze der 

StraucheriLd. 

Sennerei (6000—7000) 74 



10 
14 

17 
19 



18V« 



10 
21 

25 
36 

42 
50 



60 



8 
15 

23 
32 

40 
66 



65 



d» (totreieUseheii Alpen. 



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10 


27 


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35 

Näheres Aber den SchneefalL 

Die Zahl und Ausg^iebigkeit der Schneefalle nimmt mit der Seehöhe 
rasch zu. 

Unter SOOO Fuss Meereshöhe ist im Sommer noch nie, und selbst 
bei JMMM-^000 Fuss nur sehr selten ein Schneefall vorgekommen. 

An der oberen Grenze des Getreidebaues, d.i. bei 4000—5000 Fuss, 
ist bereits kein Monat mehr schneefrei, und häuGg werden dort die Fel- 
der vor dem Schnitte mehrere Tage lang von Schnee niedergedruckt. 

Bei durchschnittlich 7000 Fuss, d. i. von der oberen Grenze der 
Sennwirthschaft, haben gewöhnlich allmonatlich starke Schneefälle statt. 
Nur in besonders günstigen Jahren sind dort Juli oder August völlig 
schneefrei. 

In den Höhenregionen von 9000 Fuss aufwärts, nehmen die Schnee- 
lage rasch zu, und gewinnen in jedem Monate mehr die Oberhand über 
die Regen» ohne sie je ganz zu verdrängen. 



56 

Auf den höchsten Gipfeln und Kämmen hewirken vorfihergehende 
Wolken und Nebel ein leises Niederschauern von feinkörnigem Schnee 
selbst an heiteren Tagen. 

Bemerkenswerth sind die Schneefalle, welche sich im Frühjahre oft 
plötzlich beim Wehen de« Sirocco (warmer Südwestwind) ergeben« Sie 
sind am heftigsten im Südabfalle der Alpen, erstrecken sich jedoch, frei- 
lich immer mehr abnehmend, über die ganaen Hochalpen, bis nach Vor- 
arlberg, ins Unterinnthal und ins Salzburgische hinauf. Der Schnee geht 
dabei gewöhnlich bis in die bewohnten Thäler herab» und verzögert den 
Eintritt der Vegetazionszeit. 

In den Tiefthälern ist die winterliche Schneedecke 1— S Fuss stark, 
sie steigt dann mit der Meereshöhe« und beträgt an der Baumgrenze 
5-— 7 Fuss. 



36 
Schneedecke. 

Obwohl der Winterschnee schon in der untersten Alpenregion be- 
deutend stärker ist, wie im Flachlande, so sind seine Wirkungen auf die 
Vegetazion und auf den Forstbetrieb doch nicht wesentlich verschieden. 

Anders ist es in den Höhen. 

Auf allen geneigten Hängen bewegt sich die starke Schneedecke 
nach abwärts; es ist das freilich eine so langsame Bewegung» dass sie 
der gewöhnlichen Beobachtung ganz entgeht, aber demungeachtet hat sie 
statt, und zwar mit verbal tnissmässig sehr grosser Gewalt Diese Bewe- 
gung — eine Art Fliessen, welches ich später noch erläutern werde — 
ist auf stark geneigten und glatten Abdachungen für St Stunden mit S— 4 
Linien beobachtet worden. 

Dieser Schneeschub ist von grossem Einflüsse auf die Vegetazion. Er 
drückt die jungen Holzpflanzen , deren Schäfte noch nicht stark genug sind, 
um demselben völlig zu widerstehen, entweder ganz zu Boden, oder neigt 
sie wenigstens. Auf steilen Abdachungen wird in schneereichen Wintern 
selbst 5~7fussiges Jungholz noch völlig niedergedrückt — Gar manche 
Jungpflanzen werden dadurch zu Grunde gerichtet, viele beschädigt, und 
alle mehr oder weniger im Wüchse beirrt — Dieses Schneeflusses wegen 
wächst auch auf den Hängen kein einziger Stamm vom Wurzelknolen aus 
völlig gerade in die Höhe , und auf sehr steilen Abdachungen wird der un- 
terste Schafltheil völlig sichelförmig. 

Wegen dieses Schubes erscheint auch das dürre Gras der Hänge, 
gleich nach Abgang des Schnees, wie niedergebiegelt, und es hält wesant- 
lich dessen Wiederwuchs zurück ; Beweis an dem , dass auf den ebenen 
Stellen die Blüthen- und Blatttriebe sich noch etwas unter dem Schnee 
entwickeln, während auf den Hängen die Grasvegetazion erst längere Zeit 
nach dessen Abgang erwacht. 



S7 

Diese Gattung Schneedrack beschädiget sogar oft die Bauwerke und 
ist der Grund, warum sich auf den Hängen der Hochberge kein Scheit- 
bolaxain erhalten kann warum jeder Zaum schief gedruckt wird. 

Die Mächtigkeit der Schneedecke ist übrigens im Allgemeinen vor« 
theilhaft far die Vegetation« denn sie verhindert das starke Gefrieren des 
Bodens (weil der Schnee bekanntlich ein sehr schlechter Wärmeleiter ist), 
und begünstigt sein frühjährliches Anfthauen. Bei gans ungewöhnlicher 
Starke wird sie jedoch auch nachtheilig, denn sie verkürst dann den Vege« 
tazionszeitraum. 

Die hohe Schneedecke der höheren Regionen zwingt den Forstwirth 
zur Sommeriällung; denn wollte er hier die Hölzer im Winter fällen und 
aufarbeiten, so müsste nicht nur der Fuss der Stämme, sondern gewöhn- 
lich auch die Arbeitsstellen vorerst ausgeschaufelt werden, was uner- 
schwingliche Kosten verursachen würde. Die Sommerfällung ist daher in 
den Hochgebirgsforsten nothwendig. Demungeachtet gibt es Winter — ja 
in den südlichen Alpentheilen sind sie nichts weniger, als selten — in wel- 
chen so wenig Schnee fällt, daas die Schlagarbeiten ohne Anstand stattha* 
ben könnten. 

Von grossöm^Nutzen ist der starke Winterschnee der Hochberge f&r 
die Ausbringung des Holzes. Er sichert eine langdauernde vortrefdiche 
Schlittbahn, auf welcher Hölzer und Kohlen mit geringem Kraftaufwande 
abgezogen werden können; er gestattet das Abtreiben der Klötze über steile 
Wiesen , ohne wesentliche Beschädigung derselben ; er ermöglicht endlich den 
Holztransport über die unwegsamen Jochsättel, Hochebenen und Berg- 
staffel , auf welchen die Anlage von SommoFwegen (der Blöcke und Felsen 
wegen) mit unerschwinglichen Kosten verbunden wäre. Der ungeheure 
Winterschnee macht hier auch die unwegsamsten Stellen eben, und der 
Schnee selbst gibt dann das Materiale ab zur Herrichtung der Strasse. 

Das was man im deutschen Flachlande Schneedruck nennt (Anhäu- 
fung des Schnees auf den Kronen der Nadelbäume und die bezüglichen 
Brüche), kommt in den Hochbergen nur öfter in der Thalregion vor, 
denn höher oben fallt der Schnee fast immer nur trocken. 

Im Südhange der Alpen bringt jedoch gegen das Frühjahr zu der 
Sirocco öfter nassen Schnee und daher auch Schneeanhang mit seinen 
Nachtheilen. 

Die Schlittbahn spielt in den Hochbergen eine grosse Rolle. Unge- 
heure Mengen Heu, Holz, Streugras und Kohlen werden auf ihr in die 
Thäler befördert, aus Höhen ^ von denen wegen Mangel an Fahrwegen 
ohne derselben oft gar keine Ausbringung statthaben könnte« — Selbst 
für die Ausfuhr des Düngers ist sie von Bedeutung; die grössten Trans- 
porte bleiben jedoch immer das Heu der unermesslichen Hochwiesen , und 
das Holz. — Das Hochwiesenheu wird zu dieseni Behufe bei der Ernte 
entweder in dort erbaute Stadel eingetragen, oder im Freien um eine 
Stange herum in Tristen au%e6chichtet In heiteren Winternächten nun 
machen sich die rüstigen Männer möglichst in zahlreicher Gesellschaft, 



58 

lange schon vor Sonnenaufgang anf die Beine und wandern mit ihren 
leichten Schlitten auf den Schultern denen Hochwiesen zu. Nach kurzer 
Rast nehmen sie ihre Ladung (etwa eine halbe Klafter, d. i. 3 — 5 Ztnr 
Heu) auf und beginnen ihre zwar anstrengende aber sehr lustige Thal- 
fahrt. Auf den wenigen ebenen Absätzen oder Ansteigungen des Weges 
müssen sie freilich mit Verwendung oft ihrer ganzen Kraft ziehen; im 
Uebrigen jedoch haben sie den Schlitten nur zu lenken und auf sehr steilen, 
stark gewundenen Stellen zurückzuhalten. Zu diesem Behufe fassen sie 
ihn bei seinen Hörnern oder bei den aufgebogenen Enden der beiden 
seitlichen Deichselstangen; stemmen sich mit ihrem ganzen Körper an 
die Ladung, strecken die Beine nach vorne und leiten die Fahrt durch 
wechselweises Einsetzen ihrer Fusseisen (oder mit eisernen Spitzen ver- 
sehenen Absätzen der Holzschuhe) in die Eisbahn. — Geschickte Männer 

— und in dieser Beziehung zeichnen sich besonders die Welschtiroler 
aus — fiediren auf diese Weise, den Schlitten der ganzen Wirkung sei- 
ner Schwere überlassend, mit Blitzesschnelle auch gerade über die steil- 
sten Hänge herunter, auf gewundener Bahn müssen sie jedoch fort und 
fort zurückhalten^ um den Schlitten lenken zu können. — Im Thale, wo 
dann ununterbrochen gezogen werden muss, erwarten sie gewöhnlich ihre 
Weibsleute, oder ein Esel, ein Pferd oder selbst eine Kuh als Vorspann. 

— Man bricht oft gleich nach Mitternacht auf, denn die ganze Reise muss 
(zwischen 9—11 Uhr) beendet sein, bevor noch der Schnee weich wird. 
Da dieses Abschütten harte Eisbahn voraussetzt, so wählt man gegen 
das Frühjahr auch immer nur mondhelle Nächte. 

Das Holzziehen wird ganz auf ähnliche Weise vollfährt. Kurzhölzer 
(Feuerholz) ladet man gänzlich auf längere Schlitten; bei längeren Höl- 
zern (Klötzen) jedoch , legt man nur deren Kopf auf eigens gehaute (8 — 4' 
lange) kurze Schlittchen und lässt die Enden schleifen. Da jedoch die 
mit Langholz beladenen Schlitten sich nicht so leicht lenken lassen, so 
muss die Bahn für sie regelmässiger und auf der Seite des Hanges (mit 
Hölzern, Steinen oder festem Schnee) hoch aufgerändert sein. 

Wo man bei grossen Holztransporten eigene Ziehwege anlegt^ 
trachtet man, sie sowohl im Gefälle (1—8^^ auf die Klafter), als auch in 
ihrer Richtung so regelmässig herzustellen, dass der Schüttler wenig 
mehr zu thun hat, als den Schlitten gleich Anfangs und von den Ruhe- 
plätzen weg in Bewegung zu bringen, über die Kehren hinüberzulenken, 
und ihn dann leer zurückzuziehen. Auf diese Weise gelingt es auch, 
selbst Holzladungen von 10 — SO Ztr recht gut zu gewältigen. 

Das ebenbehandelte Schlittziehen durch Menschenkraft geht nur bei 
Thalfahrten. — Berg- oder Ebenfahrten werden mit Zugthieren bewerk- 
stelligt. 

Selbst auf den gewöhnlichen Landwegen ist die Schlittbahn von 
grossem Nutzen ; denn der Schnee macht auch jene Wege sehr gut fahrbar, 
auf welchen — weil sie schlecht unterhalten werden — in der übrigen Zeit 
des Jahres nie volle Ladung gegeben werden könnte. Auch vermindert 



50 

die Schlittfahrl sehr den Einrieb der Kohlen. Der grdsste Vortheil erwachst 
jedoch den forstlichen Wintertransporten aus dem Umstände, dass cor 
Schneezeit die Zug'krafte weg^en Stillstandes der Feldarbeiten gewohnlich 
sehr wohlfeil su haben sind. In den Hochbergen ist öfter fast der ganze 
Transport der Forstprodukte auf die Schlittbahn berechnet. 

37 

Schneelawinen. 

Auch im niedersten Gebirge haben wir Schneelawinen, jedoch sind sie 
so klein und so unschädlich, dass Niemand sie beachtet 

Selbst unsere Städte sind nicht ohne Lawinen, denn was ist der Schnee, 
der zu Zeiten von unseren Hausdächern rutscht und auch schon öfter einen 
Vorabergehenden niedergeschlagen hat, zuletzt Anderes, als eine unrechte 
Lawine? 

Die Grossartigkeit jedoch , mit welcher die Lawinen in den Hochber- 
gen auftreten, und vor Allem die Verwüstungen, durch welche sie ihre 
Vl^ege bezeichnen, hat von jeher die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich 
gezogen, und den Ausdruck „Lawinen" vorzugsweise nur den Schneeab- 
rutschungen des Hochgebirges zugewendet. 

Vier Bedingungen sind es, welche an und für sich, gewöhnlich aber 
durch ihr Zusammenwirken die Lawinen zuwegebringen: eine gewisse 
Steilheit und Glätte des Bodens, ein gewisser (durch seine Höhe beding- 
ter) Druck und eine gewisse Beweglichkeit des Schnees. 

Auf der Ebene kann der Schnee nie abrutschen, und wäre er selbst in 
seine beweglichsteTorm , d* u völlig zu Wasser übergegangen. 

Auf der senkrechten Wand kann sich kein Schnee halten und hätte er 
auch seine festeste Form, d. i. jene des Eises angenommen. 

Wo die Bergabhänge mit Bäumen oder hohen Sträuchern bewachsen 
sind , kann der Schnee ebenso wenig abrutschen , als die darunterliegende 
durch das Wurzelwerk dieser Holzgewächse befestigte Erdkrume. 

Auf jenem Hange, wo Schnee von einem gewissen Zusammenhange 
noch ganz sicher liegen bleibt, wird er zum Rutschen gebracht, sobald 
diese Festigkeit, dieser Zusammenhang aufgehoben, oder vermindert werden^ 
nach demselben Gesetze, nach welchem das völlig flüssige Wasser oder 
die minder beweglichen Erbsen auf jener schiefen Ebene längst abfahren , 
auf welcher sich das festere Erdreich noch sehr gut zu halten vermöchte. 

Dort, wo ein fusshoher Schnee noch unbeweglich liegen bleibt, wird 
ein drei Fuss hoher, also auch dreimal so schwerer allsogleich abfahren, 
ganz nach demselben] Gesetze, nach welchem auf einer steilen Bergstrasse 
ein Wagen, der unbeladen sich nicht vom Flecke gerührt hätte, sich von 
selbst in Bewegung setzt , sobald er schwer beladen wird. 

Es gibt in der Hauptsache nur zwei Gattungen von Schneelawinen: 
Rntschlawinen und Sturzlawinen. Der Name dürfte den Unterschied klar 
genug bezeichnen. 



Die Ratflchlawinen (wenige bezeichnend auch Grundlawinen genannt), 
fahren natürlich auf den eigentlichen Hingen ab; es ist aber ein grosser 
wenn auch gewöhnKcher Irrthum, wenn man bei ihnen vom Rollen oder vom 
Wilzen spricht, denn sie rollen und wälzen sich nicht, sondern bewegen 
sich immer nur rutschend. — Bloss kleine Bruchtheile , welche der Haupt- 
schneemasse vorauseilen, kommen öfter ins Rollen. 

Die Rutschlawinen entstehen sehr häufige wenn in wenig Tagen 
grosse Schneemassen fallen; denn zu dieser Zeit kann das grosse Gewicht 
der hohen Schneeschicht noch in vollem Masse wirken, weil der Schnee 
noch völlig locker und also auch sehr beweglich ist Später verliert er die- 
se Beweglichkeit, sowohl durch das Zusammensitzen , als auch durch das 
Zusammenfrieren. 

Das Zusammensitzen des Schnees (durch das eigene Gewicht) beginnt 
gleich nach seinem Falle, und geht mit der steigenden Schneehöhe um so 
rascher vor sich, als der Schnee weicher (nässer) ist. 

Es hat in den tieferen Regionen am schnellsten statt, weil hier der 
Schnee weniger trocken und in der Regel viel reichlicher fallt. 

Das Zusammenfrieren lässt auch nicht lange auf sich warten, denn 
wenn auch der Schnee nicht schon nass gefallen wäre , so schmilzt doch 
schon die nach jedem starken Schneefalle mit besonderer Reinheit hervor- 
tretende Sonne dessen oberste Lage, und das in die Tiefe sinkende 
Schmelzwasser bewirkt dann alsbald das Gefrieren. Oefter thut auch ein 
nachfolgender Regen diesen Dienst. 

Das Zusammenfrieren ist daher auch am schnellsten und am stärksten 
im sAdlichen Theile der Alpen, in den tieferen Lagen und auf den Sonnenseiten. 

Hier hat es durch den ganzen Winter statt, während es im Norden, 
auf den Schattenseiten und insbesondere auf den Höhen gewöhnlich erst 
gegen Ende Winters eintritt. 

Dieses Zusammenfrieren erzeugt eine mehr oder weniger starke Kru- 
ste, auf welcher man über den Schnee wie über einen Marmorboden hin- 
weggeht, oder wenigstens mit Schneereifen nicht mehr einsinkt. 

Aller dieser Gründe wegen ist die Zeit anhaltender starker Schnee- 
fälle auch eine jener Perioden, in welcher die Rutschlawinen am liebsten 
abzugehen pflegen. 

Nun treten aber diese Schneefalle zu allen Zeiten des Winters ein ; 
es gehen also auch die durch die Lockerheit des Schnees hervorgerufenen 
Lawinen zu allen Zeiten ab. 

Nur bemerkt man sie Anfangs Winters etwas häufiger, weil zu die- 
ser Zeit durchschnittlich auch die stärksten Schneefalle statthaben. 

Aber ebenso häufig und manchenorts viel häufiger entstehen die 
Rutschlawinen, wenn der schon längst gefallene Schnee plötzlich aufge- 
weicht und daher auch sehr beweglich wird. 

Die gewöhnlichste Veranlassung hiezu ist die rfickkehrende Früh- 
lingswärme verbunden mit der kräftigeren Wirkung der bereits höher 
und länger am Himmel stehenden Sonne« 



81 

Dm einsinkende Schmekwasser friert ^^nn den unteren Schnee 
nicht mehr snsamnien, sondern löst ihn vielmehr auf. 

Daher ist auch die wärmere und besonders die sonnig'eZeit des her- 
annahenden Frühlings der zweite Moment» in welchem die Rutschlawinen 
g'ewönüch abzugehen pflegen , daher sind auch . die so verursachten Ab- 
rutschungen am zahlreichsten auf den Sonnenseiten. 

Aber auch plötzliche warme Winde, und insbesondere der südiche 
Sirocco bewirken öfter die Auflösung des Schnees und mithin den Laviri- 
nenfall; und sie wirken meistens viel kraftiger, als die blosse regelm&ssige 
Frühlingswärme oder der gewöhnliche stärkere Sonnenschein. 

Da jedoch der Sirocco nur gegen das Frühjahr zu noch warm genug 
in die Hochberge gelangt, so gehen die von ihm hervorgerufenen Lawi- 
nen zum öftesten auch nur wieder Ende Winters ab. 

Manchmal erweichen auch starke Regen den Schnee bis zum Ab- 
rutschen; weil aber derlei Regen Mitte Winters nur äusserst selten ein- 
treten, und Anfangs Winters gewöhnlich nicht genug Schnee vorfinden, 
so veranlassen auch sie den Lawinenfall gewöhnlich um das Frühjahr herum. 

Da ein gewisser Druck eine Grundbedingung für die Entstehung 
einer Scbneeabrutschung ist, so gehen die Lavrinen um so häufiger und 
ausgiebiger ab, als die lockere oder weiche Schneelage stärker ist 

Darum sind auch die Alpen und insbesondere deren südliche Abfall 
die wahre Heimath der Lawinen; denn hier ist jader wässerige (im Win- 
ter als Schnee fallende) Niederschlag, am allerstärksten. Die mittlere 
Schneehöhe beträgt hier 3 — 8 Fuss, also doppelt so viel als im Flach- 
lande. — Das Mittelgebirge der österreichischen FlachKnder hat sehr häu- 
fig ebenso steile, ebenso glatte Hänge, und dennoch keine oder nur we- 
nig bedeutende Lawinen; ganz einfach darum, weil dort die Schneedecke 
nicht so hoch wird. 

Darum sind auch die Lawinenfalie unter sonst gleichen Umständen 
bis zur Baumgrenze hinauf am häufigsten und stärksten, und werden dar- 
über hinaus immer schwächer, einzig nur darum, weil in der ersteren Re- 
gion auch am meisten Schnee fällt. 

Darum gehen endlich in schneearmen Jahren oder dann , wenn der 
Schnee nach und nach wegschmilzt, viel weniger Lawinen ab. 

Die von der Lawine bedingte Glätte des Bodens ist in den Alpen viel- 
fach vorhanden. Denn der Mangel grösserer Ebenen, und flacherer Vor- 
berge zwingt hier die Landwirthe auch die steilen Hänge noch als Acker 
oder wenigstens als Grasland zu benützen, wie wir denn auch wirklich 
zahlreiche Aecker von 30 — 35. und Wiesen von 35 — 45^ Neigung finden. 

Dann bleibt auch noch die ganze Sennereiregion, deren Hänge, weil 
sie hoch ober der Verbreitungsgrenze des Waldes liegen, für immer glatt 
bleiben müssen, sie mögen auch noch so steil sein* 

Sogar ein Theii des Waldstandes versagt in den Alpen seinen un- 
schätzbaren Dienst gegen die Lawinen. Ich meine hier die Legf&hre. — 
Diese legt sich, wie schon ihr Name si^t, unter der Wucht des ersten 



Schnees su Boden nnd lä^st daher die neuen Schneelasten anstandslos über 
sich abfahren. 

Das eben ist der zweite Hauptgründe warum im gleichsteilen Mit- 
telgebirge nur selten Lawinen abgehen« weil hier alle starkgeneigten Häinge 
fast überall mit Wald bewachsen sind. 

' Oefter stellt der Schnee selbst erst eine glatte Lawinenbahn her» 
wenn er in Folge der Besonnung eine harte Kruste bildet, oder diese gar 
vom Duftnebel geglättet wird. 

Eine zwar sehr seltene aber desto verderbenbringendere Veranlassung 
zum Abgange der Lawinen sind die Erdbeben; wo nur immer die Schnee- 
massen sich loszulösen vermögen, fahren sie dann sicherlich im ganzen 
Lande gleichzeitig gen Thal. 

Bei der Lawine gilt in vollstem Masse das Sprichwort: ,,Ein kleiner 
Anfang, ein grosses Ende/' — Nicht nur vermehrt sich die Schnelligkeit 
und mithin auch die Kraft des ins Rutschen gebrachten Schnees nach den 
bekannten Gesetzen des Falles, sondern auch ihre Masse vergrössert sich 
fortwährend« indem sie all den Schnee mit sich reisst, welchen sie auf ih- 
rem Wege begegnet. 

Daher vermögen auch jene Umstände, welche das Entstehen von La- 
winen zu verhindern geeignet sind^ sehr oft eine schon in Bewegung ge- 
setzte nicht mehr aufzuhalten. 

Flachere Absätze im Berghange massigen zwar immer die Gewalt 
des Falles, vermögen aber sehr oft die Lawine nicht zum Stehen zu 
bringen. 

Wälder halten zwar häufig Abrutschungen von gewöhnlicher Stärke 
auf, aber nur zu oft vermögen sie denen von aussergewönlicher Kraft nicht 
zu wiederstehen ; sie werden dann abgescheert, ausgerissen und gebrochen 
wie Getreidehalme und vermehren durch ihre Masse nur die unwidersteh- 
liche Wucht der weiterfahrenden Lawine. 

Die Rutschlawinen gehen zwar auch auf den Seiten der Hänge, ja 
manchmal selbst auf deren Riegeln ab , am häufigsten jedoch und so ziem- 
lich alljährlich in den Furchen und in den Schluchten- — Die Erklärung 
liegt sehr nahe ; erstens sind diese — wenigstens an ihrem Beginne am steil- 
sten, zweitens haben sie viel geringere Abhänge , und drittens sind siever- 
hältnissmässig am meisten glatt 

Da die Lawinen so ziemlich den Gesetzen des Falles den Flüssigkei- 
ten folgen , so nehmen sie auf Grund der Oberflächenbildung des Geburges 
ihren Lauf zumeist in die Schluchten. 

Diess ist ein grosses Glück far die Hochberge, denn sonst wären die 
wenigsten Bauernhöfe , ja selbst viele Wälder nicht vor Zerstörung ge- 
sichert. 

Da die Oberflächenform des Gebirges in der Hauptsache immer die 
nemliche bleibt, und auch der Schneefall sich nur wenig ändert, so haben 
die Lawinen in der Regel ihre bestimmten Stellen, wo sie losgehen, und 
einen bestimmten Weg, den sie nehmen. 



es 

Auch das ist ein Segen för die Aelpler , denn sonst wfissten sie nicht, 
wo ihre Häuser hinhauen, noch wo ihre Strassen anlegen. So aber können 
sie vielen Nachtheilen vorbeugen , und richten sich in jedem Herbste schon 
gegen die Lawinen vor, sieben z. B. an den Lawinenzligen die Zaunste- 
cken aus und fuhren dort die alUälligen Heutristen weg. 

Leider jedoch bewirken aussergewöhnlicbe Umstände , dass Lawinen 
aach an Stellen abgehen, wo sie gewöhnlich nicht zu fallen pflegen, und 
dann freilich nehmen sie nicht nur Wälder, mit sich fort, sondern reissen 
auch Wohn- und Wirthschaftsgebäude ein und begraben Menschen und 
ihre Hausthiere unter ihren Massen. 

Man rechnet, dass in Tirol z. B. auf diese Weise von den 100.000 
Landhäusern jährlich 12 — 15 von den Lawinen zerstört, und dabei 80—- 90 
Menschen und mehrere hundert Stücke Vieh das Leben einbussen. 

Es ist nicht ohne scheinbaren Grund getadelt worden, dass Mancher, 
dessen Haus eben, von der Lawine fortgerissen wurde, das neue wieder 
auf den nemlichen Platz hinbaute, ungeachtet der eben erlebte Lawinen- 
sturz ja klar bewies, dass diese Stelle nicht lawinensicher seL 

Aber ich glaube, man hätte hier viel mehr Ursache zum Bedauern, 
als zum Verdammen. Der Bauer kann im Hochgebirge gewöhnlich nur 
dann sein Gut bebauen, wenn er in dessen Bereich wohnt Nun ist aber 
die Lage vieler dieser Güter derart, dass eigentlich keine Stelle ganz 
sicher vor Lawinen ist Um also sein Haus völlig sicherzustellen, müsste 
der Bauer das Grundstück seiner Väter verlassen. Das nun thut er um 
so weniger, als er oft kein anderes zu kaufen bekäme, und als er denn 
doch die Hoffiiung nährt, die Lawine werde das nächstemal einen andern 
Weg nehmen, oder ihm wenigstens nicht das Leben abfordern. 

Und das Bewusstsein der Gefahr , welches dem Flachländer vielleicht 
das Leben verkümmern würde, drückt wenig den Aelpler, der sozusagen 
auf allen Schritten von Gefahr umgeben ist, dessen Eigenthum und Leben 
mehr wie jedes Anderen in Gottes gewaltiger Hand liegt 

Sehr häufig ist auch der unvorsichtige Abtrieb von Wäldern an frü- 
her gar nicht vorgekommenen Lawinen Schuld; sei es, weil er solche 
dort entstehen lässt, wo sie früher nie losgingen, sei es, weil er den 
Damm beseitigte, welcher die immer schon Losgegangenen aufhielt, sei 
es endlich, dass er bloss den Zug der Abrutschungen änderte. 

Dort, wo die Lawinen gewöhnlich abzugehen pflegen, vermag sich 
gar kein Wald anzusiedeln; dort jedoch, wo sie nur häufig ziehen, kom- 
men immer noch Sträucher, gewöhnlich Bergahorne, Erlen, Krummholz, 
Weiden, Vogelbeer, selbst Buchen fort, denn entweder legen sie sich 
vor der Lawine nieder, oder schlagen, wenn sie abgerissen und gebrochen 
werden, wenigstens wieder reichlich aus Stock und Wurzel aus. 

Dieses Gesträuch wuchert hier sogar wider Erwarten zahlreich, 
weil eben die Lawinen fortwährend Gesäme herahtragen. Auf diese Weise 
ist offenbar die Legf^^hre (wenigstens auf den Hängen) bis in die Tbäler 
heruntergekommen. 



IM 

Nor dort , wo die Lawinen selten niedergehen , vermag der Hochwald 
fortzukommen^ ja es gelänge sehr oft, und ist schon gelungen, durch des- 
sen Ansucht künftige Lawinen fiir immer zu verhindern* 

Eben entstandene Rutschlawinen sind in der Regel unschwer au&u- 
halten , denn sie sind noch klein von Masse und wenig schnell in ihrer Be- 
wegung. — Auf den Hängen genügen hiezu sehr oft deren flache Absätze, 
emporstehende Felsen oder einzelne Waldstreifen , in den Schluchten die 
Felsblöcke, die auf ihrem Grunde liegen, oder deren Staffel. 

Ist aber eine Lawine schon aber eine längere Strecke abgefahren, 
dann vermögen diese Hindernisse nur selten mehr sie zum Stehen zu brin- 
gen; sie hemmen und brechen zwar ihre Geschwindigkeit, vermehren aber 
manchmal sogar noch deren Gewalt durch das neue Materiale , welches sie 
ihr liefern. 

So fahren denn die meisten schon längere Zeit in Bewegung gewese- 
nen Rutschlawinen bis in die Thäler hinab. 

Die Masse der Lawine übersteigt in der Regel sehr bedeutend das ge- 
rade Verhältniss zur Dicke der Schneedecke und zur Länge des zurückge- 
legten Weges , denn erstens wird ihre Bahn an und fiir sich immer breiter 
zweitens reisst die Lawine ausser dem Schnee auch alles Uebrige mit , was 
sie auf ihrem Wege findet, und drittens bringt sie durch die Erschütterung 
der Luft und des Bodens auch nebenliegende Schneemassen in Bewegung, 
die sie im Vorüberfahren gar nicht unmittelbar berührt hätte. 

Die Massen , mit welchen auf diese Weise Lawinen in die Thäler ge- 
langen , welche bei ihrem Losgehen vielleicht nur in einigen Klaftern locke- 
ren Schnees bestanden , sind daher oft so ungeheuer , dass sie auch bei der 
nur massigen Greschwindigkeit von 10 — 15 Füssen einen ungeheuren Druck 
aasüben ; in Folge dessen kein von Menschenhänden errichtetes Bollwerk 
ihnen zu vriderstehen vermag, in Folge dessen! sie 50 — iOO Klafter breite 
Thäler quer überfahren, ja in schmäleren Thälern sogar noch 10—50 Klafter 
hoch auf den entgegengesetzten Hang hinaufsteigen. 

Die Geschwindigkeit der Lawinen wechselt örtlich und im Ganzen 
ausserordentlich. Auf langen, glatten und gleichmässig fallenden Hängen und 
Schluchten , wie sie im Urfelsgebirge oft vorkommen , ist sie natürlich am 
gröasten. Unter entgegengesetzten Verhältnissen beträgt sie manchmal sogar 
nur einige Fuss. 

Daher ist es auch achtsamen Leuten oft gar nicht schwer, denselben 
zu entkommen. 

Am Meisten wird das Entkommen durch das dumpfe Getöse erleich- 
tert , durch welches sich die abfahrenden Rutschlawinen oft schon viel frü- 
her verkünden, als sie dem Auge sichtbar werden« Freilich gehört dann 
viele Geisfesgegenwart und durch Erfahrung gesdbärde Beurlheilungsgabe 
dazu, um für die Flucht den richtigen Zielpunkt zu wählen, und gar Man- 
cher schon, der dort, wo er eben stand, ganz sicher gewesen wäre, ist in 
seiner Angst der Lawine gerade in den Rachen geflohen. 



65 

Durch den Druck verdichtet eich der anfafig^e lockere Lawinenechnee 
unmer mehr, und wird in Kurzem sofeat, daas der meuschiiche Fusa nur 
wenig mehr einmnkt. 

So kommt ea auch, daaa Gegenatinde und aelbat Gehäude, Menschen 
«nd Thiere, weiche zufällig auf die OherAäche von Lawinen gelangten 
manchmal ganz unversehrt mit ihr in das Thal gefahren sind. Ja es ist 
achon einigemal vorgekommen, dass Menschen von langsam gehenden La- 
winen, auf denen sie standen, sich wegiliichten konnten. 

Die Art, mit welcher die Lawine auf die Gregenstände wirkt, welche 
sieh ihr entgegenaetzen , ist natürlich ausserordentlich verschieden; je nach 
der Festigkeit und Form dieser Gegenstände, je nach dem Zuge, der 
Schnelligkeit und Stärke der Lawine, so wie der Art der mitgefahrten 
firemdartigen Massen , und insbesondere, je nachdem sie die Gegenstände 
mehr oder weniger überschüttet. 

Es sind bereits Fälle vorgekommen , wo Lawinen ganze Häuser blos 
von ihrer Grundfeste geschoben, im Uebrigen aber unversehrt in die Tiefe 
getragen haben ; anderemale fiUlteii sie alle leeren Räume der Gebäude aus, 
oder zertrümmerten sie gänzlich. 

Häufig bleiben aber in ihrem Inneren einzelne leere Räume , von den 
Brachstücken der Gegenstände herrührend, welche si^ auf ihrem Wege 
zerstörten. — Diese Räume haben nicht selten schon den Menschen und 
Thieren, welche sich zulällig unter jenen Bruchstücken befanden, das Le- 
ben gerettet 

Am gelährliehsten sind diese Rutschlawinen zur Nachtzeit, denn an 
den ruhig schlafenden Bewohnern der bedrohten Häuser geht dann das 
ihnen gleich einem Warnrufe voraneilende dumpfe | Dröhnen unbenutzt 
verloren. 

Die gar viele Gräuel bedeckende Nacht ist auch die Zeit, in welcher 
die Lawinen die meisten Menschenopfer fordern. 

Von den unter ihren Massen begrabenen Menschen und Thieren wer- 
den zwar viele gerettet, für die Mehrzahl jedoch kommt die Nächstenhilfe 
zu spät 

Manche werden achon von den Trümmern ihres Obdachs erschlagen. 
Andere von der Wucht der Schneemassen erdrückt, und wieder Andere 
werden nur darum nicht mehr gerettet » weil man beim Ausgraben zu spät 
an sie gelangt 

Das Ausgraben der Verunglückten ist auch walirlich eine äusserst un- 
sichere Sache, denn wonach soll man Ort und Richtung des Rettungsstel- 
lens bestimmen , der , soll er nicht seinen Zweck verfehlen , auf dem kürze- 
sten Wege zu den Hilfsbedüriligen führen muss. Hiezu gesellt sich noch 
der verhängmssvolle Umstand, dass der Lawinenschnee ein sehr schlechter 
Leiter des Schalles ist 

Hohe Bewunderung verdient die edle Aufopferung, mit welcher in der- 
lei Unglücksfällen die Bevölkerung der ganzen Umgegend zusammeueilt, um 
auch das Uebermenschliche für die Rettung der Verunglückten zu wagen. 

5 



«6 

Die Sturxlawinen entstehen ober den hohen Felswänden. Anf den fla- 
chen Absätzen^ welche über denselben liefen, häuft sich der Schnee in 
grossen Massen , öfter sogar überhängend an. Sei es durch unmittelbare» 
Fall> sei es durch das Zusammenfahren von den umliegenden Winden und 
Hängen y sei es endlich, weil aurückprallende Winde dort den mitgefihrten 
Schnee liegen lassen. Aber würde er auch nur senkrecht hinansteigen > so 
muss er endlich in Bewegung kommen, da er sich in trockenem aber locke- 
rem Zustande über K-^dO^ hinaus, und wenn er weich wird, auch bei ge« 
ringeren Neigungen nicht mehr zu halten vermag, 

Ist nun einmal durch das Abstürzen der Randtheile Bewegung in jene 
Schneemassen gebracht, so folgen gewöhnlich auch deren hintere Thelle. 
Viel öfter ist die Sturzlawine jedoch nichts Anderes , als die Fortsetzung 
einer Rutschlawine; denn da die Hänge d^r Hoehberge sehr häuflg durch 
Wände unterbrochen werden, so gerathen die 'anfangs rutschenden Schnee« 
massen ins Stürzen , sobald sie an die Wand kommen. 

Und umgekehrt verwandeln sich die Sturzlawinen wieder in Rutschla« 
winen , sobald sie an der Wand herunter auf den unterliegenden Hang ge- 
rathen ; es wäre denn, dass sie auf einem sehr flachen Absätze oder in einer 
Mulde stillestehen würden. 

Die Sturzlawinen sind vorzugsweise nur dem Kalkgebirge ^gen, w^ 
nur dieses zahlreiche Wände hat, am alleriiäufigsten sind sie in den Bergen 
des ausgeprägten Dolomites, da dessen Hänge^ grossentheils aus blossen 
Wänden bestehen. 

Der über die Wände stürzende Schnee wird durch die Felsenriffe, auf 
welche er allenthalben stösst, theilweise in Staub zerstiebt, anderntheils 
Msen sich die anfangs dichten Massen gegen Unten zu darum a«f , weil sie 
viel schneller stürzen, als die nachrückenden Massen oben abrutschen, 4^^^^ 
wegen heisst man diese Lawinen auch öfter Staublawinen. 

Bei gleicher Masse sind die Sturzlawinen aus sehr naheliegenden Grrfin» 
den weit zerstörender, als die Rutschlawinen. 

Auf die ungeheure Wucht , mit welcher grössere Lawinen über h5« 
here Wände stürzen^ kann man aus dem Umstände schliessen, dass die 
blosse Luftbewegung ^ welche sie verursachen, schon die stärksten Bäume, 
ja ganze Bestände niedenreisst, Hütten gleich Kartenhlosern zusammen- 
wirft und leichtere Gegenstände mehrere hundert Klaftern weit fortführt. 

Bei langsamgehenden Rutschlawinen ist die Lufterschütterung von 
keiner Bedeutung, und selbst bei den schnellsten derselben auch nicht annä- 
hernd so gross, wie hier. 

Die ursprünglichen Stnrzlawinen sind um so gefahrlicher, als sie sich 
durch kein vorangehendes Getöse ankündigen. 

Die Wuth der Sturzlawinen trifit ganz vorzüglich die Wälder, nmr 
selten die Menschenwohnungen, weil unter den Wänden nicht leicht Jemand 
seine Hütte aufschlägt 

Es ist ganz klar, dass die Schneemassen sich allenthalben in einem 
Zustande befinden können , in welchem jedes Atom von bewegender Kraft 



angenblicklich ihr Losgehen hewirkeii kann; wenigatens haben die mei- 
sten wirklich abgegangenen Lawinen sich in einem solchen Zustande 
befondea. 

Es ist daher nicht minder klar, dass selbst die geringate Lufler- 
schfitterung» blosses lautes Sprechen, der Fall eines Steines , eine Lawine 
hervorrufen kann; woraus nun wieder die Vorsicht folgt, die zu lawinen- 
gefUirüchen Zeiten eu beobachten ist 

Es gibt in den Hochbergen viele Thäler, welche ganz besonders die 
Lawinen begünstigen, entweder durch ihre zahlreichen Wände (im aus- 
geprigteii Dolomite) oder durch die wenig unterbrochene Steilheit uud 
Glitte ieat beiderseitigen Hänge (Urfelsgebirge). Das Spiel der Lawinen 
ist dort bei besonders reichlichem Schneeialle oder, bei plötzlichem Thau« 
wettar wirklich erschütternd. Von allen Seiten erdrdhnen ihre Donner; 
kaum hat das Auge die Eine aufgefunden, so verkündet neues Getöse von 
vorne und von hinten eine Zweite , Dritte und Vierte. Sehr häufig ist es 
die Lufterschütterung der Ersten, welche die Anderen in Bewegung setzt. 
Auf einer Wegstunde quer über das Thalgehänge kann man nicht selten 
10 starke und doppell so viel kleine Lawinen zählen. Häufig geschieht 
es, dass, während man vor einer abgehenden Lawine zurückweicht, eine 
rückwärts abschiessende den Weg auf der änderen Seite versperrt. 

So sind z. B. im venezianisclien Hochgebirge auf dem Wege zwi« 
sehen Agordo und Peron zwei Maulthierkarawanen durch volle zwei Tage 
vüih'g abgesperrt worden. Zum Glücke hatte die eine Mais und die andere 
Wein geladen, so dass wenigstens für den Hunger und insbesondere fiUr 
den Durst der Mauithiertreiber gesorgt war, welcher bekanntlich sehr 
stark zu sein pflegt 

Die durch die Lawinen in die Thäler gelangenden Schneemassen 
grenzen zuweilen ans Unglaubliche; schmale Thäler sperren sie mit5--20 
lUafter hohen Dämmen völlig ab, und stauen die rückwärtigen Bäche in- 
solange zu förmlichen Seen auf., bis sich das Wasser endlich eine Bahn 
durchgelressen hat Oefler bildet der Durchgang ein Grewölbe, so dass 
man auf der Lawine wie auf einer Bogenbrücke den Strom überschreiten 
kann. Die Strassenverbindung pflegt man dann durch blosse Einschnitte 
herzustellen; ja öfter sind die Schneemassen so mächtig, dass man lieber 
förmliche Stollen eintreibt. 

So gewaltige Schneemassen schmelzen in den tirfen Thälern erst im 
Juni, in den Hochthälern erst im August gänzlich weg; ja in ungünstigen 
Lagen und Jahren dauern nicht unbedeutende Reste aucli noch in einen 
nächsten Sommer hinüber. 

Merkwürdig anzuschauen ist der Rücklass von derlei Lawinenrissen, 
besonders wenn sie ganze Waldstreifen mitgefuhrt haben^ Die Fantasie 
veirmag sich kein Bild zu entwerfen von der imposanten Verwirrung, in 
welcher dort die vielfach gebrochenen und zersplitterten Baumstämme mit 
Felsblöcken, Schutt und Rasen verkreuzt sind. 



«8 

Die Aufarbeitongf von derlei Holzmassen ist dreimal so schwierigf und 
kostspielig, als jene im regelmässigen Holzschlage. 

Oft kommen aber auch sonst noch bemerkenswerthe Reste zu Tage. 
So fand man im tiroler Canalithale , auf dem Grunde einer Lawine , welche 
erst im zweiten Sommer vollends wegschmolz, eine Gemse mit ihren Kitze, 
deren Fleisch noch völlig geniessbar war. 

Die Zerstörungen der Lawinen sind schon im Früheren angedeutet 
Worden. 

Für den Waldstand sind sie besonders uachtheilig, zahlreiche Streifen 
gehen als gewöhnliche Lawinenbahnen f&r den Holzwuchs ganz verloren^ 
andere bleiben für ewig schlechtes Buschholz. Unzählige Stamme und Hör* 
ste, ja selbst ganze Bestände werden oft lange vor ihrer Hauarbeit durch 
sie ganz zusammengebrochen. Nicht selten entstehen dadurch neue Lawj» 
nenbabnen , die dann äusserst schwer wieder aufzuforsten sind. 

Aber selbst der Waldboden wird gar häufig völUg verdorben ; denn, 
geht die Lawine zu einer Zeit ab , in welcher der Boden nicht fest gefroren 
ist, so reisst sie die Baumstämme saromt ihren Stöcken und Wurzeln aus 
dem Boden, und leitet dessen Abscbwemmung durch die Sommer- und 
Herbstregen ein. 

Der ganze Forstbetrieb muss öfter nach den Lawinen gemodelt wer- 
den. Viele Bestände würden weit vortheilhafter im Kahlhiebe gehauen 
werden, der Lawinen wegen darf man sie bloss plenterweise abtreiben; 
andere würde man lieber in jüngstem Betriebsalter holzen, der Lawine we- 
wegen muss man sie alt werden lassen ; in Gegenden hohen Holzwerthes 
würde man gerne die Nutzholzstämme tief herauskesseln , der Lawinen we- 
gen muss man stattdem klafterhohe Stöcke zurückfassen. 

Und in die sogenannten speziellen Nutzungspläne, wo ja solche in den 
östreichischen Alpen angefertigt werden, machen die Lawinen die gewal- 
tigsten Risse. Sie fragen nicht, welche Bestände durch den Wirthschafts- 
plan zur Fällung bestimmt wurden, sondern reissen herunter gegen alle 
Regel , gegen allen Plan. In sehr schneereichen Jahren deckt oder über- 
steigt das Lawinenholz nicht selten das nachhaltige {ährliche Hiebsquantum. 

Fragt man nach Bollwerken gegen die verderblichen Lawinen, diese 
furchtbare Geissei der Alpen , so kommt man zuletzt immer wieder auf den 
Wald zurück. 

Gegen kleine Lawinen , welche gegen die Häuser ihren Zug nehmen, 
haben sich zwar auch dreiseitige Sporne aus festem Mauerwerk (Lawinen, 
brecher) öfter schon bewährt. Mit einer ihrer Kanten gegen die Lawine 
gerichtet , theilen sie diese und lenken sie ab. 

Aber gegen grosse Lawinen ist jeder von Menschen errichtete Damm 
entweder viel zu schwach , oder viel zu kostspielig. 

Die Wälder hingegen sind ein vielfach bewährter, allgemein anwend- 
barer und ganz kostenloser Damm, ein Bauwerk, das sich ohne viel Zu- 
hilfe , sozusagen von selbst erhält. 



Wo nur halbwegfs wohlbeatockter Wald steht , kann die LaMrine gw 
nicht lo«^ehen^ und ein nur mittelmässig; herangewachsenes Gehdiz hält jede 
noch nicht nbermässig^ angewachsene Rutschlawine auf. 

Die Aelpler würdigten auch die unbezahlbaren Dienste^ welche ihnen 
die Wälder in dieser Beziehung leisten , in vollem Masse. 

An lawinengeliäirlichen Orten erhalten sie ober jedem Gebäude mit 
eifersüchtigster Sorgfalt einen Schutzwald« der gebannt ist gegen jeden 
freventlichen Eingriff. Eine fast heiUge Scheu hält selbst den kecken Holz- 
dieb vom Bannwalde fern , wesswegen diese Schutzwälder in der Regel die 
schönsten und bestbestockten der ganzen Gegend sind; Haine, deren 
schauerliches Dunkel allsogleich verkündet, dass dem Sitvan hier ein Altar 
aufgeschlagen wurde. 

Schwierig ist jedoch die Anzucht des Waldes an SteUen, wo die La- 
winen häitfig abzugehen pflegen. Es bleibt dort nicht leicht was Anderes 
übrig, als den Häng wie gegen die Erdabsitzungen staffeiförmig herzu* 
richten, oder sich durch Pfehlreihen zu helfen, in denen je zwei und' zwei 
Pfähle sich kreutzen (und sich somit gegenseitig unterstützen). Zum Schu- 
tze der Strassen baut man die Schirmdächer, auf welchen die Lawinen 
hinübergehen , ohne die Strasse zu gefährden. Besonders schön kann man 
diese ausgeführt sehen auf der berühmten Mililärstrasse über das worm« 
ser Joch. 

Wo Schirmdächer zu kostspielig sind, bleibt nichts Anderes übrig, 
als die Lawinenbahn ober und unter der Strasse möglichst von allen Hin« 
dernissen zu befreien, damit die Lawine wenigstens schnell, sicher und 
ohne vielem Rücklass über die Strasse wegfährt« 



38 
Die Fernstemlawine vom Jahre 1814. 

CNordtirol). 

Im Januar 1844 fiel in Nordtirol ungewöhnlich viel und trockener 
Schilde , daher auch überall starke I^awinen abgingen« 

Schon am S8. Januar fuhr um 5V« Uhr Früh eine der ungeheuersten 
vom hohen Fernsteine durch das steile schluchteuartige Thal, vor dem gleich- 
namigen Weiler vorbei, bis ins Hauptthal hinab. 

Durch den Weiler führt quer am Bergabhange die Hauptstrasse und 
übersetzt die erwähnte Schlucht mittels einer schönen steinernen Bogen- 
brücke, welche 85 Fuss über das Gerinne erhaben ist. 

Die abgefahrenen Schneemassen , welche bis hoch hinauf die Schlucht 
erfüllten , überdeckten diese Brücke noch um 60 Fuss, keine Spur von der 
Strasse übrig lassend; die Lawine hatte also dort eine Dicke von 
tn Fuss. 

Sie überdeckte auch 54 Schuh hoch die Mühle und das Häuschen 
des 73[jährigen Johann Sterzinger , während er noch im Bette lag. 



and überflcküttete Schoppeu und Stall eine« Wirthe« samint dem darinste- 
henden Vieh. 

Den übermensdilichen Anstrengungen der alsbald in Menge herbei* 
geeilten Nassreither gelang es» imierhaib 35 Stunden durch den Schnee 
einen Stollen bis zum Hause des Greises sn treiben. Sie fanden ihn uaver* 
letzt und bei riistigeni Leben. Es war aber höchste Zeit, denn eben hatte 
der Gerettete Feuer angemacht, um sich Etwas zu kochen; ohne Zweifel 
würden ihn Rauch und Kohlendampf bald erstickt haben. Zum glücklichen 
Erfolge der Nachgrabungen trug das Meiste der Strasseneinräuroer Alois 
Messner von Nassereith bei , nicht allein durch seine UnermüdlichkeiC in der 
Arbeit, sondern vorzüglich durch den Scharfsinn, mit welchem er seine 
Ortskenntniss zu benutzen wusste; er allein wusste mit voller Sicherheit 
die Stelle des Hauschens und die Richtung genau anzugeben, nach welcher 
der Stollen zu treiben war. Andere , welche die Gegend sonst sehr genau 
kannten, fehlten weit in ihren Angaben, so sehr hatten die ungeheuren 
Schneemassen die ganze Umgegend verändert Das Häuschen war fast 
ganz unbeschädigt geblieben. 

Man suchte auch das verschüttete Vieh auszugraben, aberies gelang 
nicht, weil man die Richtung verfehlte, nur kamen zum Erstaunen Aller 
nach vollen acht Tagen ein paar Hennen lebendig und gackelnd ans Ta- 
geslicht 

Alles fürchtete, dass der ungeheure Druck dieser gewaltigen Schnee- 
massen die steinerne Brücke zerstören werde, aber sie widerstand; nach 
einigen Tagen hatte man sie sammt der Strasse ausgeschaufelt 



39 

Schneesturm und Schneedlnen. 

Wegen der mit der Meereshöhe steigenden Kälte wird der Schnee 
im tiefen Winter immer trockener und pulveriger, je höher man in den 
Hochbergen emporsteigt. 

Wie ich später noch zeigen werde, wächst mit der Höhe auch, die 
Stärke und die Häufigkeit der Luftströmung, sie artet auf den Jöchern und 
Hochebenen sehr häufig zum förmlichen Sturm aus, während im Thale die 
Atmosfäre kaum bewegt wird. 

Der Sturm hebt den pulverigen Schnee, fuhrt ihn auf lange Strecken 
mit sich fort und lässt ihn erst dort wieder fallen, wo seine Richtung oder 
seine Kraft plötzlich abgelenkt oder gebrochen werden. Starke Stürme he- 
ben den Schnee auch bis 60 Fuss Höhe und in solcher Masse , dass die Luft 
bis auf 6—10 Fuss Höhe« wie bei dichtem Nebel undurchsichtig wird , und 
dass er gegen den Boden zu förmlich zu fliessen scheint. 

Solche Schneestürme wehen nun den Schnee von einzelnen SteUeti 
gänzlich weg, und tragen ihn an anderen wieder oft hanshoch an, wodurch 
' ähnlich wie beim Meereaflugsande mächtige Dünen entstehen. 



n 

Id den Forsten beaobränken sich die Schneestürme und Dünen auf die 
vereinzelten Blossen und Lichtungen. 

Wahrtich fiirchtbar wüthen die Scbneestürme auf den Jöchem und 
Hochebenen , denn hier sind Luftbewef ung und Schneemenge am stärksten, 
and ietstere auch am trockensten. 

Die Schneestürme haben dort schon unsählige Mensdienleben geko- 
stet AUes verschwört sich gegen den Wanderer, den Zufall oder Verwe' 
genheit su solchen Zeiten auf die Jöcher hinaufliihren« Der festgetretene 
Fusssteig ist langst verweht; wüsste man auch seinen Zug, so nützte er 
doch nichts^ weil er bereits mit neuem Schnee hoch überdeckt ist. Das 
Waten in diesen pulverigen aufgewühlten Massen (in welchen Schneereifen 
nutzlos sind), und insbesondere das Durchbrechen der Dünen ist so anstren- 
gend und zeitraubend, dass man auf Strecken von einigen hundert Klaftern 
leicht eine Stunde verbringt , in wenigen Viertelstunden reibt es die Kräfte 
auch starker Mäniier gänzlich auf; der Sturm ^ welcher den Schnee mit 
einer solchen Kraft ins Gesicht peitscht» dass man sich wie von Nadelsti- 
chen betroffen wähnt, betäubt völlig die Sinne; das gänzlich verän- 
derte Bild der Qegend und der Btangol aller Aussicht lässt uns nur zu oft 
auch den Weg verfehlen, oder füllt das Gemüth in dieser Beziehung we- 
mgstens mit den bangsten Zweifeln. 

Allerdings pflegen die Aelpler den Winterweg der Hochjöcher dieser- 
wegen mit Stangen zu bezeichnen; sie errichten in der Mitte längerer 
Jochstrecken auch ein Häuschen und legen einiges Holz hinein, damit der 
Unglückliche, der dem Schneesturme zu unterliegen in Gefahr ist« sich 
hinein flüchten' und am Feuer neue Kräfte sammeln kann ; aber nur zu oft 
Irifit man selbst diese Stangen und das rettende Häuschen verweht 

Umsonst steht dann mancher erschöpfte Wanderer einen Augenblick 
stille und sucht mit einem Schluck Branntwein neue Kräfte einzuschlürfen. 
£r watet noch eine Strecke fort, aber die Anstrengung wird endlich zu 
gross, eine ungeheure Mattigkeit senkt sich wie Blei in seine Gebeine, 
alle seine Sinne erschlaffen, es zwingt, ihn unwiderstehlich wie zum Schlafe 
nieder, wirklich setzt er sich, um nur einen Augenblick zu nippen, aber er 
schläflt ein — um nie wieder zu erwachen. 

Wenigstens ist es ein sehr ruhiger sanfter Tod; diess können wir 
Alle bezeugen, die wir sehr nahe daran waren, ihn zu erleiden, es bezeugt 
es der Ausdruck von zufriedenem Glücke in den erstarrten Gesichtern Der- 
jenigen, welche wirklich unterlegen sind. 

Fast grauseiihaft sind Jene anzuschauen, welche einen tüchtigen 
Schneesturm glücklich überstanden haben ; das vorstehende Kopf- und das 
Barthaar, ein Theil der Kleidung und besonders die Beine sind völlig ver- 
eist, selbst das Gesicht. ist auf der Windseite öfter mit einer dünnen Eis- 
lage überzogen; die Gesichtszüge sind so fratzenhaft verzerrt, dass man 
im Spiegel vor seinem eigenen Antlitz erschrickt; die Muskeln sind der- 
massen erstarrt, dass man kaum zu lalleiv vermag. Wer in diesem Zustande 



1 



n 

unvorsichtig'erweise in ein gfeheitztes Zimmer tritt, traget Jahre dauernde 
Frostbeulen als Lehrgeld davon. 

In der Regel wartet der Aelpler^ der im Winter ein Hochjoch zu 
überschreiten hat, beim warmen Ofen im Thale unten, bis der etwaige 
Schneesturm vorüber ist. Um das zu erheben^ braucht er nur eine An« 
höhe zu besteigen, von der aus man den Jochpass sehen kann. Wenn 
dort oben der Schneesturm wüthet, so ist das Joch wie mit Nebel 
oder Wolken überlagert. — In jedem Falle thnt man gut, den Ue- 
bergang nur in Gesellschaft zu wagen, denn dann kann man wenigstens 
mit dem über Alles beschwerlichen Vorauswaten abwechsein, und C^selU 
Schaft stählt ja die Kräfte gegen jede Gefahr. — Ein Schluck Branntwmn 
oder edlen Rhum hat sich dabei von jeher vortrefflich bewährt; wenn der 
letzte Rest von Kraft sinken will, so bringt er neues Leben in alle Adern ; 
nur dauert diese künstliche Aufregung nicht lange, daher denn dieses Spe« 
zifikum klüglich als letzte Zuflucht bewahrt sein will. 

In den Zeiten, in welchen die Alpen noch nicht mit den beutigen 
Fahrstrassen durchschnitten waren, wo also der ganze Verkehr der V51- 
ker seinen Zug in ziemlich gerader Richtung über die Sättel der Hoch- 
jöcher nahm , hatte man in den östreichischen Alpen Hospize mit ähnlichen 
Einrichtungen, wie jenes berühmte auf dem S. Bernhard in der Schweitz. 
— Die Mauern dieser gastlichen Stätten bestehen zwar heute noch, aber 
sie sind in Ruinen zerfallen, oder zu Kneipen herabgesunken. — Pane- 
veggio, S. Pellegrino und S. Martino in Tirol gehören in die letztere 
Klasse. So tief sie aber unter dem stehen , was sie einst waren , so be- 
grüsst man sie nach überstandenem Schneesturme doch ebenso herzlich, 
wie einst der bepanzerte Kreuzfahrer das gastliche Hospizium, oder wie 
heute noch der Araber die liebliche Oase seiner schrecklichen Wüste. 

Nur die Nordostwinde werden gewöhnlich zu Schneestürmen, denn 
sie sind die trockensten und unter den trockenen die häufigsten. — Aus 
diesem Grunde sind auch die Schneestürme zahlreicher in der südöstlichen 
Verflächung der Alpen, und wachsen an Häufigkeit und Kraft gegen Sü- 
den zu, woselbst in Unterkrain, und am südlichen Rande von Mitterkrain 
die gewaltige Bora diese Rolle übernimmt. Hier lässt der Schneesturm 
zwar an Wuth nicht das Geringste zu wünschen übrig, und er arbeitet 
in der Karstgegend auch bis in die Tiefe herab, demungeachtet macht 
ihn die (wegen des minder hohen Gebirges) geringere Menge des Schnees 
im Aligemeinen minder furchtbar. 

Die Schneedünen fallen ausserordentlich lästig. Sie verwehen die 
Häuser, vor Allem aber die Strassen; wochenlang bleibt dann alle Ver- 
bindung unterbrochen, oder man muss unverhältnissmässige Arbeitskräfte 
zur Ausschaufelung verwenden. Mit der letzteren wartet man - ausser 
auf den Reichsstrassen — bis der Sturm vorüber ist, indem während 
des Sturmes die Arbeit einer Stunde wieder in den nächsten fünf Minuten 
vernichtet werden würde. — Alle diese Verwehungen treffen den Holz- 



fS 

traiisport tm so schwerer, als man zu s^nen Gunsten nicht die Gemeinden 
zum Ansschaufeln aufbieten kann. 

In dem an Schneedünen sehr reichen Mittelkrain, wo zudem nodi 
die Höfe fast überall vereinzelt liegten, macht der Landmann, insolange 
noch kein neuer Steige g^etreten ist, seine GSng^e mit der hölzernen Schnee- 
schaufel auf der Schulter, damit er sich mit ihr vorerst die Bahn durch 
die Dünen brechen oder sich selber ans einer sehr starken herausschaa- 
feln kann, in die er etwa eing^esunken wSüre. 

Zur Verwahrung gegen die Verwebung^en sucht man die Strassen 
möglichst über h*eie Stellen zu ziehen und erhöht sie über den umliegeo- 
den Boden. 

Reichsstrassen schüzt man auch durch Bretterwände. Derlei ,,8chnee- 
schirme'' kaim man z. B. auf dem Brenner sehen. 



40 

Fimmeere und Gletscher. 

Die Schneegrenze liegt in den östreichischen Alpen zwischen 8000 
und 8600 Fuss Seehöhe. 

Von dieser Linie aufwärts vermag selbst die Sommerwärme den 
Schnee nicht völlig wegzuschmelzen, sie löst nur mehr dessen oberste 
Lage auf, das Schmelzwasser sinkt dann in die tiefere Schicht und verwan- 
delt sie in körnigen Schnee. 

Etwas Aehnliches geht in jedem Frühling auch in den tieferen Regio- 
nen vor, da jedoch das Thauwetter dort sehr bald dem Schnee ein Ende 
macht, so beachtet man es wenig. 

Ober der Scheelinie bildet sich Jahraus Jahrein eine neue Lage Fir- 
nerschnee; dieser wächst daher zu einer sehr bedeutenden Höhe an» der 
zunehmende Drucke insbesondere aber das fort und fort von Oben in die 
Tiefe sinkende Schmelzwasser verdichtet immer mehr die untersten Fir- 
nerlagen und wandelt sie endlich in völliges Eis d. i« in Gletscher um ; aber 
auch nur dann, wenn das niedersinkende Schmelzwasser nicht etwa in den 
Boden versinken oder irgendwie ablaufen kann. 

Wm Ähnliches kommt auch öfter auf den mehr ebenen Stellen unserer 
Tieflagen vor, wenn der Boden vor dem Eintritte der winterlichen Schnee- 
falle hart friert , denn dann können die beim Thauwetter niedersinkenden 
Schmelzwässer nicht mehr in den Boden* sinken, und verwandeln die unter- 
ste Schneelage in jenes l^is , welches unsere Getreide-Saaten manchmal zu 
verderben pflegt. 

Well der frische Schnee auf den steilen AbflUlen abrutscht und von 
den Gipfeln, Graten und Riegeln vom Sturme entflihrt wird , so bildet sich 
der Fh'n gewönlich nur in den Mulden, auf den sehr breiten Rücken und 
auf den Hochebenen. — In den Mulden insbesondere findet er das weiteste 
und dankbarste Feld; denn bekanntlich sind die meisten Hochgipfel ^ we^ 



nigBlen» im Vrblsgehirge , von sehr weiten und flachen Mulden umgebeui 
welche den Anfang der sich niederaenkenden Thaler bilden; nnd hier ward 
nicht nur kein Schnee forig^ewebt» sondern er rutscht noch von den steilen 
fl&ndern herein und wurd durch jene Massen vermehrt^ welche die Sturme 
von den Gripfeln und Graten entfuhren. 

Die g^rosse Ausdehnung vieler Firuer berechtigt vollkomniien zu dem 
gebranchlichen Ausdruck ,,Firnmeer/' 

Zwar stehen die Firnmeere der östreichischen Hochlverge im Allge* 
gemeinen den schweizerischen nach , demungeachtet haben auch wir derlei 
Meere , welche diesen Namen vollkommen verdienen* 

Die Pasterze z. B. hat V«^ der Hebatschfirn '/« Quadratmeile und viele 
andere zwischen % — V« Meilen Ausdehnung, und fasst man wie billig alle 
zusammenhängenden Ferner ein und desselben Bergstockes zusammen, so 
ergeben sich Flächen von mehreren Quadratmeilen. Die özthaler Firne z. B. 
haben eine Gesammtfläche von 7 Qnadratmeilen. — Die Tiroler Ferner al- 
lein schon nehmen über 23 Meilen Flache ein und bedecken somit 5 Pro- 
zente der Landesfläche. 

Es ist nicht möglich die grossartige Öde und Einförmigkeit der Firn- 
meere vollständig in Worten zu geben. Scheinbar unermessliche Schnee- 
flächen» Eis und Fels sind die einzigen Elemente dieser Landschaft Die 
Oberflächenneigung ist so gering und die Schneefelder sind so gross, dass 
wir lange wandern müssen , bevor sicli neue Gegenstände dem Auge dar- 
biethen. Nichts erinnert uns mehr an die grosse Höhe, in der wir uns befin- 
den, als die tiefe Bläue des Firmamentes über uns, oder einige beeiste Al- 
pengipfel, deren weisse Unorisse bei der grossen Durchsichtigkeit dieser 
Luft und der Dunkelheit des Hintergrundes in wunderbarer Klarhejit hervor- 
treten ; im Uebrigen glauben wir fast eine endlose Steppe in ihrem Win- 
terkleide vor uns zu haben. Nur wenige blaue Spalten und Höhlen im Fir- 
ne unterbrechen die Öde. — Das Auge, das hier keinen Vergleichspunkt 
findet, schätzt die Entfernungen fast immer viel zu gering und die Durch- 
sichtigkeit der Atmosfare mehrt noch die Täuschung. Häufig geschieht es 
auch, dass die wellenförmigen scharf gegen den Himmel abstechenden 
Erhöhungen uns lange Zeit als die Grenze des Firnmeeres erscheinen, ob- 
gleich sich hinter ihnen ungeheure Massen aufs Neue ausdehnen. 

Lautlose Stille erhöht die lange Öde des einsamen Ferners. Nur höchst 
selten schreckt uns das Dröhnen einer Lawine, das Gepolter eines stür- 
zenden Steines oder das Krachen des berstenden Eises von den trüben Be- 
trachtungen auf, welche die Seele unwillkürlich beschleichen. 

Der Pflanzenwuchs ist in dieser Region schon grösstentheils erstor- 
ben. Hier finden wir nirgends mehr eine zusammenhängende Rasendecke ; 
4ie ganze Vegetazion beschränkt sich auf Flechten und Moose, welche die 
einzelnen Felsblöcke und die steilen schneefreien Felienhäu||;e stellenweise 
überziehen. Nur bis etwa 2000 Fuss über der Schneeljziie gesellen sich 
noch einzelne Fanrogamen hinzu, und bieihen der Gemse, dem weissen 



n 

Hahjt> dem Murmelüiiere oder dem Schafe awai^ spiriiche aber nedi im- 
mer warzige NahriHig, 

Die untersten Schiebten des Fimerschnees ^ehen in de» Mulden des 
Orfelsgebiri^es fast immer in Gletschereis über, auf dem Kalke jedoch nur 
selten oder doch nur in Terhältnissmissig^ sehr geringer Ausdehnung. 
Denn hier versinkt das zur Gletscherbildung nöthige Schneewasser entwe- 
der in den zahlreichen Felsspalten oder es lauft auf dem stark geneigten 
Boden anter dem Firne hinaus« 

Der Gletscher Hegt erklärlicherweise immer in der tieCs^ten Stelle der 
Mulden und nach Unten zu ausschliesslich in den Thälern und Schluchten. 

Auch das älteste und festeste Gletschereis ist nicht so dicht, ak das 
gewöhnliche Wassereis, es verliert nie ganz seine kdrnige Bildung und 
behält jene unzähligen Haarspalten und Bläschen, welche von den Luft- 
Zwischenräumen des Schnees herrfihren. 

Auf dem Gletschereise und selbst auf dem alten Furn kann man ohne 
Anstand Feuer anmachen, ohne nur im Geringsten dessen Auslöschen be* 
sorgen zu mdssen; das Feuer wird nicht einmal wesentliche Spuren im 
Eise zurücklassen. 

Der Gletscher ist immer viel kleinar, als das Firnmeer; er beträgt 
meistens nur den dritten oder vierten Theil des letzteren. Die Breite des 
Meeres gibt gewöhnlich den Ausschlag, denn nach der Breite tritt er er- 
klärlicherweise am meisten unter dem Rande des Ferners zurucL 

Die grosste Tiele des Ferners ist zwar noch nirgends genau erho- 
ben worden, nach einzelnen Messungen jedoch mag sie auch öfter gegen 
170 Klafter betragen. 

Der Firn deckt unter günstigen Umständen auch die stark geneig- 
ten Lagen; er vermag sich selbst noch bis auf 43 — 50° Neigung zu 
halten. 

Der Schneefall eines Jahres vermehrt die Höhe der Ferner um V4 
— 3 Fuss. — Etwa um die gleiche Masse senken sich Firn und Glet- 
scher alljährlich in die Tiefe hinab, so dass die Mächtigkeit der Ferner 
im Allgemeinen demungeachtet nicht wächst 

Das Vorrücken der Gletscher und Ferner ist bereits über allen Zwei- 
fel erhoben. Es hat in der Regel in der Richtung der Schlucht (des gröss- 
ten Falles) statt Bei den grösseren Gletschern steigt es in 2i Stunden 
stellenweise auch auf 8 bis IS Zolle, ja in der Schweiz ist es einmal mit 
k Fuss beobachtet worden. 

Die Bewegung der Gletscher ist eine ArtFliessen und wird ermög- 
Hebt durch die Verschiebbarkeit der einzelnen Theile dieser Eismassen; 
das Vorrücken geht daher nach ähnlichen Gesetzen vor sich, wie dasAb- 
fliessen des Wassers. An steileren Stellen mag jedoch auch ein gewisses 
Gleiten mithelfen, und selbst das Gefrieren des in ihre Spalten eingedrun- 
genen Vl^ assers scheint die Fortbewegung der Gletscher zu befördern. 

Die Breitenränder der Gletscher bewegen sich immer langsamer als 
ihre Mitte. Nach der Längenaxe genommen rückt aber gewöhnifch wie- 



TS 

der die Mitte am Schnellsten vor. Die Unregelmässigkeit der Thalsohle, 
Senkungen und Mulden verändern jedoch sehr die Bewegung« 

Kleinere Gletscher fliessen immer langsamer als ^össere. 

Die Schnelligkeit der Bewegfung wird überhaupt vorzugsweise he«- 
dingt durch die Neigung der Thalsohie und durch die Dicke (den Druck) 
des Eises. 

Wenn wir die Neigung der Gletscher und FemeroberfläcJie jener 
des Bodens gleichsetzen wollten, so betröge diese durchschnittlich des 
ganzen Feldes 3 — 7 Grade; einzelne Stellen jedoch haben aber auch 
SO — 30 Grade Fall, ohne dass darum (am Rande von Wänden) der Glet- 
scher abfährt. 

Die grosse Menge des Schmelzwassers der ersten Sommermonate 
macht das Eis beweglicher, daher es zu | dieser Zeit am Schnellsten vor- 
rückt. Im Herbste ist die Grösse der Bewegung dem Jahresmittel gleich , 
im Winter steht sie unter diesem. 

Starke Regen wirken ebenso wie die Sonnenwärme. 

Die Bewegung ist zwar der Reibung wegen, am Boden viel kleiner, 
in der Regel ist jedoch kein Gletscher am Boden festgefroren. 

Abgesehen von dem allgemeinen Zusammenschmelzen der obersten 
Firnschicht, welche im Laufe eines Sommers gewöhnlicli 8 — 10 Fuss 
beträgt, schmilzt auch das untere Ende der Gletscher und Ferner in je- 
dem Sommer bedeutend ab. 

Dieses Abschmelzen bleibt sich nicht gleich. Es steht vor Allem in 
Verhältniss mit der Wärmesumme des jeweiligen Sommers, so wie mit 
der Menge des im vorigen Winter gefallenen Schnees. 

Grössere Bedeckungen von Schutt und Gestein mindern das Schmel- 
zen und tragen wesentlich bei zur steigenden Mehrung der Eismassen. — 
Erreicht der Gletscher stärker geneigte Thalstellen, so zerklüftet er zu- 
weilen sehr bedeutend und vergrössert dadurch gleichfalls seine Masse 
aul ungewöhnliche Weise. 

Da dieses schon an und für sich ungleiche Abschmelzen des unteren 
Gletscherandes nicht immer in geradem Verhältnisse steht mit dem jährli- 
chen Nachrücken der ganzen Masse, so treten die Gletscher und Ferner, 
jetzt durch ein oder mehrere Jahre etwas zurück^ und hierauf wieder et- 
was vor. 

Bei einer grossen Zahl von Gletschern nnd Fernem bemerkt man 
jedoch, abgesehen von diesen gewöhnlichen Schwankungen, schon seit 
mehreren Jahrzehenden ein beständiges Vorrücken ihres Endes, und da man 
ein gleich ausgiebiges Zurückweichen nur an einer viel geringeren Zahl beob- 
achtet, so zieht man hieraus wahrscheinlich mit vollem Rechte denSchluss, 
dass vielen Orts die Gletscher- und Fernergrenze sich immer tiefer her- 
abdrückt 

Es scheint ausser Zweifel gestellt, dass hieran in der Regel die 
rücksichtslose Entwaldung der Höhen Schuld sei. 



n 

Weil Schnee und Ei« um 00 schwerer schmelsen« als «ie dichter 
werden, und weil fiberdiess Ferner und Gletscher nur in den wenige be^ 
sonnten ThUern und Schluchten in die Tiefe steig^en, so liegt die untere 
Grense der letzteren weit unter der Schneelinie. 

Die Gletscher steigen öfter um MM)0 Fuss tiefer hinab» ja der Fer- 
nerachnee der Schluchten fiberdauert in schattigen Lagen den Sommer 
öfter selbst noch bei 8S00 Fuss SeehMie, geht also noch um etwa ISOO 
Fttsa weiter hinab. 

Höchst merkwürdig ist» wenn ich mich so ausdrücken darf, da« Le- 
ben und Wirken der Gletscher. 

Welche Wirkung sie auf den Fels haben, zeigt vielleicht am sehte« 
sten der schweitzerische Grimsel. Alle Felswände, und von solchen ist 
man dort auf allen Seiten umgeben , sind bis zu einer Höhe von ungefthr 
1000 Fuss fiber dem Thalboden jeder scharfen Ecke beraubt, gerundet 
und geglittet, oft spiegelblank gesdUiiFen und darüber hinweg gewöhnlich 
wieder von paralellen Furchen und Kritzen durchschnitten* Die obere 
Grenze dieser Erscheinung ist beinahe wagereeht und so scharf, dass man 
leicht auf den Gredanken kommen kann, die zackigen Felsspitzen, welche 
sich plötzlich über den gerundeten erheben, beständen aus einem ganz an« 
deren, dort aufgelagerten Gestein« — Das ist aber durchaus nicht der Fall 
denn es ist genau derselbe Gneiss. 

Zwar sind einzehie, durch Verwitterung angegriffene Stellen im Gan« 
zen nicht mehr geschliffen und gekritzt, sondern rauh, aber die hervorra« 
genden Quarzadern zeigen noch immer deutliche Politur und paralelle 
Kritzung. 

Die Furchen und Kritzen laufen fast immer gleich mit der Thalnei- 
gung^ zuweilen aber weichen sie davon etwas ab, und in diesem Falle 
kann man stets die Ursache z. B. in der Unebenheit des Thalbodens 
erkennen. 

Diese sonderbare Erscheinung laset sich nun durch das ganze Aarthal, 
aufwärts bis zur ewigen Schneedecke und abwärts so weit verfolgen, als 
die Gehänge aus festem kristallinischen Gesteine bestehen , welches einer 
solchen Bearbeitung läliig war und zugleich der Verwitterung emen hin- 
länglichen Widerstand entgegensetzte. 

Die obere Grenze der gerundeten und geschliffenen Oberflachen ist 
nicht ganz so stark geneigt, wie der Thalboden; wesshalb sie sich denn 
nach Unten immer höher und höher über denselben erhebt und bei Guttannen 
z. B. gegen 3000 Fuss über der Aar liegt. Die Abschleifung ist an mehreren 
Stellen ganz besonders deutlich , so z. B. an der sogenannten hellen Platte, 
wo der berühmte Gletscberforscher Agassiz eigenhändig nEisschliff" einge- 
meisselt hat 

All diese Erscheinungen sind nichts Anderes, als die Wirkungen des 
einatmafigen Aargletscbers. 

Die zwar sehr langsame, aber mit unwiderstehlicher Kraft voriichrei« 
tende Bewegung der Gletscher rundet durch die am Boden und in den Sei* 



tenwanden eiDgefromen Steine und Sand die Feben ab» 8ch|eift und kriut 
016. Jeder Gletscher wirkt dadureh gleichsam wie eine zwar langaan aber 
nnter ungehem^m Drucke bewögte Feile. ^ Die aU Feibibne thatigen 
Steine und Sandkörner verindem dabei mehrfach ihre eigene Lage, und eo 
kommt es, dass die Steine selbst u unregelmassigen G^chieben abgerun- 
det werden, und nicht minder auch Kritsen und Furchen bekemmen^ das« 
der iSand zum Theil sich in fSrmHciies Mehl zerreB^t 

Auf den Absätzen der abgeschliffenen Felsenhänge einstiger Gletscher* 
betten und insbesondere gegen die oberen Schliffgrenzen zu, Uegan noch 
heute einzelne Felsblöcke umher, welche offenbar durch die Gletscher dort« 
hin gefuhrt und zm*flckgelassen worden sind. Stellung und Lage beweisen, 
dass sie weder von Oben herabgestürzt, noch durch Wasser hingebracht 
worden seien, und ihre mineralische Zusammensetzung zeigt, dass sie 
-nicht Tom nachbarlichen Fels, sondern von den weitentlegenen Höhen her* 
kommen. Unzweifelhaft hat sie der unter ihnen wegschmelaende Gletscher 
dort liegen lassen. 

Die Oberfläche der Gletscher ist immer mehr oder weniger rauh. In 
Sommer ist sie in bestandigem Abschmelzen begriffen. Liegen auf ihr dunkle 
Körper, so werden diese, von der Sonne beschienen, stärker erwärmt^ 
als dasEis^ und wenn sie so klein sind, dass diese stärkere Erwärmung im 
Laufe eines Tages bis an ihre Grundfläche dringen kann , so tfaauen sie sich 
tiefer in die Eisoberfläche ein, während das durch sie gebildete Schmelz' 
wasser in der dort sehr dünnen Atmosfare gewöhnlich schnell verdunstete^ 
Da nun die ganze Gletscherfläche durch die Winde stets mit kleinen fitein* 
eben, Sandkörnern, Staobtheilen , oder Ueberresten von Insekten und aut 
deren organischen Körpern bedeckt ist, so schmelzen diese alle ein Stück 
iii die Oberfläche ein und hinterlassen lauter kleine Löcher. — In jedem Lo- 
che liegt ein dunkles Körperchen« Auf diese Weise wird die ganse Ober- 
fläche porös, wie von einer Säure zerfressen. 

Darum geht es sich auch sicher und bequem auf diesem Eise. 

Sobald aber Steine auf dem Eise liegen, die zu gross sind, um von 
den Sonnenstrahlen bis auf den Grund stark erwärmt zu werden , so schu- 
Uaea diese im Gegentheile den Gletscher gegen 'das Abschmelzen. Während 
nun dieser um sie herum immer niedriger wird, bleibt das Eis unter den 
Steinen mehr oder weniger ungeschmolzen zurück, wodurch die Steine zu- 
letzt auf förmlichen Eispfeiiern zu sitzen kommen. Aber diese Stiele errei* 
dien bald das Maximum ihrer Höhe ^ namentlich desshalb, weil die Sonnen* 
strahlen etwas schräg von Süden her wirken, und daher auf der Südseite 
den Stein unterhöhlen» Auf diese Weise werden aU diese Bisstiele sebief 
gegen Süd geneigt. Wird die südliche Unterhöhlung zu gross, so bricht 
der Stiel und lässt den Stein — die sogenannte Tischplatte — gegen Süden 
herabfallen. Hier beginnt nun der nemliche Vorgang aufs Neue , wiederholt 
sich fort und fort und bewirkt die Wanderung aller grösseren Gietsoher* 
blocke nach Süden. 



Man sieht nicht nur allenthalben die Oletochepliachbildunp in alien 
Eraatanden , hier die Blöcke eben abgfefallen > platt auf dem Eiae Ueg^eodi 
dort anf niederen , und wieder wo anders auf oft 7 Fuss hoben Stielen» 
sondern hinter jedMi Steine bemerkt man auch zwei oder drei Eishügel, 
welche von abg-ebrochenen mid noch nicht g^nz eingeebnelenStSelen her- 
rubren. 

Diese Tischplatten sind BIdcke, welche einer nördlich gelegenen 
Morine entlaufen sind. Jeder grosse Stein» der am Sftdrande eiaer Mo^ 
räne etwas frei liegt» beginnt diese eigenthümliche selbststandige Winde» 
mng. Die Zahl der Blöcke nimmt darum von Oben nach Unten stets zu. 
Weit oben» wo der Oletscher noch keinen grossen Weg eurfickgelegt 
hat » sind erst einzelne der Moräne entsprungen und haben sich auch noch 
nicht weit !von ihr entfernen können, am unteren Ende jedoch haben sie 
sich bereits ober die ganze Eisfläche ausgebreitet. 

Zwischen diesen beiden extremen Fillen der Sonnenwirkung gibt es 
eine Menge Zwischenstufen. Bs gibt Steine von mittlerer Grösse» die an 
nicht sehr sonnigen Tagen anlangen Tische zu bilden, während sie an 
sehr sonnigen den angefangenen Stiel wieder einschmelzen. Liegt irgend» 
wo eine dfinne Anhäufung von Sand, die sich durch und durch erwärmt« 
so bildet sie ein rundes Loch, welches sich schräg gegen Norden ein« 
senkt, so dass ein hineingesteckter Stab stets gegen Sfid weist — - Diese 
mit Wasser gefftlhen Mittagslöcher werden zuwalen so tief^ dttss man 
mit dem längsten Alpenstock keinen Grund mehr findet. 

Liegen aber dickere Sand- und GeröUnassen beisammen^ so schü- 
tzen sie das Eis unter sich, und bilden einen schuttbedeckten Eishügel* 
Auf diese Weise treten auch aHe dichten Moränen über die Gpletscherflä« 
fehe hervor. 

Die schon zum zweitenmal erwähnten Moränen entstehen also. -^ 
Von den steilen Hängen der Gletscherthäler fallen in Folge von Wind, 
Wasser» Lawinen und Verwitterung, theils vereinzelt, grösstentheils 
jedoch an gewissen bestimmten Stellen nachhaltig , Steinschutt und Fels^ 
Möcke auf dem Rande des Gletschers herab. Hier rücken sie mit ihn 
selbst immer vinriter abwärts» während neue Massen ihnen folgen^ so dass 
an den beiden Seitenwänden des Gletschers ein ziemlich gleiehförraiger 
Schuttwall entsteht, der an jeder Stelle Abfälle aus allen Theilen des 
Thaies enthält, bei denen er vorbeigeschoben wnrde. Dort» wo zwei 
Seitengletscher in einem Thale minderer Ordnung zusammenfliessen» ent^ 
steht eine „Mittelmoräne"» welche dann von den Thalgehängen keinen 
neuen Zuwachs mehr erhalten kann. 

Aus der Zahl der Mittelmoränen kann man zuweilen schon am unte* 
reu Bude eines Gletschers erkranen, wie viele Zweiggletscher er in sich 
vereinigt» oder was dasselbe ist, aus wie viel höchsten Thälern er zu^ 
sammengeflossen ist Doch ist ein solcher Schluss nie ganz sicher, weil 
raMche kleinere Gletscher keine Seitenmoränen haben, oder weil Mittel* 
sioränen sich während des Vorrfickens unterrinander oder nät nahen Sei* 



tenmorinen vereinigen^ was theils durch die anregelmäsaige Bewegung 
des Eises» theils durch die oben beschriebene Wanderung der Steine aui 
dem Eise geschieht 

Alle dichten Moränen treten über die Hauptflache des Gletschers 
hervor, weil sie. das darunterliegende Eis vor dem Abschmelzen schützen. 
Die Hanptmoräne grosser Gletscher erreicht stellenweise selbst 100 Fuss» 
aher dieser mächtige Steinwall besteht keineswegs aus lauter. Steinen, 
sondern der Hauptsache nach aus Eis, welches nur dicht von Steinet he- 
deckt ist 

Am unteren Ende der Gletscher tritt dann schon durch den steileren 
Abfall desselben ein Durcheinanderrollen der einzelnen Moränen ein, so 
dass sich hier gewöhnlich alle, sowohl Mittel- als Seitenaoranen zu einer 
Endmoräne verbinden. — Diese wächst nothwendig stets an, so lange das 
Gletscherende auf derselben Stelle bleibt, da hier alle mit dem Eise wan- 
dernden Steine abgelegt werden und sich in so lange ansammeln, als das 
Ende nicht etwa zurücktritt. — Dadurch haben sich in den vorgeschicht- 
lichen Zeiten zuweilen Schutt- und Steinwälle von einigen hundert Fuss 
Höhe gebildet, die man als einstige Endmoränen weit unterhalb der jetzi-* 
gen Gletscherenden tief in den Thälern flndet. —* Vorrückende Gletscher- 
enden schieben diese Schuttmassen theils vor sich her zusammen, theüa 
aber steigen sie über sie hinüber. Zurückweichende Gletscher lassen bei 
gleichmässigem Weichen ebene Steinfelder zurück, wenn aber das Wei- 
chen periodisch erfolgt, einzelne Querwälle. 

Auch Firnmoränen kommen manchmal auf den Gletschern vor. 

Die Schneeschichten, und insbesondere jene , welche einen Jahres- 
abschnitt bezeichnen, sind in den Höhen nicht nur durch ein verschiedenes 
Gefuge an den Berührungsflächen erkennbar, sondern weit deutlicher 
noch durch die feinen Staublagen, welche in der Zwischenzeit zweier 
Schneefälle von den Winden dahingetragen werden, und der Oberfläche 
des Firnes bald einen ganz grauen Schein verleihen. «— Diese grauen 
Staublagen lassen selbst noch im ..Gletschereise die Jahresbildungen unter- 
scheiden! Die Schichtung von Firn und Gletscher erlangt durch die un- 
gleiche Bewegung der Maissen oft die wunderbarsten Windungen; die 
Scluchtenflächen befördern die Wasserzirkulazion und tragen bei zur Bild- 
sam- und Flüssigmachung der Ferner und Gletscher. 

Die innere Temperatur der Ferner und Gletscher ist im Sommer^ 
wo sie von Schmelzwasser durchzogen sind , stets 0. — Im Winter aber^ 
wo das Schmelzen ganz aufhört, und das vorhandene Wasser aus dem 
grossen Eisschwamm völlig ausläuft^ sinkt die Temperatur sehr langsam 
tiefer, ai|ch bis --S|. 

Das Schmelzwasser der Gletscher rinnt auf ihrer Oberfläche, runde 
Furchen ausnagend , in zahllosen, stark gekrümmten Bächlein fort. Lange» 
bevor, diese Wasserfäden das untere Ende des Gletschers erreichen^ 
ergiessen sie sich jedoch in dessen Löcher und Spalten , setzen den Lauf 
in seinen inneren Aushöhlungen fort, sich zuletzt sammt und sonders ia 



81 

einen ^osaenBach vereinigend^ welcher durch daa weite y.Gletflcherthor" 
endlich ins Freie tritt. 

Die Rinnsale im Bauche der Gletscher haben zahbreiche Ausweitun- 
gen CWasserstubßn)» welche oft von so grosser Bedeutung werden, dass 
ihre plötzliche Kntieerung den Gletscherbach sehr stark anschwellt — ein 
förmliches Hochwasser verursachend. 

Derlei grössere Wasserstuben entleeren sich im Laufe eines Som- 
mers 3—4 Mal 

Eine besonders merkwürdige Wasserstuben - Entleerung hatte 1845 
auf dem özthaler Gletscher (Tirol) statt. In der Mitte des Gletschers, 
etwa ^0 Fuss über dem jetzigen Wege zur Hintereishütte, erhob sich 
aus einer grossen Kluft durch zwei Tage ein klafterhoher vierzöUiger 
Wasserstrahl, 

Die Menge des im Sommer durch den Gletscherbach tretenden Was- 
sers ist an einigen der grösseren Gletscher des Kaiserreiches mit 100 — 140 
Kubikfussen für jede Sekunde bestimmt worden. 

Der Eintritt des Winters macht nur die Bäche der kleineren Gle- 
tscher plötzlich versiegen, jene der grösseren fliessen noch lange fort, 
bis endlich alles in den Rinnsalen . und Adern enthaltene Wasser ausgeron- 
Ren oder gefroren ist. 

Die Crletscherbäche sind im Sommer immer trüb, denn sie fuhren 
das Schleifmehl mit sich, welches die vorrückenden Eismassen abreiben. 
Die Trübung rührt aber zum Theil auch von einer Menge organischen 
Resten her, welche den unzähligen Infusorien angehörten, welche im 
Gletschereise leben. — Die Trübe der Gletscherbäche unterscheidet sich 
durch ihr milchiges Grünlich- oder Blaulichweiss sehr von jener der mei- 
sten übrigen Gebirgswässer. 

Bisweilen sammeln sich die Schmelzwässer eines Gletschers zu ei- 
nem formlichen See an, dessen Oberfläche nicht selten mit schwimmenden 
Eisblöcken bedeckt ist. — Gewöhnlich entstehen diese Au&tauungen, wenn 
der Gletscher eines Seitenthaies durch ungewöhnliche Verlängerung bis 
in die Sohle des Hauptthaies vorrückend, den Gletscherbach dieses letzte- 
ren absperrt Die Aufstauung steigt dann insolange, bis endlich der Druck 
der Wassermassen stark genug wird, um den dammartig vorliegenden 
Seitengletscher zu durchbrechen. Der Durchbruch, so wie die damit ver- 
bundene Entleerung erfolgen gewöhnlich mehr oder weniger plötzlich und 
erzeugen öfter sehr gefährliche und zerstörende Hochwässer. 

Da der endliche Durchbruch durch grosse Wassermassen bedingt 
ist, so rufen ihn öfter langdauernde Regengüsse, oder starke (warme) 
Südwinde hervor, welche die Abschmelzung des Gletschereises und des 
Firnmeeres ausserordentlich steigert Darum furchtet man z. B. in Tirol 
die Fernerauabrüche vorzugsweise bei starken Wehen des Sirocco. 

Besonders das gletscherreiche Tirol hat viele derlei periodische Seen • 
am Bekanntesten ist in neuester Zeit der Vernagtsee im Oetzthale gewor- 
den, der 1844 eben durch das Vorrücken des Vernagtgletschers und die 

6 



8i 

Sperrung des rofher Thaies etitotao()en isi, seitdem öfter schon und im 
J. 1848 mit Tfbedeutenden Verheerungen zum Durchbruche kam« und das 
Oetzthal fortwährend mit neuen Verwüstungen bedroht 

Jeder Körper, der zu irgend einer Zeit bis zu einer gewissen Tiefe 
in den Gletscher versunken ist« kommt nach einiger Zeit wieder an die 
Oberfläche hervor« weil das Eis darüber stets abschmilzt. Darauf grün- 
det sich die Sage« dass die Gletscher alles Fremdartige von sich geben. 
— So fiel in Schnals (Tirol) ein Kraxenträger in einen Eisspalt und ver- 
schwand. Nach 13 Jahren kam sein Gerippe wieder zum Vorschein« die 
Kraxe noch fest um die fleischlosen Schultern. 

Um diese Spalten gefahrlos zu übersetzen« geht man gewöhnlich in 
grösseren Gesellschaften » und alle Wanderer ßigen sich nttt Stricken an- 
einander« um den Stürzenden schnell empor zu ziehen. Oft wurden auf 
diese Weise einzelne« die hinabgestürzt waren« wieder ans Tageslicht 
emporgezogen. Der Gestürzte hörte in der Tiefe jedes Wort der Zu- 
rückgebliebenen , während er selbst mit seiner Stimme nicht zu ihnen 
dringen konnte« wahrscheinlich durch widrige Luftströme daran ver- 
hindert. 

'Freundlicher Leser« sollte es Dir vergönnt sein« einen Gletscher zu 
betreten« so wirst Du glauben« in jener lautlosen Stille« in jener gänzlich 
erstarrten Natur das einzig Lebende zu sein. — Aber die Starrheit « diese 
Einsamkeit sind doch nur Täuschung. — Unter Dir fliesst die mächtige 
Eismasse täglich einen Zoll vorwärts. Auf ihrer Oberfläche rinnen« durch 
die Sonne ins Leben gerufen « Tausende von klaren Bächlein« runde. Fur- 
chen ausfragend und sich in die erste beste Spalte tief hinabstürzend« oder 
sich zu grösseren Bächen vereinigend. Der ganze Gletscher« mehrere 
hundert Fuss dick und mehr als tausend Klafter breit« ist von unzähUgen 
feinen bewegten Wasseradern schwammartig oder wie ein Organismus 
durchzogen. iMiliiouen Sandkörner sind beschäftigt^ sich immer tiefere 
Löcher in das Eis zu bohren« Tausende von Steinblöcken sind in lang- 
sam auf* und absteigender« stets gegen Süden gerichteten Wanderung 
begriffen« aber nur ausnahmsweise hörst Du während Deines kurzen Be- 
suches einen einzelnen von seinem Stiele hinabpoltern« und eben so selten« 
eher noch bei Nacht als bei Tag« schrickst Du vor krachendem Aufreis- 
sen neuer Spalten zusammen^ oder vor dem Dröhnen einer herabfahren- 
den Lawine« 

Zu diesen Vorgängen unorganischer Natur gesellen sich aber noch 
die weit unscheinbareren des organischen Lebens. Milliarden unsichtbarer 
Wesen bewegen sich selbstthätig in den Haarspalten des Eises und zwi« 
sehen den Körnern des Firnschnees« nach Nahrung suchend« die aus den 
zersetzten Theilen anderer Organismen besteht« oder aus der purpurro* 
then Alpe« deren einzelne Fäden und Keimkömer Du niu* mit Hilfe einer 
Lupe zwischen den Firnkörnern zu erkennen vermagst. In zahllosen klei- 
nen Wasserbecken der Eisoberfläche tummeln sich ganze Schaaren mun- 
terer Eisflöhe« die die Natur durch ihre pulverschwarze Farbe besonders 



83 

empfänglich gemacht hat für die Wirkwigen der Sonne; kurz in dieser 
Starrheit ist überall Bewegung, in diesem Tode ist überall Leben. 

Aber — wirst Du antworten — diese Bewegung der Gletscher ist 
für mich ebensogut Starrheit, wie die Bewegung der Berge im Welträu- 
me; die Eisfluhe sind für mich eben so wenig Gesellschaft, wie für den Ge- 
fangenen der Holzwurm in seiner Bettstelle; köstlich ist es zwar, über 
diese Gattung Leben im behaglichen Stubchen zu grübeln, hier aber gilt es 
mir nicht mehr , als der absolute Tod. 

Wenn ich die Sache beim Lichte betrachte , so glaube ich : Du hast 
recht, und ich verarge es Dir nicht, wenn Du betäubt und erdrückt von der 
nicht fiir den Menschen geschaffenen Oede des Gletschers herabfliehst in die 
Regionen des' Menschenlebens und um so inniger die Welt an den Busen 
drückst, welche auf unserer irdischen Wallfahrt immer und ewig das Leben 
aller Leben -bleiben wird. 

Die Gletscher und Ferner sind von erheblichem Einflüsse auf die Bo» 
denkultur. 

Sie vermitteln einen mehr gleichförmigen Stand und eine grössere Som- 
merstärke der Gebirgswässer, wie ich noch- später zeigen werde, und ver- 
mehren, freilich nicht bedeutend, den atmosfärisclien Niederschlag. 

Sie befordern die Abtragung der Gebirge, dia Bewegmig der gebro- 
chenen Gesleinsmassen und die Erdbildung. In sc^^eit sind sie nützlich« 

Aber in vieler Beziehung wirken sie auch nachtheilig. 

Sie erkälten die Luftwärme der Umgebung, und drücken dadurch die 
Verbreitungsgrenzen der Pflanzen wesentlich herab. Selbst den Boden er- 
kälten sie durch die kalten Wässer, welche allenthalben aus ihnen heraus- 
rieseln, auf ein gutes Stück, und machen ihn völlig mifruchtbar. 

Oft zerstören sie durch ihr ungewöhnliches Herabrücken bedeutende 
Striche von Wald und Wiese , und selbst wenn sie nach Jahrzehenden zu- 
rücktreten, folgt erst lange darnach die Vegetazion nach, denn wahrschein- 
lich wurde die Bodenkrume bis auf den nackten Fels abgeschält 

Gefährlich und zerstörend sogar werden sie durch ihre Wasseraus- 
brüche, besonders dann, wenn eine Seebildung voranging. 



41 

Lawinenfirn der ScUnchten. 

In alle tief eingeschnittenen Schluchten fallen die Behänge steil und 
wandartig ab. — Es fährt also fast der ganze Schnee der beiden steilen 
Seiten in die dazwischenliegende Schlucht und füllt sie. — üeberdiess neh- 
men auch die auf der Hauptabdachung entstandenen Lawinen (wie ich schon 
im Abschnitte 37 bemerkt habe), in der Mehrzahl iliren Zug in die Schluch- 
ten, und die Schneemassen, welche auf diese Weise in denselben zusam- 
menkommen, sind öfter so bedeutend, dass sie die weniger tief eingeschnit- 
tenen völlig gleich machen mit der* Hauptabdachungsfläche. Dieser Sehnte 

6* 



ist nun durchaus La winenschnee , daher viel fester als jener ^ welcher die 
Hänge bedeckt; er schmilzt also auch schon in seiner ursprünglichen Form 
viel schwerer. 

Die Frühiingswärme , welche die Abhänge schneefrei macht , schmilzt 
vom Schluchtenschnee (wegen seiner grösseren Dichte) erheblich weniger; 
das erzeugte Schmelzwasser verwandelt denselben in förmlichen » noch 
schwerer schmelzbaren Firn. Und mit dem vorschreitenden Abschmelzen 
vertieft sich immer mehr und mehr die Schlucht, was das weitere Ab- 
schmelzen (der Beschattung wegen) in demselben Masse verzögert , insbe- 
sondere auf der Schattenseite der Berge. 

So kommt es denn, dass sich dieser Firn in sehr tief eingeschnittenen 
Schluchten und in gewöhnlichen Jahren stückweise bis auf 3000— 35(N) Fuss 
herab und auf der Schattenseite selbst bis 2500—3000 Fuss durch den gan- 
zen Sommer hindurch erhält, und dass er in dieser Tiefe zum ewigen 
Schnee würde , wenn nicht besonders warme Sommer ihn doch von Zeit 
zu Zeit völlig aufzehren würden. 

Dieser Schluchtenfirn bildet hoch oben eine mächtige , ziemlich unun- 
terbrochene Masse; nach Unten zu wird er natürlich immer weniger mäch- 
tig , und reisst im Sommer zu einzelnen Anhäufimgen ab ; letzteres wegen 
des staffeiförmigen Abfalles der Schluchten. 

Unter dem Schluchtenfirn fliesst das Schmelzwasser ab, welches sich 
in seine Masse weite Höhlungen frisst, und mit beiträgt zu seiner Schmel- 
zung und zu seinem allfälligen Einsturz. 

Aber auch die Wärme der beiden Bergseiten, an welche dieser Firn 
ursprünglich angelagert ist, nagt an ihm, in Folge dessen er sich bald vom 
Gebirge lostrennt und Schrunde entstehen, welche sich immer mehr so« 
wohl in die Breite als auch in die Tiefe erweitem. 

Der Schluchtenfirn der Hochberge ist in mancher Beziehung von Be- 
deutung. — £r vermehrt die Sommerwässer ganz auf ähnliche Weise wie 
die Firnmeere und Gletscher. — Eine grosse Aufgabe löst er in dieser Be- 
ziehung in den schroffen Kalkalpen und besonders im Dolomitgebirge. Wie 
ich schon im Abschnitte 39 erwähnt habe^ lässt hier die gipfelige Erhe- 
bungsform des Gebirges nur äusserst selten Gletscher und auch nur wenig 
bedeutende Firnmeere zu. Hier übernimmt nun der Schluchtenschnee deren 
Rolle mit grossem Erfolge. Bekanntlich sind im Kalke die Schluchten nicht 
nur äusserst zahlreich, sondern auch sehr tief eingeschnitten; bei jedem 
bedeutenden Schneefalle fahren daher alsbald so grosse Massen desselben 
in diese Schluchten zusammen, dass ihre Summe dann ganz geeignet ist, 
im Sommer die Stelle der Firnmeere zu vertreten. 

Auch für den Forstbetrieb ist der Schluchtenfirn von Bedeutung. — 
Im Frühjahre eignet er sich vortrefflich zur Abbringung der Hölzer. Im 
Sommer verliert er zwar, der Schrunde wegen, in dieser Beziehung an 
Tauglichkeit, aber er gibt dann in den äusjsterst schroffen Kalkalpen ^ also 
gerade dort, wo er am häufigsten auftritt, einen vortrefiQicheu und öfter 
dm einzigen Weg ab, zur leichten Abbringung der Kohlen und zum Auf- 



86 

und Niedergpang in und von den Höhen. In den wälschen Alpen werden 
jährlich tausende von Säcken Kohlen grossentheils durch Vermittliing^ dea 
Schluchtenfirnes mittels Menschenkraft (auf dem Kopfe) aus den fast unau- 
gänglichen Höhen in die Thäler herahgetragen. 

Man wolle hier nicht vergessen , dass dieser Schnee schon als Firn 
sehr fest ist, und weil er nur sehr wenig von der Sonne beschienen wird, 
fast den ganzen Tag über hart bleibt. 

Nur sind in dieser Beziehung die Schrunde sehr unangenehm; sie 
erschweren nicht nur den Uebergang vom festen Gebirg auf die Lawine, 
sondern werden auch öfter sehr gefährlich , indem sie gewölbartig unter 
die oberste Schneelage hineingehend , den Firnrand unter der Last des 
darüber Schreitenden einbrechen lassen. 

Schon mancher Kohlenträger oder Holzer ist auf diese Weise ver- 
unglückt; der Absturz in diese bis 60 und SOFuss tiefen Klüfte hat ihnen 
oft auch das Leben gekostet, denn nur äusserst selten kann der Verun- 
glückte ob der ungewöhnlichen Einsamkeit dieser Gegenden auf die ret- 
tende Nächstenhilfe rechnen. 



42 

EishQhlen. 

Das Mittelgebirge Mitterkrains fallt plötzlich zu dem köstlichen 
wippacher Thale ab, welches, reich an Wein, Feigen und Lorbeerbäu- 
men^ dem nahen Italien in Nichts nachstehen würde, wäre es nicht der 
wüthenden Bora biossgestellt 

Auf der letzten Hochebene des Gebirges schaut das aus zerstreuten 
Höfen bestehende Dorf Otelza in das schöne Flachland hinab, an dessen 
Rand sich die See wie ein Silberfaden hinzieht. 

Hinter einem der letzten Höfe, einige hundert Schritte entfernt, 
liegt in einem sehr gelichteten Waide einer jener Erdkesi^el, mit denen 
Krain und Istrien gleichsam übersät sind. Die Stelle mag etwa 3000 
Fuss über dem Meere erhoben sein. Der Kessel hat bei 10 Klafter 
Durchmesser, und einige Klafter Tiefe. In seinem Grunde, etwas seit- 
wärts, thut sich der Eingang zu einer Höhle auf, gerade so gross, dass 
einige Personen bequem eintreten können; aber man macht nicht fiinf 
Schritte, so stösst man auf festes, kristallinisches Eis, welches da- 
selbst nie, selbst nicht im heissesten Sommer wegschmilzt. Wasser, 
welches von der Decke des Höhleneinganges auf das Eis herabtröpfelt, 
wird auch im höchsten Sommer alsbald vereiset. Auf allen Seiten ist 
das Eis an den Felsen angefroren, nur nicht auf dem Scheitel der schief 
abwärts gehenden Höhle. Wirft man in den etwa V/^ Fuss hohen Zwi- 
schenraum einen Stein, so hört man diesen auf der glatten Eisfläche 
durch einige Zeit abwärts rutschen und später endlich in ein tiefes Was- 
ser plumpfen. 



86 

Das Eis dieser auf Reiclisforstgründe liegenden Höhle ist eine nicht 
ganz unbedeutende forstliche NebeiHuitzong' , denn die dortigen Bewohner 
hacken den ganzen Sommer hindurch davon heraus , um damit Handel nach 
Triest zu treiben. Da es sich durch das von Oben herabtröpfelnde Wasser 
zum Theil allsogleich wieder ergänzt , so kommen sie mit der Aushauung 
nie über einige Kubikklaftern hinaus« und diese ersetzen sich dann im 
Winter. 

Derlei Eishöhlen gibt es in Krain noch mehrere. 



87 



43 



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Geintter der meteorologischen Stazionen der Ssterreichischen Alpen nid 

deren Greizfamde. 



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44 
Näheres Aber 4ie Crewitter. 

Auch die Beobachtungen über die Gewitter sind noch sehr mangfel- 
haft. — J)emung'eachtet hat man bereits Folgendes erhoben : 

1) Schon in den Vorbergen sind die Gewitter etwa um ein Viertel häufi- 
ger , als in den angrensenden Flachländern. In den Hochbergen ereig- 
nen sie sich noch zahlreicher* 
S) In den Hochbergen selbst treten sie am zahlreichsten in den höchsten 
Regionen auf, insbesondere dort, wo die Berge sich plitzlich mauer- 
ähnlich in die Wolken erheben (z. B. am Südfalle der Alpen). — Er- 
wägt man, dass die Gewitter eigentlich nichts anders sind» als plötzli- 
che starke Regengüsse^ so werden diese Thatsachen von seU>st klar. 
3) Die Gewitter dauern in den Hochbergen selten lang; die Güsse, wel- 
che sie zur Erde senden, sind jedopb» besonders im SüdfaUe der 
Alpen, äusserst stark, und gewöhnlich schlägt dabei die druckende 
Schwüle in sehr empfindliche Kühle um; so, dass das Gewitter in- 
sonderheit in den Höhen oder gegen den Herbst zu oft mit Schnee 
und Reif endet. — Der erste Höhenschnee, die ersten Reife» welche 
den Graswuchs der Hochalmen zum Stillstand bringen , sind laM im- 
mer das Werk von Gewittern. 

Die Wirkung der Gewitter auf die Vegetazion liegt gewöhnlich nur 
in dem plötzlichen Temperaturswechsel, so wie in den mit ihnen verbun- 
denen Regengüssen und Stürmen. 

Die letzten Baumstämme der Alpenkämme werden jedoch zahbreich 
vom Blitzstrahle geknickt und aufgerissen. 

Da die Hochgipfel häufig über die Regenwolken hinausragen , so kann 
man dort leicht das erschütternde Schauspiel der Wetterbildung inmitten der 
Werkstätte gemessen, oder man kann im herrlichsten Sonnenschein ein 
Gewitter bewundern , was tief unter uns seine Blitze und Fluthen entsen- 
, det; ein Schauspiel, das zwar minder prächtig, aber auch minder ge- 
fährlich ist 



45 

Eine Wetternaclit avf dem Terglo. 

Der 9iCM) Fuss hohe Terglu — die höchste Spitze der südöstlichen 
Kalkalpen — ist zugleich ein Punkt des grossen Triangulirungsnetzes, 
welches der östreichische Quartiermeisterstab zum Behufe der Landesmes- 
sung über den grössten Theil des Kaiserreiches gezogen hat. 

Hauptmann Bosio war bestimmt im J. 182t dort die nöthigen MeMmi- 
gen zu vollfuhren. 



Am 4* Juli brach er hierza von Mitterndorf auf und gelaugte sammt 
dem Korporal Rothhemmel, zwei Führern, von denen der eine bereits zum 
& Male den Terglu bestieg und fünf Trägern uni die neunte Stunde des 
darauffolgenden Tages nicht ohne mannigiache Beschwerden auf den höch- 
sten GipfeL 

Das erschütternde Abenteuer , welches er hier bestand , will ich ihm 
nun nacherzählen. 

Kaum war der freudige erste Eindruck der endlichen Besiegung so 
vieler Schwierigkeiten vorüber , so musste ich die -unangenehme BemeriLung 
madieii, dass die weitverbreiteten Nebel , welche die Gegend ringsum 
verhüllten, sehr nahe an meinen Gesichtskreis streiften. Eim'ge Oeffnungen 
jedoch in diesem Wolkenmeere beruhigten mich, indem sie mich hoffen 
liessen, dass sich die Nebelmassen bald in die Thäler niedersenken werden. 
Ich beschloss daher zu bleiben und bis dorthin meine Zeit Hiit phisi- 
kaKschen Untersuchungen auszufallen. 

Mein Thermometer , das vor einer Stunde auf dem niederen kleinen 
Terglu bei dem heftigen Nordwinde , der die Luft durchbrauste — 9.« ge- 
zeigt hatte, stand auf dem veiki Triglav (der höchsten Spitze), ander 
mittägigen Neigung der Gipfelfläche auf 9.i , auf dem nördlichen Rande aber 
II.« Grade. Die Kälte verringerte sich jedoch in dem Masse, als die Sonne 
höher stieg und das Gestein mehr erwärmte; gegen 10 Uhr zeigte das 
Thermometer bereits >f< i.s und um die Mittagsstunde war es auf >{< 7.i ge- 
stiegen. 

Bei diesen Beobachtungen durchschritt ich mehrmals die Gipfelfläche 
und fand sie 18 — 15 Klaftern lang abwechselnd zwischen 8 und 3 Klaftern 
breit, und etwas kuppenförmig abgerundet. 

Die Kuppe ist mit einer dicken Lage groben eisenhaltigen Kalkschot- 
ters bedeckt, der unter jedem Tritte wankt. 

Die Triangulirungspiramide fand ich nicht auf dem Schdtel der 
Kuppe aufgestellt; ich übertrug sie daher mit Hilfe meiner Gefährten dahin, 
und bereitete sie so vor, dass ich senkrecht unter ihrer Spitze mit meinem 
Theodolidien nach allen Seiten visuren konnte« 

Die Wetterstange liess ich südlich von der Pjramide in die Steine 
bauen. 

Noch immer hoffte ich, dass die Nebel sich senken und die fernen 
Höhen sich erheitern werden. 

Einstweilen richtete ich den gewöhnlichen , mit dem Buchstaben des 
Triangulurungspnnktes und dem Namen des Trigonometers bezeichneten 
Markstein her und versenkte ihn unter den Mittelpunkt der Piramide. 

So wurde es Mittags aber der Nebel hatte sich nicht gelegt, im Ge- 
gentheile fing er an, sich zum dunklen Gewölke aufzuhallen und die ganze 
untere Welt von tms abzuschliessen. 

Ich streckte mich müssig auf dem Steinboden hin und hing meinen 
nicht eben heiteren Gedanken nach. Das geisterhafte Krachen der Steine, 
welche, von den Felswänden sich ablösend, zeitweise in die Tiefe stürzten^ 



90 

unterbrach allein die lauüoae Stilie. Ungewohntes Bangen überfiel mich 
und das Spiel meiner Gedanken erstarb in ein dästeres Dahinstarren , aus 
welchem mich erst das Bersten des nahen Gletschers aufschreckte. Umher- 
blickend , gewahrte ich , dass meine Gefährten mich bis auf die zwei F&h- 
rer und meinen treuen Gehilfen , verlassen hatten. 

Die lieblose Selbstsucht der Entwichenen schmerzte mich , aber sie 
erweckte auch wieder meine eigene Thätigkeit und mein Selbst%'ertrauen. 

Ich sprang von meinem Felsenlager auf, und beschloss, mit meinen 
Gelahrten die Gegenwart zu nützen. — Wir durchwühlten das Gestein 
und fanden ein gläsernes , sorgfaltig verstopftes Fläschchen mit den Zetteln 
jener drei kühnen Bergsteiger, welche vor mir den Terglu erklommen 
haben. 

Es drängte mich , auch meinen Nachlass hinzuzuf&gen ; durch das 
Aufschreiben der Worte : ^Elemente , Grosse • Menschen , Staub" machte 
ich zugleich meinen Empfindungen Luft — Ich verschluss das Fläschchen 
wieder, und barg es in ein Loch, das ich hierzu in einen grösseren Stein bohrte. 

Indessen war es 4 Uhr geworden und das Thermometer auf »f« I.3 ge- 
sunken. 

Der Nebel hatte sich über den ganzen Umkreis der Thäler verdichtet. 
Ein heftiger Nordwind begann uns bis ins Mark zu erkälten. — Schwarze 
Grewitterwolken zogen kampflustig gegen unsere gefahrliche Stätte heran^ 
umhfillten sie von allen Seiten, und überdeckten sie wechselweise. -~ Ein 
dichter Regen fiel. 

Verlassen von den Trägern , welche mir beim Hinabklettern über den 
schrecklichen Pfad behilflich sein sollten, fasste ich im Angesichte des 
herannahenden Gewitters den verwegenen Entschluss, auf diesem Wolken- 
stuhle die Nacht zuzubringeri. 

Wir benützten die Flügel meines Zeltes und ein grosses Stück Wachs- 
leinwand , um das Innere der Piramide als Herberge für die Nacht einzu- 
richten. Um fünf Uhr waren wir damit fertig, und wir zogen uns all- 
sogleich hinein, denn der Sturm peitschte uns Regen und Schnee wie wü- 
thendj in*s Gesicht Mittlerweile war auch der zweite meiner Führer ent- 
wichen, so dass mir nur mehr einer derselben und der Korporal verblieb, 
welcher mein Verhängniss treu zu theilen beschloss. 

Der wüthendste Orkan tobte unter fürchterlichem Gebrause von allen 
Seiten gegen unseren schwankenden Thurro. Nach einer angstvollen hal^ 
ben Stunde liess uns der rollende Donner keinen Zweifel mehr über das, 
was uns bevorstand; die Gewitterschläge mehrten und näherten sich in we- 
nig Augenblicken und ein Blitzstrahl, der auf die Piramide fiel und unser 
Haus mit feurigen Zacken erleuchtete, raubte uns den letzten Rest von 
Muth und Besinnung. 

Instinktmässig stürzte ich durch die Oeffnung hinaus in die streitende 
Natur. Finstere Nacht hatte sich um die Zinne des Berges gelagert; nicht 
von oben herab — wie wir es gewohnt sind — sondern aus den Abgründen 
herauf hoben sich brausend die schwarzen grauenvollen Gewitterwolken, 



9t 

auf AugenbKcke erleuchtet von schlang'enartifen Blitzen, die wie im Fackel- 
tanze der höllischen Furien sich wechselseitig durchkreuzten^ hier in die 
Wetterstange einschlugen , dort die Piramide streiften , und allenthalben 
zischend über die eisenschüssigen Steine hinfuhren« welche die Gipfel- 
fiäche bedeckten. 

Da stand ich auf jener furchtbaren Höhe« mitten im Kampfe der er- 
zürnten Elemente und stierte mit Schauder in die grässliche Tiefe hinab. 
Mir blieb kehie andere Ueberzeugung als der gewisse Tod« denn es schien 
mir unmöglich , dass von den unzähligen Blitzschlägen« die mich umzüngel- 
ten« nicht wenigstens Einer mein Haupt treffen sollte. 

Fort von dieser Stätte des Schreckens war der einzige Gedanke« des- 
sen ich mächtig wurde. Ich kehrte in die Piramide zurück« und verlangte 
von meinen Leidensgenossen augenblicklichen Autbruch. Doch der einzige 
mir verbliebene Führer erklärte: das Hinabsteigen sei jetzt gewisser Tod; 
während in dem Verbleiben vielleicht noch Rettung sei. 

Was blieb uns Armen« als die Ergebung in unser Geschick?! — Mit 
einer Innigkeit« als ob wir ewig beisammen bleiben sollten« klammerten 
wir uns am Boden der Piramide zusammen« um vereint den Todesstreich 
zu empfangen 5 wenn der Allmächtige uns dieses Loos beschieden haben 
sollte. — 

Doch was sind die heissgefühltesten Entschlüsse des Menschen im 
Kampfe um das Leben ! — Kaum hatten wir uns so fest umschlossen « als 
ein neuer Blitzesschlag uns willenlos auseinandertrieb. Mir blieb noch 
einige Besinnung « aber sprachlos sass mein Gehilfe da « und deutete wie 
ein Wahnsinniger auf den Mund, während ich bei dem steten Leuchten der 
Blitze an seiner Stirn das Brandmahl der elecktrischen Berührung unter- 
schied. 

Ich rief den Führer zu Hilfe; doch dieser lag starr und bewusstlos 
neben mir. 

Mit der Hast der höchsten -Noth warf ich mich über ihn und suchte ihn 
durch Reibungen « durch Eingiessen von Wein aus meiner Feldflasche« und 
durch Beschütten mit demselben wieder ins Leben zurückzurufen. Es 
gelang; er brach in fürchterliche Konvulsionen aus« erholte sich jedoch 
allmähiig« während der Korporal nur verwirrte» kaum verständliche Worte 
ausstiess. Endlich war auch ihm der Gebrauch der Sprache wiedergekehrt^ 
als ein neuer Schlag uns wieder insgesammt dahinstreckte. 

Neuerdings zur Besinnung gekommen « riss ich die Zeltleinwand rasch 
hinweg« und stürzte zum zweiten Male hinaus aus diesem Hause des Ver- 
derbens. Meine Gefährten folgten mir« und einige Schritte von der Pira- 
mide entfernt« warfen wir uns in eine kleine Felsen Vertiefung« von der Zelt- 
leinwand umhüllt« damit sie unseren geschlossenen Augen das grässliche 
unserer Lage verbergen helfe und uns schütze gegen die niederstürzende 
Pluth des Regens« des Schnees und des Hagels. 

Aber auch hier fand uns der Blitz. Mich hatte diessmal der Schlag 
am meisten getroffen« ich war lange besinnungslos« litt noch längere Zeit 



die empfindlichsten Schmerzen in den Grebeinen, blieb am Scheitel und am 
linken Backen beträchtlich verbrannt « und soll» wie mir meine Begleiter 
später einhellig versicherten, mit konvulsivischen Greberden in ein fürchter- 
liches wahnsinniges Gebrüll ausgebrochen sein. 

Dieser Vorfall hatte auch dem noch verbliebenen Führer seine frühere 
Ueberleglheit geraubt. Er drang darauf, dieser Hölle zu entfliehen und den 
Rückweg zu wagen; aber meine Erschöpfung gestattete mir nicht, ihm zu 
folgen. Ich war entschlossen, mich dem Tode zu weihen, den ich damals 
für unvermeidlich hielt, und mein Gehilfe Rothhemmel^ dessen treues Ge- 
müth mich zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet, erklärte, auch im Tode 
, nicht von mir zu lassen. 

Hierauf entwich auch der letzte Führer. — Ohne nachzuschauen, 
wohin ihn seine beflügelte Angst trieb, blieben vnr in unserem Schreckens- 
lager liegen. 

Rastlos tobte die zürnende Natur fort; die zahllosen Blitze vereinigten 
sich zu einem Feuermeere ; die fiirchterlich krachenden Donnerschläge bar- 
sten unter tausendfachem Nachhalle die Felsenwände des erbebenden Gie- 
bels. Die Wuth des Gewitters überschritt alle Grenzen, neue Blitze fuh- 
ren über unsere, schon halb empfindungslosen Körper hin und plötzlich sahen 
wir diese von einer Flammenhülle umschlossen, die, wann wir sie in fie- 
berhafter Todesangst von uns abreissen woHten, mit jedem neuen Zuge 
der Hand noch höher aufloderte. 

Unnennbares Entsetzen ergrifi uns; wir flohen gleich brennenden 
Leichnamen von einer Stelle zur andern , und wollten endlich verzweifelnd 
den fürchterlichen Gang in die Tiefe antreten, als ein neuer Blitzstrahl den 
bodenlosen Abgrund vor unseren Blicken enthüllte und uns besinnungslos 
an seinem Rande niederwarf. 

Ic^ weiss nicht, wie lange wir über dem Abgrunde gelegen sind, 
noch welche Gefühle und welche Gedanken sich damals in mir regten, so 
viel aber ist mir erinnerlich, dass nach einem Regen von zuckenden Blitzen 
das Flammenmeer auf einmal durch ein längeres , reines Leuchten völlig 
aufgezehrt wurde. 

Noch einige schwache Blitze, noch ein immer mehr sich entfernendes 
Rollen des Donners, und gereinigt von allen Schrecken, welche vor wenig 
Minuten noch diesen Wolkensitz beherrschten, trat freundlich lächefaid der 
Mond am azurnen Sternenhimmel hervor, und goss sanfte Labung in unser 
tief erschüttertes Gemütfa. 

Ich zähle den Moment dieses rettenden Wechsels zu den seligsten 
meines Lebens, und nie wird die Mitternachtsstunde zwischen dem 5. 
und 6. Juli des Jahres iSti aus meiner Erinnerung schwinden« 

Es beschwichtigte sich allmälig auch dw Sturm unserer Seele und 
selbst die Körperkräfte kehrten wieder, aber erst um 3 Uhr wagten wir 
es, unser gefahrliches Lager zu verlassen. Wir mussten rückwärts krie- 
chen, um aufstehen zu können, weil unsere Beine halb in den Abgrund 
hinabhingen. Glücklich erhoben wir uns und blickten von der Zinne des 



Berges dankbar zum Herrn aller Heerscharen empor, der uns ans so 
unsäglicher Gefahr errettet hatte. Der schönste Morgen verherrUchte die 
Feier unseres Gebetes und die sich immer mehr in ihrer vollsten Pracht - 
entfaltenden Gebirgszüge waren ein Altar» wie Menschenhände ihn nie 
werden zu bauen vermögen. 

Doch keine Freude ist uns Menschlichen rein beschieden. Während 
wir zum zweiten Male zum Leben erwachten, wurde die Piramide ein 
Haus des Todes. — Der uns zuletzt gebliebene Fuhrer hatte sich hinein 
geflüchtet, und als ich mich hinbegab, um nach meinen Messinstrumenlen 
zu sehen, fand ich ihn in sitzender Stellung an die Wand gelehnt — 
kalt und todt 

Ich danke mein Leben dem göttlichen Walten, das mich noch frühe 
genug aus dem hölzernen Thurme trieb, der während dieses furchtbaren 
Hochgewitters zweifelsohne die gefährlichste Stelle des Gipfels war* 



94 



46 

Hagel der meteorologischen Stazionen der Alpen und 
ihrer Grenzlande. 



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47 



Näheres über den Hagel 

Uiiaere wenigen meteorologischen Observatorien haben dem Hagel 
bis jetzt bei weitem nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt , und die Beob- 
achtungen der Landwirthe ermangeln der wissenschafllichen Scharfe; so 
z. B. merken sie meistens nur jene Hagelwetter vor, welche in ihren Fel- 
dern bedeutenden Schaden angerichtet haben, die übrigen Hagelfalle ganz 
ausser Acht lassend« 

Demungeachtet hat sich für die Alpen herausgestellt: 

1. Die Hagelfälle haben vorzugsweise nur in der ersten Zeit der Vegeta- 
zionsperiode statt, 

2. Die Hochberge sind weniger vom Hag^l heimgesucht 

3. Am meisten werden die Vorberge vom Hagel getroffen ; ebenso häufig 
und verderblich treten sie in dem Hiigellande auf, welches sich an die 
südlichen Hochberge anlagert, wie am nördlichen Fusse der Alpen 
und in den östlichen Vorbergen. 

4. Vorzüglich werden jene Striche der Vorberge getroffen, welche der 
Richtung der Hagelwetter entgegengesetzt sind, welch letztere dem 
gewöhnlichen Wetterznge folgend aus Nordwest, V^est oder Süd- 
west kommen. 

5. Auffallend verderblich wirkt der Hagel nur in den tieferen Regionen. 
Nicht, dass er in der Höhe etwa mangelte, aber weil sein Korn hier 
noch klein ist (er fällt hier meistens bloss in der Gestalt von Schnee- 
graupeln) und weil er (aus geringerer Höhe) mit einer kleineren Ge- 
schwindigkeit fällt, so |ritt er hier bei Vl^eitem weniger zerstörend auf 

Für die Forste ist der Hagelschaden von keiner Bedeutung« 

48 
Heiterkeit des Himmels. 

Bewölkung des Himmels auf den meteorologischen Stazionen der Alpen und 

deren Grenzländer. 



Gans heitere Tage 



0, grösfltentheils heiter = 1, halbheltere =2, grödstenlheils 
trflbe = 3 , ganz trübe = 4« 



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8 
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1*70 



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96 

Obwohl die Ungleichförmi^keit und UnvoUstandigkeit der forliegen- 
den Beobachtungen nicht erlaubt, die Bewölkungsverhältnisse der ver- 
schiedenen Alpengruppen und Zonen in bestimmten Ziffern anzugeben , so 
ergibt sich doch aus dieser Tafel und aus anderen vereinzelten Beobach- 
tungen: 

Dass die Bewölkung am grösslen sei im Nordabfalle der Alpen; 

Dass der Sudfall der Alpen den reinsten Himmel hat, und dass er 
selbst in (Jeren östlichen Verfluchung noch bedeutend reiner ist, wie im 
nördlichen Theile. 

Dass endlich die Bewölkung der Höhen geringer sei , wie jene der 
Thäler. 



49 
Dnrehsichtigkeit der Luft. 

Die Durchsichtigkeit der Luft wächst Cder Verdünnung wegen) mit 
der Meeresböhe. 

Darum hat man auch in den Höhen so ausgezeichnete Fernsichten, 
darum wird dort der Himmel immer bläuer, darum täuscht man sich dort 
so leicht in der Beurtheilung der Grössen und Entferniingen« Das in der 
Tiefe verwöhnte Auge schtiesst aus der Deutlichkeit der Umrisse irrig auf 
eine grosse Nähe, und aus der scheinbaren Nähe ebenso irrig auf eine 
mindere Grösse. 

Aehnlichen Täuschungen gibt man sich öfter hin bei sehr feuchter 
Luft, indem auch deren grösserer Wassergehalt sie insolange durchsich- 
tiger macht, als das Wasser gasförmig aufgelöst bleibt Daher Abends die 
tiefgesättige Färbung und zauberische Schönheit der Alpenlandschaften; 
daher öfter die erschreckende Nähe der Berge- vor eintretendem Regen- 
wetter. 

Nach Süden zu wächst die Menge des in der Luft gasförmig aufgelö- 
sten Wassers und mit ihr die Durchsichtigkeit der Atmosjfare, daher die 
bekannte tiefere Bläue des sudlichen Himmels. 

So vereinigen sich denn die grössere Durchsichtigkeit der Luft mit 
der geringeren Bewölkung des Himmels, um einerseits die höheren Re* 
gionen und anderseits die südlichen Breiten der Alpen zu den heitersten 
zu machen, um dort die Sonne eine weit grössere Kraft entfalten %tk 
lassen. 

So günstig hier die grössere Heiterkeit in sehr vieler Beziehung auf 
den Pflanzenwuchs wirkt, so hat sie doch auch eine Schattenseite^ und 
diese besteht in der Beförderung der Fröste (durch die vermehrte, nächt- 
liche Ausstralilung.) 



97 



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LiftbUt 

Grane 


1 


Jeder Kn- 
biktas 

LiftbUt 
Grane 


ii 


Jeder tn- 
blkftiss 

LiftbUt 
Grane 




Jeder K«- 

bikftau 

LifthUt 

Grane 


|i 


Jeder tn-l 

blkftiss 1 

LnftbUtI 

Grane || 


Uft 


Si•6^ 
itoff 


Uft 


SiMT- 
Itiff 


Ufl 


Stier- 

Mi 


ur.«^- 


Uft 


lUf 


1000- sooo 


27., 


671 


132 


2' -3 


689 


135 


27.3 


569 


131 


«s 


665 


128 27.4 


570 


131 


2000— 3000 


26.3 


663 


128 


26.« 


669 


131 


26.3 


552 


127 


26.4 


537 


124 


26-3 


552 


127 


3000— 4000 


26-3 


636 


123 


25-3 


661 


127 


25.3 


536 


124 


»•♦ 


619 


120 25.3 


636 


124 


4000— 5000 


24.3 


617 


118 


24-3 


532 


123 


24.3 


518 


120 24.4 


502 


116 


24.3 


517 


120 


6000— 6000 


23., 


602 


116 


23.4 


616 


119 


23.4 


493 


116 


23.S 


586 


112 


23.4 


500 


116 


6000— 7000 


«•6 


488 


UZ 


»., 


498 


115 


22.5 


488 


112 


».. 


470 


108 


ZZ.6 


487 


112 


7000— 8000 


21.8 


V7% 


109 


21., 


483 


112 


21., 


474 


109 


81.. 


457 


106 


21.8 


473 


108 


8000- 9000 


21.0 


460 


106 


20., 


467 


109 


20.9 


460 


106 


?».o 


446 


101 


21. o 


458 


106 


9000—10000 


20., 


446 


102 


20.» 


464 


106 


20-1 


446 


103 


80., 


436 


99li0., 


443 


102 


lOOflÜ— nooo 


19, s 


43Z 


98 


19.4 


*!iO 


loa 


19-, 


432 


99 


t9.( 


425 


96 


|19.s 


130 


99 


11000-12000 


18-, 


417 


95 


18., 


4a6 


100 


I8.e 


411 96 


M-8 


412 94 


18^, 


415 


J 



Es ist somit die Luft der Alpen an der oberen Grenze des Getreide- 
baues und des Buchenwaldes um 10, an der Grenze der Sennereiregion um 
20 und auf den höchsten Spitzen um S8 Prozente dünner und zugleich ärmer 
an Sauerstoff, als in den tiefsten Thälern, wenn gleich der Prozentantheil 
des Sauerstoffes fiberall gleich ist. 

Mit der Dichtigkeit und der Wärme der Luft schwankt jedoch auch 
deren Sauerstoffgehalt selbst im Laufe eines jeden Tages. 

Die beiläufige Grösse dieser Veränderung während der Sommermo- 
nate erhellt aus folgender Tafel. 



Tlfl^Ae Schwankong des Sanerstoffbaltes der Lift wUirend des SomBers. 

ftrane Progente 

Grenxe Uttel Grense nttel 

In den Hauptthälern 10—55 28 10—42 21 

An der oberen Grenze der Sennerei 8—40 16 8—40 15 

Dieise namhaften Aenderungen des Sauerstoffhaltes der Luft haben si- 
cherlich keinen unbedeutenden Einfluss auf das Pflanzenleben der verschie- 
denen Höhenregionen, wenn wir gleich diesen Zusammenhang bis jetzt noch 
nicht näher nachzuweisen vermögen. 

7 



96 



51 
KoUensänreantheil der Luft. 

Die wenigen in dieserBeziehung angeatellten Beobachtungen scheinen 
zu zeigen, daaa der KoMensäureantheil der Luft mit der Seehöhe bedeutend 
steigt. AuJ den Hochgipfeln wurde er mehrmals um 36 Prozente grosser 
gefunden 9 als in den Hauptthälern- 

52 Windverbältnisse «er meteorologischeB Stationen 

In der Wiodroae Ut der Proacntanlhcfl jeder Richturg an der Summe aller Winde 

aua den , auf die Roae aufgelragenen Prozentantheilen. — Um daa Verhaltnia» de"^ 

NW + N NO gleich 100 angenommen und den Summen von 8W 



Zahl 
der 




Windrote- i 


a 


Beob- 

ach- 

tnngfl- 

jahre. 




i 




s 


SW« 


"• 


NW. 


K. 


NO. 


0. 


80. 






JVftrdUcKe «renzlAitde 




















2 
46 


Rrlinn .......... 


10 
13 


3 
10 


11 
20 


32 
13 


20 
11 


5 

7 


4 
10 


16 

8 




Prag .......... 




— 


Regenaburg ........ 

Mfincben 

BTftrdllcHer Alpenfuss 


10 


22 


32 


3 


7 


4 


18 


4 




4 
5 


Wien 

Kremamanaier -....• 

Salsburg ......... 

Andecha ........> 

Peiaenberg ...•.-.• 
Tegernaee ........ 

HocKberffe 


10 

1 

8 

11 

14 


6 

2 
14 
16 

8 


6 

66 
33 
23 
11 


48 

8 
12 

8 
26 




2 

7 

4 

12 


. 3 

7 

12 

6 


1 

15 

13 

7 


18 

30 

4 

12 

18 




5 

4 
2 


Admont 

Innabruck ....••.• 
ZiUerthal in Tirol ..... 

Klagenfurt 

Sagritz ......... 

OestlleHe ITorberffe 


8 
& 
4 
3 
18 


U 

3 

17 

13 


8 

7 

15 


4 
11 
12 
15 

5 


13 

2 



34 


18 
11 
21 
15 
21 


11 

1 
33 
23 

8 


36 
8 
3 
6 

15 




10 

1 


Graz 

Laibach . . ....... 


18 


13 


6 


11 


12 


10 


11 


19 




"" 


Cnffmrlsche Ebene (Ofen) 
SAdlleHer Alpenfus« 


11 


12 


17 


14 


8 


10 


7 


8 




10 


Trient ....... . . 

Trleat .....••.. 

ItalleiilseKe Ebene 


8 





33 


26 


t 


3 


12 


8 




54 


Mailand ........ 

Padua . . • . 


4 
6 


12 

6 


20 
11 


•0 
15 


7 
29 


13 
13 


27 
13 



6 


b 



Ueber den Firnmeeren und Gletschern jedoch scheint er immer bedeu- 
tend geringer zu sein. Einzelne Untersuchungen haben ihn um 56 Prozente 
unter jenem schneefreien Punkte gleicher Erhebung dargestellt. 

Das Steigen des Kohlensäuregehaltes mit der Meeresböhe dürfte in 
der Abnahme der Vegetazion liegen, und der geringere Halt der Gletscher- 
atmosphäre in der Einsaugung der Kohlensäure von Seite des Eises. 

Diese Unterschiede werden aber durch die Luftströmung sehr oft völlig 
aufgehoben« 

4ir üsterreiehiscken Alpen onduurer Grenzlande. 

tDfeaetsL — Die miitlere Windrichtung und deren StärlLe sind die Resullirenden 
Haaplrichtunfen herauszubringen, sind die Summen von NO + O + SO und von 
+ W + NW und von SO + S + SW gegenabergesteUt vi^orden. 



sttaM« 


ntttere 
Wlades- 
rtchtug. 


8tMe der 

mittleren 
Winde. 


YerhUtnissderHaupt- 
riditimgeii. 


Herrscbende Winde 1 


Ul« 


Ti^Mitniaili 


Mtfidiii 
vtftUch 


noHUck II 
lidljdi 


dit zwei 


die iwei 


13 


7 MW 


N 36 W 
S 72 W 
M 31 W 
S 69 W 


0^8* 

0.164 
0.306 


100 : 184 
100 : 361 
100 : 122 
100 : 220 


100; 52 
100 : 143 
lOO : 107 
100 : 244 


MW, M 
W, SW 

MW, M 
W, SW 


SO, s 
S, MW 

o7 s 


31 


26 MW 
W 


M 66 W 
M 61 W 
S69 W 
M 89 W 
S 43 W 
M 84 W 


0*340 

0.4»i 
0.»s 
Ones 

O-iOi 


100 : e67 

100 : 213 
100 : 224 
100 : 132 
100 : 144 


100 : 67 

100 : 330 
100 : 97 
100 : 169 
100 : 94 


MW, SO 
MW, W 

w, so 

W, 

W, SW 

NW, «0 


S, M 

NW, SW 

SW, MW 

0, NO 

S, N 


W 


W, MW 


S 65 
S 22 W 
M 72 
N 31 
M 42 


0-430 
0.AOO 
0.23« 

o.ao 

0.38O 


100 : 23 
100 : 169 
100 : 63 
100 : 99 
100 : 11 


100 : 156 
100 : 300 
100 : 69 
100 : 82 
100 : 66 


SO, NO 
S, SW 
0, MO 
0. w 

N, NO 


N, 

0, NO 

SW, NWi 

NO, NW! 

S, SO 




W, MW 


S 21 


0-246 


100 : 76 


100 : 162 


SO, S 


SW, N 


— 


— 


— 


— 


— 


— " 


SW, 


— 


— 


W. MW 


M 70 W 


0«256 


100 : 216 


100 : 69 


W, NW 


SW, i$ 


— 


— 


M 86 W 


o!^ 


100 : 296 


100 : 88 


0, W 
W, NW 


o,"so 


— 


— 


M 61 

M 


O-oas 

0*«37 


100 : 82 
100 : 101 


100 : 89 
100 : 34 


0, w 
M, MW 


NO, SW, 
NO, 



7* 



100 

53 

Näheres iber «• Winde. 

Unsere Beobachtungen über die Windverhältnisse sind noch äusserst 
unvollständig- Nicht nur werden sie an viel zu wenig Orten angestellt, 
sondern auch die Art der Beobachtung ist gewöhnlich eine ziemlich ungenfi- 
gende, wesswegen mehrere Angaben der Tafel 52 auch nur einen beding- 
ten Werth besitzen* 

Bekanntlich ist die Strömung der höheren Luftschichten (in der 
Wolkenregion) verschieden von jener, in welcher der Mensch und die Kultur 
sich bewegen. Um letztere würde es sich hier vorzüglich handeln* Nun 
aber wird auf mehreren Stationen die Windrichtung nach dem Zuge der 
Wolken vorgemerkt, daher die bezüglichen Angaben nicht recht in jene 
hineinpassen, die aus der Richtung der Windfahnen abgeleitet sind« 

Im Weiteren merkt man zwar die Richtung der Winde vor , berück- 
sichtigt aber fast nirgends ihre Starke- — Die Starkeangaben der Tafel 
52 sind daher, ebenso wie die mittlere Windesrichtung, durchaus nicht 
wörtlich zu nehmen ; denn man hat bei deren Ableitung die Stärke aller ein- 
zelnen Winde als gleich angenommen , was aber der Wirklichkeit völlig 
widerspricJit* Auch ist dabei die gesammte Zeitdauer der Luftbewegung 
als gleich (100) vorausgesetzt, was gleichfalls unrichtig ist, da die Zahl 
der Windtage örtlich sehr verschieden ist- 

Andere Unvollkommenheiten gar nicht zu berühren. Demungeachtet 
setzen mich die bisherigen Beobachtungen in den Stand , über die Winde 
folgendes zu sagen: 

Nordabfall der Alpen* Die weit überwiegenden Winde sind 
hier die westlichen, und die Winde der vier Hauptrichtungen verhalten 
sich nach der Zahl der Tage, an welchen sie wehen , im Durchschnitte bei- 
läufig wie folgt: 

W : S : O : N = 80 : 15 : 10 : 10. 

Die westlichen Winde wehen gewöhnlich von NW oder W^ selten 
von SW- Die Stürme wüthen meistens in der Richtung des herrschenden 
Windes» 

Der herrschende Wind ist hier von grosser Wirkung aui den Pflan- 
zenwuchs* Schon in der Ebene sind alle Baumschäfte dieser Richtung ab- 
geneigt, die Kronen nach derselben weniger vollkommen ausgebildet, die 
Holzlagen von geringerer Stärke, der Fruchtertrag weniger ausgiebig- 

Diese Wirkung steigert sich bedeutend auf allen dem herrschenden 
Winde zugekehrten Bergabhängen , insofern sie nicht durch vorstehende 
Berge geschützt sind* Hier sind auf den am meisten ausgesetzten Stellen 
die Kronen ganz auf die abgekehrten Seiten gedrängt, so dass die Schäfte 
auf der Windseile fast gar keinen Ast besitzen. Der Regen, der die 
Winde stets begleitet, mergelt überdiess den Boden völlig aus. Er wird 
nämlich dort vermöge der selir lichten Bestockung und wegen der nach der 
Windseite mangelhaften Kronen in fast unverminderter Menge auf den Bo- 



m 

den ^eschla^en , und entf&hrt als abfliessendes Wasser eine grosse Hienf e 
löslicher und feiner Erdtheile. Ueberdiess entfthrt dort der Wind fast den 
passen Blattabfall. 

Die unbeschfitzten Windseiten sind daher allenthalben schlecht bestockt, 
und auch diese geringe Bestockimg hat einen schlechten Zuwachs. Die 
kraftfordernden Holzarten kommen dort nur schlecht und vereinzelt oder gar 
nicht fort, so dass sich statt der Buche, Tanne und Fidite gewöhnlich 
Birken und Aspen eindrängen. Aber auch diese genügsamen Holzarten 
gedeihen da minder gut. Die Fdhren scheinen hier noch verhältnissmassig 
am meisten zu entsprechen. 

Die herrschenden westlichen Winde sind im NordaUaHe der Alpen 
auch mehr oder weniger i^turzgefährlich, eben weil ihnen fast immer langer- 
dauernder Regen vorausgeht, welcher den Boden aufweicht. Die Sturz- 
gefahr ist in diesem Alpentheil auf ausgedehnten Flächen vorhanden, weil 
naturlich die Abdachungen überwiegend nördlich sind und bekanntlich die 
Stamme auf Nordhängen leicht nach Osten geworfen werden. 

Tiefer im Gebirge sind schon sehr Viele westliche Hänge gegen die 
herrschenden Winde geschützt, und diese ändern hier schon häufig ihre 
Richtungen und ihre Kraft wird gebrochen wie im Hauptstocke der Alpen. 

Hauptstock der Alpen. Die Windrichtungen sind hier in den 
Höhen ganz ähnliche, wie im Nordabfalle der Alpen; anders aber ist es in 
der Region der Bodenkultur. Hier werden die Winde, welche aus der 
Richtung der vorstehenden Bergstöcke wehen, mehr oder weniger, und 
unten am Fusse der Bergstöcke gänzlich fernegehalten, und die übrigen 
nach der Thalrichtung gebeugt Es sind also hier die Winde gewisser- 
massen an jedem Orte Andere. 

Demungeachtet hat sich gezeigt , dass im grossen Durchschnitte die 
westlichen Winde am wenigsten und die östlichen und südlichen am häufig- 
sten wehen. — Die Sache erklärt sich sehr gut, wenn wir berücksichtigen, 
dass die allgemeine Verflächung der Alpen (als Ganzes) von WSW nach 
OSO geht; denn daraus folgt, dass dieses Gebirge am meisten den west- 
lichen Winden verschlossen ist. Dass im Allgemeinen die Nordwinde we- 
niger wehen, liegt offenbar darin, weil diese Windrichtung auch ohne der 
Berge die Seltenste wäre. 

Aaflallend sind auch die herrschenden Winde in diesem Alpentheile 
(mit Ausnahme der Höhen) durchschnittlich weniger stark; zweifelsohne, 
weil ihre Gewalt durch die Berge und ihre Wälder gebrochen wird. 
Darum ist auch für die Wälder hier keine erhebliche Starzgefahr vorhan- 
den, um so weniger, als die meisten Bestände aus ungleichzeitigen Auf- 
wüchsen hervorgegangen sind; darum sind auch die Windseiten hier 
weit weniger ungünstige Standorte für den Pflanzenwnchs« 

Der warme italische Sirocco (in her Regel Südwest) greift hoch in den 
westlichen Theil des Hauptalpenstockes hinauf. Besonders Ende Kommers 
und im Herbste streicht er noch bis in alle ihm nicht abgewendeten Thä- 
ler von Vorarlberg, Nordtirol und Salzburg. — Er schmilzt in wenig 



108 

Tagen den berbütlichen Hochalpenachnee und frisat gewaltig in die Glet« 
acher hinein« veruraacht dieaerwegen nicht aelten zeratörende Hochwia- 
aer ; er bringt aber auch die zurückgebliebenen FeldfrQchte zur plötzlichen 
Reife ^ daher ihm in naaaen und kalten Sommern inabeaondere jene Land- 
lenle mit Sehnaucht eutgegenaehen , welche ihr Getreide in Höhen bauen, 
wo nur beaondera günatige Sommer ea zur Reife zu bringen vermögen« 
Auch im Frühjahre weht er und bringt atarkea Thauwetter und zahl- 
reiche Lawinenfille. — Auf die Menachen wirkt der Sirocco ab/spannend. 

Oatabfall. Im groaaen Dnrchachnitte aind in den Ländern der 
aüdöatlichen Alpenverflächung die östlichen Winde vorherrachend, offen- 
bar« weil aiei ihnen am meiaten geöffnet aind. — Hierauf folgen die nörd- 
lichen Winde , welchß zweifelaohne von den nordwarla gelegenen kälteren 
Hochbergen herab kommen. Zunächat reihen aich die aüdlichen Winde 
an 9 denen dieae Bergzüge auch ziemlich zugänglich aind* Am wenigaten 
wehen die weadicfaen Winde , denn gegen aie iat dteaer Alpentheil durch 
den weatlich gelegenen Hauptalpenatock geachutzt. 

Unzweifelhaft iat daa Vorherrachen der kalten öatlichen und nörd- 
lichen Winde eine der Haupturaachen, warum die Verbreitungagrenzen 
der Gewächae in dieclem Alpentheile bei Weitem nicht ao hoch ateigen, 
ala in den übrigen Theilen. 

Höchst bemerkenawerth iat in diesem Alpentheile daa Hereingreifen 
des fiirchterlichen, ala Bora bekannten Nordoatwindea. Unterkrain und 
der untere Rand von Mittelkrain unterliegen in hohem Maaae dieaem Winde» 
der Ende Herbat und Winter zum gewaltigaten aller Stürme auaartet 
und aelbat im Sommer ala Begleiter der Gewitter viel Unheil anrichtet. 

Ich werde die höchat merkwürdige Bora bei der Darstellung der 
Südweatländer dea Kaiaerreichea , welchen er (latrien und Dalmatien 
wegen) vorzugaweise angehört« ausfahrlich beschreiben« daher ich hier nur 
bemerke^ daaa er die Vegetationagrenzen der Gewächae allgewaltig herab- 
drückt« auf den Stellen« welche er ungebrochen beatreicht« viele Holzarten 
gar nicht aufkommen läaat oder wenigatena zu Sträuchem niederdrückt, 
und daaa erden Boden durch Wegfahren der feineren Erdtheile entnervt 

Ein Glück ist ea« daaa die Bora nie vom Regen begleitet iat« und 
am atärkaten im Winter (beim Hartfroste und zur Zeit der Entlaubung) 
wüthet; denn aonat riaae sie die meisten Bäume nieder. 

Daaa die herrachenden Winde« oder wenigatena die gewöhnlichen 
Stürme aelten auf langdauemde Regen folgen« ist auch der Grund« wa- 
rum im Ostabfall der Alpen überhaupt wenig Sturmgefahr vorhanden iat 

Südabfall der Alpen. Hier herrachen die Südwestwinde vor« 
nehmen aber wegen der vorwiegend aüdlichen Thalrichtung gewöhnlich 
auch eine völlig südliche Richtung an. 

Sie aind auffallend warm, oft greifbar naaa« und die eigentlichen 
Regenwinde dieaer Gegenden. 

Von den Kämmen dea Hauptalpenatockea atrömen auch kalte Lüfte 
ala Nordwinde herab. 



Das Oftensein ^eg^en die südlichen Winde ist in diesem Aipentheil 
fBr das Klima entschieden günstig- 

iSturzgefahr ist zwar hier fast nirgends vorhanden, denn die Süd- 
lichen Winde arten selten zn heftigen Stürmen aus, mid dann ist der 
grösste Theil der Hänge C^üdUch) sturzsicher^ da Baume nicht leicht auf- 
wärts geworfen werden« 

Als Regenwinde entnerven aber die südlichen Winde in hohem 
Masse durch Abschwemmung die ungeschützten Bdden der Südhänge 
(denn der Regenfall ist hier ungleich stärker). 

Aber auch viel Allgemeines haben die Hochberge rücksichtlich der 
Luftströmung. 

Die Luftbewegnng z. B- nimm^ g^g^n die Jöcher und Gipfel hinauf 
immer mehr zu* Während unten im Thale oft völlige Windstille herrscht, 
weht Oben ein beträchtlicher Wind; und massige Luftbewegung in der 
Tieie artet hoch Oben zum förmlichen Sturme aus. Auf den Höhen sind 
die Winde vorzugsweise südwestliche. 

Die starke Luftströmung der Höhen ist dem Pflanzenwuchs nach- 
theilig und drückt die oberen Verbreitungsgrenzen besonders der hoch- 
stämmigen Holzgewächse beträchtlich herunter. Sie ist auch der Grund, 
warum viele Jöcher und Gipfel, obgleich sie die gewöhnliche Höhengrenze 
des Waldes noch nicht überschritten haben, dennoch völUg unbewaldet 
sind, warum der Holzwuchs anderer verkrüppelt, kurz und zerknickt 
(Nadelhochhölzer), oder strauchartig (Buche) ist. 

Obwohl auch Fichte und Lerche auf solchen stnrmbewegten Höhen 
noch auszuhalten vermögen, so werden sie doch von der Zirbe hierin 
übertroflfen* Aber die Legföhre lässt in dieser Beziehung alle anderen 
Holzarten zurück, wobei ihr der Strauchwuchs sehr zu statten kommt. 

Die in den Thälern streichenden Winde werden von den Hängen, 
an welche sie stossen, zwar zurückgeworfen, mit Kraft jedoch niu* von 
den unbewaldeten Hängen und vorzüglich von den Felswänden. Auf den 
bewaldeten Abdachungen hingegen wirkt insbesondere der hochstämmige 
Holzwuchs noch mehr ertödtend auf sie, wie z. B. die Rauchwand einer 
Uferschutzbaute auf das anprallende Wasser. Der Rückstoss äussert sich 
daher nur mehr als sanft aufsteigender Luftstrom, der eben zureicht, um 
etwa vorhandene Wolken am Berge hinaufzutreiben, während die von 
unbewaldeten Gehängen und vorzüglich von den Felswänden aurückge- 
stossenen Ströme nicht selten in heftigen Wind ausarten. 

In den Thälern wehen in der Regel n^r zwei Winde, einer thalauf- 
wärts und ein anderer thalab. 

Die mannigfaltigen Biegungen und Neigungsänderungen der Thäler, 
ihre Verengungen und Ausweitungen, die vielen vorspringenden Riegel 
nnd Felsen, die Wälder und die Felsenwände , verändern örtlich sehr ge- 
waltig die Winde, wirken jedoch im Ganzen ermässigend auf sie. 

Nur jene Winde, welche über ein Gebirgsgehänge oder über einen 
Sattel durch ein Thal herabströmen, gewinnen (nach den Gesetzen des Fal- 



m 

les) immer mehr an Heftigkeit, besonders dami, wenn sie nicht durch die 
Bewaldung der Bergseiten ermässigt werden. In diesen Fällen ist den Wal- 
dern eine für die Bodenkultur sehr wichtige Aufgabe zugewiesen worden. 
Hunderte von Fällen lassen sich nachweisen, wo durch die Entwaldung 
von derlei Hängen und Bergsätteln solchen Winden zum grossen Nachtheile 
der Feld- und Waldwirthschaft ein verderblicher Spiefaraum eröffnet wor- 
den ist» Notorisch ist z. B. die unglückselige Bora, welche im Wippacher 
Thale (Krains) von dem plötzlich nach Süden abstürzenden Gebirge herab- 
kömmty genau in demselben Masse in diesem forstherrlichen Thale mehr 
gegen Görz vorgerückt, als die Entwicklung der Hänge dorthin vorschritt. 

Die Wälder sind im Gebirge auf unzähligen Stellen vortreffliche Wind- 
dämme von unberechenbarem Nutzen, und sollten dort um so mehr gepflegt 
werden, als sie hierui durch gar nichts Anderes ersetzt werden können. Die 
Bewohner der meisten Thäler wissen hievon unter Hinweisung auf die 
beweisenden Thatsachen sehr viel Beherzigungswerthes zu erzählen , aber 
über diese warnenden Erzählungen und das bedenklichste Kopfschütteln ist 
man bis jetzt noch nicht hinausgekommen. 

Auch in den Alpen haben die Windströmungen rücksichtlich ihrer Häu- 
figkeit ein Frühlings- und ein Herbstmaximum. 

Alle grösseren Alpenseen haben ausser den allgemeinen Winden der 
Gegend, noch ßir sich ganz besondere periodische Luftströmungen. — 
Heber dem Lage di Garda z* B. zieht regelmässig von Mitternacht bis ge- 
gen Mittag ein Nord- und Nachmittags ein Südwind; es wäre denn, dass 
heftige allgemeine Winde eintreten. 

Die Ctnetten. 

Die Quellen , diese mächtigsten Förderer der alpinischen Vegetazion, 
beruhen auf einem überall verzweigten Netze von kleineren oder grösseren 
Felsspalten, in welchen das Wasser nach den gewöhnlichen Gesetzen des 
Druckes ebenso wirkt, wie in den komunizirenden Röhren unserer fisika- 
lischen Kabinete* 

Manches Gestein ist so auffallend zerklüftet, dass das Versinken der 
Wässer dort jedem Knaben bekannt ist. Aber auch die scheinbar urzerklüf- 
teten Felsmassen haben feine Ritze, die, wenn sie auch der gewöhnliehen 
Betrachtung entgehen, doch völlig hinreichen, um die Versenkung der me- 
teorischen Wässer zu vermitteln. 

Sowohl die Wässer der feinen Spalten, als auch jene der grösseren 
Klüfte gelangen über kurz oder lang auf die Schichtenflächen des Gestei- 
nes, und da sie hier meistens abbrechen, und die Schichtenflächen sich ge- 
wöhnlich nicht allenthalben unmittelbar berühren, so sammeln sie sich und 
sinken theilweise oder ganz nach der Senkung der Schicht hinab, bis sie 
an den Enden derselben als reichliche Quellen zu Tage treten. Wo nun die 
Schichten eines Grebirges steil aufgerichtet sind , — wie das in den Alpen 



1« 

gBT SO oft der Fall ist, fliessen die meisten Qaellen nadi einer Richtang tb; 
jener Hang, welcher aus den Schiehtenenden besteht» wird quellenreich, 
und ist mit der herrlichsten Vegetation fiberkleidet« und der entgegenge- 
setBte (der die Schichtenköpfe enthalt) bleibt dfirr und pflanzenarm. 

Der Abfluss der Quellen nach den AbsonderungsflSchen der Fels« 
schiebten ist so häufig« dass eben die Schichtung dort gewissermassen das 
Gesetz gibt ffir den ganzen Quellenlauf. 

Nicht jede Schichtenfliche I&sst die Quellenwässer reichlich ftber sich 
abriimen« sondern es biethen hiezu vorzugsweise nur jene genug Raum 
dar« auf denen ganze G^steinsgruppen ausamnienstossen « und da an diesen 
Hauptschichtenflächen in der Regel auch die Hangsabsätze aus der Al>da- 
chung hinaustreten , so kommen auch in den Winkeln dieser Absätze (Qe* 
birgsstaffel) die meisten Quellen zu Tage. 

IMeses Gesetz zeigt sich besonders auffallend in den Urfels- und Schie- 
ferbergen« in welchen sich stark ausgeprägte Absätze ziemlich regelmässig 
längs des ganzen Bergznges hinziehen. Dort findet man längs der Absätze 
ebenso viele Reihen von Quellen« welche sich aus den oberen Rändern der- 
selben bandartig über die Wiesen hinabschlängeln. 

Besonders stark sind die Quellen am Fusse von hohen Wänden. 

Nur rücksichtlich der breiten Staffel« welche gewönlich den Fuss der 
Schiefergebirge begleiten« hat obige Regel eine Ausnahme ; denn hier kom- 
men dnzebie Quellen auch auf der Staffelfläche und noch mehrere unter de- 
ren unterem Rande zu Tage. 

Ganz ähnlich treten die Quellen auf Abdachungen vor « welche von 
den Schichtenköpfen gebildet werden ; nur sind sie hier viel seltener und 
daher um so mehr auf die Absatzwinkel beschränkt 

Dieser Quellenzug ist von hoher Bedeutung auch fOr die Bodenkultur, 
denn er ist einer der Hauptgründe« warum die Absätze der Hänge vorzugs- 
weise für die Feldwirthschaft taugen« warum gewöhnlich nur auf diesen 
Absätzen eine Ueberrieselung leicht hergestellt werden kann. Sind nun 
gleich die Zvdschenschichten des Gesteines gewöhnlich nicht räumlich ge- 
nug abgesondert« um das Wasser reichlich durchrinnen zu lassen « so ge- 
statten sie demungeachtet ganz feinen Wasserfaden den Durchgang« und 
lassen auf den Hängen oft Tausende von Miniaturquellen wirken « welche 
zwar viel zu klein sind« um durch die Bodenkrume zu dringen und Quel- 
len nach dem gemeinen Sprachgebrauche zu bilden« die aber vöHig hinrei- 
chea, um die Erdkrume in beständiger Feuchte zu erhalten. 

Diese Wasseriädeu treten besonders zahlreich in den verschiedenen 
Schiefem hervor« und zaubern dort eine herrliche üppige Vegetaaion hin. 
Ihnen hat man die schönen Wiesenstreifen and Laubholzbestände zu dan- 
ken , welche sich auf ein- und derselben Abdachung öfter mitten über den 
trockenen pflanzenarmen Hang hinziehen. 

Die vielen Erlenhölzer auf den Hängen des Schiefers und ihr geiler 
Wuchs sind Wirkungen dieser Wasserfaden. 

Gerade diese feinen Quellchen wiricen am Belebendsten, denn weil siege- 



106 

gen den Fels die meisten Berührungspunkte haben« so föhren sie der Boden- 
krame auch eine ungleich grössere Menge unorganischer Bestandtheile zu» 

Eine ganz eigene Art von Quellen sind jene , welche unabhängig von 
der Schichtung des Gebirges vorzugsweise in den Mulden hervortreten» 
Eine Furche zieht sich dort gleichsam als Mittellinie herab, unter dersel- 
ben einigen sich alle Wasserfäden, und treten plötzlich als schöne Quelle 
vor« Der Mund dieser Gattung Quellen pflegt m'cht» wie die Ausflussöff- 
nung der übrigen zu wechseln, dieserwegen ist er auch ausgeweitet und 
ein feiner Sand deckt seine Bodenflache. 

Am deutlichsten wirkt die Schichtenabsonderung in den Kaikbergen* 
Wegen der starken Zerklüftung des Kalkes fallen die Wasser hier viel tie- 
fer, bevor sie als .Quellen zu Tage treten* — Da das Kalkgebirg dann 
auch noch überreich an hohen Wänden ist , so sind hier die Quellen einer- 
seits weit seltener als im Urfels, im Grauwaken oder im Sandsteingebir- 
ge, anderseits aber auch weit ausgiebiger. 

Ueberhaupt steht der Wasserreichthum der Quellen in umgekehrtem 
Verhältnisse zu ihrer Zahl. 

Diese Verschiedenheit des Kalkgebirges tritt mit seiner Zerklüftung 
auch am ausgeprägtesten in Krain auf. Hier sammeln sich die Seigwässer 
oft vieler Meilen Erdoberfläche in eine einzige riesige Quelle, welche dann 
viele hundert Füsse tiefer als starker Bach an das Tageslicht tritt 

Bezeichnend fftr den Kalk ist es auch, dass die vielen Rinnsale, wel- 
che allenthalben seine Hänge furchen, häufig mit Quellen in Verbindung ste- 
hen, zwar sind diese Rinnsale bei trockenem Wetter wenigstens im obe. 
ren Theile gewöhnlich ganz wasserlos; nach starken Regen, oder plötzli- 
chem Thauwetter jedoch treten darin bis oben hinauf Quellen hervor^ denn 
da dann die unteren Spalten und Becken schon mit Wasser überfiillt sind, 
so drängt sich dieses auch schon durch die Absonderungsfläche der höher ge- 
legenen Schichten durch. 

Die höchsten Alpenkämme sind der Quellenbildmig nicht günstig. Die 
viel geringere Menge des wässerigen Niederschlages, der Umstand, dass 
dieser grösstentheils als Schnee fallt, die dortige übergrosse Verdunstung 
(wegen der dünnen Luft), die geringere Massenhaftigkeit dieser Erhebun- 
gen sind hieran Schuld. 

Während, daher die höchsten Quellen in den weniger hohen Kalkal- 
pen schon bei 1000—1500, und auf den niederen Schieferzügen gar schon 
bei 500—1000 Fuss unter den Kämmen und Gipfeln erscheinen, kommen 
sie in den höchsten Bergstöcken erst bei etwa SOOO Fuss zu Tage. Die 
Seehöhe der obersten Quellen beträgt auf den letzteren 8700—8300 und 
auf den hohen Kalkstöcken 6000—6700 Fuss. 

Im Allgemeinen kommen die Quellen auf den Kalkbergen immer bedeu- 
tend tiefer unter dem Joche zum Vorschein, als in den Bergzügen der übri- 
gen Felsarten* 

Die Temperatur der Quellen bleibt in allen Jahreszeiten ziemlich gleich. 

Nach der Meereshöhe fällt sie beiläufig in folgender Reihe ; 



If7 



■ejrertöhe 

1000— sooo 
2000—3000 
3000—4000 
4000—5000 
5000-6000 
«000-7000 
7000-8000 
8000-9000 



VHUsWrge 

des 

Hauptotockei 

der Alpen. 



6-, 
6., 
5 s 



Kilkberge. 

des 

ImrdabfaUes 

der Alpen. 



1« 



9-0 
7« 
5, 



Die kälteste bisher beobachtete Quelle ist jene der Golzzeche in der 
Fleuss CKarntben). Sie liegt 8900 Fass hoch und hat eine Temperatur 
von 0.8°. ' 

Die Temperaturen dieser Tafel sind jene, mit welchen die Quellwas- 
ser gewöhnlich im Innern der Berge fliessen. Dort, wo sie an die Erdober- 
flache treten, sind sie jedoch im Sommer hauflg schon durch die letzten Ge- 
steinschichten oder durch den gegen Tag liegenden Gebirgsachutt höher er- 
wärmt worden. Es sind also die obigen Angaben gewissermassen als die 
durchschnittlich geringsten Quellentemperatnren zu betrachten« 

Bemerkenswerth ist dann noch, dass die Quellen der Thäler (bei glei- 
cher Seehöhe) gewöhnlich bedeutend kälter sind, als jene der Berghänge; 
im grossen Durchschnitte mag der Unterschied etwa einen Grad betragen* 

Die Hochberge der Alpen sind der quellenreichste Theil des Kaiser- 
reiches. Die grosse Menge des Niederschlages vermengt sich hier mit dem 
Schneefalle der Höhen und mit den Gletschern und Fernern , um die Zahl 
und besonders die Ausgiebigkeit und Ausdauer der Quellen zu begünsten. Der 
sommerliche Schneefall , die Gletscher und Ferner speisen sie im Sommer. 

So kommt es denn auch, dass jeder Weiler, fast jeder Hof seinen 
eigenen prachtvollen artesischen Brunnen hat 

Der Quellenreichthum der Hochberge vermittelt zum grossen Theil 
ihre üppige saftige Vegetazion, dieFQlle von Wald und Gras; ihm verdankt 
man es gntentheils, dass hier nie eigentliche Dfirre eintritt, ihm verdankt 
man die Möglichkeit, die meisten feldwirthschaftlichen Grundstücke un« 
schwer bewässern zu können. 

Der völlige Mangel an Quellen ist einer der vorzüglichsten Ursachen 
der erschreckenden Unfruchtbarkeit des krainerisch-istranischen Karstes, 
des hohen salzburgischen Tännengebirges. 



Die Seen. 

Die österreichischen Alpen stehen zwar rücksichtlich ihres Reichthu- 
mes an Seen gegen die Schweiz etwas zurfick; demungeachtet haben sie 



r 



Fliehe 


Tieft 


HeUen 


tau 


9.5 


sooo 


— 


1800 


1-» 


1750 


— 


1860 


— 


1550 


— 


600 


— 


600 



Oc 



210 



1«8 

deren in grosser Zahl, besonders die oberösterreichisctien Hochberge (das 
Salzkammergttt) können sich in dieser Beziehung den Schweizer Alpen im- 
merhin an die Seite stellen. 

Unter die grösseren Seen — von mehr als 200 Fass Tiefe, gehören: 



Bodensee . . . 

Lago maggiore . 

Lago di garda 

Lago di como 

Achensee . . . 

Gmundnersee . . 

Wotfgangersee - 

Hallstadtersee 

Grundelsee . . 

Kleine Seen von weniger als 100 Fuss Tiefe sind in Unzahl vorhanden. 
Die tieferen Seen sind mit Wasser erfüllte Löcher, Kessel, Spaltöff- 
nungen des Gebirges; die flachen dagegen nur seichte Ausfüllungen ge- 
wöhnlicher, aber etwas tieferer Thalbecken, sehr oft verdanken sie ihren 
Ursprung Bergstürzen und Erdbrüchen , welche mit ihren Massen das Thal 
verlegt und den Bach zum See aufgestaut haben* Derlei flache Seen bil- 
den sich noch immer neue (Lago di Allegia, Lago die Cauria) und öfter 
selbst nur auf kürzere Zeit (besonders wenn die Aufstauung von Lawinen 
oder Gletschern herrührt). 

Zu den kleineren Seen gehören jene Tümpel, welche wir manchen- 
orts in den flachen Felsbecken der Jöcher flnden. Alle diese Seen gehören 
zu den schönsten Zierden unserer Alpen, durch ihren Gegensatz von Form 
und Farbe, durch ihren Ausdruck von flüssiger Ruhe und versteinerter Be- 
wegung vollenden sie erst die Schönheit der Gebirgsgegenden. 

Ziemlich ungleich, aber überall schön ist die Färbung ihres Was- 
sers. Blaugrün bis blau und etwas milchicht erscheinen im Sommer die 
Seen, die ihre Zuflüsse hauptsächlich aus Gletscherbächen erhalten, wel- 
che ihnen beständig fein zerriebene Felstheilchen zuführen ; im Winter, wo 
die Gletscherbäche meist verschwinden, werden auch diese Seen klar und 
mehr grünlich gefärbt Dunkelblaugrün dagegen sind die meisten, deren 
Wasser nicht aus Gletschern entspringt, . oder sich bereits abgeklärt hat — 
Nur der Lago di Garda macht davon eine Ausnahme , seine Fluthen zei- 
gen fast stets das durchsichtigste Blau, 

Wo vielerlei Gewässer trübe und helle in einen See zusammenströ- 
men, entstehen allerlei Mischungen der Farben ; die unteren Theile langer 
Seen zeigen oft eine andere Färbung, als die oberen, weil auf dem Wege 
dorthin ein grosser Theil der trübenden Bestandtheile bereits zu Boden 
gefallen ist. — Der Gmundnersee z. B. ist beim Einflüsse in die Traun 
trübe, am unteren Ende jedoch klar und dunkelgrün. 



v 



Die Dunkelheit der Färboag wächst mit der WaAserdeCe; weil die 
ausflieflseoden WäMer bei weitem keioe so groMe MMwe bildee, «ind sie 
auch viel weniger tief gefärbt. 

Dieses Blaugrün ober ist die ursprüngliche uud eigenthümliche Farbe 
des Wassers, wie blau jene des Eises und der Luft ist Wo das Wasser 
anders gefärbt erscheint, ist diess allemal Folge beigemengter Theilchen 
(Felsen-» Eisen-, Humus* und sonstige organische Theilchen), des durch- 
scheinenden Bodens, oder der sich spiegelnden Berge und Himmelsräume. 

Die Temperatur der Seen fallt im Sommer mit der Tiefe, bis sie zu- 
letzt eine konstante Grösse erreicht, welche im Zusammenhange steht mit 
der Wasserdichte. Durch Auf- und Niederströmen der Wässer suchen die 
Seen ihre Temperaturen stets auszugleichen. — Daher sind die flachen 
Seen im Sommer und die tiefen im Winter wärmer. Die grossen Seen ha- 
ben im Mai noch so ziemlich die Temperatur des Winters, erst im August 
und September erreichen sie ihr Maximum von 18— St®; dagegen kühlen 
sie sich auch nur langsam ab und gefrieren im Winter, wo flache Seen 
ganz mit Eis überzogen sind, häufig gar nicht , oder behalten wenigstens 
die tiefste Mitte eisfrei. 

Die grossen Schutt- und Erdmassen , welche die Wildbäche fort und 
fort in die Alpenseen fuhren, füllen deren Becken immer mehr aus. Für die 
Spanne unserer Zeitrechnung ist diese Ausfüllung jedoch nur bei den klei- 
nen Seen mit sehr flachen Ufern von Bedeutung. Hier tritt das Wasser 
am Einflüsse der Bäche alljährlich merkbar zurück. 

Die Seen sind von Bedeutung für die Volkswirthschaft der Alpenlän- 
der und für den Forstbetrieb* 

Sie vermitteln eine leichte Verbindung, sei es zu Schiffe, sei es (auf 
den gefrierenden Seen) zu Fuss oder zu Schlitten; sie beherbergen eine 
grosse Menge schmackhafter Fische, und. werden in dieser Beziehung be- 
sonders dort von Bedeutung, wo ununterbrochene Holztrift der Fischbesa- 
tzung der Bäche sehr nachtheilig wird. 

Vielenorts werden die Seen mit besonderem Vortheile zur Holz- 
schwemme benützt. Man sammelt das Holz in Rahmen (durch Wieden^ 
Stricke oder Ketten verbundene Stangen) und zieht dieselben dann mittelst 
Pferdekraft (Hallstädter See) oder Ruderern über den S^e , oder überlässt 
deren Weitertreibung den regelmässigen Seewinden (Lago di AUhe). 

56 
WildbSche und StrOme und ihre Wirkungen. 

Die Oberflächenform der Alpen hat eine Unzahl von Bächen und Strö^ 
men hervorgerufen und der äusserst starke atmosfarische Niederschlag 
macht sie sehr wasserreich. 

Darum auch eine überschwengliche Fülle von industrieller und land- 
wirthschafUicher Wasserkraft, die fast jeden grösseren Hof in den Stand 
setzt, seine eigene Mahl- und Sägemühle au haben. 



f 



110 

Die g^roMen Flüsse sind an ihrem Anfange durch nichts von den ge- 
wöhnlichen Bächen verschieden« Erst in ihrem weiteren Verlaufe treten 
sie durch ihre ununterbrochen wachsende Wassermasse immer entschiede- 
ner vor. — Die Starke eines Gewässers steht im Allgemeinen in genauem 
Verhältnisse zur Ausdehnung seines Thaigebiethes. Dieserwegen fliessen 
auch in den Rinnsalen der Hanptthäler die grössten Ströme; desswegen 
sind auch die Wässer der Rinnsale des Kalkgebirges (ausser der Hoch- 
wasserzeit) auffallend kleiner. 

Die regelmässige Stärkeschwanknng der Grewässer geht in den Alpen 
gewöhnlich einen ganz andern Gang wie in den umgebenden Flachländern. 

In den nordwestlichen Flachländern des Kaiserreiches z. B. haben die 
FlQsse gewöhnlich im September ihre geringste Höhe (bestimmt durch das 
dortige Vorherrschen der Sommer über die Herbstregen); von hier steigt 
sie sehr regelmässig bis zum Maximum im Frühjahre, welches mit dem all« 
gemeinen Abschmelzen des Winterschnees zusammenfallt 

In den Alpen aber haben jene Ströme, welche einen guten Theil ih- 
rer Zuflüsse den Gletschern und Fernern verdanken, zur Zeit des reichli- 
chen Abschmelzens dieser, d. i. im Sommer ein zweites Maximum; und 
das Jahresminimum rückt in den Oktober hinaus. 

Jene Hochalpenbäche, welche ihre grösste Wassermasse den (Glet- 
schern verdanken, haben zur Frühlingsthanzeit gleich den anderen ihr Ma- 
ximum* Sobald aber ihr Gebiet schneefrei geworden ist, tritt alsbald eine 
Ebbe ein , die mit dem Steigen der Wärme im Juni und Juli rasch ver- 
schwindet. Da aber die Gletscher und Ferner sich nur allmälich entleeren, 
so fallen diese Bäche nur nach und nach, und erst im Winter, nachdem die 
Temperatur schon mehrere Monathe unter gestanden ist, tritt das Mi- 
nimum ein. Zu dieser Zeit ist dann der Bach nur mehr auf das Ergebniss 
der wenigen Quellen beschränkt. 

Einen ähnlichen Gang hat die regelmässige Stärkeschwankung der 
Flüsse und Bäche in den südlichen Kalk-Hochbergen. Hier vertritt der 
Lawinenfirn der zahlreichen Schluchten die Gletscher des Hauptalpensto- 
ckes, ohne aber je ihre Wirkung ganz erreichen zu können; das grössere 
oder geringere Ueberwiegen der Herbstregen jedoch lässt in dieser Jah« 
reszeit kein Sinken des Wasserstandes eintreten. 

In den niederen südlichen Kalkbergen folgt auf das Frühlingsmaximum 
eine den ganzen Sommer dauernde Ebbe, die Herbstregen bringen den Was- 
serstand wieder zum Steigen, und beim Hartfroste tritt endlich das Mini- 
mum ein. 

Dieser verschiedene (regelmässige) Gang des Wasserstandes der Bä- 
che und Ströme ist — insoferne man nicht mit Hochwässern schwemmen 
will — von sehr grosser Bedeutung für die Holztrift, er bestimmt erstens 
den Zeitpunkt der Trift, und nimmt zweitens Einfluss auf die Stärke, wel- 
che «man dem Holze (bei der Benützung dieser oder jener Triftzeit) geben 
kann und soll. — Er ist auch von Bedeutung für die Flössung. Aber noch 



\1 



111 

weit auffallender unterAcheiden sich die Aipengewasaer durch das Ueber- 
maas ihrer plötzlichen Anschwellungen» 

Schon in den Absätzen 31 und SS ist von den ungeheuren Wassermas- 
sen gesprochen worden , welche in den Alpen bei starken Gewitter- oder 
bei langdauernden Landregen plötzlich in allen Gerinnen zusammenlaufen ; 
jeder Bach wird dann zum wfithenden Strom, jedes sonst ganz trockene 
Rinnsal zum tosenden Bach. 

Dieser plötzlichen und fast immer auch Terheerenden Anschwellungen 
wegen heisst man auch die Alpenbäche und Flüsse: Giessb&che, oder noch 
bezeichnender: Wildbache und Wildströme. 

Dieser plötzlichen und ungeheuren Anschwellungen wegen brauchen 
auch alle Alpengewässer (besonders in den Kalkbergen und hier wieder 
namentlich in den südlichen ^ steilen und minder bewaldeten) ebenso unge- 
heure Betten, entziehen also der Bodenkultur einen grossen Theil gerade 
des besten Grundes; sie verlangen kolossale Brücken, Rechen und Ufer- 
bauten ; und weil die Anschwellungen öfter sogar das vorausgesetzte Ma- 
ximum übersteigen, so sind selbst diese kolossalen Bauten nicht immer vor 
der Zerstörung sicher. Jede Ueberschwemmung, jede Zerstörung fällt hier 
auch weit gewichtiger aus. 

In den südlichen Alpen haben die grösser,en Ströme Betten von meh- 
reren hundert Klaftern Breite, und füllen sie bei Hochwässern auch voll- 
ständig aus, obgleich sie zur trockenen Sommerszeit oder bei Hartfrost oft 
nur 12 — 30 Klafter breit sind, und an vielen Stellen durchwatet werden 
können. 

Diese grossartigen Anschwellmigen machen oft auch die Errichtung 
ständiger Brücken und Rechen unmöglich oder wenigstens viel zu kostbar, 
und zwingen derlei Bauten leicht und beweglich herzustellen, damit ihre 
Zerstörung weniger ins Gewicht fallt, oder damit die Baute nach gemach- 
tem Gebrauche sogleich entfernt werden kann. — Darum baut man in den 
italienischen Alpen die beweglichen Bockrechen (welche nach vollendeter 
Schwemme wieder aus dem Wasser genommen werden) oder Rechenwer- 
ke, welche an Pfeilern angelehnt sind , die man aus stein-, oder schuttge- 
füllten Körben herstellt. 

Diese plötzlichen Hochwässer sind den Schwemmen in den südlichen 
Hochbergen äusserst nachtheilig. Denn gewöhnlieh sind dort Trift, Re- 
chen und alle Ufer- und Schwemmbauten nur auf die gewöhnlichen Wässer 
berechnet Fährt nun plötzlich rin Hochwasser in die Schwemme, so wer- 
den diese Bauten nur zu oft weggerissen und die Hölzer verschwemmt. 
Oder bleibt auch der Rechen stehen, so tragen doch die schwimmenden 
Hölzer sehr viel bei zur Zerstörung der Ufer oder der überflutheten Ge- 
lände. Das Triftholz selbst vergrössert dann auch gewichtig die Zerstörun- 
gen; denn es häuft sich in den Bach- oder Stromengen oder an den Brücken 
und Mühlen zusammen^ staut die Fluthen örtlich auf, und wirkt dann beim 
plötzlichen Auseinandergehen der Anhäufung um so verderblicher. 



It* 

Sehr un^ÜDSti^ werden die Hochwässer endlich der Trift durch das 
Austragen und Anlegen der Hölzer. Mit ungewöhnlichen Kosten müssen 
diese nach dem Verrinnen des Hochwassers durch die weitesten Strecken 
in den gewöhnlichen Wasserfaden getragen, gewälzt oder geführt wer- 
den. In den übrigen Alpengruppen sind zwar alle diese Nachtheile der 
Hochwässer minder gross, aber immer noch weit grösser, als in den Flach- 
ländern. 

Die Hochwässer sind aber nach Umständen auch von Nutzen für 
den Forstbetrieb. In den Alpen und besonders in den südlichen Kalkbergeu 
finden sich gar manche Thäler, aus welchen das Holz auf den gewöhnlichen 
Wässern gar nicht geschwemmt werden könnte ; sei es, weil diese an und 
für sich zu klein sind, sei es, weil sie stellenweise abreissen (Krain), sei 
es endlich, weil das Strombett viel zu klippig und blockig ist Ofl wurde 
selbst eine Klause nichts helfen. — Hier nun benützt man mit vollem Er- 
folge die Hochwässer, ihre Wirkung manchmal auch noch durch Klausung 
verstärkend. Eine Nachtrift ist hier entweder gar nicht zulässig, oder 
beschränkt sich nur auf Wenig, daher man diese Triftweise ganz passend 
die wilde Schwemme heisst« 

Der Abfall der fliessenden Alpengewässer ist durchschnittlich gleich 
jenem der Thäler (Ab. 5.) 

Die Geschwindigkeit ihres Laufes steht aber nichts weniger als in 
geradem Verhältnisse zur Neigung ihres Bettes. 

Gerade an ihrem Beginne, wo also das Bett am steilsten ist, beträgt 
ihre Geschwindigkeit als einzelne Quelle nur 1 — 3 und als ganz kleiner 
Bach 3 — 5 Fuss (auf die Sekunde.) Erst weiter Unten, wo die Was- 
sermassen grösser werden und daher der Einfluss der Reibung am rau- 
hen Bachbette mehr zurücktritt, wächst die Geschwindigkeit, und beträgt 
dann 3 — 11 Fuss. 

Die Alpenbäche sind weder am Anfange noch am Ende am schnell- 
sten; am Anfange nicht wegen der Geringingigkeit ihrer Wässer, am En- 
de nicht wegen der geringen Neigung der Flussbettsohle. 

Die Geschwindigkeit wechselt auf den einzelnen Punkten sehr, als 
Maximum der Geschwindigkeit — in Stromengen oder an der Einmündung 
der Nebenflüsse — kann man 7 — 11 Fuss betrachten. 

Auffallend schnell fliessen die Bäche auf der Oberfläche der Gletscher; 
ihre unglaubliche Gesch>vindigkeit von 6 — SS Fuss verdanken sie offenbar 
der Glätte ihres Bettes. 

Das Alpengewässer fliesst also viel schneller , als jenes im Flachlande 
(0.4 — 6 Fuss); wenn gleich seine Schnelligkeit der geringeren Wasser- 
menge und der grossen Rauhigkeit der Betten wegen bei gewöhnlichem 
Wasserstande nicht gar so gross ist, als man nach ihrem starken Falle 
vermuthen könnte. 

Ganz anders gestaltet sich die Geschwindigkeit bei Hochwässern. 
Anschwellungen vermehren die Geschwindigkeit in den Stromengen zwar 
öfter bis auf das Doppelte oder Dreifache, dort aber, wo sich die Fluthen 



V 



113 

aiwbreiten — und das ist in den Thalbecken fast überall der Fall — vermin- 
dert sich die durchschnittliche GreschVrihdi^kelt in dem Masse, als 
die AusbreStungp ^sser wird, flahi^r kMimt ei» Mth, dass die un^eh^uren 
Wassei^mMsen pMtrilch entstandener Hochwässer im Durchschnitte lang-er 
SirlftCken und als Ganges g^enommen oJFt viel lang'saMer weiterfliessen , als 
X. B. ein in die mittlere Stromlinie geworfenes' Hblsscheit bed gew(^hnlichem 
WaMcrrstamle. 

Schon bei gewöhnlichem Wasserstande vei^mdgenr die Alpenbäche we^ 
nigirtens im Bereiche ihrer 8fr6michii/ellen den in ihrem Grande liegenden 
Schutt zo bewegen; ihre Kraft wächst jedoch in dieser Richtung unge- 
hencfr bei Hochwassern , sie bewegen dann nicht nur Schutt und Steine , 
sondern selbst Blocke toiv 100— SM Kubikfussen. 

Hiebe! ist der Wechsel von Becken und Thaleng^n von wesentlichem 
BittflttHse. In den Fugen beladen sieh die Fluriien stets von Neuem mit 
Sand und GeröUe« welche sich dann in der darauflbigenden Beckenauswei- 
tung wieder ablagern. Bs werden auf dies« Weise bei jedem Hochwasser 
ungeheure Gesteinmassen bewegt Jedoch gelangen die Geschiebe dilrch« 
aus nicht gleich von der Ausbruchstelle bis zum untei^n Ende des Tha- 
h$s; Meztt Bedarf es ein^r unzähligen Wiederholung des Anstosses und 
gewöhnlich mehrmaliger Hochwasser.- Girosse Blöcke werden währepd Bin 
und derfeielben Anschwellung oft kaum um 1 — 9 Scindie weiter bewegt. 
Nur Erdtd und Sand — kurz jene Theile, welche sich schwebend im Was- 
ser zu erhalten' verm^Vgefn, werden schon beitfv ersten Ailstoisse ausseror- 
dentlich weit gefUirt, der Sand auf viele Meilen^ der feine Letten sogar 
bis'inä Meer. 

Wässer« welches man bei starken Amchw«lhingen von der Oberflä- 
che der FhKhen schöpft , enthält nicht nur eine grosse Mtenge jener feitaen 
Brde» welche die Ströme dann völlig kothig farbC^ sondern auch viele 
Sandkörner. Kleiniftren' Steinschutt kühn man mehr als klafterboeh, gröitee- 
ren Schutt 2 — 9 Fuss' hoch ober der Flusrfilittsohle aus dem Strome 
schöpfen. 

DKs Gedröhne, das donnerähnliche Getöse der wflthenden Hochwas- 
sisMllMhenft rihrt gi'osifentheils auch von den Steinen her, welche sie im 
Olhltfd^ deü iMrömes bewegen. Ddbei entsteht eiiie-so naassenhafte Rei- 
bung» dass ih den! sOdlt(5hfcii' Alpen die Atmosftre jenc^ Thäler, deren Kalk- 
ffe^lkiit etWtt» bituminös ist, zur Zeit besonders grosser Hochwässer so 
siilfallend MtuminOs riecht, als wehn man vor unserer Nase lauter Stink- 
stehir« anellMider riebe. 

Durch diese gewaltige Reibung werden die bewegten Massen auüs 
Ncfue zertrftmmert mid t^rkleinert. 

Die mit Sand und Schutt beladenen Fluthen wirken auch auf die 
Sohle des Strombettes und insbesondere auf die Ufer weit nagender und 
zertrümmernder, als es das reine Wasser vermöchte; ein weiterer Grund, 
wesswegen die Anschwellungen der Hochgebirg-swässw viel zerstörender 
sind, als jene der Flachlandsströme. 

8 



7 



114 

Die Bewegung der Schutt- und SteinmaMen bedingt ein gevn($BeB 
Reiasen^ einen gewissen Fall der Wasser; in dem Masse also, in welchem 
das Gefall der Ströme abnimmt, in demselben Masse senken sich die bis- 
her in Schwebe gewesenen festen Bestandtbeile wieder zu Boden, und 
bleiben dort liegen; zuerst die grössten und schwersten, dann -die leichte- 
ren und 80 fort bis zum Letten. 

In Folge dessen erhöhen sich auch die Strombette fortwährend überall, 
wo sich auf sehr lange Strecken «ieren Gefall vermindert oder deren Bett 
ausweitet; also besonders dort, wo die SeitenthllBr in jene niederer Ord- 
nung oder in die Hauptthaler ausmünden, oder wo diese in die Ebene hin- 
austreten. Diess ist eine äusserst nachtheilige Eigenthiimlichkeit der Hoch- 
gebirgswässer, denn sobald die Erhöhung auf einen gewissen Punkt ge- 
langt }st, vermag das Bett die angeschwollenen Wasser nicht mehr zu 
fassen, diese fliessen über und überschwemme^) und verwüsten die um- 
liegenden Thalgelände. Die verhältnissmässige Schnelligkeit, mit welcher 
diese Erhöhung in den Hochbergen statthat, vermehrt noch sehr bedeu- 
tend diesen Nachtheil. 

Die Sohlen der Seiteubäche liegen darum bei ihrem Einflüsse in die 
Hauptströme häuflg schon im gleichen Horizonte mit den Hausdächern 
oder Kirchthürmen der Ortschaften des Hauptthales. Aehnliches hat dort 
statt, wo die Hauptströme in die Ebene gelangen. Will man nun die tie- 
feren Gelände vor Überschwemmung, Verschüttnng und Zer0törung be- 
wahren, so bleibt nichts übrig, als die Seitenwände der Flüsse durch 
künstliche Dämme fort und fort zu erhöhen. — Das ist nun wieder aus- 
serordeiitlich kostspielig, und hat auch seine Grenzen^ denn weil der Grund 
eines Dammes (soll er dem ungeheuren Wasserdrucke mit Erfolg wider- 
stehen) rficksichtlich seiner Breite und Festigkeit der Dammhöhe entspre- 
chen muss, so werden die fort und fort erhöhten Dämme endlich zu 
schwach, und es entstehen die gewaltigsten Dammbrüche. 

Die Erhöhung der Strombette mit all ihrem Gefolge geht im Allge- 
meinen am raschesten im Südabfalle der Alpen vor sich ; daher denn dort 
die grössten Zerstörungen dieser Art statthaben, und die meisten bedeu- 
tenden Ströme auf lange Strecken und bis weit in die Ebene hinab mit 
ungeheuren Dämmen bezwungen werden müssen, deren Anlage, Erhöhung 
und Einhaltung jährlich mehrere Millionen von Gulden kostet 

Die Folgen der Dammbrüche sind gewaltig. Eine einfache Über- 
schwemmung ist der geringste Nachtheil, denn sie vereitelt in der Regel 
nur die Ernte eines Jahres, beschädigt die Gebäude und vertreibt daraus 
die Bewohner. Gewöhnlich aber lassen die austretenden Wässer auch 
sehr bedeutende Massen von Schutt und Sand zurück ; die dann mit gros- 
sen Kosten entweder wieder weggeräumt oder urbar gemacht werden 
müssen. Oft reissen aber auch die austretenden Wässer tief in das Ge- 
lände ein, tragen Wies und Feld ab, bringen Häuser und Mühlen, Brücken 
und Strassen zum Einstürze^ und kosten gar oft auch mehrere Menschen- 
leben. 



115 

Wo Bäche uiid Ströme regelmässig Ufer oder Damm überfluthen, 
▼ersumpfen sie auch (durch die zurückbleibenden Wässer) die Gelände, 
machen diese untauglich für die bessere Kultur und vergiften die Atmos* 
fare. Auf diese Weise sind gar manche Thäler/die vermöge Boden und 
allgemeinem Klima die schönsten Gefilde des Landes sein könnten, saure 
schlechte Wiese oder fieberathmender Sumpf geworden (lombardisches 
Addathal im Daltellin mit seiner malaria, Etschthal zwischen Bozen und 
Trienl mit seinen Fiebern und unzählige andere Thäler). Oft aber ent- 
stehen derlei Versumpfungen durch das einfache seitliche Durchsickern 
der hoch über die angrenzenden Fluren fliessenden Bachwässer. 

In den meisten Seitenthälern würde die Eindämmung der Wildbäche 
häufig zu kostspielig sein, oder wenigstens übersteigen die Kosten die 
beschränkten Greldkräfte der einzelnen Besitzer oder der Gemeinden ; oder 
diese können nicht einig werden über eine gemeinschaftlich zu fuhrende 
Baute; oder sehen deren wirklichen Nutzen nicht gehörig ein. Hier lässt 
man nun die Hochfluthen walten. Sie überschwemmen dann von Zeit zu 
Zeit (häufig in Perioden von S0--50 Jahren) die Fluren, reissen einen 
Tbeil ein und verschütten den anderen. Kaum sind die Wässer verron- 
nen, so beginnt man unverdrossen das mühsame Werk der Beurbarung 
der zurückgelassenen Schuttflächen. Ist der Schutt reich m\ guter krüm- 
licher Erde, so räumt man bloss die grösseren Steine ab und das Feld 
ist fertig; bleibt es auch durch längere Zeit minder ertragreich, so wird 
es zuletzt doch so fruchtbar, als das begrabene. Ist der aufgetragene 
Schutt aber sehr unfruchtbar (Kalkschutt), dann wohl ist die Beurbarung 
ein Riesenwerk. Man gräbt nämlich die alte Dammerdeschicht aus, bringt 
diese an die Oberfläche und Schutt und Steine in die Tiefe. Aufs Flei- 
ssigste zwingt man öfters auch das Wasser selber zum Mithelfen; man 
zieht es nämlich mittels Gräben in eigens angelegte Vertiefungen, damit 
ea hier (bei Hochwässern) seinen Schlamm absetze. Ganz unfruchtbar 
gemachte Flächen bringt man manchmal ausschliesslich durch Erzwingung 
der Sehlammablagerung in Kultur, zu welchem Behufe die Fläche mit 
tiefen Quergräben durchzogen wird. 

Oefter sind aber auch die übergrossen Anschwellungen der Wässer, 
deren Betterhöhung und Ueberfluthung sammt allen darangeknüpften Nach- 
thmlen nicht Folge des plötzlich abnehmenden Gefälles, sondern vielmehr 
der fast senkrechten Einmündung eines Seitenbaches, dessen Wässer 
daim den Hauptstrom aufstauen und zum Ueberfluthen und Fallenlassen 
des Schuttes zwingen. 

Ein grosser Nachtheil der Wildströme ist auch der oft bei jedem 
Hochwasser eintretende Wechsel ihres Hauptrinnsales« Jeder Felsblock, 
irgend ein sich festlegender Baumstock oder einige Holzstücke genügen, 
um in weiten Betten die Stromrichtung und mit ihr die ganze Gestalt des 
Flassbettes völlig zu ändern. Viele kostspielige Uferversicherungen wer- 
den dann von hinten angegriffen, unterwaschen und abgerissen, oder 
trocken gelegt , und für die Folge unnütz gemacht. 

8* 



116 

B^gpabsturze und Erdabsitzun^en verraebren auf doppeke Weise die 
Wnik und Zerstörusgfsluraft der Wildströme, ind«« sie diese aufstauen und 
ibren Schuttg'ehalt verm^bren« 

Aach die BanrnsiÖcke und das auf dea Schlagen sehr efk zarickblei- 
bende Abholn ^ dami das Lagerbola det aberatiadigen Wälder, tragen gar 
oti Manches bei , um die Wildstoöme zerstörender zu inadien% Denn so- 
bald sie la den Strom hinabgelangm — und das geschieht gar oft — ver- 
meluren sie nicht nur durch ihre Masse dessen einreissende Kraft, sondern 
veranlassen in den Stromengeii nieht selten aufstauende Verklemoiungen. 

Der Hauptgrund jedoch ^ warum in neuerer Zeit, vorzöglich im Sfid- 
abfalle der Alpen ^ die Hochwasser an Häufigkeit und Wuth alh^friheren 
Grenzen weit überbtetben , liegt zweifelsohne in der steigenden- und bis 
ins. ¥Öllig Unverantwortliche getriebenen Entwaldung der BergJräng«. Die 
Erklärung der Thatsache ist im Abschnitte 39 gegeben worden. 

Nichts bewmt schlagender, wie wenig die grosse Aufgabe der HooIh 
gebirgswälder im Haushalte der Natur und der Völker bis jetst noch erkannt 
worden ist, als eben die grossartigen Vorgänge im österiieichisdien Italien* 
Hätte man nur den dreissigsten, ja seibat nur den funfz^sten Theil jener 
unbeirechenbaren AGIlionen, welche man in neuerer Zeit auf Damm- and 
Uferschntzwerke und auf Verwischung der durch die Hochwasser ange«* 
stellten Verwüstungen ausgegeben, hätte ma» nur den fünfzigsten Tbril 
dieser ungeheueren. Snmmen auf die Erhaltung der Wälder der Hochge- 
birge verwendet, aus welcben die dortigen Ströme ihre Wässer empfangen, 
so wurde man damit znm Allerwenigsten die HaMbscheid der erstgenannten 
Millionen erspart, tausende von Jochen Feld der Kultur, Hunderte von Ge- 
bäuden der Volkswirthschaft erhalten haben, und man besässe in den wohi- 
gepflegten Wäldern überdiess noch einen Sehatz von kaum berechenbarem 
Werthe. 

Aber statt mit einigen Tausenden das Uebel an der Warael zu beben, 
zieht man es vor, hunderttausende auf Dämme zu verstnmpeni, die zwar 
filr eim'ge Zeit das Uebel hintanhalten, aber nie völlig zu helfen vermögen« 

All die Erscheinungen, welche die Hochwässer begleiten, sind von 
bedeutendem Einflüsse auch auf den F<Hrstbe trieb. Der grösste Theil« dieser 
Einflüsse ist schon angedeutet worden« 

Zu erwähnen bleibt nur noch das Versanden der Rechen und Klaaaen 
und die Verschüttung der Schwemmhölzer. 

Es ist ganz natürlich, dass sowohl die Klans- als awehdie Beoben-» 
höfe in allen Wildbächen, welche viel Schutt fuhren, nach und nach versaii- 
de;t werden müssen, denn beide Bauwerke hemmen den Zog der Wässer 
und zwingen dadurch einen Theil des schwebenden Schuttes zum Nieder* 
sinken und Dableiben. Man sucht zwar , und gewöhnlich mit sehr viel Er- 
folg*, dadurch vorzubeugen, dass man die Klausen mit einem oder zweien 
ganz zur Sohle reichenden Thoren für den Abflnss der gewöhulidien Wäs- 
ser zur Zeit der Nichtschwemme versieht, und dass man die Rechen nach 
vollendeter Schwemme holzfrei macht und ausspindelt, wo dann die Hoch«* 



wasser wieder einen guten Theil des Schutte« wegfahren ; aber diese Mit- 
tel helfen nicht überall vollständig und dann machen auch diese Thore die 
Klausen etwas kostspieliger, und die Auspindiung des Rechens kann oft 
nicht lange genug dauern. Viele dieser Gebäude sind endlich gar nicht 
darnach eingerichtet, und so kommt es denn , dass die Höfe gar mancher 
Klausen immer kleiner, und die Felder gar manches Rechens immer höher 
werden. 

In Bachstrecken, welche in kleinen Schutt ausgewaschen sind, wird 
auch bei Hochwassern viel Holz verschüttet und a«lf Stellen, reich an 
grossen Blöcken, gpir manches unwiederbringlich verzwängt 

Aber auch die Trift selbst hat einen Einflnss auf die Thaten der Wild- 
strome und in der Regel durchaus keinen günstigen. 

Das schwimmende Holz vermehrt die einreissende und nagende Kraft 
des Wasisers um ein sehr Bedeuteitdes, es trägt wesentlich dazu bei, den 
im Grunde des Bettes liegenden Schutt in Bewegung zu bringen, es ver- 
ursacht in den Stromehgen aufstauende Zerklemmungen. Diese Nach- 
theile sind zwar kaum nennenswerth , rücksichtlich des kleinen Schnitthol- 
zes, werden aber bedeutender beim Klotzholze und wachsen überhaupt mit 
der Schwere und Länge der Holzstücke. Hochwässer und der Gebrauch 
der Klauiren , besonders der vollen , steigern noch alle diese Nachtheile* 

Auf allen jenen Wildbächen daher, auf welchen die leeren Hoch Wäs- 
ser bedeutend zu schädigen pflegen, vermehrt die Holztrift unstreitig die 
Schäden. 

In dieser Rücksicht wäre es hier und da wohl ilehr wAnschenswerth, 
wenn die Hoteschwemme mit einer anderen Bringungsweise vertauscht 
werden könnte. Diess ist aber leider nur selten möglich; denn der Land- 
Iransport bedingt 'Strassen, deinen Kosten in den österreichischen Hoch- 
bergen gewöhnlich in argem Missverhältnisse zu dem noch sehr niedern 
Holzwerthe stehen, und nur zu oft steht deren Bau auch die Zersplitterung 
des Waldbesitzes entgegen. Denn wo ein grosser zusammenhängender 
Forst die Kosten einer aiizolegenden Strasse noch decken würde, ist das 
durchaus nicht der Fall bei kleinem Waldbesitze. Und dann kommt auch 
hier derlei Strassenanlagen , und wären sie auch noch bo nützlich, noch 
nicht die Wohltbat der El^propriation zu Guten. 

Sobald eine Quelle aus dem Boden tritt, erwärmt sie sich alsbald und 
um so schneller, als der Wasserfaden dünner ist. Kleine Quellen, welche 
durch besonnten Sand oder Gerolle sickern^ haben sich schon bei ihrem 
zu Tagetreten um einige Grade erwärmt. Andere und Grössere thun das 
wenigstens, nachdem sie eine Strecke im Freien geflossen sind. 

Bäche von 6000 — 7000 Fuss Söehöhe erwärmen sich an sonnigen 
Sommertagen öfter auf 18 — tO^. 

Am klarsten stellt sich die Temperatarzunahme der fliessenden Wäs- 
ser bei Gletscherbächen heraus; diese kommen gewöhnlich mit 0.2 — I.q 
aus den Eisthoren, und, nachdem sie einige tausend Klafterri geflossen sind, 
hat sich ihre Wärme schon auf 5 — 10^ erhöht. 



«8 

Die Wildbäche überhaupt haben im Sommer gewöhnlich eine Tempe* 
ratur von 8 — 20 Graden ; die Ströme hing^eg*en von 10 — 20 Graden. 

Kühle mid trübe Tage» Beschattung^ » starker Regien oder Schneefall, 
zahlreicher Zufluss aus den Gletschern, oder aus sehr hoch g^elegenen Quel- 
len » und geringe Bodenwärme wirken erniedrigend, die entgegengesetsten 
Umstände erhöhend auf die Temperatur der fliessenden Wässer. 

Die Wärme der fliessenden Wässer ist von gewichtigem Einflüsse auf 
den Pflanzenwuchs der damit bewässerten Scholle. 

Den kräftigsten Beweis hiefur liefern die Bodenflächen unterhalb der 
Gletscherenden. Sie mögen noch so eben und humusreich sein, so bleiben 
sie doch fast ganz vegetazionslos, während die trockenen Abhänge gleicher 
Höhe reichlich bewachsen sind. Der Grund liegt in der Kälte der vom Glet- 
scher herabrieselnden Wässer (welche bloss i — 3^ Wärme haben«) 

Der grosse Einfluss der Wasserwärme auf die Zuträglichkeit der 
Wiesenbewässeruug ist allenthalben bekannt. Sehr kalte Quellen oder 
Bäche köimen oft hiefur gar nicht benützt werden, insofern es nicht 
etwa gelänge, sie durch vorausgehende Umherleitung in die Nachbar- 
schaft, oder dadurch wärmer zu machen, dass man das Wasser vorerst in 
einem eigens dazu angelegten Becken sich erwärmen lässt. 

Abgesehen von den trübenden Bestandtheilen , welche sich in der 
Schwebe erhalten, enthalten die Alpengewässer gar nicht unbedeutende 
chemische Auflösungen , welche zwischen O.007 und O.070 Gewichtspro- 
zente betragen. 

Die an Auflösungen reichsten Wässer sind jene^ welche aus dem 
Kalke fliessen; sie lösen durch Vermittlung ihres Kohlensäuregehaltes be- 
deutende Mengen desselben (0^^ — O.070 Prozente) auf, so dass ihr Rück- 
stand nach völliger Verdampfung beiläufig zu Vs ^^^ kohlensaurem 
Kalke, zu V« aus Kieselsäure, und % aus kohlensaurer Bittererde 
besteht. — Wenn sie besonders reich an Kalk sind, so setzen sie 
Cwegen Verflüchtigung der Kohlensäure) einen Theil ihrer Auflösung 
auf die Gegenstände ab , über welche sie fliessen , veranlassen die Entste- 
hung der Kalktuffe, und inkrustiren nicht selten die lebenden Baumwurzeln 
zum grossen Nachtli^ite der dazu gehörigen Stämme. Solche Wässer sind 
minder brauchbar zur Wiesenbewässerung, und nachtheilig für den Wald- 
wuchs. Wo sie über Gestein fliessen, überziehen sie dieses häufig mit 
einer weisslichen Kruste , wodurch das Wasser selbst ein milchiges An- 
sehen bekommt 

Wässer y welche in thonigen Gesteinen fliessen^ haben nicht nur 
geringere Auflösungen^ sondern deren Bestandtheile sind auch wenigstens 
in .ihrem Mischungsverhältnisse verschieden. Ihr Kalkgehalt beträgt etwa 
nur V8 9 der Bittererdegehalt ist kaum merkbar , der Kieselerdegehalt zwar 
ziemlich gleich, dagegen der Gehalt an Eisenoxid oft % ""<! mehr des Ganzen. 
Die Grösse und die chemische Verschiedenheit der in den Alpenwäs- 
sern enthaltenen Bestandtheile ist sicher von nicht unerheblichem Einflüsse 
auf den Pflanzenwuchs. 



11» 

Die Glet«cherwässer sind die ailerarmsteo an Auflösung^en. 

Ich komme nochmals auf die nagende Kraft der fliessenden Wässer 
xurfick» \irelche« unterstützt auch von der AuHösungsfahig'keity in kurzen 
Zeitabschnitten zwar nur ganz unmerkliche , in den Zeiträumen der geolo- 
gischen Epochen jedoch erstaunliche Veränderungen in den Gesteinsober- 
flächen hervorgebracht hat 

Die nagende Kraft verdanken die Alpengewässer fast ausschliesslich 
den festen Bestandtheilen, welche sie in der Schwebe erhalten« und welche 
mit der Geschwindigkeit der Wassersäule , in welcher sie sich befinden, 
reibend auf all das wirken^ was ihnen begegnet Um da die Wirkung 
selbst des blossen feinen Sandes nicht zu unterschätzen» wolle man berück- 
sichtigen , dass das Wasser am Grunde der Ströme stellenweise kleine 
Wasserfälle bildet und daselbst also sammt dem mitgeßihrten Sande oder 
grösseren Gesteine für kurze Augenblicke eine ungemein grosse Kraft 
erlangt» welche jene weit ubertrifit» die der mittleren Geschwindigkeit des 
Stromes entspricht 

Die nagende Kraft der Wässer hat allenthalben auf der Gesteinsober- 
fläche ihre deutlichen Spuren zurückgelassen. 

Im Kalke» wo sich mit der Gewalt des Stosses auch noch die auflö- 
sende Kraft des kohlensäurehaltigen Wassers vereinigt» sind deren Wir- 
kungen am kräftigsten und mannigfaltigsten. — Ganz kleine Bäche» welche 
über stark geneigte Hänge herabrieseln » haben sich oft so tief eingeschnit- 
ten» das es zuweilen schwer ist» den Wasserfaden zwischen den bemoosten 
Blöcken zu erkennen. Es entstehen dann lange rundliche Rinnen» weite 
schalenfSmuge Becken. 

Bäche und Ströme haben sich im Laufe der Jahrtausende selbst 
40 — 80 Fuss tief in den festen Fels eingeschnitten ; Wasserfälle haben 
sich tiefe und weite Becken ausgerieben. 

Die nagende» verbunden mit der auflösenden Kraft der Alpengewässer 
ist auch der vorzüglichste Grund der kesseiförmigen Oberflächenform vieler 
kreideartigen Kalkgebirge und besonders des krainerischen Karstes« 

Der Karst ist ein Meer von Stein» Felsen und kesseiförmigen Erd- 
iällen. Kein Quell » kein Bach » kein eigentliches Thal unterbricht diese 
Einöde» deren Vegetaziou die dürftigste einer wasserleeren Hochebene ist 
Nur in den vielen trichterförmigen Vertiefungen des Bodens» welche sich 
zuweilen bis 100 und mehr Fuss tief einsenken » bemerkt man einige küm- 
merliche Sträucher und Bäume» die hier das nöthige Wasser vor seinem 
Versinken zu erhaschen suchen. 

Die Tausende von Erdfällen der verschiedensten Weite und Tiefe 
erscheinen beim ersten Ueberblick ganz unregehnässig vertheilt; achtet 
man aber genauer auf ihre gegenseitige Lage» so findet sich» dass sie eini- 
germasserl in gekrümmten Linien aneinandergereiht sind» die sich mehr- 
fach verzweigen» und steigt man in die tiefsten derselben hinab» so kann 
man zuweilen unter sieh das Rauschen fliessenden Wassers vernehmen. In 
der That» sie scheinen hier ganz gewöhnlich den Lauf unterirdischer Bäche 



] 



1?0 

und Flüsse zu besseichnen^ die denn auch wirklich bie und da am absin- 
kendei^ F^ipd^ düe^er grqf^efi If^alkebene ifaraya hervprtrete«. ßsas es 
so fliej, ist in fixGßßv Qegend so allg^en^ein aiigeqpnune^^ dass m^n 4«r«ttf 
den Pla/i gegi*$n4^ hat^ /die Stadt 'Pnest au/i eineip 4ieMsr lyntßrpfdMHcheii 
Bäche durch einen Stollen mit Trinkwasser zu vemejien. 

Da nun dieser Kalk besondere stark zerklüftet (st^ so mpgen schon 
gleich nAfJx der jßotst^^ing dieses Gebirges die meisten atmosfarischen 
Wässer in diese Klüfte versanken sein, um sich am Rande des Gebirg«- 
buc^els einen Ausweg zu suchen. - Schon an den Blöcken, welche die 
Oberiläche des Kalkes bedecken und ain festen Gesteine erkennt man 
überall tiefe Ausnagungen mid Answaschungen, welche beweisen, iM» 
dieser Kalk den Wirkunf^en des W^^^ers m'cht sehr widersteht' So 
müssen denn nun ancli in allen den vom Wasser durchströmten unterir* 
dischen Zerspaltnng.en fortwährend Auswaschimgen stattgeQmdeo haben 
und noch j^taUfinden. Die Bäche wuschen sieh nach und nach förmliche 
Bette aus; wurden sie irgendwo zu weit, so stürzte die Pecke ein» uim) 
es entstand ^n djer Gebirgsol^ernäehe ein |Cessel. Aber die ^eit, welche 
dazu nöthig war, um den Karst so zu gestalten, wie wir ilni jetzt sehen, 
liegt freilich über jede menschliche Vorstellung hinaus» 

Aehnlicfae, gleicl^falls aus der ^fagekraft des Wassers hervorgegan^ 
gene Kesselbildungen ün^n sich auch — wohl in viel kleinerer Ausdeh- 
nung anderwärts; z. B; auf ^Pr Hochebene des salzburgischeu Temieii- 
gebirges. 

Der Nagekraft 4es Waaserip verdanken wir einen guten T|ieil gert«}e 
unserer besten Krumen; sie setzt die Erdbildung ununterbrochen fort, ynd 
dieselben Hochwasser, welche die Grane) ihrer Verwüstung bis ureit in 
die Ebene hinauftragen, decken diese ihre Zerstörungen wieder grossen- 
theiis mit den fruchtbaren Ergebnissen ihrer Heibnngen, und liefern den 
Fluren grosse Massen des fruchtbi^rsten Lettens. 

So auch hier wieder kejn Fluch ohne einigen Segen- 



57 

Zertrfimmening der FelsoberflSche, Schntthalden und Steinstfirze. 

Kaum standen die Berge unserer Alpen vollendet da, so begaiuien 
auch die Meteore auf ihre Oberfläche zertrümmernd zu \iirken. — Das 
Wasser drang ein in die Absonderungsflächen des Gesteines und 
sprengtß es. 

Die hohen Kämme vieler Kalkberge finden wir noch heute mit ecki- 
gem, lose aufgeschichtetem Gesteine bedeckt i welche nichts als die 
Trümmer des früheren festen Felses sind, die ihre ebene Erzeugungs- 
stelle nicht wohl verlagsen konnten* — Auf den flachen Kuppen der Gra- 
nitberge liegen noch immer die ursprünglichen Bruchstücke in Gestalt von 
mächtigen Blöcken umher, nur sind ihre Ecken längst abgewittert, bo 



}<1 

daas sie jetzt w^ie WoIlsäcLe anzuschaueii sind. Die Baaalte und Melafire 
zerfielen in sehr g^^noben Steinschutt , bei ersfißr^m von säulig^/sr oder scha- 
Ugjdr^ bei letzterem von plattiger Fotrin. Der Porfir wurde znn» Tbeil in 
g^rössejre Blöcke« zum Tbefl in eckif^en SeUutt ^^^erspreugt. 

Die Schiefergesjteine , besQudars die kalkigen , lÖKtßa sidb tief hinein 
in ahermals «chieferige Bruchstücke und zuletzt ölter in kleinen brocke- 
ligen und erdigen Schutt auf. 

Wo ^egen der zu grossen Neigung der Erzeugungsstelle die Trüm- 
mer sich iiiclit zu halten vermochten^ rutschten oder stürzten sie in die 
Tiefe hinab « halfen dort zum Theile die Thäler ausfüllen, zum Theil 
häuften sie sich zu jenen sanften Schutthügeln, vorspringenden Riegeln 
und Hängeq an , auf welchen «päter gewöhnlich die Feldwirthscbaß ihre 
Statte aufschlug. 

Nach und nach überzog sich jedoch das Trümmerwerk im Bereiche 
des Vegetazionsgürtels mit Pflanzen wuchs , es bildete sich ^na Igrddecke; 
nnabselib^re und mächtige Wälder und Grastriften entstanden ; der MeiMfch 
brach den Boden zu Acker und Wiese um, und heutzuta*ge sind die Ergebnisse 
der einstigen Zertrümmerung fast überall mit Ackerkrume und Grasnarbe, mit 
Wald und Gesträuch bedeckt, und dadurch grösstentheils sowohl uJMerem 
Auge als auch den weiteren Veränderungen entzogen« 

Der kümmerliche Ptlanzenwuchs der Fernerregion konnte hier zwar 
solch gewaltige Umänderung nicht erzwingen, aber der ewige Schnee 
uiul das evnge Eis übernahmen seine Rolle und fiberdeckten für inmer 
das Ergebni^s der ersten Zertrümmerung. 

Beute liegt daher das Werk vorgeschichtlicher Zeratörong nur mehr 
auf jenen Stellen offen, welche s^u steil sind, ^Is das« Erdkrume, Pflan- 
zenwuchs oder Firn sich dort zu halfen vermöchten. — Zwischen der 
Firnregion und der oberen Wäldergrenze, wo das Klima der Rasenbil- 
dung schon sehr ungünstig ist, sind das alle steileren Stellen, von dort 
aber abwärts nur inehr die vorspringenden Felsen und die Wände. Hier 
geht also auch die Zertrümmerung ununterbrochen ihren Gang und sendet 
fort und fort ihre Bruchmassen hinab. 

Von der Grösse der Bruchstücke hängt es zumeist ab , wie tief sie 
über den Hang hinabgehen. Kleiner Schutt bleibt bald liegen; grosse 
Trümmer, wenn sie nicht allenfalls bei ihrem Auifallen in Schutt zersplit- 
tern, kollern oder gleiten sehr tief, und fallen sie auf nur einigermassen 
festen Grund, so nehmen sie eine springende Bewegung an, und stürzen 
in immer mächtigeren Sätzen und mit Immer steigender Gewalt bis in di^ 
Thäler hinab* 

Wo fort und fort der Schutt herabstürzt, kann kein Wald und oft 
nicht Qinnfal spärlicher Rasen aufkommen • Daher zieht sich nirgends die 
Vegetazion bis hart an den Fuss der Wände. 

Da die meisiten Abänderungen des Alpenkalkes sehr zur Zersplitte- 
rung nach ihren eigenthümlichen Abaonderungsflächen geneigt sind, so 
stürzen von seinen sehr zahlreichen und mächtigen Wänden noch immer 



sehr bedeutende Steinmassen herab, welche bei ihrem Auflallen gewöhn- 
lich noch weiter zersplittern und am Fusse dieser Wände jene langen 
und breiten pflan'zenlosen Schutthalden bilden, durch welche sich das 
Kalkgebirge von jeder andern Felsart sehr wesentlich unterscheidet Die 
unaufhörlichen Abstürze lassen diese Halden in der Regel nie zur Ruhe 
gelangen, sie verhindern die Erdbildung und das Ueberziehen mit Pflan- 
zenwuchs* Mag zu deren Pflanzenlosigkeit wohl auch ihre hervorragende 
Dfirre, so wie der Umstand sehr viel beitragen, dass der Kalkfels zwar 
sehr leicht zersplittert aber nur sehr schwer in krumliche Erde verwittert, 
so liefert doch das allmähliche Bewachsen von alten Kalkschuttmuhren, 
so wie die gedeihlichen Vegetazionen vieler ans derlei Schutt bestehender 
Hänge den Beweis, dass auch diese Halden dem Pflanzen wuchs zugängig 
wären , wenn sie nur einmal zur Ruhe gelangen würden. 

Den reichlichsten Zuwachs bekommen die Schutthalden von den höher- 
gelegenen Wänden, und insbesondere von jenen der Fernerregion ; weil die 
Häufigkeit und die Gewalt der Fröste mit der Meereshöhe sehr bedeutend 
wachsen. 

Die Grösse der Schutthalden hängt einerseits von der Höhe und 
Ausdehnung der Wände, vorzüglich aber von der Zersplitterungsfähigkeit 
des Gesteines ab, welche bei vielen Abänderungen des Kalkes so gross 
ist, dass sich sozusagen von Miimte zu Minute Bruchstücke loslösen. 

Die Schutthalden des Kalkgebirges entziehen in den Alpen sehr be- 
trächtliche Bodenflächen der Kultur; insbesondere der Waldstand wird 
durch sie sehr zerrissen und geschmälert* Die alten zur Ruhe gelangten 
Halden bewachsen sich zwar, aber sie bleiben gewöhnlich sehr schlechte 
pflanzliche Standorte; der Wald hat dort geringen Zuwachs, und häufig 
vermag nur die Legföhre auf ihnen fortzukommen ; diese jedoch gedeiht 
dort ziemlich gut und ist besonders in den Höhen die geeignetste Holzart 
für diese Stellen. 

Diese Halden sind jedoch auch nicht ganz ohne Nutzen* Sie liefern 
z. B. einen schon fertigen recht guten Strass^nschotter , der umsomehr 
geschätzt wird, als er in der Regel ganz an der Hand liegt. 

Die Gebirge der übrigen Felsarten sind nur sehr selten reich an 
Schutthalden, denn weder bilden sie zahlreiche und mächtige Wände, 
noch löst sich von ihnen so nachhaltig das Gestein ab* Ihre Halden — 
oft nur eine Anhäufung grösserer Steine und Blöcke — bewachsen sich 
daher gewöhnlich bis hoch hinauf und um so lieber mit Wald , als diese 
Felsarten der Erdbildung zugänglicher sind. 

Das Abstürzen der Felstrümmer ist, abgesehen von den unfrucht- 
baren Schutthalden, eine der vielen Geissein der Alpenthäler. Die abstür- 
zenden Steine verwunden und knicken nicht nur vielfältig die Holzge- 
wächse , reissen den Rasen der Weiden und Wiesen auf, verderben Acker 
und Garten, brechen Strassen, Mauern, Riesen und Mühlgerinne durch; 
sondern sie gefährden und knicken nur zu häufig selbst das Menschenle- 
ben. Tansende von Thieren und Hunderte von Menschen sind schon das 



It3 

Opfer von stürzenden Steinmasaeu geworden ; hier schmeUerten sie auf 
Straaaen, welche «ich unter FeUwäiiden hinziehen » den harmlosen Wan- 
derer nieder; dort schlugen Blöcke, welche in mächtigen Sätzen über 
den Abhang herabsprangen, das Dach der gMtlichen Hütte durch und 
todteten die kaum genesene Wöchnerin; von welchem Allen die zahb>ei- 
chen Kreuze und Votivtafeln hinlänglich Zeugniss geben , welche die 
fromme Nächstenliebe der Aelpler den so Verunglückten zu setzen pflegt. 

Die eigentliche Zeit der Steinstürze ist das Frühlings-Thauwetter und 
die starken sommerlichen und herbstlichen Regenfluthen; beide befördern 
nicht nur das ursprüngliche Loslösen der Blöcke, sondern sie bringen schon 
einmal abgefallene aufs Neue zum Sturze, indem sie ihre Unterlage beweg- 
lich machen. Besonders gefährlich werden die springenden Blöcke, denn 
sie halten nicht immer die gewöhnliche Bahn ein. 

Gegen die Steinstürze leisten die Wälder vortrefflichen und ofk den 
einzigen Schutz; denn selbst die bereits ins S|>ringen gelangten Steine 
treffen über kurz oder lang auf einen Schaft, der sie zu Boden zwingt. 

Am besten beweisen das die unter den Wänden stehenden Holzbe- 
stände. In vielen derselben liegt an der oberen Seite fast jeden Stockes 
ein Stein, und die verwundete Rinde zeigt hinlänglich, dass der Schaftes 
war, der diesen Stein in seinem Sturze aufgehalten hat 

Die Wälder werden auch vielfältig gegen die Steinablösungen in Bann 
gehalten. Aber bloss das Hochholz vermag hier völlig zu entsprechen. 



58 
BergstSrze. 

Aber nicht bloss einzebie Blöcke oder einiger Schutt löst sich von den 
Felswänden los, sondern ungeheure Massen^ ja selbst ganze Berge stürzen 
öfter in die Tiefe. Zwar ereignen sich derlei gottesgewaltige Erscheinun- 
gen seltener , aber desto furchtbarer sind die Zerstörungen , welche sie an« 
richten. Und selbst die Seltenheit bezieht sich nur auf die kurze Dauer des 
Menschenlebens, denn von der Erschaffung unserer Hochberge an gerechnet, 
sind sie sehr zahlreich, besonders in den Kalkalpen erfolgt; eine Unzahl 
von weit vorspringenden Riegeln , von Kesseln und von vereinzelten kleine- 
ren Bergen und Wällen von unfruchtbaren Blockfeldern ist durch Berg« 
stürze entStauden, jedes grössere Alpenthal gibtZeugniss davon. 

Die Beschreibung einiger Bergstürze , deren Verwüstungen ich selbst 
gesehen, deren Ursachen ich jsielbst auch nachgespürt habe, soll das Nöthige 
erläutern. 



Das Gestein des Alpenkalkes ist besonders im Süden häuGg so brückig 
und zerklüftet, dass eine an sich unbedeutende Erschütterung oft die Ursa- 
che wird, dass zahlreiche Klippen, ja ganze Bergwände in Trümmer und 



IM 

Schutt s&erfittaii. ^ Eine solche Erschüterung* — etwa durch eine kleine 
L«%vine v«ranliMt -** bringt mizeine freistehende Klippen zum Fall; die 
Erschttttemiig^ pflanzt «ich fort und rüttelt die n&chaten Gebirgsmaasen aus- 
eiMn4er » welche g^leidifallB herabstArzend , wieder weitere Brüche inso- 
laofe naek sich ziehen, bis endlich alles minder feste Gestein der nächsten 
Umg^ebungp losgebrochen und abgestiirzt ist. — Ich habe diese Erscheinung* 
sehr oft and am schönste» auf den Sattel Dnrano (Provinz Belhmo) beob- 
achtet» als ich dort «'nmal Mittagsruhe hielt — Von der Höhe des nebenlie- 
g^enden 'Monte graira lösten sich einige bedeutende Felsmassen ab , und 
stiirzten qnter furchtbarem Krachen hinab in die Tiefe. Augenblicklich wur* 
den die getroffenen WSnde beweglich, und stürzten in Schutt umgewandelt 
nach. Ihnen folgten neue Massen , und zwar aus Stellen , die durch den 
Fall der ersteren gar nicht getroffen wurden, und so dauerte das RoHen und 
Fallen fort und fort; tief in die Nacht hinein hörte ich noch das Gekrache 
des brechenden Gebirges nach Goima hinab. 

Die Brüehigkeit des Kalkes dieser Gegenden scheint mit seinem Gre- 
lialte an Bitnnen und Kohle in Verbindung zu stehen, wenigstens zeichneu 
sieh alle diese brühigen Massen durch dunklere Färbung und bituminösen 
Gerach , so wie durch hSnflge Knollen und Blätter Ton Kohle oder durch 
Kalkputzen aus, welche von Bitumen so durchdrungen sind, dass sie wie 
Kohle aussehen, und eine gute Weile mit Flammen brennen. 

Aus solchem Kalke besteht der Anteiao , ein Bergstock im bellunesi- 
sehen Boitothale. Sein Joch ragt hoch über die Waldregion hinaus. An 
seinem Fusse springen namhafte Berge und ausgedehntes Gehügel in die 
Thalsohle vor, welche nachweislich aus den Trümmern von Felswänden 
bestehen, welche sich zu verschiedenen Zeiten in ungeheuren Massen von 
oben losgelöst haben. — Unter diesen Vorbergen liegen einige Dörfer und 
mehrere Kirchen begraben. 

Die venezianischen Geschichtschreiber erwähnen eines dortigen Berg- 
sturzes schon in dem Jahre 1347. Genauere Nachrichten jedoch hat man 
nur von den zwei letzten Bergablösungen. 

Am 7. Juli 1737 lösten sich nach langdauerndem Regenwetter von dem 
First des Anteiao mehrere Wände und eine Unzahl von Blöcken ab, und 
verschütteten das Dorf Sola, den nahen Pfarrhof und eine grosse Zahl von 
Feldern, welche der menschliche Fleiss dort dem Schutte früherer Berg- 
stürze abgezwungen hatte. Das aus diesem Falle hervorgegangene Gehügel 
ist bereits mit Gras bewachsen und selbst einzelne Fichten und Buchen ha- 
ben sich darauf angesiedelt — Man unterscheidet die Massen dieses Sturzes 
jedoch recht gut von den früher herabgekommenen, und auch die Stellen, 
an denen sie oben losgebrochen sind, machen sich durch die noch zurück- 
gebliebenen Klippen sowohl, als auch durch den Schutt kenntlich , mit wel- 
chem sie die zahlreichen Schluchten und Furchen ausgefällt haben , welche 
sich am Abhänge herabzogen. 

Der fflrcbterlichste Sturz war jedoch der letzte, welcher am 2t. April 
19141 zwischen 9 und 10 Uhr Vormittags erfolgte. 



14S 

Die Dörfer Jaolen aud Marceana, im Ganaen TO'HiiMer , mahr als 300 
Menschen , über 400 Hausthiere und etwa 1000 Jod» Felder und WaM fm- 
den für immer ihr Grab anter den plötzKch Hiederslftr^enden angfeheiiren 
Steinmassen« Am Fasse des Gebirg^es theibe sich die nngfebeare fiteiDla« 
wine in zwei Arme; der eine Zweig fuhr in den Boite hinab «tfid staute 
diesen Fluss za einem See auf» der erst nach zwei Jahres wieder Töllig^ 
zum Abfluss g;elangte ; der andere Zweig jedoch iiibr fiber de» Strom auf 
die andere Thaheite hinüber, S50 Klafter über das von ihm ganzlieh zer« 
störte Joalen hinaus. — - Durch zwei Tage bopte man das Geschrei und 
Gejammer der verschütteten Meoflichen durch diois Gestehe hindurch; aber 
die Grösse der gerade dorthin gelangten Blöcke* ttMchte ihre Rettung un* 
möglich. 

Die Schuttberge und Steinwalle dieses letzte» Sturaes haben bis jetzt 
noch wenig von ihrer grausenhaften Oede verloren.. Hie und da ragt im-» 
mer noch ein halb vermoderter Strunk des begrabenen Waldes hervor^ 
auch, deckt noch kein Anfang von Erdkrume diese scheußlichen Ruinen, 
nur erst einige Grashalme untwbrecben ihr trauriges Wetsa Von Holz« 
gewachsen sprosst hie und da. nur die Weide als unscheinbarer firdstrauch 
hervor. 

lieber die Veranlassung der Anteiao -Bergstürze obvnait^t nichl der 
geringste Zweifel. Kein Abgleiten der oberstea. F^cth^chiehtea ÜMsd hier 
statt«, denn die Bruchflächen stehen fast rechtwinkelig auf die Rieh&ung der 
Schiebten und aus dem Getrümmer ragen noch einzelne FelssmaMOn und 
scharfkantige KJippenreihen hervor, um und über Welche die stürzenden 
Massen hinabgingen ; auch wich die Basis des Berges nichts sondteirn das 
gmte Gebirge fiel in sich selbst in Trümmer und Schutt zusammen. 



Der obere Theii des Hfonte Piz bei Alleghe (Provinz Belluna) schien 
sich Anfangs April 1771 etwas über das Joch der KalkbergHette von 8. 
Tommaso, über welches er machtig empor stieg, hinab geschoben zu 
haben, sehr bedeutende Steinmassen stürzten von ihm < ab, wahväeheinlich 
schon früher abgesprungene Bruchstücke, welche durchi die Nieigimg des 
Berges 0sgen das Thal plötelieh aus ihreoB bisberigen> .Gletehgeraridlit ks»- 
men< ^Diese verdachtigß firscbeiiiung hätte soUen die Bewohner der am 
Fusse des Berges gelegenen Qrtsdiafleni aufschreckeh»; aber gewohnt a* 
SCeinfalle« beachtete sie Niemand. 

Etwa 6 Tage darauf^ d. i. i*der Nacht des 11. Aprü t77U fuhr jedoch 
plötzlich der ganze Piz vom Joßhe herab und mit furchtivarer Gewalt an 
die gegenüberliegenden Felsenriffe anprallend , zerfiel er in eiiieii Berg von 
Trümmern, welche die drei Ortschaften Peron^ Riote und Marin sammt 
etwa 00 Einwohnern mit all ^ ihrem Vieh und Hausrathe unter sich begruben 
und den Wildbach Cordevole alsogleich zum See aufstauten. 

Die Fluthen stiegen schon im Laufe von 3 Tagen auf 17 Klafter HöhP 
ui^d ertränkten die Orte Sommariva und Fnciue, deren Bewohner sidi 



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IM 

jedochüammt aller beweglichen Habe retteten; und kurze Zeil darauf stand 
das Waaaer 2S Klaftern hoch und erstreckte sich 2500 Klaftern zurück, die 
beiden Pfarrdörfer Allegphe nnd Caprile in Furcht und Schrecken setzend. 
Hier aber überströmten die Flathen bereits den Steindainm, was deren wei. 
terem Wachsen ein Ziel setzte. 

Etwa einen Monat darauf folgte dem Piz noch ein auf dem Joche zu- 
rückgebliebener Sleinrest nach, welcher mit solcher Gewalt in den See 
stürzte, dass dieser eine ungeheure Welle über das Dorf Alleghe schlug, 
welche die eine Wand der Kirche eindrückte, zwei im Pfarrhofe beschäf- 
tigte Mägde ersäufte und in ihrem Rückwege das Allerheiligste mit sich 
führte (welches aber spater wieder aus dem See gefischt wurde). — Nach 
drei Monaten endlich brachen die Wässer den obersten Theil des Steindam- 
mes dnrob, in Folge dessen der See in jene Grenzen zurücktrat, in wel- 
chen wir ihn heute noch antreffen. 

Der durch den Bergsturz gebildete Steinwaii mag etwa 1500 Klaftern 
lang sein. Er begrub den ganzen Waldstand anter sich , mit welchem der 
Berghang überzogen war , und der Anprall auf der jenseitigen Abdachung 
war ISN) «tark, dass dort alle vorspringenden Klippen in Trümmer gingen 
und sammt dem darauf wachsenden Fichtenhorst die ungeheure Steinmasse 
yermehren halfen. 

Dieser entsetzliche Bergsturz war nur ein Abgleiten des oberen Berg- 
theiles über die' stark geneigten Schichten der Kalkmassen des Hauptjoches, 
was darum erfolgte, weil das Zwischenmittel — eine dünne Lage von 
Stfickmergel ^ soweit verwitterte, dass es zuletzt dem ungeheuren Drucke 
der aufliegenden Gebirgsmasse nachgeben musste. Die Trennungsstelle 
steht jetzt als eine ganz platte, stark gegen den See geneigte ebene Platte 
da, was an und für sich schon auf die Ursachen dieses Ereignisses hindeutet 

Der Fremde , welcher jetzt von Caprile herab an den herrlichen tief 
grünen Aileghesee gelangt und dort festgezaubert bleibt von dem unnennba- 
ren Reiz dieser' herrlichen Gegend, welchem das friedliche Alleghe mit 
seinem einfachen Gotteshause, umgeben von den üppigsten Wiesmatten und 
dem dankeisten, saftigsten Gründer Wälder, der Sitz zu sein scheint der 
nie gestörten glücklichsten Ruhe, der Fremde würde nie ahnen, weich 
fbrchtbarem Ereignisse der Glanzpunkt dieses prachtvollen Bildnisses : der 
See, seine Entstehung verdankt, wie viele Menschenleben das Zustande- 
kommen dieser paradisischen Landschaft gekostet hat. 

Steigt man jedoch von St Tommaso aus zum See hinauf, dort wohl 
ahnt man die Katastrophe« Dort stürzt der Cordevole in hundert kleinen 
Wasserfallen über ein ungeheueres Gewirre von gewaltigen Felsblöcken her- 
ab, und -oben angekommen, zieht sich die breite Sturzbahn bis hinauf auf 
das entgipfelte Joch, heute fast noch ebenso geisterhaft und öde, wie zur 
Zeit des beschriebenen Bergfalles. 

Zwischen den grossen Steinblöcken hat sich schon wieder ein er- 
träglicher Wald angesiedelt, auf dem kleinen (Reibungs-) Schutte der 
Sturzbahn jedoch kaum erst einige Gräser und Erdsträuche. Einige strup- 



pig^e Fdhren und Fichten, welche wahrscheinlich als kleine Pflajizling^e 
von oben dorthin g^ekommen sind, vermögen kaum das Leben zu fristea. 

Auf ganz andere Weise wurden die Wände der Mojazza de! Durau 
(Provinz Belluno*) beweglich und wälzten ihre Trümmer durch das Pova- 
thal, mehrere tausend Klaftern weit bis Agordo hinab. 

Auf grauem Sandsteine durch rothe Mergelschichten getrennt ruhte 
die Mojazza wie die ganzen Bergmassen, welche dort die Bezirke Agordo 
und Zoldo scheiden; und da dieser Sandstein so sehr der Verwitterung 
unterliegt, dass er an der Luft bald in Sand zerfällt, dabei auch der Ein- 
wirkung des Wassers ebenso wenig widersteht, da ferner gerade am Zu- 
sammenstosse des Sandsteines mit dem Kalke zahllose Quellen hervor« 
brechen, so sind im Laufe der Zeit bedeutende Strecken des Grundes 
erweicht und zerstört worden und strömten endlich in Brei umgewandelt 
sammt den Trümmern der nachstürzenden Kalkwände in die Tiefe hinab. 

Mehrere hundert Fuss hoch füllte der Schuttbrei der umgestürzten 
Mojazza das Dugonthal aus und grauenvoll starren auf der Höhe noch 
jetzt einzelne scharfkantige Klippen hoch über die ungeheuren Trümmer- 
massen hervor, zersplittert und aus ihrer Stelle gerückt, sich aneinander- 
lehnend und gegenseitig stützend. Sie gehörten Felsparthien an , welche 
auf festerer Basis ruhend, erst unter dem ungeheuren Drucke der nach- 
rückenden Masse zersplitterten. 

Die ins Hauptthal hinaus geführten Schuttmassen verwandelten dort 
die herrlichsten Maisfelder in ein unabsehbares Schuttmeer. 

Jedes Hochwasser trägt aus den beweglich gewordenen oberen 
Schutthalden neue Massen herab , überschüttet damit wiederholt die Gras- 
felder und wühlt sich ein neues Bett auf — So lange nicht die ganze Schutt- 
ausffiUung des Dugonthales herab gegangen ist, lässt sich an keine sichere 
Wiederkultur dieser Böden denken, und bis dorthin kann ein Jahrhun- 
dert vergehen. 

Gegen so gewaltige Bergstürze hilft kein Menschenwerk, hilft auch 
Nichts der Wald ; dieser steht mit denselben nur insofern in Verbindung, 
als er von ihnen gebrochen nnd begraben wird. Nach Jahrhunderten 
werden unsere Enkel vielleicht seine Reste als Brannkohle zu Tage fördern. 



59 
Erdansrisse ud ErdabsitzimgeiL 

Ich habe schon oben erwähnt, dass die Schiefergesteine und insbe- 
sondere die kalkigen bis tief ins Gebirg hinein in kleinen schieferigen 
Schutt verwittern. — Aehnliche Halden häufen sich auch am Fusse hoher 
Kalkwände dann an, wenn die fort und fort herabstürzenden Steine dort 
in kleinen Gruss zersplittern. Von derlei Metall sind auch die ange- 
schwemmten Vorhügel, Riegel und Kegel der Thalregion ; denn sie beste- 
hen aus Schutt, Sand oder Lehm. 



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m 

Att diese etnigermassen losen Anhäufungen nehmen nach Aussen ein 
ihrem Zosammenhang^e entsprechendes Gefälle an, und überziehen sich 
dann mit einer Grasnarbe oder mit Wald. 

So langte der Zusammenhang dieser Massen nicht vermindert wird, 
ist nichts zu besorgen, sobald sie aber beweglicher gemacht werden — 
und die gewöhnliche Veranlassung hierzu ist das eindringende Wasser -— 
so müssen sich die Theile so lange verschieben, bis die Masse die ihrem 
nunmehrigen geringeren Zusammenhange entsprechende sanftere Böschung 
angenommen bat So lange die Masse doch noch einen gewissen Grad 
von Festigkeit besitzt,' ist diese Aenderung der Böschung nur mit einer 
Senkung des oberen und mit- gleichzeitiger Vorschiebung des unteren 
Randlos verbunden. Wenn aber Schutt und Erde durch grössere Was- 
sermengen formlich flussig geworden sind, so folgen sie auch ganz den 
hidrostaliiTchen Gesetzen, si fliessen von der geneigten Grundlage förm- 
lich ab, und die Masse kommt erst wieder zur Ruhe, wenn sie sich auf 
einer Ebene ausbreiten kann , oder wenn sie in ein geschlossenes Becken 
gelangt. 

Das Herabsitzen kann auch bei festerem Schutte eintreten , wenn 
dessen Grund unterwühlt wird; indem dann die entsprechende, paralell 
nach der Böschung sich hinaufziehende Schicht ihre Basis verliert und 
über die darunterliegende Masse abgleitet. 

Bei Schutt- oder Erdansammlungen ist auch ein gewisser Seitendruck 
vorhanden, welcher in der Hauptsache dem BeweglichheiUgrade der 
Masse entspricht. Gesetzt nun den Fall , es würde eine solche Ansamm- 
lung durch eingedrungenes Wasser in ihrem Innern beweglicher werden, 
so mehrt sich auch der Druck dieses flüssigeren Kernes gegen die Aus- 
senseite des Hanges, und dieser kann sehr leicht hinausgedrückt werden 
und müsste dann schon von selbst absitzen; wenn auch der beweglichere 
Kern gar nicht nachdrücken würde. 

Wenn das eingedrungene Wasser im Innern eine schiefe amPus«e des 
Hanges ausgehende Schuttschicht beweglich macht, so muss die darü- 
berUegende festere Oberfläehenschicht auf ihr sdbst dann abgleiten, wenn 
sie deren Seitendruck noch recht gut aushalten köimte. 

Bei allen diesen Bewegungen kann nie ein Stürzen eintreten, son- 
dern immer nur ein Zurücksitzen , ein Abgleiten^ ein Fliessen, durch 
welche Bewegungsweise sich die Berg absitzun gdn sehr wesentlich 
von den Bergstürzen unterscheiden. 

Di6Ss sind in schlichten Worten die wenigen hidrostatischeu Gesetze, 
nach welchen sich die Brdabsitzungen, (auch Muren oder Schlipfe genannt) 
bewegen: sie dürften völlig hinreichen, zum Verständnisse der jetzt dar- 
zustellenden Erscheinungen. 

Der geschlossene Wald und der zusammenhängende Rasenfilz sind 
auf allen Bergabdachungen ein kostbares Gut, denn sie lassen nur wenig 
Regen oder Schneewasser in die Tiefe dringen^ der geschlossene Wald 



^ 



IM 

wenigatona nicht so viel, als nöthig wäre, um Erd^uarisse oder Abaitzun- 
geo zu veranlaasen« 

Die Wälder werdeu aber in den Hochbergen gewohnlich mit allei- 
niger Rücksicht auf die leichte Bringung des Holzes kahl gehauen. Da- 
durch gelangt nun plötzlich das Regenwasser (welches früher durch die 
Baumkronen au%efangen und dort grossentheils verdunstet wurde) unver- 
mindert auf den Boden« Wäre dieser mit Rasen fiberzogen, so würde 
dessen grösserer Theil über den Hang abfliess^n, ]E!inß zusammfifihän- 
gende Grasnarbe bildet sich jedoch erst nach mehreren Jahren , mittler- 
weile nun dringen die Regen - und Schneewässer ziemlich ungehindert in 
den Boden ein« 

Bei der Fällung und Aufarbeitung, noch weit mehr aber bei der Ab* 
bringung des Holzes wird überdiess der Boden vielfaltig wundgeschlagen 
und aufgerissen. Die Querrisse halten als ebenso viele kleine Mulden 
das abfliessende Wasiser auf und zwingen es zum Einsitzen , die Längen- 
risse gestalten sich zu eben so vielen Rinnen , in wßlche siph' das Was- 
ser ansammelt um nach dem Hange hinabzulaufen* 

Aufs Aeusserste geht die Verwundung in jenen iSnißü, nach welchen 
man das Holz ganzer Schläge (Langholz) durch Abtreiben oder (Kurz- 
holz) durch Stülpen in die Tiefe zu bringen pflegt Hier wird der früher 
oft ganz unverwundete Boden über den ganzen Hang hinab häufig in 
einen formlichen Graben umgewandelt; in welchem dann die Regen- und 
Schneewässer um so lieber zusammenflieasen, als man nie den Riegel 
sondern möglichst die Mulden zu Erdgefahrten wählt. 

Endlich arbeitet man das Holz der Hochberge gewöhnlich zu 8 — 16 
fiisaigen Klötzen auf und bringt sie oft noch grün ab. So schwere Wellen 
verwanden natürlich den Boden 90—100 Mal stärker, als etwa das Scheitholz* 

Kurz Alles vereinigt sich beim kahlep Abtriebe der bewaldeten Berg- 
abhänge zur Förderung der Wasserwirkung auf den Boden« Ist dieser 
seicht oder undurchlassend (Thon) so beschränkt sich diese Wii*kung auf 
eine blosse (oberflächliche) Abschwemmung« — Ist er jedoch sehr tief 
und durchlassend, oder gar der Aufsaugung sehr zugeneigt — wie das 
bei den obberührten Schuttböden der Fall ist — dann wohl treten nur zu 
häufig mehr oder weniger bedeutende Absitzungen ein. 

Der zusanunenhängende Rasenfilz leistet gegen das Eindringen der 
atmosphärischen Wässer ähnliche Dienste wie der Wald, nur bei weitem 
nicht in so hohem Masse. Denn während beim Wald ein grosser Theil 
.des Regens gar nicht auf den Boden gelaugt (und die Schneedecke immer 
weii geringer ist), fällt er auf die Rasenflächen ganz unvermindert. Aber 
immerhin lässt der Rasen viel weniger Waaser eindringen, als der völlig 
entblösste Boden und dann schützt er die Krume auch sehr gut vor der 
Abschwemmung. 

Daher ist auch die sorgfaltige Erhaltung der Rasendecke eine Haupt- 
bedingung zur Verhinderung von Erdabsitzungen. Aber nur zu oft wird 
sie nicht gehörig beachtet 

9 



Die dritte Gattung von Abaitsungen ist jene , wo die obenite Schicht 
eines losen Berghanges heruntersit^t , weil sie ihres Fasses beravbt wor- 
den ist. Gewöhnlich geschieht das, wenn besonders grosse Hochwasser 
in derlei Halden einreissen, oder durch irgend eine Veranlassung aof 
diese Seite geworfene Wildbäche zu unterwaschen beginnen. Manchmal 
werden sie aber auch durch Weganiagen veranlasst» zu deren Behnfe 
man in den Hang hineinschnitt, ohne die abgeschnittene Wand durch 
eine entsprechend starke Stützmauer oder durch Verarchung gehörig zu 
sichern. 

Diese Afositzungen werden in der Regel ziemlich grossartig, denn 
sich selbst überlassen, sitzt nach und nach der ganze Hang Cbia zum 
nächst oberen Absätze) in derselben Dicke herunter, in welcher seine 
Basis entfernt wurde. 

Will man einer solchen Absitzung Schranken setzen, so bleibt nichts 
übrig , als den weggenommenen Fuss durch Uferschutzbauten oder Stütz- 
mauern zu ersetzen» Geschieht das nicht, so rückt das Erdreich fort und 
fort nach, denn die Wässer führen die neugebildete Basis immer wieder 
fort, oder die Strassenarbeiter räumen sie hinweg, und zuletzt wird die 
Absitzung ein gewöhnlicher Ausriss. 

Bei den Absitzungen dieser und der vorigen Gattung lasst sich gleich 
Anfangs manchmal mit Wenigem abhelfen, da die ganze abrückende Masse 
sich häufig nur senkt, an ihrer Oberfläche aber ziemlich unverändert 
bleibt, so dass höchstens oben, wo sie sich von der festgebliebenen Decke 
losgetrennt hat, eine kleine Schuttwand zu Tage kommt 

Sind die Schuttkegel oder Ueberschüttnngen , welche die Absi- 
tzungen in den Thälem gebildet haben, zur Ruhe gelangt, so können sie 
gewöhnlich mit leichter Muhe bem4iart werden; nur diejenigen, welche 
aus Kalkschutt bestehen, versagen jeden Erfolg, und sich selbst über- 
lassen , brauchen sie ein oder zwei Jahrhunderte, um sich mit Rasen oder 
Wald zu überziehen. 

In den Hochbergen finden wir die Erd* und Bergabsitzungen zu vie« 
len Tausenden, besonders das taUdge Schiefergebirge ist <U>erreich daran ; 
allenthalben grinsen uns dort frisch klaiTende Wunden oder kaum geheilte 
Narben des Gebirges an. Fragt man nach der Ursache, so ist leicht Ant» 
wort zu geben. Die ungeheure Regenmenge mit all' ihren gewaltigen 
Folgen und die Vernachlässigung nnd die Verwüstung des schützenden 
Waldstandes, ist es unter hundert FäU«i neunundneunzigmal. 

Der geringste Schaden der Bergabsitzungen besteht in dem Verluste 
des abrutschenden tragbaren Bodens; weit nachtheiliger wirken sie durch 
die zerstörende Kraft, welche ihr Schutt den Wildströmen ertheilt, 
und entsetzlich sind die Verwüstungen, welche sie anrichten, wenn ihre 
Massen, sich quer über das Thal legend, einen Strom zum See aufstauen, 
wie es nur gar zu oft geschieht 

Im Obigen ist zwar die Verbanung der Absitzungen angedeutet 
Aber wie wenig kümmert man sich darum in Ländern , wo num sicii 



18B 

g;eTr5hnlich nicht einmal bemüht, durch die einfachsten und gewiasermassen 
kostenlosen Mittel ihre Entstehung zu verhindern. Und dann stehen auch 
wirklich die Kosten der Verbauung* wenigstens später im ärgsten Missver- 
hältnisse zum Werthe des absitzenden Grundstückes» Ganz anders würde 
sich freilich öfter die Rechnung gestalten, wenn man alle die Schaden in 
Anschlag br&chte, welche sie im Gefolge haben 5 aber diese Schäden wer- 
den erst kund, nachdem sie geschehen sind; Derjenige, dessen Grund ab- 
sitzt^ achtet nicht auf sie, und die Gegend, welche diese Folgen zu büssen hat, 
konnte bisher nicht leicht vertreten werden. 

Und so überlässt man denn die meisten Absitzungen ihrem Schicksale, 
und beschränkt sich darauf, von den Verheerungen zu erzählen , welche sie 
angerichtet haben. 



60 
Die Schnttlawine Crepadel vom Jalire 1811. 

Im breitesten Theile des Boitethales liegt der Markt Cortina c(i Am- 
pezzo hart am Wildstrome. Auf der linken Thaiseite, etwa 1000 Klaftern 
vom Strome entfernt, streicht eine hohe, schroffe, und an vielen Stellen 
unzugängliche Kette von Kalkbergen hinab , deren sehr brüchiges dolomiti- 
sches Gestein schon unzählige Berg- und Pelsabstürze veranlasst hat. 
Sämmtliches Gehügel am Fusse der Kette ist aus diesen Brüchen hervor- 
gegangen. 

Der Cortina zunächst gelegene Bergstock dieser Kette heisst Crepa- 
del, bei den Einheimischen auch Faloria. Auch sein Joch bildet einen 
Felskamm, und in sein zum Boite abdachendes Gehänge haben sich meh- 
rere Bäche eingeschnitten, von denen der stärkste — die Bigontina — am 
Fusse des Vorberges Ire Croci entspringt und sich in den Boite hart unter 
Cortina ergiesst. Die Bigontina nimmt alle diese Bäche, deren Wässer 
mehrere Mühlen betreiben , in sich auf, und eben bei Cortina war sie mit 
einer prachtvollen steinernen Bogenbrücke überwölbt, welche zur herrli- 
chen Reichsstrasse gehört, die aus Venezlen durch Cortina in das tiroleri- 
sche Pusterthal führt. 

Die ganze Fläche am Fusse des Gebirgsstockes Crepadel bildet ein 
weites Becken. Es waren lachende Fluren , überisrait mit Höfen und Hän- 
sergruppen, zwischen denen allenthalben Getreidebau und Wiesenzucht ge- 
trieben wurde, und so reich an Quellen, dass fast jedes Haus seinen eigenen 
artesischen Brunnen besass. 

Die drei grössten Häusergruppen lagen jenseits der Bigontina von 
Oben nach Unten in folgender Ordnung: Alvera di sopra, Alvera di sotto 
und Pecol. Pecol war etwa 300 Klafter von der oberwähnten Bogenbrücke 
entfernt, und Alvera di sopra bei 900 Klafter. 

Der Boite fliesst beiläufig 15 Klafter unter der Ebene von Cortina ; von 
dieser aus hebt sich die Fläche gegen den Fuss des Crepadel zu, mit einer 



IM 

Steigung Ton etwa 11 Zoll auf die Klafter« so daas sie hier um 200 Klafter 
über dem Bette des Boite liegt* 

Dieses ganze gegen den Berg ansteigende Gelände besteht aus den 
grösstentheils zu Schutt zerfallenen Trümmern, welche zu verschiedenen 
Zeiten vom Crepadel abgestürzt sind. 

Nur ist seit den letzten Bergstürzen schon eine ungeheure Zeit ver- 
flossen, denn der Schutt ist an der Oberfläche dieser gewaltigen Abla- 
gerungen bereits allenthalben zu einer guten Ackerkrume verwittert, die 
am Fusse des Cr^adel IV« und weiter unten auch bei 3 Fuss stark ist 
Unter dieser Krume ist der Schutt ganz so» wie jener noch nnbewach- 
sene, welcher bei dem nahegelegenen Dorfe Borca von dem Bergsturze 
herrührt, der 1814 mehrere Ortschaften verschüttet hat; er besteht aus 
fast zu Sand zerfallenem Gresteine, vermengt mit Blocken, Baumwurzeln 
und Schaftstficken. — Als man 1829 beim Baue der erwähnten Reichs- 
strasse in diese Ablagerungen hioeinschnitt, fand man einige Holzstücke 
fast in Braunkohle umgewandelt. 

Ungeachtet es zwei Wochen vor dem Ereignisse , welches ich jetzt 
beschreiben werde, durch volle sieben Tage keinen Tropfen geregnet 
hatte, trat sich das Gelände doch an mehreren Stellen auffallend weich; 
es hatten sich die Schuttablagerungen dort offenbar schon mit Quellwäs- 
sern vollgesaugt 

Hierauf stürzte durch volle acht Tage ununterbrochen Regen auf Re- 
gen nieder, und zwar mit jener Dichte, welche nur den Herbstregen des 
südlichen Alpenabfalles eigen ist. 

Am 4. November um 4 Uhr Nachmittags begann das Gelände ober 
Pecol sich zu bewegen, in Folge dessen sich die Bewohner dieses Ortes 
allsogleich flüchteten. Bald spaltete sich der Boden an verschiedenen 
Stellen , und man bemerkte ein zwar langsames aber entschiedenes Herab- 
schreiten der abgerissenen Massen gegen dieses Dorf. Endlich am Morgen 
des 8. November kam die Schuttlawine in Pecol an, und zerdrückte dessen 
erstes Haus um 3 Uhr Nachmittags. Sie hatte innerhalb 6 Stunden den 
Weg von 400 Klafter zurückgelegt. 

Am 9. um halb zwei Uhr Nachmittags (also 22 Stunden nach dem Zu- 
sammensturze des ersten Hauses) waren bereits 12 andere Häuser, darun- 
ter Eines von Bedeutung, zerdrückt, und all ihre Bruchstücke in die La- 
wine aufgenommen. Diese ergoss sich hierauf in die Bigontina , füllte ihr 
Bette und floss unter der steinernen Brücke ab , bis auf eine Klafter unter 
deren Bogen heraufreichend* 

Der reissende Bach trug ununterbrochen bedeutende Theile der 
Erdmassen in den Boite, und trübte dessen Wässer bis zum Piavestrom 
hinab. 

Das Herabströmen der Erdlawine glich ganz jenem der Lawa. Ober 
Pecol kam die La^vine mit mehr als 55 Klafter Breite heraus , unter dieser 
Ortschaft zog sie sich etwas zusammen und unterhalb der steinernen 
Brücke breitete sie sich abermals aus. Allenthalben sickerte aus ihren 



i» 

Randern das Wasaer heraus und die erdigen Bestandtheile zeigten sich in 
dicken Kotb umgewandelt. 

Von dem Striche, an welchem die Massen aus dem Gelände heraus- 
traten ^ bis an den Fuss des Crepadel, also auf 1000 Klafter Länge, sah 
man den ganzen Boden sozusagen in sich zusammenbrechen ; Diejenigen, 
welche sich darauf befanden, sahen ihn deutlich sich vorwärts bewegen 
und horten da^ dumpfe Rauschen der, aus den Spalten hervorbrechenden 
Massen. 

Um k Uhr Nachmittags überstiegen die abfliessenden Erdmassen schon 
die Bogenwiderlagen der Brücke, nach weiteren zwei Stunden war die 
Lawine um eine Klafter gestiegen und ein unterhalb der Brücke gelegenes 
Gebäude wurde von ihr verschlungen. 

Da auch die beiden Ortschaften Alvera mit der Zerstörung bedroht 
waren, so verfugte die Behörde deren Räumung noch vor Anbruch der 
Nacht und man stellte zahlreiche Wachen mit Lichtern von Cortina aus auf, 
welcher Markt nicht minder in der grösslen Gefahr schwebte, sobald die 
Lawine, Alvera verschüttend, das rechte Bigontinaufer überschritten hätte. 

Um 6 Uhr Abends nahm man die Seitenmauern der steinernen Brücke 
ab, um durch die Hinwegräumung dieses Hindernisses für den Abfluss der 
noch höher steigenden Schuttmassen dieses kostbare Bauwerk vielleicht 
noch zu retten. Aber diese Vorsicht war nutzlos, denn wenige Minuten 
darauf stürzte dasselbe ein und verschwand spurlos in der Lawine. 

Der Himmel wollte es, dass hiemit die Zerstörungen beendet sein 
sollten. 

Allmählich liess das Nachrücken der Schuttmassen nach und hörte 
endlich ganz auf. Aber 100 Joche völlig zerstörte und überschüttete Fel- 
dnng gaben noch lange Zeugniss von dem gewaltigen Ereignisse. 

Der angerichtete Schade ist auf 165.000 fr. angeschlagen worden. 

Obwohl, wie schon erwähnt wurde, bereits die Quellwässer einen 
Theil der losgegangenen Massen aufgelöst hatten^ so hätten diese allein 
die Lawine nicht hervorgerufen; denn erstens war diese Auflösung nur eine 
örtliche, und zweitens ging sie auch nirgends bis zur völligen Flüssigkeit 
der Materie. — Erst die furchtbaren Regen brachten die Massen durch und 
durch in Fluss. 

Man muss voraussetzen, dass sich die Schuttmassen nicht losgelöst 
hätten, wäre die in Frage stehende Fläche bewaldet gewesen, denn 
dann hätte nur der bei weitem geringere Theil des Regenwassers in 
den Untergrund dringen können, während es so, besonders auf den von 
jeder Bodendecke entblössten Aeckern fast unvermindert einsank. 



i» 



61 

Die Bergabsitzong Colmandro. 

(Wälschtirol.) 

Das Gebirge rechts vom Danoi in der Strecke zwischen den Pfarr- 
dörfern Canale und Canria besteht aus Grauwackengebilden und der Berg 
Colmandro insbesondere aus einem talkigen Thonschiefer, der tief, sehr 
tief hinein verwittert und auch sehr quellenreich ist* 

Der gegen den Danoi abdachende von mehreren Schluchten tief ge- 
furchte steile Hang des Colmandro, d. h. der Schauplatz der gegenwärti- 
gen Darstellung war von Oben bis Unten dicht bewaldet , nur ein flache- 
rer etwa 400 Klafter über den Danoi erhobener Absatz (Pian della borra) 
ist schon in alten Zeiten eben seiner geringeren Neigung wegen in Wie- 
sen umstaltet worden. Den Ertrag dieser Wiesen suchte man durch Be- 
wässerung zu steigern, und benützte hiezu die verschiedenen ausgiebigen 
Quellw&sser der dortigen Rinnsale , sie mittels künstlicher Gräben in das 
Grasland hineinleitend. 

Schon im Jahre 1793 senkte sich der unter der Wiesfläche zum Da- 
noi hinabstreichendetIangtheil(vom Riegel Costa della buse bis zum z weit- 
darauffolgenden Riegel Dorso dei mandrizzi) der Art, dass sein oberster 
Theil vom Pian della borra abriss, dort eine Schutfwand von durch- 
schnittlich 6 Klafter Hohe hinterlassend. 

Die Oberfläche der sich senkenden Massen blieb jedoch in der Haupt- 
sache unverändert * 

Allgemein gab toan dazumal — und zweifelsohne mit vollem Rechte 
— eben der Wtesenbewässerung Schuld, denn dadurch , dass man alle 
dortigen Wässer, welche in ihren naturlichen Rinnsalen unschädlich abge- 
flossen wären, stattdem auf den Hangsabsatz leitete, und sie hier zum 
Einsitzen zwang, erzeugte man absichtslos eine weiche, sozusagen flüssige 
Schuttlage, weiche eine andere statische Anordnung der das Gehänge bil- 
denden Schuttmassen bedingte und ermöglichte. 

Schon dieses erste Ereigniss zeigte, vrie ungemein tief die Auflösung 
(die Verwitterung) in dieses talkige Gestein gedrungen war; sie hätte sol- 
len zu Vorbeugungsmitteln oder wenigstens zur höchsten Vorsicht mahnen. 

Die Warnung aber blieb nutzlos, denn nicht nur setzte man die Wie- 
senbewässerung auf dem Pian della borra ungestört fort, sondern die firevle 
Hand des Eigennutzes legte 1809 sogar die Axt an den Wald, mit welchem 
der 1793 in Bewegung gekommene Hang noch allenthalben bestockt war. 

Verflucht sei die Hacke, welche den ersten Streich fahrte , wäre sie 
lieber zersplittert — an diesen Schäften, gleichwie am härtesten Gesteine. 

Die Folgen Hessen nicht auf sich warten. Die Regenwässer, welche 
nun unvermindert auf den schutzlosen Boden fielen, schössen sofort in 
Masse in die Hauptgerinne CValle (boal) di Canais und Val di Rebrut) zu- 
sammen, und schnitten hier tief in den verwitterten Schutt liinein 5 in Fol- 



m 

ge desaen ebenso dicke Sehichlen der in diese Gterinne abdachenden Ge- 
hänge der Riegel (Coala delle buae, dei fondi und dri mandriszi) ihre 
Grundlage einbüssten und um so eher dorthin absassen als deren erdiges 
Materiale eben durch die Regen sehr aufgeweieht war. — Jeder mdauern- 
de Regenfall yeranlasste von nun an Abnitschungeo, die oft bedeutend vnaar- 
den, wenn sie gleich lange Zeil auf den unteren Theii des entwaldeten 
Hanges beschränkt blieben , da erst hier das durch die 8eite»Kuflusse ver« 
stärkte Wasser der Schluchten Rebrut und Canais tief «innschneiden ver^ 
mochte. 

Die damaligen Erdbewegungen haben sich auch bis in das Innere der 
Bergmasse erstreckt und dadurch mehreren Quellen und Wasseradern den 
bisherigen Gang versperrt. Allerdings brachen sich diese später wieder 
neue Bahnen» aber während ihrer Absperrung haben sie zweifelsohne den 
umgebenden Schutt in weiten Kreisen erweicht und flüssig gemacht, und 
dadurch die späteren furchtbaren Ereignisse vorbereitet und mächtig ge- 
fördert. 

Zur Zeit der unglaublichen Regen und der ewig denkwürdigen Hoch- 
wässer des Oktobers 1823 rissen sich bereits ganz von Oben, zu beiden 
Seiten des Rebrut-Thales Massen von solcher Mächtigkeit los, dass sie die 
ganze Schlucht bis etwas über deren Einfluss in den Danoi hinaus an- 
füllten. 

Diese neuerliche, alle früheren an Grösse weit übertreffende Absitzung 
setzte völlig ausser Zweifel, dass die Erdbewegungen sich auch in das In- 
nere der Bergmasse verbreiten ; denn bald darauf kam Oben (an der Costa 
dei maiidrizzi) eine ganz neue Quelle zu Tag, und die obersten Quellen des 
Canaisthales versiegten, so dass die Abrutschungen hier vor der Hand ganz 
aufhorten. 

Die diessmals abgesessenen Massen wurden von den Wässern der 
beiden Schluchten grosstentheils in den Danoi getragen , sie trübton seine 
Fluthen durch 6 Monate so stark, dass selbst die Brenta auf ebenso lange 
Zeit ihre gewöhnliche Klarheit verlor. 

Im Dezember 18S5 stürzten abermals die Herbstregen in ungewöhn- 
licher Dichte viele Tage ununterbrochen nieder. 

In Folge dessen lössten sich am 13. dieses Monats am Rebrutthal» 
sowohl an dessen oberstem Anfange, als auch von den beiderseitigen Rie- 
geln (dorso dei fondi und costa dei mandrizzi) plötzlich so gewaltige Massen 
los, dass alsbald ein ungeheurer Scbuttkegel zu Stande kam, der seinen 
Fuss im^ette des Danoi und auf dessen linkseitigem Uferhange (Tondel 
delle Tiameiie) aufsteamend, diesen WUdstrom völlig absperrte und zum 
See atfirtlmte. 

Die wranCerbrochen nachrückenden Massen verllngerten nach und 
nach den F«ss dem Schuttkegeis dem Bette des Danoi entlang auf ftOO Klaf. 
lern, so dass dessen Ende gerade unter das Dorf Cannle di setto zu liegen 
kam. 



188 

Die herabg^eseflseneDen Massen vertieften die Schuttwand vom J. 1783 
nm 1% Klafter dsrchachnittlleb, und ea kam (allacoata deifondi) abermal« 
eine neue Quelle* sum Vorschein* 

Die ateigendeu Waaaer de« neugebildeten Sees äberschritlen awar 
endlidi den vorliegenden 80 Klafter hohen Danun^ ond waschen sich darin 
längs des linkseitigen Thalgehänges einen Kanal aus; sie waren jedoch 
nicht im Stande, die groben Steine und Felsbldcke wegznwalaen; diese 
blieben liegen und schutaten die tieferliegenden Massen vor der Abtragung. 
Die Sohle des Danoi blieb für immer um 15 Klafter erhöht» und dadurch 
auch der See für die Dauer gebildet. 

Dieser Lage di Cauria mass dazumal 825 Klafter Lange, 38 Klafter 
mittlere Breite und bei 14 Klafter Tiefe. 

Von dem Augenblicke dieser ungeheuren Absitznng an ward die Erd- 
bewegung des Rebrntthales völlig permanent. 

Die neu herabkommenden Massen werden zwar zum grössten Theil 
von den Fluthen des Danoi wieder aufgelösst und fortgetragen, die Fels- 
blöcke und weiter Unten auch die minder grossen Steine bleiben aber lie- 
gen, und erhöhen fort und fort das Bett dieses Flusses, und verlangern 
den Spiegel des Sees gegen Cauria zu. 

Schon im Frühjahre 1826 war die Erhöhung so weit gegangen, dass 
die Häuser und Felder des am linkseitigen Gestade etwas ober Canal ge- 
legenen Dorfes Ponte, welches früher 6 Klafter ober dem /Flussbette lag, 
überschüttet wurden. 

Vor dem Jahre 1885 lief der Danoi noch am Fusse des Colmandro 
in einem 7 — 8 Klafter breiten Bette , im Frühjahre 1826 hatten die ab- 
gesessenen Stein massen das Danoithal bis über Canal hinaas 6 — 15 Klaf- 
ter hoch ausgefüllt. — In der neugebildeten Schuttsohle von 42 Klafter 
mittlerer Breite irrte der Danoi in vielen Armen herum , änderte seinen 
Lauf bei jedem Hochwasser, hielt sich jedoch in der Hauptsache an den 
jenseitigen Rand, hier fort und fort in die Felder des Pfarrdorfes Canal 
einreiss^id* 

So geht die Erdbewegung fort bis auf den heutigen Tag. 

Ununterbrochen sitzt neuer Schutt herab, und bei starkem andauern- 
dem Regen oder bei plötzlichem Thauwetter in so gewaltiger Menge, dass 
der Danoi immer wieder von Neuem abgesperrt wird. 

Im Gtebirgsausrisse selbst geht die Erdbewegung im Allgemeinen fol- 
genden Gang. 

So lange die Quellenwässer, welche ganz Oben aus verschiedenen 
Punkten des Ausrisses herauskommen, einzeln laufen, haben sie (be^ trocke- 
nem Wetter) noch nicht Kraft genug zur Auflösung des Schuttes. Bald 
jedoch vereinigen sich zwei oder mehrere Wasserfaden, und alsbaU wüh- 
len sie auch die Schuttmassen auf, schneiden sich in diese hinein und wa- 
schen an einzelnen weicheren Stellen kleine Becken aus, in welche von 
den äusserst steilen Hängen alsbald jene Schuttsäulen nachstürzen, welche 
durch das Auswaschen ihrer Basis beraubt worden sind. Dieser Schutt 



18» 

ferleg^l den Ausgang der Becken und staut das nachiliessende Wasser in- 
solange auf, bis der wachsende Druck die yorliegende Materie durch- 
bricht; in Folge dessen dann der ganze Inhalt des Beckens als Brei in die 
Hauptschlucht abfallt, und von hier im Vereine mit den aus anderen Ein- 
schnitten kommenden Massen endlich in den Danoi abrinnt 

Alle 4 — S Minuten entleeren sich die kleinen Becken und weithin 
hört man das prasselnde Gepolter der abstürzenden Massen. 

Zur Regenzeit oder beim schnellen Wegthauen des Winterschnees 
geht dieser Prozess viel rascher und grossartiger vor sich; denn er- 
stens sind die abrinnenden Wisser ungleich starker, und zweitens sind 
die Schuttgehänge dann völlig durchweicht und daher besonders geneigt 
zum Abrutschen. 

Darum rückt dann auch die abgesessene Materie in solcher Stärke 
nach» dass sie Unten neuerdings den Danoi absperrt. 

Der Vorgang der Absitzung ist noch heute der nemUche, v^ie 18S5* 
Aber der Bergausriss selbst hat sich sichtlich gebessert. Bereits ist das 
am Leichtesten Absitzbare von hinnen gegangen; die jetzt am Tage lie- 
genden Massen scheinen festerer, widerstandsfähigerer Natur zu seiu, und 
was sehr viel sagen vrill, die Böschung des Ausrisses ist eine bei Weitem 
minder steile geworden, wesswegen sich denn auch vielenorts einiger 
Pflahzenwuchs angesiedelt hat 

Darum sind auch die Absitznngen schon seit einiger Zeit minder 
grossartig, und es lässt sich mit Grund hoffen, dass sie fort und fort an 
Bedeutung verlieren werden. 

Die Steinmassen am Fusse des Rebrutthales haben so aii Höhe zu- 
genommen» dass der Canoriasee heutzutage eine Breite von etwa 850 Klaf« 
ter gewonnen hat und sich bei 500 Klaftern zurückerstreckt 

Unersetzlich sind die Verwüstungen, welche der Danoi in den ehe- 
mals blühenden Thalgeländen vom See an bis über Canale hinaus ange- 
richtet hat 

Schon Oben ist die 1826 erfolgte Verschüttung des am linkseitigen 
alten Danoiufer gelegenen Dorfes Ponte (80 Häuser) mit seinen Fluren 
erwähnt worden. Dem folgte noch in selbem Jahre der Weiler Remissore 
nach. -— Das war aber nur das Vorspiel zu weit fürchterlicheren Zerstö* 
rungen« 

Durch die früherbesprochenen ungeheuren Schuttablagerungen ist 
nemlich der Danoi ganz auf den linken Rand der neuen wüsten Thalsohle 
geworfen wcHrden und begann alsbald in den zweiten höher gelegenen 
Thalstaffel einzufressen, auf welchem das grosse Pfarrdorf Canale di sot- 
to erbaut war. 

Besonders verderblich wirkten die Hochfluthen, welche die plötzli- 
chen Kntleerungen des aufgestauten Sees begleiteten, und gar oft führten 
sie ihr fürchterliches Trauerspiel bei hellstem Sonnenschein auf» 

Der Vorgang war an und für sich einfach. Der Wildstrom frass sich 
unter die Flur hinein, so dass diese, ihrer Unterlage beraubt, sofort stück- 



IM 

weise in die Plothen sturste. — Um die fressende Wirkung^ der Wisser 
g^anz za beg^reifen, wolle man berücksichtigten, dass die grossen Stein* 
und Sekuttmassen , welche sie mit sich führten, ihre nagfende Kraft ausser- 
ordentlich vermehrten. 

So brachen Feld auf Feld , und endück Haus auf Haus von Canale 
di sotto in den Danoi hinab ; 1829 stürzte die Pfarrkirche in seine Wellen 
nach, und dermalen ist fast jede Spur dieses einst so grossen und dicht- 
bevölkerten Dorfes und seiner fruchtbaren Felder völlig verschvnmden. 
Zwar haben es Einzelne oder die Gemeinde versucht, die FInthen durch 
Uferschntzbauten abzulenken, aber was vermag die geringe und zudem 
ungeleitete Kraft eines Bauers oder einer armen Gemeinde gegen die 
furchtbare Wuth eines reissenden, mit Schutt geschwängerten Wildstro- 
mes? Das erste Hochwasser vernichtete in der Regel all diese Erzeug- 
nisse der schlechtberechnenden hastigen Angst Kein Fremder vermag 
zu ahnen , welch Fülle von Leben und Produkzionskraft unter der jetzi- 
gen unabsehbaren Schuttfliche begraben liegt. 

Auch hier hat sich schon Manches gebessert; der früher in vielMi 
Armen auf der weiten Sohle herumirrende Danoi hat sich grossentheils 
schon wieder ein mehr ständiges Bett gegraben, und die zur Ruhe ge- 
langten Schuttablagerungen haben sich fast überall mit einem dichten Erd- 
anflug überzogen. ^ 

Aber der Colmandro hat seine Verwüstungen auch tief in die blü- 
henden Fluren Venieziens hinausgetragen. 

Dort, wo der in den Cismon aufgegangene Danoi aus den Hochber- 
gen in den italischen Garten hinaustritt, d. h. bei Fongaso, fast drei Mei- 
len vom Bergbruche entfernt, hat er weit über JMW Joche des herrlichsten 
Weinlandes mit seinem Steinschutte hoch überdeckt, alle dortigen Pacht- 
hüfe, Mühlen und Holzs&gen weggerissen oder unbrauchbar gemacht; und 
nur durch die kostbarsten Verarchungen vermochte man die auf dem hö- 
heren Thalstaflel gelegenen Güter und den Ort Fongaso bis jetzt vor der 
Unterwaschung zu schützen. 

Die letzten nicht viel weniger nachtheiligen Wirkungen gehen jedoch 
mittels der Brenta tief in die venezianische Ebene hinab ; denn bis dorthin 
tragen die WSsser den Sand und den Letten des Colmandro. Alljährlich 
erhöhen die hinausgeführten Erdmassen die Sohlen der Brenta und der 
von ihr ausgehenden SchiflTahrtskanäle , und die Dämme der ersteren müs- 
sen von Zeit zu Zeit erhöht, und die letzteren geräumt werden, was 
bloss des Rebrnts wegen alljährlich bei 80.000 fr. kostet« Ueberdiess ha- 
ben die vom plötzlichen Durchbruche des Cauriasees herrührenden An- 
schwellungen der Brenta schon öfter deren Dämme durchbrochen, weite 
Flächen des umfa'egenden Gartenlandes überschwemmt und mit Gruss über- 
tragen, und Schäden angerichtet, deren Grösse über die Berechnung 
hinansliegt. 

Wer noch vor etwa 1& Jahren Tirol besuchte , traf oft auf herum- 
irrende Greise, auf Mütter mit einem säugenden Kinde an der Brust und 



141 

einigen nicht viel grösseren an der Seite, auf ganze Familien abgemager- 
ter, in Lampen gehüllter Gestalten, welche in einem ganz eigenen Wai- 
schen ihre Almosen erhaten. 

Diese Bettler waren die einst bemittelten Grundbesitzer von Ponte- 
Remissore und Canal di sotto. 

Noch jetzt stolpern einige von ihnen im Lande umher, nicht wissend, 
in welchem Winkel sie einst ihr müdes Haupt zur Buhe legen, welch 
fremde Erde ihre Geheine aufnehmen wird* Sie finden einigen Trost in 
der ErzaUung ihres Unglückes, und die Uederen tiroler Hausfrauen, 
welche denselben noch nie Unterstand und Almosen verweigert haben, 
weinMi dabei gerne mit ihnen eine Thräne des Mitleids ob der schreckli- 
chen VerwQstungen des Colmandro. 



02 

Abtragimg ud Abnmdimg «er Alpenhoeliberge. 

Die Atmosfare, die Gletscher und Ferner, die Meteore, alle Natm^ 
kräfle, vor Allem aber die Wässer wirken zusammen zur Abtragung der 
Uocfaberge unserer Alpen, auf dem chemischen Wege der Verwitterung, 
noch mehr aber auf den mechanischen Wegen der Zertrümmerung , Zer- 
robung und Weiterführung des Gresteines und seiner Bnichtheiie. 

Offenbar dauern die nemlichen Veränderungen, welche in den vorge* 
sdicbtiichen Anschwemmungsperioden die jetzige Gestalt unserer Erdober- 
fläche in der Hauptsache vollendet haben, noch immer iort; ähnliche Abtra«> 
gwagen und Zersetzungen, Anschwemmungen und NeubiMUmgen haben 
statt; nur kommen sie uns winftig vw, weil wir in unserer Blindheit der 
gewalligen Summe aHer Wirkmigen des unermesslichen Alluvions-2eitrau* 
mes jene geringen Veränderungen entgegensetzen» welche sich während 
der kurzen Spanne eines Menschenlebens ergeben. 

Die vieÜach eckige und scharfe Oberfläche der Alpen ist also noch 
immer in emem allmählichen Abänderungsprozesse begriffen; ihre Gipfel, 
Kämme und Wände , selbst ihre Hänge senden fort und fort neue Massen 
in die Thäler, sie f&Uen deren Vertiefungen damit ans oder erhöben die 
Sohlen, während sie selbst an Schreftheit verlieren. — Auch die Berge der 
umliegenden Flachländer dürften einst weit zackige und schroffer gewesen 
sein; weil sie aber viel älter sind, so ist bei ihnen die Abrundungin der 
Hanptsache schon vollendet. Auch die Alpen werden es nach und nach zu 
ähnlicher Abrundung brmgCMi, wie die Berge der Flachländer; bis dorthin 
aber wird ein Zeitstrom verfUessen, dessen Grösse kein Sterblicher zu 
ermessen vermag. 



M 



63 
FelsbSden. 

Anf den zahlreichen Felsen der Alpen kann man noch tätlich beobach- 
ten , wie aus dem festen Cresteine nach und nach die Erdkrnme entsteht — 
Der Sauerstoff der Luft, der Wechsel von Feuchte und Trockne, von 
Wärme und Kälte wirken zersetzend auf die Gesteinsoberfläche , und um- 
wandeln sie in eine röthlichbraune oder (beim Kalke) g^raue Rinde, ans 
welcher die verschiedenen Bestandtbeile scheinbar g^leichartig^er Gesteine 
deutlich hervorseben. Der Regien und das Schmelzwasser des Schnees 
fuhren die ablösbaren ersten Erdtheilcben in die kleinen Vertiefnng^en der 
Felsoberfläche zusammen, woselbst sie bereits einen genüg^enden Standort 
jf&r Flechten und einige Moose abgeben, die sich alsbald auch darüber 
ansiedeln. Der nunmehrige Pflanzenuberzug fördert sehr wesentUch die 
weitere Verwitterung und der Humus , welcher sich aus seinen absterben- 
den Theilen bildet, verwandelt sehr bald die schwache Erdschicht in eine 
Krume, in der auch Gräser, und später selbst Holzgewächse fortzukom- 
men vermögen. 

So fiberzieht sich denn endlich der Fels mit Vegetazion , und die neu- 
gebildete Erde wird gegen das Weggeschwemmtwerden durch den Rasen- 
filz geschützt, ohne welchen sie sich auf den steilen Felsabdachnngen nie 
zu halten vermöchte. 

So schreitet unter dieser Pflanzendecke einerseits die oberwähnte 
Zertrümmerung des Felses und anderseits die Oberflächeoverwitterung sei- 
ner Bruchstücke zu förmlicher Erde immer mehr vor, bis endUch im Lianfe 
ungeheurer, .völlig unmessbarer Zeiträume sich jene bedeutenden Brdkrv- 
men herausbilden , welche wir auf unseren Bergen schon fertig antreffen. 

Dass die Krumen unserer Gebirgsabhänge wirklich so entstanden sind, 
wird völlig klar, sobald wir nur irgendwo in einen derselben tief genug 
hineinschneiden. Unter dem Rasenfilze des Grasbodens oder der Moos-, 
Heidelbeer-, Laub- oder Nadeldecke des Waldes treffen wir dann auf eine 
Erdschicht, welche offenbar ein Gemenge der feinsten Verwitterungsbe- 
standtheile des Felses (Sand oder Lehm) mit Humus ist, nach Unten zu 
wird der Humusantheil immer geringer und die Verwitterungsbestand- 
theile werden immer gröber, bis sie alimihlich in den völlig festen Pels 
fibergehen. 

Die Böden aller steilen Hänge heisst man mit Recht Felsböden, denn 
sie sind aus dem dortigen Fels entstanden und ruhen auf ihm. 

Sobald Pels und Krume allenthalben mit einem dichten Pflanzenfilze 
überzogen waren, wurde zwar deren Erde nicht mehr wesentlich abge- 
schwemmt Aber bis das geschah, verging ein ungeheurer Zeitraum, 
während welchem jede Regen- oder Thaufluth von allen geneigten Stellen 
die feineren Erdtheile wegführte , um sie zum guten Theil schon auf den 
flachen Absätzen, besonders aber in den Mulden und Kesseln wieder abzu- 



141 

•eUen. Der endlich ziutandegekommene Pflansenfilz tbat zwar der Ab- 
schwemmang in Masse Einhalt, er verbinderte sie aber nie g^anz; denn 
immer bleiben noch einzelne blosse oder mirfder dicht überwachsene Stellen 
übrig; nnd so geht denn die Abschwemmung noch bentzntage ihren Gang. 
Darum wechseln auch die Dicke und die Femheit der Krume in den Hoch- 
bergen ausserordentlich, selbst auf ein- und derselben Gebirgsart. — Aut 
den steilen Stellen ist die Krume sehr seicht und grob , weil dort die Ab- 
schwemmung am stärksten wirkte (und noch jätzt wirkt), auf sanft geneig- 
ten Stellen ist sie ausgiebiger, weil hier viel weniger abgeschtremmt wird,' 
und auf ebenen Plätzen, in Mulden und Kesseln wird sie am mächtigsten 
und feinsten^ denn nicht nur wurde hier nie was weggeschwemmt, son- 
dern die Wässer haben noch einen guten Theii des Materiales hier abge- 
setzt, welches sie den darüber gelegenen Gehängen entfuhrt haben. 

Von grossem Einflüsse ist dann auch die Felsart auf die Dicke der 
Krume; ich habe schon oben erwähnt, dass z. B. die talkigen Schiefer Bebx 
leicht und tief in den Berg hinein verwittern , sie* bilden also eine äusserst 
starke Krume. Der Kalk hingegen verwittert nur schwer, er liefert daher 
einen seichten Boden. 

Aber auch ein- und dieselbe geognostische Felsart liefert Böden von 
sehr verschiedener Mächtigkeit und Korn; je nach der ausserordentlich 
wechselnden Zusammensetzung der, Gesteinsart Hier ist z. B. eine Grau- 
wacke sehr grobquarzig und gibt einen seichten, schotterigen Boden, 
gleich daneben tritt der Quarz nach Menge oder im Korne zurück und 
liefert eine tiefe, feinerdige Krume. Hier hat ein fester Alpenkalk eine 
dünne Lehmschicht hervorgebracht, die fast unmittelbar auf dem Fels 
aufliegt, gleich daneben liegt unter dem Lehm eine mächtige Schicht von 
Schutt und Getrümmer, weil der hiesige Kalkfels sehr zur Zersplitterung 
geneigt ist 

Kurz Alles wirkt in den Bergen auf einen grossen und raschen 
Wechsel der Kmmendicke zusammen* Dieser Wechsel ist minder auf- 
fallend auf den Urfelsarten und auf den Sandsteinen , am allergrüssten auf 
den Grauwackegebilden und auf dem Alpenkalke. 

Bei dem sehr erheblichen Einflüsse der Krumendicke auf den Holz- 
wuchs, wechseln auch schon darum die Wachsthumsverhältnisse der 
Wälder dieser Hochberge in sehr geringen Entfernungen äusserst erheb- 
lich, besonders rücksichtlich jener Holzarten, welche, wie z. B. die Bu- 
che, eine bedeutende Bodentiefe fordern. 

So viel aber haben alle Felsböden (gegenüber den angeschwemmten 
der Thäler) gemein, dass sie erstens mehr oder weniger selcht, zwei- 
tens steinig sind , und drittens den Fels zum Untergrunde oder doch we- 
nigstens zur Unterlage haben. 

Der zweite Umstand ist der Waldvegetiaion gewöhnlich günstig, 
denn er verleiht dem Boden eine gewisse Lockerheit und macht ihn gewis- 
sermassen fruchtbarer^ weil die Steintrümmer durch ihre fortdauernde Ab- 
witterung ununterbrochen neue mineralische Nährstoffe liefern. 



m 

Auch der dritte Umiland wirkt öfter gOostif » deon er geetattet keio 
tiefes Versinken der atmoifariechen Wässer, sondern behalt diese sa 
Gansten der Vegetazion in der Nabe der CMierfUiche. — Nor auf den 
stark :&erklfifteten Kaiken wird dieser Umstand nachtheilig» denn hier ver- 
sickern die meteorischen Wässer in die zahlreichen Spalten« ojine dass 
der aus ihnen emporsteigende Wasserdampf nur annähernd hinreichen 
würde, um die Krume zu Zeiten der Dürre zu erfrischen. Hierin liegt 
gutentheils die grosse Unfruchtbarkeit der Karate. 



64 
ThalbOden. 

€ranz verschieden von den Felsböden der Berge sind jene der Thäler 
nnd des Thalgehügels, welche der Anschwemmung ihren Ursprung ver- 
danken. Sie sind dickkrumig und haben insbesondere einen äusserst mäditi* 
gen Untergrund; es wäre denn, dass dieser aus Schutt oder Gkschieben 
bestehend^ durch kalkhaltige Seigwässer zu Gestein znsammengekittet 
worden wäre, wie das wirklich im Kalkgebirge hänig der Fall ist, wo die 
urahen Kalkgeschieblagen der meisten Hauptthäler^ so wieder sich vom 
Gebirgsfiisse hinabziehenden Ebenen (am Nordrande der Alpen) auf weite 
Strecken zu Nagelfluhe zusammengesintert sind. 

Die Böden der durch Steinfalle, Bergstürze, Erd- und Bergabsitsmi* 
gen entstandenen Halden und Hügel liegen zwischen den Fds- and den mm- 
geschwemmten Böden etwa in der Mitte. 



65 
ms Udeii dsr Alpen tsrMian la Kaikgestein- «ü TkMgefteinbMeiL 

Nach ihrer mineralischen Zusammensetzung theilen sich die Krumen 
der östreichischen Alpen in zwei grosse Hauptgruppen , je nachdem sie aus 
Kalk- oder aus den übrigen Gesteinen hervorgegangen sind. In der ersten 
spidt der Kalkgehalt, in der zweiten der (vom Feldspath herrührende) 
Thongehalt die entscheidende Aolle. 

Bloss zur Unterscheidung will ich diese zwei Gruppen Kalkstein- und 
Thongestein-Böden heissen. 

Ueber die genaue mineralische !£usammensetzung der verschiedenen 
Krumen liegt noch eine tiefe Nacht Würde man auch die Bestandtheile 
der Felsarten, ans welchen sie entstanden sind, aufs Allei^enaueste ken- 
nen, so wäre damit für die Kenntniss der Erdkrume noch immer nicht viel 
gewonnen , da ja die Vegetazion, weit mehr aber die absickernden Wässer 
unermesslicher Zeiträume beständig an der Aenderung dieser Zusammen- 
setzung gearbeitet haben^ erstere, indem sie bedeutende Menge löslicher 



m 

Beatandthefle verbraucht, und letstere, miem sie noch viel gr5l»ere Men- 
gen derselben entführt haben. 

So viel aber weiss man, dasa die Kalksteinkrumen sich durch. einen 
irtirkeren Kalk, und die Feldspatbdden durch grösseren Gehalt an Alkalien 
aussdchnen. . 



66 
Kalk-Thonbdden. 

Unter der 8— 6z511igen vegetabilischen Schwarte Uegt eine 6-~18zöllige 
Schicht gelbbraunen bindigen Lehms und darunter unmittelbar der Fels oder 
seine Trümmer. Die Lehmschicht ist jedoch bei besonders seichten Kru-; 
men öfter nur 3 Zoll stark, am Fasse der Berge und im Grunde der Mul- 
den und Kessel aber trifft man sie nicht selten auch 3(>— 40zöllig. 

In geschlossen erhaltenen Buchenwäldern oder auf Flächen , welche 
mit (krautartiger) Heide bewachsen sind , wird die Schwarte öfter gen IS 
Zoll stark. 

Die mineralische Bodenschicht ist bei der Untersuchung einiger ge- 
wöhnlicher solcher Böden gefunden worden , wie folgt. 

Prosente 
flreuen Vital 

Thon 60--.87 78 

Kalksand und Grus • • 86— 9 18 . 

Kohlensaurer Kalk • • 9— 3 6 

Humus ..... 1— » ly. 

Diese Böden sind daher völlige Thonböden, manchmal jedoch wächst 
ihr Gehalt an Kalksand in dem Masse, dass man sie stattdem als Lehmbö- 
den bezeichnen muss. Ihr Kalkgehalt ist zwar immer bedeutend und von 
sichtlichem Einflüsse auf die Vegetazion, aber nicht gross genug, um sie 
zu förmlichen Kalkböden nach der bisherigen wissenschaftlichen Termino- 
logie zu machen. 

Nichts beweist schlagender , als gerade diese Böden , wie wenig man 
aus der Zusammensetzung der Felsarten auf die Bestandtheile der Schollen 
schliessen darf, welche aus ihnen entstanden sind. 

Diese Böden ^ deren Thongehalt bei 70, deren Kaikantheil jedoch nur 
bei 6 Prozente beträgt, sind aus dem gewöhnlichen Alpenkalke hervorgev 
gangen, welcher gewöhnlich wenigstens 7/)— 80 Prozente kohlensauren 
Kalk und nur etwa* Vs—^V« Thonerdß enthält. Welch wunderbare Um- 
wandlang ! — Doch ist sie nicht unerklärlich. Bekanntlich ist der kohlensaure 
Kalk im Wasser löslich, berücksichtigen wir nun, dass seit den ersten 
Anfängen der Krumenbildung Jahrtausende, oder um richtiger zu sprechen, 
völlig unberechenbare Zeiträume verflossen sind , so können wir uns sehr 
gut vorstellen , dass die atmosfarischen Wässer den kohlensauren Kalk bis 

10 



auf eiMfi kldkieii R^tC entAhrt, fa«t jinmdlche ThoBerda inul ihre Vor« 
bindun^en jedoch als unlöslich zurück|^elas8en haben« 

Die mergvlif en Ablnderan^en des Alpenktlkes haben Böden ^pelie- 
feK, Welche sich weniger dorch die Verschiedenheit ihrer HanptbeslMid« 
theile, als vielmehr durch ihre Tiefgrfindigkeit unterscheiden. Letntere ist 
offenbar in der viel leichteren Verwitterbarkeit des Mergels gegründet 

Die AIpenkalk-Thon- und Lehmböden sagen der Fichte, der Buche» 
der Lerche, der Tanne, der Kiefer und der Legföhre im Allgemeinen sehr 
wohl SU , nur schliessen Fieble und Taue und selbst auch Lerche und 
Weisföhre ihr Hanptwachsthum bald ab; daher ihre Wälder hier früh 
baubar werden, und selten besonders starkes Hob tiefem. 

Bezeichnend för diese Böden ist die grosse Manigfaltigkeit der vor- 
kommenden Holzarten ; von denen jedoch, welche ihn besonders vorziehen, 
haben nur noch der Bergahorn, die Hoprenbuche, der Bohnenbaum, die 
Eibe, der Zirgelbaum, die Blumenesche, der Perückensumach und die 
weichhalu^ige Biche forstliche Bedeutung. — Die einzige Birke bleibt hier 
immer ein seltener Grast 

Im geschlossenen hohen Holze sind £ese Böden gewöhnlich nur mit 
sehr wenigen Kräutern und Gräsern, oder mit kurzen Moosen bedeckt, 
daher jederzeit so empfanglich fBr die Aufnahme und das Keimen des fal- 
lenden Samens, dass jedes^ Samenjahr auch einen sehr zahfareichen Nach- 
wuchs hervomilk. ^ Freij^tttellt (im kahlschlage) erzeugen diese Kru- 
men bereits im zweiten Jahre einen fippigen Gras- und Kräuterwuchs, 
der gewöhnlich sobon im drillen Jahre so überhaad niaunt, dass unter 
ihm jede keimende Holzpflanze ersticken muss. Der kräftige Wuchs die- 
ser Unkräuter (darunter bezeichnend die Himbeere und andere Kalkpflan- 
zen) dauert nach Massgabe des vorhandenen Humus und der diesen Kräu- 
tern besonders zusagenden mineralischen Nährstoffe 5 -^ 16 Jahre , nach 
welchur Zeil endlich der dichte Kräuterwuchs kurzen und lockeren Grä- 
sern Platz macht, zwischen denen die Holzpflanzen vortrefflich keimen und 
geddhen« 

Die Selbstverjüngung ergibt sich daher auf diesen Böden, unter dem 
geschlossenen Hochholze und auf dem Kahlschlage allsogleich nach dem Hiebe 
odar nach vorfibergegangenem starkem Gras- und Kräuterwuchse ohne 
erheblichem Anstände. 

Erst nach sehr langem Blossliegen und auf den steilen Hängen ver- 
wildem diese Böden !n Folge der Abschwemmong durch die Begenwis* 
ser; sie Aberziehen sich dann mit krautartiger Heide, mit Preusselbeeren 
und hoch oben mit Alpenrosen, welche Gewächse zwar den Boden vor 
weiterer Abschwemmung erheblich scbüttsen» die aber auch, insbesondere die 
erste das Aufkommen des natürlichen Nachwuchses bedeutend erschweren. 



67 
Kalksandboden. 

Unter einer 5 — 7 söllijo^en Schwarte liegft gewöhniicii 9 — 18 Zoll 
weisser Kalkschutt, und darunter der nur wenigf ▼erwicterte Fels. Oefter 
lieg^ aber die Schwarte fast unmittelbar auf den Fels anf. In den gunstigren 
Fallen jedoch liegt unter dem Huniiis mehr oder weniger feiner weisser 
Sand Ton bedeutender Mächtigkeit. 

Der Dolomit und die vielverbreiteten dolmnitischeo Kalke sind es» 
weiche diesen Boden erzengen. 

Die Schwarte besteht gewöhnlich ans dem wenig iösUdien, sehr 
schwärzen pulverigen überkohligen Humus, aus dem öfter gaftz fälschlich 
auf grosse Fruchtbarkeit des Bodens geschlossen wird. 

Der die mineralische Krume bildende Sand oder Schutt ist durch die 
Zersplitterung des ursprünglichen Felses entstanden. Die meisten dolomiti- 
schen Kalke zerfallen nemlich leicht nach ihren eigenthömlichen Abson- 
derungsflächen und oft so ins Kleine» dass sie zu fSrmlichen Sande wer- 
den. Aber über diesen Punkt geht die Verwitterung nur wenig hinaus. 
Diess wenige» was sich an der OberflUcfae der einzelnen Sand- oder Schutt- 
körner auflöst» wird von den Pflanzen verbraucht» oder vom Wasser ent- 
fuhrt; es entbehrt daher dieser Boden der krumlichen Erde und insbeson« 
dere mangelt ihm gänzlich der Thon. 

Letzterer Umstand erklärt die vergleichungsweise bedeutende Un- 
fruchtbarkeit dieser Böden» welche um so auffallender ist» als die Dolo- 
mite doch 10 -- 45 Prozente Bittererde enthalten. 

Sämmtliche Hölzer des Kalk-Thonbodens kommen zwar noch auf die- 
sen Kalksandböden fort» sie wachsen aber hier auffallend schlechter. Nur 
selten triSl man auf dichtgeschlossene Bestände» schon sehr früh vollenden 
sie ihren Hauptwuchs und nur wenige Stämme erreichen bedeutende Stär- 
ke und hohes Alter« 

Ausgedehnte Buchenbestände kommen auf diesem Boden nicht vor» die 
Tanne scheint ihn ganz zu meiden» dagegen gedeihen Lerche und Kiefer 
verhältnissmässig besser» als die Fichte; und die Schwarzfohre hat sich 
auf ihm oft und mit Erfolg angesiedelt. Auch der Legfohre sagt der Kalk- 
ssndboden wohl zu ; sie fiberzieht sehr häufig Schuttablagerungen» aufwei- 
chen kaum eine andere Holzart fortzukommen vermöchte. Die Birke aber 
flieht diese Krume allenthalben. — Bei dem schiechten Wüchse der Haupt- 
holzarten und insbesondere der alles überwiegend auftretenden Fichte» bei 
dem mangelhaften Schlüsse seiner Bestände gibt der Kalkschuttboden einen 
bedeutend geringeren Holzertrag » als der Kalk-Thonboden; ja einen durch- 
schnittlich geringeren» als jede andere der in den Alpen herrschenden 
Schollen. 

Wegen des mangelhaften Bestandesschlusses hat der noch bewaldete 
Kalksandboden häufig schon eine bedeutende Unkrautdecke (meistens kraut- 

10 • 



artige JBeide und Schopfgras), welche dem Selbst- Aufkommen des Nach- 
wuchses gewohnlich sehr nennenswerthe Schwierigkeiten entgegensetzt, 
ja dasselbe oft ganz vereitelt* 

Nach dem Kahlschlage wuchern diese Unkräuter und insbesondere 
die Ju*autartige Heide in solchem Masse, dass ohne künstliche NachhQlfe 
die Holzpflanzen nur spärlich und kümmerlich aufkommen, daher die Selbst- 
verjüngung dieser Böden nie vollsländig und allsogleich erfolgt. 

Die Kalksandkrume bedarf zur möglichsten vegetativen Leistung un- 
ter allen Alpenböden am meisten des Schutzes einer Grasnarbe oder eines 
beschattenden Waldstandes, denn nur diese vermögen der Krume die nö- 
thige Feuchte zu erhalten. Nirgends wirkt auch die Bewlsserung krafti- 
ger, wie auf diesen Schollen. 

Zwischen dem ausgeprägten Kalksand- und dem Kalk-Thonboden lie- 
gen manm'gfaltige Zwischenstufen , welche auch allenthalben in den Alpen 
anzutreffen sind« 



68 
ScMeferbOden. 

Die Felsböden, welche die ausgedehnten Züge von Glimmer-, Thon-, 
Kalk-, Klorit- und Grauwackenschiefer geliefert haben, will ich Schiefer- 
böden heissen. 

Der Geologe, welcher die Gesteine nach Bildungsperioden ordnet^ 
mag diese Felsarten wohl mit Recht auseinanderreissen, mit gleichen Recht 
jedoch wirft sie derjenige zusammen, dem es nur um die Vegetazionstaug- 
lichkeit der Bodenkrumen zu thun ist 

Die Krumen, welche die Berge dieser Felsarten überkleiden, sind 
durchaus nicht zu völb'g reinen Erden verwittert, vielmehr bestehen sie 
grösstentheils nur aus den mehr oder minder fein zertrümmerten Bruch- 
stücken des ursprünglichen Felses« Sie sind gewissermassen nur aufge- 
lösster Fels, und selbst die Oberfläche der kleinen Bruchstücke ist oft noch 
so wenig angegriffen , dass man aus deren Anblick allsogleich das Gestein 
erkennt, aus welchem der Boden hervorgegangen ist. Diess ist ganz be- 
sonders bei den Glimmer- und Talkschiefererden der FalL 

Durch den Namen: „Schieferböden'' wollte ich diesen Umstand und 
die Verschiedenheit von den mehr verwitterten Böden andeuten. 

Diese Schieferböden haben in der Regel (den Pflanzenwnchs abgerech- 
net) keine merkbare Humusschwarte, sondern die oberste Erdschicht ist 
vom Humus nur bis auf 1 — 3 Zoll Tiefe grau gefärbt. Die Krume ist 1 — 
S Fuss starke und ruht auf einer gleichstarken , manchmal aber noch weit 
mächtigeren Lage von schieferigem Schutt, der allmählich in das feste Ge- 
stein übergeht. 

Die Untersuchung einiger dieser Böden von gewöhnlichem Vorkommen, 
hat fttr die eigentliche Krume die nachfolgende Zusammensetzung ergeben . 



14» 
PPMimto 

Oreun ■littl 

Steine und Sand bestehend aus den Brach«tücken 

der Febart 50 —70 SS 

Glimmeriger oder talkiger Thon 50 —30 38 

Kohlensaurer Kalk % — 3V» IV« 

Humus 1—4 8 

Diese Schiefer sind jedoch öfter so quarzig« dass sie einen förmlichen 
Sandboden erzeugten. Anderseits haben sich in die tiefgelegenen Mulden 
stark thonerdehältiger Schieferberge wieder Krumen eingelagert, welche 
formliche Thonböden geworden sind. 

Die Bedeutung dieser Böden fiir den Waldwuchs werde ich weiter 
unten besprechen; hier bemerke ich nur noch, dass sich die talkigen Schie- 
ferböden durch geilen Holzwuchs vor allen übrigen Bodenarten hervorthun. 



69 
GewShnliclie thonige B5deiL 

Auch die gewöhnlichen thonigen Felsböden (deren Bestandtheile gröss- 
tentheils völlig zu Erde verwittert sind) kommen in den Alpen in sehr gros- 
ser Ausdehnung vor; sie sind gewöhnlich das Ergebniss des Granites, des 
Porfirs und des Sandsteines. 

Alle diese Böden unterscheiden sich nicht wesentlich nach der Felsart, 
aus welcher sie entsprungen sind^ wohl aber wechseln sie nachdem Men- 
gungsverhältnisse der Bestandtheile des Multergesteines sehr stark und 
zwar vom lehmigen Sandboden bis zum eigentlichen Thonböden. Dieser 
Wechsel hat jedoch meist nur allmählich statt, und lange Strecken zeigen 
eine völlig gleichmassige Zusammensetzung. 

Alle diese Böden sind gewöhnlich tiefgründig. 

Am gleichmässigsten bleibt sich der Boden des Sandsteines; durch die 
ganzen Alpen hindurch ist er fast überall der nemliche gemeine Lehmboden. 

Einige Untersuchungen desselben im Wiener Walde haben folgende 
Ergebnisse geliefert: 

Progente 

teSMiit BtM 

Fasern und Schutt 5 —15 11 

Sand SO —35 «7 

GemeuierThon • • • • 45 —55 50 

Ueberkohliger Humus 8—4 3 

Kohlensaure Thonerde 0—5 f-y 

Kohlensaurer Kalk — 4 S*o 

Kohlensaures Eisen 3—4 3*9 



ftram i^^ 

Kobtaisaure BiUererde — O-« 0-« 

Humusaaures und in gleicher Menge schwefelsaure« 
und kohlensaures, manchmal auch- salzsaures Eisen- 
oxid und Kalkerde, dann Spuren von Thon und Bit- 
tererde • 0-,— 0-8 O-M 

Die Tauglichkeit dieser Böden für den Pflanzenwuchs fallt mit jener 
der Schieferboden fast ganz zusammen, daher das Folgende auch für diese 
gilt, insofern nicht etwa Ausnahmen aufgeführt wären. 

Die Lehmböden sind im Allgemeinen die günstigsten für die Waldve- 
getazion. Fichte^ Tanne, Lerche und Buche, ja selbst die Föhre halten 
hier in gutem ! Schlüsse und entsprechendsten Zuwachse aus, bis in das 
höchstmögliche Alter. — Auf diesen Böden erwuchsen — bei sonst zusa* 
gendem Klima — gewöhnlich jene 300 — 400 jährigen Baumriesen von 
5 — 6 Fuss unterer Stammstärke, von denen uns die vergangenen Zeiten 
in den abgelegenen Hochthälern noch gar Manche gleichsam zum Beweise 
übrig gelassen haben, zu welch riesiger Grösse es unsere mannhaften 
Holzarten zu bringen vermögen. 

Auch die edle Eiche gedeiht auf dieser Scholle vortreflflich ^ selbst 
dann noch, wenn sie zum f&rmllchen Thonboden wird. 

Die nützliche Erle wächst hier in zahlreichen Beständen üppig empor, 
ganz besonders jedoch sagen ihr diequeliigen Schieferböden zu. In den Vor- 
bergen ist es vorzugsweise die Schwarzerle, in den Hochbergen, in den 
unteren Regionen die Weisserle und hoch oben die Alpenerle , welche die- 
se Gattung vertreten. 

Auch die schätzbare Birke sprengt sich allenthalben ein, und die Alle- 
welts-Holzart, nemlich die Aspe, fehlt auch hier nicht« 

Die herrliche Zirbe zieht diese Böden höchst auffallend den kalkigen 
Krumen vor ; während sie auf dieser nur sehr selten und dann höchstens in 
kleineu Horsten vorkömmt, erscheint sie auf den gewöhnlichen thonigen 
Böden sehr häufig und manchmal in ganzen Beständen. 

Auch die Legföhre, die Hainbuche, die Esche, die Ahorne, die Rü- 
stern, so wie die übrigen bedeutenderen Holzarten erscheinen hier, wenn 
sie auch gerade keine besondere Vorliebe für diese Böden zeigen. 

Es scheint, dass die Fichte ihre grösste Vollkommenheit mit Rück- 
sicht nicht nur auf den Zuwachs und die Grösse, sondern auch auf die 
Güte ihres Holzes vorzugsweise auf den sandigen Lehm- oder Schieferbö- 
den erreiche. 

Entschieden jedoch sagen jene sandigen Abänderungen dieser Schollen» 
die man lehmige Sandböden heissen kann, der Föhre und der Lerche ganz 
vorzüglich zu , während sich Buche und Tanne von ihnen zurückziehen* 

Diese Böden sind in der Getreideregion bei weniger dichtem Waldes- 
schlusse und noch niederem Holze zwar mit spärlichem Grase, im Uebrigeil 
aber nur mit dem Laub- oder Nadelabfalle bedeckt, lieber diese Region hin- 
aus treten die Moose schon sehr zahlreich auf, und decken mit zunehmender 



«t 

Usereihöhe selbtf im dichtesten Walde««chluf«e >. becoii4#vi nt itm «an 
Sgen Krumen (im NMelhobe) imiaer mMbtiger den Boden» biiiif g^MlIl 
•ich ihnen auch noch die gemeine Heidelbeere au « namoftllicb auf dw aan* 
lügen Lehm« und fichieferböden« 

I>er unverraate Boden dea geacbloaaenen Waldea bietet dem bllendeii 
Samen ein ao trefflichea Keimbett , daaa kein Saraenjabr ohne aabfaraichen 
Nachwuchs vorübergeht, und die Verjüngung unter dem atefaenden HoIa^ 
aick namentlich bei der Buche und der Tanne meiatena Ton aelbat ergibt* — 
Nur auf jenen hochgelegenen aandjgen Lehm- und Scbieferböden , woaolbat 
die Mooa- und Heidelbeerdecke 1—1 Vs Fuaa dick ist, können die Würzel- 
chen der Keimpflanzen die eigentliche Krume nicht mehr bei Zeiten errei- 
chen, d^ kaum erachienene Naehwucha Tergebt daher alabald wieder. Hier 
hilft aber, ebenso wie auf den verrasten Lichtungen oder in jenen Mulden, in 
welchen das Laub 1— IVs FQaa hoch angehäuft wäre, die einfache Hinweg 
rinmung dieser übermachtigen Bodendecken. 

Werden die vom hohen Holze beachatteten Böden durch den Kahl- 
achlag freigestelll, m verscb^ianden die Moose und spüter auch groaaen- 
theila die Heidelbeeren, und machen auf minder kraftigen und humusreichen 
Steilen einem kurzen und lockeren Graae Platz, zwiaohen welchem die 
Nadelholzpflanaea vortrefUch keimen and gedeihen. Auf üppigen filellen 
jedoch geht dem kurzen Grase erst ein mehrjähriger sehr dichter , jeden 
BoIzanAig verhindernder Graa- und Krtaterwneba voraua. 

Auf den eigentlichen Sandböden dieser Abllieiiang ist dar Ueberaag 
von Mooa und Heidelbeere aellen ao atark , daaa nicht der Nachwueha in 
der Regel von selber gediehe. — Durch den Kahlachlag bloaagestellt, macht 
dieaer Bodenüberzug alabald dem kurzen und lockeren Grase Platz, wel- 
ches daa Keimen und Gedeihen der If adelpflanzen gar so sehr begünstigt 

Nur in Folge langer Eqtblösanng verwildert dieser Boden auf den 
Hangen ^ ea gewinnen dann die gemeine Heide oder in der oberen Waldre- 
gion die Heidelbeere völlig die Herrschaft und aetaen dem Aufkommen des 
HolzQachwuchaea groaae Hinderniaae entgegen. 

70 
Aifjifesekwettiiite Boden «ar Ebeneii, i« TUUer m *» HtgeL 

Dieae Böden verdanken ihrer Entatehung aehr viel Gleichf$rmigea* 
Verläugnen sie zwar aelten ganz die Felaarteuj aus denen aie uraprünglich 
entatanden aind, so haben sie doch deren Charakter am meisten eingebüsst, 
sei es durch manig£dtige Mengung und Zerreibung, sei es durch die sehr 
weit gegangene Verwitterung, sei es durch die ganz eigene Ablagerung, aei 
ea endlich durch die hundertjährige feldwirthschaftüche Bearbeitung« 

Die Böden der Thaler und Ebenen haben faat überall nichtige Lagen 
einea GeröUea zum Untergrunde , weichea von den Bergen herrühret, zwi* 
sehen oder unter denen aie aich hinziehen. 



m 

Dieses Gerolle ^eht Qfter vöHig zu Tage^ in welchem Falle es einen 
unfrachtbaren Boden gibt, insoferne es nieht mit einer hinreichenden Menge 
Thon oder wenigstens feinem Sand gemengt ist. 

Meistens jedoch besteht der Obergrund ans Thon und Sand in den 
verschiedensten Menguugsverhältnissen , und die Lagen derselben sind oft 
so m&chtig, dass sie ungleich tiefer hinabgehen, als selbst die am tiefsteh 
wurzelnden Bäume zu dringen vermögen* 

Ich will hier die zwei extremsten Zusammensetzungen jener Krumen 
anf&hren , deren Analisen mir bekannt geworden sind. 

Strengster Thonboden Leichter S^dboden 

Gemeinde Patielsdorf Gemeinde Saadberg 

In Bnter s telermark I n Bnteiiieleraa rt 

ProEente 

Glimmeriger Sand sehr fein 7*7 — 80 

Thon ....... W.^ — 19 

Kohlensaurer Kalk . . . O.s *— 0«» 

Humus. . 0., — o.| 

Ein Kalkgehalt von 11 --17 Prozenten macht diese Schollen dfter zu 
eigentlichen Kalkböden, und ein sehr bedeutender Humusantheil hie und da 
zu Marschböden. 

Mit Ausnahme der allerschlechtesten sind diese Böden allenthalben von 
der Feldwirthschaft in Besitz genommen , daher ich nur noch jene Abän- 
derungen schildern will , welche der Waldwirthschaft fiberlassen wurden. 



71 

Hoor- nnd TorfbOdeiL. 

Allenthalben in den Hochbergen finden sich sowohl in den Thälern 

herunten, als auch auf den Hochebenen grössere und kleinere Moore. 

Die Wohlfeilheit des Holzes hat jedoch die Benutzung des Torfes kaum erst 
aufkommen lassen. Noch weniger hat man sich an die Entwässerung der 
Moore gemacht In letzterer Beziehung mnss jedoch rücksichtlich des lai- 
bacher Moores eine Ausnahme gemacht werden, an dessen Bearbarung man 
schon seit fast einem Jahrhundert nicht ohne Erfolg arbeitet 

Die Untersuchung der gebrandeten Krume der trockengelegten Wie- 
sen dieses Moores hat folgende Bestandtheile ans Licht gestellt* 

Progente 

Stark verkohlte Holz£aiser 86*6 

Mineralische Erde &2 

Humus 95»o 

Die meisten Moore sind stellenweise mit der Legföhre , und hie und 
da selbst mit Fichten und Weisskiefem bewachsen. 



188 



72 

Schotter- vBd NagelflnlibOdeiL 

Wo der Schotter der Ebenen und Tbaler zn Ta^e g^ebt rnid mit a^hr 
weni^ Thon oder feinem Sande gemengt ist, wird er so wifrachtbar und 
trocken, dass er kaum eine schlechte Weide abgabt, viel weniger zn Wiese 
oder Feld taugt; es wäre denn, dass er bewassert würde, was aber nur 
ausnahmsweise der Fall ist 

Diese Böden sind daher grossentheils der Holzzucbt verblieben. — 
Meistens bestehen die Geschiebe aus Kalk, und sehr hanfig haben dann die 
Seigwässer durch Absetzung ihrer Kalktheile die unteren Schnttlagen zu 
förmlicher Nageifluhe verkittet, so dass manchmal nnr6— SZolIe Obergrund 
für die Vegetazion übrig bleiben' 

Diese Nagelfluh- oder Schotterböden zeigen ganz die Eigenschaften 
der sehr seichten Kalkschuttböden, Fichte, WeissfÖhre und L&rche kom- 
men auf ihnen zwar noch fort, in geeignetem Klima selbst noch Schlagholz 
von Hambuchen, Feldahorn und Eichen, aber all diese Holzarten gedei- 
hen nur schlecht; dagegen zeigt die Schwarzföhre einen recht guten 
Wuchs , wenigstens übertrifft sie hierin alle anderen Holzarten« Sie hat 
sich in dieser Beziehung so vortrefflich bewährt, dass man in neuester Zeil 
mehrere tausend Joche der neustädter Haide (in Unteröstreich), deren obe- 
rer Theil fast durchaus aus solchem Boden besteht, mit ausgezeichnetem 
Erfolge mit ihr aufgeforstet hat 

Diese Böden sind nichts weniger als selten , in den meisten Thalern 
der Kalkalpen, insbesondere der nördlichen, so wie auf den Ebenen am 
nördlichen Fusse derselben, vom neustadter Steinfelde (in Unteröstreich) an 
bis zur welser Haide (in Oberöstreich) hinauf treten sie strichweise auf. 

Wo der Schotter sandiger und weniger seicht wird, wie auf der wel- 
ser Haide, oder wo er mehr thonige Bestandtheile hat, vde auf dem leib- 
nitser und pettauer Felde (Untersteiermark) , kommt auch die Weisskiefer 
ziemlich gut fort 

73 

Noch Einiges »er «e AlpenbOden. 

Obwohl die Böden der Hochberge in ihrer mineralischen Zusammen- 
setzung im Grunde Nichts haben, was sie von jenen des niedrigen Gebirges 
wesentlich unterscheiden würde, so ist doch ihr vegetlübilischer Humusan- 
theil ein entschieden grösserer; einige Untersuchungen haben ihn bei erste- 
ren mit 6— 13, bei letzteren aber nur mit 4— 9 Prozenten herausgestellt 

Ein grosser Theil der Alpenkrumen ist sehr steinig und schotterig, 
vor Allem die der Kalkgesteine, dann auch jene des Porfires und meh- 



r 



rerer quarziger Schiefer« Im Waldboden beachtet man diesen 8ch1lt^ 
antheil weniger» weil er in der Regel, wie überhaupt die ganse Krnme» 
immer bedeckt bleibt« 

Bei den Ack;erb5den fallt er aber sehr ina Aage, besonders längere 
Zeit nach der Pflugung oder Umstechung; denn die RegenwSsser fuhren 
alsbald die darüberUegende krOmliche Erde in die Tiefe und entblösssn ihn 
dadurch so vollständig, dass nach einiger Zeit die Krumenoberfliche Sfker 
durchaus aus Schutt besteht, was dem Boden einen sehr tiuscbenden An- 
schein von grosser Unfruchtbarkeit gibt. * 

Diese Steinschuttbedeckung wirkt aber gewöhnlich sehr vortheilhafk; 
denn sie befördert (wegen der Besonnung), besonders auf den sonnseitigen 
Abdachungen ausserordentlich die Erwärmung der Krume und danil 
auch die Vegetazion; denn übermässige Austrocknung ist bei den hiesi* 
gen sehr günstigen Feuchtigkeitsverhältnissen fast nirgends au bef&rchten 
und eben die dunstundurchdringlichen Steine schützen zum Theil selber 
vor der Austrocknung. 

Gerade diese brennenden Schüttböden (im Süden kann man sie woU 
so heissen) erzeugen die besten Weine, besonders wenn sie auch stark 
eisenhaltig sind^ sie sind sehr günstig der Kultur des Maulbeerbsivnesj 
des Obstes und der Oliven. 

Drinnen in den Hochbergen fSrdern sie auch bedeutend die Körner- 
kultur und besonders den Maisbau, wenigstens verdankt man ihnen vie- 
lenorts das Hinaufrficken der oberen Grenzen dieser Kulturen, indem sie 
dort durch Steigerung der sommerlichen Bodentemperatur die mangelnde 
Luftwärme ersetzen* 

Auf den Waldböden "erzeugt sich diese Schutt- oder Grusoberfläche 
bei guter Wirthschaft nur auf den Saatplatten. Auch hier wirkt oie eher 
günstig als nachtheilig, denn sie verhindert eine tiefergreifende Ab- 
schwemmung und schützt die darunterliegende Krume vor übermässiger 
Austrocknung. 

In den eben abgehandelten Absätzen ist dargethan worden, in wie 
sehr kurzen Strecken der Felsboden wechselt, sei es in seiner HanptiHi- 
sammensetzung (nach dem verschiedenen Muttergesteme), sei es in seinen 
Mengungsverbältnissen (nach den verschiedenen Gresteinsabänderungen), 
sei es endlich nach der Mächtigkeit der Krume. — Dieser rasche Wech- 
sel geht aufs Aeusserste auf vielen Kalkbergen, auf denen manchmal von 
drei zu drei Klaftern die Krume überspringt, vom äusserst Seichten zum 
Tie%ründigen, vom Sande zum Tfaone. — Erwägen wir nun noch, dass 
der Wachsthum der Holzarten sich im Weitern noch sehr ändert nach 
der oft nicht viel minder schnell wechselnden Lage und Stellung des 
Hanges, des Riegels, der Kuppe, Mulde oder Gräte; berücksichtigen wir 
endlich, dass dann auch die (bei so steilen Hängen) rasch steigende See- 
höhe einen gewichtigen Einfluss nimmt auf den Wälderwuchs , so werden 
wir völlig überzeugt sein: 



m 

1. Abmb 10 den Alpenhochberg^eu eine ins Einzelne gfehende genaueste 
ErlregMchäUuBg oder Betriebseinrichtung^« wie sie in den Lttidfor- 
sten all^dings ausfuhrbar ist^ meistens nahezu unmöglich fiUt; es 
wäre denn> dass man sich in endlose, und überkostspielige Zersplit- 
terung der Walder in eine Unzahl von Abtheilungen und Unterab- 
tbeilungen einliesse. 
C. Dass eben so häufig die Erzielung des höchsten Holzer« 
träges dort — wo die verschiedenzeitige vollständige Ausnutzung 
ein- und desselben Forstortes möglich ist — - sozusagen auf jedem 
Flecke ein anderes Nutzungsalter, ja öfter sogar eine andere Be- 
triebsweise und andere Holzarten fordert, dass also hier noch weit 
weniger wie anderwärts der Betrieb durch ganze Forste hindurch 
über Einen Leisten geschlagen werden dürfe. 

Gewöhnlich aber wird dem Forstwirthein letzterer Beziehung manches 
Kopfzerbrechen erspart, denn die bestehenden Verhältnisse fordern in der 
Mdirzahl der Fälle sehr gebieterisch die gleichzeitige Hauung grosser 
Flächen, und der Holzwerth ist auch häufig noch so gering, dass es auf 
einige Kubikfusse Mehrertrag nicht ankömmt, oder dass das Mehr von 
Personale, welches der Waldeigeuthümer zur Verwirklichung des aller« 
grössten Holzertrages erhalten musste, bei Weitem zu viel kosten würde. 



74 

R e g i II e IL 

Die ungeheuren Unterschiede, welche in den Alpen an die örtliche 
Erhebung geknüpft sind, haben den Landmann, den Hirten, den Botani- 
ker, den Geologen, kurz all Jene, welche dort wirken und forschen^ 
von jeher bewogen, deren Gelände in verschiedene Regionen abzutheilen. 

Jeder würdigte jedoch die Unterschiede von seinem besonderen 
Standpunkte aus und traf darnach auch eine andere Regionseintheilung ; 
und sie thaten recht daran. Aber auch ich glaube recht zu thun» wenn 
ich von der Zonenabtheilung des Hirten, des Botanikers u. s. w« absehe, 
und bei meiner Eintheilung vom Gesichtspunkte der Bodenkultur ausgehe. 

Ich finde dann folgende Hauptregionen: 

Feldwirthschaft; 

Wald; 

Sennerei; 

Schnee. 

In der Region der Feldwirthschaft haben die Menschen ihre 
bleibenden Wohnstätten aulgeschlagen; hier liegen theils in den breiten 
Thälem , theils auf sonnigen Berghängen und Terassen seine verstreuten 
Wohnungen, Höfe, Dörfer und Städte; hier ist die Stätte des ge- 
werblichen und staatlichen Lebens, des regsamen Ackerbaues. Die Gkmst 
des Klimas gestattet hier die intensive Benützung jeder Scholle Erde ; die 



IM 

kfinstliehe Beurbarnnf jedes unwirtlichen Fleckchens; sie gibt dem Acker- 
btae den Vorrang vor jeder anderen Benutzung, wesswegen man diese 
Zone hanfig Region des Ackerbaues genannt hat; fast alle Ebenen und 
weiten Thaler fallen hinein, daher man sie öfter aneh Tbabregion heisst. 

Wie die Thalgründe aofwärts steigen, heben sich anch Haus, Grar- 
ten, Akerland nnd die Wiese, welch letztere dem Landmanne noch eine 
Erwerbsquelle ist, wenn Grarten und Aker längst vor der kalten Luft zu» 
rfickgewichen sind. 

In dieser Region trifft man nur ausnahmsweise auf grössere Wilder ; 
die hier viel ertragreichere Feldwirthschaft hat den Forst auf einzelne 
schlechte Bodenstellen, steile Hänge und schmale schattige, oder der Ueber- 
schwemmung ausgesetzte Thalsohlen , bis auf den Saum der Wildströme 
oder dorthin zurfickgedrängt, wo er die Höfe und Dörfer gegen die Ver- 
heerung der Schneelavinen, Erdabsitzungen und Felsenstürze zu schützen hat. 

Die wenigen Wälder bergen hier jedoch die mannigfaltigsten Holz- 
arten, sie sind die eigentliche Heimath der meisten europäischen Laub- 
hölzer. 

Zweckmässigerweise theilt man diese Region noch in die Garten- 
und Gretreidezone ah^ welch erstere den Bereich des Wein- und Mais-^ 
baues, der feineren Obstgattungen und Gartengewächse begreift. 

Sonderbarerweise hat man diese Region manchmal auch jene des 
kultivirten Landes geheissen, als wenn die höher oben betriebene Wald- 
oder Sennwirthschaft nicht auch Kulturen wären? 

In der Waldregion findet kein ständiger Ackerbau mehr mit 
Vortheil statt; sei es^ weil das Getreide nicht mehr reift; sei es, weil 
der Wald bereits einen höheren Ertrag abwirft, als die Feldwirthschaft. — 
Selbst die Wiesenkultur wird nur mehr auf besonders günstigen Stellen 
betrieben. 

In dieser Region sind die Thäler bereits schmal oder verwandeln 
sich in enge Schlachten; die Hänge werden steiler, daher auch schon 
viele Felswände, nacktes Gestein und bedeutende Schutthalden. Die Gre- 
wässer stürzen hier mit starkem Falle in tief eingefressenen Betten ab, 
oder fallen über Felsenstaffel in gedrungener Masse senkrecht mit tosen- 
der Wuth, oft auch schleiartig in Staub aufgelöst; sie allein bringen öf- 
ter Bewegung und Schall in die sonst lautlose Einsamkeit. 

Hier bedecken die Wälder fast ununterbrochen den Boden ^ nach 
Unten die Buche, nach Oben die Fichte weit übervriegend jede andere 
Holzart. Der Wälderwnchs ist ganz ausgezeichnet, die Bestände, insofer- 
ne sie nicht von Felsen und Schluchten zersplittert werden, dicht ge- 
schlossen ; die einzelne Stämme von stolzem kernfesten Wüchse und mann- 
hafter Ausdauer« 

Hier siedelt sich kein Bauer mehr an, nur Holzhauer und Köhler, 
deren Handwerk sie an diese Zone bindet, schlagen gegen den unteren 
Rand zu ihre ärmlichen Wohnstätten in roh gezimmerten Blockhütten 
auf> und ihre Weiher und Kinder richten sich einige Grasplätze für die 



IST 

einsi^ Kah oder fär einige Ziegen her, und bauen an sonnigen Stellen 
mehr versuchsweise etwas Getreide« Erdäpfel, Kraut und Rüben auf die 
GeSedir hin, dass der nächste Frost ihnen die Früchte ihres Schweisses 
raube. — Nur in den günstigsten Lagen geben ihnen die gebrandeten 
Holzschläge eine oder zwei sichere und ausgiebigere Ernten. 

In der Waldregion hat der Forst fast überall so viel Werth, dass 
kleine Sennereien ausnahmsweise nur dort bestehen, wo man in den frü- 
heren Zeiten der Wertblosigkeit des Holzes günstig gelegene Grasplätze 
dem Walde abgerungen hat. Diese werden gewöhnlich für eine kurze 
Vor- und Nachweide mit einer nahegelegenen Hochalm in Verband 
gebracht. 

Gewöhnlich ist in dieser Region die Weide eine blosse forstliche 
Nebennutzung« Tiefer unten weidet man im Vorsommer und Herbste das 
Melkvieh vor und nach dem Auftriebe auf die Sennereien , und im Hoch- 
sommer die wenigen bei Hause behaltenen Kühe. ~ Höher oben ernährt 
man den ganzen Sommer hindurch die Ochsen und das kleine Zuchtvieh. 
Man tbeilt diese Region in die Zonen der Buche und Fichte ab. 

Wegen ihrer Bedeutung für die Weide pflegen die Aelpler die Wald- 
region, in ihrem Sinne zwar ganz richtig, im übrigen aber völlig unei- 
gentlich ; „Region der Voralpen" zu heissen. 

In der Sennereiregion tritt der Wald zurück und macht den weiten 
Bergtriflen Platz. Hier hat der Aelpler sein Jagdrevier, da ist der Schau- 
pktz seines sommerlichen Hirtenlebens. 

Die Hochwälder ragen noch in den unteren Rand dieser Region 
hinauf aber sie gestalten sich ganz anders; der dichte Schluss der unte- 
ren Zonen ist gänzlich verschwunden; die Bäume stellen sich einzeln, 
wachsen sehr langsam, bilden zwar an windgeschützten Stellen mit ihren 
weit ausgebreiteten, bis zur Erde reichenden Aesten noch immer schöne 
ansehnliche Piramiden ; sind aber an freiliegenden Hängen und Köpfen von 
der Wucht der Stürme und vom gewaltigen Schneedrucke vielfach 
geknickt und zerrissen zu den abentheuerlichsten Formen. 

Flechten mancher Art, darunter besonders die schöne Bartflechte, be- 
decken die wenigen Bäume und zehren an ihrem ohnehin schon geringen 
Zuwachse. Neben den hochstämmigen Fichten, Lerchen und Zirben bildet 
noch die kriechende Bergföhre weite und dichtverschlungene Bestände, 
wird jedoch höher hinauf immer einzelner und gedrückter. Von Laubhöl- 
zem kommen nur mehr die Alpenerle die Vogelbeere und einige andere 
unbedeutende Gewächse als unscheinbare Sträucher vor. Dagegen bede- 
cken die herrlichen Alpenrosen und die Heidelbeeren ganze Abhänge mit 
ihrem schwellenden Teppich und verlocken eine Menge Thiere zum 
bleibenden Sommeraufenthalte. Da streichen die Marder und Wiesel und 
Iltisse umher, um auf die Eier und Jungen des Hochalpengeflügels Jagd 
zu machen. Der weisse Hase> das Stein- und das Schneehuhn locken den 
Schiingenleger herauf; zwar nicht mehr der bereits ausgerottete Steinbock 
wohl aber die scheue Gemse wagt hier ihre halsbrecherischen Sprünge 



m 

md verAlirt den kühnen Schfiteen mit nnwidertteUicber Gewalt sa «ei- 
nen lebensgpefthrlichen SCreiftfig^en. 

Wnnderbar lieblich und prächtig^ ist hier der üppig'e Raeenteppidi 
mit «einen tiefgesattig'ten Blamen aller Farben, mit seinen wirsigen Kri«-* 
tem ; eine zwar sehr korae nnd fremde aber desto herrlicliere Flora saa- 
berii hier die Alpenmeteore fiber die Lage hin. 

Der wenigfe Waid dieser Reg^ion hat wegen der zu kostbaren Brki- 
gnng nach unten häufig nur in sofern Werth, als er als natörficbe 8chiitm* 
wehr flir die unterenr Regionen dienen soll, oder als man seiner eben für 
den Sennereibetrieb bedarf. — Daher pflegen ihn die Aelpler auch oft 
zu beschranken und roden besonders gerne die Krummholzbestinde sn 
Gunsten des Graswuchses aus. 

Hier ist die Weide Hauptnutzung und der Holzwucbs Nebenertrag. 
— Hit vollem Rechte heisst man somit diese 2^ne auch Region der 
Hochalpenweide. 

Viele theilen den HöhengOrtel der Sennereien auch in die niederem 
Kuhalmen und in die unter der Schneegrenze liegendeo Schafalmen. 

Die Gletscher, der ewige Schnee und jene Felsmassen und H6hen, wel- 
che über diese hervorragen, machen das Gebieth der Schneeregion 
aus, dessen stolze Kuppen und zackigen Felsenkronen mit ihrem blenden- 
dem Schneemantel weithin über Berg und Thal erglänzen. — Hier ist 
nun das Reich des ewigen Winters und ewigen Schnees, der, wo er nur 
irgend zu haften vermag, dauernde weite und tiefe Lagerstätten einnimmt; 
oder — wo ihn die warmen Sommerlüfte und heisse Sommerstrahlen noch 
aufzulösen vermögen, in starre Eismassen übergeht, die in langgestreckten 
Armen sich tief in die Sennereiregion, hie und da selbst noch in die 
Waldregion herabsenken. 

Der grösste Theil der Schneeregion besteht aus nackten zerrissenen 
Felshömem oder verwitterten Felswänden, die meist zu steil sind, als 
dass der Schnee oder eine Erddecke darauf haften und sie gegen die 
fortschreitende Verwitterung schützen könnten. Sie sind es vorzüglich, 
welche in den HochthiUem die grossen Trümmerhaufen und weitgedehn- 
ten Schutthalden erzeugt haben und ihnen fort und fort neues Materiale 
hinabsenden, so dass der Pflanzenwuchs sich ihrer nimmermehr bemäch- 
tigen kann^ und jeder stürzende Schnee, ja selbst der Tritt des Wildes 
oder des Jägers sie in rollende Bewegung bringt 

Die eigentliche Eiszone erreicht die höchsten Homer nicht; denn 
ihre günstigste Werkstätte findet sie in Allgemebien im' untersten Höhen* 
streifen der Region. — Dennoch thront ein ewiger Winter auf diesen 
hocherhabenen Wolkenstühlen, und alle Dünste schlagen sich als Schnee- 
nebel nieder, den selbst der italische Sirocco nicht mehr In Regen zu 
verwandeh vermag. Wie herrlich auch die Sonne diese Schneekoppen zu 
vergolden und mit ihrem Purpur zu umsäumen weiss, sie zu erwärmen 
oder zu schmelzen gebricht es ihr an aller Kraft 



15* 

Der Piftiiaenwvcba besehrlokt «ick in dieser Regplon auf den an- 
teren Theil und auch dorl nur auf wenige ganz unscheinbare Gewächse ; 
hj« 8500^9500 Fua« konunen noch einige Kräuter der Steinbrech, Gen- 
sianen vor, von dort bis 13000 — 14000 Fuas nur mehr Moose und Flech- 
ten, und hfiher hinauf ist (io der Schweiz) jedes Pflanzenleben erstorben. 

Man unterscheidet den unteren Theil der. Schoeeregion öfter auch 
als Gletscherzone. 

In sehr runden Zahlen ausgedrückt nehmen diese Regionen in den 
österreichischen Alpen die nachfolgenden Höhenstreifen ein. 



TMMe 8oble 

Peldwlrtli- ia^^^^t^a. 
schafUiehe ^^^T;"*- 
Re^on Getrelderef. 

Wald- jBaoliensone 
refion fPichtensooe 

Sennerel- rftobalmen 
refion lAchafaliiieB 

Kultiiriand 

Scknee- (Eiazons 
re^ioB (Schaeiezone 


Baoptitoek 


Udabflül 


YssUMa 


lordakfUl 


OstiUUl 1 


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IcdAt 


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1660 

SMO 
4500 

4500 
5500 

6500 

esoo 

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UBcr- 


1000 
2000 




2600 
4500 

6000 
0000 

6500 
8000 


2500 
2000 


1000 

2000 
4000 

4000 
6000 

6000 
7000 


1000 
2000 


566 

2000 
3500 

4000 
4500 

5600 
6000 


1800 
1560 
3000 


500 

2000 
3500 

4000 
4500 

5500 
6000 


1500 
1500 
3000 


sooo 


4600 


8000 



1000 


500 
1000 



1600 


500 
500 


500 
500 


1000 


1600 


1000 


1000 


1000 


1000 
2000 


500 
1500 


1060 
1000 


1000 
800 


1000 
500 


sooo 


2000 


2000 


1600 


1500 


7000 


8000 


6000 


5560 


5600 


1500 
560 








reicati 


2000 




1 


BBi^ 



IflO 



75. H5keB¥erbreitiug der Hanptbodenhiltiirei 

SeehAhe 



Feld- imd Qartenffewftelise^ 

Ölbaum und Lorbeerbflscbe kommen vor 
Feige gedeiht noch vollkommen . . . 
--T^. ^^. ^Cln Weingärten . • . . 
weinreDe^^^jj.^ noch einzeln gezogen 

Sgibt noch reichlichen Ertrag 
kommt noch vor . . . 
» . , j gibt noch reichlichen Ertrag 



Kastanie 



vor 



(kommt noch 
Wallnnaa ..... 

Weizen 

Roggen 

Gerate und Hafer • • 

Erdapfel 

Pflaume 

Apfel- und Birnbaum 

Rirachbanm 

Höchate Bauemwohnungen 
o.^.kA»*^» i Kuhalmen . 
Sennhütten {gchafalmen 



unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 

3800—0200 
6000 



Forstffewftelise. 

Traubeneiche ••....• 

Stieleiche • • . . 

Ulme ......-.•. 

Zitterpappel • • • 

Bache «... 

i»«.«.k^«« I •!« Baum V • . . 
Bergahom { .^^ girauch . . . 

"''" \ aia Strauch . . . 

!ala geachloaaener Wald 
vereinzelte Bäume • 
als Strauch . • • 
Tanne • • • 

i-"- l'eÄ"'"'*" : : : 

?Fj*K« $ '° Gruppen • . . , 

**^^* {einzeln . • . . - 

wr iL^> f alfl Baum • • • . 

Aip-rie {ör"" : : : 

Schneelinie 

Graawucha 

Phanerogamen 

Flechten . . • • 



Haiiptstock der AlpeB 



üiUn firaiM 



unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 

unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
4000—6000 
2000—3000 
unerreicht 
unerreicht 
%'k50— 4900 

2000 

3500 

3000 



unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 



(Hkm finsM 



1850—2050 

2300-2700 

2600—3700 

3800—4700 

3900—4900 

4100—5300 

5200—5900 

3600—' 

3600—4300 

3700—4700 

5900—6200 

5900—6700 

6800—7300 



unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
anerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
4200 unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 



Sfldabftn 



Uitert 



unerreicht 



550—1600 
1500-2000 
I550-20&S 
1950-2460 
1600-2100 
2050^2850 
2OOO-2500 
2200-2700 
3100—3700 
4000— 4300 
4200-MOO 
4300--MOO 
41400^4900 
3900-4100 
3900-4200 
4000— 4300 
4100—5700 
55OO-6200 



3300—3840 
3700—4200 

3000—3500 
3800—4300 
4100—4600 
4300—4800 
4350-5000 
4600-4800 
5200-6300 
3800-4100 
4300—4500 
4700-4950 
4500—5000 
4500-5450 
5000—6400 
5000—5600 
5700-6550 
6000—6400 
6200—6800 
4600—5950 
5800-6100 
5100—5800 5000—5600 



unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
1000 

500 

500 
unerreicht 

1500 
2000 
unerreicht 
2500 
2000 
5000 
5000 
2000 



6600 1450 



—2000 
4000 
3000 



5900- 

5000—5700 

5900—6600 

8200—8600 

8920—9900 
10100-10650 unerreicht 
11600-12500 unerreicht 



unerreicht 



Ob«t( 



2200^2800 
3300^3700 
350(0—4200 
3400-4000 

3500 

4000 
4250-4700 

4600 

5000 

5000 

4500 -4700 
4700—5000 
5000-5500 

5400 
5000-6000 
6000-6350 
5800—6100 
6100-6500 
6100—6700 
6200— 6800 
3000—4000 
5500—6000 
6200—6600 
6800-7000 

5000 

6000 

8250-8520 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 



161 



nd der bemerkenswerthesten ForstgewSehse. 

ia Fassen. 



Taitabflül 


lordabteU 


diUkfUl 


OberoSraiie 
Merr. Alpoii 














hkntHM 


OMr« fircnie 


Uitm Cremi 


Obtn Grtue 


UiUrt Cremt 


OBere Greme 


Hberhaiipt 










unerreicht 


300-800 


300—1600 


_ 


._ 


_- 





unerreicht 


800 


800-2000 


uerrHclit 


1800—1600 


UDerreieht 


800—1200 


unerreicht 


900-1200 


800-2050 


oierreichi 


1000-<1800 


unerreicht 


900—1400 


unerreicht 


1200-2000 


900—2450 








_ 


unerreicht 


800—1000 


800-2100 


_« 





unerreicht 


800-1800 


unerreicht 


1000-1200 


800-2650 


merreicht 


1600—1800 


unerreicht 


800-1000 


unerreicht 


1000-1300 


800-2500 




— _ 


unerreicht 


900-1400 


unerreicht 


1500--2400 


900-2700 


__ 





anerreicht 


2000— 1700 


unerreicht 


2400—3000 


2000-8700 


__ 


_» 


unerreicht 


1850-2900 


unerreicht 


3000—3800 


1850-4700 


„„ 


-^ 


unerreicht 


2300-3300 


unerreicht 


3000-4000 


2300-4900 








unerreicht 


2900-3800 


unerreicht 


3000-4200 


2900-5300 


M 


.. 


unerreicht 


3000—3900 


unerreicht 


3200-4300 


3000-iOOO 





— 


unerreicht 


— 


— 


— 


— 





3600-9800 





— 


— i 


_:_ 


•^ 





3700-3900 


unerreicht 


3000-3750 





3000—3800 


3000—4100 


_ 






3000—4100 


^ 


3000—4300 


3000—6300 





_ 


3200-3800 


4550—6000 





— 


4550-6700 


" 


"■^ 


5000 


5500—6200 






5500-7800 


Doerreichl 


2000-«800 


unerreicht 


2000-2500 


unerreicht 


1000-1600 


lQOO-2500 


^, 





unerreicht 


3100-3600 


unerreicht 


2000-2500 


2000— SfOO 


_ 





unerreicht 


3600-4100 


unerreicht 


9000-3600 


3000-4200 


DDerreicht 


2000-3000 


unerreicht 


2500-3000 


unerreicht 


2300-3000 


2300-4000 


unerreicht 


12500 


unerreicht 


2800-3200 


unerreicht 


9000 


2500-3000 


unerreicht 


3600 


unerreicht 


3400 


unerreicht 


3500 


3400—4300 


unerreicht 


• 


unerreicht 


3750—4100 


unerreicht 


— 


9700 4700 


unerreicht 


3700—4700 


unerreicht 


3800—4700 


unerreicht 


3500-4000 


3500—4600 


unerreicht 


4700*5000 


unerreicht 


4300—4900 


unerreicht 


— 


4300—5000 








unerreicht 


4000 





— 


4000—5000 








unerreicht 


5500 


.. 


— 


5500-6300 


unerreicht 


3800 


unerreicht 


3800-4000 


unerreicht 


3800^4000 


3800—4700 


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4200 


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4250-4400 


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3900—4100 


3900-5000 


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4400 


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4400-4600 


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4000-5600 


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4000—4800 


unerreicht 


— 


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4000 


4000-5400 


unerreicht 


4700 


unerreicht 


4300-4500 


unerreicht 


4000-4500 


4000-6000 


unerreicht 


6600 


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4800—6000 


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4500-5000 


4500-6400 


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4900-6700 


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5000—6100 


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4100—4400 


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4100-5000 


1500 


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4700-6050 


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4700—6100 




5600 


4100—4500 


5000-5500 


4000 


4500—5000 


4500—6600 


2500 


6500 


2500-3000 


5500-6400 


3500 


4600-5300 


4600-7000 


. 


5600 


3000 


5000-5500 


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— 


5000—5700 


tm 


6500 


2500—3000 


5500-6000 


— 


— 


6500—6600 


__ 


8200—8400 


_ 


8200-8450 


•.«. 


unerreicht 


8200—8600 


unerreicht 


unerreicht 


unerreicht 


unerreicht 


unerreicht 


unerrefcht 


8900-9900 


unerreicht 


nverrelcht 


unerreicht 


unerreicht 


unerreicht 


unerreicht 


10100-10650 


inerreicht 


uDerreieht 


ouerrelcht 


unerreicht 


unerreicht 


unerreicht 


11600-12500 



11 



169 



76 
HOhengrenzen einiger minderbedentender GewEclute. 

Seehfthe in Fassen. 



Feld- und CSarten- 
ffeivftcbse* 

Lein ....««.. 

Holländer 

Weisse Rabe, Rettlg, Kohl Salat 

Sauerdorn 

Zuflammenhäng^ender Rasen • 

Forstffewftelise. 

=^«--''« {^Lrv- : 

Weichhaari§:e C als Baum • • 

Eiche l als Strauch • 

Götterbaum ....... 

Snmach ....... 

Blumenesche Hopfenbuche 
Sanddorn Kornelkirschen • • 

Haseinuss 

Bohnenbaum 

Schwarzpappel ..... 

Schwarzföhre 

Schlehdorn -Hag^edorn • • • 

Alpenrosen 

Wachholder 

KrauUrtig^e Weiden • • • 



Hanptstok 



Untere Greue 



unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 



unerreicht 

unerreicht 
1500-aiOO 

2600 

6000 



Obere fireiie 



3250—4900 
4000—4650 
5000-6100 
5200-6300 
7200-8000 



4300—4600 
2000—2800 



6400-7300 
0400-7400 



SUabfUl 



Ditere Greue 



unerreicht 



unerreicht 



unerreicht 



unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 

1000 
unerreicht 
unerreicht 

1600 
unerreicht 
6400—7200 1400-2600 



2600 
4600 



Obere Greue 



3800—4500 



7000-8000 



1500 
900 

2700 

3300 
2800—3200 
3600-4000 
4000—4500 
4200—4600 
4800—6160 

3000 
2800—3600 

7600 

7600 

7700 



lordabflUl 



DiUre Greiie 



unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 
unerreicht 



800 

1600-2000 

2000 

5000 



Obere fircuc 



900 
1400 

800 
1100 
1000 
1600 



3000—3600 

6300 
6400 
6600 



77 
NEheres Aber die HShengrenzen der Gewäclise. 

Die Verbreitungs^enzen der Pflanzen sind nichts weniger als ei- 
gentliche Linien« denn in der Regel verlieren sich die Gewächse nach 
und nach; auch ist es sehr schwer die letzten Exemplare besonders der 
kleinen Pflanzen auch wirklich aufzuGnden. 

Bei den geselligen Holzarten beträgt der Streif, den man als Gren- 
ze ansprechen muss, oben 50—150, unten 100—300 Fuss. An der obe- 
ren Grenze zeigen die Stämme dieses Streifes eine höchst auffallende 
Verkümmerung. Die Schäfte sind sehr kurz und kegelförmig, sehr dicht 
und bis zur Erde beastet; die Aeste hängen mehr nach abwärts, oder 
stehen wenigstens viel weniger aufrecht; Latib und Nadeln sind klein, 
kurz und dicht; die Rinde ist mit üppigem Flechtenwuchse überzogen; 
die Gipfel sind grösstentheils dürr und auch viele der Aesle vertrock- 



net , zahlreidie Stämme sind inehrg^ipfelig. — Die Verkümmerung 
geht hier manchmal so weit« dass besonders an sturmbewegten Orten 
die mannhaften Budien und Fichten, ja selbst die kernfeste Zirbe völlig 
zu kriechendem Gesträuche herabsanken , an welchem uligeübte Augen 
nicht mehr den eigentlichen Tipns dieser sonst so herrlichen Holzarten 
erkennen. Ganze Gruppen von derlei Bäumen sind dann öfter oberirdisch 
dürr, haben aber gleichwohl noch Leben im Wurzelstocke und in seinen 
unterirdischen Verzweigungen. Die Stämme dieser obersten Grenzstreifen 
blühen nicht, tragen also auch nie Samen; ihr Holz ist auch immer von 
minderer Güte (weil die Jahresholzlagen nicht vollständig ausreifen können). 

An der unteren Verbreitungsgrenze gibt sich die Entartung in an- 
derer Weise kund* — In der Jugend bleiben die Pflanzen selten im Wüch- 
se zurück, im Gegentheile schiessen sie öfter ungewöhnlich geil in die 
Höhe ; aber bald lassen sie nach und schliessen ihren Wuchs äusserst 
zeitlich ab. Die erwachsenen Stämme zeigen auch bei weitem nicht die 
üppige Frische und Kraft ihrer heimatlichen Region; Krankheiten und 
Insekten setzen ihnen auffallend zu; ihr Holz ist von geringer Güte« 

Die Grenzlinien der Gewächse sind nichts weniger als gerade; die 
mannigfachen Umstände, welche ihr Wachsthum begünstigen, erhöhen 
sie örtlich äusserst bedeutend, und die entgegengesetzten Umstände drü- 
cken sie weit unter das Durchschnittliche herab. — Daran ist nicht bloss 
die in gleicher Seehöhe örtlich verschiedene Luftwärme Schuld, sondern 
es wirken nicht minder auch die mehr oder weniger entsprechende Kru- 
me, die Regenmenge, die Luftfeuchte, die Luftbewegung , di^ Bodenwär- 
me, die Bodenfeuchte, 'die Lage gegen die Sonne, ja selbst die Mitbe- 
werbung anderer Gewächse, so wie die menschliche Kultur ein. Es lässt 
sich zwar nicht scharf angeben, um wie viel Fusse jeder dieser Fakto- 
ren die Regionsgrenzen der einzelnen Gewächse an und für sich verän- 
dert; der erste Blick jedoch in die Hochberge feeigt, dass ihre Gesammt- 
wirkung gewaltig sei. 

Das Folgende möge die Einzel Wirkungen andeuten. 

Im Hauptstocke der Alpen steigen die meisten Gewächse in etwas 
kältere Isothermen als im Nord- oder im Südabfalle, offenbar Dank der 
grösseren Bodenwäre. 

Die Buche steigt im Ost- und selbst im Südabfalle der Alpen zu 
kälteren Isothermen wie im Hauptstocke, offenbar, weil ihr die Krumen 
der erste ren ihres bedeutenden Kalkgehaltes wegen CKalkthonböden) ungleich 
besser zusagen, ah die kalkarmen Krumen (Schiefer oder Thongesteinbö- 
den) des letzteren ; umgekehrt steigt wieder die Fichte im Hauptstocke 
zu einer kälteren Isotherme hinauf, denn hier wächst sie auf ihrem ur- 
eigentlichsten Boden. Noch aufibllender ist dieses Verhältniss bei der 
Zirbe, welche wegen des ihr angemessensten Bodens im Hauptstocke 
der Alpen zu entschieden kälteren Wärmelinien sich erhebt. 

Ia ähnlicher Weise steigt die Legfohre auf den Kalkbergen bedeu- 
tend hdher, als ailf dem Thongesteinboden, obwohl der Unterschied bei 
dieser Holzart nicht gar so auffallend ist. 11* 



Die bexugflichen Uoteracbiede mögen selbst tuf tM— 5S0 Fuss geben. 

Auf den sanftansteigenden Hängen gehen die Regionsgrenzen der 
meisten Oewichse sichtlich höher, als auf den Winden, was zweifels- 
ohne in deren besseren Krume liegt Bin Gleiches beobachten wir auf 
den quellenreichen Abdachungen gegenüber den qoellenarmen. Hievon ma- 
chen jedoch die Fdhrenarten, gans ihrer Natur gemSss eine Ausnahme und 
die SchwarsfShre insbesondere steigt gerade auf den trockenen, felsigen 
Gehängen am höchsten. 

Auch diese Unterschiede können selbst einige hundert Fusse be- 
tragen. 

Dass die Lerche im Nordabfalle der Alpen auf den Schattenseiten, 
im Södabfiille hingegen auf den Sonnenseiten höher steigt, dass sie im 
Nordabfalle etwas unter der Fichte bleibt, im Sfidabfalle hingegen diese 
über trifft, liegt bei dem grossen Feuchtigkeitsbedürfnisse dieser Holzart 
offenbar in den Regenverhältnissen dieser Alpenthelle. 

In allen Jochsätteln ziehen sich die Verbreitungsgrenzen, der dorti- 
gen starken und fast stätigen Luftjströmungen wegen, tief herab ; sie lie- 
gen aus gleichem Grunde dort tiefer, wo sie gerade ein Joch treffen; 
sie sinken auffallend auf den ungeschützten Sturmseiten der Berge und 
am allermeisten auf freistehenden Kuppen, welche der ganzen Wucht 
der Stürme blossgestellt sind. — Diese Wirkung der Luftströmungen 
habe ich selbst schon mit 800— ISOO Fuss erhoben. 

Welch gewichtigen Einfluss die Lage gegen die Sonne nimmt, hie- 
von geben folgende Erhebungen Zeugniss, welche im Hauptstocke der 
Alpen unter dem 47. Breitegrade (in Tirol) rücksichtlich der oberen Fich- 
tengrenze gamacht worden sind. 

SoekNu. 
Lags gsgti Prflisr Haag, ia idtoaalsi Tbale. 



NW 


5880 


— 


N 


5260 


4750 


NO 


5050 


M80 





5350 


4360 


80 


5M0 


— . 


8 


5590 


4900 


sw 


5590 





w 


6'450 


4880 



Sie zeigen, dass dort die blosse Lage gegen die Weltfegend bei 
der Fichte auf freien Hängen über 840, in schmalen Thälern über o50, 
und die Lage überhaupt über 1500 Fuss entscheiden kann. 

In weiten, gegen Süden und Südwesten offenen Thälern steigt iie 
Fichte hingegen öfter höher, als 4tuf den Abhängen. 

Wo wegen sehr günstiger Ortsverhältnisse ein Hobgewächs wu- 
chernd um sich greift, drängt es jene Arten, denen die Örtlicbkfijt weniger 



1«6 

entspricht, tief unter ihre möglichen Verbreitungsgrenzen. Das zeigt sich 
im Hauptalpenstocke (auf den Schiefer- und gewöhnlichen Thonböden) 
sehr auffallend rücksichtlich der Buche , welche allenthalben von der 
Fichte verdrängt wird^, und auf den Kalkthonboden Krains. wo die Bu- 
che Wieder dfd ftehte sMlnlt hl JeliM HOhen noch verdrangt» wo diese 
noch hochstammig gedeihen wQrde, während erstere (der Stürme wegen) 
nur mehr äusserst gedrückt fortkömmt 

Die menschliche Kultur wirkt auf die Höhengreoaen besonders auf- 
fallend bei den Akergewächsen. — Eine verhaltnissmassig dichte und arme 
Bevölkerung wie jene vieler tiroler Hochthäler ist gezwungen auch die 
höchstgelegenen Schollen auf die Gefahr hin zu bebauen, dass die Ernte 
ganz ausbleibe oder die Aussaat nur zwei oder dreifach wiedergebe; 
wahrend der bemitteltere Bauer Unter- und Oberöstreichs und insbeson- 
dere die dortigen grossen Grundbesitzer, Schollen, welche nur schlech- 
te Getreideernten versprechen, zu Wiesen, und schlechte Wiesen zu 
Wald liegen lassen. 

Aber auch auf die oberen Grenzen des Waldes wirkt der Mensch. 
Rücksichtslose gleichzeitige Abholzung ganzer Hochthäler, Bergzüge und 
Jochsattal hat an hundertan von Orten die oberen Verbreitungsgrenzen 
der Holzarten und der Feldgewächse um 50—300 Fuss herabgedrückt. 

Aus dem Allen geht hervor, dass die Höhenverbreitung der Ge- 
wächse eigentlich an jedem Orte eine andere, ja dass sie selbst an ein 
und demselben Orte nicht ganz stetig ist; so wie, dass sich die Verbrei- 
tungsgrenzen nie werden in sehr scharfe Ziffern fassen lassen. 

Nicht minder zeigt sich das Vergebliche der Bemühung, für die 
Verbreitungsgrenzen jedes Gewächses die entsprechenden allgemeinen 
Isothermen zu finden; in jeder Gebirgsgruppe, in jedem Lande, ja ge- 
wissermassen in Jeder Örtlichkeit treflbn diese Grenzen auf Andere Iso- 
thermen; eben weil ausser der Liiftwärme so viele andere Faktoren auf 
sie Einfluss nehmen. 

Demungeachtet ist es nicht ohne Interesse die Isoth^irmen, der ver- 
schiedenen Gewächse bei gleicher Öftlicbkeiti so wie jene ein und des- 
selben Grewächses in den verschiedenen Länden zu vergleichen, denn 
diese Vergleichung wirft manches Licht auf ihre klimatischen Bedürfnisse. 



166 



Hliilere JTalireswftrme der oberen VerlireliUMS«ffreiise 
elnlser CSewftelise der Aljpen. 





llM»tatMk 


tMaUUl 


iMiafcfUI 


•ttakfül 


Rebe äuMerste Grenze • . 


8, 1 


8.i 


».o 


8.4 


(f ewöbDliche Grenze 


S.7 


1' 


'•i 

«.6 


'.o 


Buche oberste Grenze • . 


4< 


4,4 


4.. 


3 


^ ^ , , ( miUlere Grenze • 
€retreide 

fäiuaerste Grenze 


5-0 

2.7 


«•6 


7.0 
Ä-t 


4.. 

4.1 


Fichte Baumgrenze 


«^ 


2* 


2o 


2.0 


Zlrbe 


i-o 


i-o 


2.0 


— 


Legföhre 


••0 


0.8 


0.8 


0., 


Schneegrenze • - . . • 


-*-4 


— 


-»•3 


— 


Letzte Phanerogamen • • • 


-7.« 


— 





-' 



Anmerkung. Fflr diese Zuaammenateliung sind nicht die minieren Höhengren- 
zen der Tafel 16, sondern unter sich besser vergleichbare Ponkte benfilzt worden. 

Die botherme der mittleren Getreidegrenze ist in den Alpen 5—7^ 
in Lappland hingegen — V, jene der Baumgrenze in den Alpen 1— S^ in 
Lappland — 3.^ 

78 

BeobaehtiiiigeB u« die VegetazionsepoeheB bedeotenderer Gewlchse 
atf Yerschiedenen Alpenstarionen. 



Blttheselt 



Aprikosen 

Kirschen 

Pflaumen 

Birnen 

Aepfel 

Quitten 

Mispeln 

Roggen 

Weizen 

Mais 

Weinstock 

Linden 



Seeböhe 1055 Fuss« 
21Jährlge Beobachtungen« 

Greazea Mittel Reifeselt 



Grensea 



llttd 




Heuernte I.Mai - 

Roggenernle 17. Juni - 
Weizenschnitt 30, Juni - 
Traubenfärb. 2. Ang. - 
Weinlese 19. Sept.- 



Fröste 

Letzter Reif 
Erster Reif 



30. März • 
17. Sept.- 



-13. Juni 27. Mai 
•15. Juli 2. Juli 
-26. Juli 15. Juli 
- 7. Sep. 17. Aug. 
-27.0kt* 13. Okt. 



-21. Mal 25. April 
-20. Nov. 14. Okt. 



167 



Hrnfp^im In Kftnitlim. 

Seehöbe 3630 Fois. 
Jabr 1849. 





BlattbUdvBK 


BlftthOBblldVBK 


FroGht 
-roifb 


Audiwil- 
Im der 


btfal- 


FiiUf 


Eitfir- 


AbfaU 


iMipei 


btfal- 


Iitt0 der 
TeUei 


Kidf der 

«itbei- 


WeisMrle 


KlNptl 


BttU« 








BÜÜif 


leit 




».Ap. 


».Mai 


16.Aug 


?.Okt. 


M.Okt. 




^ 


3.MZ. 




26. Okt. 


Birke 


S9.Ap. 


6. Mal 


20.Aug 


26.Sep. 


M.Okt 


— 


•.Mai 


14. Mai 


20. Mai 


85.0kt. 


Saaerdorn 


28. Ap. 


S.Mai 


16.Aug 


29.Sep. 


Ead.O. 


13. Mai 


28. Mai 


5.Juiii 


18.JunI 


25.Sep. 


Seidelbast 


18. Ap. 


26. Ap. 


24. Juli 


ll.Sep. 


M.Okt. 


3.Mz. 


21.MZ. 


10. Ap. 


27. Ap. 


20.Aug 


Bache 


I.Mai 


16. Mai 


3.Aug 


27.Sep. 


16. Okt. 


4. Mai 


12. Mai 


16. Mai 


— 


I7.0kt 


Walhiuaa 


18. Mai 


M.Mai 


— 


23.0kt. 


— 


— 


— 


— 


— 


. — 


Hekenkirscbe 


17. Ap. 


7. Mai 


15.Aug 


15.0kt 


M.Okt. 


O.Mai 


«.Juni 


5.JUDI 


aJunI 


1.0kt 


richte 


— 


26. Mai 


29. Juli 


— 


— 


18. Mai 


28. Mal 


— 


— 


— 


Lerche 


».Ap. 


3. Mai 


17.Aug 


17. Okt. 


Novbr. 


12. Ap. 


8. Mai 


— 


37. Mai 


• — 


Wilde Kirsclie 


».Mz. 


11. Mai 


4.Aug 


sasep. 


M.Okt. 


2. Mai 


8. Mal 


14. Mai 


31. Mal 


l.Ang 


TraobeDkirsche 


5.11z. 


5. Mai 


2.Aug 


14Sep. 


M.Okt. 


I.Mai 


16. Mai 


24. Mai 


3.Jnni 


24.JnU 


AlpeDribes 


— 


17. Ap. 


17.Aug 


10. Okt. 


E.Okt. 


I.Mai 


5. Mai 


11. Mai 


28. Mai 


30. Juli 


SUchelbeer 


20. Mz. 


16.Ap. 


l7.Aug 


S5.Sep. 


E.Okt. 


24. Ap. 


29. Ap. 


7. Mal 


21. Mal 


28. Juli 


Akazie 


15. Ap. 


20. Mal 


29.Aug 


2.0kt. 


£. Okt. 


4.Jttni 


21.Juiii 


24.Juni 


7.Jnll 


— 


Hundsrose 


6.Mz. 


16. Mai 


— 


29.8ep. 


E. Okt. 


3.Juni 


24Jaiil 


4. Juli 


16. Juli 


8. Okt. 


Hiiodertb. ftose 


»Ap. 


20. Mai 


— 


— 


— 


&Junl 


«.Juli 


17. Juli 


tfkAüg 


' — 


HoUnndei' 


5.Mz. 


I.Hai 


SSep. 


2.0kt. 


E. Okt. 


10. Mai 


l5.Jniii 


34.JIIBI 


28.JaIi 


. — 


Traabenhollund. 


l.Mz. 


18. Ap. 


24.Aug 


es.Sep. 


M.Okt. 


22.AP. 


11. Mai 


20. Mai 


81. Mai 


17.Sep. 


Vogelbeer 


24. Ap. 


6. Mai 


2«.Aug 


e5.Sep. 


H.OkL 


7. Mai 


3.Jaiii 


5 Juni 


14Juni 


38.Sep. 



CSttrtel wn i009— 



WuMM Seeliftlie. 





lib- 


Ohio- 


Hin* 


iBB- 




Stls- 


•GUe- 


■IB- 


tan. 




borg 


mliiK 


cheB 


thal 




bnrg 


mlng 


ehon 


thal 


Seehobe 


1280 


1980 


1640 


1830 


SeehShe 


1280 


159) 


1610 


1830 


B6ob.-Jahre 


2 


— 


7 


— 


Beob.-Jahre 


8 


— 


7 


- 


Bclau- 










Roggen 


IJoni 


7.Jani 




IJuni 


bUBff 










Hollander 


89. Mal 


8.Jani 


LJonl 


8.Junl 


Rosskastanie 


18. Ap. 





29. Ap. 


20. Ap. 


Gerste 


— 


12.Janl 


- 


ajnni 


Rothbache 


28.Ap. 


— 


5. Mal 


29. Ap. 


Fracht- 
reife 








• 


Esche 


29. Ap. 


6. Mai 


1. Mai 


I.Mai 










Walhiass 


37. Ap. 


10. Mal 


13. Mal 


6. Mai 










milthe*- 










Kirsche 


24.Janl 


24.Junl 


— 


22.Juni 


Mldanff 










Roggen 


15.Jnni 


15. Juli 


— 


14. Juli 










Gerste 


17. Juli 


17. Juli 


.- , ' 


19. Juli 


Wohlr. Vellcb. 


25. Mz. 


8.Ap. 


8.Ap. 


21. Mz. 


Hafer 


— 


14.Aug 


— 


i3Jlug 


Kirsche 


28. Ap. 


2. Mal 


8. Mai 


I.Mai 


Holiunder 


a^ep. 


ll.Sep. 


9.Sep. 


8.SepJ 


Erdbeere 


13. Ap. 





6. Mai 


I.Mai 


Wallnuss 


i4.Sep. 


— 


19.iSep. 


•— 


Flieder 


— 


13. Mal 


7. Mai 


— 


Mals 


— 


— 


— 


l2s;Sep. 


Rosskastanie 


6. Mai 


"~ 


10. Mal 


2. Mai 


Weintraube 


— 


— 


— . 


12.0kt. 



168 



QArtel WBn 



Wumm SeeitUie» 





lisdl 


FaU 


Um 


On 


UiblcU 


Km 


Brai- 

OkiB 


bibMb 


WliUen 


SeebOhe 
Beob.-Jahre 


2220 


2260 


2380 


2%10 


2410 

4 


2610 


2640 


2870 


2910 


BelMiliuiiir 




















Botbbuche • 


7. Mai 


— 


O.Mai 


6. Mai 


3. Mal 


18« Mai 


11. Mai 


— 


— 


Bicbe . . 


— 


— 


11. Mai 


— 


4. Mai 


— 


11. Mai 


15. Mai 


— 


WallDQs« • • 


— 


— 


18. Mai 


17. Mai 


— 


— 


— 


— 


20. Mai 


Blttthebll- 
duns 




















Woblr^Velleben 


8. April 


tl. April 


10. April 


8. April 


10.Aprii 


— 


11. April 


— 


— 


Kirscbe • . 


8. Mai 


— 


10. Mai 


6. Mai 


O.Mai 


— 


10. Mai 


11. Mai 


— 


Erdbeere . • 


— 


— 


O.Mai 


10. Mai 


— 


— 


10. Mai 


— 


13. Mai 


Flieder. . . 


— 


-. 


17. Mai 


17. Mai 


— 


— 


21. Mai 


22. Mai 





RogrreB • • 


tO. Juni 


— 


1%. Juni 


10. Joni 


— 


— 


15. Juni 


— 


17. Juni 


Holländer. • 


i%. Juni 


16. Juni 


16« Juni 


18. Joni 


— 


21. Joni 


— 


— 


24. Juni 


Gerste • • • 


n* Joni 


18. Juni 


20. Joni 


20. Juni 


— 


21. Juni 


20. Juni 


— 


— 


Fmclitrelfe 




















KJracbe • . 


— 


18. Juli 


l^.Juli 


16. Juli 


— 


— 


20. Juli 


— 


— 


Rogrfen . « 


2*A«r. 


— 


2«Aur. 


30. Juli 


81. Juli 


— 


t. Aug. 


.4.Aog* 


5. Aug. 


Gerste • . • 


— 


8. Aug. 


3» Auf- 


l*Aag. 


— 


11. Aug. 


— 


O.Aoff. 


— 


Weisen . . 


— 


— 


10. Augr. 


— 


18. Aogr. 


28. Avg 


— 


21. Aug. 


— 


Hafer • • • 


22* An;« 


25. Auf* 


20. Aug. 


— 


— 


— 


27. Ang. 


— 


— 


Holländer. • 


— 


— 


18. Sept. 


— 


— 


21.Sep. 


22. Sept. 


— 


— 


Mais . . • 


— 


— 


18. Sept. 


^ 


•"" 


-" 


20, Sept 


— 


30, Sept. 







BOrMl 


▼on S 


OMI — 4090 Fiass Seeii^ 


Ihe. 








DUM. 


Sigrii 


rorld* 
tea 


'Tsr 




OttdlAU- 

fen 


Sagrix 


ForlM- 
tea 


'^- 


Seeböbe 


8210 


8620 


8650 


8720 


Seehdbe 


3210 


3620 


8650 


3720 


BelAU. 










Gerate • 


25. Juni 


26. Juni 


1. Juli 


20. Juni 


bans 

Eacbe • • 
Wallnnaa . 


17« Mal 


10« Mai 
26« Mai 


22. Mai 


27« Mai 


Lein . . 

Frucht- 
reife 


20. Juni 


22« Juni 




27. Juni 


BMtiie 










Kiracbe . 


29. Juli 


28. Juli 


3. Aug. 


6. Aug« 


Wohlr,VeiL 


12. April 


13« April 


tl. April 


23« April 


Roggen . 


1. Aug. 


29. Juli 


9«Aug« 


— 


Kiraebe • 


9. Mal 


11. Mai 


16« Mai 


18« Mai 


Gerate . 


8. Aug. 


11. Aug. 


17.Aug« 


15. Aug. 


Erdbeere . 


10. Mai 


13. Mai 


15« Mai 


16. Mai 


Weizen . 


24. Aug. 


2*. Aug. 


31. Aug. 


1. Sept. 


Flieder • 


— 


l.Juni 


— 


4' Juni 


Hafer. . 


— 


30. Aug. 


5. Sept« 


5. Sept. 


Rogge« . 


16. Juni 


14« Juni 


21. Juni 


21. Juni 


Uolionder 


22« Sept« 


28. Sept. 


3. Okt. 


8. Okt. 


Hollunder 


24« Juni 


25« Juni 


2« Juli 


— 


Mala . . 


— 


10. Okt. 




— 



CSttrt«! vou 4< 



Fuss Seeiifbe. 





I^ÜCI» 


Heiligeii- 


Mta 


Ishttii» 




IimldiAB 
uiiiiMiva 


•IS- 


lolta 


SvhAiav 


Seehöhe 


4100 


4130 


4170 
4420 


4760 


Seehobe 


4100 


4130 


4170 
4420 


4750 


Belau- 
biinft 










Fruelit- 
relfe 










Esche- • 


27. Mai 


29. Mai 


2. Juni 


— 


Kirsche • 


26. Juli 


17. Aug. 


20. Aug. 


— 


BMtlie 










Roggen . 


t.Ang. 


10* Aug. 


13. Aug. 


22. Aug. 


Wohlr. Veil. 
Hirsche • 
Roff en . 


26. April 
20. Mai 
U.Juni 


3. Mai 
26. Mai 
17. Juni 


5. Mai 

5. Juni 

20. Juni 


7. Mai 

cO.Juni 


Gerste • 
Weiten . 
Hafer . , 


13. Aug. 
27. Aug. 


22. Aug. 
3.Sepr. 
6. Sept. 


22. Aug. 

6. Sept. 

laSept. 


3. Sept. 
18.Sept 


Gerste • 


30.jQni 


7. Juli 


10. Juli 


17. Juli 












Lein . . 


28. Juni 


— 


11. Juli 


— 













»rate CSetrcldeffreiiBe. 





HelttgOB- 
kreu 


AmPlattt 




Helligeii. 
kreu. 


Amnattl 


Seehöhe 


6200 


6300 


Seehöhe 


6200 


6300 


Blüthe 






Frucht- 
reife 






Roggen • 


— 


8. Juli 


Roggen • 


— 


8. Sept. 


Gerste . 


20. Juli 


21. Jiiit 


Gerste • 


U.Sept. 


11. Sept. 



Anmerkung* Im isarlhale: Fall und Krim. 

Beim Chiemsee : Chleming, Inzell. 

Im Fuscbthai (Tauernkette): Embach, Febrleitrn. 

Möllthal: Heillgenblut, am Plattl, Sagriz, Winklern. 

Oezthai: Heiligenkreuz, Lengenfeld, Oez, Solden, iJmhf*uspn. 

Passeler: Schönau. 

Pusterthal: Bruneken> Innlchen, Llenz. 



170 



79 NUieres »er ^ 

Hlitlerer Elnivltt der TesetABlonsepoeheii 



Schmelxen des SchDeei* 
Erwachen der VegeUzion ...» 
Anbau des So m mergle treides • . « 

Lelxle Schueeralle i«**»"»""««» • • 
(Manchmal. • . 

BelAubanff 

Rothbache .•.••..•• 
Esche • 

WallnuM 

Blütbeblldunff 

Wohlriechende Veilchen 

Kirschbaum 

Erdbeere 

Vllcder 

Rogg^en 

Holländer • • . « • 

Gerste . . • . , 

Heuernte 

Frucbtrelfe 

Kirsche 

Rogrfen 

Gerste • • . • • 

Weizen 

Hafer. .......... 

Hollunder ••*....•. 

Anhaltende allgpemeine /Schneedecke. 
Eintritt des Winters 



In der leohSha 



1600 
bis 
2000 



17. März 
25. März 
20. April 
15.-25. Mai 



2. Mai 

3. Mai 

10. Mai 



4. April 



5. Mai 

4. Mal 
0. Mai 
4. Juni 

8. Juni 
11« Juni 

15.-20,Juni 

25. Juni 
18. Juli 

25. Juli 

0. Aufust 
14. August 

9. Septbr. 
10. Dezbr« 



2000 
bis 
3O0O 



20. März 
7. April 
29. April 
14. Juni 



10. Mai 
10. Mai 

18. Mai 



11. AprU 



9. Mai 

9. Mal 
20. Mal 
13. Juni 

18. Juni 

19. Juni 

23. Juni 

19. Juli 
30. Juli 

6« Aufust 

20. Aug:ust 
26. August 

20. Septbr. 
1. Dezbr. 



3000 
bis 
4000 



9. April 
14. April 
14. Mal 
29. JoDi 



21. Mai 
25.-30. Mai 

20. April 

15. Mai 

15. Mai 
1. Juni ' 
20. Juni 

28. Juni 

29. Juni 

24. Juni 



2. AugusI 
7. August 

16. Aagaat 

30. Augast 
4. Septbr. 

2. Oktob. 



21. Novbr. 



Der mittlere Unterschied im Eintritte der Vegetazionsepochen beträgt daher für Je 
der Fruchtreife bis zum Eintritte des Winters 1273^ im Allgemeinen also 



171 



fegetazMisepoekeB. 

la 4*n Kaclibersen der Alpen. 





Tage-DntorsohiodMfJe 


^000 
5000 


5000 

bis 

6000 


0000 

bis 

7000 


7000 
bis 
8000 


1000 FW 


CniMi 


liUtl 


10. April 


10. Mal 


29. Mai . 


24. Juni 


11—26 


1. 

17 


22. April 


IK Mai 


— 


— 


7—19 


12 


20. Mai 


13. Juni 


— 


— 


— 


— 


13. Joli 


— 


i 


— 


— 


— 


_ 


._ 




.^ 


_ 




29. Mai 


15. Mai 
H^ieseogrfin 


5. Juni 
Wiesengrfin 


30. Juni 
Wieseufrun 


8-^11 . 


9 


— 


~"~ 


, — 


— 


7-9 


8 


2. Mai 


10.-13. Mal 


30.M..3.Juni 


26.-28. Juni 


8-26 


10 




Brate BIQtben der Anemonen, Genzia- . 








neo« Primeln* 






20. Mii 


ZU Juni 1 9. Juli 1 27. Juli 
Alpenrosen. 


6-18 


7Vt 


— 


— 


— 


— 


— 


6 


— 


— 


>~ 


— 


— 


12 


28. Jan! 


0. Juli 
bei 5350' 


— 


— ' 


7-10 


81/, 


— 


— 


— 


_ — _ 


10-U 


101/, 


9. Jali 


19. Juli 
bei 5350' 


— 


~ 


0-11 


10 


2& JuDi 


30. Juni 


30. Juli 


— 


— 


— 


1& Aafust 


__ 


^. 


_ 


16-22 


18«/, 


10. AngiMi 


3; Septbr« 
bei 5350' 


— 


— . 


8-16 


12 


27. Ao^nit 


9. Septbr. 
bei 5350' 


— 


— 


10—13 


12 


11. Septbr. 


— 


. -_ 


• — 


lOr-13 . 


1»'/, 


11 Septbr« 


27. Septbr. 
bei 5350' 


— 


— 


9-13 


. Jtv, 


■"- 


— 


— 


— 


~~ 


12 


n Wovbr. 


30. Oklbr. 


17. Oklbr. 

1 


3. Oktbr. 


10-14 . 


11% 


lOOO VnsB 1 


lobe bis zur Beendigung^ der Bifitheobil 


dung^ 10, und vom Beg^inn 


lIT^fe. 







in 

Das Schmelzen de« Schnees und das Erwachen der VdgelMiili:« so 
wie der Eintritt der winterlichen Schneedecke sind stets schwankend^ be- 
sonders in der Tiefregion ; bis SOQO Fuss ergiebt sich in manchen Win- 
tern gar keine dauernde Schneedecke (und somit auch keine Schlittbahfi) 
bis 3000 Fuss, und auf den Sonnenseiten auch noch höher, wird die Schnee- 
decke öfter zeitweise weggeschmolzen; übei^ diesen Gfirtel hinaufist sie 
aber so ständig» dass sie wirklich mil dem Eintritte und den Schlüsse 
der Vegetazion znsammenfUlt 

Oertlich treten nach den mehr oder weniger gfinsligen Verhaltnis- 
sen die Vegetazionsepochen im Mittel sehr verschieden ein. Unterschiede 
von 2 — 3 Wochen sind da nichts Seltenes. 

Auch nach den Jahren treten sie sehr verschieden ein; besonders 
im Erwachen der Vegetazion liegen die Extreme etwa 6 Wochen aus- 
einander. 

Ein sehr zeitlicher Eintritt der Vegetazion ist der Reife und Hart- 
fröste wegen in der Regel gefährlich. 

Dauer 4er TesetABloiiVBeli Im HAuptalpenstocke* 

(Vom Brwacben der VegeUsioD bia zam Eioirltle des Wlat^rs«) 



b4«rl«eUhe 




tobFih« 


Tag« 


1500 — SOOO . 


. t68 


SOOO-3000 . 


. S44 


3000-4000 . 


. m 


4000-5000 . 


. tot 


5000-6000 . 


. 167 


6000—7000 . 


. 13t 


7000-8000 . 


. 9t 



Der Unterschied im Vegetazionszeitraume betrigt daher Ar je 1000 
Fuss Seehöhe unten S3, oben 38^ und im Mittel SO Tage. Ober der 
Schneelinie fibersteigt er noch weit die 38 Tage ; die Vegetazionszeit be- 
schränkt sich dort (an sonnigen Stellen) fast auf den blossen Monat Au« 
gust; die Flechten bleiben hier gar oft bis ins zweite Jahr mit Schnee 
bedeckt» ohne aber dieserwegen abzusterben. 

Nach Oben bedarf die Entwicklung der Pflanzen immer grösserer 
Zeiträume. — Im Hauptalpenstocke verfliessen z. B. zwischen der Blä*- 
thenbildung und der Fruchtreife folgende Tage. 

Kirsche WiaUrraggei Sents 

1500-8000 51 44 44 

SOOO-3000 69 46 47 

3000-4000 78 47 47 

4000-5000 83 50 48 

5000-5400 - 56 51 



178 

MerkwQrdig ist überhaupt der Vergleich der Zeit» welche die einzel- 
nen Gew8ch«e in den verschiedenen Klimaten zu ihrer Vollendung braa- 
chen. Die folgenden zwei Beispiele von Winterpflanzen werden noch auf- 
fallendere Unterachiede tagen« 

Wlaterweiioa 



Mittlere 

StatMit 

Malta . 

Sizilien 

Neapel • 

Rom 

Berlin . 

Alpen bei 3000 F. 12. Sept. 




Mittlere Vefreiaxlonszeit 
Iriteztlt Tag» 



18. Mai 

SO. Mai 

S. Juni 

». Juli 

7. August 



163 
170 
198 
»43 
899 
389 




Wlitarroggea li 4aa ilpai 

Veselaaionaiseit 
Saatislt Britsiolt Tag» 



80. Sept. 
a Sept. 
a Sept 



30. Juli 818 
14. Aug. 840 
& Sept 885 



Da die geringere Luftwarme offenbar auch durch die Zeit ersetzt 
wird^ so reifen die Früchte in den Höhen zwar bei geringeren Tages« 
iemperaturen^ aber darum auch später« — Die Kirsche z. B. reift am Fusse 
der Alpen bei einer mittleren Tagestemperatur von 17— 18<^, an ihrer 
obersten Verbreitungsgrenze hingegen bei 11^18^; der Winterroggen 
herunten bei 17 — 18^ oben bei 10^ 

Es scheint jedoch kaum einem Zweifel zu unterliegen, dass die Pflan- 
zen in den Höhen mit einer etwas geringeren Wärmesumme (Summe der 
Tagestemperaturen der ganzen Vegetazionszeit) vorlieb nehmen. 



Der Aelpler und sejne Wirthschaft. 

80 
Der Äelpl^r als Henseli und Staatsbürger. 

Die Natur, welche den Menschen umgiebt , spiegelt sich wieder in 
seiner Seele. — Gewaltig und rein drückt sie sich in das weiche Ge- 
müth der Jugend, mächtig wirkt sie noch immer auf den von Leiden- 
schaft bewegten Mann und selbst der dem Grabe zuwankende Greis 
ist ihr noch unterthan; uns unbewusst gesellen sich ihre Eindrücke zu 
dem, was tief und frei als ursprüngliche Anlage, als innere geistige 
Kraft in uns wurzelte, sie prägen mit diesen den Karakter des Einzelnen 
aus, und den ganzer Völker. 

Grossartig ist die Alpennatur, grossartig und tief ist auch ihre Wir- 
kung auf den Menschen. 

Möge naturwidrige Verkehrtheit und Sittenlosigkeit in den Gross- 
städten noch so viele Siege erringen, mögen sie im Flachlande den Tross 
ganzer Völkerschaften mit sich reissen , den Aelpler werden sie nie und 
nimmermehr unterjochen, dafür schützt ihn die Majestät seiner Hochberge. 

Im Angesichte der erhabenen Alpennatur schrumpfen der falsche 
Prunk, der hohle Schein, die Lüge und die Heuchelei unserer Civilisati- 
on in ihr Nichts zusammen. Darum gibt sich auch der unverdorbene 
Aelpler treu und wahr wie ihn Gott geschaffen hat; er nennt die Dinge 
bei ihrem wahren Namen und treibt die Höflichkeit nicht weiter als zum 
Verschweigen dessen, was offenbar verletzen müsste. Sein gerades Vor- 
gehen, seine derbe, ungeschminkte Sprache stossen zwar den verweich- 
lichten Kulturmenschen zurück, wo er sich getroffen fühlt, im Übrigen 
aber stieben sie ihn höchlich an, und zwingen ihm unwillkührlich Bewun- 
derung ab für eine Tugend, welche er nicht nachzuahmen versteht. 

Die schwere Mühe, die Wagniss und Grefahr, mit welcher der Alpenbe- 
wohner dem Boden gleichwohl hinreichende, ja öfter reichliche' Erzeugnisse, 
den Gewerben befriedigenden Lohn abgewinnt, machen ihm diese doppelt 
werthvoll und genussreich, sie fesseln ihn mit doppelten Banden an seine 
Scholle, an sein heimatliches Thal ; sie würzen ihm aufs köstlichste sein 
einfaches Mahl, sie verwandeln sein hartes Lager in ein Dunenbett, seine 
Sommerbank vor dem Hause, seine warme Winterstube ,in einen fürstli- 
chen Pallast; sie gehen ihm unerschöpflichen Stoff zum traulichen Ge- 
schäcker in der Spinnstube, zum gemüthlichen Geplauder mit den werthen 
Angehörigen, welche Mühe und Lohn, Leid und Freude mit ihm theilen. 

So lebt denn der Aelpler vergnügt und zufrieden mit seinem Loose, 
er sehnt sich nicht weg in ferne Lande, noch verlangt er seine beschei- 



175 

dene Existenz mit einer glänzenden zu vertauschen; ist er auch gezwungen 
einigen Erwerb in der Fremde zu suchen, so kehrt er mit seinen Spar- 
pfennigen freudtg zu seinen Lieben zurücl^ ; ja wäre er auch Jahrzehende 
auf Handelschaft oder im Gewerbhetriebe ausser Landes gewesen und 
dabei ein reicher, angesehener Mann geworden, so zieht er endlich wie- 
der ein in die Berge seiner Jugend, vertauscht den städtischen Frack 
mit der Lodenjoppe und l&sst sich an der Seite seiner Vater begraben. 

Zufriedene , anspruchslose, biedere und gottesfarchtige Itfenschen sind 
auch gute Unterthanen. — Der Aelpler ist letzteres im hohen Masse; er 
ist treu seinem Kaiser und ihm in hohem Grade anhänglich ; er ist gehor- 
sam dem Gesetze und trägt willig die Staatslasten, wenn ihm ihre Noth- 
wendigkeit begreiflich gemacht wird. In seinem gesunden, unverdorlienen 
Sinne sieht er wohl ein^ dass der Unterthan Pflichten habe, die er red- 
lich erfüllen muss, bevor er von Rechten sprechen wiN. Die Beamten 
kommen sehr leicht mit ihm aus, sobald sie nur in seiner Weise offen, 
gerade , menschenfreundlich und vor Allem gerecht fiirgehen, seine 
Sitten und Gebräuche achten und es nicht verschmähen, ihm ihre Forde- 
rungen gehörig aufzuklären. 

Die Bewohner jener Hochtbäler sind von der Geburt bis zum Gra*^ 
be vielfach bedroht von der wilden, übermächtigen Natur ihrer Berge; 
beängstigt und gefährdet durch Stürme und Wildbäche, die iifre Ernte 
verwüsten, ihre Felder und Wohnstätten eihreissen; durch Lawinen^ Gle- 
tscherbewegung und Bergstürze, welche ihnen gar oft Habe, Leib und 
Leben abfordern. Die Ziibringung seines Holzes oder Heues, die Nach- 
sicht nach seinem Viehe, seine Streifzüge nach der kecken Gemse, der 
harmlose Besuch seiner Liebsten, ja selbst der fromme Sonntagsgang zur 
Kirche kann dem Aelpler ein Glied, kann ihm das Leben kosten. — - Aber 
eben diese beständige Gefahr auf jedem seiner Trittl9 spannt auch alle 
Kräfte seines Körpers und Geistes, bildet sie aus und erhält sie frisch. 

Die überwältigende Grösse der Alpenwelt, ihre erschütternden Na- 
turerscheinungen , die ewig wiederkehrenden Gefahren, denen der Eine 
ganz unvermuthet unterliegt, der Andere wie durch ein Wunder glucklich 
entgeht, dringen dem Aelpler ununterbrochen das melancholische Nichts 
des Menschen auf, sie werfen ihn nieder vor der Allmacht Gottes^ gegen 
die er sein Gemüth nur durch Gebeth aus dem Staube lu erheben vermag. 

Das unverrückbar Feste seiner grossen Naturfenomene, die natur- • 
noth wendige Unveränderlichkeit seines Haushaltes und seiner Lebenswei- 
se , seine Abgeschlossenheit und sein intensives Familienleben müssen den 
Aelpler an das Altbestehende knüpfen, müssen ihn echt konservativ 
machen. 

Das Verbal tniss zur Hochgebirgsnatnr ist die grosse Erziehungs- 
schule dieser Alpenvölker; in ihr empfangen sie Einfachheit; Biedersinn, 
Thatkraft, Behari'lichkeit und Erfindungsgeist; sie verleiht ihnen kühnen 
Muth und Freiheitssinn, aber auch Achtung des Bestehenden und der ge* 
setzlichen Obrigkeit; das Bewusstsein ihrer Würde und Seibstständig- 



tn 

keit, aber auch die Ehrfurcht vor dem Schöpfer und seinen gewiJtigea 
Wetkem und GeboChea; ihr verdankea aie die gro««e Kanal eich «etbat 
z« helfen, aber auch die Werthachätsmg der Nächstenhilfe und die 
aich daran aufknüpfende Nächstenliebe/ 

Schon in den Tagen der Schöpfung iai der Karakter des Aelplers 
und mit ihm die Geschichte der Alpenvölker vorgezeichnet worden; ein 
Karakter^ eine Geschichte, die sich ganz anders gestaltet haben wurden, 
wäre dieser Erdstrich eine einfihrmige Ebene geblieben gleich den Wohn- 
platzen der Magjaren, oder ein Mittelgebirgsland wie Mähren und Böhmen. 

Um wahr zu schildern, darf ich aber nicht verschweigen, dasa ne- 
ben den Tugenden der Hochgebirgsbewohner auch einige Schwachen 
einhergehen. — Ihre Gottesfurcht artet zuweilen in Bigotterie und reli- 
giöse Unduldsamkeit aus, ihr konservativer Sinn in eigensinniges Festhal- 
ten am Alten^ in indolenten Widerwillen gegen wirkliche Verbessenin- 
gen; ihre Beharrlichkeit in Starrsinn* — Durch diese Schwächen zahlen 
aie den Tribut der Menschheit. 

Wenn ich eben die Sittlichkeit des Aelplers hervorgehoben habe, 
so verstehe ich darunter weder die konvenzionelle Sittlichkeit der soge- 
nannten gebildeten Welt, noch auch jene, welche billigerweise nur bei 
Menschenklaasen gefordert werden kann, welche in ganz anderen Ver- 
hältnissen leben. 

Die Aeipler sind gewiss treue and musterhafte Gatten, so musterhaft 
als man sie nur sonst wo findet ^ Der Umstand aber, dass der Bauer sein 
ganzes Gut (wie es in den deutschen Kronläodem und in Kärnthen und 
Krain vom Gesetze gefordert wird) nur einem Sohne übergiebt, welcher 
dann seine Geschwister mit einer Kleinigkeit abfertigt, zwingt die bei 
Weitem grössere Zahl junger Leute als Knechte und Mägde, als Hölzer, 
Köhler, Berg- oder Hftttenarbeiter in Dienste zu gehen und dabei entwe- 
der lebenslänglich oder wenigstens durch lange Jahre ledig ' zu bleiben, 
bis sie endlich so viel erspart haben, um sich ein Häascben zu kaufen 
oder bis es ihnen gelungen ist, irgendwo ein sicheres Brot zu erlangen. 

Berücksichtigt man dieses Verhältniss, erwägt man die völlige Unge- 
zwungenheit im Umgange dieser Naturmenschen, die unbewachte Ein- 
samkeit, welcher die Alpenmaiden bei ihren Feldarbeiten auf den Hoch- 
wiesen, vor Allem aber auf der Alm Preis gegeben sind; erwägt man, 
wie die wochenlange Abwesenheit des Liebsten die Sehnsucht zum heis- 
sesten Verlangen spannen muss, wQrdigt man endlich die meilenweiten 
Sonntagsgänge zur Kirche und die unausweichliche Aufregung, in wel- 
che kräftige Naturen bei ihren langersehnten Lustbarkeiten gerathen müs- 
sen, so wird man den vertrautesten Umgang der Liebespaare weder be- 
fremdend finden, noch hoch anschlagen. — Ehre genug, das«i der Bursche 
gewöhnlich redlich sorgt (ur die Erziehung seiner Liebespländer und dass 
er seine treue Maid zur Gattin machte sobald seine Verhältnisse ihm die 
Verehelichung gestatten. 



tn 

Wo linier sonsl so völligp uoverdorbenen Leuten selbst die Matronen 
keinen Anstoss nehmen an dem FaHe einer Jung^frau , wo die Mütter ihn bei 
den eigenen Töchtern geduldig hinnehmen als etwas Unvermeidliches , wo 
Kinder der Liebe ihren Müttern gar nichts nehmen in der öffentlichen Mei- 
nung» dort muss die Enthaltsamkeit wahrhaftig eine unmögliche Tu- 
gend sein« 

Selbst gegen jene Dirnen, welche in der verfilhrerischen Einsamkeit 
der Hochalm dem männlichen Ungestüu^ gewähren, was in der Regel nur 
als Lohn treuer Liebe nachgesehen wird, selbst gegen solche mag ich noch 
nicht den Stein aufheben ; denn ihr Schicklichkeitsgefuhl ist nie durch Er- 
asiehung verfeinert worden, und sie sündigten unter Umständen, welche auch 
den feinerzogenen Menschen dem Naturzustande unserer Erzväter nahe 
bringen. 

Die folgenden statistischen Daten mögen belegen und in bestimmter 
Ziffer nachweisen, was ich eben über den Karakter des Aelplers andeutete. 

Auf eine Million Menschen kommen (1846 — 48) im Durchschnitte 

jährlich Vergehen : 

b denWordwest- 
lordott- lad 
bnAbodudd Sttgto dern 

Verbrechen ."'""''''""""""*^ 1890 '^^""^^ ^550 

Darunter waren 

Oeffentliche Gewaltthätigkeit • • • 65 80 

Betrog, DiebsUhl, Veruntreuung, Raub 1060 1290 

Körperliche Verletzungen, Mord und 

Todschlag • • • 100 90 

Schwere Polizeiübertretungen- • • • 3600 6S90 

/das Eigenthum • • • 1770 , S460 

^ . IdieEhre 480 980 

Darunter gegen ) , ^ ^^ 

'^ Jdic Sittlichkeit • • • 80 300 

(körperliche Sicherheit . 1030 _^^^__^ 1840 __^___^ 

Strafbare Handlungen im Ganzen 4890 6840 

Der Aelpler steht daher in der Strafstatistik auf einer glänzenden Stu- 
fe. — Nur im Verbrechen der körperlichen Verletzung, des Mordes und 
Todschlages steht er gegen die Bewohner der übrigen Ländergruppen im 
Nachtheile, woran nur die Heftigkeit der wälschen Alpenbewohner Schuld 
ist, welche in ihrem Zorne allsogleich zum Messer greifen. 

Eines gewaltoamen Todes starben (1846 — 48) von einer Million Men- 
schen jährlich: 

la den lordwest- 
lordost-iadSttd- 
la den Alpen Iftadem 

! Selbstmord • . • • • 26 37 

Mord 37 34 

Unglücksfalle • • • 370 260 

Hinrichtung V* IVt' 

18 



1» 

AI«o auch der Selbstmord i«t in den Alpen bei weitem seltener^ wie 
anderwärts ; fast um die Hälfte zahlreicher aber der Tod durch Ung^lficks- 
fälle. 

In Tirol allein verloren (1834 — 35) jährlich 1S5 Menschen durch Un- 
glück ihr Leben» Davon waren ertrunken 39, todt gefallen S4 , über Felsen 
gestürzt 19, erstochen worden 11 , erschossen 9, erfroren 8, von Lawinen 
gelödtet 7, verblutete 1, todtgeschlagen 4, todt geschleift durch umgestürz- 
te Rennschlitten 2, an Gift umgekommen 2, durch Einsturz zerquetscht 2, 
durch den umgestürzten Wagen erdrückt i, beim Fuhrwerke über Felsen 
geschleudert 1, von einem Schweine verzehrt 1 (Kind,) durch einen Ochsen 
todtgeschleift 1, verbrannt i, vom Blitze getödtet 1, durch abrollende Steine 
zerschmettert 2, durch gefällte Bäume erdrückt 6, mit einem Steinwurf 
getödtet 1. 

1835 sind in Tirol durch Nächstenhilfe 25 Menschen aus der Todes- 
gefahr glücklich gerettet worden. 

Man hat berechnet, dass in diesem Lande bloss nach dem gewöhn- 
lichen Gange der Hochgebirgs-Naturereignisse 300.000 Menschen, also fast 
die Halbscheid der Bewohner in beständiger Lebensgefahr schweben. 

Die mittlere Stärke der Familien ist in den Alpen (mit alleiniger Aus- 
nahme der Militärgränze) die gross te des Kaiserreiches, sie beträgt 5. i K8- 
pfe. Hierin kommt denselben nur Italien gleich; die Nordwest- undNordost- 
läuder stehen mit 4.« bedeutend unter ihnen, so wie überhaupt das gesamm- 
te Flachland des Kaiserreiches, in welchem die Familie durchschnittlich 
4.8 Köpfe zählt. — Dass die Militärgrenze mit 9.« Kopfe sie übertrifft. Hegt 
nur in den patriarchalischen Familienverhältnissen dieses Kronlandes, in 
welchem ganze Nachkommenschaften unter Einem Familienhaupte verei- 
nigt bleiben« 

Die weibliche Bevölkerung ist in den Alpen geringer als in den lliNrr> 
gen Ländergruppen; denn während sie hier SS'A Prozente beträgt, entfällt 
sie dort nur mit 51 Prozenten. 

Die unehelichen Geburten betragen in den Alpen 18 Prozente, während 
sie in den übrigen Ländergruppen des Reiches nur 10 Prozente aller Gehör- 
nen ausmachen. Das Meiste trägt hiezu Steiermark bei mit 25, das We- 
nigste Tirol mit 4^, Prozenten. 



81 

Korperbeschaffenheit des Älplers. 

Stellt man die Sterblichkeitstabellen der Alpenländer jenen der übri- 
gen Ländergruppen gegenüber^ so ergeben sich folgende überraschende 
Resultate. 

Es sterben (1846 — 47) jährlich von einer MiUion Menschen : 



lordwett-^HoiOoit- 

Im A tter ? oi JtlireB h den Alm imd itt gte^er 

Aualil Provente Anaalil JPro« »n#e 

0- 1 7770 88 9650 S9 

1— 4 3000 11 4450 13 
4-SO S440 9 8970 U 

SO-40 3160 11 . 4870 13 

40-60 4390 15 5170 15 

60-80 6840 88 4660 14 

80-100 1170 4 900 «., 

über 100 18 O.05 17 O.qs 



88190 100 33090 100 

Mittlere Lebansdandf Jafare 88 87 

Während aI«o in den übrigen Ländern der Mensch ein mittleres Alter 
von 87 Jahren erreicht, gelangt er in den Alpen auf 38 Jahre ; während dort 
die Meisten in dem Alter von 40—60 Jahren sterben, erreichen sie hier 
60—80 Jahre. 

Im Körperbau unterscheidet sich der Aelpler etwa nur durch grSs- 
sere Gedrungenheit. — In den^ fruchtbaren und wohlhabejfiden Gegenden 
ist der Menschenschlag sehr srark und schön, in den armen und (verhält- 
nissmässig) überdicht bevölkerten Strichen hingegen (wegen ungenügen- 
der Ernährung) nur sehr gewöhnlich; in den engen, schaltigen und feuch- 
ten Thälern durchschnittlich sogar unter der Mittelmässigkeit ; zahlreiche 
Krankheitsanlagen und viele Krüppel zeigen, dass derlei Thäler nicht 
wohl taugen zu Wohnplätzen der Menschen. 

Fast überall in den Alpen verlieren die Weiber bereits früh die 
Fülle, die Leichtigkeit und Frische der. Jugend; ihr anstrengendes Arbei- 
ten mag daran Schuld sein. 

Das Hochgehirg zeichnet sich durch rheumatische und gichtische 
Leiden aus. Erstere treten insbesondere im Südabfalle scharf hervor; 
keine Abhärtung vermag ganz gegen sie zu schützen, die rüstigsten Forst- 
arbeiter, die im Walde völlig aufwuchsen, also gewiss das Maximium von 
Abhärtung erreicht haben, liegen dort tagelang an unleidlichen Kreuz- 
schmerzen auf den Bänken arbeitsunfähig umher. 

Die Erklärung liegt nahe. Die meisten Gänge fuhren aus den Thä- 
lern auf die Höhen. Unten ist es warm, die Pfade sind steil, jedermann 
kommt beim Steigen in Schweiss; plötzlich gelangt man vom sonnigen 
Hang in eine feuchtkalte Schlucht, an den Lawinenfirn oder Gletscher, 
auf das sturmbewegte Joch, es trifil ein eisiger Luftstrom den erhitzten 
Körper und erkältet ihn bis ins Mark, oder es bricht ein Gewitter los, 
verwandelt die bisherige unerträgliche Schwüle ebenso plötzlich in em- 
pfindliche Kühle und durchnässt uns bis an die Haut» Welcher Körper 
vermöchte solch grellem Wechsel jederzeit zu widerstehen ? 

18* 



18Ö 

Der Aelpler steigt zwar methodisch langsam^ er kleidet sich in den 
Hocbthälern durchs ganze Jahr inWolle^ er macht an jenen kalten Orten, 
an welchen er verweilen mnss gerne ein wärmendes Feuer an ; der Wäl- 
sche zieht sogar die Jacke aus und trocknet an dessen Wärmestrahlen das 
rücklings von Schweiss durchnässte Hemd; aber das Alles hilft nicht 
immer gegen Verkühlung. 



82 
Das Feienthnm. 

Man gelangt in Alpenthäler, in welchen sich taubstumme Missge- 
stalten mit blöder Miene und stieren Augen, mit krummen Beinen und un- 
geheuren Kröpfen herumschleppen, verkrüppelte Schreckensgestalten, wie 
man sie sonst noch nirgens erblickt hat* Es sind das die Fexen (auch 
Troddeln, Tocken, Dosten, Kretinen die weiblichen auch Trappen genannt). 

Das Fexenthum ist ein iRirchterlicher Fluch der sonst so herrlichen 
Alpen. Wohl uns, dass es nur auf einzelne Striche beschränkt ist. 

Selten die gewöhnliche Menschengrösse erreichend, oft zwergartig, 
immer Missverhältnisse der einzelnen Körpertheile zum Ganzen oder un- 
ter sich zeigend, oft eine unförmliche Masse bildend , erinnert der vollen- 
dete Fex an die Gnomen der Fabelwelt. 

Sein oben und hinten abgeplatteter mit struppigen Haaren bedeck- 
ter Schädel, das breite grinsend verzerrte Gesicht, die stark hervortre- 
tenden Kiefern, die grossen lappigen Ohren, die zusammengekniffenen 
Augenlieder mit enger unreiner Spalte, das unsicher rollende oder stark 
fixirte, oft schielende lichtscheue stets ausdrucklose Auge, die dicke, ab- 
geglättete, umgestülpte Nase, der breite weit geöffnete gähnende Mund 
mit seinen wulstigen Lippen, verdorbenen Zähnen und der plumpen Zun- 
ge, geben dem dicken auf die Brust herabhängenden oder beharrlich nach 
einer Seite gezogenen Kopf ein mehr als thierisches, ein ekelhaftes 
Gepräge« 

Die Körperhaut ist dick, faltig, missfarbig, fahl und selbst fleckig, 
in grossen Falten hängt sie an Angenliedern und Wangen; die zahlrei- 
chen Runzeln zwischen den borstigen Augenbrauen und auf der niedern 
Stirn verleihen dem Gesichte ein absonderlich altes und träges Ausse- 
hen« An dem meist kurzen, dicken Halse hängt gewöhnlich ein hässli- 
cher, unförmlicher Kropf. Die Brust ist eng und niedrig, der Unterleib 
dagegen unverhältnissmässig entwickelt, so dass der ganze Rumpf oft 
nur Bauch zu sein scheint; die Beine sind kurz und missgestaltet; die 
langen, mageren Arme hängen affenartig an der Brust herab. Dage- 
nen sind die Genitalien, besonders die männlichen, weit über das gewöhn- 
liche Mass ausgebildet. Die Muskeln sind schlaff, die Bewegungen unsi- 
cher, oft der Willkür entzogen; die runde, wulstige Zunge hängt her- 
vor und bewegt sich in gedankenlosem Spiele, die Sprache ist schwer- 



181 

tiüigy oft vertritt ein thierisches Grunzen ihre Stelle; die Sinne sind 
mehr oder weniger schwach^ stumpf und unempfänglich^ häufig 191 Taub- 
stummheit vorhanden ; oft vermag der stets gefrässige Kretin keinen Un- 
terschied zwischen den wohlschmeckendsten Speisen und den abscheulich« 
sten Dingen zu machen. 

Die höheren Seelenkräfte kommen beim vollendeten Troddel gar 
nicht zur Aeusserung, der hochgradige Kretin hat nicht einmal thierischen 
Instinkt Eben so tief ist die moralische Versunkenheit; die Wenigsten 
haben einen Begriff von Recht und Unrecht, von Schamgefühl n. dgl. 
Vorherrschend sind : Tücke^ Heftigkeit^ Erzürnbarkeit, Gefrässigkeit^ Hang 
zur Wollust» Schamlosigkeit 

Eine grosse Zahl von Fexen rafft der Tod schon in früher Kind- 
heit hm^ den übrigen machen Wassersucht und Abzehrung gewöhnlich 
schon vor dem 30. Jahre ein Ende; einzelne erreichen jedoch auch ein 
bedeutendes Alter. 

Zwischen dem scheusslichen vollendeten Kretin und dem gänzlich 
wohlgebildeten Menschen giebt es eine grosse Zahl von Zwischenstufen 
und Übergängen. Bemerkenswerth aber bleibt es^ dass bei Vielen der 
Kretinismus nur in Einer oder der anderen Richtung ausgebildet ist, und 
dass bei solchen Halbfexen untergeordnete Geistesfähigkeiten oft in un- 
gewöhnlichem Grade entwickelt sind. So vermochte in Salzburg der 
sogenannte Kalenderfex das Datum aller Heiligen Tage des Jahres genau 
anzugeben ; so wusste der Moos - Thaddädl die in der Kirche gehörten Pre- 
digten im Wirtshause bewunderungswürdig nachzupredigen; der Ziller- 
fex zeichnete sich durch unglaublichen Zahlensinn, der Hundshansel durch 
ganz besonderes Talent im Stehlen junger Hunde aus. 

Die Halbfexen haben in manchen Dingen einen fast genialen Schwung, 
nur gehen sie in ihrem Geschmacke gewöhnlich ins abentheuerliche. Sie 
schmüken sich gerne mit Flitterwerk aller Art, hängen sich zuweilen 
Ordenskreuze an und setzen sich Kronen auf. Prächtige Namen gehen 
ihnen über Alles; nicht selten lassen sie sich Napoleon^ Julius ^Caesar 
oder Kaiser und König schelten. 

Die körperlichen Zeichen des Kretinismus sind der Kopf, die über- 
grosse Leber und die übermässig entwickelten Geschlechtstheile. — Die 
Missbildnng des Kopfes und die zurückgebliebene Ausbildung des Gehir- 
nes rufen den Mangel aller geistigen Fähigkeiten, die Unvollkommenheit 
der äusseren Sinne hervor ; das Vorherrschen der Press- und Verdauungs- 
werkzeuge bedingt die Alleinherrschaft des vegetativen Lebens« 

Die menschliche Leibesfrucht wird dadurch zum Kretin, dass das 
Fötusleben in ihr nie erlischt; daher auch das ewig Kindische der Halb- 
fexen. Noch in seinem 60. Jahre ritt der salzburgische Moosthaddädl auf 
hölzernen Steckenpferden, sang Messe und trug eine goldpapierne Bischofs- 
mütze. — Darum geht im ausgeprägten Kretinleibe das schönste Erbtheil 
der Gottheit — Geist und Gemüth — nie auf, darum ist diesen Geschöp- 



feil der «chönste Vorzug des Menschen — die Sprache versagt; daram 
sind sie nur in einem Triebe mftndig geworden, d. i. im Geschlechtstriebe* 

Zweifelsohne beruht der Kretinismus auf vorherrschender Th&tig- 
keit des Ganglien- und unvollkommener Entwicklung des Cerebralsistems« 

Der Kretinismus ist oft das eigentliche Erbtheil ganzer Familien; der 
' Fex wird häufig schon als solcher geboren. Troddelhafte Eltern und be- 
sonders kretinische Väter erzeugen in der Regel auch troddelhafte Kin- 
der, von denen besonders die später gebornen hervorragende Fexen wer- 
den. Die endemischen Einflüsse bilden dann den Kretinismus weiter aus, 
so dass schon die zweite oder dritte Generation aus vollendeten Trod- 
deln besteht, mit denen bei ihrer Ohnmacht zur Zeugung nach weisen 
Naturgesetzen das unglfickliche Geschlecht endlich ausstirbt 

Der entwickeltste Kretinismus war ursprünglich meistens schon ein 
angeerbter, im krankhaft bestellten Zeugungsakte begründeter. 

Der angeerbte Kretinismus setzt aber nicht unbedingt schon dostische 
Eltern voraus, zuweilen genügen hiezu schon lebhafte Eindrücke von Fe- 
xen auf die Fantasie der Mütter. — So kommt es, dass manchmal unter 
mehreren wohlgebildeten Kindern geistreicher Eltern ein oder das andere 
gleichwohl als völliger Fex ^ur Vi^elt kommt Hieran ist oft der plötzli- 
che Anblick eines klassischen Dosten, die leider nur zu gebräuchliche Be- 
lustigung mit Halbtroddeln schuld; ja selbst die steinernen Kretinsfiguren, 
mit denen man besonders in Salzburg die Gärten verziert, können solche 
Felgen haben. 

Dem angeerbten Kretinismus steht der angeborne sehr nahe, wel- 
cher sich bei dem Kinde einer gesunden Mutter ergibt, welche während 
der Schwangerschaft in eine kretinöse Gegend eingewandert, den äus- 
seren Einflüssen unterliegt 

Meistens ist der Kretinismus jedoch ein erworbener, das Ergebniss 
schädlicher äusserer Einflüsse auf kretinische Anlage. 

Die Anlage ist entweder älterliches Erbtheil oder Wirkung endemi- 
scher Einflüsse. Für sich allein erzeugt sie keine Fexen, sie haftet jedoch 
fast auf sämmtlichen Bewohnern kretinischer Gegenden und theilt sich 
neuen Ankömmlingen in Kurzem mit 

Die äusseren schädlichen Einflüsse, welche die Anlage zum vollen 
Kretinismus entwickeln, finden sich beisammen in tiefen, schmalen, feuch- 
ten Thälern unter 2000—3000 Fuss Seehöhe; in Thalern, in welchen die 
Soromerwärme Mittags sehr hoch steigt und Abends ebenso tief herab- 
fallt, nebelreiche selten vom Winde gereinigie Orte, in welchen die Luft 
stets feucht bleibt, sei es wegen vorhandener Sümpfe oder grossen Wäs- 
serflächen, sei es wegen enger schattiger Lage. — Diese warmen und 
zugleich kalten, feuchten, Licht -^ Elektricität- und sauerstofiarmen Thä- 
ler, Kessel und Schluchten sind auch die ureigenlliche Heimath des schau- 
erlichen Fexenthnms ; hier treibt es in jeder Familie seinen gewaltigen 
Spuk, kein Haus ist ohne einige Troddeln, gar manche Bauernhöfe 



18t 

mnd schön föf immer verlassen worden, weil ihre mehrmals erneuerten 
Inwohner dort unabänderlich vertockerten« 

Diese unglücklichen Thäler bergen zwar die üppigste Vegetation, 
die Gräser schiessen dort sozusagen sichtbar in die Höhe, das Holz 
wachst mit Riesenschritten, aber der Mensch kann sich nicht entwickeln; 
ein vegetatives Leben entfaltet zwar auch er, aber das Geistige verküm- 
mert zum Blödsinn, der Stolz der Schöpfiing er wird zum Troddel. Selbst 
dem Thiere sagen diese gefeiten Thalstriche nicht zu, der Haushund, 
das Schaf, das Kalb werden dort gegen alle Sitte blöd und kropfig* 

Kommt dann noch der Druck äusserer Verhältnisse hinau^ die bit- 
tere Armuth, nachlässige körperliche und geistige Erziehung, der Aufent- 
halt in schlechten feuchten in die Berge hineingebauten Wohnungen, eine 
aller Anregung entbehrende Lebensweise, die vielleicht in der Trunken- 
heit ihre einzige Erquickung sucht^ dann geht die Verkümmerung bis 
zur grässlichsten Entartung und Familie nach Familie fallen dem vollen- 
deten Fescenthum zum Opfer, während der kräftige und fröhliche Men- 
schenschlag oben auf den Bergen beweist, dass der Fluch dieses Uebels 
in den klimatischen Ortsverhältnissen liegen müsse. 

Das echte Tockenklima findet sich vorzüglich im Hauptstocke der 
Alpen; hier hat das Fexenthuns seinen Hauptsitz aufgeschlagen. 

Das Volk, das die Erscheinung des Fexenthums nicht im Ganzen 
auffasst und sie nach seiner gewöhnlichen Weise aus einer einzigen Ur- 
sache erklären will, schreibt sie hier dem Trinkwasser, dort wieder der 
Grebirgsart zu. Es bezeichnet manche Quellen geradezu als solche, aus 
denen man sich Dummheit, Kröpfe und den Troddel antrinken kann. Vie- 
le Wässer sind dieserwegen als ^Kropfbrunnen" verrufen: obgleich das 
Vieh ohne Nachtheil aus ihnen trinkt* 

Nur insoferne die Wasser matt sind, den Durst nicht zu, stillen 
vermögen und hemmend auf die Verdauung wirken, nur insoferne die 
Gebirgsart Thäler mit sumpfigen Sohlen und nasser Atmosfäre hervor* 
brachte, nur insoferne dürften beide wirklich Einfluss nehmen auf das Fe- 
xenthum und vor Allem auf den isolirt und in seiner Begleitung auftre- 
tenden Kropf. Und in dieser Beziehung sind allerdings das Schiefer- und 
das Thongesteingebirg besonders aber die Talkschiefergebiethe demselben 
zugeneigt, denn ihre fast ebenen Thalsohlen stagniren die Wässer, ihre 
engen Thäler höherer Ordnung lassen noch die Ansiedlung zu, denn sie 
sind nicht schluchtenartig, wie jene der Kalkberg'e, sondern die schmale 
Sohle ist noch immer breit genug um die Feidwirthschaft zuzulassen. 

Bemerkenswerth ist es, dass wir neben unzweifelhaften Kropfquel- 
len auch solche besitzen, welche den Kropf wieder entschieden vertrei- 
ben ; es sind das die jodhaltigen Quellen, von welchen jene zu Hall in 
Oberöstreicb den meisten Ruf erlangt haben. 

Der Kretinnsmus ist aber wie die meisten Naturwirkungen sicherlich 
nicht die Folge einer einzigen Ursache, sondern mehr oder weniger die 
schreckNche Frucht deis Zusammenwiricens gar mancher Potenzen, wo- 
runter allerdings das Klima die erste Stelle einnimt 



Anlage, Klima, Erziehung;, Lebensweise erzeugen ihn und bilden ihn 
aus, sie unterdrücken ihn aber auch, ja haben ihn selbst schon völlig 
vertilgt 

Darum wüthet er auch nicht überall und jederzeit in gleicher Starke« 

Ich kann den Vaterlandsfreund versichern, dass dem Fexenthum von 
Jahrzehend zu Jahrzehend einiges Gebieth entrissen wird, und so oft ich 
zurückblicke von seinen jetzigen Sitzen in die Überlieferungen der frühe- 
ren Jahrhunderte, fühle ich mich freudig bewegt, denn gewaltig ist der 
Raum, den ihm die Menschheit bereits abgewonnen hat 

Ich könnte Gegenden anfuhren, wo die Fexen einst vielleicht 10 
Prozente der Bevölkerung betragen haben, während sie heute nur etwa 
3 Prozente ausmachen, andere wo vollendete Dosten gar nicht mehr vor- 
kommen ; während mir dem entgegen kein einziges Thal bekannt ist, wo 
der Kretinismus erhebliche Fortschritte gemacht hätte. 

Schon manches sumpfige und nasse Thal ist trocken gelegt, hunder- 
te von schmalen Thälern sind durch die Rodung oder Lichtung der Wäl- 
der, welche den Fuss der Hänge bekleideten, weniger feucht und lufti- 
ger gemacht, tausende von Wohnhäusern trockener und gesunder um- 
gebaut worden. Zahlreiche Aerzte, Seelsorger, Lehrer und Menschen- 
freunde arbeiten seit Menschengedenken an der Verbesserung der körper- 
lichen und geistigen Erziehung der Kinder so wie der fisischen Lebens- 
weise der Erwachsenen; der Verkehr, die Vermengung der Familien und 
die Umsiedlung, die Anregung durch die Aussenwelt sind auch beim Aelp- 
ler in stetem Wachsen; den Noth- und Hungerjahren ist denn doch das 
Förchterliche der Vorzeit genommen worden; und diess alles hat sieg- 
reich angekämpft gegen das Fexenthum. 

Nur Eins droht ihm wieder neue Bahnen zu brechen; es ist das 
unläugbar um sich greifende Brantweintrinken ; aber auch hieffir wäre ein 
Gegenmittel gefunden: — das Bier; wolle Gott, dass es wohlfeil genug 
werde, um dem verderblichen Branntwein baldigst den Rang' abzulaufen. 

Schon diese nachweisbare Verminderung des Kretinismus beweist 
die Möglichkeit seiner Bezwingung« 

Aber auch am Einzelnen ist er mehr oder weniger heilbar. 

Die meisten Fexen werden nicht als solche, sondern ganz wohlge- 
staltet geboren, sie bringen nur die kretinische Anlage mit auf die 
Welt. Erst die ungünstigen äusseren Einflüsse entwickeln bis zur Zeit 
der zweiten Zahnung die ursprüngliche Anlage^ so dass der Unglückliche 
endlich nach dem 7—10 Lebensjahre als vollendeter Kretin dasteht Dann 
ist er freilich völlig unheilbar, denn sein sensibler Apparat bat bereits 
alle und jede Reizempfanglichkeit verloren. 

Werden aber solche Kinder gleich nach der Geburt, oder bevor 
wenigstens der Kretinismus bedeutende Fortschritte gemacht hat, den 
kretmischen Einflüssen durch günstige Ortsveränderung entzogen, oder 
wird durch Lebensweise, Arznei und Erziehung entgegengevrirkt, so 
kann das Uebel allerdings gebannt, geringere Grade von Missstaltang 



18» 

können zorfickg^edrängt und jedenfalls kann der Fortschritt des Fexen- 
thnms wenigstens zurückgehalten werden. . 

Ja selbst der geborne Kretin, welcher sich selbst überlassen^ schon 
nach 4—5 Jahren den äusseren Einflüssen völlig unterliegt, kann durch 
zeiüiche Anwendung dieser Mittel oft noch gehellt oder wenigstens vor 
völliger Missbildung bewahrt werden. 

In der bisherigen Darstellung sind alle bekannten Mittel gegen dieses 
fürchterliche Uebel angedeutet. Bald möglichste Uebersetzung der Kinder 
in gesunde Gegenden nimmt dabei den ersten Platz ein; hierauf folgt 
eine von ärztlicher Umsicht entworfene und mit Verständnisse Sorg&lt 
und Liebe ausgeführte, auf Entwicklung von Geist und Körper gerichtete 
Pflege, welche durch beständigen Sinnes- und Lebensreitz das höhere 
Sinne«- das Gefühls- und Verstandesleben weckt und entwickelt 

Dass Heilung möglich sei, hief&r liegen vielfaltige Beweise vor. 
Schon von 1816 bis 1835 betrieb der menschenfreundliche Privatlehrer 
Guggenmoos zu Hallein (Salzburg) eine Fexenschule, in welcher viele 
hochgradige Fexen gebessert und eine grosse Zahl von Halbtroddeln zu 
selbstständigen Menschen erzogen worden sind, welche sich als Hand- 
werker ihr Brot erwerben. 

Vor allem aber beweist es das herrsche von einer Gesellschaft von 
Menschenfreunden erhaltene, von Dr. Goggenbüchl 1842 gegründete und 
geleitete Institut auf dem Abendberge bei Interlaken (Schweiz). 

Der k« k. Protomedikus Dr. J. Knolz, dessen vortrefflichen Vorträ- 
gen über Kretinismus ich das meiste dieser Darstellung entlehnt habe, 
ist sogar der Ueberzeugung, dass sich das Fexenthum mit der Zeit ganz 
ausrotten liesse; einerseits durch Pflege und Heilung der kretinösen Kin- 
der, vorzuglich aber durch Hinwegräumung^ Verminderung und Vereite- 
lung jener äusseren Einflüsse, welche die kretinösen Anlagen hervorru- 
fen und zum vollendeten Fexenthum ausbilden. 

Diese Aufgabe — bemerkt er sehr richtig — übersteigt aber weit 
die Kräfte einzelner Menschenfreunde oder Gesellschaften, die Regierung 
aliein könnte hiezu genügende Mittel in Bewegung setzen. 

Der Aelpler betrachtet die Troddeln als eine Art geheiligter Per- 
sonen, und die Beleidigung des Hausfexen würde von der ganzen Fami- 
lie sehr übel genommen. — Bei dem weichen Gemüthe des Hochgebirgs- 
bewohners ist das wohPganz natürlich, theils weil diese Geschöpfe des 
besonderen mitleidigen Schutzes Anderer bedürfen, theils weil man in 
ihnen den Finger des Himmels und gleichsam die Märtirer zu erkennen 
glanbt, welche für die Sünden der ganzen Familie gestraft worden sind. 

Der unbeirrte Instinkt des Halbdosten lässt ihm öfter Dinge klar 
sehen, die dem begabteren Menschen entgangen sind* Daher haben die 
Halbfexen schon öfter wunderbar vernünftige Sachen beobachtet und 
vortrefflichen Rath gegeben. Maq erzählt sich überall ausserordentliche 
Geschichten, bei welchen Tocken Unheil verkündeten oder abwandten. 
Fast jede Familie weiss von ihrem Haustroddel was Wunderbares an- 
zuf&hren. 



IM 

In alten Zeiten waren die Fexen als Hanswurste sehr beliebt, jedes 
Wirthshaus hatte einen oder zwei zur Belustigung seiner Giste* Diese 
rohe und nachtheilige Sitte ist aber bereits selten geworden. 

Die Halbfexen lassen sich recht gut zu mindern Hausarbeiten ver* 
wenden, sie verrichten sie sogar mit besonderer Pünktlichkeit 

Die Holzhauer -Familien sind so glücklich, dem Fexenthum am aller- 
wenigsten zu unterliegen. Der Holzer verbringt fast das ganze Jahr hoch 
oben in den Bergen weit ausser dem Bereiche des Troddelklimas, sein 
Leben ist bewegt, anregen^ und massig, das Fexenthum kann ihm daher 
nichts anhaben. Was ähnliches ist es mit seinem Weibe, die als Sennin 
oder gewöhnliche Magd unter ähnlichen Verhältnissen hauste. — Ihre 
Kinder kommen daher weit freier von kretinischen Anlagen zur Welt, 
und da auch sie nothwendigerweise ein bewegteres Leben f&hren, so 
arten sie nur selten zu Dosten aus. 

Die Köhlerfamilien sind schon weniger fexenfrei, denn erstens ist das 
Kohlungsgeschäft weniger anregend und zweitens verbringt der K5hler 
einen grossen Theil seiner Zeit in schmalen feuchten Thälern, woselbst 
die Kohlstätten nothwendigerweise errichtet werden müssten. 

Hierauf dürfte der Bauer folgen. Sein Hof liegt nur zu oft 
mitten im Troddelklima; sein Beruf bannt ihn in dessen Bereich; seine 
Wohlhabenheit giebt ihm die Mittel zur Völlerei, zu welcher ihn gar so 
oft die Langweile einladet; sein Leben ist überhaupt einförmig und anre- 
gungsarm, es wäre denn, dass er sich mit dem Kohlfuhrwerke oder mit 
dem Handel beschäftigte. 

Am meisten unterliegt der Hütten- und Hammerarbeiter dem Fexen- 
thum; denn er muss bei seinen Hütten und Hämmern wohnen, welche 
Werke (der nöthigen Wasserkraft und der Kohldeckung wegen) fast 
durchaus in die engen, feuchten und schluchtenartigen Seiten thäler ge- 
bannt sind* 

Ueberdiess haben diese Arbeiter in der Regel nur schlechte und äus- 
serst kleuie Wohnungen^ und die Feuerarbeit erregt Durst, verführt also 
zum Trünke. 

Die somit in dieser Richtung sehr begünstigten Holzknechte liefern 
auch im Hauptstocke der Alpen der kk. Armee die meisten Soldaten. 

Jene, welche im Troddelklima nicht zu Fexen verkümmern, können 
sich gleichwohl nicht ganz dessen Einflusses erwehren. — Dieselben Ur- 
sachen, welche die krerinösen Kinder zu ' förmlichen Tocken machten, 
bringen vielen Anderen wenigstens ein sehr anständiges Kröpfchen zu 
Wege und was aber weit mehr sagen will, drücken ihren Geist nieder. 

Bs ist daher nicht klug Behörden oder öffentliche Anstalten im Be* 
reich des Troddelklimas zu errichten. 

Das Fexenklima hat gewiss keinen unbedeutenden Antheil an dem 
Karakter der Thalbewohner des Hauptalpenstockes. 



l«r 



87 
Kirche ud Schule. 

Der Stand der Geistlichkeit betrug im Jahre 1847 
Auf eine Million Menschen 



SekiUr* 
OditUche 



!im Allgemeinen 
in Tirol . . 



In den Alpen 

In den Nordwestländern 
In den Nordostl&ndern 
In den Südwestländem 



2015 
3070 
1006 
868 
3S70 



ud Voimen 

iiao 

2S70 
51S 
180 
653 




Hieraus geht hervor , dass die ^ Alpenländer weit reicher mit Geist- 
lichkeit dotirt sind, als die übrigen Ländergruppen des Reiches^ und dass 
sie hierin nur von den (italienischen) Südwestländern übertroffen werden; 
dass aber Tirol am allerreichsten sei, und hierin sogar die italienischen 
Kronländer weit übertrifit. Thatsächlich zählt dieses Land 3V2 Mal so 
viel geistliche Personen als z« B. die Nordwestländer^ derart, dass bereits 
auf 190 Personen eui Gesalbter des Herrn entiällL 

Allerdings ist der Bedarf an Seelsorgern in den Bergen (der sehr 
beschwerlichen Gänge wegen) bedeutend grösser, als im Flachlande; dem- 
ungeachtet steht dieser Unterschied nicht im geraden. Verhältnisse mit der 
grösseren Zahl geistlicher Personen; so dass man ihre ungewöhnlich 
grosse Zahl in Tirol jedenfalls dem kirchlicheren Sinn dieses Landes zu- 
schreiben muss. 

V o 1 li • • c H n 1 e n . 

Im Jahre 18^7 kamen auf eine Million Bewohner 



im AllgemeineD 
Alpeo Tirol insbesondere 
(Kärnthen n. Krain 
Nordwefltländer • • 
Nordostländer . . . 
Sfidwestländer . . . 
SiebenbfirifeD . . . 




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KJBdmdri 


Pm. 


1070 

2078 

508 

808 

455 

1550 


20^ 

4736 
1280 
1904 
750 
1902 
1260 


115800 
123300 
113500 
124860 
119000 
125200 
50700 


88120 
128000 
44100 
119740 
18700 
57500 
39500 


76 
103 
38 
97 
15 
46 
98 


944 
1770 
490 
783 
156 
86 
1% 


40980 

57200 

22580 

54670 

6200 

2800 

40 


50 
70 
27 
65 
8 
3 



Berücksichtigt man die grossen Schwierigkeiten, welche wegen 
der Zerstreutheit der zu einer Pfarre gehörigen Höfe und der Beschwer- 



18B 

lichkeit der Wege dem allgemeinen Schulbesuche in den Alpen entgegen- 
stehen, 80 steht das Volksschulwesen dieser Landergruppe auf einer sehr 
achtbaren Stufe, indem von 100 schulfähigen Kindern (von 6—18 Jahren) 
im. Durchschnitte doch 76 die Schule besuchen, und 50 sogar noch die 
hierauffolgende Wiederhohlungsschule C^ d&s Alter von 13—17 Jahren). 

Das grösstentheils sloveniscbe Kärnthen und Krain steht hierin freilich 
etwas weit zurück, da nur 38 Prozente schulfähiger Kinder Unterricht 
gemessen; dagegen steht Tirol allen übrigen Kronländern voran, indem 
dort noch mehr Kinder die Schulen besuchen, als hiezu gesetzlich ver- 
pflichtet wären. 

Die Schwierigkeiten des allgemeinen Schulbesuches sind in den 
Hochbergen wahrhaftig unglaublich gross. — Fürs erste drängen sich dort 
alle landwirthschafUichen Arbeiten so in den kurzen Sommer zusammen, 
dass die grösseren Kinder hiefur (meist als Hirten des Kleinviehes) noth- 
wendigerweise in Anspruch genommen werden müssen (wesswegen sich 
der Schulunterricht auch in der Regel auf die rauhe Jahreszeit beschränkt), 
und dann sind die meisten Höfe so ungeheuer entlegen, dass manche Ael- 
tern selbst beim besten Willen die Kinder nicht zur Schule senden können, 
da sie denn doch nicht deren Leben in allzugrosse Gefahr setzen wollen. 

Es ist wahrlich rührend, in manchen Hochthälern zur düsteren Win- 
terszeit den armen Kleinen zu begegnen , wie sie kämpfend gegen Sturm 
und Schnee öfter 1— t Stunden weit zur Schule wandern, die Hände ge- 
gen den bitteren Frost tief in den Hosentaschen, die Schulbücher und ein 
Stück Mittagsbrot im leinenen Schulsacke. — Noch mühsamer ist ihr Rück- 
weg, denn dann heisst es auffwärts steigen,, das Wetter hat sich zuwei- 
len bedeutend verschlimmert und öfter überfällt sie die Nacht Anfangs 
wandern sie lustig in ganzen Schaaren , aber wie sich nach und nach die 
Wege verzweigen , lösst sich die Schaar in kleine Gruppen und Paare 
auf und endlich müssen Einige halbe Wegstunden ganz allein zurücklegen. 

Gar Manche dieser Kleinen sind schon erfroren oder von den Lawi- 
nen verschüttet worden* 

Um dem Schulunterricht die vollste Ausdehnung zu geben, müssten 
in den Hochbergen nothwendigerweise fahrende Lehrer angestellt wer- 
den, welche von einer Häusergruppe zur andern wanderten, in jeder der- 
selben einige Monate den Segen des Unterrichts ausspendend. 

Solche fahrende Lehrer findet man bereits in Deutschtirol. 

Nirgens steht der Volkslehrer dem Volke so nahe^ wie in den Hoch- 
bergen; denn hier ist er völlig Einer der ihrigen; in der Bauernschule ein 
Bauer, der vor den andern nur besseren Unterricht und dürftigeres Aus- 
kommen voraus hat Die Schule trägt ihm (mit Ausnahme grösserer Or- 
te) selten mehr als 50—100 fl.> er lebt daher im Sommer gleich den an- 
deren ärmeren Landleuten von seiner Händearbeit und verdient sich ne- 
benbei ein Stück Geld als Musikant 

Die fahrenden Lehrer, welche in der Regel von einer Gruppe wohl- 
habenderer Bauern gemiethet werden, geben sich insbesondere ganz als 



ij3d 

Bauernbnrsche niid werden auch als solche genommen. — Ihre Brother- 
ren weisen ihnen nach der Reihe in der Gesindstube neben Knecht und 
Dirne ihre Liegerstatt an, und sie essen gleich diesen am allgemeinen 
Tisch. — Etwas unbequem wird diese Stellung^ wenn sich etwa ein halb- 
herrischer Lehrer aus der Stadt in diese Berge verirrt* 

H5liere BIldaiiffsaiAStalten. 

Im Jahre 1847 kamen auf Eine Million Bewohner 

ZaU te ABstaltsn ScMler 



Alpen • • . 


34 


4160 


Nordvrestlande 


38 


4170 


Nordostlande • 


18 


1680 



Es stehen also die Alpen auch in Rücksicht auf höhere Schulbildung 
auf einer hohen Stufe« denn sie kommen den Nordwestländern des Kaiser- 
reiches, welche mit Wien und Prag die grossartigsten Bildungsanstalten 
in sich begreifen, was den Besuch betrifft^ fast ganz gleich. 

88 
Volkstrachten. 

In den Alpenländern allein haben sich noch allenthalben die schönen 
Volkstrachten erhalten. Bei seinem gesunden Sinne und unverdorbenem 
Geschmacke fühlt der Aelpler recht wohl, dass ihm seine althergebrachte, 
den Landesverhältnissen völlig angepasste Tracht weit schöner steht und 
besser zusagt, als das ans den Grosstädten in das Flachland übergegan- 
gene französische Kleid. 

Unzählig sind aber die Verschiedenheiten der Landestrachten. Jedes 
Hauptthal kleidet sich anders, ja selbst einzelne Gemeinden haben oft ihre 
Unterscheidungen. 

Gemeinsam dürften den Aelplern nur sein: die kurzen bis zu den 
Knieen reichenden Hosen, die gewöhnlich aus Ziegen-, häufig auch aus 
Gemshäuten verfertigt werden; mehr oder weniger kurze Jobben (was 
alles auf das leichte Bergsteigen berechnet ist), der stehende Kragen ohne 
Halstuch, der (gegen die häufigen Regen) breitkrempige Hut. Den Hiit 
betrachtet der Aelpler als das edelste Stück seiner Kleidung, mit beson- 
derer Vorliebe ziert er ihn daher mit Allem, was ihn verschönern kann, 
woran sich theure Erinnerungen knüpfen. Mit schönen Bändern, Quasten 
oder Schnüren umfangen , prangt er mit den Trophäen der mannhaften 
Jagd, des kühnen Bergsteigens, der siegreichen Liebe. Hier der stätt- 
liche Gemsbart, die herausfordernde Spielhahnfeder, der Anerhahnsteiss mit 
dem Adlerflaum und sonstiges Wildgefieder, dort wiedei^ der duftende 
Speick, das Edelweiss und die Raute, wo anders endlich der Blumenstrauss 
die Schleife, das Busentuch der Liebsten. 



Die minnlicbeo Trachten 0iiid aUeotkalben UeidMm, sehr oft mahle* 
risch achOn. -p- Mioder rekend jedoch meiat daa weibliche Kleid« Gemein- 
aam dfirfte den letatereo der kurze Leib and daa süchti|;e Verhülleo dea 
Boaena aein. 

Der Aelpler hat weni^^atena zwei Trachten t eine alltag^Iiche, höchat 
einfache f&r die Arbeit, dann einen beaaeren Sonntag^aataat In wohl- 
habenden Gegenden kommt dann noch eine dritte verbältniaamäaaig pracht- 
volle Tracht für die beaonderen Festtage binzu. 

Daa Kleid des Aelplers unterliegt zwar nicht dem raacben Wechael 
der atadtiachen Tracht, aber auch die Hochberge aind nicht ganz ohne 
Mode. Oft deutet daa achon die zur aonntaglichea Kirchenandacht ver- 
aammelte Gemeinde an; denn die Jugend iat dort in Einer, daa reife Alter 
in einer anderen und die Greiae in einer dritten Weiae gekleidet 

Die Volkatracht geht gewöhnlich vom Werktag auf den Sonntag 
fiber, vom Sonntag auf den Feierlag, und stirbt dann auf dem Höhenpunkte 
ibrer Würde, um noch als Kinderspott an den Leibern etlicher Greise und 
Mütterchen nachzugeistern. Je mehr sie sich den Augen der Menge ent- 
zieht, desto höher steigt Ihre Bedeutsamkeit, bis die Stufe erreicht ist, 
wo vom Erhabenen zum Lächerlichen nur mehr ein Schritt. — Zur Zeit, 
wo sie von den Alten nur noch hervorgezogen wird, um die höchsten 
Tage dea Jahrea auazuzeichnen, ist sie in der Regel schon der geheimen 
oder auch bereits der öffentliehen Spottsucht der Jugend verfallen. 

Uebrigens nehmen die Volkstrachten der Aelpler, wie es scheint, 
ihren Ursprung immer in den höheren Standen, und steigen von diesen in 
die unteren und zu den Bauern herab. — Die Bauerntracht ist aber hier, 
wie die Aloe« die nur alle hundert Jahre blüht ^ sie geräth nur nach aehr 
langen Zwiachenraumen in den Zustand der Empfangniss ; der Bauer und 
die Bäuerin tauachen ihr Kleid selten vor der dritten oder vierten Nach- 
konupenschaft. — Das Meiste, waa die wechselnden Moden der höheren 
Stände bringen, geht wieder dahin, ohne dass von unten her ein Auge 
darauf geworfen wird — manche Erscheinung aber, die gerade in die Zeit 
fallt, wo daa Landvolk wieder seinen Schooss eröffnet, wird aufgegriffen 
und hält sich dann auf mehrere Menscbenalter hinaus. 

Der Forstarbeiter hängt treu an aeiner Landestracht Kann er aich 
zwar- nur aelten zum Prachtanzug des reichen Bauera erheben, so ver- 
wendet er desto mehr auf die Zier seines Hutes; seine hervorragende 
Mannhaftigkeit läaat ihm dazu den reichlichsten Stoff nie auagehen. 

89 
Tau, HnmgienscliaiiZy Sang und Spiel. 

Der Aelpler hat (&r Tanz, Mummenschanz und Spiel hervorragen- 
den Sinn. 

Sein Tanz iat der reine Ausdruck seines Karakters, er ist nichts 
fremdes Eingelerntes, sondern daa ungeachminkte Ergebniss der Hin- 



m 

feban^ an die Lust Er brtacht dazu keine eigene Schale« keine aklavi- 
sche Begel, jader Einaelae überliaat sich aeiner Laune, aeinem Gleiiibl« 
and drückt dieae> auch auf aeine eigene Weiae aua. 

80 verachieden in den einzelnen Hechgauen getanzt wirdj m^ haben 
doch alle dieae Tanze das gemeinsam» daaa die Paare nicht unanttdalicb 
aneinanderkleben» wie etwa die GrossstSdter bei ihrem einffirmigan» aaa« 
drnckaloaen Walaer» aondern daaa sich Burach und Dirne meist in gelöa- 
tra^ Kreiae nmachweben. Das ist so die Art der althergebrachten Tanaa 
des Gebirges» dass der Tänzer alsbald seine Maid in Freiheit lasst, diese 
dann milde lächelnd» mit gesenkten Augen sich um ihn her bewegt» er 
aber vor ihren verschämten Blicken alle die erlaubten Wahnsinnigkeiten 
rbjthmiach ansf&hrt» welche Jugeudkraft» Sehnsucht und Liebeafreude 
einem iebensfriachen Natursohne eingeben können» Da dreht er idch also 
pfeifend, schnalzend oder singend wie ein Planet um aeine Sonne (die aber 
auch ihre Wirbel zieht)» stampft mit den Füssen» klopft mit den Händen 
un Takte auf Knie» Schenkel und Fussabsätze» lässt die Maid unter sei« 
nem Arme sich durchdrehen» dreht sich unter dem ihren durch, nimpit sie 
aber ninr selten» dann jedoch feurig und voll Hingebung in die Arme« 

Der ateirische Tanz iat der vollendetste Ausdruck von Anmnth, An- 
stand and Gemülhlichkeit. Seine Bewegungen sind so langaavn» wie sie 
um schön genannt zu werden» aein müssen. Seine Figuren und Stellungen 
sind lauter zarte und sinra'ge Anspielungen auf die süssen Gefühle dßt 
Liebe. — Dabei wird eine bedeutungsvolle Mimik aufgewandt^ welche ge- 
muthliche Fröhlichkeit in vollen Zügen athmet» welche beweiat» dass der 
Sleirer den Tanz ala den höchsten und schönsten Ausdruck der Seelen- 
empfindungen im entzückten Spiele der Glieder auffasst — Der ateirische 
Tanz kann sich an Schönheit dem aporenklirrenden Csardas der Ma- 
gju*en» der wilden Masurka der Pohlen» dem keken Djocko der Wal- 
lachen» dem reizenden und üppigen Fandango der Spanier» der anatanda- 
vollen Quadrille der Franzoaen kühn an die Seite stellen» an Gemüth 
übertrifft er sie aber alle; er isC der wahrhaftige Tanz der Grazien. 

Der deutschtiroler Tanz iai minder anmuthig» dagegen stürmischer; 
auf dem Höhenpunkte ihrer Lust machen flinke tiroler Burache Bürzel- 
bäujue» schlagen Räder» oder apringen gar über daa Mädchen hinüber; 
ja» wenn es ein keker ist» der alte Ueberlieferungen ehrt^ schwingt er die 
Maid hoch über aein Haupt und lässt sie — aber» wer das Ende dieser 
Figur erfahren will» der gehe selbst hin und schaue. 

Der öaterreichische Ländler iat bei weitem nicht so zart» sinnig und 
reich wie der ateirische^ gleichwohl aber noch ausdrucksvoller und man- 
nigfaltiger ala der leere Dreher des dortigen Flachlandes« 

Der Tanz des Krainers» so wie der des Welschen kommt dem öster- 
reichischen Ländler nahe» nur tanzt Letzterer auch die zierliche lebhafte 
und hüpfende Monferina» 

So eigenthümlich der Tanz» eben so eigen ist auch die Musik des 
Aelplers. Die steirischen Weisen» bei denen die klagende Zither die 



IM 

Hauptrolle spielt , aind voll Melodie und athmen ein tiefea Gemüth; den 
Steirer^ der ne in der Fremde nnverhoffk sn hören bekömmt, röhren sie 
bis zu Thranen« Die ^aterreichische und kraineriache Tansmnaik iat viel 
weniger melodisch zart und tief, der Barsche will hier schmetternde 
Trompeten und schreiende Klarinette dabei haben; der Welsche liebt 
die gellende Pfeife, 

Wenn Fröhlichkeit und Lust den höchsten Grad erreicht haben, bo^ 
begleitet der Aelpler seinen Tanz auch noch mit dem Gesang, und stimmt 
in selbstgewShlter Melodie seine Schnadahüpfeln an, in welche die Musik 
dann begleitend einfallt. 

Die Tierzeiligen Schnadahüpfeln (Schnadahaggen, Gsangeln, Gsazeln, 
Liedein), diese roh poetischen Ergüsse derber Sinnlichkeit , unverwüst- 
licher Freude am Leben und an der Liebe, an der eigenen Stiirke und 
am Kampfe, sind der überwiegenden Mehrzahl nach erotisch oder«atirisch; 
sie mahlen die Liebesfreaden zart oder auch unzart; den Spott aber geben 
sie immer treffend und witzig. Es geht über alles her, was gerade in 
den Wurf kommt, über die Fehler der Burschen, noch lieber über die 
Schw&chen der Dirnen > über den Nachbar , über die Gemeinde, über das 
ganze Thal. Es begibt sich selten eine alberne Geschichte, die nicht ihre 
Reime erhielte. — Das historische Element tritt darin nirgends hervor, 
das elegische nur in den slovenischen GresSngen, das heroische in den 
znm Raufen herausfordernden Trutzliedem« — Die Melodien, nach welchen 
diese Liedein zu singen sind, lassen sich nach Dutzenden zählen, die 
Schnadahüpfeln selbst nach Hunderten und Tausenden; viele haben nur 
ein kurzes Dasein, viele leben länger, verschwinden aber auch, wenn ihre 
Zeit um ist — andere sind nur in bestimmten Gemeinden heimisch, noch 
andere wiederhallen durch den g^össten Theil der Alpen; sie kommen, 
man weiss nicht woher; selbst von den beliebtesten kennt man die Ver* 
fasser nicht 

A Büchsal zun Schiassn, 

Und an Stossring zun Schlagn, 

Und a Dianal zun Liabn, 

Mnass a frischa Bua bahn! 
hat seit einem Jahrhunderte die Runde durch alle deutschen Hochgebirgs- 
gaue gemacht, und ist Iris in das ferne nordische Flachland gedrungen. 

Auch auf der einsamen Alm, auf dem Felde, Abends in der S^inn- 
Stube oder auf den Bergmatten nach vollbrachter Heuarbeit lassen Bur- 
schen und Dirnen diese Lieder erschallen; der glückliche Liebhaber singt 
sie bei der Heimkehr vom FensterFn, der Holzknecht bei dbr Abfahrt 
vom Schlage. — Besonders schön ist die Sitte dpr welschen Burschen^ 
deren hervorragend musikalische Anlage sie in den Stand setzt, ihre Lie- 
der auch mehrstimmig auszafiihren; sie schocken sich zusammen und 
durchwandern nach vollbrachter Arbeit oder in ihren herrlichen Sommer- 
nächten Arm in Arm singend und jubelnd ihre Dörfer; unter diesem Fen- 
ster sich verweilend 9 um einer gefeierten Schönen den Huldigungsgesang 



1S3 

sa bringen, unter jenem» um einer Spröden oder Albernen ein Trutz- oder 
Spottlied zu singen. 

Es ist was herrliches um einen Kirchtag in einem lustigen deutschen 
Alpenthal. Schon der Pfarrer nimmt billige Rücksicht und vereinigt gleich 
die Vesper mit dem Hochamte. — Nach dem Gottesdienst strömt Alles 
zum ausgiebigen Mahle» kaum ist aber der Löffel gewischt^ so fangen die 
Musikanten an aufzuspielen und die Jugend sich zu drehen und zu toben» 
— Die Männer (Verheiratheten) und einzelne ernstere Bursche lassen in- 
dess die Büchsen knallen auf ihrem Schiesstande oder schieben Kegel um 
einen blumenbekränzten Bock. Die Greise und die Weiber schauen über- 
wachend, zurechtweisend und anregend dem lustigen Treiben zu, schwel- 
gend in der Erinnerung ihrer eigenen jungen Tage; sie besprechen dabei 
traulich die Geschäfte des Tages, greifen wohl auch zu den Karten und 
erzählen sich alte längst vergangene Geschichten. 

Im kalten Winter tritt «fßr das Kegelspiel und das Scheibenschiessen 
des Deutschen das Eisschiessen, f3r das Kugelwerfen des Welschen das 
Schütteln an die Stelle. 

Mag auch Mancher dabei tiefer ins Glas schauen, al» eben billig ist, 
mögen auch einige Bursche in ihrem Uebermuthe ein blaues Auge davon- 
tragen, mag auch eine oder die andere Maid etwas früher den Liebsten 
erhören, als es sonst vielleicht geschehen wäre, so bleiben diese Feste 
doch immer und ewig der einzige Weg, auf welchem ein kräftiges Natur- 
volk seinen Ueberschuss an Lebenskraft nützlich austoben kann. Der Ein- 
zelne wendet sich dann wieder mit frischem Muthe den schweren Mühen 
des Tages zu, er gehorcht willig der Obrigkeit und seinem geistlichen 
Hirten, gibt gerne dem Kaiser, was des Kaisers ist; er ist zufrieden auch 
mit dem bescheidensten Loos und sucht das Glück nicht in der Ferne, 
weil er es im eigenen Thale findet. 

Auch an sinnigen und lustigen Mummereien fehlt es nicht^;.die Hoch- 
zeiten, gewisse Heiligen- und die letzten Faschingtage gebett^dazn alt- 
herkömmliche Gelegenheit« In eigentlicher Pracht wird der l^mmen- 
schanz aber in den welschen Alpen geübt; dort ziehen in den letzten 
Faschingwochen die Masken einzeln oder in Zügen mit Musik von Haus 
zu Haus, überall ein kurzes Fest veranstaltend; es ist ihnen dabei bloss 
um einfache Nekerei zu thun,' oder sie stellen herkömmliche possier- 
liche Persönlichkeiten dar, oder fuhren gar ganze Possen auf. 

Selbst ins religiöse Gebiet ragt der Mummenschanz hinüber ; der hei- 
lige BRkolaus , die heiligen drei Könige werden fast in allen Alpenkron- 
ländern aufgeführte in Nordtirol stellt man das Leiden, in Welschtirol die 
Geburt Christi dar. 

Auch dem Schauspiel ist der Aelpler geneigt; in Ermanglung reicher 
Hauptstädte sind dieser Kunst hier freilich nicht die glänzendsten Tempel 
aufgeschlagen, noch' werden Priester ersten Ranges zu derem Dienste 
berufen; aber dafür übernimmt der gemeine Mann oft selbst die Priester- 
schaft und tritt als Dichter sowohl als auch als Schauspieler auf, (wie z* B» 

13 



IM 

im deiiUchtirolerBauerntheaterO — In den wekchen Bergen fal|^ das Schau- 
spiel dann auch dem Zu^e der Gemuther, und erschüttert mit der Dar- 
atellung^ der Leiden8g;eachichte Christi und de« Lebens der beliebtesten 
Heiligten. 

Nachdem ich mich nun froh ergangen hai>e in der Schilderong der fri- 
schen Alpenlustbarkeiten, beschldcht mich unwillkürlich das Gefühl wehmü- 
thiger Trauer. Ich habe sie geschildert^ diese rege kraftvolle Lust, blühend, 
wie sie einst wirklich war — aber wie sie heute nicht mehr ist. 

Dahin bist du jetzt in gar vielen Crauen du reicher Festtagsjubel ; 
zahlreiche Thäler dieser schönen Berge sind jetzt so liederlos wid ge- 
sangsarm, wie nur irgend ein Flachland ; deine Hochzeitshrenden sind her- 
abgesunken zu einem schnöden, schweigsamen Mahle, das statt mit fröh- 
licher Musik und tobendem Tanze mit unverholenem Gähnen beschlossen 
wird! — Armer Tiroler mit deiner biederen urkrafligen Lebenslust; was 
sollen jetzt deine Hochzeiten, deine Kirchtage, ohne schmetternder Trom- 
pete und gellender Klarinette, ohne Jauchzen und dröhnendes Stampfen 
des Taktschlages, ohne Schwingen der errölheuden Jungfirauen, ohne 
Ehrenreigen des Brautvaters — was sollen diese Feste ohne alle Freude, 
dieser Kultus des vollen Magens und des weinschweren Kopfes — was 
kannst du davon zurücklegen fiir deine alten Tage, wo du von den süssen 
Erinnerungen der Jugend zehren sollst!? 

Wohl sind an diesem Sinken der Lebensfreuden auch die steigenden 
Preise aller Dhige, dann der grössere Ernst der Zeit Schuld, aber es 
haben daran auch engherzige Geistliche gearbeitet, welche in jeder Welt- 
lust ein Werk des Teufels, im ganzen reichen Volksleben nur Verderb- 
niss sahen; einzelne milzsüchtige Beamte, welche die treuherzige Derb- 
heit des Aelplers und die kernigen Landessitten missverstehend, an und 
ffStr sich harmlose Bräuche als polizeiwidrig verfolgten. 

Uniäugbar ist zwar mit der Beschränkung der älplerischen Lebens- 
lust auch manche Rohheit, manche Unsitte abgeschafft worden, aber eben- 
so unzweifelhaft haben sich auch die Kneipen und das Branntweintrinkeu 
vermehrt, eben ao unzweifelhaft hat sich die Zufriedenheit des Landvolkes 
gemindert» 

Die Schwarzseher mögea doch untersuchen, ob sie durch ihre ver- 
kehrten Bestrebungen nicht vielleicht der Völlerei und der Tuckmäuserei, 
dem Fexenthum und der Unzufriedenheit in die Hände gearbeitet haben, 
ohne dass die eigentliche Moral, Zucht und Sitte dabei auch nur das Ge- 
ringste gewannen! 

Doch was wahrhaft lebenskräftig tief im Karakter eines Landes wur- 
zelt, kann gehemmt und gedrückt, es kann aber nicht willkürlich ausge- 
rottet werden. So auch die kernige Lebenslust der Aelpler. Von den 
meisten grossen Orten hat sich zwar der freie Jubel zurückgezogen, aber 
auf den einsamen Berghöfen, auf der freien Alm und in den Forsten schal- 
len noch Sang und Zither wie in den guten alten Tagen, tief in die Nacht 
hinein tobt dort noch der heisse Tanz. Gegen den finsteren Geist der 



105 

Aneae hat die harmlose Weltlufil bereits Ihre ritterlichen Kämpen gefun- 
den; die schönen Kfinate bemeisteni sich der reichen Stofie unserer 
prachtvollen Alpen, aie in eine nie fekaanCe Glarii» erhebend: und so 
wird denn die freie Lebenafreude aie^eich wieder einsUhe» in das 
kaiun verlasseoe Gebieth und der Aelpler wird sie in ihrer veredel- 
ten Geatalt desto heisser an das biedere Herz drücken^ «m von ihr gleich 
von einer theuren Lebensgefährtin nie und ninunermehr zu lassen. 

90 

Jagdlnsty Scheibenscluegsen und Schtttzenwesen. 

Bei so kriiftigen, dem Naturzustande noch ao wenig entrückten Volk- 
stammen ist eine hervorragende Neigung zur Jagd ganz natürlich* Die 
Unmöglichkeit der Jagdherrn, ihr Recht so gut wie im FlacMaude vor 
Emgriffen zu wahren, der allgemeine Waffenbesitz, die nothirandige freie 
Pürsehe auf Raubthiere , dann der Umstand, dasein vielen Gauep (Ti- 
rol , Lombardie und Venezien) die Wildbahn wirklich oder üst ao vjel 
als freigegeben ist, hat dieser Neigung noch Vorschub geleistet wd sie 
bis in die aeueßte Zeit wach erhalten. 

Der kräftige Bauembursche, der rfistige Forstarbaker iat daher mei- 
stens auch Jager, und kann er aeinen Hang nicht auf geaetdich^ Weise 
befriedigen, so fröhnt er ihm nur zu oft auf unerUabte Art. Bei Vielen 
dauert diese Leidenschaft auch noch weit Ober die Juaggesellenschaft hin- 
ans und diese werden dann Jiger van ProfiMeion^ gewöhnlicher aber ke- 
eke Raubschützen. 

Vor Zeiten, wo der Wildstand der Hochberga jiach beträchtlicher 
war, gab es «dort viele, welche vom Raubschiesaan lebten- Hout^iutage ist 
die Zahl dieser handwerksmassigen Wildsch&tzen schon sehr geringe 
und nur eine brennende Leidenschaft f&r die Jagd vermag den bittren 
Entbehrungen und der Armuth Stand zu halten, welchen der RaubsctuU^e 
anheimfallt. 

Diese Nimrode unternehmen Streifzuge auf viele Meilen in der Run- 
de, fibernaditen oft wochenlang unter FelseavaraprOngeu oder achirmrei- 
chan FiohteB, oder in verlassenen Sennhütten, essen dabei vvenig Ande- 
res, als Roggen- oder Haferbrot oder kalte Polanta.«Qd aehen nicht aalten 
mehrere Tage lang kein menschliches Antliz. — Im Sommer sprechen 
sie fleisaig bei den Sennen ein , und geben iluian l&r die übliche Btewir- 
thiiii^ ihre merkwürdigeA Abentheuer zum Besten. — Haben sie eine 
Gemae erlegt, so saugen sie gewöhnlich ihr warmes Rlut^ das — .nach 
ihrer Meinung — ähnliche Kraft, ahnliche Schnßllfliasügkeit uud ahnliche 
Schwindelfreiheit mittheilt, wie diesem Alpengewild eigen sind. 

Der Hochgebirgsachütze schieast das Wild selten in der Flucht und 
im FJttge, sondern beschleicht es gewöhnlich in seiner Ruhe, um recht si- 
cher acbiessen zu können. Hiez«i macht er auch aufs bedächtlichste alle 
dienlichen Vorbereitungen und weil er in der Regel nur dann losdrückt, 

13' 



196 

wann er des Erfolges gewiss ist, so fehlt er auch selten» — Zu dem al- 
len zwingt ihn wohl auch sein noch immer einfaches Rohr. 

In seiner Vorsicht überlegt er auch vor dem Schuss wohl, ob sich 
die stürzende Gemse nicht vielleicht so verfallen könnte, dass sie gar 
nicht mehr zu bekommen wäre, oder dass sie sich völlig zerschellen würde. 

Die Hochberge haben sich von jeher ausgezeichnet durch die Kühn- 
heit ihrer Schützen. Diese Kühnheit liegt aber nicht im Schiessen, son- 
dern vielmehr in den Wagnissen, mit welchen der Schütze die Gemse 
beschleicht oder die verfallene habhaft zu werden sucht. 

Der wälsche Bewohner der südlichen Hochberge zieht den Vogel- 
fang und das Schlingenlegen in der Regel der mannhafteren Jagd mit 
dem Schiessgewehre vor, wozu er wohl auch grossentheils durch den 
Umstand gezwungen ist, dass es dort wenig mehr mit dem Rohre zu 
erlegen gibt 

Nirgends im Kaiserreiche wird so viel Scheiben geschossen wie in 
den Hochbergen. Diese ritterliche Übung bildet an unzähligen Orten eine 
der gewöhnlichen Sonntagsunterhaltungen der besseren Jahreszeit, Das 
Scheibenschiessen umschlingt da alle Stände mit dem schönen Bande 
freundlicher Geselligkeit und man kennt dabei nur einen Vorzug d, i. den 
hervorragender Schiesskunst* — 

Im kalten Winter setzen viele Gesellschaften das Scheibenschiessen 
mit der Bolzbüchse fort 

Alle seit zweihundert Jahren erfundenen Gewehrarten kommen auf 
den verschiedenen Schiesständen der Hochberge in Anwendung; Feuer- 
röhre mit Radschlössern sind noch oft zu treffen ; in Obersteiermark wird 
sogar noch mit Armbrüsten geschossen. 

Von dieser Vorliebe für das Scheibenschiessen machen nur die von 
den Welschen und von den Slovenen bewohnten Hochthäler eine Aus- 
nahme, denn hier ist diese Kunst mehr eine Belustigung des Her- 
renstandes. 

Natürlicherweise zählen die Hochberge auch eine grosse Zahl vor«- 
treflflicher Schützen. 

In Kärnthen sind schon 10 Zentrumschüsse nach einander gemacht 
worden. — Aber ganz abgesehen von solchen zufillligen, aber immer noch wun- 
derbaren Heldenthaten, will ich nur erwähnen, dass beim letzten Kaiser- 
bestschiessen zu Innsbruck (Herbst 1851) des Schützenkönigs Josef Vinazer 
aus Buchenstein 10 Schüsse in 3 Vierern, 4 Dreiern, 1 Zweier und t 
Einsern bestanden, und im Übrigen noch 3 Andere all ihre zehn Schüsse 
schwarz schössen ; was Alles Leistungen waren, wie sie auf den grossen 
Freischiessen gewöhnlich vorzukommen pflegen* 

Ganz ausgezeichnete Schützen bereisen auch alle grösseren Frei* 
schiessen der weitesten Umgegend; und gar mancher erübrigt von seinen 
Grewinnen noch Erkleckliches über die Reisekosten» — Der erwähnte 
Vinazer, ein Mann von etwa 50 Jahren, hat bereits so viele Beste ge- 



197 

Wonnen, dass die Preisverziernngen derselben zwei Wandschränke aus- 
fallen und die Fahnen alle Wände seines Prachtzimmess dicht bedecken. 
Dieses Schützenwesen hat auch zuweilen seinen ehernen Ernst Die 
Thaten der deutschtiroler Schützenkompag^nien von Anno Neune leben 
fort im Munde alier Volker. Seitdem ist dort das Schützenwesen nichts 
wenig^er als verdorrt ; es grünte auf in neuer Frische , als die Regierung 

— in den tiroler Schützenkompagnien eine nützliche Landeswehr erken- 
nend — dem Schützenwesen durch zeitgemässe Regelung von 132 Schiess- 
statten, Zuwendung von 60.000 G. auf deren Einrichtung, durch Zusi- 
cherung eines Jahresbeitrages von 1757 Gulden auf die Preise, neues Le- 
ben einhauchte. So hat denn dort jedes Thal seine mannhafte Wehr, die, 
wenn sie gleich in den glücklichen Friedenszeiten ihre Hingebung nur 
dadurch beweisen kann, dass sie sich als Ehrenwache um jene Glieder 
unseres erhabenen Kaiserhauses schaart, welche von Zeit zu Zeit jenes 
biedere Land besuchen; dass sie die kirchlichen Feste und die Ehrentage 
des Landes und ihres Thaies durch Festaufzüge verherrlicht — die gleich- 
wohl zu jeder Stunde bereit ist, für ihr Land und fiir ihren Monarchen 
das Blut zu verspritzen. 

Als im denkwürdigen Jahre tBtö der welsche Aufruhr die italieni- , 
sehe Grenze auf den Brenner setzen wollte, zogen 80.000 Landesschützen 
aus allen Gauen Tirols an die Grenzen ihrer Grafschaft , jagten die Ein- 
dringlinge zurück und sicherten der kaiserlichen Armee Italiens den Rü- 
cken und die Verbindung mit den deutschen Kronländern. 

91, 

Das Fenster i'n. 

Der Bursche des Flachlandes lässt sich sein FensterFn nicht nehmen. 

— Wann soll er auch kosen , da ihm seine Arbeit am Tage keine Zeit hie- 
zu übrig lässt? Da er aber mit seiner Liebsten das Dorf nie verlässt^ so 
wählt er die Donnerstags- und Samstagsnacht dazu. — Diese schonen 
Nächte sind die schönste Poesie im jugendlichen Landleben, und leider. oft 
die einzige im Erdenwallen des Armen; Bursche und Dirnen hängen daher 
an ihnen mit aller Zähigkeit jugendlicher Leidenschaft 

Mit doppelter Innigkeit fensterlt die Jugend der Hochberge, welcher 
die wochenlange Abwesenheit auf der fernen Hochalm und im Holzschlage, 
die grosse Entlegenheit der Höfe diese Lust gewöhnlich nur auf die Sains- 
tagaoacht beschränkt 

Vergebens erzählen alte Mütterehen ihre schrecklichen Spukgeschich- 
ten, vergebens predigen übereifrige Geistliche sich heiser dagegen; verge- 
bens hat man sogar einzelne Widerspänstige mit Geld und Arrest bestraft, 
das FensterFn steht noch in voller Blüthe, wie vor und ehe. 

Es vrird damit wohl sein, wie ein rüstiger Holzknecht seinem Beicht- 
vater antwortete, der ihn dieser wegen etwas zu hart anliess: 

„(seistli Herr habn's nit aufbracht, wern^s a nit abringa." 



m 



92 
Fllchengfüsse, VolkszaU und Volksdiekte der Alpeilaade. 



Haaptstoeli. 

galsburiT» Hochgeblrg««raac 

SUienttärk, Brnckerkrei« 

TiNftl, Itinflkrucker KreU uod das Pustertbal 
Kirnlben» ebemaliger vülacber KreU • 

Westallfell 

Vorarlberi^ . • . • 


Im Ganzen 


Auf Jeder Mette Land! 


Heil«!- 

Plidie 


iMNkei 


In liiuel der 

iMiikcchM di* 

ihiplitidU 


iBÜitUl 

der 
liHkr 


100 

167 

280 

05 


83.000 
184.000 
332.000 
130000 


600- 960 
806- 2400 
200— 2600 
885— 2800 


830 
1100 
1180 
1370 


44 


107.000 


970— 4750 


2430 


Ifordalirall 

äalsburg, Tbal^au • 

Unteröftreieb, dieffeiU der Donaa obne 

Oberöf Ireicb» frllber. f rauii. U. tt4uf rttckkr. 

•»tebfall 
AUlermArk» f raier u. marbur^er Kreta . 
Kirnlbeo, frAberer klaf enfurUr KreU . 
Kraln. ........... 


25 

173 
115 


72.000 

546.000 
369.000 


2000- 3000 

1000^ 7500 
1050—5600 


2680 

3160 
3210 


223 

85 

174 


889.000 
198.000 
468.000 


2500- 4000 
1000— 3200 
1300- 4200 


3700 
2830 
2690 


Sfidabfell 

Tirol, brixoer n. trienter &r. obne Puatertbal 
Veoftsieii» Hoebgebirir und HQ|r«ll«»d 
Lombardfe» Hocbfebirg nnd Hfigelland • 
GArs .......•<•.. 


188 
173 

188 
51 


427.000 
565.000 
811.000 
184.000 


1100— 7350 
1080— 8660 
1320- 6050 
2150-5600 


2540 
3260 
4310 
3800 


Dm AlyeatoBd mclUhen mit dei Urigra Litdergmppen des Reidies. | 


(HaupUtock ..'..• 
Weelabfall • • - . • . 

Alpmland /BTordabfall 

jOaUbfall 

(6fldabflili. 

Im Gänsen 
/Norden: Ober • und Untere 
\ öalrelch jenaeits der Donau, 
Alpenrrenx- ) Bobinen, Milbren uild Scble- 

lande ) aien 

f S Q d e : Lombardtacb- vene- 
\ zianiacbe Ebene . . . 

HördoatUHde: Galitien, Kfikan, Bokowiia 
OaUande: Unfern und Serbobanat , • 
Biebenbfirf en : (Hocbgebirgaland) • . . 
SAdoatlande : Kroazien, Slawonien und die 

Militärfrenze 

BfidUebe Karatlandet latHehundDalmazIen 

Daa fanze Kalaerreteb 


642 
44 

818 

482 
580 


729.000 

107.000 

982.000 

1.505.000 

1.997.000 


290— 2800 

970— 4750 

1000— 7500 

1000— 4200 

1080— 8660 


1136 
2430 
8140 
3130 
3440 


2061 

1625 

430 
1650 
3734 

955 

912 
309 


5020.000 

8.648*000 

3-620.006 

5.331.000 

10.220.000 

2.194.000 

2.0^.060 
781.600 


2048—16680 

1880-14100 
2100- 6500 
1020- 4644^ 

1340- 45T0 
1800-^ 8800 


2680 

4930 

8420 
3440 
2740 
1970 

2«80 
2860 


11-600 


37.600.000 


200^16680 


3840 



19» 



93 





Die Älpenbewohner nach Volksstämmeiu 




Hauptßtok . 
WeaUbfall. 
Nordabfali . 
Ostabfall . 
SQdabfall . 


DenUche 


Welsche mit Inbe- 
griff der Fvlaner 
und Ladiner 


Slovenen und 
Kroaten 


Juden 


Gesammt- 
bewohner 


Meilen 


Klpfe 


HeileD 


Köpfe 


NttieB 


Köpfe 


6W 

44 

313 

174 

66 


729.000 
106.000 
982.000 
618.000 
110.000 


463 


1.719.000 


308 
51 


887-000 
467.000 


900 
200 

1000 


. 729-000 

107.000 

982.000 

1.505.000 

1.997.000 


1239 


2.545.000 


463 


1.719.000 


359 


1.054.000 


2100 


5.320.000 



Die österreichischen Alpen werden zu 48 Prozenten von Deutschen 
be^w^obnt, welche den Hauptstock^ den Nord- und den Westabfall ganz im 
Besitz haben« in den Hochbergen des Ostabfalles eine sehr ansehnliche, 
in jenen des Südabfailes aber nur eine weqig bedeutende Minorität bil- 
den. Im Ganzen besitzen sie 6t Prozente des Landes. — Es ist bemer- 
kenswerth, dass die Deutschen des Ost- und Södabfalles fast aus- 
schliessb'ch nur die Hochberge bewohnen , das tiefer gelegene Land den 
Slovenen und den Welschen überlassend. 

Die Welschen bilden 32 Prozente der Bevölkerung, nehmen SS Pro- 
zente Land ein, und bewohnen den tiefer gelegenen fruchtbareren Theil 
des Südabfalles, erstrecken sich jedoch auch bis in die obersten Hochthi- 
ler hinauf. 

Die Slovenen (mit einigen Kroaten) bilden 19 Prozente des Alpen- 
volkes, bewohnen 13 Prozente des Landes und nehmen fiberwiegend den 
Ostabfall (dessen tieferen Theil) ein, erstrecken sich aber auch noch in 
den Sfidabfall hinüber. 

Die Juden leben zerstreut unter den anderen Stämmen, jedoch nur 
im West- und Sfidabfalle der Alpen. 

Die Alpen sind daher von allen Ländergruppen des Kaiserreiches zu- 
gleich die deutscheste und die am wenigsten jüdische. 

Die Alpen sind dann auch die katholischste Ländergruppe, denn sie 
zählen nur etwa 35.000 Protestanten und 2100 Bekenner mosaischen 
Glaubens« 

94 
Älpenstädte. 

Die österreichischen Hochberge haben keine Groastadt; Innsbruck 
mit 14,300 ist ihre grösste und zugleich die einzige Stadt des Haupt- 



MO 

Stockes, welche mehr als 10,000 Bewohner zählt — Derlei Städte liegen 
jedoch mehrere in den Ausläufern der Hochberge und z>war im 



Nordabfalie 


\ Salzburg 

\ Steier • • • 


• • 10,000 
• 11,000 




i Graz • • 


• 61,000 


Ostabfalle 


l Laibach- ■ 


• «1,000 




/ Klagenfurt • 


• 14.000 




Trient • • 
Görz ■ ■ 


. 18,500 


Südabfalle 


• 11,000 



Rechnet man noch das an den letzten nordöstlichen Ausläufern lie- 
gende niederöstereichische Wienerneustadt mit 16,000 Bewohnern hinzu, 
so leben von den 5,320,000 Menschen der österreichischen Alpen nur 
176,500, also bloss SVs Prozente in neun nennwerthen Städten. — Die 
folgende Tafel zeigt, dass die Alpen und insbesondere deren Hauptstock 
und der Ostabfall, weniger hingegen der Südabfall und Vorarlberg über- 
haupt sehr arm an grösseren Orten sind. 





Städte ereiseOrte 

Ober 10,000 Menachen mit 2000—10,000 Menaeb. 


Kleine Orte 

Prozente 

der 

BevdlkeruDff 


Zahl der 
StidU 


Dereo Bilüere 


PrtL dei 
gitt.Btv- 


Zahl der 
Orte 


Deren Bitüere 
HeMdmiaU 


Frei, der 
gui.'BeT. 


Hauptalock . 
Wefltabfall . 
Nordabfall • 
OaUbfall . . 
Südabfall. 


1 

3 
3 
2 


14,500 

14,300 
32,000 
11,500 


2 



8 
1 


8 



21 

7 

103 


2560 
2560 
2950 
2290 
2670 


3 
14 

6i/, 
1 
14 


95 

86 
89 
91 

85 




9 


19,700 


SV3 


145 


2700 


^'Ä 


89 



AM 



95 



Yerklltniss dM tragbaren Bodens vm Untragbaren. 



Alpen. 

Haaptalpenstock • 

Wetflabfall . . 
Nurdabfall. . . . 

Ofltabfall .... 
Sfidabfall .... 

C^rensliMäie. 

Nördliche .... 
Sfidliche .... 


^»-u«*u-««*. 1 


Liite- 

Flkhi. 


Trafbare Böden. 


»■Uag- 
barer 
Baden. 


litlik 


1 X 1 r • ■ e. 


100 

100 
100 

100 
100 


60 

81 
90 

94 
69 


Oberateiermark mit 
Nordtirol ..... 


. 84 
. 55 


81 

19 
10 

6 
31 




Unteröfltreich .... 
Oberöatreich Traunkreis . 


. 94 
• 81 




Tirol Bozner Kreis . * . 
Görz mit ..... . 


. 56 
. 88 


100 


88 




17 


100 
100 


95 
85 


Böhmen und Mahren . . 
Italische Ebene • 


• 
73-94 


4Vt 

15 



Die6e Tafel zeigt, welch ungeheure Flachen in den Alpen der Bo- 
denkultur entzogen sind. 

Im Hauptstocke der Alpen insbesondere beträgt der untragbare Bo- 
den durchschnittlich 31 Prozente, ja in 'Nordtirol steigt er sogar über die 
Halbscheid der ganzen Landesfläche. — Der bei Weitem grösste Theil 
hiervon besteht in unwirthlichen Felsen, Schutthalden und öden Wasser- 
gerinnen; sie betragen 10— 45 Prozente. Sehr beträchtliche Strecken 
(4—6 Proz.) sind ferners von den Gletschern und Fimmeeren bedeckt ; in 
Steiermark nehmen diese zvirar nur 1 Prozent^ in Nordtirol jedoch 5^ in 
Salzburg sogar 6, und im salzburgischen Pinzgaue gar 11 Prozente der 
Landesfläche ein. Die Wohnräume betragen hier wie im Flachlande ge- 
gen ty die Wege und die Gewässer 1 — 3 Prozente. 

Auch der Sndabfall hat eine ungeheure untragbare Bodenfläche 
(31 Prozente.) Hier aber sind fast gar keine Gletscher mehr und nur un- 



bedeutende Firiimeere ^ dagegen weisen die dortigen (Alpenkalk und 
Dolomit) Berge, unzählige Felsen, Schutthalden und trockene Gerinne auf^ 
denen auch thatsächlich etwa 23 Prozente der Landesfläche angehören. 
Bemerkenswerth nehmen auch die Wässer ungleich mehr Fläche (etwa 
5 — 6 Prozente) in Anspruch, denn sie graben sich dort unverhältnissmässig 
weite Rinnsale aus. 

Der Nordabfall der Alpen hat nur 10 Prozente untragbare Flächen, 
denn die Berge erheben sich dort nur ausnahmsweise über die Baum- 
grenze, sie beherbergen nirgends ewigen Schnee^ ihre felsigen Hänge 
sind besser bewachsen, und ihre Wässer haben keine ungewöhnlichen 
Rinnsale. 

Die kleinsten Flächen (6 Prozente,) sind der Bodenkultur im Ostabfalle 
der Alpen, entzogen ; nicht vielmehr, als in den bestbebauten Flachländern. — 
Denn hier sind fast keine Hochberge mehr, dann bestehen die meisten 
Bergzuge aus Gesteinarten, welche sich sanft verflachen und selten 
Felswände bilden, und die Wässer brauchen keine aussergewöhnlichen 
Rinnsale. 



96 
FllchenverUUtiiisg iwiMhm Feld m Waid. 



Alpen 

Hanptalpenstock 
Weatabfall 

Nordabfall . . 
OaUbfall . . 
UdabfaU . . 
€}p0iislAn«|e. 

MShrenmBdhmen. 
lUliache Ebene 


Froiente 4es tragbaren Bodens 1 


barer 
Bidea 


Feld 


Wald 1 


MitUl 


E X t r e ■ e 


Mittel 


E X l r e ■ • 


100 
100 

100 

100 
100 


47 
67 

57 

66 

61 


Salzburg . . 60 
»♦Tirol, O.Sleler 43 


53 
33 

43 

44 

39 


N.Tirol ,O.Steier 57 
Salzburg • '. 40 


— 


— 


UDteröstreich 58 
Oberöstreich 55 


Oberöfltreich 45 
Vnteröstreich 42 


Krain . . • 58 
VnteriLärntben 53 


Unterkärnthen 47 
Krain • • . 42 


Görz ... 79 
sadtirol . .46 


SQdUrol . . 54 
Görz • . . 21 


100 


65 


— 


45 


— 


100 
100 


71 
06 


— 


29 

4 





Im Haoptalpenstocke nimmt also daa Feld (Garteu, Acker, Wieae 
und Weide), gegendber dem Walde mit 47 Prozenten nicht einmal die 
Hüfte de« tragbaren Bodens ein^ in den Senkungen aber doch mehr als die 
Hmlbseheid, im Nord- und Ostabfalle 57, im Südabialle nur 61 Prosente. 

Im Alpenlande (im weiteren Sinne) sind durchschnittlich noch 45 
Prozente des tragbaren Bodens bewaldet, während in den nördlich an- 
grenzenden Flachlandern nur 29, und in der im Süden grenzenden itali- 
schen Ebene gar nur 4 Prozente mit Holz bestockt sind. 



97 
FbehenverhUtfiigg nu T«neuad0Bn Feldknltnren. 



Alpen 

Haaplstoek . . 
Westabfall . . 
HordabJUl . . 

Ostabikll. . . 
SadabfaU . . 

ClreMxlaiid0 

B6kmen u. MIhren 
IttUsche Ebene. 


Preiente 




Aokir- und eartsnlaiid 


Grasland 


Acfcfr 1. fiirlMi 


Unkai 


Wtm 


HitwtMlea 


Hi^MlBn 


fa»»«. 


Mittel 21 
Obkärnt. 17 
Obrteier 27 


— 


23 
Salzbnr«: 17 
Nordlirol 31 


16 
Nordtirol 10 
Obateier 24 


39 
Obflteler 32 
Salzburir ^ 


78 
Salzbarfl: 73 
ObkSrat. 82 


8 


Vi 




91 


58 
Uatöstr. 60 
Oberdstr. 61 


1 
SalEburf 
Uatdstr. 2 


28 
Unteröstr.27 
Oberostr. 31 


12 
Oberöatr« 8 
UDter6atr.l3 


1 
UDUr6atr.l| 


41 
Oberöstr. 39 
Unterofltr. 41 


36 
KralD 23 
VDtsteUr 46 


3 
UnUSrnt 
Untflteier 5 


28 
ÜDtkarnt« 26 
KraiD 31 


28 
Vntateier 20 
KraiD 40 


6 
Untsteler 2 
UntkSmt. 11 


61 
Untflteier 60 
KralB 76 


11 


5 


30 


42 


12 


84 


29 


2 


27 


26 


14 


68 


73 
37 


V3 

39 


16 
16 


11 
10 


■ — 


27 
26 



Diese Tafel zeigt auf den ersten Blick, dass in den Alpen das Gras- 
land ungeheuer vorwiegt» es nimmt im Allgemeinen zwei Drittel der feld- 
wirthschaftlichen Fläche ein, während es in den angrenzenden Flachlän- 
dern nur ein Viertel beträgt. — Während letztere Länder vorzugsweise 
Getreideländer sind, spielt in der älplerischen Feldwirthschaft die Vieh- 
zucht die erste Rolle. — Dieses Ueberwiegen des Graslandes ist ein noth- 



wendiges Erg^eboiss der Alpennatur. Fur's erste sind hier die Hoch- 
aimen unbeding^tes Grasland, für's zweite g^eben viele hochgelegene Fla> 
chen noch eine sehr gute Grasemte, wahrend sie die Getreideernte bereits 
versagen» und für's dritte ist selbst im Bereiche der Gretreideregion vie- 
lenorts die Steilheit^ das Seichte und Felsige des Bodens dem Giefreide- 
bau entgegen. 

In der Regel wird nur der kleinere Theil des Graslandes als Wiese 
behandelt. Mögen daran immer auch ein Verkennen des eigenen Vorthei- 
les oder ungünstige Rechts- und Besitzverhältnisse theilweise Schuld 
sein, so ist dieses Verhältuiss doch grösstentheils wieder tief in der Alpen- 
natur gegründet 

Die Hochalm lässt sich an und für sich nicht wohl als Wiese be- 
nutzen; denn gelänge es auch, deren Gras entsprechend zu trocknen, so 
würde das Euibringen und Abführen des Heues fast imnuer. zu viel kosten. 
Und dann sind viele Almen so steinig und uneben, dass schon das blosse 
Mähen daselbst unerschwingliche Kosten verursachen würde. 

Die steinige Oberfläche und der spärliche Graswuchs sind auch der 
Grund, warum auch tieferliegendes Grasland nicht als Wiese, sondern 
als Hutweide benutzt wird. Oefter aber zieht man das Abweiden auch 
darum vor, weil sich sonst eine nahegelegene Waldweide nicht wohl 
benützen liesse, noch öfter aber ist die Hutweide blosse Gewohnheit aus 
der alten Zeit, oder gegründet in den ungünstigen Besitz- und Rechtsver- 
hältnissen (die zahlreichen Gemeindeweiden, die Weideservitut auf ehe- 
maligem herrschaftlichen Waldgrunde, der aber im Laufe der Zeit zur rei- 
nen Weide geworden ist); zuweilen mangeln auch die Arbeitskräfte, um 
(im Ostabfalle) täglich für die sommerliche Stallfütterung zu mähen« 

Zweifelsohne wird der steigende Sinn für bessere Bodenkultur, vor 
Allem aber die Ablösung der Weideservitute und die Auftheilung der Ge- 
meindeweiden viele Hutweiden in Wiesen , und manche Wiese in Acker- 
land umwandeln. 

In der Ausdehnung, welche der Weinbau einnimmt, zeigt sich deut- 
lich die Gunst oder Ungunst des Klima's. — Die kräftigere Sonne und der 
reinere Himmel gestatten überdiess im Südabfalle der Alpen und in den 
tiefsten Theilen des Ostabfalles die Rebe im Gegensätze zu den nörd- 
licheren Ländern (wo sie nothwendigerweise kurz gehalten werden muss) 
hoch ui Lauben oder an Spalieren und Bäumen hinaufzuziehen. 



M5 



98 

Marktpreise 
to Feldfrflckte n« «•■ Feld-Arbeitlolmes. 

Durchschnitt des Jfthrzehents von 1840—49. 



' Alpen 

üordabfall . . 
Hanptatock . . 
OaUbfall • . . 
SOdabfall. . . 

Dnrchaehiiitt 

«reüBlantie 

BSbmeii, MSbrcD, 

Scble«i«ii . • 
Italiesiacbe Ebene 




F a 


1 d 1 


[ r • h t • 




FaUnbetton 
Tagalobn 


Wiiui 


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der Metsen Oulden u. Kreuser 


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14 
26 



Weizen» Roggen und Mais sind in den Alpen sehr bedeutend, und 
anch die übrigen Getreidearteir theurer , als in den angrenzenden Flach- 
ländern, dagegen wieder Erdäpfel und Heu wohlfeiler; offenbar weil der 
Aelpler erstere Früchte bei Weitem nicht nach Bedarf, dagegen letztere 
reichlich erzeugt. Diese Preisunterschiede werden noch auffallender, so- 
bald man statt obiger aus den Wochenmarktsorten abgeleiteten Preise 
jene ansetzt, auf welche die Früchte an den eigentlichen Verbrauchs- 
orten zu stehen kommen; denn dann muss beim Getreide rücksichtlich des 
Aelplers. noch das Heimfuhren vom Markte zugeschlagen, dagegen in den 
angrenzenden Getreideländern die Kosten der Zumarktbringung abgeschla- 
gen werden. Am allertheuersten sind nothwendigerweise sänuntliche Feld- 
früchte im Hauptalpenstocke. 

Die. Kosten des gewöhnlichen Feldarbeitertaglohns betragen allent- 
halben ein Sechstel Motzen Getreide; sobald man jene Körnergattungen 
in Anschlag bringt, welche im Lande vorzugsweiae verspeist werden, 
also im Nordabfall Roggen, im Hauptstocke Roggen, Mais, Gerste und 
Hafer, im Ostabfaile Roggen, Mais und Gerste, und im Südabfalle Mais. 
Bloss im Südabfalle beträgt der Taglohn nur etwa ein Siebentel des 
Kompreises, woran der dortige Ueberflnss an arbeitenden Händen Schald 
ist - 



«06 

In der angrenzenden italischen Ebene dag^e^en steht der Tag'lohn 
um ein weniges ober einem Sechstel, weil die einheimischen Arbeitskräfte 
nicht vollends zureichen; wie deoB aacb tfaatsächlich sehr viele Arbeiter 
ans den Südalpen zeitweise dorthin bezog^en werden. 

In den nördlichen Grenzlandern, d. L in Böhmen, Mahren und Schle- 
sien steht der Arbeitslohn unverhaltnissmassig tief anter jenem der Alpen, 
denn dort ist vergleichungsweise ein ungeheurer Anbot an Arbeit 

Die wenigsten landwirthschaftlidien Arbeiten werden aber in den 
Hochbergen mittelst Taglöhner besorgt, denn deren sind nur sehr we- 
nige vorhanden; senden der Bauer hält hiezu eine verhältnissmässige 
Anzahl von Knechten und Mägden. Die meisten Wirthschaften halten 3 
bis 8, die grossen sogar 80 bis «5 Dienstboten. 

Da sich der Hochgebirgler überhaupt zwar einfach, aber gut und 
reichlich nährt, und da bei der fast überall dünnen Bevölkemng starke 
Nachfrage nach Dienstboten ist, so müssen diese nothwendigerweise sehr 
gut gehallen werden. — Sie kommen eben so hoch zu stehen, »Is ^in 
gleich guter durchs ganze Jahr beschäftigter Taglöhner. — Die Weib«- 
leute kosten, sowohl als Mägde^ als auch als Taglöhnerinnen, zwe! Drittel 
der Männer. — Die Löhnung der Dienstboten besteht ausser der Verpfle- 
gung allenthalben in Geld und gewöhnlichen Kleidungsstücken. 

Bezeichnend für die Alpen ist eine Unzahl von Feierlagen. Hier wer- 
den nicht nur alle von Kaiser Josef, glorreichen Andenkens, lingvt Age- 
schafilen kirdilichen Festtage noch pünktlich gehalten , sondern auch gar 
viele andere Gedächtniss- und Gelegenheitstage zum Feiern derart Jb9- 
nützt, dass das Jahr eigentlich nur Vtö — tSO ArbeitsUge zählt Grerne 
möchten zwar die Bauern von diesem Ueberflasse etwas abzwacken, aber 
sie scheiterten bisher immer noch an dem Wiederspruche der eben durch 
ihre ungenügende Zahl starken Dienstbotenpartei. 



99 
Ackerwirthschaft. 

Bei weitem das meiste Ackerland (im Hauptstocke mehr als die 
Hälfte), wird in den Hochbergen als Eggart, d. i. als Acker Mundelt^ 
auf welchem der Getreidebau mit der Graskultur wechselt 

Ohne Zweifel ist diese Wirthschaft in jenen hochgelegeneB Tlm- 
lem, deren Klima die Aussaat oft nur V/t—^/^ fach wiedergibt, dagegen 
(der reichlichen Mederschläge wegen,) dem OraswucbM adbr förderlich 
ist, die zweckmässigste Wirthschaft; durch die Verbindung iMider K«i- 
twen erzielt hier der Bauer gegenüber reiner Wiese tMid remem Acker 
sowohl im Getreide, als auch im Grase höhere Eitriige» Die Eggart- 
vrirthschaft wird sehr verschieden vom 3 jährigen hi» «um 8 jährigitn 
Turnus betrieben ; sechsjähriger Turnus mit der folgenden Frudflfolfe : 
1. Weizen oder Roggen oder beide ^ gedüngt; 2. Hafer; 3. Roggen, ge- 



107 



dfin^; 4, 5» 6 Wiese, ist einer der häufigsten und dankbarsten Betriebe» 

Mmcfaenorts treibt man auch die etwas verschiedene Drischwirth- 
Schaft, bei der auf eine zweimahiige Getreideernte i — 8 j&hrige Be- 
weidung Iplgt. 

In manclien Gegenden wird das Eggartland auch mit grossem Vor- 
theil gebrandet 

Auf dem reinen Ackerlartde trifft man gewöhnlich die Dreifelder- 
wirthschaft; die reine Brache jedoch in der Regel nur in jenen wenige- 
ren Fallen^ in welchen (ur den unausgesetsten Anbau nicht genug Dünger 
herbeigeschafft werden kann. 

In den Maisgegenden der Südalpen hingegen wird dieses herrliche 
Korn häufig auf dem nämlichen Felde ununterbrochen fortgebaut. 

Sehr mühsam und kostspielig ist die Bebauung der zahlreichen auf stei- 
len oft 30—35 gradigen Hängen gelegenen Felder. Unendliche Mühe fordert 
dort gewöhnlich schon das Auffuhren des Dungers ; sehr häufig muss dieser 
auf lange Strecken in Körben in die Höhe getragen werden. Das Ackern ver- 
langt 3—4 Personen, ja oft ist der Pflug gar nicht mehr verwendbar und es 
muss das Feld stattdem mit d^ Haue bearbeitet werden. — ^ Auch hat 
man dort von Jahr zu Jahr die von den Regenwässern abgeschwemmte 
Erde am untern Rande auszuheben, um sie wieder afif dem oberen Rande 
neu aufzutragen ; kurz die Arbeit ist auf solchen undankbaren Stellen so 
gewaftig , dass sie zum gegendäilichen Taglohne angeschlagen, den Roh- 
ertrag verschlingt, ja oft noch einen Verlust übrig lässt. 

Saatkorn und Ernte In den Koclibersen. 





Saatkorn 
MetMa. 


Ernte. 1 


Ein jr • c h. 

Sommer 


Vieiraches 
der Aussaat. 


Gerilltster 
JBrtragr. 


Grosster 1 
Brtrag. | 


firMBm. 


Kttel. 


letiMi 
Enb. 


Int 

StrdL 


Kms. 


Mmt 

Stnii. 


23/4-4 
21/, — 4 


3«/. 
3'/« 


2 — 6 

2 - 4% 


7 

61/, 


8 
8 


21 
15 


80 
25 


} Sommer 
Gerste 

Hafer 

Bidiaen .... 
Erdäpfel .... 
Mais 


3 - 5 

23/4 - 6 

3% - & 

5 — 9 

6 — 7 

Pfand«. 


4 
4 

VA 

■3 
61/, 


2 — 6 

2 - 41/, 

2 - 51/2 

3 — 6 
3 — 5 


8 

8 

9 

15 

18 

100 

15 


9 
9 
8 
10 
8 

so 


24 
18 
25 
35 
30 
250 
60 


35 
30 
25 
40 
20 

60 


Kleeben .... 


15 — 25 


20 


— 


— 


20 


— 


50 


Gew4(hDliehea Hea . 
















auf dem fifgart. • 


— 


— 


"~" 


ESBM 


28 




56 



Das geerntete Stroh wird in den Hochberg^ durchaus verf&ttert. 



S06 

lo mnder Zdffer zn Geld mgeacil^en^ stellen mch die Ertrige der 
Ackerkultnr im Durchschnitte der Hochborg^e aub Joch gewöhnlich 
wie folg^: 

•reuea. WM. 

Rohertrag • . . • . 15 — ISO «0 

Reinertrag . • • . Verlost — 50 8 

was deutlich zeigt, wie wenig vortheilhaft im Allgemeinen hier der Ge- 
treidebau gegenüber dem Flachlande ist« Gibt zwar das Ackerland der tie- 
fergelegenen Thalsohlen auch in den Hochbergen ebenso dankbare Er- 
träge, so sind doch diese besseren Lagen von bei weitem zu geringer 
Ausdehnung; und die grosse Mehrzahl der Aecker liegt in Höhen, wo 
selbst das Klima keine reichlichen Erträge mehr zulässt, oder auf stei- 
len Hängen, welche einen unverhältnissmässig grossen Arbeitsaufwand 
fordern« 

99 
Wieskvltsr. 

Der starke und häufige sonmierliche Regenfall der Alpen ist dem 
Graswuchse und somit auch der Wiesenkultur sehr j^unstig, er wirkt 
gewissermassen gleich der künstlichen Bewässerung in den Flachländern. 

Gleichwohl sind dreischürige Wiesen nur in den Tiefthäleim der 
Vorberge zu treffen, da nur dort der Vegetationszeitraum lang genug ist, 
um eine dritte Mahd zu gestatten« Derlei Wiesen geben einen Heuertrag 
von 50—70 Zentner. 

Die Wiesen der Vorberge , so wie jene der Sohlen der Hochthäler 
sind zweischürige mit nachfolgender Beweidung. Ihr Ertrag schwankt 
zwischen 15—60 Zenbier Heu, worunter ein Drittel Grummet Im Mittel 
dürfte man denselben auf 85 Zentner anschlagen können. 

Die Wiesen der Berge, welche über die Gretreideregion hinaaslie- 
gen, aber jene des Waldes noch nicht überschritten haben (Bergmähder) 
sind gewöhnlich einschürig, ihr ziemlich reichlicher Grasnachwachs wird 
meistens abgeweidet — Ihr Heuertrag schwankt zwischen 3 — 15 und 
dürfte im Durchschnitte auf 5 Zentner angeschlagen werden können. 

Die Bergwiesen sind sehr häufig und besonders an den Schattenseiten 
und in den Südalpen mit einzelnen Bäumen bestockt. Meistens wählt der 
Aelpler die Lerche dazu, und im Süden bildet sie fast die ausschliessli- 
che Wiesenbestockung* 

Aber auch manche Flächen der Sennereiregion, welche ihrer Steil- 
heit wegen nicht wohl vom Rindvieh abgeweidet werden können, oder wel- 
che man überhaupt für die Winterfütterung verwenden will, werden als Wie- 
sen benützt Man heisst sie Hochmähder und mäht sie gewöhnlich nur alle 
zweite, zuweilen auch nur alle dritte Jahr. Sie geben dann 1 bis 3 Zntr., 
im Mittel etwa V/i Zentner Heu. 



• Im M^emeinen wiordea-die Wiese« nur amin^hmnitrcjae bßwjipsert^ 
gctwMiAlkh I idtn^ iniin^siQ.aiiobtiiicktt,. midnQah.mr/^lg^ .pA^gÜ m^.m 
au ühere^geiu -^ Dia Kukiir. beadirankt eich mteistens nur wif 4aai .1^-. 
ntfca 'hnnFr&bjflhre: uid nackaiebttidi def.nQMlsQn Wie^eo; |iuf„€4nig^ E^^r 
wiMeriuig«gräbMi. OairiiAi'ift «ucii d^r AwQrtrag.de/9,>W^fteii4eA iiqg^r 
achtelt ideai. detn'.rOtaawuohse^ .sehr fAOiftigei^. lUime^. 4urcbspbnU^iQb) 
nMit -groat^- . .•■ il ../' •. ;.,,; •■ : ;.'.,.. .i .. „ .n 

'Die* Thal wieset tiiiid 'hfinfl^'nasa «iM'«rz6ugetiidaiin 'saurefei''Il6iü. •> 
Das Öeu ;der ßei*g^niälider^*ist mägef^ b^i^onderis ma^^r ab^i^ jetre» 
dbf Ito'chmShd^K Weli^h^ib liitfn dahitri aiAfch ttar 'i^iisiiählhWMsiä dem' Mefk^ 
viehe verfutifertr -" '''^' '"' • ' ■■-"'■ '■ ' - -'^ ' ^- " * "^•' '"^ ' ■ '- 

j Das beste, Heu liefert darchschnjtUicfi ^as Eggartland ^ 'es entfällt 
reichlich' (30 — 60 Ztr. vom Joche)« ist^ immer siiss, un(| Sem Grummet' 
ist Qoch imnier so gut« dasa es dem Reii der ersten Schur völlig gleich- 
cehaltcm wird. . ' 

^ ■ ' ' * '■ ' ' :r'M-,ni it .:( , .iM-.*«Mji. i I •»• ■ • / t ' 

Die Verschiedenheit der Heuffattung: spricht sich auch deutlich im Ge- 
wicbte au<9./--.. Pip, ,fl^^g(][)kla)^er., zu^amin^ngj^^s^s^j^n^«^ <3?^res^ oder ;frob- 
atengliges Thalheu wiegt gewöhnlich 4—5, das sfiss^^l^iei^e^h^u^der^ 
Gelrejdaregion^::T-.9| dae fllen .dt|i) 5€urgipft^9r,.jR7-:§ u#d.|jefles der Poch- 
roäM«r.3.^a.Zflmppr. , .... .,-......,. • .., ..:..,,„. j .... iJV V;,... .^ . 

• BHle kMöddere Wiese^Mung flind.di«>iAlinanger».H^ Ea sind fceß»*'' 
8eriBPamig& < Jilmfldckie ! in ddr Nabe 4ar «^^««iihi^ttm», iWiM^bß. loaoi.gegf^OH 
das Vieh) einläiiit, gati düngt, lund; deren £rMrftg (jS-hlO ^)Ur^ Auf» 4<^b^);. 
man dem'JMmviebei.bei'ifiithDadwelteDi nerfatteirti «n^. les: w ^i^ser.^^tfJiiC;/ 
nicht auf die Weide treiben zu dürfen. . : > . />...... i ... . 

- G^vr^hiliefa wird« daa geerilletei.HQiit'tMr^ttiia W4ntßrMCh., Hause 
gieCahren, sei) m , weil man da» übevbMij^t janir mit IKilfe der .^cbUtMü^boi 
vermag; sei es» weil man erst dann Zieili4az«.ik«t, .jm ee,.m01ich,>;{w^ji| 
imA 'bei Jlame nicht g^eung: Btädel ibesi!»), Um<dJQ gr^>ea^.IV]L(^ge.jHleM; 
uneeraubringenj Welche im 'Laufe dea . langen iWinli^rA .verfinstert .w,^df$nf 
niMBC' Auf den HoUuMUideraumrd daa Heu Ußei^iaff lavinenfre^jSt^oa, 
nrn^eine ^Stiaiige bervto ixt Trieien jairfgefiichobertiiiAuf^ dQn.ßßrgi^jc^^Qq,, 
trister maa eaairch an vielen. Otten <aufi;.ihäi4figpr.'abßp.bfiu^;ma|i;.a)} dear 
sen einetWeiliger Untarbriiigung eigenet Stfidel»* 5^«^ .anph tidi«.,.dwß^ 
«eli6ittliche.Woh{feiUMit'des>IlolEes >eiala4al#. • ./ .- , .n -.im t ..>; 

Ifelbec j& den« l^kalsoUen '«nd 4>ft in nacibeleniIiI&hei4eP^Qrt^„bewahr^ 
DVän daa Heu häufig bis • aum - Wi«Mr in Wieeenet|id^Q attf^ ^f^r.aber, 
Mass darum > weil t^ie iiii staievischee^ (>bevettQj«haIe)'4ie^i.iia4B(^n^ 
sen dAs Abitilireii erst bei' geGhMwnem Bed«» lOrlMbeiWi. , i...i, .., ^^ 

»ÜifEäMIg sind' die Stadel» welebe auf deniAIpeovripaen.fuir $Ue ,einet* 
wdlige^ IJnterbringM^ d^a^HeQaa erriobtftt. mA* SjeatfMl.ss^mmt j^p^^p«- - 
dera nlit - Spaltaehisdel ^[«feekle Biookbfitten». ^ Auf inaqciiei^ Tnift^«,, 
ateUenvaie so «ahkieick iMi8ammea> «das»' sie iji.:der.>Fe^na ^TAetiDwfi^ aAi. 

zuschaueir sta4. 'f "'4 . j « 

14 



tio 

y 
In den waischen Alpen und besonders dort, wo die Landleote in 
Dörfern iteisamnienwohnen, wird vieles Bergwiesenheu an Ort und Stelle 
verf&ttert; zu welchem Zwecke der Bauer oder einige seiner Leute mit 
dem ganzen Viehe dahin f5rmlich übersiedeln. Den strengen Winter 
bringt man dort wohl bei Hause zu, sobald die Kälte aber nachgelassen 
hat, zieht der Senne auf die nächste Bergwiese, und nachdem er deren 
Heu verbraucht hat, wandert er auf die N&chste. — Hiezu setzt er sei- 
nen Stadel auf den Stall auf, und baut sich dann noch eine kleine Käser- 
hütte dazu« Diese Heubenützung ist in mancher Beziehung sehr vortheil- 
haft; denn nicht nur erspart man dabei das Abfahren des Heues ^ sondern 
man kommt auch in die Lage, die Wiesen düngen zu können. 

Das Mähen der Bergwiesen, besonders aber jenes der Hochmähder, 
ist in der Regel sehr beschwerlich, einerseits wegen der häufigen Un- 
gleichheit und Rauhigkeit der Wiesfläche, weit mehr aber noch wegen 
der gewöhnlichen Steilheit dieser Wiesen, die öfter so weit geht, dass 
der Arbeiter die Fusseisen anlegen, ja manchmahl sich sogar anbinden 
lassen muss. 

Nicht wenig Mäher sind auf diesen jäh abschüssigen Alpenwiesen 
schon verunglückt 

Nicht minder beschwerlich ist das Abfahren des Heues, das gewöhn- 
lich ganz oder streckenweise auf Handschlitten gezogen werden muss. 
Schon die Auffahrt im bahnlosen tiefen Winterschnee ist keine Kleinig- 
keit; oben angekommen, muss das Stadelthor oder die Triste ansge- 
schaiifelt werden und alsdann folgt die im Abschnitte 36 beschriebene 
A1)fahrt, bei welcher schon gar mancher Zug lebensfrischer Männer von 
der Lawine verschüttet worden ist 

Gleichwohl ist die Heuarbeit eine der lustigsten der Alpenvrirthschaft, 
besonders aber die sommerliche Ernte. Ganze Familien ziehen dann auf 
ihre Berge hinauf, und geben den weiten herrlichen Grastriften freudiges 
Leben« Angeregt durch die grossartige Natur, die zu dieser Zeit (Juli 
und August) in ihrem schönsten Schmucke prangt, ergriffen von dem fri- 
schen Odem ungefesselter Freiheit, welcher durch die Bergeshöhen weht, 
befriedigt durch die Fülle der Gaben, welche er eben zu ernten im Be- 
griffe steht, wird der Aelpler dann unwillkürlich hingerissen zur unge- 
zwungensten Lustigkeit; des Geschäckers und des Sanges der Jugend ist 
dann kein Ende, und der Liebesgott feiert seine schönsten Siege. — Auf 
den grossen meilenweiten Triften hat der fromme Aelpler sogar ein Kirch-, 
lein gebaut, und der Priester steigt Sonntags hinauf, um seine gestiftete 
Messe darin zu lesen. Ein oder der andere Wirth schlägt alsdann sein 
gastlich Haus dort auf, und erquickt das weit und breit herzueilende Berg- 
volk mit seinen Lekerbissen. Der Förster oder ein wohlhabender Schütze 
veranstaltet ein kleines Freischiessen, musikalische Holzer oder Bauern- 
bursche ziehen Geige, Zither, Pfeife und Klarinette hervor, und so kommt 
ohne Mühe und fremdes Zuthun ein Fest zusammen, welchem rege Le- 
benslust und zwangslose Hingebung an die Freude eine Würze verleihen. 



Sil 



wie sie der Grossstädter mit all* seinem kostbaren Luxus gar oft nicht 
herbeizuzanbern vermag^- 

Der Geldertrag eines Joches Alpenwiese ergibt sich nach Obigem 
dorchschnittlich aller Hochberge mit Folgenden runden Ziffern: 

Rohertrag Reinertrag 

Grenzen Mittel Grenzen Mittel 



Dreischürige Wiesen • • • 58 — 8* 

Zweischtirige Thalwiesen 17 — 58 
EinschQrige Bergwiesen . . 3 — 17 

Hochmahden 1—4 



70 50—85 55 

S9 13 — 45 «3 

6 0-18 2 

S Verlust Verlust 



101 

r 

Almen und SennereL 

Unabsehbar sind die Grastriften, welche sich in den Hochbergen 
ober der Wälderregion hinziehen; sie nehmen meist den vierten Theil 
des tragbaren Bodens ein. Das eiserne Klima jener Höhen, welches nicht 
einmal die ausdauernden Nadelwälder, geschweige denn die zärtlicheren 
Gewächse des Ackerbaues aufkommen lässt, macht diese Triften zu ewi- 
gen Grrasplätzen. 

Aber auch diese Grasvegetazion ist hier eine äusserst schnell vor- 
Qbergehende« Nur auf 90— 165 Tage ziehen die Hochalmen ihr dickes 
Schneekleid aus, um durch kurze 7 — 14 Wochen im sommerlichen 
Schmucke prangen zu können. 

Wie sehr auch in dieser Zeit ihr schwellender Rasenteppich mit sei- 
nen glühenden Blumen auf tiefgesättigtem Grün das Auge bezaubern mag» 
wie warzig und nahrhaft auch seine Kräuter sein mögen, sein Grasertrag 
ist gleichwohl nur äusserst gering; er wirft durchschnittlich kaum den 
zehnten Theil dessen ab, was eine gutgelegene Wiese des Tieflandes zu 
geben, vermag. — Hieran hat zuiorderst die kurze Vegetazionsdauer 
Schuld^ und dann nicht viel minder die Unzahl Felsen und unwirthlicher 
Stellen, welche die Grasnarbe oft auf weite Strecken unterbrechen. 

Diese geringfügige Grasausbente eines kaum dreimonatlichen Som- 
mers wird den Aelpler nie bewegen, dort oben etwa seine bleibende 
Wohnstätte aufzuschlagen, seine schönen Thäler zu verlassen, in welchen 
Ackerbau, Wies- und Waltkultur, Gewerbe und Verkehr ihm mit zwan- 
zigfacher Arbeit auch zwanzigfachen Lohn versichern ; er wird das eben- 
sowenig thun, als er sein reiches Gehöfte verkauft, um nach dem eisigen 
Lappland auszuwandern. 

Ewig werden diese Hochalmen nur von den Thälern aus benfitzt wer- 
den; denn diese allein sind hier geschaffen zum Wohnsitze der Menschen. 

Aber auch auf Heu kann man diese Grasflächen nicht wohl benfitzen. 
Schon das Mähen wäre auf so unebenen Oberflächen und bei so unergiebi- 
gen Erträgen sehr kostspielig; woher dann auch die Unzahl Hände neh- 

14* 



ipen,, ufB in. .8 —ß Wichen ^o mgfih^nre Fiäd^en ^^6il Art 4er Wiesen z\l 
bewältigen?; der nasse Sommer, die Kürze der heiss9^i]9dtr,<;M^^e^Qifi. Ta- 
geszeit . eifsf hw^j^ten . ausserordeptljich /las Df^rren des Griten j «od, da^ Ab- 
fahren endHch .da^vHpii^s nach den^r-ß Stunden pntferntenJtlofen, dij« 
Kosten dieses Abfahrens aliein ^^urden häufige schon dessen ganzen Werth 
aufzehren. 

JDuter d!ßs0n Umstanifen bleibt.* nur mehr eine Benutznngsart 
übrig 'd. i. die' Ab^eidung^ und weil die Hochalmen viel^za'/weit entiejgetf. 
sind, dass maOi dorthin tauglich -tfach'^ Art der Ii«twcMd8nttreibeti.lbdhnl«i>. 
so übersiedelt' ider«Aelpler dein gUzes/Vieh dahin)<'iB>tteii>iit}dai|: WeU^'^' 
gebiet; ditf nöthigeii.fi[öften erbauend, i ,' •,..>.. i 

So passt das vortrefflich in seine ganze Wirthschaft. Er benützt mit 
dem geringsten Kostenaufwande aufs vollständigste seine Hochalm, bringt sein 
Vieh durch 3 Monate aus dem HeuAitter, gewährt ihm aufs Ausgiebigste 
die so erspriessliche Bewe^Qtif^llEi^^iifilih/^^iMii'ilann während dieser Zeit 
s^i^e .Ar^^tskrfiftei, f^ei^ un)e(^i:i))ind^^^ Adker-, .und li/^ie^^np zu- 

, :Eiur' so viel .Vi^h^i i^)S| sei^ß Hoehalmea im ISomnet z^ ernalttfßn<vftivi. 
tmg^ß ». spenden ßiich seine Wiesen^ dw WM, die Hutipeide ittnd der 
Ack4^r.,da,i^.n?H|ig^ 'Hßrkbptnii ^inteor wd FniiibliogsftH;ler;'und. wo. die«e^i 
demungeachtet nicht zureicht^ nun da nimmt er Vieh vom Flaohlaod^» auf« 
oder Tie^rkauft sßina^ auf der SomrnwwcMe grosligeftagenrntNachiuruchs. 
"- ^' So machen' diei Hdclid^en ifn KusambefiAhnge nft%l)eta'übi4gen' dtffa»^ 
gekilü(>ften'¥erbMtniMeii' dife S^mivviräiscbäft in dieSM LM4en' «ü mwto" 
sehr Zweckmässigem, zu einer wahren Nothwei»tfg40it. > . ' . i« •: -* 

l)Ie Kühe befd&i'fen'in der Hauptsache Veine 6ras[^tä^ei; sie brauchen 
reichliche tVahrüng, danift sie viel IVBIcb erzeugen; dürfen' k^irie zd staV-' 
ke Bexi^egung machen; damit ihnen die'Mflcti nicht vergehe; sie müissen 
bbisammeti gehalten werden, da'ihit' man sie reg^elmfiäsig hielken kSnne. 
Auch iiilgefähl*litl]l nifi)is6n ilii'e Gräsplätze sein; denii bei ihrer ScWere 
stüi^üen sie leicht ab; und ihr Werth iisit zu' gross, als dass 'Bi(*h ihr Ver- 
lust leicht Verschmerzen llesse. ' ' ' • ' ' ' * 

Da nun aber die Hochalmen gar viele magere und gefahrliche Oras- 
plalze haben, und da auch die Wälder ungeheure Weideflächen darbie- 
ten, die, wenn sie sich auch wf nifi;er für die Melkkühe eignen , doch ie^ 
Zuchtrindern, <j[en Schafen und selbst den Ziegen /lebr wohl j^iisageii; so 
rennt der A^penbauer in der Hegel diese Viehgattungen von den Melk-^ 
kühen, und' beutet die Sommerweiden mit beiden auf verschiedene 
Weise aus. , 

, . Dpr Almbetrieb, welcher den Aufzi^.des J|i«g- m^ jK,i^nviehea» oder 
die Mast zum Zwecke hat, gehört. ^igßntlich.Bicbt ziuc Senuerel ^^ ^i^ßß^. 
eine Milchwirthschaft voraussetzt; ^r ist ,ab^r. doeb, so fj^hi* init.,ilir/ ver- 
flocbten, dass er auch im Zuaai^^phaqg, init^. dieser. diM'S^^t^^'^^dflQ^. 
muiüs. ... 



'^ DlelNattir aet Gräfl^pl&tee iinfd ändeire' Umstähdef geben '5ilcir ä^i* Seii- 
hei'ei Aflt 'Scliäfc^ und Zfegeo' fiberwiegenfle Vortheilfei ; WeÄsWgc^ ich 
deüti aQfcU'di^sti lüteteren berd^ta nunmehr TolgendenAnl^eihälbdierset^iirigdh 

in Beüracht ^iefreri wei-de. ' ' ' ' ' ' 

' 'Die S^nnerei' ürirff nicht b'Idsfl/ auf deAi feinen W^idebodeh' beirieben, 
sondern' g^^ÖhAltch auch in Verfiinäüng gebi'ac^ht mit fler'Beweidan^ deir 
an^eb^todeit-'WäfdiBiti welch' lieti^eire 'um so danäkharer vrird; alisi'^^e 
KahUfchiagb' dder Verdorbene PlIiAerWst&ride vorhanden sinci. ' In' der Regel 
lehnt sich jedoch jede eigentliche (mit der IMilchv^rt^seKaft verbühdi^ne) Sl^^il- 
n^^i feitl eine Wökäei^ei öder kleiner^ rein^ Weide. ' • - m 

" Dler käi^ der' '8fennW|Hhschäft 'liegt Immer in der riochklm. Ütt^a 

i-^fr Wbtiieii TfiacA dem ABgäiigfedes Schnees und dem Erwacheri der 
Vegetazion beginnt deren Beweidung; sie dauert bl^ zu 'deih mft'eVn'pfind- 
üdheWKdllle; mit P^Meni* und' faSüfigfen SbhheeßTfen 'verbürfdenem Still- 
^knd^'d^^Oi^sWAch^^s/al^ 'n^y^h'd^ iiiehr oder minrder ^^ihtstf^efn (Hb- 
lren)f tage der Alm «J'—iöi Tage' äüf deti (tidferen)' Knh^; und 4«-!^0 
Tägfeüuf den' (ÜÄKereif) iSdiäfalrfien. ' ' ' ' ' ' ' ' ' ' " 

' 'Vor-derii' Auftriebe Uuf die Rochalm und nal^h'denl Abtrieb von def- 
silb^y Weide^lWÄ 'däs'M^fkvieh iif dtir tieferen Äegioni* isurii ^Theilaüf 
i^inetn'Weidelaild', yelches man feinst dem Walde abgerungen 'hat,' zbm 
ThelS'fh denMtf dir 'i^erfjfinguhgfc^grifren'en'HoIzscHIS^^ tferf'ficli- 

tÖti'Flelit^i^Vrälflrim;- züm^Thea'ehdKch iul den Bergwi'eseti ; dles'e^stige- 
nanute Vor- und Nachweide dauert jede 'fitf sich eiWa litf—ilö Tätd, So 
'da^s '^ie'gfmz^ Weidezef^ des RlefkviehW je nach deir OWtifchkät IM 
Ms'iÖtf'Tage-utaf&Äk ■"\'/'"- ;^" '""' ' " ' '' •■'■"■■''• •'**^ «'• '"'•••'•• 

' ^* DiW^übrfge Z^it werdferi^ die Kühe IhiSliÜe' gefltttert und' W'hibW 
bei etwa auf die Haüswi'eseh oder auf iiabegfelegene HufWeiden geti^iebed*. 

" *' ' Dtö reinen; filr die'Vot-^iihd TVachweide benutzten Almen' der 'Wald- 
region in Verbindung mit der dazu passenden WaldweJde heisiät deir^enne 
all^feiiielh'VoraWn:''* -; "'•'"; '' '■ "."V ;^- :'—^'- '■•■»-** 

* ' fii äeri 'änHöchalmeri'sehi^'i'eicheh Stidalpeii^wh'd aber aücli'sihr vfe! 
iWIcflkvieh aüÄ'dei- tintJegeiieti 'italienischen Ebene' blöste auf die ftocWwef- 
d6n getrieben; indem rfie*'Vdtahnen jener Gebenden ftürmr das Keimische 
Vieh zureichen. - ^ 

' ' ' 'Dein'' Ä'ncfiti^dCTri' Und* dem Kl^invlehe gönnt niän In'Äöi^ BPoctiregion 
nur jene' tJebfete; welche fiir die Mtälkkfihe' ziil schleclit, Jiti eiiflegeri ödei^ 
zu gefeh'rlich'Äinär'im Üeb^^^^ mah'sie'in den'VV'Sl^^rri und 'auf 

den Hutweideh'. Die ZüchtrlriÄer koihmen öfter selbst iln I^ödhsommer 
nicht aus den Wafdel^rt' hinW ' ' ' ^ ' " '* ' 

' ' Ist erne ' Schaf-' oder Ziegen Weide gross und gut ^ gehng , so' treibt 
i/haii mit'dfesferi'Thieren förmliche Sennerei cMilchwi'rthsdiaft). Ausserdem 
WeirdeW die Ziegfeh Aur vereihzelf den IVf^lkkflhfen beigegeben/ orfer-dfeiÄ 
IKüihtvitihe/ damit ihr Hirt die nöthlge MKlchlialie; und die fechafe'xrer^ 
denfg'är nicht auf Jüifch' bonulzt. 

' Die SchWeihe iiind die ühzertfehnlichen Begleiterinnen jeder Sehne- 



tl4 

rei ; man m|8tet sie vortreffllich mit dem Käaewasser, und auf vielen deut- 
schen Almen reicht man ihnen sogar die Buttermilch. Im Uebrigen wei- 
den sie vor der Käserhätte; damit sie aber nicht wühlen können, zieht 
man ihnen einen Messing^draht darch die Nase (man ringelt sie). 

Die Grösse der einzel|[|an Almen ist ausserordentlich verschieden; 
die kleinsten ernähren etwa 10 Stück Kühe; es gibt aber auch solche, 
welche mit 200 — 300 Rindern belegt werden. -— Sehr ausgedehnte Trif- 
ten sind zweckmäsigerweise in mehfe Cverschiedenen Eigenthümern oder 
Pächtern angehörige) Almen abgetheilt. 

Die kleineren Almen sind meist Privateigenthum, und gewöhnlich be- 
treibt sie der Besitzer mit seinem eigenen Viehe, dem er höchstens noch 
Einiges seiner Nachbarn beilegt. Sie sind dieserw^gen auch durchschnitt- 
lich im besten Zustande. 

Die grossen Almen gehören gewöhnlich den Gemeinden, oft auch den 
ehemahligen Herrschaftsbesitzern oder dem k* k. Aerare; manchmal sind 
sie gemeinschaftliches Eigenthum mehrerer Höfe« Erstere verpachten sie 
gewöhnlich, letztere so wie manche Gemeinden benützen sie gemein- 
schaftlich. Unter diesen Umständen ist es ganz natürlich, dass gerade die 
grossen Almen häufig ganz verwahrlost sind; denn der Pächter thut nichts 
fiir ihre dauernde Verbesserung, da er nicht auf den vollständigen Rück- 
ersatz seiner Auslagen rechnen kann, und letztere thun nichts, weil sie 
sich nicht leicht über die Ausfuhrung einigen können, und der Einzelne 
nicht für die Anderen arbeiten mag« 

Die Milchwirthschaft ist fast überall auf die Buttererzeugung (in den 
deutschen Hochbergen auf das Schmalz) gerichtet. Aus der abgerahmten 
Milch macJit man magere K^e und Schotten (Zieger). — Auf fette Kuh- 
käse arbeitet man nur an wenigen Orten (Vorarlberg). 

Nur die Schaf- und Ziegensennereien (meist in den Südalpen) erzeu- 
gen allenthalben fette Käse und Schotten. 

Die Buttererzeugung betreibt man unstreitig am besten in den Süd- 
alpen und besonders in Welschtirol. — Hier schlägt mau die Butter in 
vierzigpfündige Ballen, die man nur auf der Oberfläche etwas salzt, und 
sendet sie in die italienische Ebene (meist nach Venedig) , woselbst sie 
sich ein ganzes Jahr hindurch gesund erhalten* 

Diese ungewöhnliche Haltbarkeit erwirkt man ganz einfach dadurch, 
dass man die Butterbrocken, bevor man sie zum Ballen zusammenschlägt, 
in reinem Wasser (gewöhnlich unter einem beständig zufliessenden Strahl) 
walkt; wodurch die Milch ganz und gar daraus entfernt wird« 

Der Kuhkäs wird am Vorzüglichsten in Vorarlberg erzeugt. 

Schaf- und Ziegenkäse machen die Welschen ganz vortrefflich. — 
Während der steirische Schafkäs nicht viel besser, wie eine Unschlittkerze 
schmeckt, kommt der italienische dem Ausgezeichnetsten dieser Gattung 
gleich* — UnübertrefiHich ist aber der frische süsse Schotten der Schafe 
und der Ziegen (Buma) ; dieser und die halbgeschlagene Butter sind Le- 
ckerbissen, welche auf kaiserlichen Tafeln aufgetragen werden können. -^ 



C15 

Rechnet man noch die köatliche Br^eere dieser Höhen und die würzig^e 
Himbeere der nahen Holzschläge hinzu ^ so vermag^ die Hochalm Erfri- 
schungen aufzutischen, um welche uns die Götter beneiden würden — 
wenn der Neid nicht unter ihrer Würde wäre. 

Der Schotten der deutschen Almen wird gewöhnlich frisch oder halb- 
frisch verspeist; der welsche Senne jedoch schlägt ihn in Formen und 
räuchert ihn auf, wodann er sich — der von Ziegen und Schafen durch 7 
Wochen« der von Kühen über ein Jahr gut erhält 

Die Hochgebirgskühe wiegen gewöhnlich 230 — 350 Pfunde; starker 
wären sie für den Almgang zu schwer. Sie geben jährlich 700 — ISOO, 
gewöhnlich aber 800 — 900 Mass Milch. Solche» die unter die 700 sinken, 
mustert man meistens aus, solche, mit mehr als ISOO Mass sind äusserst 
selten. 

Hundert Maas Kuh- oder Ziegeninilch wiegen SSO, Schafmilch jedoch 
S61 Pfunde; oder 100 Pfunde Milch geben 38 Mass. 

Auf der Alm geben die Kühe durchschnittlich der ganzen Almzeit 
täglich 3—5 Mass einer Milch, von welcher 100 Mass 8 — IC, im Mittel 
10 Pfunde Butter, dann 16~-26, im Mittel bei 20 Pfund Käse und 2—10 
Pfunde Schotten liefern ; 100 Mass unabgerahmter süsser Kuhmilch geben 
25 Pfund fetten Käse und 3V4~8 Pfunde Schotten; Gaismilch 26—27 Pfiind 
Käse und 6—9 Pfimd Schotten. 

Auf 2V2— 6 Kühe treibt man ein Schwein auf, wenn man diesem die 
Buttermilch und weniger ausgekäste Molken zu Gute kommen lassen 
will; strebt man aber der grössten Schottenerzeugung nach, so rechnet 
man erst auf 6 — 10 Kühe ein Schwein. Schottenerzeugung und Mast* 
Schweine stehen daher so ziemlich in umgekehrtem Verhältnisse* 

Der welsche Senne käst die Molken aufs vollständigste aus, für ihn 
hat der Zieger einen höheren Werth als die Schweinemast. 

Die deutschen Sennereien werden meistens von Dirnen betrieben, 
denen Knaben als Hirten beigegeben sind ; in den welschen Alpen ist jedoch 
die gesammte Almwirthschaft in den Händen der Mannsleute. 

Folgende Statick mehrerer Sennereien mag näheren Einblick ge- 
währen in diesen Betrieb. Sie deutet auch die Vorzüge und Gebrechen an, 
welche diese Wirthschaft örtlich an sich trägt 

Salslinrgische Sennwirthscliafl;^ 

Eine der vorzüglicheren Almen in der Gemeinde Bucheben. 

Alnttche iWel4Aielt Bdegnag 

Joche Wochen Stücke 

Voralm - - mT Frühlingsweide • • ^T^ Melkkühe < 30 

Hechahn • • 289 Sommerweide • • • 10 Stier • 1 

S39 Herbstweide • • • 3 Ziegen • • M 

17 Schafe • • 65 

Ein Kuhgras hat hier t-n Joche Voralm und 6-s Hochalm« 



Milcherzeugung einer Kuh nnr'Ynit * Ufessörngönötniniew '^^fdiÄn/^eil'veii 
deW- dFdrAlsi^ Kahfert, Vrtttehö aliif 'fliefife Alm gesteift wölken; tiiehr Alle die 
b^iit^ Metks^eit blifl^n. -^ Es gibt sonai^h e1n6 Kuh hier 28 M&sir MHck jcMie 
WöbHe," "^^M «rzöugt wel^den««, Mh^s Halftft and hievotl 3^V'Wiin* 
Butter, oder 2.33 Pfund Schmalz und «.saMaa» Bntterrtiilch, dafin fr.^^ PWL 
lüUfe, eriÄith 6.57 Pfahd Sdiottfeti/ /. . • ' .. . »« •! 

•' Der Geldwerth dieaer Erzeugnisse beträgst dach *eii DarctechultM^ 
pi'cr8ffn'vötilÖ3«~l«43wiefölg1t: ;* " ' ' " '■ * '"' •'"'■'- '■'■'' •' '" 

2. 9s Pfund Schmalz zu ley« kr. STA .,.,,: ^ 

5.7i Pfund saurer jp/su» zji 2.«/i,,tr-i, « •; . • .' i ., I*'/*..,,,,. j fi» 



6»A .. 




.Pah^ 4.e^ Rplfe/brag i»tn^i! l|:u|i 44 Cr. /wV* kr- 



Milchnutzen aus 30 Kühen, jede zu 14 s^V* * - "•" '^ ' • ' ^- ''448 
Hiilchniitzleri aus irZHegeh fder MifcHnülÄen eitter Zieg^ ver- '• ' ' 

'hält isidb iuih Niitiren ^XkH dWm tnäg^iMnKäAid^Mf-K'tAf' ' •' ' < >"^ 

i^i^-SO IM) jMezüt ,s'\'' ": ■'.•■•.'••:; -.= -^ ^ "- '-•8' 'al* '^ 

Nüli^en äüs d^ 65'Sdiaföri; jedear zrf'JOlür. • ' • ' * • '> '■'-■ 9» 'äö" 



1 {: 



t e n 




B ^,t ^lelb«liio.s««7«. 

^rhallun^ d^r (Sepi^en. ¥an.M.eIker,;eiJn,GJ^^^s.^.^pl}^ip )^r^,^ ..;, 

.. ,?^.^lch? t^ljcljL Igt, J2.iiifd.^kr,.!kp9t©n- • .;,,.•. H ■• f.i .?|} n^^.. 
Salz ÖOO Pfuq^ 7«.%,^.. :, , , • ..j- , :, ,' ,:y :..:.:. >...:/• .. ...W...-:.,t 
Hplz^,Klfü3Se.;^.|p.. ..; .•-:.:......• .,:..,v ,• ^■.. T: ^- .^.. ..M^^'- 
^inliaUuRg (iOT|8ßnng:eräAh^cl?ftft^ij^, . ..,.,,.. .., .. ... ^- ,;.. :^. . TT,, 

Saumpferde zur Auf- und A^f^lmt.oV^ ^T^gp, i3iW A^^^fJffCTW ». ^i .. >! » ,. 

des Schmalzes und Käses 9 Tage zu 1 G. . • • • 14 to 

Nebenarbeiten.p|K|;.Tag^verke zum yerza^nen. der Aln^ SQ 
zum Putzen derselben, 14 zur Ausbesserung der Alm- 
hüttö; Ä)^ iUr' 'AtMAe^rfei^ürig* ' dd*- ' Wegfe, ' * ' ÄÜtti' MächW " ' ^ 
u%4r|P^ii|gen des Heues auf jci^miiAlmanger (der Hoch- -^r ui\n<ip, 
•> ^ 'Um), zusammen 90, Tagewerke, jedes zu 15 kr.;;' •/ - 9t «o 

WerthsvehnilbiMfung sdes Almvieh4s;'^ed8( Huh ^zu 5,<jede > :• ./ 

*■ Ziege zw- 1<<6. >•? • • • • .• » ;" ». ;i *«• •'. . *-••'..- i9(,..;-i*i: 
Steuern .• r • -».* . v , . . . ••. '^ urti . «t-i. . 38 40 



Es bleibt daher ein Reinertrag von 



i'i 




()v • -Seiiiilbeirieb mui fleliwefaerlLft«. 

Vierhundert Mass Milch geben 100 Ff biid'8diW^!«erkls^'Qhd 1% Pfiinfl 
sölisen 'Schotten ; und da der gesammte Milchertrag' der Kfihe i4.S80Ma«ft 
beträg^svo steljt 0Jch<di9Jleidiiliit)g'*H^ie folgt: 

'r • nmH^rirmm. "' " ' -'•.= < i 

GL u. Kjt« 

£kb'iriei^KkA9a.3&.to8teir..w 19hG* ;!.::• . %93 ** 

fl!^tr#^ dwiißkg^%,me^:(9kßn '• 1.-. M'.i \ ; • » .-, ,^ • ■ T:-. .68} . « , 

Ertrag der Schafe wie oben • . . ;•. ..^ ...; .,-. ^.. .•/•,,. . 3? «o 

, , ., , . ü Rohertrag • • 589 — 

^ ^ Keif leliftJiUBlASeii. '^ 

Da ein Schweizer besser beziahlt wird ^ wie ein gewöjinliclier ., 
Melker» der Holz verbrauch um vier Klafter grösser 
wird und auch mehr auf die Senngeräthsöhafken- «er* • _ 
wendet werden muss, so vermehren sich die obige« ...i.. 
Ausgaben vm S3 «s^* 4 »«tid .14 Grw» i belMgeti^ .also/ini) 
- Ganzen.» I • • • * i-. :/ 443 — 

Es bleibt daher ein Reinertrag von 155 

.<J /*»*•>-'** • ;^ J-4 *• .» ,•* "f , wirf i? ,:'.-. r *» 

Semtketrlek »uf ¥leluiuelit. 

sammt Füllen, 2 Zugpferd^».,. ft», ^>r^yährigeql. ip^ 9. fEi^yp^prJl^eff Jf iUjfSi^ 
l«liRiw!^)||irig«9 Mn^Jii ^wUffig^a IUip4€ff».jup4 j(SQ.fi)^a^if , :. :. / 

r-^ • '.* II *» M #1 I w II # 

!1 Stute samn)|;,KWeia:Uh..t, .,.^./>i , .-//n. . ;; , W„.tt*. i 
. 2 PfÄir(jQiJ€|4|ef 7<V2'ß-.. --..w »>' ••! !..•.-<./ 15 — 

4 zweijährige Füllen,,, tft..(jk^. 4 . r n-, /J.h '" fife" ^'* 

. 6 jährigftiROWen ja,G,.j-.>. <i „.. t,, ... ,i ,/ ...■7«..Tr/' 

10 zweijährige Rinder .6 G* • i ifiO ,«■*"♦,' i 

8 einjährige Rüider 4 G. • . ...... ^ ... S9 r- { 

^ 65 Schafe, 30 Kr. Sj^ .. »a< 

''-' Rohertl'a^ • * ' «8« ■^•' 

Bin Huther und ein Rüther hübe 41 «o 

Bifipujinb! 2 Klaftern • • . , 2 — 



nß 



Salz 400 Pfund • . . . 
Nebenarbeiten wie beim Schinalzbetrieb 
Steuern 





Betriebaauslagen 
Es bleibt somit ein Reinertrag von 

Nach diesen einer der ?orzäglicheren Almen entnommenen Ergeb- 
nissen , und in Rficksicht , dass auf ein Kuhgras für die achtwöchentliche 
Vor- und Nach weide ly*— 2*/* Joche Voralm ^ und für die zehnwöchent- 
liche Sommerweide 5— 6V4 Joche Hochalm nöthig sind, stellen sich die 
salzburgischen Almerträge wie folgt : 

Kahgras 

JUmerirftse Voralm Hochalm 

Rohertrag GewöhnK Grenze 
Mittel. . • • 

Reinertrag bei Selbstbe- 
nutzung 

Gewöhnl. Grenze 
Mittel- • • • 





l"ao — 1"86 

1.« 



l«o-« 
l-»o 



"43 



Sfidtlroler Sennwlrthsctaaft. 

(Primiero.) 

Hundert mittlere Kühe geben während der neun Monate reichlicher 
Stallfutterung täglich 800 Pfund Milch, woraus 26 Pfund Butter, 52 Pfund 
Käse und 30 Pfund Schotten gewonnen werden. 

Auf der Alm geben sie (während 3 Monaten) täglich 700 Pfimd Milch 
und der ganze Sennbetrieb stellt sich wie folgt. 



Löhnungen für zwei Käser und drei Hirten • 

} 1150 Pfund Maismehl zu 3 kr. jedes 
Deren kost \ ^^^ ^^^ g^^^^^^^ ..... 

Salz für das Vieh und zur Käsebereitung 6 Ztnr. 

Holzbedarf •••...••••.. 

Pacht eines Stieres 

Steuern •.•••.••.•... 

Besondere Auslagen • • 

Viehpacht für jedes Probepfund Milch, entweder i fl 

oder 2V2 Pfund Butter, 6 Pfund Käse, 3 Pfund Schot- 
ten, also für 700 Probepfund . • . • . 



25 kr. 




57 
14 
45 

2 

6 



1055 



so 

28 

80 
tt 



1353 — 



»19 



le^l n B • M nt e. 

c tt95 Pfiind Botter» jedes zu 20 kr. 
A» den Sennerzeug.) ^^^^ p^^ ^.^^ , , 9 „ 

mMen ^ ^^^j^ pf^^^j Schotten , „ 4 » 

Weidepacht mr da»/ ^ 2«chtrinder 59 

neben dem MelkvieheJ gjj g^^^fg j^, 

weidende Zucht- undj g Schweine. ...... 81 

Mastvieh ( * — 




S5 



1719 - 

Rechnet man zum Rohertragpe der Sennwirthschaft» wie billig, auch 
noch den Gewinn, welchen der Eigenthümer des neben dem Melkviehe 
weidenden Zucht- und Mastviehes hat, hinzu, so ergibt sich : 

Rohertrag der Almwirthschaft 1800 il «o 

Reinertrag der Almwirthschaft 450 t 54 

Auf Pachtalmen kommt dieser Reinertrag zu zwei Dritteln dem Alm- 
eigenthümer und zu einem Drittel dem Pächter zu Guten. 



Obemtelrlsclie Senuwlrtliscliaft. 

(Lachalm bei Neuberg«) 

Die Alm liegt 4914 Fuss über dem Meere, ist in Hinsicht ihrer La- 
ge und Beschaffenheit eine der bessern im hiesigen Hochgebirge , und 

begreift: 

Reinen Almboden • • • 227.« 

Waldboden 138., 



366 Joche 

Sie wird von 13 Servitutsberechtigten Aelplern mit folgendem Viehe 
betrieben : 



Rühe • • 
Zuchtkalber 
Stiere • • 
Schweine • 
Schafe • 



81 

42 

4 

39 

107 



wozu 13 Senninnen und ein Schafhirt (ein grösserer Bub) erforderlich 
sind. 

BuUer 1844 Pfund zu 18 Kreuzer • 

Buttermilch 1260 Mass (wird verfuttert) — ~ 

Kuhkäse 1118 Pfund zu 2 Kreuzer 37 t« 



Schotten 780 Pfand ZU 1 Kreuzer . . ,, .^^ ... 13 — 

Schafwoiie 88 Pfand zu 2k Kfeuzer * /' ,,^ *^ ", .^ w .« m. •>. tl . ^t»^ 

Schafkäfl^ 860 Stücke zu 6 Kreuzer! ^* ' ' . .^ ^,^' '^^ . . ..86 — 

Werthsvermehruii'g *der Kälber . ". '. '. . T . . , 84 — 

Werthsvermehrung der Schweine ..... . i. .kl •; liy-.-*-// 

•.:, .. »,^, ,.. 8*8 — 

Betrlebsauslas e'n. ' ' '^ 

13 Senninnen kosten jährlich 960 6.^ daher auf 3 Monate . 840 — 

EiiiSchafliirt jährlich 56 Ö.". ". '. : , . '. " V . ". ^ ' W' - 

Hofe/58KlÄft6r'AefltbbndKrummhote kt^Ki-euzer." . •"/' -^ J^' ',;•• 

Salz, 318 Pfand'' ä'5'Rre'uzfe'^ J-'V •.•".'".' ■■;•' ?*' V' .'\'''*-^ " »ß' '-" 
Attffahvt und, Abfidirt von der Alm und Abbringung^ der Alm- 

eir^eugn^e /,'. . - • • . • ••.•••.. ;.„••/•,•.. '>?^."7T.\ 

Putzuqg der Ajm^ Erhaltung der Almhütteiv.^er ,>Y9Sf^^"4 h •. .. h 

andere Nebenarbeiten • , . ^. .• • • 90 — 

Kinnaltung'dei' Sehiifferathe' • '• .' . ' ." .'".*'." .'".' * 4o — 
Werthsverminderung der Ruhe ...•••.•• 81 . -^ 

Werthsverminderung der Stiere •.•••. 18 — 

iSchm^ 45 Pfand a 88 Kreuzer • . , r 17 — 

' Schafe, fBr V i^tück der ueidbetrag '•" *. 3 — 

BaargeM : • .-^ i ! ;i >. .i«. ... l 



s« 



:i'i : M '... i ' ■. '•i ''s' . .* :n-.*}» "i' H' < 



• H i'» I 1 ,-1. II. '6t4' — 



I...I '.::''• •''■••' aJ. '•%♦•' l ,»'V »'• "j '•'•'' T''" •'.'•' •' ' ! ■ r. jl 



^ , „ . i fiir ^le AlmWecYiüfi^ten . . . . ^.^ 

Daher Reinertrag j „^^^^ h^;«^.»*o^ «2^' "^ ' 

ö* gan^H. Reinertrag . . ,..,;. .^i, ; „• . .-, . 850 — 

In Rücksicht, daös Uaut der vorausgegebi^hi&n^ FRcbe für jede Kuh 
drei Joch Almgrund. «ei^farderlich sind, ergeben sich die Hochalmertrage 
und Weidezinse wier fot^: 



Rohertrag. . . .^^. . . . . . ...„.j^. 7- *-«• 

Reinertrag bei Selbst^utzung • . • ..j.^f,^ r./\* *"* "^" 

und da hier eine Kul^> (im mittleren Grewichte ^^mpiiSVs Zentner) auf sehr 
gutem Grunde 3, au^C; mittlerem 3V4 und auC^f^bl^tem 4V» Joch reiner 
Alm weide braucht, s^.iergeben sich die Hochi^lmPR^äge hiesiger Gegend 

Rohertrag RelimiM 

oder 
Ein Joflk Uoshalfli -» rfi 4» 10 Gl* kr. Weidesias 



1.^ 



SinJogk 



bpfjler Gattung ••••.• i •>,.*, ,i.^.i .,.\ IiSh^'Ap'-I •*-^44- i 
mittlerer Gattung • • • >. t« .«, Um/^, > w lMv«t - • *-^ä«*{ 
s<;|lilechter Gattung . • • • •:•.^ '^/i ^ m\ iMi.l4;^|^!! > «r^s'''' 



nt 

V«iieslaiiil8«lie «eW^irel. - ' ' 

:■ • . .'■■..-.•l ^m}»,, i.i: ..| .-: II <;(^.QWy-)}. ,....1.....;^ .,u. ..i i i I . -. -i. 
Weidezeit 100 Ta^e. Belegung^ 8S Stück Kühe, Ein Stier irtiA 8 

., „ Ai^.Bfycli^i^gK^it, .,4^r.KAI|e Wfphjiirwkit .i|ii;fjsol|an ft -*;10 Wunde 
taglich; im Durchschnitte betrug 'sie 6 Pfund, denn es wurden wähnend 
der gaiiCli« 4V%ideasfelt 5S800 Phinde Milch erzeugt. Hundert Pfunde Milch 
geben 4| ^J Pfimde Butter, 8 -IS Pfunde Käse und 4 Pfunde Schotten. 
— Dm« ■rzeugniflftcdiift er Alm insbesondere betrug: 

;|t306 Pfundß Bu^er zu 80 kr, .. <• si .;•..: jj. ' - » .768 40 

5800 Pfiuidi Kä«& KU 9 kr. • • ., • 1 ^ . ^./ . '78ftj/— 

SUO Pfm^^ Schotten zu e.kr.- ^. ..u....u m ...^ / -^ .< ^811 — 

MastpÄChr-fiir dfe 8^chweine •..,^ *0 — 

' — ^^ 1779 Z 

Ml)^^fl|;,jBr,..^Wl B;ä^r,p.,.4fnJfejfift,,^den..Pi»liwWr^Pr.¥^^ : i . 

den Feuerbnrpph^n>i«?»..W*t«fc >{» G%^4w t>- c> • '. ^ .» -8». — 

D,ei;epypr|rfl9apnng}/ji.:, .7. •.•..•«..• r. i. , /•'t..;.'! .,.-".>' ?•<-*'" •• »5*'»«o 

Sal».%,dv yiehi^nd 991^, JK^äsef^eireHufig. ,${)[) PjÜuiide.. •..♦ ,. . W .:m . 

Holzbedaif ,..:.; :,....• ,-j,/, .r/'-.jr .N. -.. -,..f ?. •.•■ •: • A "''»o. . 

Pacht des Stieres 8 so 

Steuern ................ 5 «* 

Besondere 4WNta^*iV».': >v'v^;t.'»-i.'-*^ . '^».5 >• ».l -5*-.'-** '.",f / . ** 88 «o 
Viehpacht an die Viehje]g^mbuip^r„f&rJ<wlesPirpbepiuud Milch 

(bei einmaligem Melken) 5 Pfunde Käs, 8Y«?f™*«B"V / - i 
terWä Sy« iPfünde Schotten p(i«r äen Abl'ösungsprei's 

vonlfl. 50kr. • • 'V^ V"V ^ ; ."= V ' r^ .:* ' . V' 884- - 

M ! M . ,. ..\ i* .'... .!::/> ! ■ 

,;,,,., ,.,J .,> ^. I,, ,:^ I 1186 

' tteinerti^ag . • '60* 

Es gab daher jedes Kukgprat einen Roliettrag von 80 G«, und einen 
Reiitertr«0^von 6 G. 45 kr. 

"Diese ist eine deir allerbesten Xlmen! fo ^dortiger ^legend schwankt. 
der Ertrag, welchen die Almpächter ' vom 'küligras' beziehen, zwischen 3^ 
bis 7 G, und mag im Mittel 5 G. betragen! fiievon liatien sie aber noch. 
den Alpeifpacht init 1 6* 5o'~S G. »o» im Mittel mit 8 ä! zu berichtigen,^ 
SO- -dasa ihn^-^n Ge\rinn von ' durchschnittlich 3 G. vonri Kuhgras ver. 
bleibe. 



«..1 



ttf 

Der Viehpacht dieser Alm ist einer der geringsten« weil sie eine 
der ungefahrh'chslen ist Er steigt öfter auch bis 6 Pfund Kas, 3 Pfunde 
Butter und 3 Pfunde Schotten, d. u auf 8 Fl. 5 Kr. f&r jedes Probepfund 
Milch. 

Andere Almen aind weit weniger gut, so dass den Kühen, damit sie 
vollständig benützt werden können ^ Riegen und Zuchtvieh beigegeben 
werden müssen. 

Im Allgemeinen stellen sich die Almertrlge in dortiger Gegend wie 
folgt: 



Eigentlicher Rohertrag (Volkseinkommen) 

ides Vieheigenthümers . 
des Almpächters- . • 
des Almeigenthümers • 

Summe 



Tom Kthgras 

GU md Kr. 



10 — «0 




-48 8 — 



Die Gefahr von möglichen Verlusten wird von den Almpächtern auf 
25 Prozente des Ertrages guter Jahre angeschlagen. Somit beziffert sich 
deren Gewinn im Durchschnitte nur mit 1 G. 7 kr. — 3 G. t3 kr. , im 
Mittel auf 8 G. 15 kr., und der gesammte Reinertrag eines Kuhgrases 
sinkt auf 3 G. 80 kr. —6 G. SO kr, im Mittel auf 4 G« 5 kr« 

Bei der Almbenutzung auf Viehzucht stellen sich die Rohertrage um 
die Halbscheid und auch die Reinerträge um Etwas geringer; wesswegen 
das Bestreben hier möglichst auf die Milchvidrthschaft gerichtet ist. 

fJnterdstrelchlsche Sennwlrtlisehafft. 

(Hochscheibenberg bei Göstling.) 

Diese Alm ist eine der besten der Gegend, misst 60 Joche grössten- 
theils reines Grasland, und wird betrieben mit 

14 Kühen mit 4 Zuchtkälbern 
1 Stiere und 3 Sdiweinen 
wozu eine Sennerei erforderlich ist. 



Butter 860 Pfunde zu 18 kr. • • 
Buttermilch wird den Schweinen verfuttert. 
Saurer Topfen 810 Pfunde zu 1 kr. 
Werthsvermehrung der Kälber .... 
Werthsvermehrung der Schweine . 




105 M 



Gl. u. Kr. 

Senoiii jah)-lich 9S G«, daher auf SV» Menate ..... S6 so 

Brennholz 9 Klafter z« 30 kr. ••••.•• •• 4 so 

Salz 76 Pfiinde zu 5 kr. • • 3 «o 

Auffahrt und Abfahrt von der Ahn und Abbringung der Alm- 
erzeugnisse . ••..•••..•• 16 — 
Putzung der Alm, Erhaltung der Almhütte^ der Wege und 

andere Nebenarbeiten ••..•.•••• 1* — 

Erhaltung der Senngerathschaften ••;•.••• 3 — 

Werthsverminderung der Kühe . 14 — 

Werthsverminderung des Stieres ••..••• _j 5 — 

sJl tO 

Reinertrag SS 

Es stellen sich daher die Erträge dieser Hochalm wie folgt. 

ttilahi^. IIa Jach. 

Rohertrag 7 -— 1 «s 

Reinertrag 1 ts — 2t 

Eine Kuh wiegt hier SV» ~ SV« Zentner. 



Aus diesen Daten, (welche ich rücksichüich der salzburgischen , der 
steirischen und der unter österreichischen Alm wegen der in neuester 
Zeit eingetretenen 10 prozentigen Geldwerthserhöhung der Almprodukte 
noch berichtige,) so wie aus zahlreichen sonstigen Anhaltspunkten ergibt 
sich für die österreichischen Hochberge der 




Durchschnittsertrag & Hochalm .... 
eines Kuhgrases. | Voralm (WaldregioD) 

Ganze Weide • • 

Da ferners nach grossartigen Erfahrungen aller Alpenkronländer, von 
den allerbesten reinen Almenweiden bereits S Joche ein Kuhgras geben, 
bei den allerschlechtesten jedoch 7 Joche erforderlich sind, im Mittel aber 
4Vt Joche zureichen dürften, so stellt sich der 

Ertrag eines Joches )*»?*f <^"»»« * ' 
reiner Hochalm. ««ttlere ««»«»g • 
'schlechte Gattung 

Das Verhältniss des Grasbedarfes der übrigen Viehgattungen zu 
jenem der Kühe, rechnet man in den Alpen wie folgt: 




MiKrtMr. 

' . ;, 4> • b «. »• w I M i •. QrtkSzen. Mittel. 

Stute mit einem Füllen IVb— * *-t 

Pferd V •.'•'. •; '-I- • •■ '1^''^ '''».b: •'•"■'•"• 

MaWthiep . . : : - • ' »-«•■'"'• *-l.^« •'••••' ■' 

Füllen J«~«Jihrig ..... V^-^ - ' ' -«A ^ — ' 

Zugbchs 1— l'A - i Iw^'" 

Stier . '':\ '-.'■'[ ':'' .•••.'•.'.-•.." ^'■•i* ." ^ 'l;o -"-•■'• 

Juijgvieh j^r!f!'^^ • • • • %-^--^'(ri, ^ 

^ ^einjährig V»"^V* ^' ^ '0 :# » » 

Kuh' ■ -'* '^ 1. »M-.i...(M'|;v ^'•' ^■' 

Zufehtkalb. . -.;,- Yv-*V«" " ' '^-^ ^" '^ 

Eaer . . • Vt-V* ©•• 

Zi6^e . . . . , -, ,.,.., ..| .... Ve — V« 0.« 

• 'Sctar^ ..... i ..... Va— V* 0., 

Die biedeutenden Unterschiede in der Grasbedarfsrechnung ein und 
derselben Viehgattung rühren haüptsäit^liRdi Von deren äntei'M^hfediibhem 
Gewichte . jier ; laiui djvd(,^, hiebei nur an die iLolossalen salzburgischen 
Hengste und^nn die kleinen welschen Rösschen. 

Die beiden Hauptbodenklassen der Alpen, -neralich die gew8hhl?6heri' 
thonigen und die kalkig|en Böden scheinen mir einen sehr bed^tend^ti* 
Einfluss auf die Eigenschaft^ deV Griser und dadiir(th'*äachi:aAf'JMk des 
Viehes zu üben. Erstere erze^^ «aftigere, weichere , zartere Gräser 
upd^ ein s^hr mvrb.es Fleisch, sie eignen. sich dal^er vorzüglich zur Mast; 
d|e. Gräser der letzteren hjngegen amd härter » sie wirken auf st|ü:ke 
K99cl}^D im^ Sehnen hin und machen, das Fleisch des Viehes fest, ja zatie- 
-T- Diess habe jict^ sowohl beim Rindyiehe, als äuc^ bei den Schöpsen be- 
merkt, und auf diesen Umstand mag sich wohl in iier Regel der Btuf* 
grüiid#»9,:^elchea.gßMfisse Almen und Thäler rücksichtlich der [Mast', 
und andere rücksichtlich ihres sehnigen Viehschlages erlangt haben. 

Auch in der Milch gibt sich der Eihffi)^s'(r6i*'*Bod^bart liiMi auf fleii 
kalkigen ' Krumen gewinnt mitfl iteni^err; ab^r^einfe fettreiche/* auf di9n 
rein thoiligen hingegifeo viel, dagegen fettarme. Mikh. 

'Die^österreichlsche Sennerei hat noch ein ungeheures Feld der Ver- 
vo'nkomnung vor sich. ' '" ' ' *"'"' •'■: «'5 -: 'i'-. '-•..''- -i ■ -v-' .vi 

'Pausende von Almen 'haben wedet' Stalftih^eti noch auch nur 'notbdüff- 
tigst'e StändÄ' m^ das Weidevieh, dieses' idt den häiifigen iind g'e'wälti'gto 
Unwettern dieser Hochregioh gänzfidi pi'eisgegebeh,''es bidbt ihm; '(^Veno' 
sie fiberttaupt vorh^dli^ l^ind,) keine andere Zuflucht, als der naheliegen- 
de Wald '(Schneefluchl), oder ein odoptinier' amdeihe VQrsjf ringende FeLf. 
— Dieser Uebelstand ivirkt nicht BUP'^ktliQh naclitheilig aiff 4fn .Milch- 
ertrag-, sondern auch iauf die Gesuiifth^it'^er'fFbiere, unstreitig ruft er 
s^hr dft die Viehfifeuohen hervor und fitMievCi ihre* Verinreitudg^j / ^^ > > 

Auch versehen lieh viele '8etaliersie»(ur> die'Zfdit der UiiitretMr iiiclit 
mit Mähfutter, das Vieh muss dann hungern, muss im bittersten Wetter 



weiden, und zieht sich nothg;edrongen in die tieferen Forste» was dann 
^ar häufig Zerwürfniss mit dem Waldeigenthümer hervorruft. 

Im Weileren ist die Gebahrung mit dem Dünger gar oft eine unver- 
antwortlich nachlässige; statt durch zweckmässige Errichtung und Umstel- 
lung der Sennhütten, durch Wasserleitungen« Wechselung der Viehruhen, 
(Anger zur Uebernachtung des Viehes) und nöthigenfalls auch durch un- 
mittelbare Verführung den Dünger gehdrig zu verbreiten, lässt man ihn oft 
in ungeheuren Haufen beisammen» so dass er nicht einmahl der Stelle was 
nützt, auf welcher er eben liegt 

Auch die Art der Abweidung lässt manches zu wünschen übrig. 
Nicht überall theilt man die Weide in wohlüberdachte in bestimmter 
Reihenfolge abzuweidende Schläge. 

Und was die Reinhaltung des Viehes betrifil, so ist sie leider fast 
was Unbekanntes; man putzt die Rinder meist nur für die festliche Ab- 
fahrt oder wenn sie etwa zu Markte getrieben werden sollen. ^ 

Dann überträgt man gar oft die winterliche Ueberstall ung auch auf 
die Alm. Ich habe öfter gesehen, dass gute Almen schon mehrere Wo- 
chen vor dem Schlüsse der Weidezeit bloss darum verlassen werden 
mussten, weil man sie überladen hatte. Es ist zwar gewöhnlich ganz 
richtig, dass es dem Viehzüchter besser Rechnung trägt, mehr auf die 
Zahl, als auf die Stärke des Viehes zu sehen; aber das hat auch seine 
Grenzen ; und dann ist ja bei gar vielen Almen die Milchwirthschaft denn 
doch die Hauptsache. 

Die bekannte Untugend des Bauers, mehr der Ausdehnung seiner 
Wirthschaft, als der inneren Güte des Betriebes nachzutrachten , tritt 
wirklich oft sehr grell in der Ueberstallung hervor. — Zuweilen kommt 
das Vieh so ausgehungert und entkräftet auf die Alm, dass es längere 
Tage dort kränkelt, an gefalirlichen Stellen sogar abstürzt; es ist That- 
sache, dass Kühe schon zu Wagen nach der Alm geführt werden mussten. 

Selbst die Milchwirthschaft lässt Erhebliches zu wünschen übrig, 
nur an wenig Orten werden Buttererzeugung und Käserei so gediegen 
betrieben, wie z. B. in der lombardischen Ebene. Am Meisten hat da 
noch der Deutsche zu verbessern. 

Die Hauptursache der minder vollkommenen Sennerei, das Pacht- 
sistem und das gemeinschaftliche Eigenthum — habe ich schon angedeu- 
tet. Eine zweite Ursache liegt in dem Mangel guter Beispiele, wie sie 
intelligente und reiche Grossbesitzer geben könnten. 

102 
Hutweiden. 

Auch in den Hochbergen findet man viele Hutweiden. Sie liegen 
meistens in der Nähe der Höfe und Weiler und werden gewöhnlich für 
das wenige Melkvieh benutzt, welches man der jGrischen Milch wegen 
über Sommer bei Hause haben will (Heimvieh). 

16 



Die Bauernhutweiden sind aber hier in neaerer Zeit schon |^ten- 
theils in andere Knlturg;alUuipeD mng'ewandelt worden, und derlei Um- 
wandlungen haben noch tagtäglich statt 

Bei Gremeindehutweiden ist es aber immer noch ein schwierig EKng, 
denn da noch kein passendes Theilungsgesetz besteht, so kommt alles 
auf die freie Uebereinstimmung der Theilhaber an, welche sich nicht 
leicht ergiebt, indem die Kleinbesitzer im Vereine mit den Besitzlosen 
nicht leicht die Grösse des Grundbesitzes als Theilungsmassstab erken- 
nen wollen, da sie bisher thatsächlich ebenso viel und ojfk noch mehr 
die Gemeindehntweide nutzten, als der grössere Besitzer. 

Ungeheuer sind die Flächen, welche in den welschen Alpen im 
Forstkataster zwar als Gemeindewald eingetragen sind, aber nach ihrem 
wirklichen Bestände, so wie nach ihrer thatsächlichen Benutzung gleich- 
wohl nichts anderes sind, als Hutweiden oder Oedungen. — Zwar be- 
fahl im lomb. venezianischen Königreiche eine allerhöchste Entschliessung 
schon 1839 den Verkauf oder die Auftheilung der Oedungen, den Ge- 
meinden auch rücksichtlich der übrigen Grundstücke jede der Kultur zu- 
trägliche V^erfligung gestattend; viele Gemeinden haben hiernach ihre Ein- 
leitungen getroffen und manche haben Auftheiluug oder Verkauf auch 
durchgeflihrt; viele Andere scheiterten aber an der Gegenrede der vene- 
zianischen Staatsforstverwaltung, welche behauptete, dass diese Gründe 
Forste seien, die im Interesse des Staates und der Gemeinden Wald 
bleiben müssen. 

Da gar nicht abzusehen ist, durch welche IMBttel die Staatsforst Ver- 
waltung, (welche ja nicht einmahl im Stande war, die Verwüstung der 
ehemahligen Wälder zu verhindern) diese Oedungen wieder aufforsten 
könnte, so wäre es wohl besser, wenn sie zu ihrem Uebergang ins 
Privateigenthum hülfreiche Hand reichen würde. Das könnte sie um so 
eher, als in dortiger Gegend der Privatgrund mit Inbegriff des Waldes 
entschieden gut kultivirt wird. 

Von grosser Ausdehnung sind die Hutweiden im niederen Gebirge 
des Ostabfalles der Alpen; sie thun dort fast dieselben Dienste, wie in 
den Hochbergen die Hütweiden mehr der Almen, d. i. sie vermitteln fast 
die ganze Sommerernährung des Viehes. Sie liegen in der Regel um die 
Höfe herum. 

Ihr Betrieb ist wie der aller Hutweiden selten wohl geordnet« Man 
treibt das Vieh hinaus und gibt höchstens einen Knaben oder ein Mäd- 
chen als Hirten bei, damit sich das Vieh nicht verlaufe oder allenfalls in 
den Feldern Unheil stifte. 

Zweifelsohne wird disi iortachreftenda Kultur viele dieser Hutwei- 
den in Wiese und Acker umwandeln; dass bis jetzt hierin nicht viel ge- 
schehen ist, hat seine guten Gründe. 

Fürs erste sind viele dieser Weiden Gemeindeeigenthum und unter- 
liegen als solches den bereits angedeuteten Schwierigkeiten. 



FQrs »weite sind tauseiMle derselben nicht Eigenthum des Bauers, 
sondern herrschaftliciier Waldg^mnd » den der Baaer , der darauf die Ser- 
vitut der Waldweide g^enoss, niissbräuchlich zur Hulweide machte. 

Ftrs dritte sind viele dieser Gründe so seicht und schlechtkrumi^, 
dass ihre Wiesenbenutzung in Rüoksicbt auch auf den bisherigen Mangel 
an arbeitenden Händen, gegenüber der Abweidung wenig oder iLeinen 
Vortheil gebracht hatte. 

Und selbst die ehemaligen Herrschaften waren in der Regel 
der Umwandlung entgegen, denn da dort die meisten Bauern auf 
ihren (unbezifferten) Bedarf an Holz, Streu und oft selbst an Weide 
in den herrschaftlichen Wäldern eingeforstet sind, so wälzt jede Erweite- 
rung einer Bauemwirthschaft ihren Forsten nur wieder neue Lasten zu, 
und der Herrschaftsbesitzer konnte insbesondere ganz sicher darauf rech- 
nen, dass der anrainende Bauer noch mehr Fläche, als er umwandelte, aufsi 
neue dem Forste abgerissen hätte, um den Abgang an Hutweide zu ersetzen. 

Endlich muss auch berücksichtigt werden, dass für manchen Bauer 
Waldweiden, zu denen er in ehemals herrschaftUchen Forsten berechtigt 
ist^ gar nicht wohl benutzbar wären, wenn er nicht auch einen Fleck 
eigener Hutweide hätte« 

Erst wenn die ungeheuren Servitutlasten, welche auf die grossen 
Forste der Ostalpen drücken, abgelöst, sämmtliches Grundeigenthum ein 
freies, unbeschränktes und sicheres geworden sein wird; erst dann wird 
die Umwandlung der Hutweiden mächtige Fortsehritte machen« 

Bellftufls^i^ Vjttrmt; eine« Jeehee Hutweide. 

Grenzen. Mittel. 

Rohertrag • . . . . 

Reinertrag •••...••• 

103 
Ziegenweide. 

Ich will hier nicht von der Ziege des Armeu sprechen, der sich 
keine Kuh zu halten vermag, noch von jener, welche sich die Bäuerin 
beilegt, um zur Sommerszeit, wo ihre Kühe auf der Alm sind, Milch Air 
den Säugling zu haben, — denn deren Zahl ist so wenig bedeutend, 
das« sie rücksichtlich der Landeskultur wenig entscheidet und f&r diese 
Ziegen finden sich immerhin Weideplätze, wo sie ohne besonderen 
Nachtheil geduldet werden können. 

Aber sprechen muss ich hier von der in den Südalpen von Jahr zu Jahr 
Überhandnehmeoden Sitte, mit den Ziegen förmliche Sennerei zu treiben, 
ja ganze Almen damit zu belegen, eine Sitte, welche leider auch in den 
übrigen Alpentheilen immer häufiger auftaucht» 

Die Ziegensennerei stützt sich allenthalben auf den Wald, das 
liegt schon in der Natur der Ziege, welche vom Grase nur nascht, hin- 
gegen die jungen Triebe, das Blatt, die Knospen und selbst die Rinde 

15* 




MS 

der IIoIzg;ewächse und besonders der Laubholzer mit Vorliebe verzehrt; 
wobei ihr eine bewunderungswürdige Marschfahigkeit und Kletterkunst 
und der unglaubliche Scharfsinn vortrefflich zu statten kommen^ mit wel- 
chem sie sich jene Stangen , deren Zweige sie nicht sogleich mit dem 
Maule zu erreichen vermag (durch Aufreiten) herabbiegt. — Dieserwe- 
gen werden auch nur Wälder (meist Jung- oder Ausschlagholzer), mit 
Ziegenheerden belegt, oder Almen, deren Weidekraft gröstentheils in 
den umliegenden Forsten liegt. 

Die Wirkung der sogestalteten Ziegenweide ist allenthalben in die 
Augen springend* — Die schönsten Maisse verwandelt sie oft binnen 
2 — 3 Jahren in schlechtes Buschwerk; gar mancher Bestand, der sonst 
in Kurzem zum haubaren Wald herangewachsen wäre, bleibt ewiger 
Kollerbusch; und ist er seichtkrumig , so sinkt er endlich unvermeidlich 
zur Oedung herab. 

Selbst Nadelbestände habe ich getroffen, denen es eben des unaus- 
gesetzten Ziegenbisses wegen, innerhalb 30—50 Jahren noch immer nicht 
gelingen konnte, dem Maule dieser unerbittlichen Waldverderberin zu 
entwachsen. 

Dabei darf nicht vergessen werden , dass man die Ziegen im Vorfrüh- 
ling und im Vorwinter gleichfalls in die (liSub-) Wälder treibt, zu welcher 
Zeit sie wegen Mangel an Gras ausschliesslich an die Knospen und Zweige 
der Holzgewächse gewiesen sind. 

Doch sie mögen unbeklagt dahinschwinden die Wälder; wenn sie 
nur durch den Ertrag der Ziegenweide ersetzt werden! 

Um das ans Licht zu bringen, will ich hier die Statik einer welsch- 
tiroler Ziegensennerei entrollen und zwar einer der ertragreichsten, weil 
im Grossen betriebenen. 

Heerde von 100 Ziegen , 2 Böcken und 33 Zickeln. 

E r 1 5 • : Gnldeo. 
Erlös aus den 33 auszuschiessenden , im Herbste zum 

Verkaufe kommenden Ziegen, jede zu 8 G. 36 kr. . 119 
Erlös von 6iO im nächsten Frühjahre zu verkaufenden 

Zickeln , jedes zu 48 kr 48 

Milc^erzeugniss durch 6 Monate 9000 Mass zu 3.3 kr. . 540 
Dünger erzeugt während der 5 Wintermonate, in wel- 

clien die Ziegen im. Stalle stehen, 136 Tragen, 

jede zu 36 kr. . . 86 



WL • m t e n* 

Kapitalsauslagen : 

100 Ziegen jede zu 6 Gl. 24 kr. • 640 

2 Böcke jeder zu 8 Gl. • . . • 16 

Geräthschaften zur Sennerei. . • . 48 



793 

Gl. o. Kr. 



9X9 



Hievon 5 Prozente an Zinsen* 

Löhnung des Käsers ••..••*. 

Löhnung des Hirten 

Kost dieser Beiden taglich 10 Kr. für jeden • 

Erhaltung der Sennhötten . • 

Verführung der Senngeräthschaflen und Erzeugnisse 

Kosten des Winterunterstandes ...... 

Heu für die 5 Winterinonate täglich 153 Pfunde im Ganzen 
2«9Va Zlnr. zu 1 G* 8 kr. 

Gewinnung und Beistellung der für diese Z^it nöthigen Fut- 
terlaubbündeL Täglich 153 Bündel im Ganzen also S30 
Hunderte; jedes zu 40 Kr. ..*•••..• 

Streu 50 Ztnr. jeden zu 1 G. 4 kr. • - . • • • . 

Salz für die Ziegen und für die Milchprodukte 561 Pfiinde 
zu 4 kr. •••..••.•••..• 

Verlust von 3 Ziegen und 8 Zickeln durch Krankheit . . 

Verlust durch das Verlaufen von 2 Ziegen 

Erhaltung der Senngeräthschaften, Reisen und Verwaltungs- 
kosten des Unternehmers *_ 

Summe « . 



Gl. tt. 


Kr. 


35 


ij 


64 


— 


19 


18 


m 





3 


12 


18 





18 






863 



154 
63 

37 
17 
10 

U 



2C 



815 



Diese auf die dortigen thatsächlichen Ergebnisse gestützte Rechnung 
zeigt, dass die Kosten des Sennereibetriebes den Erlös beiläufig aufzeh- 
ren; so dass dabei sich nur insoferne kein baarer Verlust ergibt, als der 
Unternehmer auf fremden Grund die Weide ausübt und auf fremdem Grunde 
seine Futterlaubbündel erzeugt, ohne fiir beides bezahlen zu dürfen. 

In letzterem Falle bleibt der nicht unbedeutende Arbeitsverdienst als 
Gewinn, was für den thätigen, allenthalben nach Arbeit suchenden Welsch- 
tiroler hinlänglicher Grund ist^ sich an diese Unternehmung zu machen. 

Aus dieser Rechnung geht aber in Weiterem auch hervor, dass der 
Unternehmer dem Waldeigenthümer keinen Ersatz zu bieten vermag, weder 
für den Werth der Weide, noch für den Schaden , welchen die Ziegen im 
Walde anrichten, noch endlich für daa Futterreisig, welthes sie im Win- 
ter brauchen; dehn sonst würde er bei der Unternehmung verlieren, sie 
also lieber aufgeben. 

Der volle Ersatz wäre aber durchaus nicht unbedeutend. Er bstrfige 
etwa für die vorausgesetzte Heerde von 135 Ziegen : 

Werth des unschädlichen Theiles der Weide. 

Man pflegt dort für die Weide einer Ziege aus- 
ser dem Walde zu zahlen: Kreuzer 
Vorweide von Anfangs April bis Ende Mai • S'A 
Almweide von Anfangs Juni bis halben September • 9'/t 

Nachweide von halbem Sept. bis Ende Oktober • 8 

14 



Also für 10t Stacke, wefl die Zickel unentgeltlich darein ^ehen Sl 
Stockwerth des Fatterreisig^s. 

Zur dauernden Erzeugung der nöthigen t3-000 Reisbünd^l sind 
wenigsten« nöthig 60 Joche Ausschlagwald in 4— 6 jähri- 
gem Umtriebe ; und da der Rohertrag eines Joches Nieder- 
wald in jenem Landestheile im Mittel 2 6. 15 kr. betragt, 
90 mnsste der Waldeigenthümer, um sich ganz vergütet zu 
bekennen, für dieses Futterreisig w^enigstens beziehen • 135 

Der Schade^ welcher dem Walde durch die Ziegenweide zugeht, 
ist zwar sehr veränderlieh, daher auch nicht so genau an- 
zugeben; im grossen Durchschnitte mag aber der Holz- 
wuchs, falls der Wald nicht überladen wird, um ein Fünf- 
tel zurückgesetzt werden , was bei 500 Joch Weideflache 
und 8 GL Reinertrag vom Joche Wald ausmachen würde - fOO 

Sunmie 



Aus dem geht hervor, dass der Ziegensenne — mag er die Weide 
auch immerhin so schonend ausüben, dass wenigstens der Wald dabei be- 
stehen kann — dem Waldbesitzer auch nicht den zehnten Theil dessen zu 
ersetzen vermöchte, was er ihm mit seiner Unternehmung entzieht; es 
geht schlagend hervor, dass die auf Kosten des Waides betriebene Sen- 
nerei mit Ziegen selbst dann noch bedeutende volkswirthschafUiche Ver- 
luste nach sich zieht, wenn der Wald durchaus nicht überladen wird« 

Und dass eine Ziegensennerei auf blossem reinen Grasland nichts 
tauge, darüber war von jeher nur Eine Stimme« 

Alles Obige wird auch durch die Thatsache bestätigt, dass in der 
Regel jeder Grundbesitzer seine Ziegen sehr sorgfaltig von seinem eigenen 
Walde ferne hält; dass er, insoferne es sich um seinen eigenen Grund 
handelt, nur ein oder die andere Ziege dem übrigen Weidevieh beigibt 
und dass er die Geisse heerdenweise nar in jene fremden Wälder treibt, 
in welchen er weder die Weide noch den angerichteten Schaden zu be- 
zahlen hat. 

Die Wälder sind nun dort, wo Ziegensennerei betrieben wird: die 
Gemeindewälder, die weidebelasteten Staats- oder ehe- 
maligen Herrschaftsforste. 

Dass die Ziegensennerei all' diese Verluste nichts weniger als durch 
ein in Vergleich mit dem Walde weit grösseres mittelbares Volkseinkom- 
men vergütet^ werde ich in der Abtheilung der „Forste"" zeigen. 



10% 

Älpenllndischer Yiehstand. 

IJaffewAhnliche nehmns des Tiehstandes. 



Atpmn 

AlpentbellOberÖAt- 
reicbs, UoterÖAt- 
reichsdannSals- 
barf . . . 


Einstiger Stand 


Stand m 1846 


Proseite 1 


RJDder 
dm«NMM|l. 


Pferde 


Schafe 
«kitlfaMMgl. 


Rinder 
eliMNuhiiil. 


Pferde 


Schafe 
«kMNicbigl. 


t 

o 




X 


1818 
427. 000 


IS 

64.000 


137 

342.000 


498.000 


08.000 


413.000 


6 


7 


mmSlm 

13 


Sieiermark . . 


299.000 


53.000 


142.000 


305.000 


57.000 


160.000 


'V4^ 


8 


13 


Kirothen «. Krain 


236.000 


39.000 


224 000 


304.000 


44.000 


250000 


10 


^ 


11 


Tirol n. Yorirlberr 


234.000 


21.000 


430.000 


408.000 


22.500 


491.000 


26 


7 


14 


Soodrf OyComo, Ber- 
gaiso . . . 

KehnJÜ 


1823 
183.000| — 144.000 


157.000 


18.700 


109.400 


- 6 


— 


-10 


lirige Dnrehtcbnittamehniiig 






10 


«V« 


10 




Nordwestläuder d« 
Reichs . . . 

Lombard« Ebene 


1818 
1.226.0M 


1837 
278.000| 2.189.000 


1.456.000 


29O.OD0 


2.341.t)00 


*Vt 


7 


Wt 


1823 
239.200 — 37.000 


259.000 


68.000 


22.300 


3 


— 


lil- 

17 



Ist auch der obige den amtlichen Zählungen entnommene Hehstand 
oicht genau (zu gering)^ 8o kann man daraus in Rücksicht auf den bei 
der Zähhmg beobachteten gleichmassigen Vorgang demungeachtet die 
Mehrung des Viehstandes mit zureichender Verlässlichkeit berechnen. 

Die Mehrung des Viehstandes der Alpenländer ist auffallend stark, 
besonders bei den Rindern und bei den Schafen; sie beträgt hier das 
Doppelte dessen, was in den angrenzenden Ländern des Reiches statt 
hatte. 

Mag immerhin ein kleiner Theil dieser Mehrung dem verbesserten 
Acker und Wiesbaue zu danken sein, so ist sie doch zum weit grossten 
Theile dem Walde abgerungen; mittels Umwandlung von WaldflKchen in 
Grasland, und durch Lichtung der Forste und Ausdehnung der Kahlschlage 
in Fläche und Verjüngungszeit, -— Diess ist am Allerauffallendsten in Tirel 
geschehen, wo denn auch thatsäcblich der Virtstand ganz unverhUtniss* 
massig gewachsen ist. 



Gegenwärtiger ¥iehstand im 

Auf jeder Quadratmeile feldwirthschafüichen 
durcbschnittlicb folgendes Vieh gehalten : 

(Runde Zahlen«) 



Einzelnen. 

Grundes wird dermahlen 



Pferde 




In «an AI 


pan 




«raai 

NifvWCfUtt* 

dedeiBoflM 


laida 

lUÜMbe 
Eben 


.n^ 


WNlahfin 


IMibfaU 


Oitakfall 


SiWiO 
















Brwacli«ene Pferde 


18S 


145 


375 


295 


95 


315 


194 


Füllen. . . . 


17 


15 


20 


33 


10 


15 


153 


Maulthlere . . 


1 


— 


— 


1 


60 


— 


46 


Bael .... 
Rinder 


- 


160 


396 


1 
330 


60 
215 


— 


78 


200 


330 


470 


Ochaen n. Stiere 


330 


70 


400 


630 


530 


360 


625 


Kflhe .... 


1440 


1250 


1550 


050 


1250 


1330 


93S 


JuDfyieb . . . 
9eli»fe 


1050 
2820 


840 


850 


840 


680 


250 


280 


2100 


2900 


2420 


2460 


1940 


1790 


Erwachs. Schafe 


2600 


950 


1700 


1090 


2500 


2540 


900 


L&mmer • . • 
Kleben 


500 
3000 


200 


350 
2050 


220 


500 
3000 


510 
S050 


180 
1080 


1150 


1310 


Geisse n. Böcke . 


820 


020 


100 


270 


1450 


88 


— 


Zickel. . . . 


230 


300 


20 


80 


500 


22 


— 


1050 


1220 


120 


350 


1950 


110 


fteliivelne 

Somme . 


570 


430 


700 


800 


300 


550 


650 


76M 


5120 


6170 


5210 


7930 


5970 


3990 



105 
Eiiiige Betrachtungen «bar m Feldwirthschaft dar Alpen. 

Obwohl das Ackerland der Alpen im Allgemeinen mit bewunderungs- 
würdigem Fleisse und gutem Verstandnisse gebaut und auch die Wie- 
senkaltur häufig mit vieler Sorgfalt betrieben wird, so lässt doch die 
alplerische Feldwirthschaft im Durchschnitte noch einen grossen Auf- 
schwung zu. 



In Tielen Strichen sind es die ung^enügende Zahl der arbeitenden 
Hände ^ die Höhe des Arbeitslohnes und die (für diese Berge) übermäs- 
sige Grösse der Bauernwirthschaften » welche bisher einer noch tiefgrei- 
fenderen Kultur entgegenstanden. — Die ersten dieser ungünstigen Fak« 
toren sind eigentlich gleichbedeutend und zusammen nur Folge des letz- 
ten Umstandest nemlich der Uebergrösse der Wirthschaften. 

Zahlreiche Bauern besitzen 20 — 30 Joch Aecker, 30 — 60 Joch 
Wiesen, dann 500—800 Joche Hochalm, worauf sie 80 — 100 Rinder, 
8— 14 Pferde und 100—200 Stücke Kleinvieh erhalten. Hiezu kommen noch 
50— 200 Joche Wald. — Die Aussenfelder dieser Guter sind 4—8 Stunden 
TomHofe entfernt und Zu- und Abfahrt sind ausserdem noch sehr beschwer- 
lich. 6ei dem grossen Arbeitsaufwand endlich, welchen Acker und Wiesbau 
in diesen Bergen erfordern, übersteigt natürlich die Summe der gesamm- 
ten Arbeit die Kraft auch der stärksten Familie um das 4—6 fache; Be- 
weis an dem, dass auf solchen Besitzungen 20— 85 Dienstbothen gehalten 
werden. 

Die Dienstbothen sind aber bei der (eben wegen der grossen Wirth- 
flchaften) überdünnen Bevölkerung sehr kostspielig, und ihre Feldarbeit 
kommt um so höher zu stehen, als sie (bei der Kürze des Sommers) 
während eines grossen Theil des Jahres nicht sehr lohnend beschäftigt 
werden können. — 

So zehren denn die Dienstbothen wieder den bei weitem grössten 
Theil des* Gutsertrages auf; wie es denn Thatsache ist, dass manchem 
grossen Bauer, wenn er nicht allenfalls aus dem Holzverkaufe oder aus 
ausgiebigem Fuhrwerke was erlöste, von seiner Baareinnahme nach Be- 
streitung aller Wirthschafts- und häuslichen Auslagen, wenig mehr übrig 
bleibt, als der Betrag, den er dem Staate als Steuer hinzugeben hat. 

Die mittleren Wirthschaften sind nun zwar bedeutend kleiner, aber 
doch noch immer so gross, dass sie die 2 — 4 fache Arbeitskraft einer 
Familie in Anspruch nehmen. 

Die bei kleineren Wirthschaften weit ausgiebigere Selbstarbeit der 
Eigenthümer wäre nun entschieden wohlfeiler ; denn erstens stehen die 
wirklichen Bedürfnisse der genügsameren Familieuglieder unter dem jetzii- 
gen Dienstbothenlohne, zweitens hätte diese nur das eigene .Interesse 
fordernde Selbstarbeit jeden&lls grössere Erfolge, und drittens würde 
der Arbeitsaufwand an und für sich geringer; weil sich dann die über- 
grosse Entfernung der Aussenfelder ermässigte. 

Berücksichtigt man dann auch , dass es weder Menschenglück, noch 
Zucht und Sitte fördert, wenn eine so grosse Zahl kräftiger Menschen 
f&r immer, oder wenigstens für die ganze Zeit ihrer Jugendkraft zur 
Ehelosigkeit verurtheilt bleibt; so muss man sowohl im Interesse der 
Menschheit» als auch in jenem der Landeskultur eine zweckmässige Auf- 
theiluikg der übergrossen Bauernwirthschaften lebhaft wünschen* 



Diese Auftheilung wäre auch schon längst erfolgt, wenn die Baueru- 
wirlhschaften der deutschen und slovenischen Alpenlande bisher nicht 
theils durch das Gesetz» theiis durch die Herrschaften gebunden gewe- 
sen wären. 

Ganz andere Erscheinungen zeigen sich im Gebiethe der welschen 
Alpen; hier hat die unbeschränkte Theilbarkeit der Grundstücke eine bei 
Weitem tiefgreifendere Kultur mit ungleich grösseren Roherträgen» eine 
weit dichtere Bevölkerung» hie und da aber auch eine grosse Zertrüm- 
merung der Grundstücke hervorgerufen. — Diese weitgehende Zerthei- 
lung ist jedoch bei weitem nicht von jenen Nachtheilen begleitet» welche 
ihr in den Flachländern zuweilen zur Seite gehen» denn die Natur 
dieser Berge lässt den gleichförmigen und ineinandergreifenden Betrieb 
grosser Flächen ohnehin nicht zu» oder verleiht ihm wenigstens keine 
besonderen Vortheile, 

Einzelne schreiben die theilweise Armuth mancher welscher Hoch- 
gebirgsgaue der Grundzerstückelung zu» aber — wie mir scheint — mit 
Unrecht — Ich sehe sie weitmehr in dem Mangel hinreichender Erwerbs- 
quellen f&r den raahen Theil des Jahres und in den allzufrühen Heira- 
then. — So viel wenigstens ist ganz gewiss » dass wenn all diese Paare» 
welche dort» kaum ins männliche Alter getreten ^ unbeschränkt getraut 
werden» nicht wenigstens ihren kleinen Grundbesitz hätten» der dem 
Weibe und den Kindern dauernden Arbeitsverdienst gibt» dass alle diese 
Paare gewiss noch ärmer wären» als sie dermahlen wirklich sind« — 
Und dann ist das beschränkte Lieben jener welschen Aelpler meist nur 
Armuth für den deutschen Hochgebirgler» der gewöhnt an reichliche Nahrung 
und Auskommen, die natürliche Genügsamkeit des Welschen nicht begreift» 
und daher auch nicht genug würdigt. 

Wir finden in den Hochbergen gar manches Thal» in welchem zahl- 
reiche Parzellen als Acker» und hie und da auch als Wiese mit einem 
Arbeitsaufwande behandelt werden » welcher zum ortsüblichen freien 
Taglohne angeschlagen, nicht nur den geringen Rohertrag gänzlich auf- 
zehrt» sondern noch einen mehr oder minder grossen Verlust übrig lässt 
— Es sind das in der Regel alle 5. und 6. und öfter auch die 4. Klasse 
des Steuerkatasters. — Gleichwohl wird der fetdwirthschaftliche 
Betrieb dieser Grundstücke fortgesetzt» ja wir sehen noch täglich neue 
entstehen. 

So befremdend es auf den ersten Augenblick erscheint» diese Ei- 
genthümer sozusagen mit Verlust arbeiten zu sehen» so erklärt sich 
die Thatsache ganz unschwer« — Die Möglichkeit dieser Kultur auf 
scheinbaren Verlust liegt einzig nur in der bedeutenden Höhe des freien 
Arbeitslohnes bei gleichzeitigem Ueberflusse an Arbeitskräften. — Weil 
die wirkliche Nothdurft des Arbeiters bedeutend unter dem ortsüblichen 
Tagelohne steht» so kann eme Familie sehr wohl auf ihren eigenen 
Grundstücken um einen geringeren Tagefohn arbeiten » und sie zieht die- 
sen sicheren Verdienst» an welchem auch die kleineren Kinder Antheil 



fSS 

nehmen können, sie zieht diesen sicheren Verdienst^ welcher die Aelteru 
in ihrem häuslichen Kreise belässt, der fremden Ta^lohnsarbeit vor, die 
wenn auch besser bezahlt, doch nur zu gewissen Zeiten und Tagen zu 
haben ist, weiche die Kinder ausschliesst und die Aeltern der Familie 
entreisflt. 

Diese Kultur mit Verlust (gegenüber dem ortsüblichen Tagelohne) 
oder was dasselbe ist, um eine schlechte Arheitsrente kommt sehr hftufig 
▼or in den starkbevölkerten welschen Alpen; in den übrigen Landen aber 
gewöhnlich nur dort, wo der Bergbau, das Hüttenwesen, oder der Forst- 
betrieb eine grosse Zahl von Arbeitern zusammengedrängt hat, welche 
ihren Weibern und Kindern durch den Betrieb einer kleinen Feldwirth- 
schaft die Gelegenheit verschaffen wollen zur nützlichen Verwendung 
ihrer Arbeitskraft (welche sonst brach liegen müsste). 

In allen diesen Gegenden haben die nächstgelegenen feldwirthschaft- 
hchen Grundstücke einen sehr hohen Kapitalswerth ; sie werden um un- 
glaubliche Summen verkauft und gepachtet, aber nurim Kleinen, 
weil sich Käufer und Pächter nur rücksichtlich ihrer Familie mit gering- 
ster Arbeitsrente begnügen können. 

Der Grund, warum in diesen Gegenden sich neben reichen und selbst 
überflüssigen Arbeitskräften gleichwohl ein hoher Taglohn erhält, liegt 
darin, dass der grössere Grundbesitz der Taglöhnerschaft keinen unun- 
terbrochenen Verdienst zu geben vermag, während diese gleichwohl im 
eigenen kleinen Besitzthume einen solchen findet, dass aber derselbe 
grössere Grundbesitz zu Zeiten (Anbau, Heumahd und Ernte) wieder so 
vieler Kräfte bedarf, dass er sogar die Männer in Anspruch nehmen muss, 
welche sich bei den besser bezahlten Gewerben oder durch Arbeit in der 
Fremde ihren Hauptunterhalt verdienen. 

Viele Hochmähder betreibt der Bauer, ungeachtet scheinbaren Ver- 
lustes, darum, weil er sie zu Zeiten arbeitet, wo seine zahlreichen Dienst- 
bothen sonst nicht genügende Beschäftigung hätten, and weil er deren 
Heu zur winterlichen Durchbringung jenes Viehstandes braucht, den er 
zur Sommerszeit auf den Almen ernährt (Salzburg)« 

In manchen Thälern (Tirols z. B.) haben die Grundslücke auch ei- 
nen wirklichen Liebhaberpreis, indem dort Leute, welche durch Handel 
oder auswärtigen Gewerbebetrieb reich oder wenigstens bemittelt ge- 
worden sind, um jeden Preis Wirthschaften ankaufen, ohne hiebei auf 
deren wahrscheinUchen Remertrag viel Rücksicht zu nehmen. 

Die geringe Ausdehnung dann, welche die Grossgewerbe und der 
Handel mit wenig Ausnahmen in den Hochhergen geniessen, bestimmen 
auch die bemittelteren Bauern, ihre allfälb'gen Ersparnisse abermals in 
Grundstücken anzulegen, was gleichfalls zur Erhöhung der] Kaufpreise 
beiträgt • ^ * 

So haben denn die feldwurthschaftlichen Grundstücke der Hochberge 
meistentheils einen Kaufpreis, der zu ihrem wahren Reinertrage in mehr 
oder weniger ungünstigem Verhältnisse steht 



Erwägt man dann noch, dass ein guter Theil derselben eigent- 
lich 80 viel wie keinen Reinertrag abwirft; daas sie VerbeMerungen 
(wegen der Ungunst des Klimas) nur einen geringen Spielraum offen 
lassen 9 so ist klar, dass die Bauern wir thschaften der Hochberge — mit 
Ausnahme der bestgelegenen (in den Tiefthälern") — sich nur für jene eig- 
nen, welche Grund und Boden selbst bearbeiten, also in der Hauptsache 
von der Arbeitsrente leben; nicht aber für den eigentlichen Kapitalisten, 
welchem um eine gute Kapitalsrente zu thun ist. 

Diese Ansicht findet in den lebendigen Thatsachen auch allenthalben 
ihre Bestätigung. 

Wie das beim Walde ganz anders ist, wird in der Abtheilung 
„Forste" erörtert werden. 

»^ 

106 
ErtrSge der Feldwirthschaft 

Ertrag der verschiedenen Alpenstriehe in den Torsflg- 
lielisten Feldflrflctaten. 





Körner 


Qeniüee 






•°-i 


Alpen 


Qetreide, Hfll- 
senfrQchte 


ErdSpfeU Rflben, 
Kraut 


Wein 


Heu 

jeder Gattungr 




Eimer 


Zentner 


iBfiauei 
KflUnei 


Auf eine 


biGiizeB 


Auf eine 


IbGuui 
lillitieB 


Auf eine 


ImGanei 


Auf eine II 


Heile 


Kepf 


KUitiei 


Heüe 


w 


Meile 


Kepf 


lillieiei 


H«Be 


t¥ 


HaupUtock* • 


*•» 


7670 


6-7S 


— 


— 


— 











16., 


24.5 


21« 


Westabfall • - 


0'J37 


3960 


1 s 


— 


— 


— 


6-0355 


810 


0-3 


1-6 


36-4 


1*., 


Nordabfall • • 


8-34 


26700 


6-5 


— 


— 


— 


0-48 


1630 


0, 


10.4 


33., 


10-, 


Ostabfall - • 


12« 


26200 


8-4 


— 


- 


— 


1-72 


3670 


1-1 


18*5 


38-4 


12-3 


SfldabfoU . . 


*-g3 


8600 


2-5 


— 


^ 


— 


t-61 


2780 


0-8 


13-8 


23-8 


«•» 


31.0 


16000 


5-8 


32 


16600 


Ö-o 


3-85 


1870 


6-7 


6O.0 


29-1 


16., 


Nordwestlande. 


69.(5 • 


42300 


8-65 


79 


48000 


Ö-8 


2.n 


1210 


O-K 


67-3 


34^8 


7-. 


Italische Ebeae 


iO'76 


26000 


3-0 


3., 


8400 


1-0 


3., 


9070 


1-1 


12,5 28-5 


3« 



Rog^g^en und Hefer sind allenthalben in den Alpen die weit öberwie. 
gende Kdrnerg'attung'; der Mais wird im Nordabfalle nur ausnahmsweise^ 
in nicht gana&t unbedeutender Menge im Hauptstocke, in grosser Aus- 
dehnung jedoch im Ost- und Südabfalle gebaut » in welch letzterem AI- 
penstricho insbesondere man ihm alle nur halbwegs geeigneten Standorte 
widmet.^ 



n» 



KliiBeldAi»»«ell«ns der K5i 
ernte« 



Weizen 
Roirfen 
Gerate . 
Hafer . 
Miiii . 
Hirse u. Heide 
HHIflenfrüchte. 
Heia • . . 



Upea 



lordwost- 
lande 



lUttsebe 
Ebene 



MetzeD 



4.000.000 
7.500.000 
2.000.000 
9.800.000 
4.800.000 
2.500.000 
600.000 



0.240.000 

23.000.000 

12.630.000 

23.380.000 

25.000 

124.000 

1.200.000 



31.000.000 60.600.000 



3.500.000 

400.000 

30.000 

400.000 

5.000.000 
380.000 
180.000 
898.000 



10.760.000 



BteBeMareiellunir der Ge- 



Gemüse 

ErdSpfel . . 
Rüben . • • 
Kraut • . . 



Obst 

Gewöbnliches. 

Kastanien im 
SOdabfalle • 



Alpen 



lordweit- 
lande 



Metzen 



8.300.000 

4.100.000 

19.600.000 



32.000 000 



1.072000 
128.000 



1.200.000 



29.000.000 

9.000.000 

41.000.000 



79. 000.000 



3.350.000 



3.350.000 



Ertrag der Meile feldwirthschaftUctaen Ornndes in den 
▼orsflglichsten Frfletaten nnd ¥iehsaUnngen« 



JTaKres- 
FruelaterBeii- 




Alpe 


-a 




er^nBlaiadel 


Havpt- 
atock 


Word- 
abfoU 


OaUbM 


Sftd- 
ablaU 


Alpen 
Qber- 
haopt 


Word- 
weat- 
lande 


Italiaehe 
Ebene 
















Kömer ^ 


22-260 


50.520 


48.600 


18. 400 


33.020 


62*800 


32. 020 


Gemfise >Mctzen • 


26.700 


31. 700 


52.700 


26. 400 


35. 040 


71300 


10.720 


Obst ) 


900 


2*300 


1.350 


1*750 


1*280 


3-020 


1.800 


Wein Eimer • 





2900 


6.600 


6.640 


4*110 


1.800 


11.600 


Heu 1 


71000 


63.000 


71.400 


51.500 


63*900 


51*700 


86400 


Stroh 1 


14. 000 


3'4.000 


33*000 


13.000 


22. 100 


54.100 


23. 000 


Spinnstofe f 
Oehle r * 


320 



170 
9 


270 
120 


570 
140 


360 
47 


330 
21 


380 
232 


Haulberiaub.l 











7540 


2.150 





22000 


Hopfen ) 
TIelasten«. 








4 





0.3 


32 



















Pferde . 


200 


895 


330 


215 


285 


330 


470 


Rinder IStflcke 


2.820 


2-900 


2-420 


2.460 


2650 


1-940 


1-700 


Schafe \ jeden 


8-000 


2.060 


1*310 


3*000 


2.340 


3.050 


1-080 


Ziegen 1 Alters 


1-050 


120 


350 


1950 


070 


HO 


— 


Schweine ^ 


570 


700 


800 


300 


590 


550 


650 


neneclieii • • 


3300 


6.940 


5-790 


7.460 


5*660 


7.260 


10. 770 



t86 



C^eldwerth der feMwfartliscIiafllieheB firseogvBg. 

(Tolkflelnl&omaien »lui der FeMivlrtli0cltAf)l}« 







Landesfläcbe 

Meilen 


Einwohner 

Zahl 


PeldwIrtheeliaffltUelies 1 
TolkMinkommen | 


Alpen. 


Im Sauen 

■lUionen 

Golden 


Auf Jede 11 


■eUe 


^\ 


fi 1 I d e 1 n 


HaupUtock • • 
Weatabfall • • 
NordabfaU - - 

riatahfall ... 


• 


642 

44 

313 

481 
580 


729. 000 

107.000 

982-000 

1-505-000 

1-997.000 


4t. e 

36-, 
78.. 
70.. 


65-000 
145-000 
115-000 
163. 000 
121. 000 


57 
43 
37 
52 
35 


JBfirfAhfall . • . 




OUQaUlall •••«'- 

JVordwestlande - 
nrordoatlande • • 
0»t-u. SAdosiland 
Italische Ebene - 
Raretlande • - - 


2-060 

1-646 

1-550 

5601 

430 

309 


5-320-000 

8-048-000 

5-331-000 

14. 497-000 

3-620-000 

731-000 


221 

301 
170Vs 
267% 
126 
17 


107000 

183. 000 
110000 

48000 
293. 000 

55.000 


41«/, 

38 
32 

181/, 

35 

23 


üaleenpeieH 


' • 


11-600 


37-600.000 


1100 


95-000 


29 



107 
Bin Bfld ans der Gartenregion Sfldtirols. 

Die Aussicht ans den Fenstern der Burg^ Tirol ist bezaubernd. Be- 
sonders schön gestaltet sich die perspektivische Verjüngung des Etsch- 
landes gegen Bozen hin. Der Strom zieht in breiten Windungen durch 
das burgenvolle Thal mit den mahierisch zerstreuten. Hausern , Kirchen 
und Weinbergen. Am Fusse des Schlossberges, fast vergraben unter Nuss- 
bäumen und Weinguirlanden liegt die kleine Kirche des Dorfes Gratach« 
find daneben ein unscheinbares Bauernhaus» das wir im Vorbeigehen be- 
treten wollen. 

In der getäfelten Wohnstube steht der grosse Tisch fars MaU, und 
zum Fenster schaut ein Feigenbaum herein. Durch sein Blätterwerk geht 
der Blick hinuater über lange Weingärten ins Thal der Etsch und am 
Flusse fort, fast so weit, als man auf dem Schlosse selber schauen kann. 
— Der bäuerliche Hausherr gilt als einer von den Schlauen, als einer von 
den Pfiffigen, deren es in Tirol noch mehrere geben soll^ die die Welt 
kennen gelernt haben und mit den Menschen wohl umzugehen wissen. Er 



nar achon Anno Nenn dabei» nnd bat %vm Waffenhandwerk von jeher 
grosse Zaneig^n§f gezeigt, ao dass er «einer Zeit als der beste Sehütae 
weit nnd breit in hohem Rufe stand , nnd auch jetzt noch die Schieasen 
der Nachbarschaft nicht ohne Glück besucht. Er weiss viel an erzählen 
und g^bt g^erne ein Witzchen zum Besten« 

Die Sonne hat sich geneig^t» und das gesammte Hauswesen versam- 
melt sich zum Abendessen. Der Bauer hat in seinem Erdenwalien sech- 
sehn Kinder gezeugt, wovon ihm dreizehn am Leben geblieben sind. Diese 
kommen allmählig hereingewandelt, und mit ihnen auch die Mutter« Die 
Kleinen verlaufen sich schüchtern in einem Winkel und fangen an zu ki- 
chern, was der Fremde, dem es gilt, nicht übel nehmen darf, denn es 
ist gut gemeint Sofort erscheinen auch die Mädchen, und grüssen mit 
Freundlichkeit, setzen sich zusammen und lachen auch, doch mit einiger 
Zorückhaltung. — Nun sind auch die Buben da, welche einen ernsten 
Willkomm sprechen, sich ebenfalls zusammensetzen, aber keine Miene 
verziehen. Alle zusammen bilden eine der wohlgeschlachtesten Familien, 
die in der Umgegend zu finden sind; die Buben gross, stark und wohlge- 
baut, mit tüchtigen Gesichtern, die Mädchen hochgewachsen, schlank, voll 
natürlichen Anstandes und mit feinen ausdrucksvollen Zügen. 

Die Tochter stellt das Mahl auf, und dann fangen alle laut zu be- 
ten an. Während sofort die Plente (geschmalzener Teig aus Mais) aus 
der grossen Schüssel zum Munde geßhrt und mit rothem Wein hinabge» 
leitet wird, sitzen wir am Fenster und freuen uns zum hundertsten Male 
der reichen Landschaft, die jetzt« nachdem die Sonne hinter dem Tsche- 
gat hinabgesunken, in stahlblauen Dnft leicht gehüllt, mehr und mehr in 
Dämmerung versinkt. Wenn die Bauersleute zur Nacht gegessen, ist es 
Zeit nach Hause zu gehen, und während cUe ganze Kiaderschaft sieh in die 
Kirche begibt,' um dort den abendlichen Rosenkranz zu beten, beurlauben 
wir uns von dem Hausherrn und ziehen freundlich eingeladen zur baldigen 
Wiederkehr unsers schönen und stillen Weges in die Stadt Hie nnd da 
begegnen uns heimkehrende L4indleute, mitimter Mädchen, die in grossen 
Körben auf dem Rücken Hen nach Hanse tragen, oder auch ländliche Wa- 
gen, von grossen wmssen Rindern gezogen und von schmucken Jungen 
geleitet* 

Da wir eben aus dem Bauernhause berauskoBunen, so wollen wir 
noch etwas mehr über das Landvolk im Burggrafenamle beibringen. Vor 
Allem bemerken wir, dass es dn überaus schöner Sciüag von Leuten ist 
Die Männer zeigen nch als die rechten und wahren Erben der altgermani- 
schen Riesenle&er, hoch aufgestreckt, brekschulcerig , stattlich anMsehen. 
Sie tragen grosse Hüte , braune Lodei^aken mit rotlien Aufschlägen und ein 
rothes Leibchen, über dem der breite grüne Hosenträger liegt. Durch eine 
gewisse ernste Gesetztheit im Thun und Lassen ist die Bauernschaft dieser 
Gr^end wohl noch eindrücklieber, als die leichten heweglichen ZiUerthaler. 
In ihrem Feiertagsgewand sind diese grofsen CSesellen äusserst sorgfaltig 
und reinlich, dabei auch streng bedacht auf gleichförmige Beibehaltung des 



SM 

herkömmlichen Scbnittea und der herkömmlichen Farben. Wie sie am Sonn- 
tage nach dem Hochamte zu Meran vor der Kirche stehen , zu Hunderten^ 
einer wie der andere, so dürften sie nur die Stutzen in die Hand nehmen, 
um schnurstraks vom Platze weg als schöngeschmückte Schlachthaufen ins 
Feld ziehen zu können. 

Wenn die jungen Manner an festlichen Tagen als Schützen ausrücken, 
' so ersebeinen sie mit grossen grünen Hüten (dem festlichen Abzeichen der 
Junggesellenschait), welche dann auf der einen Seite, um im Tragen der 
Büchse nicht zu hindern , hoch aufgeschlagen , ferner mit grünen Bändern 
und einem aufgesteckten Blumenstrauss verziert sind. Ein anderer Straoss 
steckt dann auch in der Mündung des Gewehres. Ein solcher Schützenzug 
wenn er stolz dahermarschirt, mit fliegender Fahne und klingendem Spiele, 
wenn die Schwegelpfeifen den heimischen Schützenmarscb blasen, ist eine 
prächtige Erscheinung , und weckt Erinnerung an kriegerische Zeiten , den 
so sind die Wehrmänner des Aufgeboths an den Berg Isel und aufs Ster- 
zinger-Moos gezogen. — Es ist ein anmuthiger Gebrauch, dass dabei zwei 
Knaben zarten Alters, ganz so gekleidet wie die grossen Burschen, und 
mit leichten Stutzen bewaffnet, an der Spitze gehen, als redendes Zeichen, 
dass auch schon der Knabe berufen sei, ein Landes vertheiger zu werden. 

Die kleinen Schützen geberden sich ernsthaft, nehmen die Sache viel 
wichtiger als die grossen , werden auch von den Zuschauern viel neugieri- 
ger betrachtet und sind stets die niedlichfiften Kerlchen der Plarrei, mit ih- 
ren blauen Augen finsst kriegslustig aus den blonden Locken herauschauend. 

Es ist eine erhebende Betrachtung das körnige Bauernvolk im Burg- 
grafenamte , wie es , umgeben von einem Kranze hoher Scbneeberge, in der 
warmen grünen Tiefe lebt, unter dem heissen italienischen Himmel , in der 
Ebene, die imie ein Heerd erscheint um Hitze auszukochen — jetzig nach- 
dem die Westgothen längst spanisch, die Burgunder französisch, die Lon- 
gobarden italienisch geworden sind, der letzte Rest germanischer 2iUnge, 
der unter Feigen- und Mandelbäumen Haus hält Von allen andern deutschen 
Stämmen I die einst mit gezücktem Schwert übcar die hohe Wand der Al- 
pen und der Pyrenäen nach den europäischen Südländern stiegen, von al- 
len, die dort zu Ehren ^ Macht und Ansehen gekommen, ist keiner bei sei- 
ner Sprache und seineu Sitten geblieben; aber hier an den Grenzen des 
oberitalienischen Paradieses an der Etsch, sitzt noch die ganze Gefolg« 
scbafk hochstämmiger Recken in urkräftiger Deutschheit beisammen, im- 
mer noch abweisend und schroff gegen den wälschen Nachbar, wie vor 
anderthalb tausend Jahren. Dieses Häuflein ist, nachdem die Mauer über- 
sprungen, im ersten Vorhofe stehengeblieben. Hätte es sich weiterhinein 
gewagt in den lockenden Feengarten, so wäre es wohl auch verzaubert 
worden und für seine ursprüngliche Heimath verschollen. Desswegen hat 
auch die Stellung des deutschen Bauers an der Etsch etwas Besonderes und 
Ausgezeichnetes, weil er allein von Hundert- und Hunderttausend seiner 
Stammverwandten das Land der altgermanischen Sehnsucht nicht allein ge- 
funden, sondern sich auch nicht darin verloren hat; den der Orangenduft 



ond die süfisen Feigen hindern nicht» dass der deutsche Bauer hier der näm- 
liche mannhafte Kerl ist, wie im kühlen Norden, ehrlich, fest und tapfer, 
still und ruhig , dabei auch sehr fromm und betlustig^. -r Er hat von sei- 
nem wälschen Nachbar nichts entlehnt, als das was ihm su Statten kommt, 
d. i. die Klugheit* 

108 
Bin dentschtiroler Ochsenhirt. 

Der Galtoer (Ochsenhirt) war nicht in der Hütte, doch fanden wir 
sein Trinkgeschirr, mit dem wir alsbald aus der Quelle schöpften, nach 
mühsamer Reinigung, denn der einfache Aelpler hatte es augenscheinlich 
die ganze Saison über noch nicht ausgespült — Die Galthütten fallen über- 
haupt sehr stdrend in die prächtig idyllischen Illusionen der feinen Leute 
aus den Städten. Dahin » verläuft sich keine junge Sennin , die dem Gast 
zum Abschied mit rosigen Lippen einen Kuss aufdrückt, da gibts keine 
Zither und keinen Gesang, keine Käskessel und überhaupt keine Senu- 
wirthschaft, wohl aber einen alten eisbärtigen Ochsner, der in seinem 
Schmutz erstickt, und nur zu oft schlechter Laune ist. — Im Hüttchen hat 
er ein Heuiager und eine Wollendecke, und daneben in einem feuerge- 
fährlichen WinlLel liegt ein breiter Stein, auf dem er seine Milchsuppe 
kocht*. Neben dem Schlafgemache steht der dürftige Stall. -- Der Galtner 
selbst hat nichts zu thuii, als etwa hin und wieder einen verirrten Och- 
sen auf den rechten Weg zu fuhren , und die zwei Gaisse zu melken, die 
«r sich mitgenommen hat, um ihre Milch für seine Küche zu haben« — 
Jede Woche steigt ein Knabe aus dem Thale hinauf und bringt ihm Brot, 
Mehl und Salz; damit fristet er sein Leben und mit dem letzteren sichert 
er sich auch die Geneigtheit seiner Ochsen, und knüpft sie an seine Hütte. 

Oben auf dem Joche fanden wir den greisen Hirten. Er sass auf ei- 
nem Steine und schmauchte, und liess seinen Blick über den gelichteten 
Wald sehweifen, in welchem seine Heerde weidete« „Wie gehts" rief 
ihn mein Begleiter an^ und der Andere fuhr auf aus seinem Sinnen und 
antwortete: „Mittela, Mittela'« (mittelmässig). Es hatte Tags vorher von 
Morgen bis Abend geschneit und der Hirte sich kaum erwärmen können, 
— „es sei gar so ein kalter Ort, ein Ochsner hat's übel, wenn das Wet- 
ter nicht fein ist/' Ich glaubte es ihm gerne, und fragte ihn, ob er mich 
denn nicht mehr kenne; ich bin ja derselbe , der ihm im vorigen Sommer 
an derselben Stelle seinen Beutel mit gutem Tabak gefüllt und einen 
Schhick von einem Schnaps (Rhum) hat thun lassen, wie er in seinem 
Leben noch keinen gleichen getrunken hatte. — Aber er kannte mich nicht 
mehr, und als ich ihn das Jahr drauf abermahls besuchte, kannte er mich 
abermals nicht * 

Der Ochsenhirt war ein alter Knecht, ein „Ableber^^ seines wohl- 
habenden Herrn; die drückende Einsamkeit seines Geschäftes und seiner 
Junggesellenschafk, und das Alter hatten ihn trübsinnig und blöde gemacht. 

16 



109 
Eme sttdtiroler Hockalm. 

Aus dem Taj^ebuche eine« Forst^ometer«. 

Ende Juni ging endlich der Schnee vreg. Zuerst «chmols er ani den 
sonnigen 8te|[len ab, etwa vierzehn Tag^e spater auf der Schattenseite, in 
den Mulden und Schluchten liegt er noch wochenlang. Die brennende lang 
am Hintmel stehende Johannisonne zehrt jedoch überall so gewaltig an ihm, 
dass man das Wegschmelzen mit den Augen verfolgen kann; tiglich tritt 
die weisse Decke um einige Klafter aurfick, und die mächtigen Schneenuia- 
sen der Lawinen und Dfinen verlieren I — 8 Fass an Dicke. 

Der allbelebenden Sonne freigegeben, entwickeln sich die herrUchea 
ersten Alpenblumen mit Zauberschnelle; in wenig Tagen entfalten «e ihre 
ganze FfiUe, ihre ganze Pracht. — Alsbald folgt auch das Qnm, abor kein 
langes staudenartiges, keine Disteln und Zeitlosen, wie etwa auf den Wie* 
sen des Tieflandes , sondern kurze dichte und feine Halme , ein herrlicher 
mit Blumen tiefglfihender Farben übersater Rasenteppich der gleich einem 
prächtigen Sammtpolster unter jedem Fusstritte aufschwillt 

Nun folgt alsbald der Auftrieb des Viehes. Kiser, EDrten. und ihr Vieb^ 
alles ist ganz glQcklich , das magere , enge und finstere Stall-Leben nut (Lot- 
tes freier Natur und der Fülle ihrer Graben vertauscht zu haben. Die ersteo 
Wirkungen dieses Wechsels sind fast wunderbar, der Milchertrag der Kühe 
verdoppelt, ja verdreifacht sich, und es ist keine Milch mehr, es ist Sahne; 
an die Grossstadter wenigstens würde man sie reissend als solche absetzen. 
Der Wohlgeschmack, die Würze dieser Butter übertrifil Alles, was man 
mittelst StallAtterung je zu leisten vermöchte. Milch und Butterertrag ver- 
mindern sich zwar nach dem ersten Abweiden der Alm , aber sie bleiben 
immer noch grösser als im Winter. (Hier ist die winterliche 8tallf&t- 
terung ürmlich.) 

Die Beweidung geht nach einem wohlverstandenen Plane vor sich« 
Die ganze Alm wird in Schlage getheilt, die in der Rande abgeweidet 
werden, so dass das Gras Zeit hat, wieder gehörig nachzuwachsen > nnd 
wenigst möglich vertreten wird. Das Vieh wird zur Nachtruhe in thnn- 
liehst eben gelegene Verzinnungen (Viehruhen) getrieben, nicht nnr um 
dort gemolken zu werden und bequem ruhen zu können, sondern, damit es 
auch während der Zeit des Wiederkauens und der Ruhe nicht die Weide- 
plätze zertritt und verliegt. Mit den Viehruhen wechselt man ab» um der 
Alm allenthalben den Dünger zukommen zu lassen. Wo die steile Lage der 
Alm diesen Wechsel nicht gestattet, zieht man von den znsammeagesoge- 
neu Düngerhaufen Berieselungsfurchen weg, damit die Regen und Schnee- 
wisser die Düngerverbreitung vermitteln ; steht ein kleines Wasser zu Ge- 
bothe , so leitet man dieses durch die Düngerhaufen und in die Furchen. — 
Wahrend den heissen Nachmittagsstunden treibt man gerne in die obersten 
Hochwaldrander, damit das Vieh den Schatten der hief&r und für den Unter- 



stand bei Scfaneewetter (Schneeflucht) sorgfaltig erhaltenen dichtbenadel- 
ten Fichten geniesse. Verstandige Aeipler errichten (ur den Unterstand bei 
Unwetter an der Sennhüte eigene Schoppen, und halten für diese Zeit ei- 
niges Futter in Vorrath. 

An sonnigen Tagen ist es ein herrliches Sejn auf der Alm. Die 
Sonne wärrot die klaren Lüfte der Hochberge eben so gut; wie die trü- 
ben unten im Thale; aber in dem Augenblicke, als sie unter den Hori- 
zont hinabsinkt, wird es frisch und feucht, später empfindlich kühl, die 
Nässe der Luft wird greifbar; es fällt ein äusserst ausgiebiger Thau, und 
sehr gerne zieht man sich auch nach dem heissesten Augusttage beim Ein- 
brüche der Nacht an das lustig aufwirbelnde Feuer der Sennhütte zurück. 

Der äusserst reichliche Thau ersetzt die Tränke in so weit, dass 
auf quellenlosen Almen das in den ausgehölten Baumstöcken oder in mit 
Lehm bekleideten Vertiefungen aufgesammelte Regenwasser zur Durch- 
bringung der Rinder zureicht 

Jedes wenn auch nur vorübergehende Gewitter kühlt in diesen Hö- 
hen di^ Luft empfindlich ab, und Verwandelt den Thau gar oft in Reif. 
Längere Landregen gehen zuletzt meistens in Schnee über, und das Ende 
vom Liede ist dann gewöhnlich ein formlicher Frost mit fusshohem Schnee, 
an welchem die wiederkehrende Sonne nicht selten einen ganzen Tag zu 
lecken hat. 

Nichts ist überraschender, als wenn dieser plötzliche Wechsel über 
Nacht eintritt. — Gestern prangte die ganze Natur im vollsten Sommer- 
schmucke jener tiefgesättigten Farben, welche nur den Hochalpen eigen 
sind; die brennenden Sonnenstrahlen sengten Hals und Arme eines un- 
vorsichtigen Freundes, der zu mir auf Besuch heraufsteigend, das Halstuch 
abzog und die Hemdärmel aufschlug, um nicht der Hitze zu unterliegen. — 
Heute Morgens treten wir aus der Sennhütte und haben, wie durch einen Zau- 
berschiag das prachtvollste Bild des tiefsten Winters vor uns. So weit 
das Auge reicht, ist Alles Schnee. Die umliegenden Fichtenwälder sind 
über und über mit blendend weissen Eiskristallen überzogen, welche die 
Strahlen der darein scheinenden Sonne mit einem Schimmer widerspie* 
geln, den unser Auge kaum vertragen kann; unser, Fuss tritt auf die 
krachende fingerdicke Eisdecke der Pfützen ; unsere Finger fangen an vor 
Kälte zu prickeln, und nur das rüstigste Darauflosschreiten vermag uns 
die nöthige Wärme zu erhalten. 

In dieser Höhe von 6000 Fuss treten Frost und Schnee zu jeder 
Zeit des Sommers ein. 

Ende August oder Anfangs September werden die Fröste jedoch 
schon so häufig, dass der Graswuchs bald ganz stille steht, und dann la- 
den die Senner ihre schwereren Geräthschaften einem Saumesel auf, bin- 
den die leichteren den Rindern auf die Hörner und treiben von der Hoch- 
Alm ab. 

Die Sennhütte ist hier das Einfachste was man sich denken kann. 
Abgerindete rohe Baumstämme, an den Ecken ineinander gefalzt, flach 

16* 



244 

g^edeckt mit g^roben Spaltschindeln, die durch queraberliegende mit Stei- 
nen beschwerte Stangen zusammengehalten werden. Die Hätte hat nur 
zwei Gelasse. Vorne Wohn-, Schlaf- und Arbeitskammer, hinten die 
Milchkanmien ~ Die Arbeitsslube hat in der Mitte einön etwas vertieften 
mit Steinen eingefassteh Feuerraum , auf welchem das Feuer nie ausgeht ; 
herum stehen einige Dreifusse zum Niedersitzen. Ober dem Herde hangt 
eine eiserne Kette oder eine gezahnte Holzleiste mit einem Hacken 
zum Aufhängen des Kessels. — Ein gleicher Feuerraum ist an der Wand 
für den grossen Käser und Ziegenkessel. — In der hinteren Ecke ist auf 
einigen Pfählen die Schlafstelle aufgeschlagen, getrocknetes Gras, Far- 
renkraut oder Heide sind das Unterbett, die Joppe, ein Sack, oder die 
halbgegärbte Ziegenhaut, die der Hirt bei Regenwetter um die Schultern 
bindet, die gewöhnliche Decke des unausgezogen zur Ruhe gehenden 
Sennen. Damit jedoch die kalten Nachtwinde nicht zu sehr durchbis- 
sen, verstopft man um die Schlafstelle herum die handbreiten Zwischen- 
räume der Blockwand fleissig mit Moss, 

Polenta mit etwas Käse oder Zieger ist hier die tägliche, keinem 
Wechsel unterworfene Kost des Sennen, wie überhaupt des südtiroler 
Landmannes: er schlingt ihre in der Hand zur Kugel gedrückten Bissen 
mit demselben Wohlbehagen hinab, wie der reiche Kavalier seine Austern. 

Der einsame Senne empfangt auf der Alm gleichwohl manchen Be- 
such. Vorüberstreifende Jäger, Holzknechte und Köhler sprechen bei ihm 
ein , der Alpenherr kommt öfter um nachzusehen, und hat er fremdes Vieh, 
so erscheinen sämmtliche Vieheigenthümer zur Milchabwage , indem nach 
dem Gewichte der probeweise gemolkenen Milch die Menge Käse und Geld 
bestimmt wird, welche der Sennunternehmer den Viehbesitzern als Pacht 
hinauszuzahlen hat. 

Selbst die Weiber der verheiratheten Sennen, oder die Freundinnen 
der ledigen lassen sich öfter auf der Alm sehen, versteht sich nur, um 
ihnen irgend eine bedeutende Mittheilung zu machen , oder um deren Wä- 
sche in Ordnung zu erhalten. Es ist noch nie der Fall vorgekommen, dass 
diese Besuche zurückgewiesen oder unbefriedigt entlassen worden wären. 

110 

Bin Brlebnisss anf einer Osterreichischen Knhalm. 

Ein Wirthshaus ist hier nicht auf der Alm , doch ist eine Schwai- 
gerin CSennin)» bei der Brot und Branntwein zu haben ist 

Ich hatte bald ihre stattliche und wohlgezimmerte Hütte erreicht, 
die in einer schönen Mulde, unter grossen Felsblöcken liegt, zwischen 
denen sich eine herrliche Quelle hervorschlängelt. 

Unter dem grössten der Blocke ist der Stall angebracht,, und dabei 
das Gestein als Wand benutzt 

Auf dem Scheitel des Felsens erhebt sich eine prachtvolle Lerche^ 
deren mächtigen Schaft der fromme Alpenherr mit einem Heiligenbilde 



»15 

^esiert hat^ weaswegen man anch den uralten Baum die Bildlerche heiaat. 

— In der Hotte traf ich Gäste > drei rüstige Holzknechte aus dem na- 
hen Schlage, dazu die Sennin und ihren jüngeren Bruder» der ihr 
als Hirt und Knecht an die Hand ging. — Die Holzer sassen auf der 
Bank, die aich um die Feuerstelle herzieht, halb in Rauch verhüllt, und 
schmauchten plaudernd; die Sennin ging ab und zu und redete wenig. 

— Sie war eine sehr hübsche Dirne ^ zwar nicht mehr in der ersten 
BIfithe, aber von lieblichem, ja feurigem Antlitz, wohlgebaut, voll, frisch 
und kräftig, jedenfalls viel zu schön für diese Einsamkeit 

Um über das Joch zu steigen, war es zu spät, es blieb also nichts 
übrig « als bis zum Morgen zu warten. Ich war etwas besorgt, dass 
sich das Mädchen die Einlagerung verbitten würde, aber der älteste der 
Holzknechte, ein schalkhafter Kerl, sprach mir Muth zu, sagte, das 
komme dfter vor und die Schwaigerin sei überhaupt nicht so ,,scheuch'' 
als sie thue. — Diess begleitete er mit einem bedeutenden Augenzwin- 
kern, was die Alpenmaid dadurch bestrafte, dass sie ohne ein Wort zu 
sagen, aufstand und davonlief. 

Bald hatten auch die Holzknechte ihren Branntwein ausgetrun- 
ken und gingen, so dass ich mit dem Mädchen allein blieb, denn ihr 
Bruder war hinausgegangen, nm nach den Kühen zu sehen, die bereits 
heimkommen sollten. 

Dieses plötzliche Alleinsein brachte mich — ich weiss nicht warum, in 
einige Verlegenheit ; ich brach jedoch ritterlich zuerst das Schweigen, und 
frug sie, wie es heuer mit der Sennwirtlischaft gehe, und liess mir alles 
weit und breit erklären. 

Das Leben einer Sennin , — sagte sie — ist nichts weniger, als . 
mühe und gefahrlos. Will sie in guten Ruf kommen und ihren Brotherrn 
gewissenhaft Im Auge haben, so hat sie vom frühen Morgen bis zum 
späten Abend vollauf zu thun. 

Schon mit dem Hahnenrufe muss sie zur Heerde^ besonders wenn 
diese ferne Weideplätze besucht und bei milder Witterung dort über- 
nachtet. Mit dem Milchtopfe auf dem Kopfe, oder bei weiter Entfernung 
mit der Butte auf dem Rücken, den Dreifuss (zum Niedersitzen) in der 
Hand 5 und die Salztasche am Gürtel, begibt sie sich unter ihre Ange- 
hörigen zum Frühmelken. Es kostet da nicht wenig Mühe, besonders das 
naschhafte und zerstreuungssüchtige Volk der Ziegen wiederzufinden, um 
sich zu versammeln und beim Melken ruhig zu erhalten. — Sorgsam ach- 
tet dabei jede wackere Sennin auf das Benehmen, den Gang und die 
Stimme jedes einzelnen Stückes , und fuhrt die kränkelnde Kuh , die 
Ziege, die sich etwa beschädigt hat, oder das Motterschaf, welches 
vielleicht heute noch zum Wurfe kommen dürfte, nach der Sennhütte 
zurück. — Erst nachdem diese hier pfleglich untergebracht sind, kann 
die Sennin ans Frühmahl denken. 

Während dem muss aber bereits Anstalt gemacht werden zum But- 
tern und zur Käsebereitung; die eben gewonnene Milch muss geseiht. 



SM 

und in reinlichen flachen Holzschüssehi in die Milchkammer oder in den 
Keller g^ebracht werden. 

Ist dann auch Käse- und Buttergeschaft — bei welch letzterem der 
Hirtenbub das Rührfass dreht, besorgt, so geht es an ein Scheuern und 
Fegen, Wischen und Waschen, dass selbst eine zankische Stadtfrau da- 
ran nichts mehr zu tadeln fände. — Musterhafte Reinlichkeit der (Sefajlse 
ist eine Grundbedingung guter Sennproduckte. 

Ueber solcher Emsigkeit wirds Mittag und dieser Mittag bringt das 
„Muss'' und eine kurze Rast. 

Der Nachmittag ist den mancherlei häuslichen Beschäftigungen, vor 
Allem aber dem Sammeln des „Geleckes'' gewidmet, d. i. jener Gräser, 
welche man an Stellen, welche für die Kühe zu steil und gefahrlich sind, 
mit der Sichel abschneidet, um sie denselben beim Abendmelken oder bei 
Schneewetter vorzulegen, (damit sie zu solchen Zeiten gesundheitshal- 
ber im Stalle behalten werden können).— Dieses Greleckschneiden ist be- 
sonders mfihsam und gar oft auch gefahrlich. 

Der Abend bringt dann wieder das Melken, das Milchversorgen, 
nach dem einfachen Abendessen und dem darauffolgenden Scheuern, — 
aber auch süsse Ruhe für die müden Glieder* 

Bei günstiger A^tterang reicht wohl der Tag aus zur pünktli- 
chen Besorgung all dieser Obliegenheiten, und es bleibt noch Zeit für 
ein feines Liedchen oder für einen herausfordernden Jodler; aber hat 
plötzliches Unwetter oder gar ein reissend Thier die Heerde erschreckt 
und zerstreut, dann wohl ists wahrhaft verdriesslich , die verirrten Rin- 
der oder gar die verlaufenen Schafe wieder zusammenzubringen. — Frei- 
lich trifft letzteres hauptsächlich den Hirten; aber die verantwortliche 
Sennin muss mithelfen und das Vieh allein zur Stelle schaffen, wenn der 
zaghafte Bub etwa den Muth verloren hätte. 

Manchmahl entschädigt bei der Rückkunft in die Sennhütte der un- 
erwartete Besuch einer Freundin von der nächsten Alm, oder vom Tbale 
herauf, und dann ists gar so gemüthlich, die Nem'gkeiten des Dorfes zu 
vernehmen und den schönen Doppeljodler loszulassen. 

Oft sprechen auch Holzknechte, Jäger und Forstbeamte ein, beson- 
ders in dieser Hütte, wo der Herr — ein Wirth ~ auch gastlich Schnaps 
ausschenkt, und mancher von diesen Gästen ist gar nicht „zwieder.'' Zu- 
weilen verlieren sich sogar Wienerherren herauf, — aber man kann oft 
nicht recht klug aus ihnen werden •— so sagte nemlich die Sennin — ob- 
gleich sie alles schauderhaft schön finden; letzthin war aber gar ein ^»gspa- 
siger Ding'' da heroben; der meinte, wenn die Leute hier gescheit wä- 
ren, so würden sie ihre Almen lieber unten im Thale anlegen, damit 
man nicht gar so entetzlich hoch zu steigen brauchte. 

Dieses und ähnliches Geplauder und der glückliche Umstand, dass 
ich ihre Mundart mit ziemlichem Geschicke zu sprechen verstand, schmol- 
zen bald der Sennerin anfängliche Trutzlichkeit völlig hinweg, und sie 
zeigte sich als das, was sie war, als ein Mädchen voll Lebenslust und 



neckiachem fiinn»* die sich horslich freote» in mir einen g^leich^eeümmten 
Gesellen g^efunden zn haben. 

Ich lad sie natfirlich sum Singen ein^ Mit der Versicherung» dass ich 
selbst das «Chrobe« (den Bass) übernehmen werde» überwand ich ihre Ein- 
wendungen ^ und sie versprach nach Vollendung ihres Tagwerkes mit 
ihrem Bruder und mit mir das Brombeerlied su singen. 

Nun ging's an's Melken» das bald vorüber war; denn man sputete 
sich über Hals und Kopf« 

Um ihrer Bewirthung Ehre zu machen» bereitete mir meine Sennin 
das lekere Rahmkoch (Gries in Sahne) zum Abendmahle. 

Während sie am krachenden» lustig aufllakernden Feuer damit be- 
schifUgt war» hatte ich Zeit sie naher zu betrachten. . Ich muss gestehen» 
sie kam mir jetzt wirklich ausnehmend schön vor; sei es» dass mich ihre 
anmuthigen Plaudereien oder die kraftigen» ja üppigen Formen bestochen 
hatten» die bei den ungezwungenen Bewegungen ihres Geschäftes höchst 
empfehlend hervortraten; sei es» dass die eigene Beleuchtung» welche die 
halbe Gestalt immer in geheimnissvollem Schatten liess» so vortheilhaft 
wirkte. 

Nach einigen Bissen des ungemein sättigenden Rahmkoches war mein 
Abendessen vorüber» und nun ging's nach einigen neuen Gegenvorstellun- 
gen und einleitendem Räuspern an's Singen; wobei ich freilich nur mit- 
brummte; denn mir waren weder Melodie noch Text des Brombeerliedes 
bekannt« 

Die Schwaigerin wendete sich dabei von mir ab» weil sie sonnt» wie 
sie sagte» nicht singen könnte. Der Sang fiel überraschend gut aus; es 
war eine jener wehmüthigen und doch neckischen Weisen» wie sie in den 
östreichiscben und steirischen Bergen überall heimisch sind. Der nicht 
ganz unzweideutige Text zeichnete ein Mädchen» welches Sonntags Brom- 
beeren sammelnd von einem wohlgebildeten Jäger betreten wird» dessen 
Schmeichelreden sie nicht zu widerstehen vermag» f^o dass sie das Brom- 
beersvchen theuer bezahlen muss. Das Lied trug durchaus nicht bei» mich 
kalter gegen die schöne Sängerin zu machefi* 

Endlich musste man sich doch zur Ruhe begeben. Ich bat meine 
sehtoe Wirthin» mir meine Schlafstelle anzuweisen ; sie schürte das Feuer 
ein» nahm einen brennmiden Span und lührte mich in ein Gemach hurter 
der Küche» das ich schon als ihre eigene Schlafkammer kannte« ^ Ich 
legte feierliche Einsprache ein gegen die Abtretung ihres Stübchens und 
versiclierte» mich mit dem wenigen Heue des Oberbodens zu begnüge«. — 
Ich müssle mich doch schämen» antwortete sie» dnen Herrn und zudem 
noch einen so feinen und lustigen» auf den Dachboden ^ schicken; über- 
diess ist dort nur so viel Streu» als mein Bruder zur Lagerstatte braucht:, 
und das Bett hier ist ein zweispänniges» also gross gmug für uns Beide; 
^ch werde mich schon recht schmal machen» und Sie müssen halt recht 
fromm sein.** 



»8 

Ich machte unendlich grosse Augen, denn so was war mir noch nieht 
vorgekommen. — Doch, was war da zu thun ? die Furcht mich lächerlich 
zu machen^ überwand die vielfaltigen Bedenken* Ich warf mich unaus- 
gekleidet auf das Bett; sie warf den verlöschenden Span weg und that 
desgleichen. 

Umsonst schloss ich die Augen um den Schlaf herbeizuzwingen. 
Selbst das dumpfe Rollen des Donners und das Brausen des Windes, ein 
fernes Gewitter verkündend, verfehlten diessmal ihre erprobte einschläfernde 
Wirkung. Meine Fantasie zauberte mir meine liebliche Nachbarin immer 
reizender vor ; sie verlieh ihr die vollendeten Formen des Ideales, das mir 
dazumal tief .im Herzen lag. Da lispelte eine Stimme neben mir: „Schlafen 
Sie schon 7*^ Meiner nicht mehr mächtig, wendete ich mich rasch hin- 
über ^ als ein furchtbarer Blitz die ganze Stube in Flammen setzt, und 
ein schrecklicher Donnerstreich die Alpenhütte von unten bis oben erzit- 
tern macht. „ Jesus^ Maria, ^ kreischt die Sennin auf, „es mnss in die 
Bildlerche eingeschlagen haben ,^ und sie sprang auf und eilte hinaus, um 
mit Hilfe ihres Bruders die Rinder zu beruhigen\ die wie rasend brüllend 
sich mit aller Anstrengung loszureissen suchten. 

Blitz folgte auf Blitz, Donnerschlag auf Donnerschlag; ein wüthen- 
der Sturm riss einiBu Theil des steinbeschwerten Daches der Sennhütte 
ab, und peitschte den in Strömen fallenden Regen weit in die Schlafkam- 
mer hinein. 

Ich sprang auch auf, tappte in die Küche hinaus, schürte instinkt- 
artig die Gluth auf und machte Feuer an. 

Ich weiss nicht, wie lange ich gedankenlos in die Flammen hinein- 
stierte. 

Endlich beruhigen sich die entfesselten Elemente » der letzte Donner 
verhallt, der Sturm hat sich gelegt, der Regen aufgehört; ich mache die 
Thüre auf und die kühlen Lüfte einer herrlichen Morgendämmerung weben 
mir erfrischend entgegen. 

Ich werde vollkommen nüchtern. 

Nach einiger Zeit tritt meine schöne Sennin ein, jetzt, beim Tages- 
licht zwar nicht mehr das zauberische Wesen, als welches sie mir meine 
erhitzte Fantasie vor einigen Stunden vorgemahlt hatte; aber die Scham 
hatte doch wieder einen unnennbaren Reiz über sie gegossen. — Sie wagt 
nicht das Auge zu mir zu erheben, noch zu sprechen. 

Ich wusste dazumal schon , dass aus gewissen Grefahren nur ein Ret- 
tnngsweg fuhrt: die Flucht. Ich forderte daher den Bruder auf, mir den 
Weg über's Joch zu zeigen ; sie erwiderte mit abgewandtem Gresichte 
meinen Abschieds-Händedruck, und ich sah sie nie wieder. 

Unten im Dorfe erfuhr ich , dass die Nandel — so hiess die Heldin 
meines Abentheuers — eine Sennin sei, wie man keine zweite im ganzen 
Gebirge trifft. — Sie ist das Kind der Alpenliebe eines geistreichen Mbjü- 
nesy der als feuriger Jüngling in dortiger Gegend lebte ; Dank seiner Für- 
sorge hat sie eine bessere Erziehung genossen; sie ist die erste Kirchen- 



^n^erin ihre« freundiichen Dorfes, »nd Tersieht bei ihrem Dienstherm — 
der zugleich Wirth ist -- im Winter die Stelle der Kellnerin. 

Man flaggte mir auch, daacr ea in dieser Geg^end ziemlich aügemein 
sei, dass die Senninnen einem achtbaren Fremden, der bei ihnen über^ 
nachten mnss, die Hälfte ihres Bettes überlassen. Diess geschieht in der 
Re^el ohne alle Nebenabsicht, soll aber dfter entscheidende Folgen haben. 

Als ich vor zwei Jahren wieder in dieselbe Gregend kam^ erfhhr ich, 
dass die schöne Nandel eine stattliche Posfmdsterin geworden sei, recht 
gificklich lebe, und eine zahlreiche Nachkommenschaft zn hoffen habe. 

Lieber Leser ans dem Flachlande! Glaube ja nicht, dass du in die- 
sen Bergen nur auf die nächstbeste Hochalm hinaufzusteigen brauchst, um 
dein Gemüth an einer schönen Sennin zu erfrischen^ oder gar eine zweite 
Nandel anzutreffen; wisse, dass es nur Eine Nandel gegeben hat, und dass 
die Schwaigerinnen nur zu oft Dirnen sind, welche die Eitelkeiten der 
Welt bereits hinter sich haben ; wisse , dass dann die harte Arbeit ihren 
Formen die Rundung genommen, und Mangel an Umgang lähmend auf 
ihren Geist, so wie auf ihre Laune wirken ; wisse endlich, dass die duf- 
tenden Spuren ihres Handwerkes und eine gewisse kunstlose Verwirrung 
in Flechten und Grewändern nicht das Geringste dazu beitragen, den Man- 
gel der Reize, durch welche eineNandl bezauberte, vergessen zu machen* 

So viel dir zu Nutz und Frommen und zur Hintanhaltung jeder Ge- 
fährde. -- 

111 

Eine welsche Sehafalm. 

Aus dem Tagebuche eines Forstgeometers. 

Aus Allem entnahm ich, dass der hohe und äusserst schroffe Sass- 
mangano als Triangulierungspunkt benutzt werden müsse» Ich beschloss 
daher ihn zu besteigen. 

Mit dem Juni war schon längst die Zeit vorfiber, in wjelcher, weil die 
Wplken so tief gehen, dass sie auch an schönen Tagen die Hochgipfel 
im Nu auf viele Stunden dicht überlagern, die Triangulirung höchst un- 
sicher ist Ich machte mich daher am nächsten Morgen unbedenklich auf 
den Weg. 

In vier starken Stunden hatten wir die obere Fichtenwaldgrenze er- 
reicht und standen in den dichtverschlungenen schwarzgrünen Legföhren- 
bestanden. Da es ohne Steig völlig unmöglich ist diese nach aufwärts zu 
durchdringen, so zogen wir uns in das weite Rinnsal, in welchem zur 
Regenzeit die diesseitigen Wässer des Sassmangano abschiessen. Wie 
gewaltig dann auch die Fluthen darin heruntertosen mögen, zu dieser Zeit 
war es völlig trocken. — In seiner fast blendenden Weisse (Dolomit) 
stach es wunderbar ab von dem tiefen Schwarzgrün der sich beiderseits 
weit bilizieheiiden LegfÖhrenhorste. Auf den Scheiteln der grossen zien- 



lieh abgeriebenen BlSAe, aus welchen der Gh'und dieses Rinnsales besieht, 
schritten wir ohne viel Beschwerde immer höher und höher hinauf. 

Die Krammholshorste hatten linkst die strotzende Üppigkeit der 
tieferen Lagen verloren, sie vereinseilen sich bereits nnd krochen nor 
mehr als unscheinbares Gestriuch am Boden hin, kurz es gemahnte uns, 
dass WUT dem Rande alles Holawuchses nahe seien. 

Ich machte daher Halt nm ans RasI nnd Imbiss zu gönnen, denn 
höher oben bitten wir kein Holz mehr zum Feuermachen gefunden. 

Meine Handlanger rafften schnell einiges Asiwerk alterstrockener 
Legßhren zusammen, und in wenig Minuten wirbellen die hellen Flammen 
höchst einladend empor. 

Das Krummholzfeuer ist das schönste, was ich kenne; es tummelt 
sich ohne viel Prasseln und Spritzen und Rauch ausgiebig und wonnespen- 
dend herum, wie ineine liebliche Braut unten im Thale, und seine Flamme 
ist wunderschön karmoisinroth , wie ihre sammetnen Wangen , wenn sie 
zu Zeiten in Purpur erglQhen. 

Einige Brocken Lawinenschnee fQllten bald unseren kleine^ Kessel 
mit Wasser; darein tbalen wir zwei Pfunde Maismehl, und in zehn Minu- 
ten dampfte vor uns £e beste Polenta, die je in> dieser Höhe bereitet 
wurde. 

Nachdem der Hunger gestillt war, wandte ich der Gegend wieder 
meine Aufmerksamkeit zu. Gegen Sitte und Brauch dieser Zeit war mitt- 
lerweile ein Wolken - Ungethüm auf dem Sassmangano- Gipfel aufgefah- 
ren, konnte sich nicht mehr losmachen von dieser zackigen Felsenkrone 
und senkte sich stattdeip immer tiefer und tiefer an derselben herab, 
nach allen Seiten sich ausbreitend und vergrössernd. Bald hatte es die 
ganze im Halbkreise sich herumziehende Gebirgsgrate bis auf die tiefsten 
Sättel herab umzogen, und den schönen tiefblauen Himmel ganzlich von 
rnis abgeschlossen. — Wenige Minuten, und wir selbst waren in ein greif- 
bar nasses Nebelmeer gehöllt, in welchem noch dichtere Nebelballen er- 
kältend an uns vor überstrichen. Jetzt erst erschloss sich uns der Werth 
des Feuers in seinem vollen Umfange, und wir genossen es mit aller In- 
brunst von Frost geschQttelter Leute. 

Dicht um dieses liebe Feuer geschart, schlQrften wir eine gute Weile 
gewiasermassen seine Flammen ein, als ein gellender Pfiff die dicke Luft 
durchschnitt, gleich darauf folgte ein ganz absonderlicher Schrei und hier- 
auf vernahm man ein sehr leises und dumpfes Gretrampel, und einige Stein- 
chen sehwirrten aus der Höhe an uns vorüber. Ein zweiter noch durch- 
dringenderer Pfiff, der bffenbar gerade ober uns gethan wurde, schnitt 
aufii neue in unser Ohr ; unwillkürlich wendeten Alle die Köpfe nach Otien 
und siehe da: auf der Spitze eines ungeheuren Dolomitschrofens erblick- 
ten whr in schwindelnder Höhe einen riesigen, in Ziegenfell gehüllten 
Mann, der auf seinen langen Bergstock gelehnt auf uns herniederblidite. 
In wirren Locken hing ihm das pechschwarze Haar des unbedeckten 
Hauptes über Stirn und Ohr, ein dichter, gleichfalls schwarzer Bart um- 



Sng den fibrig^eD Theil mines Gesichtes, und ans diesem flppigfwitden Haar- 
wBchse und dem tief braunen Antlitze blitzten unter buschigen Braunen 
ein Paar Augen toII der südlichen Giuth. •— Die aus den Ziegenfellen her- 
vorragenden fast olivenfarbnen Arme und Beine waren dicht behaart und 
zeigten eine herkulische Muskulatur. 

Wie dieser Mann so dastand in völlig ungezwungene^ mahlerisch 
antiker Stellung, war er der vollendetste Ausdruck riesiger Naturkraft 
und vorsündfluthlicher Wildheit 

»Friert dich da oben, Paolo?** — schrie einer meiner Handlanger 
hinauf — und der Mann brach in ein schallendes Gelachter aus, dass die 
Berge erzitterten, dabei zwei Reihen blendend weisser Zähne blicken las- 
send, um welche ihn ein Adonis beneiden konnte. 

„Noch nicht,** antwortete er endlich, „aber Zeit ist*s um die Polenia 
zu machen, und darum treibe ich heim zu meiner Höhle.^ 

Dieser Mann war der vizentinische Schäfer Paolo Canin, Pächter 
der dortigen Hochweide. — Mit seinen Pfiffen und dem Schrei lenkte er 
seine Heerde^ deren leises Getrampel wir vernommen hatten, und die 
Steine, welche an uns vorbei schwirrten, rührten eben von dieser Heerde 
her« welche nun in gedrängter Masse über uns herabzog. 

Ich rief den Wilden zu mir; in kühnen Sätzen liess er sich von sei- 
nem Schrofen herab und in wenig Augenblicken stand er unter uns, wie 
er leibte und lebte. 

Der Riese war nichts weniger als blöde und sehr erfreut eine An- 
sprache gefunden zu haben. Er meinte, dass der Gipfel des Sassmangano 
immerhin wolkenfrei sein dürfte ; erbot sich uns hinaufzuführen, wenn wir 
warten wollten, bis er seine Polenta gemacht habe» und lud uns ein, einst- 
weilen in seine nahe Hohle einzutreten, um seinen süssen Schotten zu 
verkosten. 

Ein so vortheilhaftes gastlich Anerbiethen konnte nicht ausgeschla- 
gen werden , und so folgten wir ihm denn auf dem Fusse nach. 

Seine sogenannte Höhle war der etwa V/2— 2 Klafter tiele langge- 
zogene Raum unter einem gewaltigem Felsenvorsprung, An einem Ende 
hatte sich Paolo aus Felstrümmern gegen das Freie eine Wand aufge- 
Eiaiiert« um dadurch eine kleine wind- und regensichere Milchkammer zu 
gewinnen. Etwa in der Mitte hatte er den Feuerraum für den Käse- und 
Polentakessel aufgerichtet und am anderen Ende, wo sich die Höhle tie- 
fer ins Ciebirge hineinzog, war ein Lager von Heidekraut gebettet, seine, 
und die Schlafstelle seines Sohnes, der ihn im Geschäfte unterstützte. 
Als Kopfkissen diente dem Alten der Saumsattel des Esels , auf wel- 
chem er die Geräthe und Erzeugnisse der Sennerei ab- und zubrachte. — 
Die Senngeräthschaften , eine kleine Truhe und drei oder vier rohe 
Dreifuflse machten die ganze Einrichtung dieses Hirtenpallastes aus. Oben 
am Fels aber hatte Canin gleichwohl ein hölzernes Kruzifix befestigt, und 
auch das Bild des heiligen Paulus zierte die schroffe Wand. 



Paolo erzählte, daM er rieh da« ffir die kurze Weideseit nöthige 
Maiamehl gleich mitbringe ^ «eine Schotten selbst verspeise und nach sie- 
benwochentlicher Sennerei mit seinem Kaseerzeugniss vergnügt in die 
venezianischen Vorberge abziehe. 

Auf seiner Schlafstelle traf ich ein in Leder gebundenes, äusserst ab- 
gegriffenes und schmieriges Buch; ich schlug es auf, es war Tasso's 
Gerusalemme liberata. 

Unser Freund hatte es oft und mit solchem Erfolge gelesen, dass 
er viele Stellen dieser berühmten Dichtung auswendig wusste« 

Er sagte , er fühle nichts weniger , als Langeweile auf der Alm ; 
die Sennerei, die Besorgung seiner Schafe geben ihm sammt seinem 
Sohne vollauf zu thun und die wildschönen Berge mit ihren bezaubern- 
den Femsichten und grossen Naturerscheinungen seien reicher Stoff zur 
Beschäftigung des (Seistes beim Schafhüthen. — Er freue sich schon im 
Frühjahre auf die Almfahrt, und die Innigkeit, mit welcher er nach deren 
Vollendung wieder die Heimath begrüsst, trägt viel dazu bei, sie ihm 
werth zu machen. 

Weniger zufrieden war der junge Canin ; ihm werde gar oft ganz 
sonderbar zu Muthe, besonders, wenn ihn der Alte allein in der Höhle 
zurücklässt; dann sehe man fast nie ein menschliches Antlitz, und auch 
das Sammeln und Zubringen des Holzes sei ein lästig Ding; kurz bei 
freier Wahl würde er nie das vizentinische Paradies mit dieser frosti- 
gen Felsenwüste vertauschen. — Offenbar hat der Junge weniger Sinn für 
die Natur und fühlt schwer den Mangel einer gleichgestimmten jugend- 
lichen Seele. 

Nach kurzem Mahle machten wir uns gefuhrt von Poalo Canin auf 
den Weg nach der Höhe* Die Nebel hatten sich während dem gehoben, 
und an der etwas lichteren Farbe der Wolken, welche gleichwohl noch 
die ganze Gräte umlagerten, merkten wir, dass sie an Dicke abgenom- 
men hatten; wahrscheinlich zehrte ein dauernder höherer Luftstrom an 
ihren obersten Schichten. 

Fort gings also durch die letzten Streifen Krummholz und dann 
hinauf über eine steile Wand, in welche die Sohle des Thaies abstürzt. 

Als wir den Rand des Absturzes erklommen hatten, stellte sich uns 
ein Bild dar, welches an schauerlicher und dennoch prachtvoller Wild- 
heit im ganzen Kaiserreiche seines Gleichen sucht. Wir hatten eine 
jener langen Mulden vor uns, in welche die Thäler der Hochberge unter 
den Jöchem zu enden pflegen. — Die Sohle war ziemlich flach, nur 
nach hinten zu sanft sich erhebend; aber von allen Seiten steigen fast 
senkrecht die nackten Dolomitwände in ihrer furchtbarsten Schroffheit em- 
por, aber jetzt nicht mehr in der blendenden Weisse und mit den aus- 
drucksvollen Lichtern und Schatten des hellen Sonnenscheins^ sondern 
geisterhaft fahl und schattenlos; das graue Gewölk, welches ringsum 
auf diesen Zinken lag, und welches sich von dort über uns herfiber- 
wölbte, schien Eins geworden zu sein mit diesen pflanzenlosen Wänden, 



S5S 

wodurch e« den Anschein gewann» aU stiegen diese Felsenmanern 
hinauf za endloser Höhe. Unter den Wänden lag allenthalben deren 
Steinschutt aufgethiiruit und wo schluchtenartige Risse sich in die Winde 
hineinzogen, kamen ungeheure» weit in die Sohle vorspringende 
Schottwälle heraus. 

Am Fusse dieser langen Schutthalden liegen die grösseren Fels- 
trummer aufgehäuft^ darunter Blöcke von ungeheurer Grösse. 

Im Hintergrunde der Mulde trat aas tiefer Schlucht ein machtiger 
Lawinenfirn vor» aus dessen schmutziggrauem Fusse sich mühsam ein 
Wasserfaden hervorwand» um alsbald wieder zwischen den Blöcken des 
weiten Rinnsales zu versinken. 

Keine Spur von Pflanzenwuchs unterbrach dieses schreckbare Bild 
gewaltigster Zerstörung; nur in der eigentlichen Sohle zog sich zu bei* 
den Seiten des Rinnsales einiger Graswuchs hin; aber kein zusammenhän- 
gender Rasen mehr» virie in der Tiefe, sondern vereinzelte Halme» die 
nur stellenweise so dicht wurden» dass sie den weissen Sand ganz- 
bedeckten. 

Kein Vogel zwitscherte hier» kein Insekt schwirrte mehr» nur ab- 
stürzende Steine unterbrachen manchmahl die beklemmende Stille; wäre 
ich allein gewesen» es würde mich das Geräusch meines eigenen Fuss- 
trittes erschreckt haben. 

Gleich beim Eintritte in diese ergreifende Oede erstarb uns Allen 
das Wort auf den Lippen» und eine geraume Weile schritten wir sprach- 
los vorwärts. 

Canin» dem dieser AnblicJ^ nichts Neues war» kam zuerst wieder 
zu Worten. 

Er zeigte mir seitwärts eine Art Kasten» welchen er gleich vielen 
anderen Sennen dieser hohen Schafalmen lorgerichtet hatte» um sich zur 
Regenzeit» oder falls er hier mit den Schafen übernachten muss» darin 
zurückzuziehen. Ich ging hin» ihn näher zu untersuchen. Es war eine 
Art von Kotschenkasten aus Fichtenrinde verfertigt und auf eine Trage 
aufgesetzt» gerade gross genug» dass ein Mensch sich hineinkanem oder 
legen konnte. — Er hat ihn natürlich unten in der Hochwaldregion an« 
gefertigt und mit seinem Sohne hier beraufgetragen. Wann er die Alm 
verlässt» bringt er ihn in seine Höhle zurück» damit er weniger von der 
Witterung leide» oder nicht etwa gar von den winterlichen Schnee« 
massen zusammengedrückt werde. 

Erwägen wir» dass es in dieser Höhe auch im Hochsommer gegen 
Sonnenaufgang öfter friert» so können wir wohl begreifen, dass selbst 
so abgehärtete Menschen» wie diese Schäfer» die Nacht nicht wohl im 
Freien zuzubrii^en vermögen. 

Auf meine Zweifel» ob es denn überhaupt der Mühe werth sei» die- 
ser wenigen Gräser wegen hier heraufzutreiben» entgegnete mir Poalo» 
dass er gleichwohl Emen Tag in der Woche genügende Weide fiir seine 



Schafe finde, und dass er, wenn er £e«e Mulde nicht benutzen wfirde, 
die Viehzahi Termindern niüsate. 

Durch die hintere Schlucht führte uns Canin, zum Theil auf dem festen 
Firn, zum Theil auf kaum betretbaren Steigen, die wahrscheinlich nur 
ihm genau bekannt waren, auf den Gipfel. Seine Voraussagung* traf ein; 
der Wind hatte den Scheitel dieses gewaltigen Berges völlig rein 
gefegt 

Ich besorgte so schnell als möglich meine Arbeiten, und alsdann 
traten wir ohne Verzug wieder den Rfickweg an, dem freundlichen Canin 
bei seiner Höhle ein herzliches Lebewohl sagend. — Als wir wieder die 
Hochwaldregion erreicht hatten, begrnssten wir die schönen Bäume und 
die reiche Vegetazion gleich ebensovielen wiedergefundenen Freunden; 
wir fehlten uns freudig bewegt, wie der von einer langen Seereise zu- 
rückgekehrte Familienrater beim langersehnten Anblick seiner Lieben, 
und scJion dazumahl ward mir klar, dass jene Hochregionen nicht ge- 
schaflfen sind far den dauernden Aufenthalt der Menschen. Sie erschüttern 
das Gemüth und erheben den Geist; aber die Seele musste bald erliegen 
der gewaltigen Wucht dieses Eindruckes. — Die höchsten Regionen mit 
ihrer ertödtenden Einsamkeit sind wie die Arzeneien; zur rechten Zeit 
und massig gebraucht erkräitigen sie, geben dem Kranken die Ge- 
sundheit wieder; aber als tagliche Kost würden sie auch den Gesünde- 
sten krank machen. 

112 

Bergbau der Älpea. 

Die Alpen erfreuen sich unter allen Ländern nicht nur des Kaiser- 
reiches, sondern des ganzen Erdballes des reichsten Bergsegens. 

Sie erzeugen (dem Wer^he nach) ein Drittel der Bergprodukte des 
Reiches, und während in. den übrigen Landen ein Bergsegen von 8450 G. 
und von O-? G. auf die Meile und den Bewohner erfiiessen, ergeben sich 
in den Alpen statt dem 6930 G« und 2*» G., also etwa drei mal so vieL 

Aber nirgends gilt das Sprichwort: »Nicht Alles ist Gold, was gleasst*^ 
so sehr, als eben beim Bergbaue. Nicht das kostbare Gold und das Silber 
sind es, welche diesen reichen Segen spenden, sondern gerade die ge- 
meinsten Bergerzeugnisse, nämlich das Eisen und das Salz. — Das Eisen 
liefert 6'/t Millionen Ertrag, und somit die Halbscheid des montanistischen 
Volkseinkommens, das Salz 3 Millionen, also ein weiteres Viertel; so dass 
alle übrigen Produkte zusammengenommen nur erst das vierte Viertel aus- 
machen. Unter diesen letzteren sind noch von Bedeutung: Quecksilber, 
Blei, Steinkohle und Kupfer; Gold und Silber schaffen kaum das Einkom- 
men von 70 Tausend Gulden, also nur ein halbes Prozent des ganzen 
Bergbauertrages, 



»5 

Dia rddio Bifeneneuf aD|; ifll bagrftndet einerseits in dem Ueber- 
fl^BBe Tortrefflicher Eisensteine nnd andererseits in dem gössen Waid- 
reiclithome der Gegenden, in welclien diese Steine eben vorkommen, Steier- 
mark mit seinem anbezahlbaren Erzberge, und Kärnthen mit den soge- 
nannten Eisenwurzen ragen bierin fiber Alles hervor. Aus ersterem allein 
schon erschmilzt man j&hrlich 550,000, und aus dem letzteren 400,000 Ztnr. 
des trefflichsten Roheisens, aus einem Erze, das nur etwa steinbruehartig 
(also mit den geringsten Kosten) gewonnen werden darf, und Cbei ausge- 
zeichnetem Betriebe) kaum 9 — It Raumfuss Weichkohl (auf den Ztnr. 
Eisen) erfordert 

Den reichen Salzban dankt man den ausgiebigen Salzlagem Ober- 
östreichs, Salzburgs und Nordtirols, aber nicht minder auch dem dortigen 
Wiiderreichthume, der die ungeheuren Holzmassen abgibt, die dort uöthig 
fallen , um die Salzlauge zu verkochen (eine Klafter auf 81 Ztnr. Koch- 
salz.) — 

Auch die übrigen Metallschmelzen danken ihren Flor mehr oder we- 
niger dem Walde, nur der Steinkohlenbau steht in dieser Beziehung 
ganz unabhängig da; im Gegentheil tritt er immer ausgedehnter für den 
Waid selber auf, der Volkswirthschaft jenen Theil des Brennstofies lie- 
fernd, welchen die Forste heutzutage nimmermehr abzugeben vermöchten. 

Wie enge Eisen- und Salzerzeugung an die Forste geknQpft sind, 
geht am besten daraus hervor, dass erstere dermalen bei SU Millionen 
Raumfusse Holzkohlen d. i. nahezu eine halbe Million Klaftern Holz und 
ebensoviel Joche Forst braucht^ und letztere gegen 80 Tauaend Klaftern 
Hotz und Joche Wald; wobei nicht vergessen werden darf, dass Mineral- 
kohlen und Torf zwar sehr wohl beim Salzsieden, nicht aber bei der 
Roheisenerzeiignng verwendet werden kdnuen« 

Die folgenden Tafeln mögen den Umfang, die Einzelheiten und den 
▼4dk«wirthschaftlichen Ertrag des alpiniscben Bergbaues andeuten. 

Sie enthalten zwar nur die Ergebnisse d. J. 1M8; da aber der Berg- 
bau der einzelnen Jahre keinen wesentlichen Schwankungen unterworfen 
ist, so dürften sie den gegenwSrtigen Stand desselben immerhin, darstel- 
len können. 



t56 



Bersbaa-BraeiiciiiiiP Aes Jahres 1848 





Unterst- 


Oborjitt- 












reich 


reich 


Salibug 


Sttforaark 


Tirol 


Ilntlhfli 


Gold • . • . 


Ai^dMJt 


AlpeiliNa 










Zentner 




_ 


. 


Ö.f7 


0.0S6 


o.,i 


0.« 


Silber . • . 


— 


— 


1.43 


2. ip 


3.« 


0.0» 


Quecbiilber . . 


— 


-* 










Kupfer . . • 


— 


— 


1.400 


610 


2.200 


— 


Ziok .... 


-. 








470 


4.300 


— 


Zinn .... 


.^ 





.._ 








— 


Roheisen . • . 


22.000 


— 


32.000 


863.000 


49.000 


689.000 


Gusfleisen • • 


^ 


„— 


2.300 


20.000 


7.300 


18.000 


Alaun. . • • 


700 


.. 


20 


900 


— 


— 


Eisenvitrioi . . 








600 





.~ 


— . 


Kupfervitriol • 


— 


— 


— 


600 


— 


— 


Antimon . . . 


— . 


— 


600 


-» 


— 


180 


Kobalt . . . 


.» 


... 


-^ 


260 


— 


.» 


Blei .... 











.. 


2.100 


63.600 


Bleierze . . . 


— 


— 


.— 


— 


— 


— 


Giette • • • 


.^ 


— 


-^ 


«. 


60 


— 


Gallmei . • . 


.. 


«» 








4.900 


00 


Zinkblende . . 


.. 


— 


500 


.. 


60 


— 


Schwefel • • . 


» 


— 


1.000 


30 


_ 


40 


Araenik • . . 


_ 





_ 


^ 





— 


Grafit. . . • 


200 


— 





240 


_ 


1.000 


Steinkohlen . • 


1.113.000 


220.000 


2.000 


847.000 


62.000 


678.000 


Steinaala • • 


.. 


6.400 


— 


2.700 


300 


— 


Meeraals. • • 


— 


— 


263.000 


~. 


— 


— 


Sudaals . <, ^ 

1 Zentner 
Summei 


— 


806.000 




228.000 


241.000 


— 


1.136.000 


1.033.000 


303.000 


1.964.000 


373.000 


1. 200.000 














IGeldwertli 


261.000 


1.630.000 


790.000 


3.903.000 


920.000 


2.S68.000 



Rfickaiehtlich dea Reichea iat die Erzeuiping der Kronlünder Ungarn » Siebes- 
bürgen, Kroatien, Slavonien und Serbobanat dem J. 1847 entnommen worden. 

Sammtliche Angaben aind genau, mit Ausnahme Jener Ober die EiaenerxengUBf 
dea Reichea y indem hierfiber Ana Ungarn und dem Serbobanate nur unvollaUlDdige 
BeHchte einliefen. 

Die Erzeugniaae aind nach den Preiaen bewerthet, um welche aie durchachallU 
lieh wirklich verkauft wurden. «— Nur beim Salz wurde von den inlindiachen Ver« 
kaufapreiaen ganz abgeaehen , weil aie Monopolpreiae aind. Statt dieaen Iat daa Mit- 
tel aua den höchaten Preiaen genommen worden, um welche die Regierung daa Salz 
Ina Aualand verkauft (60 kr. daa Stein-, 2 G. 16 kr. daa Sied -, und 1 G. 65 kr. daa 
Meeraalz), und jenen, weiche aich herauaatelien , wenn aie bloaa die geaammten Ko- 
aten der Erzeugung und dea Verachleiaaea rückaichtüch Stein- und Sud-, und jene 
dea eigenen Einkanfea rfickaiehtlich dea Meeraalzea vergütet haben wollte (42 kr., 
1 G. 46 kr. und 23 kr« aUtt 63 kr.) Die in aolcher Weiae abgeleiteten Preiae aiad 
Jene, welche daa Salz wahracheinlich bitte, wenn ea kein Monopol wfire; aie atehen 
in genauem Verh&ltniaae zu den Erzeugungakoaten der vemchiedenen Salzgattungea 
(22 kr. beim Stein-, 66 kr. beim Sud-, und 28 kr. beim Meeraalze), und würden der 
Regierung immer noch einen Reinertrag von etwa einer Million Gulden oder 16 Proa. 
der Regieaualagen alcheratellen. 



«67 



tai leBtaem md Golden Geldwerth. 



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8.220 

1.663.000 

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1.600 

12.220 

1.100 

180 

750 

66.670 

50 

7.260 

50 

1.060 

1.000 

1.440 

3.267.000 

10.400 

1.540.000 



72841 

4719 

260 

47 

10 

63 

3 

6 

6 

14 

6 
33 
10 

7 
10 



32.^00 

35.000 

760.200 

387.000 

88.000 

6.171.000 

876.200 

10.600 

16.200 

15.600 

1.300 

25.100 

732.600 

500 
2.400 
30 
5.000 
0.500 
2.200 
486*500 
6.000 

3.080.000 



2 

1 
77 
13 
32 


56 
13 

6 
31 
20 

4 
21 
67 




24 
100 

4 
70 

4 
20 

Vi 


71 



27V^ 

6101/, 

3.740 

60.200 

26.000 

800 

•017.000 

434-000 

25.400 

40.000 

5.400 

4.300 

3-600 

70.400 

16.500 

39.600 

30.000 

50 

26.000 

1260 

37.000 

.761.000 

.214.000 

563.000 

.166.000 



2.724000 

2^927.000 

974.000 

2.844.000 

276.000 

46000 

11.063.000 

2.712.000 

166.000 

52.000 

76.000 

36.000 

121.000 

623.000 

122.000 

337.000 

13.000 

30 

144. 000 

12.000 

59.000 

2.514.000 

2.464.000 

647.000 

4 332.000 



6.662.000 



25 



27.150.000 



228.000 12.210.000 



12.210-000 



34 



35.500.000 



35.500.000 



Roliertrac (TollLseinkoiiiiiieii) des Rergbaaes 

der Terschiedenen Lkndergrnppen des Reiches. 







Idl« 


ÜBWoHier 


Rohertrag 

dea 
Borgbaiea 

AM« 


TomBergbaae 1 

CiMm II 


Alpenlaade 


•if 4n 

Itfle 


•■fiel 


2060 


6.320.000 


12.210.000 


6930 


8-3 


MordwestUnde • . 




1646 


8.048.000 


7.301.000 


4490 


0.9 


MordosUande . . < 




1650 


5.331.000 


2.640.000 


1640 


0.5 


Oatlande • 




3734 


10-220-000 


0.556.000 


2560 


0.9 


Siebenbflrfen . . . 




»55 


2.194000 


2.470.000 


2500 


l-i 


SfidosUande • • 


» • 


012 


2-063.000 


260.000 


260 


O.t 


Italiaehe Ebene . . 




480 


3.620.000 


— 








SttdUche Karatlande. 




309 


731.000 


667.000 


2220 


0.» 


11600 


37.600.000 


36.500.000 


3060 


0-9S 



17 



K» 



113 
Steinkohlen. 

Die ung^emein rasche Steigerung der Holzpreise hat den Steinkohlen- 
bau auch der Alpen in neuester Zeit in hotien Flor gebracht , denn sie 
zwang die Industriellen, diesen Brennstoff in grösserer Ausdehnung an 
Holzesstatt zu verwenden, vermehrte also ausserordentlich die Nachfrage, 
sie gestattete eine weitere Verfuhrung dieser Kohlen, und sicherte den 
Kohlenwerken reichlicheren Ertrag. 



Steinkohlenerzeagaiig der Alpen. 



UnterSstreich • 


i8«0 


1840 




1849 1 


Taueode 

TfB 

Zeitien. 


Sdnran- 
UUe. 


Braoi- 
Keye. 


ZuaaoimeD. 


SehwtR- 
Kehle. 


Iran- 

leUe. 


1 

ZaaammeD | 


Tanaende von Ztrn, 


Zihlder 
Werie. 


Zahl 4er 


"pausende von ZtrD.I 


W.o 


207., 


8I3.5 


1.020.7 


14 


266.0 


857.0 


1118.0 


16 


Oberöatreich . . 


lO.o 


O7 


62.4 


63.1 


4 


0.5 


241., 


2'i2.o 


7 


Steiermark. . . 


390.0 




631., 


631.9 


23 


3.0 


847.0 


847. 


40 


Tirol 





— 


62., 


52., 


1 


— 


62-0 


62.0 


2 


KSrDthen . . . 
KraiD .... 


2.0 



— 


251.6 
70.4 


261. tf 
70.4 


4 

1 


— 


J760.O 


760. 


12 


Veneaien . • . 


3.S 


— 


57., 


67.g 


2 


-^ 


71.0 


7I.Ö 


Z 


Lombard ie . . 
AlpeD. 





— 


6«., 


«S., 


i 


— 


196 


195.0 


2 


454 


208 


1.908 


2.116 


60 


260 


8020 


8280 


80 




^^^^^^^^^^ 










^maam 


i 


^^^^ 





Die Brennstoff verbrauchende Industrie der Alpen verdankt den Auf- 
schwang, welchen sie in neuester Zeit gewonnen hat, gröostenliieils den 
Steinkohlen^ ja man kann fftglich behaupten, dass sie ohne diese nicht ein- 
mahl in der Ausdehnung der früheren Jahre fortbelriebeai werden könnte, 
was in der Abtbeilung „Forste'' noch näher auseinandergesetzt wer- 
den wird. 

Von grossem Einflüsse aber auf die Volkswirtbschaft der Alpenlftn- 
der bleibt es, dass alle Kohlenbaue nur in den Vorbergen vorkommen, ond 
dass die eigentlichen Hochbeirg^ und insbedondere der Hauptstock der 
Alpen völlig kohlenlos sind. 



S5i 



KoU-PTi^ise. 



Jeder Zentr. kostet 
an der Grube 
Kreuser 

fikb«rarakoble B rannkoble 



Unteröstreich 
Oberöfttreicfa 
Steiermark 
Kariithen • 
Krain 
Tirol . . 
Lotfibardie 
Venedigs • 

Alpen . 



85 
85 

80 



80 
18 
11 
8 
6 
16 
11 
17 



84 



li 



■Itskrafit der Kohlen. 

Biner Klafter Weicbholzes kommen 
gleich t Z<*niner 

Schwarzkohle unter öster- 
reichische • . . 9—10 
beste steiriacbe von 
Loeben, Eibiawald 
Fuhnadorf • • 9—18 
Braun- Jmittlere ans 
kohle. \ Unter&streich . 14—15 
Lignit (bitnminöa. 
Holz) Glockniz 
Zillin^rad. Neufeid 15—80 

Mittel der Alpen 14 



Die in den Alpen erbauten Steinkohlen ersetzen daher 834.000 Klaf- 
ter Weichholz, leisten also die Dienste von eben so viel Jochen Forst 

Die Steinkohle hat nun geg'enuber dem Holze jedenfalls das für sich, 
dass sie nur halb so viel wiegt^ als das Holz gleicher Hitzkraft, sich also 
auch zu Lande etwa doppelt so weit vom Erzeugungsorte weg verfuh- 
ren lässL 

Hingegen lässt sie sich nicht wie dieses triften; es kann also für 
sie auch nicht diese wohlfeilste all^r Bringungsarten angewandt werden, 
fdn Transport, durch weit'hen es öfter gelingt« das Holz ungeachtet sei- 
ner Schwere wieder doppelt so weit zu bringen, als die Steinkohle. 

In sehr bedeutendem Nachtheile steht aber die Mineralkohle in Ver- 
gleich mit dem Holze dadurch» dass sie nur an wenigen Orten erbaut 
werden kann, während Holz auf allen Punkten der Alpenlande erzeugt 
wird. Die Forste sind allenthalben über die Alpen zerstreut; die Stein- 
kohle hingegen kommt in den eigentlichen Hochbergen gar nicht vor, 
und selbst in den Vorbergen nur an 38 Orten in beträchtlicher Menge. 
Der Mineralkohlenreichthum kommt also in der Regel nur dem nicht sehr 
ausgedehnten Umkreise der 38 Hauptbaue zu Guten, und nur das Erzeug- 
niss jener Baue, welche in der Nähe der schiffbaren Ströme, also in 
den Alpen nahe der Donau — gelegen sind (wie die meisten unterösterrei- 
chischen Gruben) kann stromabwärts sehr wohlfeil und somit auch 
in sehr ferne Gegenden gebracht werden. 

Thatsächlich verdoppeln die Transportkosten den Steinkohlenpreis 
beiläuGg: bei Flössung nach 88, bei Verschiffung nach Thal bei 14, bei 
Eisenbahnverfrachtung nach 11, und beim Axtransporte gar schon nach 
10—7 Meilen Fracht 

Ueberdiess zieht die Verfrachtung der Mineralkohle je nach der Be- 
schaffenheit derselben und des Transportmittels einen Schwand von 8—10 
Prozenten nach sich; und Steinkohlenvorräthe müssen in der Regel unter 
Dach gehalten werden, während Brennholz im Freien gelagert wer- 
den kann. 

17 ♦ 



MO 

Endlich hat anch die Steinkohle bei Weitem nicht den G^ad der 
Verwendbarkeit des Brennholzes und der Hohkohle; zur Schmelzung^ 
der Metalle kann sie nicht verwendet werden, und selbst zur Umwand- 
lung des Roheisens in Schmiedeeisen fordert sie eine völlige Umsraltung 
des Huttenbetriebes; ihr Schwefelgehalt macht sie minder tauglich zur 
Heitzung der Dampfmaschinen, ihr starker Aschengehalt schadet ihr bei 
anderen Prozessen, und in den Haushaltungen wird sie ewig tief unter 
dem Holze stehen. 

Das Alles muss berücksichtigt werden bei der Beurtheilung der 
Mineralkohle ah» Ersatzstoff des Holzes und der Holzkohlen. 

Gleichwohl steigt der Verbrauch der Steinkohle von Tag zu Tag. 
Die Industrie sinnt alle Mittel aus, um durch ihre möglichste Verwen- 
dung den eigenen Betrieb weiter auszudehnen und zu verwohlfeilern , 
wozu sie durch die aussergewöhnlich steigenden Preise, ja durch den 
theilweisen wirklichen Mangel des Holzes auch aufs Mächtigste gespornt 
wird ; und so kann man denn der Mineralkohle auch in den Alpen eine 
rasch wachsende Ausbeutung voraussagen. 

Man wolle sich aber nicht täuschen und dieserwegen auf ein Her- 
abgehen der Holzpreise hoffen; die Mineralkohle wird neben dem Holze 
kaum hinreichen, den wachsenden Brennstoffverbrauch zu befriedigen; 
die Mineralkohle wird die Fortfuhrung des jetzigen Industriebetriebes und 
seine noch weitere Ausdehnung ermöglichen, sie wird uns vor vollends 
unerschwinglichen Brennstoffpreisen bewahren, aber Holz- und Steinkob- 
lenpreise werden im Allgemeinen nicht fallen, sondern noch fortwährend, 
weun gleich massig steigen. 

Dazu wirken die Steinkohlengrubenbesitzer auch mit, denn sie 
fahren mit ihren Preisen jenen des Holzes kläglich nach. 



(01 



11* 

Industrie. 

Wertli der Indastrieerjseugnifi^fi^e 

(VolkseinkommeD aus dep Gewerben.) 

der verschiedenen Ländergrappen des Kaiserreiches. 

Beiliu6gpe Angaben nach den Tafeln der k* k. Direktion der administ. StatiaUk« 



Vnteröatreich, Alpentheil 


Geldwerth d* Kneng. 


Landes- 
i&€lie. 

Meilen, 


Bewohner. 
Zahl. 


Gewerbsein- 
kommen 
auf Jede 


rabrikiD. 


UiiMie fiewirk 

mwvnra» ■vciwiapi 


Millionen Gulden. 


Meile 


Kopf 


18 


61/, 


24% 


173 


646.000 


142.000 


46 


Salzbarg y Alpentheil 
Oberöfitreicha . • • 


121/, 


7 


191/, 


240 


624.000 


81.000 


37 


Steiermark • . • . 


15% 


9 


2ii/, 


391 


1/023.000 


63.000 


24 


Kärnthen und lürain . 


16% 


8% 


24 


353 


796.000 


68.000 


30 


Tirol 


18 


8 


26 


492 


864.000 


54.000 


30 


Bergland der Lombardie 
u. Venezlena dann Görz 


35 


20 


55 


412 


1/570.000 


133i000 


36 


iW/i 


69 


173% 


2060 


5/320.000 


84.000 


33 


Nordweatiande • . . 


246 


84 


330 


1646 


8/048.000 


201.000 




Nordoatlande • • . 


40 


16 


56 


1560 


6/331.000 


36.000 




Oat- und SQdoatiande • 


87 


76 


163 


5601 


14/497.900' ^ 


29.000 




luliache Ebene . . . 


106 


60 


156 


430 


3/620.000 


360.000 




Karatlande .... 
Kalserrelcli . . 


7Vs 


5 


12% 


309 


731.000 


40.000 




600 


290 


890 


11.600 


37,600.000 


77.000 


23% 



Der sehr theure Tagelohn , die mit ihm in V^bindung stehende 
Dünne der Bevölkerung, dann auch die Schwierigkeit und- somit Kostbar- 
keit der Transporte, sind in den Hochbergen der Industrie nichts weni- 
ger als günstig. Daher bestehen dort auch (mit der alleinigen allsogleich 
erwfthnten Ausnahme) fast gar keine Fabriken, und nur die gewöhnlichen 
Kleingewerbe werden allenthalben betrieben, aber selbst diese nicht im- 
mer in der Ausdehnung der übrigen auf gleicher Entwicklungsstufe 
stehenden Kronländer. 

Nur ein Haupts weig der Industrie steht in den Alpen in grösster Blüthe, 
d. i. die Verarbeitung des eigenen Metallreichthums in Halb- und Ganz- 
iabrikate. 

Der ungeheure Relchthum und die verhältnissmässige Wohlfeilheit 
des von diesen Industriezweigen in grosser Menge geforderten Brenn- 
stolfes; dann das Vorhandensein des rohen Metalles und selbst der lieber- 



te9 

fluM an Wasserkraft sind diesen Gewerben so günstig, dass sie an- 
standslos die hohen Tagelöline bezahlen können, und dadurch sehr we- 
sentlich das Volkseinkommen dieser Berge erhöhen. 

Von sonstigen Gewerben spielt in den Hochbergen nur etwa noch 
die Holzwaarenerzeogung eifte Rolle, denn Anr diese liefert Einiges in 
die Neb(*.nländer und selbst ins Ausland. 

Anders ist es jedoch am Fusse der Alpen. 

Wie hier Land und Leute überhaupt immer mel.r das Gepräge der 
angrenzenden Flachländer annehmen, so auch in der Industrie. Darum 
zahlen auch die Vorberge schon zahlreiche Fabriken jeder Art, die nörd- 
lichen insbesondere Baumwoll- und Flachsspinnereien und Webereien, die. 
südlichen Seidespinnereien und Manufakturen. 

115 

Eisenindügtrie der Alpen. 

Halbfabrikate des JT. 1941 





lausende ?ea Zentnern. 


Geldwertb 
dieser 


Stabelaen 1 






Stahl 








1 


Vfein- 


Schvtn- 








Zus. 


Waaren: 
Gulden 


UalerÖAtreich 


Gew. 


Will. 


Wieli. 


W«A 


leMl- 


Gh. 


Simk- 


Girb- 


Bik- 


80., 


10.5 


- 18., 


— 


2.5 


— 




••4 


107 6 


1/OO0.2OO 


Oberöttreich 
























Salzburg 


Ö2., 


6-0 


•* 


10.9 


— 


— 


— 


— 


20.3 


8S.4 


759.500 


Steiermark . 


305.6 


22.0 


1.0 


42.0 


— 


0.7 


3., 


2Ut 


70. „ 


• 440.4 


4,221.400 


üaratbeD 


182.9 


71.3 


0., 


*.4 


— 


0.7 


19., 


— 


«8.« 


436.5 


2/147 jm 


Krain • 


«7.6 


— 


— 


— 


0.. 


— 


19.5 


— 


3., 


51.« 


454 000 


Tirol . . 


37. e 


— 


— 


— 


— 


0.« 


*— 


0^ 


'.« 


46.3 


447.700 


■Lombardie 
Alpen. 


101.« 


3.0 


— 


— 


1.0 


" — 


— 


U 


— 


104.. 


1/089.000 


788., 


112.8 


l.« 


76.4 


li 


4.1 


W.3 


»2-3 


13S.7 


1009.9 


10/177.300 




§earb 


Ditetes 


Darans ( 


mengte 


Itakaraei 

au der I«lb- 
fUrikatioB. 


TenrendeU 




Roke 


isen. 


Halbfal 


irlkate. 


bUta. 


Tausende 


Werth 


Tausende 


Werth 




Tausende 




von 


in 


von 


in 


Gulden. 


von 


Unteröstreicb 


Zentnern 


Gulden. 


Zentnern. 


Gulden. 






128.$ 


385 600 


107. s 


1,060.200 


674.700 


7215 


Oberöstreicb 














Salzburg 


100.8 


3.35.300 


83.4 


757.500 


422.260 


6098 


Steieroiark . 


642.4 


1^8.000 


440.4 


4;»1.400 


2^13.400 


17891 


KSrnlhen 


3W5 


990.300 


236,$ 


2447.500 


1/157.200 


11415 


Kraln 


68.0 


190.400 


61. s 


454.000 


263.600 


3011 


[Tirol . . ^ 


61.9 


206.500 


46.3 


447.700 


241.200 


1784 


Lombardie 


130., 


433.700 


104., 


1,089.000 


655.300 


5010 


Alpen 


1.381.0 


4/349.700 


1069., 


10/177.300 


5,827.600 


42424 





Kohtoaaiifwaad auf JedMi Zentner Waaro. | 


Unter- u. Oberöatreich 




Raumfusae. 




RthMiea. 


Priidi- 
eitel. 


Stnek- 
liiao. 


Raiutabl. 


fiirbeitaU 


Ziiaammen. H 


Biber- 
wagoDfr 


Rafliii. 
mag. 


Sinaei. 


















Steiermark. . . . 


16-20 


30-36 





39—42 


23 


18V« 


40 


59 


Kärothen .... 


18 


35 


9V, 


45 


— 


18 


48 


66 


Krain ...... 


18 


'16 


12 


48 


— 


18 


58 


76 


Tirol 


17 


36 


4% 





46 


17 


89 


56 


Lombardie 


16 


35 


9 


— 


— 


16 


48 


61 


Salzburg 

Alpen Ina niftel . 


23 


47 


V/t 


— 


— 


23 


Ö4«A 


77 


19 


35 

t 


9 


40 


2^ 


19 


40 


59 



Clansfabrikate des J. 1841. 



IMerdOreleh . . . 
Oberöatreich, Salzburg 
Steieriaark «... 

Kärnthen 

Kr^in . . . . . . 

Tirol . . . . . 

Lombardie .... 

Venedig .... 

Alpen* 


lausende Tan Zentnem. 


Geld- 
werth 
dieser 
Erzeug- 
nisse. 
Gulden. 


Tirrea- 

4tlt 
Kohlen 
Taateade 

tea 
Raum- 
fussen 


.SeDfeaT 
SidielB, 

Strili. 

■eiser. 


PfulM 

nd 

KtKd. 


Ditkt 


N«gd. 


SeBfü'fei 


Zai. 


14.4 
87., 
8«, 

«.» 
1.« 

*.o 
1-8 


U.4 
t-, 
0.» 
1.4 
4.. 


27., 
10.4 

8* 
0.4 


9.0 
0.8 

4.0 

2.5 

lO.o 

lÄ.o 
3.0 


lO.o 

40.0 

. l-o 

2.0 

6.0 
3.0 

5.0^ 

1-0 


75 
80 
36 
17 
21 

8 
22 

4 


t/800.000 
1,600.000 
800.000 
300.000 
25#.00O 
350.000 
50^.000 
200.000 


4.000 
4.000 
3.300 

900 
1.600 

800 
2.000 

300 


79.5 


21., 


60-, 


44.3 


67.0 


263 


5,800.000 


16.800 



Diegeaammte Elaenindnatrie fordert dah,er einen Kohlenaufvi^and von ettva 
60 MillfO^en Raumfiisaen, zu deren Erzeq^ung gegen eine Million Klaftern 
Holz nothwendig fallen. Berückaicktigt man aber, daas auch 310.000 Zentner 
mineralische Kohle und Torf verwendet worden sind, ao erglebt sich das Holz- 
erfofdefiilBa Ton bloaaen 970.000 Klaflem. 



.0er WeHIk der zum achlieaalichen (anderweitigen) Verbrauch« kommen- 
I3en Erzeugnisse der Eisenindustrie dfirfte etwa auf 12Vs Million angeschlagen 
werdeft--k&n«ea , und da das hiezu verwendete Roheisen gegen 4% Million 
werth ist, so wird daa Volkseinkommen durch weitere Verarbeitung des Roh- 
eisens um eVwa 8 Millionen Gulden erhöbt. 



Seit 1841 hat die Eisenindustrie neuerdings bedeutenile Fortsdiritta 
gemacht^ sie dürfte beute gleich der Eisen-Urproduktion gegen ein Drittel 
mehr erzeugen; wonach die obigen Hauptdaten durchaus erhöht werden 
müssen. 

Hiezu ist aber zu bemerken , dass der Brennstoffverbrauch (auf den 
Zentner) Dank mancher durch die steigenden Kohienpreise hervorgerufe- 
ner Betriebsverbesserungen geringer geworden ist, und dass auch die Ver- 
wendung der Miueralkohlen und des Torfes bedeutend zugenommen hat, 
so dass die von der Eisenindustrie dermal verbrauchte Holsmasse Eine 
Million Klaftern nicht sehr viel übersteigen dürfte. 

116 

Seidenban un« Seidenindiutrie. 

Der reiche Segen, welchen der herrliche Seidenbau über die öster- 
reichisch-italischen Lande ausgiesst, flUlt auch über den ganzen Südabfall 
der Alpen. 

Dieser erzeugt folgende Menge GaletCen : 

Hodiboir|o Torfcergo 

Zentner 



Südtirol 

Lombardisches Bergland 
Venezianisches Bergland 
Görz 



1^.600 


15.400 


90.000 


6.000 


stooo 


88000 


3-500 


54.500 


860M 


— 


tooo 


«WO 



SfidAb- i Ganze Galettenerzeugung S4100 153.900 178.000 
fall der ^Meilen- Fläche 333 Stt 557 

Alpen. ^Erzeugung einer Meile • 7% 700 380 

Da der Werth eines Pfundes Galetten zwischen 48 Kr. und 1 Gulden 
schwankt und im Mittel vielleicht auf 54 Kr. angenommen werden könnte, 
so gibt der Seidenbau der Südalpen die ungeheure Rente von ]• MilKo- 
nen Gulden, oder auf jede Meile Landesfläche in den Vorbergen 63.000, 
in den Hochbergeu 7000 Gulden. 

Hlevou entfallen etwa 46 Prozente auf die Kosten der Blätter und 
54 auf die Raupenarbeit. 

Der Ertrag des Seidenbaues vertheilt sich auf die Meile Landes bei- 
läufig wie folgt: 

Hocilorgs /^rtsifs^ 

Gulden 
Reute der Maulbeerbaume (Werth des unfesammelteii 

Laubes) • . . . . C.660 BS.900 

Laubsanunlungskosten . . • 560 5.100 

Raupenarbeit 3.780 34.000 

7.000 63.000 



Dft wach die lUapennrlmt vom Landwirthe verrichtet vrird, bo kommt 
e^entlieh die ganze Seidenbaurente der Feldwirthechaft zu Oate» und da 
die Maolbeerliaamsacht nur eine ganz unbedeutende Arbeit erfordert, so 
bleibt davon mehr ab ein Drittel als reiner Grunder trag zurück; was 
AUes beweist» welch' unerschöpfliche Quelle des Reichthums durch den 
Seidenbau erschlossen wird. 

Das österreichische Italien verdankt unstreitig seinen ungeheuren 
Reichthum hochüberwiegend eben dem Seidenbaue. 

Im richtigen Verständnisse dieser Thatsache mehren sich von Jahr 
zu Jahr die Maolbeerbaumpflanznngen» und man steigt mit ihnen immer 
höher und höher in die Vorberge hinauf; denn, ist auch der Ertrag hier 
ein iTreit geringerer, so bleibt er doch noch immer gross genug, um dieser 
Kultur, gegenüber allen übrigen Bodenbenutzungen, gewichtige Vortheile 
zu sichern. 

Leider setzt die Rauhigkeit des Klima's der Hochlagen endlich der 
Maolbeerbaumzucht ihre Grenzen. Der Winterfrost friert die Zweige 
anfaBg» auf die erste und zweite, und endlich auch auf die vierte und 
f&nfte Knospe zurück ab, und hier brechen selbst am Schafte schon Frost* 
beulen auf. 

An den grossen Vortheilen der Maulbeerbanmzucht hat ausser der 
Milde des Klima's auch die weit grössere Reinheit des südlichen Him- 
mels einen sehr gewichtigen Antheil; denn weil sie die Wirkung der 
Sonne betr&chtlich verstärkt, so mildert sie auch in gleichem Masse die 
Nacblheile der Beschattung, wesswegen denn hier die (in die Felder ge« 
pflanzten) Maulbeerbäume den Kömer-, Frucht- und Grasertrag bei wei- 
tem nicht in jenem Grade vermindern , wie das im Norden unausweich* 
Hch der Fall sein würde. 

Dieser ertragreiche Seidenbau begründet auch die dankbare Seiden- 
hasplerei und Spinnerei. 

Obiger Galettenertrag der Südalpen dürfte an Rohseide abwerfen : 
JeatosT^ Yorth In Mdea 

Vom Zentner Im Ganzen 

Rohseide • 14.950 1.S50 18.700.000 

Abfalle . . . S.S50 kk 100.000 



17.200 18.800.000 

so dass die Seidenhasplerei etwa 8. & Millionen Gulden eintragt. 
. Durch die Spinnerei wird der Werth des Zentners Rohseide um 
150 Gulden erhöht, daher denn der Seidenbau der Südalpen ein weiteres 
Einkommen von C.ss Millionen in der Spinnerei begründet. Thatsachlich 
ist dieses aber grösser, weil dort auch sehr viel Rohseide aus der Ebene 
versponnen wird. 

Man dürfte das gesammte Volkseinkommen, welches die Seide« bis sie 
endlich an die Webereien oder an den Handel abgegeben wird, den Süd- 
alpen liefert, auf 2t Millionen Gulden anschlagen können* 



An ier Verarbeitung der gefirponheDen SeMe sn GanzfUbrikaten nimmt 
nur Como einen hervorragenden Antheil: ea erzenst um f.« Millionen Sei* 
denstoffe» Sonst sind noch Welachtirol und Görz nennenarweitb. Im Gau* 
aen dürften in den Sudalpen um 3 Millionen Seidenstofle eneugpi werden» 
wa« ein Arbeitaeinkommen von etwa 700.<Wd Gulden abwirft. 

117 

Holzwaaren - Industrie. 

Ich verstehe hier nicht jene gemeinen Holzwaaren, Welche mit Hacke 
und Sage erzengt werden, und in der Regel nur Halbfabrikate sind /son- 
dern die feineren Ganzfabrikate. 

Vor Allem sind hier die Kinderspielwnaren zu nennen, welche gan^ 
zen Gemeinden Erwerb geben und einen nicht unbedeutenden Handel be<^- 
gründen. 

Das tiroler Thal Gröden beschäftigt «500 Schnitzer und Dreher, 
welche jährlich 2S00 — 3000 Zentner Berchtesgadner Waaren im Werlhe' 
von. 100.000 Gulden erzeugen, wovon Vs ^<>^ Ausland abgesetzt werden.» 
Die grödner Schnitzerei fordert vorzugsweise Zirbenholz. — Auch in den- 
oberöslerreidiischen und aalzbnrgiscfaen Bergen beschäftigt die Holz- 
schnitzerei viele Leute und belebt den Handel. 

In den Sudalpen und in Krain werden für den Bedarf der welschen 
Bbene und btriens; Siebe (Buchenholz), WaJssergeschirreCTanneniioln nie 
buohenen Reifen), Peitschenstiele (Zirgelhofab), RegenschirniBtöcke (Jüchen- 
hob) und sonstige Klein^^Holzwaaren emeugt 

118 
Handel 

i: • • • ' ■ 

Abgesehen von dem inneren Waaren verkehre fthred die Alpenlande 
vor Allem ihre reichen Bergbauerzeugnisne und die aus ihnen gefertigten 
Waaren aus, dann Werk- und Brennholz, Vieh und einige Mflcherzeug- 
nisse, endlich Seide (aus'^clen Sudalpen). — Dagegen fuhren aie viel Ge- 
treide, Branntwein, Oel und Manufakturwaaren ein, indem sie^ diese nicht 
in hinlänglichem Masse selber erzeugen. 

Am grossen Handel mit dem Auslande können sie sich vermöge ihrer 
Lage bor wenig unmittelbar betheiligen , bloss Botsen macht hieritt Ge- 
schäfte. Dagegen nehmen sie wesentlich Theil am Speditionshandel zwi- 
schen Triest und Italien und d^tti Norden des Reiches, indem der grossd 
Triester Handelsweg nach Wien mitten dnrch Krain und Steiermark führte 
und die grosse veroneser Handelsstrasse mitten durch Tirol. 

Wie gross jedoch der Waarenumsatz sei, was er dem VoMtseinkom-' 
men liefere, vermag dermalen nochBßemand in bestimmter Ziffer ankugeben. 
' So viel iflt aber gewiss, dass die Alpen im österrelehischen Handel 
keine grosse Rolle spMen» 



Die Forste der Alpen. 



119 

WaldflildieB der Mpenlaiide. 



Hawptstock. 

Salzbarf. Hochberge 

Obersteier 

Nordlirol 

OberkarntJien .... 

Westebfiill. 

Vorarlberg .... 

Salzburg, Thalgau . . 
Unteröjitreicb. Alpentheil. 

0«t*bAiU. 

UnUralfler . • • . 
Unterkärnthen .... 
Krain 

Sadabfall. 

SOdtirol 

Venezlaniacbe« Bergland 
Lombardisches Bergland 
05rs ....... 


Fllfilie In MfiUeii: 


Bewohner. 


DleForstlllilM 

hetrigt Pro- 

seile ?om 


Anfjilfli 

jMk« 

WtM. 


4n 


km 

Mtü. 




Ui^ 


tr^htrca 
Uim. 


lÖO 

167 

280 

95 


77 

144 
160 

78 


30-6 
82., 
93.4 
34. 


83.000 
184.000. 
332.000 
t30.600 


30 
49 . 
34 
37 


40 

57 

58 
45 


s.. 

«•8. 


44 


37 


Wi 


107.000 


27 


• 
33 


i-.3 


25 
173 
115 


23 
167 
105 


»•6 
70.8 

47.4 


72-000 
546.000 
369 000 


38 
41 
41 


42 
42 
45 


«30 


223 

85 
174 


215 

82 
165 


94.5 

38., 
69.4 


830.000 
198.000 
468.000 


42 
45 
40 


44 
47 
42 




168 

173 

188 

51 


115 
116 
136 

46 


62., 

39 
54 
9* 


427.000 
565-000 
811-000 
194.000 


37 
18 
29 
19 


54 
27 
47 
21 


1-48 
0.« 
0... 
0.«, 


Ito« Alpenland versUelien ml« den ilbrisen ItAndersrappenll 

des HrlcHea. | 


\ Hauptfllock . 

Alpen- T Westabfall . 

land \ Wordabfall . 

J Ostabfall . 

f Sfidabfall . 

Im Ganzen . 
Ifordiveslianda .... 
Ilalifiche Ebene .... 
TVordostlande ..... 
Ostlande •....• 
SiebenbQrren ..... 
Sfld ostlande .... 
SMHche KaratlaBde , . . 

Halserreleb • • 


642 

44 

813 

482 
580 


460 
37 
294 
462 
413 


241 
12 
128 
203 
156 


729.000 

107.000 

982.000 

1.505.000 

1.997.000 


38 
27 
^1 
42 

28 


53 
33 
43 
44 
38 


iL" 

«•3 


2061 

1625 

430 

1550 

3734 

955 

912 

809 


1622 

1571 

413 

1365 

3090 

712., 

744 

296 


740 

463 

16 

429 

1036 

450 

295 

99 


5.320.000 
8.048.000 
3-620.000 
5.331-000 
10.220-000 
2.194*000 
2.083.000 
731.000 


37 
28 
4 
27 
28 
47 
32 
32 


45 
29 
4 
32 
38 
63 
40 
84 


»3» 
0.«, 
0-04 

«•« 

2-os 
l-4t 
»3. 


11.600 


9830 


3520 


37.600.000 


. 30 


36 


0.9* 



M8 

Ungeheuere Fl&chen der österreichischen Alpen sind dem Silvan ge- 
weiht Die Forste dieser Berge sind allein so g'ross» wie die 31 Gross- 
herzogthümer« Herzogthümer» Fürstenthumer und freien Stadtgebiethe des 
deutschen Bundes zusammengenommen. 

Mit Forsten von 45 Prozenten des tragbaren Bodens siqd die Alpen 
' die waldreichste Ländergruppe des Kaiserreiches. — Die auf gleicher Bo- 
denkulturstufe stehenden Nordwestlander « obgleich auch Gebirgslander 
und sehr wohl versehen mit Forst, haben gleichwohl nur 29 Prozente 
des tragbaren Bodens der Holzzucht gewidmet. Selbst die auf einer weit 
tieferen Stufe der Bodenkultur stehenden östlichen Länder, so wie die 
vernachlässigten Kärstlande bleiben hierin weit hinter den Alpen zurück; 
sie haben nur zwischen 3t— 40 Prozente. 

Bloss die wenig kultivirte Hochgebirgsprovinz Siebenbirgen steht 
über den Alpen; wobei aber nicht übersehen werden darf, dass ein sehr 
grosser Theil der von diesem Lande als Wald aufgeführten Flächen ei- 
gentlich nur Sehr vereinzelt mit Holz bestockte Weiden sind. 

Der hervorragende Waldreichthum der Alpen ist ganz in ihrer Na- 
tur gegründet. 

Die Flachländer erheben sich nirgends, oder nur in wenigen verein- 
zelten Punkten über jenen Höhengürtel, in welchem Acker- und Wiesbau 
noch Vortheile biethen; die Flächen, welche wegen Steilheit oder Fels- 
gründigkeit nicht hiezu taugen, sind weit kleiner, als der unumgängliche 
Landesbedarf an Forst, und so hat man denn der Holzzucht nur so viel 
Bodens vorbehalten, als nöthig ist, um einerseits den eigenen Bedarf zu 
befriedigen und andererseits der Industrie und dem Handel jene Holz- 
menge zuzuführen, welche sie noch um gute, d- i. um Preise zu bezah- 
len vermögen, welche den Waldbau vortheiUiafter machen, ak Acker 
und Wieskultur« Und weil letztere hier allenthalben dunkbare Erträge ab- 
werfen, so sind diese Mindest - Holzpreise verhältnissmässig bedeuUmd; 
m» beschränken also jedenfalls die Holzzucht. 

Ganz anders ist es in den Alpen. Hier erhebt sieb der grössere 
Theil des Landes hoch über den Gürtel des Acker- und Wiesbaues ; ja 
unabsehbare Flächen selbst noch über den um anderthalbtausend Fuss hö- 
her steigenden des Baurawuchses. In diesem letzteren Höhenstreif nun bat 
der Wald gar keinen Kampf mehr zu bestehen mit dem Ackerbaue , und 
nur die Sennerei könnte ihm dieses sein ureigentliches Gebieth streitig 
machen. Da er aber seit der Zeit, als überhaupt ein solcher Streit 
hätte beginnen können, meist schon mehr einträgt, als diese, so 
ist ihm denn hier mit wenigen Ausnahmen die unbedingte Herrschaft 
verblieben. 

Zu diesem ausschliesslichen Waldgebiethe gesellen sich dann noch 
jene bedeutenden Flächen der feldwirtbschaftlichen Region, welche wegen 
übergrosser Steilheit oder seichten und felsigen Grundes oder wegen 
gar zu schattiger Lage, dann zum blossen Schutze der darunterliegenden 
Gebäude (Bannwälder), als Wald belassen werden. — Diese Flächen 



sind zahlreich, denn die Alpen sind darchschmtdich weit «chroffer» als 
die sanften Berge des Flachlandes. 

Während in den wohlkultivirten Flachländern der heutige Wald« 
stand mehr nach dem Holzbedarfe hemessen ist und der Holzzucbt die- 
serwegen auch Flächen gewidmet bleiben, welche anter anderen Umstan- 
den noch ganz gut ak Feld genutzt werden könnten; ist der grosse 
Waldstand der Alpen nichts weniger^ als etwa in einem ursprünglich 
gleich grossen Holzbedfirfnisse gegründet, sondern man dankt ihn den 
der Feldwirthschaft ungüns^tigen Naturverhältnissen; der Waldstand ist 
hier gewissermassen ein gegebener und man sachte erst nach Ver- 
brauchsquellen f&r ibn und schuf sie durch Errichtung holzverzehrender 
Gewerbe, durch Eröffnung der kostspieligsten und scharfsinnigsten Aus- 
bringungswege. *) Es ist also hier in den Alpen, wie in den noch halb 
unknltivirten Flachländern; nur dafis hier der grosse Waldstand nur in 
dem ungünstigen Bevölkerungsverhältnisse liegt, mithin sich mit diesem 
gänzlich ändern kann, während er dort mehr naturnothwendig, also 
bleibend ist. 

Darum ist in den Alpen gewöhnlich auch aller Boden, der nur ei- 
niger massen als Feld verwendbar ist, auch als solches benützt, selbst 
30—35 gradige Hänge betreibt man noch als Acker, 35—45 gradige noch 
als Wiese, während man in den Flachländern die Abdachungen schon 
zu Wald liegen lässt, wenn sie nur zwei Drittel dieser Neigung haben. 

Die verschiedenen Alpengruppen sind auffallend ungleich stark be- 
waldet Mögen hierauf auch die bedeutend verschiedenen Bedürfnisse der 
Volks wir thschaft einen erheblichen Einfluss nehmen, so Kegt doch diese 
Verschiedenheit auch gutentheils wieder in den Naturverhältnissen. — 
Zweifelsohne ist die Bewaldung des HauptstoCkes auch darum eine so 
ungleich ausgedehntere, weil hier Luft und Erdwärme nach Oben zu viel 
minder rasch abnehmen, als in den Senkungen, somit also der Wald- 
region ein breiterer Höhengfirtel verbleibt — Unstreitig ist der Wald* 
stand des Nord- und des Ostabfalles der Alpen zum Theil darum ungleich 
grösser, als jener des Südabfalles, weil im ersten das Vorwiegen der 
schattigen nördlichen Abdachungen und im zweiten jenes der rauhen Ost- 
seiten dem Forste günstig oder unnachtheilig, der Feldwirthschaft hingegen 
ungünstig ist 

Vergleicht man überhaupt die einzelneu Bewaldungsziffem der obigen 
Tafel sowohl rucksichtlich des Prozentsatzes C^on der tragbaren Boden- 
fläche) als auch rücksichtlich der auf den Kopf entfallenden Waldmenge» 
so offenbart sich darin sichtlich eine Art Gesetz. Einige scheinbare Wie- 
dersprüche lassen sich sehr wohl lösen. Ober Steiermark z. B. ist un- 
streitig, darum viel stärker bewaldet, als alle übrigen Striche des Alpen- 



*} A n m e r k II D 1^. Ich will hier Dicht den bisher QblicheD Ausdrack : „absoluter 
WaJdboden*' gebrauchen, denn meines Erachtens gibt es eigentlich keinen 
solchen, da der schlechteste Waldboden noch svr Weide taugt 



htnptitocke«, weil dort die bHlheode EtseninditBtrie schon sdt ISßßgeret 
Zeit mehr Wald fordert, als die Feldwirdisdiaft sa beiaasen penei^ 
wire; Beweis an dem, dass in den dortige gössen Staatsforsten unter 
keiner Bedin^ng eine Rodong- g^estattet wird, dass Grewerken zahlreiche 
Biuemg^er aofgekanft haben, nm deren Grondstiicke vorzog'sweise cor 
Holzznefat f&r ihre Hfitten zn verwenden. Die welschen nnd besonders 
die venezianischen Alpen haben dämm verhiltnissmassig- weniger Wald, 
weil eine (.relativ) sehr dichte Bevölkerang- nm jeden Preis nach Grund- 
besitz, nach Feldern nnd Weide ringend, die dortigen unabsehbaren Gre- 
meindewSlder fiber die 6eb6hr angriff und sie unbedingt umwandelte, in- 
dem das der einzige Weg war, sich kostenlos in den Besitz dieser FH- 
eben oder ihrer Nutzung zu setzen. 

120 
F e 1 d k 9 1 X e r. 

Nicht ohne Bedeutung sind in den Alpen die Feldhölzer. 

Im nördlichen Theile begünstigt zwar das Klima keineswegs die Feld- 
wirthschaftliche Holzzucht; gleichwohl aber laden in den Kalkbergen die 
zahlreichen felsigen und steinigen Stellen der Felder zur Holzzucht ein, 
odw vielmehr, sie ergibt sich dort von selbst. 

Am unergiebigsten ist sie im Hauptstocke der Alpen, woselbst die 
Ungunst des Klima's gewöhnlich sogar die Obstbäume verscheucht 

Von einiger Bedeutung ist sie in den Vorbergen des Ostabfalles, 
woselbst die ausgedehnten Hutweiden sie begünstigen und der grosse Be- 
darf an Hackstreu den Landmann far sie stimmt. 

In namhafter Ausdehnung wird sie jedoch in den Südalpen betrieben ; 
woselbst die hohe Gunst des Klimans sie ohne wesentliche Beeinträchti- 
gung der Feldernte möglich macht und eine Unzahl schlechtkrumiger Stel- 
len sie von selbst hervorruft. Dort sind die meisten Weiden und selbst 
sehr viele Wiesen mit Holz bestockt; sei es mit Buschwerk zu Futter- 
laub und zur. Verzäuaung, sei es mit hochstämmigen Bäumen zur Nutz- 
holzerzeugung. 

Am Fusse der Südalpen treten dann noch die Unzahl lebendiger 
Hecken und die zahlreichen Alleebäume hinzu, dann die Stützbäume für 
die Reben ; die Maulbeer-, Kastanien-, Obst-, Oliven- und Lorbeerpflanzun- 
gen; selbst die Rebe wird dort baumartig; und so sind denn jene herr- 
lichen Gelände gleich der grossen italischen Ebene gewissermassen ein 
ununterbrochenes Feldholz. 



in 



121 
Holzarten der Alpen. 

naeheiiTeraaitiiimi der Haupt -WaldKattan^en. 

(Anoäbernde SaUea.) 



JLlpen 

Hauptfltock .... 
Weatabfall . . • • 
Nordabfall .... 

Ostabfall 

SQdabfall 

Alpen 


LavkwiUer 


Hfchwilder 


lUelwUddr 1 


Dtvioiiitner 
HiAwiM 


Ai« 


fiewfhnlielier 
niHnirira 


HMinfdd 


Niederwild fl 


Prozente des ganzen Waldstandes 1 


1 

9 

25 

6 


1 


6 
% 
2 

7 


4 
7 
9 
18 
2 


84 
7ft 
78 
50 
41 


6 

1 
10 


7 


— 


14 


9 


67 


3 



Die Holzart aller Hol^rteo ist in den Alpen dieFichte; in des 
eigentlichen Hochbergen bildet sie aosusagen alleiD alle Forste; was man 
hier schlechthin „Holz'' heisst», ist jederzeit Fichte- 

Dieser unschätzbare Waldhaum ist in diesen Hocbgebirgsforsten» wai 
der schlichte Landmann im Staate: der pronklose» aber unenlbehrliche 
„gemeine Mann«^, der, im Einzelnen zwar wenig beachtet und dmrcb Nichts 
bervorragendy — darum auch öfter vornehm über die Achsel, angesehen, gleich- 
wohl durch seine vielseitige Branchbarkeit wie durch seine ungebeiire Zahl 
dia Grundkraft der ganzen Gesellschaft bildet. 

Besch^en aber kaufest nimmt dieser Baum im Hauptstocke. alle 
Schollen ein, kommt in allen Lagen fort. Hier finden wir ihn anf den 
Sumpfe, zwar im kümmerlichen Wuclise, aber noch mmer zum g^snügen- 
den Stamm erwachsend; dort auf dem ärmaten Kalkiela- oder Kalksand» 
bodeo, zwar früh den Hauptwuebs abachMessend , aber noch immer ge- 
schlössen und ertragreich ; hier auf der sturmbewegten Widdseite, zwar 
die i ganze Krone nach Einer Seite gedrängt, aber noch immer ein starker 
Stamqo; dort an der Baumgrenze, zwar kümmerlich und gebroohen, aber 
immer noch seine Stelle ausfallend. — In ihrer grössten Vellk^Mamenheit 
entwickelt sich die Fichte ai|f den sandigen Lehm- und anl den. Schiefer 
höden windfreier, sanftabdachender Bergseiten, Kessel und Thaler in dem 
etwa 500 Fuss von den Grenzen ihres geschlossenen Waldes abstehen» 
den Höhengürtel. 



In den Vorbergen wird sie zwar öfter durch die Buche, und aus- 
nahmsweise selbst durch die Schwarzföhre verdrängt; freiwillig meidet 
sie jedoch nur die der ganzen Wnth der Stürme biossgestellten ungeschütz- 
ten Westseiten des Nordabfalles der Alpen, so wie die über ihre untere 
Verbreitungsgrenze ' hinausgehenden Tieflagen des südlichen Alpen- 
fiisses. — 

Die Buche zeigt in den Alpen eine entschiedene Vorliebe für den 
Kalk-Thonboden; weniger dass sie gerade vollkommener wüchse (als 
z. B. auf den gemeinen Lehm- und Scbieferbddea)» sondern vielmehr da« 
durch y dass sie auf den kalkigen Krumen in zusagenden Lagen häufig 
Fichte und Föhre verdrängt, und die eigene Verbreitungsgrenze entschie- 
den höher ausdehnt. — Diese Vorliebe geht so weit, dass sie dort, wo 
sie wegen Bodenseichte, Windanfall oder Meereshöhe nicht mehr als 
Baum leben kann, wenigstens als Strauch den Standort fest behauptet 

Sie meidet zwar nur Eine Lage d. i. die den Stürmen völlig bioss- 
gestellten Bergseiten, jedoch sagen ihr auch die weniger sturmbewegten 
Stellen minder zu. Sie bleibt an solchen Orten sehr im Wachsthume zu- 
rück und stellt sich sehr licht Die Buche ist zweifelsohne empfindlicher 
für die Windbewegung als die Fichte. 

Diese Eigenthümüchkeiten haben ohne Zweifel ihre dermalige Ver- 
breitung vermittelt 

Im Hauptstocke der Alpen, so wie im Westabfalle (sehr wenig kaL 
kige Böden) bildet sie fast nirgends ganze Bestände, sondern kommt nur 
zuweilen horstweise oder vereinzelt zwischen den Fichten vor. — Be- 
standweise jedoch tritt sie schon im Nordabfalle auf (fast durchaus kal« 
kige Böden) sich in windigen Thälern auffallend auf die sturmgeschützten 
Ostseiten der Riegel siebend; an Ausdehnung gegen Osten fort und fort 
zunehmend, bis sie in den Vorbergen Unteröstreichs (im Wienerwalde) 
die weit überwiegende Bestockung bildet 

Völlig herrscht sie in den Vorbergen des Ostabfalles (Kalkthonbö- 
den), bildet hier wette Forste und sieht sich bestand weise und vereinzelt 
auch zwischen, und mit der Fichte hoch in die Hochberge hinauf. In Un- 
terkrain ist sie fast der ausschliessliche Waldbaum, in Mittelkrain nimmt 
sie die Hälfte der Forstfläche ein* 

Völlig heimisch ist die Buche auch im Südabfalle der Alpen (gröss- 
tentheils kalkige Böden), auch hier ganze Forste zusammensetzend; das 
häufige Vorkommen dürrer Kalkschuttböden beengt aber sichtlich ihre 
allgemeine Verbreitung zu Gunsten der Fichte; und das felsig -flachgrün- 
dige der dortigen (steilen) Hänge, ihr sehr hoheit Steigen, und der Um- 
stand, dass die Mehrzahl der Abdachungen der herrschenden Windströ- 
mung (Süd ^Südwest) offen liegt, nicht minder auch die barbarische Be- 
handlung , welcher daselbst gar so viele Wälder verfallen, sind ihrem 
baumartigen Aufwüchse entgegen, wesswegen denn die weiten Buchen- 
wälder des Südens gewöhnlich nur Schlaghölzer sind. 



Somit ivrinen Aeam bereits 4w HtupIfbhifUiiMe) .d. l JeiM ab^ehan- 
Mi» am welchen die unabsehbareki Alpenfilrate gewihnlich ansaclilieMlich 
oder doeh in ihrer Haiqi^lJnaMe beateteo. 

Die L^fohre aeUieaal sich in ^laen Beat&«4e4i aa die Hodiwaldre* 
gion an. Sie kommt zwar auf aUeti KrunMm iiad sogar attf den Moaern 
vor, angleich besser sagea ihr aber die kalkigeu Böden und iiisbeseiadiwe 
der SehttU eud der Fels des OolomilM suii Auf dieeen Kramen erscheini 
ai« daher in viel auig^edehnlerem Masse und bildet insbesondere anf den 
Doiomitböden manchmal sog^ar formliche Forete; diess am so leichter, als 
alle fibrif en Holzarten sich ohnehin von diesen ScboUeü ^erne zur&cksie- 
hen. Besonders auf diesen Böden sieigl sje zuweilen (auf Schutthalden, 
Folaenriffen und Lawinenbahnen) bis in die Thaler herab. — Die |«ef- 
(fthre scheint sehr wrajg vom fiUirme zu leiden j wenigstens weidKl eis 
demselben nirgends. 

Unter diesen Umstanden ist es sehr erkJarücb» warum da« Krummholz 
Im Hauptalpenstocke nicht in grosser AusdehwuHg auftritt, dagegen im W<wi- 
und im NoritobfaUe schon sehr bemarkenswerthe Flachen einnimmt; warpn 
es «ndlieh im Südabfaile einen bedeutenden Thetf d#s Walds^odes bildet 

Ihr eigenthümlicher Bodengeschmack» ihre UAempündlichkeit geg-e« 
Sturm und Lawine und die ungewöhnliche laothermei auf wdch^ aie 
nocJi steigt I machen die Legföhre zu .^iner, sehr an^kenwn|r^werth.en 
Holzart, indem sie einen schätzbaren Waldwucbe auf fitelleo vermittelt, 
anl welchen kein anderes Holzgewachs forUmkomnuen vermochte. 

Die wenige Beachtung, welche man derLegßhire tiis vor. Kurzem aM 
Holzgewachs schenkte, ist der Grund, warum Jfrqe jSestlmd^ gew<lhfplich 
weder in der Volkawirthschaft, noch bei Gelegenheit der Ka^astrfilschltzuu- 
gen als e%entlicher Wald betrachtet wurden; daher sie denn auch jn de^ 
Kntnstralhüchern ziAmeist unter deu ^Weiden.mpt Holzwuchsr vorkommen« 

Dia Schwarz fdhre bildet auch Forste, aber,, ausschliesslich nur 
i« .östlicbsteii Tbeile dea Nqrdabfalles.; in den übrigen ^If^nf trieben kommt 
sie nicht einmal in Beßtftnden, sondern nur zu^ireilen vereinzelt vor. ~- 
Diese niltzUdie Holzart liebt so hervorragend diß dofo^nUt^ohen Kai|ksoh|itt« 
bMen, iIms sie fast ausschliesslich nur auf difMien erscheint. Hier begnügt 
sie sich auch mit dem blossen Fels. — Gleichwohl m«wdet.|ijie den ausgepräg- 
ten Dolomit. Die SchwarzlShre widersteht, da jedem .9jturme; siekonvnt in 
nUeo Lsigen fort, liebt aber verzins weise die i^onmgen Hange; wesswegen' 
de aufderSctoiatenseite der Serge, in den engen Thälern, so wie auf den 
Hochebenen Weniger hoch wid nur vereinzelt vorkonMut und in den Scbinciv; 
ten ganz fehlt 

Wie gesagt, erscheint sie in bedeutender Ausdehnung nur im Ost* 
lieheten unierftstceichischen Alpentibttle, hier ei^e Flacjl^e von eitwa tOJDO 
Jochen einnehmend* Mit grossem Erfolge ist fiie ih auch auf dem nn?. 
finioblberen (Kalk«) GeröBboden doff Steinfrldes (auf j^iebr .^fl tana/o^ Jocb 
Fliehe) angenogen worden. In den öbrigen AJIpemitrjichen ist sie. ein seU 
r^ im 'Htuptfetocke und im Westabfalle ein .fiiat nie gesehener Gast, , 

18 



Die Erlen, unten die Schwara- und höher die WeiMerlen, siamen 
sehr zahlreich die Ufer der B&che ein und bedecken die Sohlen vieler 
Thäler, welche der Feldwirthschaft zu achmal sind; auch auf den quelli- 
gen Hän|;en der Schiefergehirge bilden sie ganze Bestände. Ihr Vorkom- 
men ist in dieser Weise gar nicht unbedeutend; diese Bestände mögen 
vielleicht Einem Prozente der ganzen Waldfl&che nahe kommen. — Auf 
den Schiefer- und den thonigen Böden tritt dann auch die Bergerle (AI* 
penerie A. mridU) öfter zahlreich auf, hier dieselbe Rolle spielend wie 
die Legföhre auf den Kalkbergen. 

Die Erlen wuchern zuweilen inFichtenkahlschlagen^ deren Oertlich* 
keit ihnen besonders zusagt, anfangs die herrschende Holzart bildend, 
werden aber spiter von den dazwischen aufwachsenden Fichten ftber- 
wachsen und bis zum n&chsten Abtriebe wieder völUg verdrangt 
^ Die Weiss föhre erscheint zuweilen auf den sonnigen Hingen der 
niederen Bergzfige in ganzen Beständen^ sich auch mit dem felsigsten Bo- 
den oder mit dem Dolomitschutte begnügend* Höher hinauf steigt sie nur 
sehr einzeln. Sie hSlt auch auf den Sturmseiten aus, meidet aber auffal- 
lend die Schattenseiten der Berge und die schmalen Th&ler und Schluch- 
ten» obwohl sie ausnahmsweise auch hier erscheint. •— Offenbar sagen 
ihr die lehmigen Sandböden der Porfire, Sandsteine und gewisser Grau- 
wackeabSnderungen am besten zu« — Manchmal bemerkt man sie auch 
auf den Mosern der Hauptthäler. 

Bei diesen Eigenthömlichkeiten ist es erklärlich, dass sie im Haupt- 
stocke selten, dagegen oft in den Vorbergen auftritt, namentlich im san- 
digen Hügellande von Untersteiermark und Unterkärnthen. 

Die Tanne begleitet in der Regel nur vereinzelt Fichte und Buche, 
in erwähnenswertherer Menge aber bloss auf den kräftigen Böden des 
Mergeiscbiefers oder des bituminösen Alpenkalkes. In ganzen Bestanden 
tritt sie ausnahmsweise in den unteröstreichischen Vorbergen (Wiener- 
wald), häufiger aber in jenen Krains auf. -— Unzweifelhaft war die Tanne 
vor Zeiten viel häufiger, und ist durch die immer mehr überhand neh- 
mende Kahlschlagwirthschaft dann durch die grössere Lichtung der Plen- 
terwälder (weiche das Eindrängen der Buche begünstigte) in ihrer Verbrei- 
tung sehr beschränkt worden. 

Die Lerche würde in Rücksicht auf Verbreitung eigentlich gleich die 
Stelle nach der Buche verdienen. — Dieser herrliche Baum ist in den Hoch- 
bergen der östreichischen Alpen in seiner ureigentlichen Heimath und ent- 
wickelt daher auch hier seine ganze frische Kernigkeit und Ausdauer ; mit 
vollem Rechte heisst man ihn die Eiche der Alpen. 

Die Lerche liebt einerseits die lehmigen Sandböden, besonders aber die 
kalkigen Krumen; auf den Kalkbergen wächst sie gar oft auf blossem Schutt 
und Fels wunderbar freudig empor. Nasse Gründe aber flieht sie stets. — 
Sie ist etwas empfindlich gegen die Stürme und meidet gerne die sturmbe« 
wegten Lagen. -^Auffallend zieht sie sich auch auf die Schattenseiten der 
Berge und tritt nur in der Hochregion auch zahlreich auf die SonnenseileQ« 



f95 

Die Lerche ist allenthalben in den Fichtenforst eingesprengt; im West- 
ahfalle in geringster Menge, im Hauptstocke und in den Hochbergen des 
\ordabf alles schon in grösserer Zahl» noch häufiger in der Hochregion des 
Ostabfalles , am allerhaufigsten jedoch in den südlichen Hochaipen. Hier 
bildet sie zuweilen 80 und mehr Prozente des Nadelhochwaldes und erscheint 
•ehr oft in ganzen Bestanden. — In vielen Gegenden ist sie in Jungmaissen 
sogar die herrschende Holzart, aber nur, 'bis diese Mittelhölzer werden. 
Die Häufigkeit ihrer Samenjahre und der weite Flug ihres leichten Samens 
(gegenfiber jenem der Fichte), bewirken nemlich, dass offene Böden sich 
alsbald mit ihr anfliegen, wodurch sie bei der Ueppigkeit ihres jugendlichen 
Wuchses natürlich der Fichte den Vorsprung abgewinnt. Diese jedoch hott 
sie In der Folge wieder ein, und da erstere den dichten Schluss nicht wohl 
vertragen kann, so gewinnt zuletzt diese denn doch wieder die Oberhand. 

In den Südalpen wird die Lerche auch sehr zahfareich und mit vollstem 
Erfolge auf den Bergwiesen , besonders an den Schattenseiten und auf stei- 
nigen Stellen gezogen. 

Die Kastanie wird in den Vorbergen der Sudalpen nicht nur ein- 
zeln, sondern auch in ganzen Beständen sowohl als kolossaler Baum, als 
auch als Schlagholz gezogen, weniger aber ihres Holzes als ihrer Früchte 
wegen. Die Kastanienwälder nehmen dort etwa 60.000 Joche ein, betragen 
also 4 Prozente des ganzen Waldstandes« In den Vorbergen de« Ostabial- 
les und besonders im warmen Unterkrain kommt sie zwar auch vor, bil- 
det aber nirgends ganze Bestände. 

Und somit wäre denn die Reihe der in ganzen Beständen vorkommen- 
den Hölzer geschlossen, und es wären nun jene zu besprechen, welche ge- 
wöhnlich nur zwischen den Hauptholzarten eingesprengt erscheinen. 

Der Bergahorn begleitet als stattlicher Baum vereinzelt die Fichte und 
die Buche bis in die höchsten Höhen» In erwähnenswerther Zahl kommt er 
jedoch nur auf den Kalkthonböden^ besonders im Ostabfalle der Ailpen vor. 

In nicht uubeträchüicher Menge wird er auch auf den Wiesen und an 
den Feldrainen zu Futterlaub gezogen, oder als Zier der Höfe und Weiler, 
gleich der Linde im Xorden des Reiches. Auf den felsigen Hängen der 
Kalkberge erscheint der Ahorn auch als Stockausschlag im Buchennieder- 
walde und selbst auf Lawinenbahnen. 

Die Zirbe, dieser Prachtbaum des alpinischen Waldstimdes ziert 
allenthalben die Hochregionen der östreichischen Alpen. Wo Fichte und 
Lerche schon längst zurückgewichen sind und selbst die Legföhre schon den 
Alpenrosen Platz zu machen beginnt, wächst diese herrüche Kiefer noch in 
ungebeugter Kraft stattlich und markig empor« Auf den Hochjöchern kni- 
cken und zerreissen zwar Sturmeswuth und Blitzstrahl ihre Krone, beugen sie 
oft tief darnieder, aber zu brechen oder zu vernichten vermögen sie sie nicht; 
sie bietet ihnen Trot^, wie der selbstbewusste Biedermann den unverdien- 
ten Schlägen eines unerbittlichen Schicksals. 

Die Zirbe liebt die Schiefer- und die Lehmböden, besonders wenn 
sie etwas tiefgründig sind oder Felstrümmer aum Untergrunde haben, sie 



kommt jedoch auch auf den Kalkthonbdden — wenn gleich bei weitem 
minder häufig vor; nur die KalkachuUböden (des Dolomites) meidet 
•ie gan'ifi. 

Als Baum der höchsten Region kommt sie natürlich nur in deu Hoch« 
bergen vor, und bei ihren Eigenthümlichkeiten überhaupt tritt sie häufig 
nur im Hauptstocke der Alpen auf, hier sogar einealne ganv kleine aber 
lichte Bestände bildend. Im Uebrigen erscheint sie nur' einzeln oder hdch- 
stens in Horsten unter der Legföhre oder ober oder mit den letzten Fichten 
und Lerchen» 

Die Zirbe hat unzweifelhaft an Verbreitung verloren, weil man ihrem 
werthvollen Holze und ihren essbaren Nfissen zu schonungslos nachstrebte, 
ohne für ihre Wiedernachzucht nur das Geringste zu thun ; die Sagen jedoch 
von den ehemaligen grossen Zirbenwäldern, von den 160»0M Klaftern Zir- 
benholz, welche die salzkammergutischen Salinen — ich weiss nicht zu 
welcher Zeit des vorigen Jahrhundertes — zum Salzaieden aus den dortigen 
Forsten bezogen haben sollen , gehören jedenfalls in das Reich der Fabeln. 
Der geschlossene Stand der grossen Forste widerstrebt ganz der Natur der 
Zirbe und offenbar müssten von jenen Forsten noch die Spuren zu finden 
sein^. indem sich die 2Urbenstöcke vermög der eigenthümlichen Dauer dieses 
Holzes und der ungemeinen Kurze des Soihmers jener Höhen ausserordent« 
lieh lang erhalten. 

Die Eiche (Stieleiche) erscheint im Hauptstocke der Alpen nur sehr 
.einzeln in den Thälern, in den Vorbergen jedoch zahlreicher; im Ost- imd 
Sudjbange selbst in kleinen Beständen , in letzterem jedoch gewöhnlich als 
Schlagholz ; jedoch nie auf Dolomitböden. — In den Vorbergen des Südhan* 
ges und Krains tritt sogar die weichhaarige Eiche einzeln auf und wächst 
auf den seichten , trockenen und steinigen Kalkthonböden der dortigen Sfid- 
hänge zum achtbaren Baum empor, der Bora Trotz bietend, wie ausser der 
Schwarzpappel kein anderer Baum. In den warmen Lagen trifft man zu- 
weilen auch die Zerreiche. 

Die Brrke erscheint auf den Dolomitböden nie und auf den übrigen 
k^alkigeu Krumen nur sehr selten« es wäre denn auf den Mergelschiefern; 
auf den thonigen Böden jedoch mengt sie sich häufig in den Forsten ein. — 
Sie erscheint daher vorzugsweise im Hauptalpenstocke. 

Die Esche zieht der Aelpler noch lieber als den Bergahorn auf den 
Hauswiesen und an den Feldrainen zur Futterlaubgewinnung. In den Forsten 
kommt sie als Baum selten vor; als Strauch jedoch im Ost- und Sudabfalle 
auf den sonnigen steinigen Hängen der Kalkberge. 

Die Aspe, die Schwarzpappel, die Linde^ die Rüster« die 
Hainbuche, die Weiden spielen in. den Alpen eine sehr untergeord- 
nete Rolle denn sie erheben sich nicht zu grosser Meereshöhe; ihr Vor- 
kommen ist dort, wo sie erscheinen, minder wesentlich, wie in den nord- 
westlichen Flachländern. — Nur die Schwarzpappel und die Rüster werden 
in der Gartenregion der Südalpen weit häufiger als Feldholz und zum Theil 
auch als Stützbaum für die Reben gezogen. 



tn 

Die Vojgpelbeere koaimt in den Forsten selten als Baum, aber häu- 
üfT als Strauch, besonder» in der höchsten Region vor. In den Hochthä. 
lern , woselbst kein anderer Laubbaum fortzukommen vermag , zieht man 
sie oft als freundlichen Zierbaum oder anstatt der Obstbäume, ihre Beeren 
vom Branntweinbrennen verwendend. 

Der Hase Inussstr auch ist auf den Wiesen und Hiitweiden 
der Kalkberge sowohl, als auch in den Busch wäldern der Südalpen nicht 
•hae Wicbtigkeil. 

Von forstlicher Bedeutung sind noch : 

Der Bohnenbaum, die Hopfenbuche, die Blumenesche, 
und der Zirgelbaum, welche in den südlichen und zuweilen auch in den 
südöstlichen Kalkalpen, die letzteren zwei jedoch nur auf den sonnigen stei- 
nigen Hängen der Vorberge häufig einen bedeutenden Theil der dortigen 
Schlaghölzer ausmachen; dann die Eibe, welche in den aüdlichen Kalkalpeu 
häufig erscheint; das Epheu, welches in den südlichen und südöstlichen 
Kaikbergen zahlreich auftritt, zu seltener Stärke gelangt und zuweilen iiist 
sammtliche Schäfte ganzer Bestände dicht aberzieht, der Perrucken- 
SU mach, welcher in der sonnigen Lage der südlichen Kalkberge Ge- 
genstand eifriger Saaunlung ist. 

Bezeichnend, wenn auch von keiner forstlichen Bedeutung sind : 

in den nördlichen Kalkalpen der baumartige Wachholder, 

in den südlichen Kalkalpen, der die Sai^bänke der Wildstromme^ 
und die Schutthalden bedeckende Sanddorn (Weidendorn) , die an' den 
Bächen vorkommende Tamariske; der Seegenstrauch, der Flieder und 
die Stechpalme der oberen feidwirthschafUichen Region; die Eltsche, 
(immergrüne Steineiche), der Bux, der wohlriechende Pfeifengtraueh, die 
Mabalebkirsche, die Felsenbirne, die Quittenmispel und der Erdbeer- 
baurn der letzten Bergausläufer. 

Eigenthümlich den Hochalpen sind die Alpenröslein (Rhododendra) 
und als letztes Holzgewächs der höchsten Region die krautartige Weide. 



178 



122 

Der Äipenwaldstand nach der Eigenschaft der Besitzer. 

■•■<le ZiUilen. 



lIa6upt«6o0lL. 

iitelsbarr .... 
ObersteTermark . . 
Nordtirol .... 
Oberkarntben . . 

Vorariberjp . . . 

Salzburgs Tbalfau . 
Unterdsterrelch. . 
Oberdfltreich . . 

Ilnterstelermark 
irnterkarnthen . . 
Krain 

Südtirol . . . . 
Veneziflche Ber^ e . 
Lombardlach. Berre 
Mrz 




6 r 6 6 li 


06lt X. 








tor 
Wftld- 
6taBd. 




Das fteich. 


Gemeinden 

und 
Stiftungen. 


Sonstiger 
Grossbesitz* 


Zusauimeu. 


Kl6llb66ttt 




Me 1 Pr. 


Jm«« Pr. 1 


M« |Pr. 1 


Ml. 


PI. 


Me 1 Pr. 


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861.000 
655.000 
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101.000 


86 
61 
17 
18 


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66.000 

665.000 

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5 

67 


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58.000 

«5.000 


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665.000 
656.000 
788.000 
167.000 


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«70.000 
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200.000 


13 
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865.000 
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664.060 
347.000 




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55.000 


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160.008 




16.000 
85.000 
175.000 


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16 
67 


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76.000 
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10 


18.000 

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55.000 


16 
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16 
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806.000 
278.000 


61 
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66 

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«7.000 

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166.000 


49 
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41 


66.600 
708.060 
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6.600 

7.600 

66.000 


6 
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«0.000 

1.800 

61.000 


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175.000 

158.000 
280.000 


666.600 
167.000 
666.000 


768.060 
620.000 
«00.000 


77 
67 

58 


065.000 
887.000 
064.000 




16.800 
66.000 

«1.800 


6 

7 



«« 


«05.000 

617.000 

660.000 

«1.000 


65 
66 
07 
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^8000 





6 


«66.000 

6«1.000 

360.000 

85.000 


68 
70 
67 
00 


iOO.OOO 

106.000 

180.000 

10.000 


86 

SO 

66 
10 


08e.ooo 

844.000 

540.000 

66.000 




Hanptatock . . . 
Westabflill . . . 
Nordabfall. . . . 
OsUbfall . . . . 
Südabfall . . . . 

AlpeiUande. 


780.000 
«.600 

678.000 
«7.000 
86.000 


86 

« 

61 

6 

6 


607.000 
60.000 

143.000 

73.000 

1.036.000 


68 
50 
11 
« 
6« 


105.000 

660.000 

563.000 

6.000 


« 

17 
68 


1.556.000 

65.000 

665.000 

683.000 

1.108.000 


6« 
54 

49 
34 
66 


856.000 

56.000 

646.000 

1.646.000 

406.000 


66 
46 

51 
66 
61 


6.608.000 
180.000 
1.678.000 
2.026.000 
1.601.000 




1.187.000 


16 


1.665.000 


66 


861.000 


16 


«.046.000 


5« 


3.060.000 


46 


7.66S.OO0 




B6hmen, Mähren 
und Schlesien 


106.000 


t*4 


780.000 


16 


6.6U.000 


50 


6.170.006 


81 


770.000 


16 


8.016.000 





Diese Ziffern sind nfrösstentheils mehr oder wenig^er schwankend (indem es 
bis Jetzt nicht einmahl der Reg^ierungr g^elunfen Ist, sich g^enaue Nachweisun^en Ober 
die Vertheilun^ des Waldlandes nach der Eig^enschaft der Besitzer zu 'verschaffen) ; 
demun^eachtet gestatten sie einige Schlussfolg^erung^en. 

Den Grad ihrer Verlässlichkeit werde ich welter Unten Im Allfemeinen, und 
In der Foratatatistik der einzelnen KronlSnder Im Einzelnen andeuten. 



m 



Besits äle» 



Cremelnäleii u« Stifte. 



SoiMtlirer 
«roMnliesltB. 



Prosente 
▼om Lande« • 
WaldsUnde. 



Prosente 
vom Lande«- 
WaldsUnde. 



Prosente . 
▼om Lande«- 
WaldsUnde 



Salsbnrf . • . . 69 

66rs • • . • . 44 

OberöatreiGh ... 37 

Hauptalpenstook . . 32 
Obercteier . • . -31 

Alpennordabfall • . 21 

Nordtirol .... 17 

Alpenlande • * 10 

Oberkarnthen ... 13 

Unteröatrelob ... 12 

VeDesiache Berge 7 

Krftln 5 

Alpensfidabfall • 5 

Vorarlberg. ... 4 

SAdtirol .... 3 

Alpenoatabfall 2 

I7nterk2rnthen . . 2 

Unterateier ... % 

Lombardiacbe Berge. 



Lombardiache Berge 6? 

Nordtirol .... 67 

S&dtlrol .... 65 

Venesiacbe Berge 63 

Alpenafidabfall . . 64 

Vorarlberg. . . . ^ 

Görs 43 

Hauplalpenatock . . 28 

Alpenlande . . 26 

Saisburg .... 25 

Unteröatreicb ... II 

Alpennordabfall . 11 

Oberöstrelcb ... 10 

Oberateier .... 5 

Unterateier ... 4 

Krain 4 

Alpenoatabfall . . 4 



Vnterkarnthen 41 

ILraln .... 33 

AlpenoaUbfall. . 28 

Unterdaireicb • . 21 

Unterateier . . lO 

Alpennordabfall . 17 

Oberkarnthen . . 13 

Oberöstrelcb • . 12 

Alpenlande 12 

Oberateier ... 7 

Saisburg ... 5 

Hauplalpenatock . 4 

Görs .... 3 
Nordtirol 
Vorarlberg 

Bfidtlrol ) 
Venesien 
Lombardle 



Vnterkftrnthen • 



Vi 



Dieae Angaben aind ge- 
nügend genau. -> Sie begrei- 
fen auch jene Forste (Steier- 
marka und Oberöatrelcha) 
In welchen der Suat nicht 
Eigenthflmer» Jedoch fQr 
ewige Zeiten auf die Hols- 
nntsung für seine MonUn- 
swecke berechtigt iat. 

Der Staat ist in den AI- 
pen bei Weitem der gröaste 
Waldbesitser $ in den ei- 
gentlichen Hochbergen ge- 
hört ihm sogar ein Drittel 
des gansen Waldstandes. 

Durch die Ablösung der 
Binforstungen werden aber 
diese Ziffern rficksichtüch 
Obersteiers, Krains, Kärn- 
thensjvor allem aber bei Sais- 
burg gewaltige Minderungen 
erfahren. 

Der Waldbesits des 
Staates bellult sich dfiher ; 



Diese Angaben sind we- 
nig genau. Sie begreifen aus- 
ser den Gemeindewäidern 
auch die der Klöster, so 
wie Jener Stiftungen, wel- 
che nicht Staatsswecke be- 
treff'en, indem die Wälder 
der letzteren als „Reichs- 
fondsforste<< unter den 
Staatswaidern begriff'en sind. 

In Ober- und Unteröst- 
reich und in Saisburg sind 
die Gemeindewalder von kei- 
ner Bedeutung, und obige 
Ziifern rfihren vorsugswei- 
se vom Waldbesitse der 
dortigen reichen Abteien 
und sonstigen geistlichen 
moralischen Personen her. 

Von. verhältnissmässig 
ungeheurer Ausdehnung sind 
die Gemeindewalder Jedoch 
in Nord- und SQdtirol, In den 
lombardlscben und vepesin- 



Diese Ziifern sind nur 
sehr beiläufige denn erstens 
liegt ihnen keine bestio^m- 
te Minimalgrense fQr das su 
Grunde, waa noch als Gross- 
slts betrachtet werden soll, 
und sweitens ist die Aus« 
Scheidung selten nach dep 
Besitsbogen der einseinen 
BigenlhQmer gemacht wor- 
den. — In der Regel habe 
Ich ffir die Kronländer, wo 
früher die Herrschaften be- 
atanden, das angesetsl, was 
nach Absug der Reicha-Ge- 
meinde und Stiflforste noch 
von den sogenannten Domi- 
nlkalwäldern übrig blieb. 

Auch diese Wälder wer- 
den durch die Ablösung der 
Ißinforslungen besonders in 
Krain, Kärnthen und Steier- 
mark eine namhafte Ver^ 
liiinderung effi^hreiit 





aaf 




Proseole 


Haupt«|lp^natQcH 


• 32 


Nordabfall . . 


. 21 


SfidiAAill . 


5 


OaUValt . . . 


2 


Alpe» fiberhMipt- 


. 16 



machen Bergen und in Vor- 
arlberg* 

Bn WaMke^ta der 
Geioeinden kann angeachlar 
gen werden« anf 

^ Prosenie 

Ob#r* vk Vnterdatreich 
SIelernitfvky KSrnthen, 
Krain • . . . . 2-4 
Tirol, Lomb^rdia» Ve- 
nedig 60 

Alpen überhaupt . . 20 



Da«6 in Sfidtirol und in 
den lombardiaGh venezSani- 
achen Bergen wenig oder 
kein groaaef Prlvalwaidbe- 
aiU vorhanden iai, liegt 
groaaMilheila in der dorti- 
gen Preiheit zur Grund- 
theilung. 



CIro«»«!' <^i>»<lie«lte* 



Prosente 
vom Landea- 
WaMatande. 



Görs • . • . . 
Nordtirol .... 
Salzburg .... 
Sftdtirol 

Lombardiache Berge 
Veneziache Berge 
Oberöatreich • • 
Vorarlberg • • . 
Alpenlande. . 
Oberateier \ 

Oberk&mthen f 
Vnterkarnthen ) 
VnUröatreich ) 

Krain 

ünteraieler . • . 



90 
84 
70 



60 
54 
64 



42 
23 



Prozente 

vom Landea- 

WaldaluBde. 



Vnterateiermark 

Oberateier 

OberMrnthen 

Vnterl^9mthen 

IJnteroMtreirh 

lUain 

Vorarlberg . . . 

Alpenlande . . 

Oberöatreich . . 

SadUrol 

l^eombiardiache Berge 

Veneziache Berge 

Salzburg • • • . 

Nordtirol • . . • 

G6rz . • • . • 



76 



67 



4«. 
40 

23 

21 
16 
10 



Stdabfall 69 

Hauptalpenatock .... 64 

Weatabfall 64 

Alpenlande 64 

Nordabfall 49 

OaUbfall 34 



OaUbfoll 
Nordabfall . . 
Alpenlande . 
WeaUbfall . . 
Hauptalpenatock • 
Sfidabfall 



d6 
61 
46 
46 
36 
31 



Pieae Ziflfem alnd nur aehr beiläufige ^ denn eratena liegt ihnen keine beatimm- 
te Minimalgrense fßr daa zu Grunde , waa noch ala Groaabeaits betrachtet werden 
aolly und zweitena iat d^e Auaächeidung aelten nach den BealtzbÖgen der einzelnen 
Eigentbfimer geipacbt forden. — In der Regel habe Ich bei den KronISndem, wo 
vonnahla die Herrachaftei^ beatanden, die aogenannten Dominikalwllder ala Groaa- 
bealtz ani^eaetzl. 

Vom Groaabeaitze iat allenthalben und Inabeaondere In Krain, Kämthen und 
Steiermark ein Theii i^treltig. — 

Die Ablöaung; der EInforatungen wird in KSmthen, Krain, Steiermark und 
Salzburg, und aelbat auch in Oberöatreich noch aehr viel Waldllicbe aua dem Groaa- 
beaitz in den Kleinbeaitz bringen. 

Im Angemeinen kann man annehmen, daaft die Bauern allenthalben aich der 
nächatgel^genen (alao tieftten und bieten) VITIlder In einer Auadehnung bemSchtigt 
haben, dM zur Gröaae ihrer Wirthachafleti und 2um Klima in einem gewiaaen Ver- 
b91tniaae ateht, daa Uebrige den Groaabealtzem tiberlaaaend. Dieae Anneignun^ iat 



fb«r mehr 9d«r Heiliger ht^acKriakt geworden, in ftalsbiirg » Tirol and Oheri^treich 
fliireh da» landeal&railiche Foralhoheitarechl und die gleichseilige Hinforalang in 
Regalwälder, \n KarnHien , Krain und Untersteier durch die Einforatung in die 
HerrachaftawSlder, nnd in den italienischen Alpen durch die Einforatung In die 
eiferen Gemehideforate. 

123 
Ber Alpeiwald lach Regioara. 

Entocheidend ist der Einfluss der Region auf den Wald, Von der Re- 
gion hängen grösstentheiU die Holzarten und die Waidformen ab> sie modelt 
hauptsächlich den Wuchs des einzelnen Baumes sowohl, als jenep der 
Wälder. 

Wer je das Gebiet der Alpen durchstreift hat , ja wem es nur ein ein- 
ziges Mahl gegönnt war» die Hochregion an welch immer für einem Punkte 
zu besteigen » dem sind die gewaltigen Unterschiede in die Augen gesprun- 
gen , zwischen dem Baum- und Walderwuchse des südlichen und des nörd- 
lichen Alpenfusses, der Thalregion und der oberen Baumgränze, Unter- 
schiede^ deren letzter Grund vorzüglich nur in der Seehöhe zu Sachen ist. 

Gleichwie die wärmeren Landstriche reicher sind an PRanzenarten 
überhaupt, ebenso ist auch ihre Holzvegetazion weit mannigfacher. Den 
grössten Reichthiim zeigt hiejrin der Fuss der Alpen und am allerreichsten 
sind die italischen Vorberge. Nach Oben zu wird die Holzvegetazion Im- 
mer einförmiger, bis sie endlich an der Grenze des Waldes auf 4 Baum-,. 
7 Strauch- und 19 Erdstraucharten herabsinkt und an der Grenze des nen- 
nenswerthen Pflanzenwuchses in 3 krautartigen Brdstrauchern erstirbt 



\ 


Zahl der 
Phanerof*- 


Blum« 

45 

40 

11 

4 


Zahl «Ur Holurl,eB 

Erd- 
nrineher atriactor 

85 70 
70 50 
40 89 
7 19 
- 10 
3 


Zaaam 
me». 


., g, \ südlicher . . 

Obere Getreide^renze . . . 
Obere Waldgrenze . . . 
Obere SennereigrenEe . . 
EisregioD 


. 3500 

S850 

950 

. 550 

. SSO 

30 


SOO 

160 

80 

25 

10 

3 



In der Erscheinung findet «ich die obige Zahl von Gewaohaen mvr 
hie und da auf kalkigen Krumen beisammen > im Allgemeinen je49ch ist fUe 
Zahl der in einer Gegend von massigem Umfange %. Bt in ein wd diems«;!* 
ben Thalgebiethe vorkommenden Arten insonderheit auf den picht kal]dgen 
Böden und in den. Höhen bedeutend unter den Angaben dieser Tafel; was 
den Unterschied im Artenreichthum zwischep dem. Alj^nfasse (meiat kalkige 
Krumen) und der Hochregion ^noeist thonige Böden) gewöhnlich noch auf- 
fallender macht« 

Ausser dem Reichthume an Arten fallt uns in der Tiefregion auch die 
dichte Fülle von Yegetazion auf. 



In den italischen Vorbergeu ist jedes Fleckchen Boden » welches nicht 
etwa in ewige Nacht begraben wäre, von Pflanzen wuchs überkleidet, Fel- 
sen und Steine überziehen sich mit Gewächsen» sobald nur in einem kleinen 
Ritze einige Atome Erde sich zu sammeln und darin ein Samenkorn Platz zu 
finden vermag ; jede sich selbst uberlassene Mauer wird zuletzt zum Stand- 
orte einer reichen Vegetazion« — Schon am Nordfusse der Alpen treffen 
wir nicht mehr so reiche Fülle ; alle stark beschatteten oder überschirmten 
so wie die vielbetretenen Stellen (an Häusern^ Mauern, Zäunen, Wegen 
und Felsen) sind pflanzenlos, und die Trümmer der seit Jahrhunderten ver- 
lassenen Burgen unserer Väter schauen gewöhnlich öde und kahl auf die 
Wohnstätten der Jetztzeit herab. 

In der Region der Kuhalmen sind schon zahlreiche Stellen nahezu völ- 
lig pflanzenlos; gegen die Schneelinie zu hört sogar der (Zusammenbau* 
geude) Rasen auf, und die wenigen Pflanzen dieser Höhen kommen nur 
mehr vereinzelt oder als sparsame Bündel vor. 

Die Vegitazionsfulle der warmen Tiefregioueu tritt nicht minder auf- 
fallend in den Wäldern hervor. 

In der Gartenregion des Südens wuchert auch in den wohlgeschlosse- 
nen Hochwäldern noch ein zweiter Wald von Unterholz , darunter nicht nur 
geringere Sträucher (Kornelkirsche^ rother Hartriegel , Haseinuss , Schnee- 
ball , wolliger Schiingstrauch , Liguster , Gaisblatt, Sauerdorn, Weiss- und 
Schwarzdorn, Pimpernuss, Spindelbaum , Bohnenstrauch, Felsenbirnen, 
Hollunder und viele Rosenarten) sondern auch Hain- und Hopfenbuchen, 
Feldahorne, Eichen und selbst Rothbuchen; ein Unterholz, welches au 
Dichte und Höhe sich dem reinen Niederwaide des Nordens ungescheut an 
die 9cite stellen kann. Mehrere Schlinggewächse (darunter Epheu und 
Waldrebe) ranken allenthalben über das Unterholz hinüber, und am Hoch- 
hoize und an den Felsen hinauf, nicht selten fast sämmtliche Schäfte ganze 
Bestände verschlingend oder überdeckend. 

In der Gartenregion des Nordens und Ostens der Alpen treffen wir 
zwar auch noch manigfaltiges Unterholz , aber nur mehr im jüngeren Hoch- 
walde; im hohen Holze ist es auf die schütteren Eichen und Schwarzföh- 
renwälder beschränkt, und auch hier von weit minderer Fülle, Höbe und 
Artenreichthum. 

In der Getreidezone ist das Unterholz verschwunden, aber mehrere 
Erdstraucher und zahlreiche Kräuter und Gräser bedecken noch den Boden 
der nicht allzudicht g^eschiossenen hochstämmigen Wälder, dem Landwir- 
the eine dankbare Weide biethend. 

In der Waldregion erstirbt der Gras- und Kräuterwuchs der geschlos- 
senen Althölzer auf vereinzelte Halme, und macht mehr und mehr den schat- 
tenvertragenden Heidelbeeren und Moosen Platz. 

Nicht minder findet die Fülle des Pflanzenlebens in der Höhe des 
Wuchses ihren Ausdruck. 

Während in der, Gartenregion die Fürsten der Pflanzenwelt, nemlich 
die Bäume, meist bei tW, das Volk der Sträucher W — 90, und die Purja« 



der Holsgewaclise ^ iiemlich die Brdatriucher, 3—5 Fum Höhe erlangen, 
während dort viele krautartige Gew&chae 5 — 6 Fuss hoch emporschiea« 
sen und selbst das gemeine Gras der Wiesen und der Holsachl&ge au 
t — 4 Fuss sich erhebt, können die StSmme der oberen Baumgrenze nicht 
über 8 — SO Fuss hinaus, die Sträucher werden nicht höher als 4 — 8 
Fuss, und Gras und Kräuter finden in der Regel in Vt — S Fuss ihre Hd- 
hengrenae. Zunächst ober der Baumgränze ist der Holzwuchs nur mehr 
durch die Bergföhre vertreten , deren am Boden fortkriechender Stamm 
seine Aeste nur 8 — 5 Fuss erhebt, durch die 1— tVi Fuss hohen Alpen- 
rosen und andere Brdsträucher, und die grössten Kräuter und Gräser 
fiberschreiten dort gewöhnlich nicht V» — IV« Fuss. 

Im höhereren Theile der Sennereiregion fehlen sogar die Holzge- 
wächse gänzlich ; zwar kommen dort noch drei holzige Sträuche vor , (zu 
höchst Salix herbacea) aber sie sind zu völlig unscheinbaren krautarligen 
Gewächsen zusammengeschrumpft« — Die übrigen Pflanzenarten bestehen 
aus mehrjährigen Kräutern (denn einjährige können im dortigen kurzen 
Sommer ihre Samen nicht mehr ausreifen) mit äusserst kurzem oft kaum 
über den Boden sich erhebendem Stengel. 

Schon fai den Absätzen 74 — 77 sind die Regionen der einzelnen Al- 
penholzgewächse und die Veränderungen im Wüchse näher bezeichnet 
worden, welche an den Regionsgrenzen statthaben; daher ich hier nur 
noch Einiges ergänzend beifugen will. 

In vollendeter Grösse und Fülle entwickeln sich die Holzgewächse 
nur in den mittleren Räumen ihrer Regionen, denn hier allein gesellt sich 
SU üppigem Wüchse auch die grösste Ausdauer. So üppig sie auch an 
der unteren Regionsgränze oft in der Jugend emporwachsen, so schlies- 
sen sie doch ihr Wachsthum sehr bald ab, und gelangen daher auch zu 
keiner namhaften Grösse. Gegen die obere Regionsgrenze zu mindert sich 
zwar weniger die Ausdauer, auffallend jedoch der Zuwachs und vorzüg- 
lich der Höhenwuchs. Holzarten, welche im tiefen Theile ihrer Region 
als stattliche Bäume auftreten, kommen im oberen Theile nur mehr strauch- 
artig vor, und andere, welche dort ansehnliche Sträucher waren, |ver* 
krüppeln hier zu niedrigen Erdsträuchem. 

Je näher überhaupt der oberen Regionsgrenze, desto mehr klam- 
mert sich der Wuchs der Holzarten an den Boden; es ist, als wenn die 
Wachsthumsbedingungen sich mit der steigenden Entfernung vom Brdbo- 
den immer rascher und rascher verminderten, so dass über eine gewisse 
Entfernung hinaus gar kein Wachsthum mehr statthaben kamt. Je näher 
diesem Punkte desto geringer nicht nur die Längentriebe, sondern nicht 
minder auch der Zuwachs in der Stärke« — Darum werden die Schäfte 
nicht nur immer kürzer, sondern auch immer kegelförmiger, das ist der 
Grund, warum die Verästelung sich immer tiefer herabzieht, und die 
Kronen immer piramidaler werden, warum endlich auch die sonst bäum* 
art^en Holsgewächse immer mehr stockausschlagende Sträucher werden 
und mit ihren Trieben zuletzt völlig am Boden hinkriechen« 



«Mfc 

ku( der UnkewiitniM dieser eigenthdmlicheo WachsUimQisverMitniMe 
btmlKii» die Fabeln von einstig^en prachtvollen Wäldern der höchsten He- 
gten , welche fremde Reisende h&ufig in die Weh i^esendet haben. Sie fan- 
den dort sehr starke Stöcke vor» and statt sich durch die Nachbarschaft 
über die Form belehren zu lassen , welche die dazu gehörigen Schäfte 
haben mochten, setzten sie in ihrer Phantasie jene Koloase darauf« welche 
nur in der Tiefregion auf solchen Stöcken vorzukommen vermögen. 

Höchst bezeichnend für den obersten Regionstheil ist auch der schüt- 
tere (Uchte) Stand der Bestände» Hier ist kein völliger Waldesschluss mehr 
möglich y und über die Linie hinaus» bis zu welcher man noch von einem 
Walde sprechen kann/ vereinzeln sich die Holzpflanzen immer noch mehr 
und mehr, bis ihre letzten Exemplare fast unbemerkt verschwinden. 

Die Wachsthumsabnahme der einzelnen Holzpflanzen und der Wälder 
nach der steigenden Seehöhe ist aber keine durchaus gleichförmige. In den 
mittleren Räumen der Region mag sie gleichförmig vor sich gehen» ent- 
schieden aber ist sie hier sehr massig. — Dort» wo sich die Holzarten ihrer 
oberen Regionsgrenze nähern» wird die Wachsthumsabnahme auffallend 
stärker» und sie erreicht ihr Maximum in dem Streifen zwischen der Grenze 
des geschlossenen Waldes und jener des letzten vereinzelten Vorkommens. 

So mächtig nun der Einfluss der Seehöhe auf den Baum- und Wälder- 
wttchs allenthalben hervortritt» so sind doch bei weitem noch nicht genug 
Untersuchungen angestellt worden» um diesen Einfluss in jeder Richtung 
mit bestimmter Ziffer angeben» um gewissermassen das Gesetz darstellen 
zn können » nach welchem sich der Wnchs jeder Holzart und jeder Haupte 
waldgattung von tausend zu tausend Fuss» oder wenigstens von Region zu 
Region ändert 

Nicht dass in den österreichischen Alpen der Wälderzuwachs nie be- 
stimmt wqrde« wäre » im Gegentheile ist das namentlich in den Reichsfor- 
sten fast aUenthalben geschehen» um die Ertragskraft dieser Forste zu er- 
kunden, und zvreckmässige Hiebspläne für sie zu entwerfen; aber man be- 
gniHgte sich dabei » aus den bisherigen Hiebsergebnissen den Zuwachs im 
grossen Durchschnitte zu ermitteln. Dass zum grossen Verluste für die Wis- 
I senschaft htebei noch nie eigene Erhebungen über den Einfluss der Seehöhe 
auf 4ejn Wl^chstbumsgang der Bäume und der Wälder gemacht worden sind» 
Iag> weniger im Mangel an Einsicht von Seite der Schätzmänner» als viel- 
mehr ii der Unzulänglichkeit der ihnen gewährten Mittel. — Denn allen in 
den Hochbergen bisher vollführten Schätzungen war es aufgegeben den 
Ha^ip^zwfck -r- die Ermittlung der Ertragskraft der Forstfläche — inaUer- 
kürs^ftster Zeit und mit den allergeringsten Kostenaufwande zu erreichen; ja 
die meisten Schätzungen sind nur ganz überschläglich vollführt worden» um 
den Verwaltungen filur den Augenblick eine Uebersicht über die oben sto- 
ckßü^ Hol»vq^iÜfkt und über die in nächster Zeit fallbaren Holzmengen 
zn. g(^enu. 

Mögen, sich die InteUigens^en » welche dermahlei^ un der Sfiüz» dber 
Forstverwaltungjen, dfa Hf9cbg:ehirgea stehen ip^d der atre)wapie na« ent- 



standene Alpdnfordtvereki kewogto flMiiM, diasenitrkwanii^eErscheuiiing^ 
der grossen Alpeniiatur baldiger wiasenachaftlicher Untersuchung- zu un- 
terziehen^ zu welch schöner und dankbarer Unternebmung sie. mnaomehr 
berufen schienen , als diese Aufgabe die Kraft des einzelnen, von den lau- 
fenden Geschäften gänzlich in Anspruch genommenen Betriebsbeamten 
weit übersteigt 

Vor der Hand will ich im Folgenden einige Erhebungen auffuhren, 
welche, ohne den Gegenstand im Geringsten zu erschöpfen , gleichwohl 
Manches bereits andeutea 

CtewMiBlicIier ((Mgenannter) richtenarwald in Ober- 

steiermarlL. 

"Obere 
Feldwirthtfch. Wald* Hoekmild- 
Region. regrion« ^ grenze. 

Durchschnittliche 
Stammlänge in Füssen . • • • • 
Holzmasse bis auf 6'' in Massenklaftern 
Stanimstarke in der Brusthöhe in !&>lleD 

Stammzahl 

Holzgehalt eines Stammes in Füssen • 



Seehöbe io 
Füssen 

3B00-4500 80 

4500-5S00 70 

5500-6000 M 

6000-6600 Waldgrenze 20 

Cleicliälteriger richtenwaM im ateiriselien %9^n 



100 




70 


30 


M 




M 


10 


14 




\% 


10 


400 




aee 


300 


S7 




Sl 


7V. 


siothale 


Sffldtirols. 




OarehscbnitlsBOwacha 

«inea Joch«« In 

FnMeo 





Holzgehalt des Joches Dnrchschnllts' 
Meereshöhe in I20jähr. Waldes Zuwachs 

Füssen Massenklafter Massenfnsse 



Feldwirthschaftliche Region 1700— S500 73 66 

An der oberen Hochwald- 
grenze • • • . 4000—5800 14-7 13*3 

Bin lierehemwald Itt Venexiett. 



Mittlerer Jahressnwachs 

m • » i I II 



Seehöhe , Hauharieits- StammiSufe Stammst&rke UfasseagehaU -. 
in Füssen alter in Füssen in Zollen des Jocnes 

» ^ > V \\\^ ^^ »I U I m i*^ ^ III ^m ^\\w iJi'^.v 



Sa00-3MM> 40 1*4 »«sf IfiO 

3500-480(1 60 O,* 0^ 75 

4800-5500 100 0», Om« 46 



18B 



Bin Bneheniiiederwald in Tenesieii. 

Mittlerer Jahreasnwachs 



Seehöhe 
in F11M611 


HanbarkeiU- 
alter 


Stammlänfe StammstSrke Maasengehalt 
in Faoaen in ZoUen dea Jochea 


SSOO— 3100 


30 


1.7. Om 107 


3100-4000 


40 


0-88 0« 69 


4000-4850 


50 


Om 0-08 45 




Gin liegfVlireiiwald in Tenezien, 




Haubarkeits- 
alter 


Mittlerer Jahreazuwachs 


SeehShe 
in FuMen 


SUmmlänge StammAtärke Maaaeofirehaii 
in Füssen iti Zollen dea Jochea 


S500— 3800 


50 


0«. 0..> 56 


3800-4600 


. 100 


0„ 0-0» 18 


4600-5500 


150 


0„ 0.0, 10 



Hittterer atämmstari&eanwachs einzelner atämme. 

Deutschtirol. 



Bei einer SeeiiShe 
von Faaaen 

SOOO 
S500-^3000 
3000-4000 
4000-5000 

5000-6000 



Fichte 



0« 
« 
0„ 



Lerche 
in Zollen 



Ou 

0-,4 

O'to 

0-04 



LegfOhre 



0-04 

0-0» 



6000—6400 — 

So wenig' umfassend diese Erhebimg'en nun sind, so zeigen sie doch, 
dass in den Hocbbergen die blosse Seehöhe bei Fichte und Lerche über 
das4— Sfache, beim Buchenschlag^holze Aber das 8— 3fache, bei der Bergföhre 
sogar über das 5 — 6fache des Wälderzuwachses entscheidet, ja dass wenn 
man von der Art absteht und (die Erdsträucher ausschliessend) nur über- 
haupt Wald und Wald gegenüberstellt, die Erhebung des Standortes den 
Zuwachs auf das Siebentel bis Zehntel niederzudrücken vermag. 

124 

Der Wftiderwaelui auf den verschiedenen BOden. 

Schon in den Absatzen 63—73» dann 181, ist der EinHuss des Bo-^ 
dens auf den Wälderwucha in der Hauptsache angedeutet worden , wess- 
wegen hier nur einige Ergänzungen erübrigen. 

In der Ebene und im Hügeilande« wo das, was man Erdschicht 
nennt, gewöhnlich weit mächtiger ist, als selbst die am tiefsten greifenden 
Bäume erfordern, kommt die Bodentiefe in der Regel gar nicht in Frage 



IST 

und 60 hangt die Bodentauglichkeit in der Hauptsache nur Ton der mine- 
raUachen Zuaammenaetzung der Krume ab« 

Im Mittelgebirge hingegen und noch mehr in den Hochbergen besteht 
das Holzland nahezu ausschliesslich aus Feisbdden, es entscheidet daher 
die Bodentiefe in erster Linie über den WSIderwuchs. 

Auf dem tiefgründigea Boden ungünstigster mineralischer Zusammen- 
aetsung, d.i. auf dem Kaiksande, ist der Wälderzuwachs nur halb bis drei- 
viertel so gross, wie auf den durchschnittlich guten Krumen, gleichwohl 
gedeihen auf ihm noch alle gewöhdlichen Holzarten in Baumform und ge- 
schlossenem Wüchse. 

Auf dem seichtesten Boden bester mineralischer Kraft dagegen, d. h. 
auf den Klippen des bituminösen Alpenkalkes (Kalkthonkrume), wachsen 
zwar fast alle Holzarten, aber abgesehen von ihrem kümmerlichen Wüchse 
(die Laubbäume nur in Sirauchform) sind sie so vereinzelt, dass sie lange 
nicht einen Kronenschluss herstellen, so dass der Wälderzuwachs gar oft 
nur auf Ein bis zwei Zehntel dessen herabsinkt, was gute Krumen zu 
erzeugen vermögen« 

Wer sollte nun nicht begierig sein, in bestimmter Ziffer den Gang 
kennen zu lernen, welchen das Wachsthum der Hauptwaldformen auf den 
gewöhnlichen Krumen der Alpen nimmt? Höhen- und Starkenzuwachs, 
Schaft- und Kronenform, Stammzahl, zeitlichen und durcbnittlichen Zu- 
wachs vom Joche, Ausdauer u. a. vr.f Wer sollte nicht die Grenzen 
kennen wollen, innerhalb welcher diese WachsthumszifTern zu schwanken 
pflegen, und die Mittel, welche sich gewöhnlich ergeben? 

Aber leider sind diese Einflüsse der Krume noch eben so wenig 
mit Ziffersehärfe erhoben worden, wie jene der Seehöhe, und die nem- 
lichen Klagelaute, welche mir der Absatz 1S3 auspresste, kannn ich auch 
hier nicht unterdrücken. 

Einstweilen — geneigter Leser — nimm die folgenden Angaben, 
grösatentheils Früchte meiner eigenen Bemühungen — hin« — Decken sie 
zwar nur die ungeheure Kluft auf, welche noch unausgefüllt vor Uns liegt, 
so sind sie doch vor der Hand — besser, wie Nichts. 

Alle diese Wachsthumstafeln beziehen sich auf geschlossenen Wald 
und Böden von gewöhnlicher Tiefe. Die dargestellte Wachathumsver- 
sehiedenheit ist also ziemlich reine Folge der mineralischen BeschafTenbeit 
der Krume. 



Waehstliuinsgaiig des LerchenwaMes 

In den priniörer Reichaforaten WeluchUrola 

auf Rallksehatt und Sehieferboden. 

KalkBchuttboden ans aua^epräirtetti Dolomit (Canali» Assinozza, Neva) 
Schiefetrbodeti des Glimmerschiefer (Ta^ola) Seehölie 8500 — 4500 Pubs. 



Mittlere Mittlere 

Be- StammatSrke Stammhöhe 
•tan- > ^ ^ 

dea Kalk- Scbie^ Kalk* Schie- Kalk- 
alter acfaiUt fer achutt fer achutt 



10 
SO 
30 



Stammcalil 
auf dem Joche 



8ch{e« 
fer 



Jahreazuwactaa anf das Joch 



Leister 



Mittlerer 



Kalk. Sehie- Kalk- Schle- 
achutt fer achutt fer 



6 9600 10000 n 48 4S 



48 



8.5 18 11 
4-5 88 88 



5400 
8310 



5600 48 5t 45 50 



8460 77 77 55 



59 



S8 


90 


1850 


1S80 


83 


83 


63 


65 


3» 


38 


770 


800 


74 


60 


65 


68 


38 


44 


510 


510 


51 


54 


68 


66 


40 


48 


480 


480 


4« 


45 


60 


63 


4S 


50 


450 


450 


4t 


45 


57 


66 



50 8.0 7., 

60 9«o 9»o 

70 10.0 lOo 

80 11.0 Ho 

nfihr Ast- und Gipfelhols mit 8 Proaeoten von der DarbholKmaave. 



Wachsthomsf ang des fichtenwiüdes 

in dea prlmörer Reichaforsten Welscbtirol« 

auf JK^aÜLScIuia, ILattLtlioD nad Sdüeferboden. 

~ Kalkschuttboden de« ausg^eprägten Dolomites (Balzoneda , Canal! , Pra- 
vidali) Kalkthonboden des Jurakalkes (Valplana) Schieferboden des Glim- 
mersciuefers (St. Mardno, Tog^azza). Alle Bestünde ans der Plenterung^ 
hervorgegangen. SeehÖhe 3500 — 4500 Fuss. 



Mittiere Stammstarke 



Be- 

atMi* '' I I 

des KaUi. 

alter sehtiU 



10 
80 
30 
40 
50 
60 



0.« 

t.« 
4.0 
6.. 
8.. 
10« 



70 11.. 
80 18.. 



Kalte 
thon 

0.| 

8.5 
4.5 

7.0 
9»o 

10.S 

18.0 
13.0 



Scliie- 
fer 

0., 
8.. 

4.. 
6.. 

8.. 

9.8 

Uo 

18.0 



StamuihBlie 

Kalk- Kalk- Sehte- bei- 
sctintt thon fer ISufl|r 



Stammeahl Mittlerer 

V. Joche Jahrestuwacha V. Joche 



Kalk- 
aehtttt 



Kalk- 
ihon 



5 

9 

80 

30 



48 
50 



6 
10 
88 



45 
51 

54 



6 9000 

18 5500 

84 8700 

34 1300 



48 
49 
56 



830 
510 
480 
480 




mehr Ast- and Gipfelhols mit 10 Prozenten von der Derbhol«masse. 



(Sogeaannter) Fiehten-VrwaM in ObersteiermarlL. 

Seehöhe 2700 — 3700 Fasa. 



Gewöhnlich. 



Slammzahl .......... 

Derbholemaflse MaeuseDklafter . . . 
Stamoiatarke im Mittel Zolle . . . 
Stammlänge im Mittel Fusse . . . 
Mittl. Holzgehalt Einea Stammes Fasse 
Asthoiz, Prozente der Derbmasse 



Kalkschull 
boden 


l- Kalkthon. 
boden 


Schiefer un4 
Lehmboden 


540 


360 


360 


30 


36 


40 


10 


IS 


il«A 


55 


55 


75 


IS 


siv. 


Vi 


9 


6V. 


« 



WacluithaiiiSi^Mig des Bochenliocliwaldies 

In den oiederftcterreiobtechen Reichaforsten des WieDervaldes 

auf lielmi- und l&idkschattbodeii. 



Der Lehmboden ist jener gewöhnfiche des Wienersandateine« mit be- 
merkenswertbem Kaikgebalte. Der Schottboden ist aas doiomitischem Kalke 
enstanden. Gleichalterige geschlossene, aas dem Samenhieb hervorgegan- 
gene erst spät durchforstete Bestände, deren Bodendecke durch Streure- 
chen nur wenig geschmälert wurde. Seehöhe 1600 — 1800 Fuss. 



Bestandes- 
alter 



Holzmaase dea 
Hauplbestandea 



Lehm- 
boden 



Kalkschutt- 
boden 



Jahressuwaeh« vom Joche Wald 



Leister 



Lehm- Kalkschatt- 
boden boden 



DurchschnitUicber 



Lehm- 
boden 



Kalkschatt- 
boden 



10 

SO 

30 

40 

50 

60 

70 

80 

90 

100 

110 

ISO 

180 



SSO 

600 

1300 

SOSO 

S940 



51S0 

6810 

8410 

98S0 

10940 

11650 

11840 



700 
1090 
1560 
SllO 
S670 
8860 
3850 
4S90 
M80 



5300 



48 

65 

79 

91., 
101., 
183 
168 
157 
185 
104 

39.. 
5 



38., 

39., 

5S 

56 

36 

61 

58., 



30.4 
31 



S5 

34., 

43 

51., 

59 

65., 

78.. 

85.. 

93., 

98 

97 
91 



33 
35 

wDsft 

39 

4S 

44., 

46., 

48., 

47.. 

47 

45.. 

44 



19 



190 



Wachsthamsgang des Baclienhocliwirfdes 

In den primSrer Reichaforsten WeUchtfroU 

•af Kalkthon und RalkschoMbodenu 

Kalkthonboden des Jura, Kalkschuttboden des ausgeprl^ten Dolomites. 
Bestände aus dem Plenterbetriebe hervorg;eganj[^en. SeehSbe 9000 — 4000 
Fuss. 

Jahressnwseha auf dem Joch/e 



Mittlere Mittlere StammMhl auf dem 

Be> StammalSrke SUmmbSbe Joche LetEter 

alan- > . ' > . ■ ^ ' ^ 



Mittlerer 



dea Kalii- Kalk- Kalk- Kalk- 
Alter thon acbutt thon aghutt 



10 
SO 
30 
40 
50 
60 
70 
80 



0.. 

i.8 

3.. 
4.. 

5.5 

6.> 

7., 



0., 
l.> 

t.5 

4.0 
5.* 
6.. 
7.. 

8h, 



4 
10 
18 
26 
31 
35 
38 
41 



4 

9 

16 

t» 

S7 
30 
33 
35 



Kalk- 
thon 

9600 

6400 

3100 

1550 

1095 

865 

740 

640 



Kalk- 
achutt 

10000 
7000 
3600 
1900 
1950 



600 
735 



Kalk- 
thon 

98 
39 
38 
51 
70 
86 
90 
76 



Kalk. Kalk« Kalk- 
•chatt tbon achvtt 



99 
99 
35 
54 
64 
67 
70 
61 



98 
30 
33 
40 
46 
53 
58 
61 



99 
99 
31 
37 
49 
46 
50 
51 



mehr Ast- und Gipfelhols mit 15 Prosenten von der Derbholsmasae. 



Wachsthniiissaiig d«« ScliwarBflHurenwaldes 

im anterSsterrelchiaehen Wienerwalde 

auf Iiehm- und Kalkschattboden. 

Lehmboden des Wiener-Sandsteines mit bemerkenswerthem Kalkte- 

halt. Kaikschnttboden des deiomitischen Kalkes. SeehShe 1300 — 1800 Fuss. 

Jahreasuwacha vom Joche 
Holamaaa« dea '^^^■~~— — ^^ » ^— -^^ ■ ' 

HauptbeaUndea Leister Mittlerer 



Beatan» 
deaaller 

10 

90 

30 

40 

50 

60 

70 

80 

90 
100 
110 
190 



Lehm- 
boden 

960 
940 
1690 
9480 
3410 
4990 
4900 
5340 
5640 
5860 
6070 
6980 



K«ikaeh«itt- 
boden 

. 990 
700 
1110 
1530 
1950 
9400 
9670 



36S0 
4000 
4300 
4550 



Lehm- 
boden 

96 

71 

76 

81.. 

97 

60.. 

55 

40.. 

97 

91 

«0., 

90 



Kalkactott- 
boden 

99 

41 

41 

49 

43 

45.. 

48 

36.. 

36 

35 

98 

94 



Lehm- 
boden 

96 

47 

56 

68 

68.. 

71.. 

70 



58., 
55 

5t 



Kalkacbutt- 
boden 

99 
35 
37 



40 

41 

41 

40.. 

40 

39 

88 



»i 



BachenschlagholjB 

im VenezianischeD Hoch^^ebiriire (Campo toroiid«) 

anf KaULthon und Kalkschattboden. 

Meereshöhe 8500 — 3500 Fuss. 

Kalkthon- Kalkichatl- 
Bestandesalter 40 Jahre boden boden 



herrtehende S60 610 

Stang^enzahl auf dem Joche \ gedrückte 



Mittlerer Jahreswuchs 



\ Zusammen -- M80 — SlOO 

Stammhdhe . . 0.n O.«« 

Stammslarke. . 0.io O^^i 
Hobmasse vom 

Joche . . . S5 1» 



125 

Hanpt-Waldformen in des Alpen. 

Der Wald aller Alpenwilder ist der Pichtenforst — In den elg^nttiih^n 
Hochhergen ist fast der ganze Waldstand nur ein einsiger unflbei*4ehba- 
rer Fichtenforst, thatsftchiich hegreift er hier vier Fünftel des geüflmttl- 
ten Hoklandes. 

Ungeheure Flächen davon sind reine Fichte, bftufig Aber sflrMgen 
sich (besonders auf kalkigen Krumen), hier einzelne Tannen, Buchen und 
Ahorne, dort wieder Lerchen ein. Seltener ist diese Beimischung ib Mark, 
dass man die Bestände als ^gemengt" bezeichnen müsste. 

Den n&chsten Rang nehmen die Buchenforste ein, zwar nicht ili den 
Uochbergen, denn hier sind sie sehr seiten, wohl aber im Ntyrd* und 
Oslabfalle und im Südhange der Alpen; in erst«ren Strieheh gewöhn- 
lich als Hochwald, im letzteren als Schlagholz ; das, was in der Tafel Iffl 
als Laohhoch- und Laubniederwald bezeichnet erscheint, ist gettfMlnlich 
Buchenforst. 

Alle übrigen Waldformen suid im grossen GtfnAen Ten sdd^ ^iMr- 
geordneter Bedeutung. 

Erwihnenswerth sind gleichwohl: 

Der Bergföhren (Nieder) wald der höchsten Regloin. 

Der Erlen (Nieder) waM der Bachufer, der Auen und der qtlMligefn 
Bergh&nge, dann der Bergerlenwald auf den Ihonigen und Schiefei'bOden 
der höchsten Region« 

Der Lerchenwald der Sidalpen^ und endlich 

Der Scbwarzf&hreirwaltf des nordöstlichen AIpeirfiMa^^. 

Die Art der Benützung drückt dann noch ein eiigenthümüches Ge- 
prlg)S auf: 

19* 



Dem Streuwalde, 
Dem Brande, und 
Dem Bannwalde. 

126. 
Der Fiebtenplenter- und der Bannwald. 

Hier in den Hochberg^en , wo die Gebothe der Natur und der gege^ 
benea Verhältnisse so klar und mächtig vortreten, erringen sie sich bei 
den Menschen auch entschiedenere 'Geltung. 

Die ersten Ansiedler fanden überall den wirklichen oder sogenann- 
ten Urwald vor, Gehölze, in welchen absterbende mit reifen Stämmen, 
mit Stangen und mit Jungwfichsen beisammen stehen. Sie schieden sich 
die bestgelegenen Strecken zur dauernden Befriedigung ihrer häuslichen 
Holzbedürfnisse aus, und griffen bei ihrer Benützung natürlich nach den 
starken und reifen Stämmen, welche die nimraerrastende Natur nie aus- 
gehen liess. So entstand die Plenterwirthschaft der Alpen. 

Bilden wir uns recht lebhaft ein^ wir wüssten noch gar nichts, 
weder über die Aufforstung noch über die Selbstverjüngung der Schläge, 
so begreifen wir recht gut, wie in den Urzeiten, in welchen über das 
Schicksal der Kahlschläge noch keine beruhigende Erfahrung vorlag, jeder 
gute Hauswirth vor dem kahlen Abtriebe seines Waldes zurückschreckte 
und sich nothwendigerweise an den Plenterhieb anklammerte, als den ein- 
zigen, der ihm in dem zurückbleibenden Stamnivorrathe sichere Bürg- 
schaft both für die künftige Deckung seiner Bedürfnisse. 

Die Menschen sahen dann auch bald, dass sich ihr Fichtenwald bei 
dieser Hiebsweise ganz von selber nicht nur wohlbestockt, sondern auch 
in unvermindertem Holzvorratbe, kurz ganz in seinem anfänglichen Stan- 
de erhielt^ diese Waldform both ihnen auch Stämme von jeder gewünsch- 
ten Stärke; und so blieb es denn beim Plenterbetriebe. 

Der Plenterhieb ging natürlich auch in die grossen mit Einfor- 
stungen belasteten Forste über* Die Einforstung lautete auf Abgabe auf 
dem Stocke. Beide Theile sahen in der Plenterung der belasteten Wälder 
nicht nur das sicherste Mittel zu deren Erhaltung, sondern auch die ein- 
zige Möglichkeit zur Befriedigung der Servitutansprüche. Denn der Einge- 
forstete konnte seine Rechtshölzer, soUteXdie Servitut nicht allen Werth 
verlieren, nicht aus weiter Ferne hohlen, der Forsteigen thümer musste da- 
her billigerweise jedem Einzelnen den Hausbedarf in der Nähe seines Ho- 
fes anweisen, was bei der Zerstreutheit der Höfe um so mehr immer 
wieder zur Plenterung führte, als der Berechtigte für einzelne Wirtb- 
schaftszwecke besondere Hölzer brauchte (Bau-, Zeug-, Schindel-, Bin- 
derholz) ^ welche in keinem Walde alle beisammen zu finden sind« 

Die abgelegenen grossen Forste wurden auf Holz nur sehr wenig 
benützt Die demungeachtet vorkommenden Holznutzungen d. i. die Pot- 
aschenbrennerei, die Binderholz- und Schindelmacherei, die Erzeugung 



iNMioDders itarker Werkhdlzer (Mfihlwellen u* s. w«) rief aber auch dort 
den Plenterhieb ins Leben. 

Zweifelsohne entstanden die Kahlschläge erst später, nachdem sich 
die kohl- oder holzverbrauchenden Montanwerke (besonders Eisenhütten 
und Salinen) zu grosser Ausdehnung* erhoben. Diese mussten, um die 
grossen Holzmassen beizustellen, welche sie nunmehr brauchten, noth- 
wendigerweise zu den abgelegen Porsten greifen, welche noch fast unbe- 
nätzt ober und hinter den für den Hausbedarf der Bevölkerung vorbehal- 
tenen Wäldern lagen; hiebei tjAugte ihnen aber der Plenterhieb nicht 
mehr, denn die Zustellung der Hölzer wfirde dadei (aus diesen abgelege- 
nen Strecken) weit mehr gekostet haben, als sie aufzuwenden im Stande 
oder geneigt waren; nur mit Riese und Klaustrift konnten sie aus so ent- 
legenen Strecken die Hölzer zu annehmbaren Preisen beistellen, und auch 
die Anlage dieser kostbaren Werke zahlte sich nur dann aus^ wenn die 
möglichst grössten Holzmassen in kurzer Zeit auf selbe gebracht wer» 
den konnten. 

Sie hieben daher die Wälder um so unbedenklicher und auch im Ein- 
verständnisse mit dem allfälligen fremden Forsteigenthümer kahl herunter , 
als dabd nichts gewagt war; denn ohne diese Benützung hatte der Wald 
ohnehin keinen Werth und im Falle er sich auch nicht wieder verjüng- 
te, gaben die abgetriebenen Flächen noch immer eine dankbare Vieh- 
weide (Alm). 

So entstand die KahlschlagwirthschafL 

Auch wo der Holzhandel grosse Holzmassen für weite Verfrachtung 
suchte (wie z. B. im Nordabfalle der Alpen und besonders in Cnteröstreich 
fftr die Holzbedeckung der Reichshauptstadt Wien) hieb man die nahezu 
unangegriiTenen Forste aus gleichen Gründen allsogleich im Kahlschlage. 

Die Sr&hrung zeigte dann bald, dass sich der Fichtenwald auch selbst 
verjüngt, sie lehrte, dass diese Selbstverjüngung in den tieferen und bes- 
serkruraigen Lagen bei kleinen vereinzelten Schlägen bald genug und vor- 
trefiBich erfolge. 

Das brachte nun auch solche Gemeinden , welche ihren Holzbedarf ge- 
meinschaftlich beistellten, dann die kleinen Waldbesitzer (Bauern), welche 
bedeutendere Holzüberschüsse in Kohlen oder Brennholz an die Montanwerke 
oder an den Holzhandel abgeben konnten , dazu , in derlei guten Lagen kahl 
zu hauen, sobald die Beistellungskosten dadurch wesentlich vermindert wer- 
den konnten. 

Die dankbare Weide, welche alle Kahlschläge, und die zeitweisen 
Gretreidernten, welche viele derselben gaben, wirkte dann mit zur weite- 
ren Verbreitung des Kahlhiebes. 

Andererseits sprachen wieder ganz entgegengesetzte Gründe mit vol- 
lem Erfolge für die Beibehaltung des alten Plenterhiebes. 

Wo bedeutender Werkholzhandel «ststanden war^ (Südabftll der Al- 
pen) konnte man die Plenterwii^thschaft nicht ohne grosse zeitliche Ver- 
luste au%eben, weji man nor starke Hölzer vortheilhaft verwerthen konnte^ 



Wie solHe man die bisherigen Pleaterwalder kahl hauen^ da man ihre 
schwachereo Hölzer gar nicht oder nur um da« halbe Geld ansuhrbgen 
vermocht hatte, da man dann auch nicht wuaate» was mit den starken 
S(taw»en jener Bestände anfangen, welche nach der neuen Schlagordnunf 
ejrat in spater Zukunft zum Hiebe kommen sollten? 

In den vielen mit Einforstungen belasteten W&ldern blieb es in der 
Regel fiberall beim Plenterhiebe , denn selbst in den wenigen Fallen, in 
wichen es mägUch gewesen wäre, f&r eine grössere Zahl Etingeforsteter 
fjne vollständige Reihe von Gesammtschlägen herauszufind^i > aus wel* 
cfien die Zustellung der Rechtshölzer nicht höher als bisher kommen mus- 
sie 9 konnten sieh die Berechtigten nicht 'über die gemeinschaftliche An- 
Uge der nöthigen Bringungswerke vereinigen. 

In vielen Gemeindew&ldern hatte es ein iUinliches Bewandtnisse Wür- 
de auch die KahlscUagwirthschaft zulässig oder selbst vorrheilhaft gewe- 
s^ seiflbk aQ konnten sich die Insassen doch nicht über die Errichtung der 
unumgänglichen Bringungsanlagen einverstehen. 

BHanchen Gemeinden od^ den sie beürsternden Staatsforstbehörden 
(Tür^A Lomhardie, Venezien) zeigten die traurigen Erfahrungen ihrer 
Gegend, wie gefährlich die Kahlschlagwirthschaft der Verjüngung der 
Wäl4er s^> Wyonö^ die Beweidung der Schläge nicht gehörig in Schran- 
ken gehaltep Nrird. — Um nun die Erhaltung des noch vorhandenen Wald- 
standes nicht weiter zu geßhrden, blieben sie beim hergebrachten Plen- 
terbetriebe. 

Dam Hat auch die Eriahrung dem Aelpler schon zu Genüge gezeigt, 
an wie zahlreichen fiUelien der Wald die wohlfeilste und oft die einzige 
Schuta^wehr gen die gewaltigen Verwüstungen seiner Bergnatur ist, sie 
hat ihn seit jeher bestinunt an diesen Orten den Wald gegen die Axt zu 
bannra. -- AU diese Bannwälder können nothwendigerweise nur geplen- 
tert werden 

Endlich waren und sind noch immer auch im Forstbetriebe das Bei- 
spiel besonders der grossen Besitzer, die Gewohnheit und die Mode nicht 
ohne Einflnas. — Wo nothwendiger- oder vortheilhafterweise in der Haupt* 
saohe kaU gehauen wird, schlägt man auch solche Strecken kahl, wel- 
che eben so gut oder besser zu plentern wären, und umgekehrt plentert 
man i» Gegenden , wo der Plenterhieb allgemeiner angezeigt ist , auch 
öfter doHy wo der Kahlhieb besser am Platze sein würde. 

Unwillkürlich habe ich jetzt schon eine kurze Geschichte des Fich- 
tenplenterwatdes der Alpen gegeben und aogedeutet, woselbst sich der 
Plenterbetrieb bis in unsere Zut erhalten hat. 

Wir finden ihn zur Stunde fast in allen Fichtenwäldern des Sfldab- 
falles der Al^^e, wo ihn der UiUiende Werkhoh&handel erhält Wir fin- 
den ihn in den meisten mit Einforstungen belastet^i Wäldern von Käm- 
then und Krau», wir finden ihn als Regel in jenen^ Odmeinwäldern Salz- 
burgs« Tirols und Kärnthens, in welchen den Innasseii der BWk&biedarf 
auf dem Sleeke angewiesen wird» wir finden ihn fast überall in den 



Bauernwäldern aller Alpen-Kronlinder, welche die Eif^enthümer der De- 
ckung ihres eigenen Hobbedarfee gewidmet haben, wir finden ihn endlich 
in allen Bannwiildem. 

Die Südalpen haben gar manche aehr gut betriebene Plenterforste 
aa&ttweiaen» welche schon seit Jahrhunderten nach gleichen wohlver- 
standenen Grundsitzen behandelt werden ; und daher vortreffliche Anhalts- 
pttokte sur Beurtheilung des Wachsthumsganges ^nd des Ertrages regel- 
miflsig bewirthschafteter Plenterwilder geben. 

Bevor ich den allgemeinen Wachsthumsgang des regelmissigen Fich- 
tenplenterwaldes der Alpen beleuchte, kann ich mir nicht versagen einige 
Erliebungen vorauszuschicken, welche in dieser Richtung im südtiroler 
Reichsforste Paneveggio gemacht wurden, und welche um so mehr Werth 
besitsen, als derlei Unteraachungett ihrer gsns eigenthfimlichen Schwie- 
rigkeiten wegen im Plenterwalde nw sehr selten angestellt werden. 



896 



Waehsthnmggaiig des Fichtoi- 

des Reichsforste« 

Seehdhe MOO — «NM) Fnaa d. h. bia an die FichteDregionagren&e. Hauptabdaehuf 

rOhrend. Die Waldre; ion ringaum tob 



Alter 

im 
SUm- 




Regrlon 


1 Bwlschen «««O - 5SOO Fnss. 


1 

StunvIiOhe 
in Füssen 


Staanstlrke 

in der Brnstiidbe 


Zoiie 


■Olisthatt 
4M Sttaftit 

MassenfuMe 


CUrnse HOhe 


Jati- 

res- 
trieb 
telMtf 


OaoM StSrlie 


JahreS' 
meh- 

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— 87 


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78 


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9.« -20 


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0,3 


42 


••« 


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67 


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17.0 


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Schaft! 


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41 





im Plenterbetriebe 

Panevegfrio 

it9 Gebirfea WSW. Tiefer Lehmboden mit Pelatrümmerunteri^rund^ vom Porfir ber- 
Sennweiden oder Pelskammen überragt. 



Recloa mwisciiea AAOO - SOOO Fum. | 


SUnBUUM 
in PoBnen 


iUmmMfkB 

in der Brasthöhe Zolle 


loligahalt 
4M SchtftM 

Maaaaofuaae 


Gänse Höhe 


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11.7—30 


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84.3 


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Affbolis 


s-7. Im mtui w* rniMto. 







WSre es möglich in diesen Plenterwäldern aus den im Plenterbe- 
triebe aufgewachsenen gleichalterigen Stimmen regelm&ssige Bestände 
zusammenzusetzen, so würden sie folgende Gestalt und Erträge haben: 



Ein Joch ^«^»ehlofiiiiener IVftld aus «lelclialferlseii 1 
Pleitt«rflt&iiun«ti. 1 


HefiöD zwUcheo 


4600 -^5500 PuÄS. 1 HegioD zwUchen 5500 —6000 Fua« 1 


iil 


1 


Hotogehalt | 


J&hrdA-Boli- 

xowadis 
des BostandSi 


1 Holzgehilt 


Jabru-IIttli- 1 
xiwaehs 1 

1 


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1 




1 




1 


1 




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1 


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2100 


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2100 


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190 


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1600 


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14 


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1200 


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1600 


80 


40 


1200 


0^ 


770 


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10 


010 


3^ 


2sm 


120 


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910 


Iflo 


1100 


50 


22 


60 


700 


5^ 


4200 


140 


70 


700 3,3a 


1600 


55 


27 


70 1 


590 


10., 


5800 


160 


83 


590 4« 


22O0 


60 


33 


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500 


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7400 


180 


02 
«3 


500 6.4 


2800 


60 


35 


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420 


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8300 


190 


420 8.5 


3400 


60 


38 


100 


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10100 


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101 1 


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4000 


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11600 


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335 


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4800 


60 


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120 


305 


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12800 


120 


107 


305 


17^ 


5400 


60 


45 


130 


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13800 


100 


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280 


21^ 


6000 


60 


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140 


260 


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104 1 


260 


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150 


245 


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15300 


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245 


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7800 


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215 


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30 


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48., 


10000 


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203 


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17300 


20 


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10800 


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Dorduclmltb 


iitwa«bs det Ffirttes hh- 


-20 Im UtlAl 54 lau 


aafki»e 



S^rteBTerliMtBiss und deldwertli üem Holsertrage«. 

Vom Jocke durchschniUlicIi. 

Geldwerth auf dem Stocke. 

Prozentsatz 

der ]fae«eii- Binee In 

Holzaorten fasse Fasses Ganzen 

(Gesunde 14fuMige 5t tS •— u 5« 



'4» 



A««.Kix^k^ J Aneertecbene 14fa8«iee 6 3*/* — ♦ 

»agDiöcne j ußg^jg^ ohne Unterschied 30 I6V4 -a 

^ 88 47 V. 6u 

Brenn- und Kohlholz (Abhölzer) • 18 6'/« — 1.7 —u 



100 54 627 

Die Schafte werden bis auf 6 Zoll zu fiagblöchen au%earbeiti»t 

Venezianer 
Um Tausend 14fussige SagUdche (taglie) m eraeugen . Massenfasse 

mfisaen gefallt werden 1980Q 

Aus der gefällten Holzmasse werden entfallen: 

Starke in Holzgehalt v. Passe, 

venez. Zollen Anzahl Das Stück Zusam. 

i&ffiMiirA r'^'*''^'*» • 16 und mehr 131 19.7» 8586 

S^rtllcleJ*^^"^ «-" 308 18.SC 396« 

^" K^?^ 1 piccole 10-12 324 9.„ 2975 

^ * ^ isoltomisure 6-10 «87 5-« 1404 

1000 1M«7 

llfiissige Sagblöche 5652 

Brenn- oder Kohlholz 2260 

Arbeitsschwand 361 

19200 



••^' 



Holsgate. 

Das Fichtenholz von Paaeveggio hat bis Verona und Venedig den 
wohlverdiemen Ruf ganz vorzüglicher Güte. 

Es zeichnet sich aus durch besondere Dichte bei gleichwohl sehr 
scbfwaehen (JaJbres*) Ringwliiden, durch ungewöhnliche GloicM&rmigkeit 
(gleicUBrraige Mmringe) uad Astlosigkeit, dann durch hervorragende 
Ausdauer. 

Meine eigene» Untersuehungeii haben seine Dichte heraufgesieUt 
wie folgt: 

Zahi der Jahrringe auf Spi^zlfische« Oewieht in 
Jeden Zoll Breite taasendtheflen V» H 

In lufltrockensitt Sbistande jSkhwankang Mitlei gLChwankanj;^ Büt tel _ 

GeuutidesKemlMilz . . . 8«^e KS 852^4»! 415 

Rothianles Kernholz • • • fr-^lft » 414^514 461 

AMholz ^ 99 Wh-T» MI 



Wer noch keinen regelnAsaigen Fichtenplenterwald gesehen hat, 
dürfte sich i^on ihm kaum eine richtig^e Vorstellung machen. Man darf da 
nicht glauben, er bestünde ans abwechselnd nebeneinanderstehenden Flecken 
oder Gruppen von Maiss, Jung-, Mittel- und Altholz, gewissermassen ans 
einer Unzahl äusserst kleiner regelmässiger Bestände allen Alters. Nichts 
weniger als das. Der wohlbetriebene Plenterwald ist ein nahezu völlig ge- 
schlossenes Hochholz, welches sich von den gewöhnlichen gleicbalterigen 
Altbeständen nur dadurch unterscheidet, dass seine Stämme nicht so gleich 
stark sind und dass dazwischen auch einzelne Reidel und Stangen stehen 
und stellenweise auch spärlicher Jungwuchs anzutreffen ist. 

Bringt man die Stämme des Fichtenplenterwaldes nach ihrer Stärke 
in mehrere Abtheilungen, von welchen jede um eine gleiche Zahl von Zol- 
len steigt (z. B. 1—6, 6—12, 18—18, 18—24 Zoll), so zeigt sich zwar, dass 
jede Stärke durch eine ziemlich gleiche Zahl von Stämmen vertreten ist; 
bei der einfachen Beschauung treten aber alle schwachen Stammklassen 
so «ehr vor den starken zurück, dass sie fast ganz der Beobachtung ent- 
gehen , offenbar weil sie von den starken Schäften verdeckt und gedrückt 
werden. 

Der Jungwuchs insbesondere entgeht öfter gänzlich der Beobachtung, 
Aills man nicht etwa besonderes Augenmerk auf ihn richtete. 

Im wohlerhaltenen regelmässigen Fichtenplenterwalde ist der Boden, 
wie in den geschlossenen gleicbalterigen Althölzern, bei Kalkthonknune 
mit kurzen Mosen und sehr spärlichen Gräsern und Kräutern, bei Kalk- 
schuttkmme auch mit krautartiger Heide , bei gemeinen Lehm- und Sand- 
krumen hingegen ohne Graswnchs mit Moos und gemeiner Heidelbeere be- 
deckt — Keimt hier auch der fallende Same mehr oder weniger gut, so 
gehen doch die Keimlinge, ganz so wie im gleicbalterigen Altholze regel- 
mässig wieder ein; nur an jenen Stellen, über welchen durch die jüngste 
Herausnahme Eines oder mehrerer Stämme ein Loch in das hohe Kronen- 
gewölbe geschlagen wurde, erhalten sich einige und wachsen zu Jungholz 
heran. Der Jungwuchs erscheint auf diesen Stellen auffallend schneller und 
reichlicher (besonders auf dem Heidelbeerfilze) , wenn durch die Aufarbei- 
tung des früher dortgestandenen Stammes, oder gar durch dessen Windsturz 
der Boden verwundet wurde. 

Der Keimling ist nun zur mehrjährigen Pflanze gediehen, diese wächst 
auch endlich zur Stango heran , aber es ist eine arme freudenlose Jugend, 
ihr ist die üppige Frische, die markige Fülle des freiaufwachsenden Fichten- 
jfinglings für immer versagt, im steten, niederdrückenden Kampfe um das 
nackte Dasein fristet sie auch im besten Falle eben nur das nackte Leben. 

' Die Stange wiird endlich Mittelholz. Bereits abgehärtet und daher min- 
der empfindlich gegen den unvermeidlichen Druck der Verhältnisse , strebt 
sie jetzt mit wachsender Kraft dem Urquell alles pflanzlichen Wohlseins, 
dem Lichte m, und wie im Menschenleben die rastlose vernünftige Beharr- 
lichkeit doch meist zum Ziele führt, so arbeitet sich auch hier das Reidel 
gewöhnlich lu Althols [empor und geniesst nun am Abende seines vielg«'» 



prüften Leben« mit vollen Zfigien all die kastbaren Gfiter dea Lichte« , der 
Sonne, de« Thaue« und de« Regens« welche seiner Jugend nahezu versagt 
waren. 

Gleich dem entschlossenen kraftigen Manne, der sich nach langen 
Schicksalsprüfungen doch endlich ein behagliches Alter erkämpft, ist der 
Altstamm zwar schon verdorben für die gewaltigen Kraftausserungen, welche 
nur der ungetrübten Jugend vorbehalten sind, aber ihm ist dafür ein langes 
Alter von solcher Rüstigkeit beschieden , dass er in der letzten Stunde , wo 
endlich die Axt an ihn gelegt wird, auf Leistungen zurückschauen 'kann, 
welche den Thaten des zeitlebens frei Gewesenen nur selten nachstehen. 

Aber ich fürchte, diese, Sprache der Dichter ist wenig geeignet zur 
klaren Darstellung so materieller Dinge, wesswegen ich denn zurückkehre 
zur kalten aber desto bezeichnenderen Prosa. 

Vermog des Druckes des umgebenden Hochholzes kann der Jung- 
wuchs im Plenterwalde nie zu jener Kraftentwickluag gelangen, welche 
ihn im freien Stande auszeichnet, er kann, ganz abgesehen von der reichen, 
kräftigen und tiefgrünen Benadelung, hier nicht zu jenem Maximum von 
Kraftansserung in Längen, Starken und Massenwuchs, dann in Schaft und 
KronenfBlIe gelangen, welche den gleichalterigen Fichtenbestand um 40— 
60 Jahre herum auszeichnet Zwar. unterliegt die Fichte ihrer eigenthüm« 
liehen Natur nach nicht leidit diesem Drucke, aber sie wächst in jeder 
Beziehung ungleich minder rasch vorwärts. 

Zeitweise durch nachbarliche Fällungen hervorgerufene Lichterstel- 
lung beschleunigt zwar oft auf einige Jahre den Wuchs; aber gleichwohl 
ist das Wachsthum im Allgemeinen bis zumAitholze hinauf stau- 
nenswerth gleichförmig. Diess ist nicht minder auch mit dem Längen- 
wüchse der Fall, obgleich der Längenwuchs überhaupt verhältnissmässig 
stärker ist, wie alle übrigen Wachsthumsäusserungen, was offenbar im 
Streben nach dem Lichte liegt, und eine auffallende Abholzigkeit der 
SduUfte nach sich zieht. 

Ist endlich der Stamm Altholz geworden und in das Kronengewölbe 
an's Licht emporgedrungen, so setzt ihn eben vielleicht die zurückgehal- 
tene jugendliche Kraftiiusserung in die Lage, bedeutend länger in gutem und 
weit besserem Zuwachse auszudauern, als die frei aufgewachsenen gleich- 
alterigen Althölzer ; erst jetzt gelangt er in jeder Richtung in seinen Ma- 
ximalzuwachs und zwar in einem Alter, wo diese den Zuwachs schon 
theilweise oder ganz versagen, wenn gleich diese Maxima in der Regel 
nicht so auffallend sind. 

Der Gewöhnung an Ober- und Seitendruck dürfte es auch zuzuschrei- 
ben sein^ dass eine entschieden grössere Stammzahl bis in*s höhere Alter 
aushält, als beim gleichalterigen Walde. 

Unter diesen Umständen können natürlch die Aeste nie stark wer- 
den und die Schäfte werfen sie bis in's höhere Alter früh ab^ daher die 
ungewöhnliche Astreinheit der Stämme; die Holzzollen bilden sich kleiner 
aber weit gleichmässiger aus, daher die weit grössere Dichte und die 



Ml 

g^Ieichwohl tfchwadbel*eti RingfwSiide de« HoltM, dttm die dünnere Rinde 
der Plenterstlmme. ^ In diesen, wie in den meisten Waehstfanmabenie- 
hungen nähern sich die Plenterstamme mit alleiniger Ausnahme ihres lets* 
ten Lebenszeitraumes sehr den Durchforstnngfsstan^n, mit Welchen sie 
ja auch die Wachsthumsbeding^nn^en ziemlich gemein haben. 

Dieser ganz eigene Wachsthnmsgang des regelmassigen Fichtenplen- 
terwaldes liegt nun hauptsachlich in der Bigenthümlichkeit dieser Holzart, 
in der Beschattung des höheren Holzes bis in's hohe Alter aiisdaaern 
zu können und dabei die Fähigkeit zu behalten, nach endlicher Freistei- 
lung noch immer die Kraft zu entMrickeln, welche sie in der Jugend sa 
äussern verhindert war. 

Nun bleibt mir noch die Kardinalfrage zu beantworten , wie sich 
nemlich im Allgemeinen und im Besondren der Zuwachs, oder was das- 
selbe ist, der Holzertrag nicht des einzelnen Stammes, sondern des gan- 
zen Waldes zu jenem des gleialterigen frei aufgewachsenen Bestandes 
verhält 

Hier aber muss ich meinem geehrten Leser die Antwort schuldig biei- 
ben. — Die Seltenheit des Beisammenseins regelmässiger Plenterwälder 
mit frei aufgewachsenen Beständen, die Schwierigkeit alier Wachsthams- 
erhebungen in den ersteren haben in den Alpen, wo die Forste erst seit ge- 
stern angefangen haben , Gegenstand wissenschaftlicher Forschmig zu sein, 
noch so wenig verlässliche Erhebnngen hierüber zu Tage gefördert , dass 
diese Antworten jedenfalls der Zukunft überlassen bleiben müssen. 

So viel aber glaube ich selbst überzeagend erhoben zq haben, dass 
der Ficfatenplenterwald vergleichungsweise besser zuwächst (also in dieser 
Richtung eher am Platze ist) auf Standorten , auf welchen die Fichte über- 
haupt besser und länger auszudauern vermag. Auf solchen Standorten habe 
ich seinen Zuwachs öfter zum mindesten eben so gross gefunden , wie den 
unter gleichen Ortsverhiltnissen frei aufgewachsener Bestände. 

Unzweifelhaft gebührt dem Plenterwalde auf sonst geeignetem Standorte 
an nndftr sich der Vorzug dort, wo die Erzeugung vorzugsweise auf starke 
Werkhölzer gerichtet sein muss; denn er gibt seinen Ertrag in weit stär» 
keren Hölzern von fiberdiess vorzüglicherer Güte und hat weniger Abhotz. 

Einen Umstand jedoch hat die Plentemng dem Kahlschlage gegenüber 
auch hier gegen sich d. h. die meistens grösseren Abbringungskosten. Wird 
audi nur in zwanzigjährigen Zeitabschnitten geschlagen , so ist doch das 
Holzergebniss, welches sich beim Kahlhiebe auf Einem Joche beisammen 
findet 9 im Plenterwalde stattdem auf 5—10 Jochen zerstreut, wesswegen 
denn dessen Abbringung liier iiesonders dann thenrer zu stehen kommt, 
wenn hiezn — wie es in den Hochbergen so häufig der Fall ist — Rie- 
sen gebaut werden müssen. Nur dann stehen sich die Kosten so ziem- 
lich gleich, wenn die Hölzer schon von der Fällungsstelle aus mit Zugkraft 
abgeführt, oder (auf steilen Lehnen) ohne weiters abgeschossen werden 
können. — Der steigende Holzpreis verringert jedoch diese Arbeftskosten- 
unterscluede immer mehr und mehr , denn er drängt immer h&ufiger am 



Anfgehea der RieMn » die n«r insolange die Aiibiring^ng sehr wohlföil ma- 
chen, als das Holz^ welche« durch sie verbraucht wird, noch Weidg Werth 
beailst 

Aber ~ um wieder zu den Vorzügen zurückzukehren — noch gar 
Viele« empfiehlt den Plenterhieb. 

Auch dort» wo der Holzwerth die allaogleiche Aufforstung der Kahl- 
schlage bereits vortheflhaft machte, müssen diese sehr häufig der Selbst- 
verjüngung überlassen werden. Hier, weil es sich um Lagen handelt, 
wo die Aufforstung (wenigstens zur Stunde) gar nicht gelingt, dort, weil 
man zum Aufforsten kein (beschick hat, wo anders, weil man zeitlicher 
Sparung halber diese Vorauslage scheut und auch die Einnahme aus der 
Weidenutzung nicht geschmälert wissen will, an anderen Orten endlich, 
weil die Ganz- oder Halbservitut der Weide die künstliche Verjüngung 
ohnediess vereiteln würde. In allen diesen Füllen bleiben die Kahlschlage 
nun nothwendigerwetse der Seibstverjüngung überlassen. Diese lasst je- 
doch im grossen Durchschnitte ganzer Forste 25—30 Jahre auf sich war- 
ten, man verliert also ihretwegen alle 100—150 Jahre das Holzerzeugniss 
von S5— 80 Jahren, oder was dasselbe ist, die Forste werfen ihretwegen 
im grossen Ganzen um ein Fünftel weniger Holz ab. Diesem Holzer- 
tragsverluste nun entgeht man gänzlich beim Plenterbetriebe, und man 
kann füglich sagen, dass all die grossen Forstbezirke der Alpen, in wel- 
chen bisher Kahlsclagwirthschaft getrieben wurde ^ beim Plenterbetriebe 
der Volkswirthschaft nur em Viertel mehr Holz zugeführt hätten. 

Ist denn dann in den Alpen durch die Kahlschlagwirthschaft nicht 
sehr oft schon die Verjüngung höchlich gefährdet, ja gänzlich vereitelt 
worden? Wie oft gesellten sich zu den Naturhiiidernissen , welche der 
Selbstverjüngung entgegenstanden, die nicht hintanhaltbaren Unbilden 
von Seite der Weideniesser , die Verwüstungen des entblössten Waldbo- 
dens durch die ElemAite mit einem Erfolge, der die Schläge zur ewigen 
Blosse oder den spätem Wiederwuchs zum schlechten Krüppelbestande 
verurtheilten ? Die meisten der zahlreichen grossen und kleinen Blossen, 
Weideplätze und Almen der Waldregion sind ganz gegen den Willen der 
Eigenthümer mittelst derKahlschlagwirthschaft dem Holzwuchse entrissen 
worden. 

Der Plenterbetrieb hätte diesen Verwüstungen vorgebeugt! 

Ich will damit nicht sagen, dass nicht auch Plenterwälder völlig ver* 
dorben werden können, denn den uaunterbrochenen Angriffen der Hacke 
und des Viehes unterliegen zuletzt auch sie — was gar viele Gemeinde* 
Wälder der italienischen Alpen beweisen — aber sie widerstehen ihnen 
noch inmier, wo der Kahlschlag schon längst unterlegen wäre, wie njohrt 
minder tausende von Hochgefairgswäldern beweisen. 

Und is< denn der Plenterbetrieb nicht völlig unausweichlich in den 
zahlreichen Gehölzen, welche als Schutzwald ununterbree^n hober Be- 
stookung bedOrfea? 



VnA wie ander« liesaen mch unter den geg:ebeiien Umsduiden die 
HolsoDgarechte der metaten Einf^eforateten dieser Ber^e abthun^ wie an- 
der« könnte aus dem kleinen Bauernwald der Hansbedarf eines Besitzers 
i^efriedi^ werden« als eben durch die Plenterung^? 

Ich glaube nun g^enug^ gesagt zu haben, um auch jene, welchen es 
nicht gegönnt ist, unsere Hochberge von Angesicht zu Angesicht zu 
schauen, zu überzeugen, dass die Plenterung hier für zahllose Waider 
eine unschätzbare und gar oft die einzig ausfuhrbare Betriebsweise sei. 

Wahrhaftig, jene, welche die Plenterwirthschaft als einen unserer 
vorgeschrittenen Zeit unwürdigen Betrieb darstellen, welcher nur etwa 
ausnahmsweise im Bannwalde oder in Cregenden geduldet werden kann, 
wo der Wald noch keinen Werth hat, all diese mögen zwar die Land- 
forste ihres Bezirkes ganz vortrefflich kennen, aber von dem Verhaltnisse 
unserer Hochberge haben sie wahrlich kaum eine Ahnung. 

Der Fichtenplenterwald ist dann auch der künstlichen Wachsthums- 
ffirderung gar nicht unzugänglich, — Auf den stark verfilzten Böden 
kann man durch Aufreissung der Bodenschwarte auf den Fällungsstellen 
den Nachwuchs wesentlich begünstigen, und auch durchforsten kann man 
den Plenterwald, wobei freilich nach anderen Gesichtspunkten vorgegan- 
gen werden muss, als beim frei erwachsenen Holze. 

Bis jetzt habe ich den regelmässigen wohlbetriebenen Fichlenplen- 
terwald geschildert. — Aber die grosse Mehrzahl dieser Wälder ist bei 
weitem nicht so regelmässig. 

In den mit der Einforstung belasteten Forsttheilen werden die Stämme 
häufig mehr gruppenweise als einzeln herausgenommen. Hie und da füh- 
ren auch Sturmschäden eine gruppenweise Stellung herbei. 

Namentlich in den vielen Gemeindewäldern, wo sich die einzelnen 
Insassen ihr Holz selbst aufSairbeiten, dann in jenen zahlreichen Plenter- 
wäldern , welche dem Frevel stark ausgesetzt sinc^ kann natürlich von 
strenger Regelmässigkeit keine Rede sein. 

Wir finden daher in den Alpen alle möglichen Abänderungen vom 
regelmässigsten dicht bestockten Plenterwalde bis zu jenem zweifelhaften 
Holzlande herab, welches nur mehr mit einzelneu Stämmen und Stamm- 
gruppen allen Alters sehr licht bestockt ist und manchmal ebensogut als 
bestockte Viehweide angesprochen werden könnte. 

Der Plenterwald letzterer Art ist namentlich in Tirol sehr stark 
vertreten. 

Die unberechtigXe Axt des Gemeindeinsassen und des Holzdiebes, 
das Scharreisen des Harzsammlers, die Hacke des Streumachers, vor Al- 
lem aber die Hoppe des Hirten und der Zahn seines Weideviehes haben 
dort gar viele Plenterwälder besonders in der Nähe der Ortschaften und 
der Almen in Bestände verwandelt, in welchen der vieljährig verbissene 
Nachwuchs sich zwar endlich auch zum Reidel erhebt, aber zu keiner 
Zeit in eine dichte Stellung geräth. Aus der Ferne betrachtet, scheinen 
viele dieser Bestände zwar wohl bestockt, aber es ist das meist Qur-Täu- 



80& 

scbung» denn allerdingfs stellen die von Jugend an licht gestandenen, da- 
her schirmreiohen St&mme einen ertrSglicheu Kronenschluss her » aber es 
fehlt an Schäften und mithin an Derbholzmasse. Gar manche andere Plen- 
terwälder stehen so lichr, dass sich der Boden sogar mit einer förmlichen 
Grasnarbe überzogen hat. In dieser Gattung von Plenterwald sind daher 
Wachsthumsgang und Holzertrag völlig anders und nähern sich mehr oder 
weniger jenen frei erwachsener Wälder oder vereinzelter Baumgruppen. 

Ich habe gesagt, dass die häufigen Bannwälder durchaus mittels 
Plenternng benutzt werden. Diese Benützung beschränkt sich aber ge- 
wöhnUch bloss auf die Hinwegnahme der abgestorbenen oder vom Sturme 
zerrissenen Stämme^ ja öfter fallt auch diese weg und der Bestand bleibt 
gleich einem Urwalde sich gänzlich selbst überlassen. 

Fasst man den Zweck des Schutzwaldes ins Auge (gewöhnlich un* 
unterbrochene Erhaltung möglichst vollständiger Bestockung mit sehr star- 
ken Stämmen), so ist klar, dass derselbe viel besser erreicht würde, wenn 
der gebannte Wald zwar erst in hohem Alter, im Uebrigen aber wie jeder 
andere geplentert und genutzt würde. Hiebei könnte man immer aueh die 
gewöhnlichen Vorsichten beobachten, z. B. dort, wo Lawinen aufgehalten 
werden soiien, sehr hohe Stöcke lassen; man könnte diese Stöcke, damit 
sie möglichst lange der Vermoderung entzogen werden, schräg und glatt 
hacken oder gar mit einem Dache versehen (damit das Regenwasser ab- 
laufe oder sie gar nicht treue). 

Gleichwohl hat aber die bisherige nahezu Nichtbenutzung der Bann- 
wälder unter den gegebenen Verhältnissen ihren sehr guten Sinn. 

Bei der üblichen geringen Achtung des Forsteigenthumes kennt nem- 
lieh die Axt, wo sie einmal zugelassen wird, nur zu oft nicht die gehörige 
Grenze. Um daher den unschätzbaren Bannwald und damit sein Gehöft 
und sein Leben völlig sicher zu stellen, hat der Aelpler bisher ganz wohl 
gethan^ den Schutzwald gänzlich gegen die Axt, gegen jeden EingriiT zu 
bannen. Und tief hat sich diese Nothwendigkeit dem Volke eingeprägt. 
Eine fast heilige Scheu hält selbst den kecken Holzdieb vom Bannwalde 
fern, wesswegen diese Schutzwälder die schönsten und wohlbestocktesten 
der ganzen Gegend sind; Haine, deren schauerliches Dunkel' allsogleich 
verkündet, dass dem Silvan hier ein Altar aufgeschlagen wurde. 

Selbst inmitten völlig verwüsteter Gemeinwälder sieht man öfter 
den gebannten Streifen in vollster Majestät ungestörter Naturkraft hervor- 
ragen, und den Beweis liefern, was die daneben liegenden Gedungen 
vermöchten, wären sie eben so gut vor der frevlen Menschenhand gesichert. 

127 

Der sogenannte Urwald. 

In den deutschen und slovenischen Hochberg^en hört man allenthalben 
von Urwäldern sprechen; oft ganz nahe an Werksorten, die schon seit 
Jahrhunderten g;rosse Holzmassen verbrauchen, trifft man sogenannte Ur- 

SO 



906 

Wälder, die «o eben gehauen werden , so das« der Fremde gar nicht begrei« 
len kann, wie denn der Wald sich in solchen Lagen so lange unangetastet 
erhalten konnte. 

Der Urzustand ist aber hier nichts als Täuschung* Die eigentli- 
chen Urwälder sind in diesen Bergen schon lange auf wenige unbedeutende 
Reste zusammengeschmolzen, und selbst der Böhmerwald birgt w«t 
grössere Waldstrecken , in denen noch nie die Axt erklungen hat, als an* 
sere Alpen. 

Das , was man in den österreichischen Hochbergen Urwald heisst« 
sind gewöhnlich nichts anderes, als überständige, undurchforstete Wälder 
von ungleichzeitiger Entstehung ^ deren älteste Horste schon lange ihr 
Haubarkeitsalter überschritten haben, in denen einzelne Gruppen auch 
schon Tom Sturme geworfen wurden ; zuweilen sind es auch alte Plenter- 
wälder, in welchen man die Plenterung zu Gunsten der Kahlschlagwirth- 
schaft aufgegeben hat. — Allerdings errinnern darin die zahlreichen abge- 
storbenen Durchforstungsreidel , einzelne vom Alter vertrocknete Abstan- 
der, .die^ modernden Windwfirfe, kurz der ziemlich vollendete Ausdruck 
der unangetasteten Naturerzeugung in vieler Beziehung an den wirklichen 
Urwald; aber diese Bestände sind nicht minder aus früheren Schlägen 
hervorgegangen, wie die wohlgescbuiegelten Flachlandswälder unserer Zeit 

Sie ergaben sich etwa also. 

Die Hölzer, welche einst an ihrer Stelle dastanden, sind in ununter- 
brochen aneinander gereihten Schlägen gehauen worden, wodurch unge- 
heure Schlagsflächen entstanden, welche sich nach der Darstellung des Ab- 
satzes 1S9 erst im Laufe der Jahrzehente, in der Regel aus dem Samen der 
ersten Pflanzenhorste selbstverjüngten, welche dort entstanden. Daher das 
ungleiche Alter und die verschiedene Stärke der Stammgruppeu , welch 
letztere um so auffallender hervortritt, als darin noch alle später ausge- 
schiedenen (Durchforstungs) Reidel vorhanden sind, und in manchen Ge- 
genden auch noch die verwitterten Altväter dazwischen vorkommen, welche 
die Holzer beim letzten Abtriebe darum stehen gelassen haben, weil ihnen 
ihre Aufarbeitung dazumal zu mühsam vorkam. 

Da die in den Hochbergen übliche Bringungsweise (mit Riese und 
Klaustrift) starke Hölzer verlangt, so liess man die Bestände zweck- 
mässigerweise von jeher ein höheres Alter erreichen. Weil man aber bis 
in die Neuzeit in den meisten grossen Forsten weniger Holz schlug, als 
im Ganzen zuwuchs, so wurde man hierin sogar zum Aeussersten ge- 
drängt, ganz unwillkürlich musste man zahlreiche Bestände über und ab- 
ständig werden lassen; insolange das zu Viel der stockenden Vorräthe 
nicht vollends aufgezehrt war oder werden wird, kann man nothwendi- 
gerweise den Abgabesatz nur in überständigen Hölzern hauen. 

Die ehemaligen Material&berschfisBe der grossen Forste sind noch nicht 
überall ganz aufgezehrt, an vielen Orten sind daher noch zur Stunde so- 
genannte Urwälder vorhanden. 



307 

Durch das übermässige Altwerdenlassen der Bestände bat man den 
Forsten nnzweifelbaft einen geringferen Holzertrag: abgewonnen, als sie 
Termög ihrer Wachsthnmsverhältnisse hätten abwerfen Icönnen, denn ganz 
abgesehen von der bedeutenden Holzmasse, welche in den Stämmen ver- 
loren gieng, die schon früh absterbend nicht mehr bis zur Zeit der end- 
lichen Eintegung des Kahlschlages aushielten, ganz abgesehen Ton diese)) 
Verlusten , setzt der immer mehr rückgehende Zuwachs solch über^lter 
Bestände den Wälderdurchsctmittszuwachs und mithin auch den Wälder- 
Holzertrag namhaft herab. 

Dagegen hatte man durch dieses Verfahren das Aeusserste an stocken- 
den Holzvorräthen aufgespeichert, worin nun der sogenannte Urwald aber- 
mals dem wirklichen gleicht. — Die Abtriebserträge des uneigentlichen 
Urwaldes deuten daher nahezu das Maximum des Holzes an, welches 
sich auf einer bestimmten Fläche , auf ein und demselben Stocke heran- 
ziehen Hsst. 

Die gewöhnlichen Abtriebserträge des sogenaimten' Urwaldes fähre 
ich in den Absätzen 123 und 1>4 an. 

Ueber seinen Wachsthnmsgang , so wie über seinen Durcbschnitfs- 
zuwachs sind mir noeli zu wenig genaue Erhebungen bekannt geworden, 
als dass ich darüber zusagende Zift*ern geben könnte; so viel abei* ist 
ganz sicher, dass sein Durchschnittszuwacbs bedeutend unter jenem gleich- 
alteriger Bestände steht, welche um die Zeit des grössten Zuwachses 
gefällt werden. 

128 

Der eigentliche Drwald. 

Wer — verfahrt vom ungewöhnlichen Reichthum an Forsten, von 
niederen Holzwerthe, von der sichtlichen Holz Verschwendung — meinte 
in den österreichischen Hochgebirgen seien noch ausgedehnte Urwälder 
zu 6nden, der täuscht sich sehr. 

Immerhin tragen viele hoch und abseitig gelegene Alpenforste noch 
das Gepräge unangetasteter Naturerzeugung ; ausser einigen Steigen^ 
welche sich nothdürßig durch diese endlosen Hochhölzer winden, erblickt 
man dort nur wenige Spuren menschlichen Waltens, und noch seltener 
Zeugen dessen , was man gewöhnlich Holzzucht oder Forstkultur nerait^ 
gleichwohl sind die eigentlichen Urwälder d* i. Strecken, in welchen noch' 
nie die Axt erklungen hat, hier minder ausgedehnt, als (mit Ausnahme der 
Sfidwestländer) in allen übrigen Kronlandsgruppen. 

Kleinere Bestände, die wegen Unzugänglichkeit bis zur Stunde vom 
Hiebe verschont blieben, trifft man zwar^ besonders an der oberen Wald- 
grense^ noch öfter, auch solche Abtheiliuigen, in welchen bisher nur Spalt- 
hölzer (zur Schindelerzeugung , dann Binder- oder Schaohtelbölzer) oder 
einzelne Banstämme für nahegelegene Sennhütten herausgeplenter t wur- 
den; von ausgedehnteren Urwäldern ist mir aber nur Einer bekannt; es 

W 



808 

ist der berühmte niederösterreichische im obersten Thalgebiethe der März 
gelegene Neuwald, welcher seinen Ruf einestheils der Nähe der Reichs- 
hauptstadt und andern theils dem Genie verdankt, mit welchem der HoIsk- 
meister Georg Hubmer in den Jahren 1882 — 25 seine bis dorthin unver- 
werthbaren Hölzer bis nach Wien bringlich machte, und dadurch sich 
und dem Eigenthümer (Grafen von Hojos) eine glänzende Einnahmsquelie 
eröffnete. 

Aber auch von diesem Urwalde standen 1851 nur mehr bei 2000 
Joche und binnen wenig Jahren wird dieses letzte Ueberbleibsel ursprüng- 
lich ungestörter Waldespracht für immer vom Schauplatze verschwunden, 
für immer der Gier der Menschen verfallen sein. 

Der Neuwald hatte eine Strecke — es war die letzte unter dem 
Jochsattel liegende Thalmulde — in welcher die tiefere allseitig geschützte 
und völlig flache Lage, der ungewöhnlich tiefe und reiche Boden jene 
riesige Vegetaziou hervorzauberte, welche man irrigerweise iinmer mit 
dem Urwalde verbunden glaubt 

Es war mir gegönnt in meinen Jugendjahren die schauerliche Herr- 
lichkeit dieses gewaltigen Urwaldkessels zu schauen, eines Naturtempeis, 
der mich erschütterte, wie noch kein von Menschenhand erbautes Got- 
teshaus. 

Ich suchte damals den mächtigen Eindruck in meinem Tagebuche 
mit folgenden Worten wiederzugeben; 

^Höchst merkwürdig ist der grosse, üppige und wohlgeschützte Kes- 
sel dieser unabsehbaren Waldwüste. Ein Bild grossartiger Schöpfung und 
prachtvoller Wildniss überwältigt er auch das starrste Gemüth mit scheuer 
Ehrfurcht vor den gewaltigen Werken Gottes. — Die Natur> welche hier 
seit den Tagen der jetzigen Weltgestaltung allein und ungestört waltete, 
hat da ein Unglaubliches an vegetativer Kraft und Erzeugung zusammen- 
gehäuft, sie hat hier Anfang und Vollendung, pflanzliches Leben und Tod 
in riesenhaften Formen überraschend nebeneinander geordnet" 

y,Die Fichten, die Tannen und selbst die Lerchen dieses Kessels er- 
reichen eine Länge von 150 -^200, eine untere Stammstarke von 5—8 und 
einen Massengehalt von 1000~-2000 Fuss, die Buchen auch 120—150 Fuss 
Länge, 3—5 Schuh untere Stärke und 300-— 1000 Fuss Holzmasse, und 
lassen somit all das weit hinter sich, was wir in unseren modernen Holz- 
beständen zu sehen gewohnt sind. An diesen Baumkolossen schätzen sich 
die geübtesten Massenschätzer des Flachlandes zu Schanden/' 

„Die Majestät dieses gewaltigen Hochholzes ist aber eine schauer^ 
liehe, denn inmitten der Stämme höchster Lebenskraft stehen allenthalben 
die abgestorbenen Zeugen früherer Jahrhunderte umher, mit gebrochenen 
Aesten und Gipfeln, die rindenlosen Schafte geisterbleich und vieifoch 
durchlöchert von den Insekten suchenden Spechten, öfter auch in langge- 
streckte Splittern endende Strünke vom Sturme gebrochener Fichten." 

„Das Riesenhafte dieser Vegetazion rührt nicht bloss daher, dass die 
Stämme bis zu ihrem natürlichen Absterben, also über das gewöhnliche 



80» 

HaubarkeiUalter hinaus fortwachsen und ihre Masse mehren kdnnen, son« 
dern ganz besonders auch vom Vorhandensein aller Umstände» welche 
eben das Lebensalter der Bäume auf die ansserste Grenze hinausznrücken 
geeignet sind. — Das rauhere Klima, die mehr gleichmässig feuchte At- 
mosphäre , der äusserst humose Boden , der eigenthumliche gewisser« 
messen nie unterbrochene Waldesschluss, welcher das Wachsthum der 
Stämme in der Jugend zurückhält, und ihren Fuss beständig schützt, das 
alles zusammengenommen fördert so absonderlich die Lebensdauer, dass 
diese Baumriesen, wenn sie nicht etwa früher vom Sturme getroffen 
werden, meist ein Alter von 300 — 400, öfter sogar von 600 Jahren 
erreichen." 

„Tausende von kolossalen Schäften, wie sie Alter und Orkane nach 
und nach übereinander geworfen haben, bedecken kreuz und quer — oft 
als wirrer Verhau — den graslosen Boden. Hier ein frischer eben vom 
Sturme in der Fülle seiner Kraft gerissener Stamm, mit seiner ganzen 
markigen tiefgrünen Benadlung; daneben der rindenlose bleiche Schaft 
eines heimgegangenen in sich zusammengebrochenen Altvaters astlos mit 
geknicktem Gipfel; wieder daneben und darunter die Ueberreste früherer 
Generationen, dicht mit grünem Moosfilze manigfacher Schattirung über- 
zogen, in allen Stadien der Verwesung." 

„Wo Stämme über^ den einzigen Pfad geworfen wurden, welcher 
sich durch diese Wildniss windet^ hat man Stufen in die Schäfte gehauen, 
auf dass man sie überschreiten könne , denn es hätte eines ungeheuren 
Kraftaufwandes bedurft, sie aus dem Wege zu räumen. Etwa in der 
Mitte des Forstes trafen wir auf einen eben gestürzten Fichtkoloss. Der 
sechsfussige Schaft lag gleich einem Wall quer über den Steig, die 
grössten unter uns vermochten nicht über ihn herüberzuschauen; die ge- 
wandte Jugend hieb umsonst ihre Bergstöcke (Griesbeile) ein, um sich 
im kühnen Satz hinaufzuschwingen, sie musste endlich dem besonnenen 
Alter folgen und den Baum umgehen.'' 

„Merkwürdig ist die Fülle neuer Vegetazion, welche sich auf den alten 
Lagerstämmen entwickelt. Ein dichter Pelz des üppigsten Mooses über- 
zieht sie nach allen Seiten 5 darin finden die fallenden Baumsamen vortreff- 
liches Keiinbett und in dem darunter sich bildenden Humus die jungen 
Pflänzchen geeigneten Boden. >— So haben in den Leichen der hinge- 
schwundenen Baumgenerazionen Millionen nachwachsender Pflänzlinge 
Wurzel geschlagen und streben nunmehr rüstig zu den spärlichen Licht- 
löchern hinan, welche diese Leichen durch ihren Sturz in das hohe Laub- 
gewölbe des riesigen Forstes schlugen. — Auf einigen solcher Baumka- 
davern fanden wir mehrere hundert neuer Fichten und einzelne davon 
schon zu ansehnlichen 60 — 70 jährigen Reideln erwachsen. — Die moos- 
bedeckten Lagerschäfte eignen sich gegenüber dem mit einer dicken 
Schwarte überzogenen Erdboden so vor^süglicb für den neuen Nachwuchs, 
dass dieser oft auch nur auf diesen erscheint. Vielen alten Horsten sieht 
man diese Rntstehungsweise jetzt noch an, denn sie dtehen in den geraden 



SlO 

Linien dea l&ugstv ergangenen Schaftes da , auf welchem sie ursprünglich 
gekeimt haben. — Nicht selten trifit man auch Altstämme, deren Wursel- 
knoien mehrere Fusse ober dem Boden steht. Sie sind eben auf starken 
Baumleichen entstanden, ihre Wurzeln haben dann über die Seiten die- 
ser letzteren in den Erdboden hinabgegriffen und weil der von ihnen um- 
fasste Schaft in der Folge ganz zusammenfaulte , so stehen sie nunmehr 
mit einem Theile der Wurzeln in der Luft«^' 

y^Ohne Uuterlass zog es uns vom Steige ab, den wir verfolgen sollten ; 
dieses Eindringen in die anscheinend noch unbetretene Wildniss hatte einen 
unnennbaren Reiz, dem Keiner zu widerstehen vermochte» es war das 
Gefühl, welches die grossen Weltumsegler bewegt haben mag, als sie neue 
Erdtheile entdeckten/^ 

„Aber was war im Grunde unser Vordringen ! Wenige Schritte und 
gewaltige Lagerholzmassen traten uns entgegen* Mit ungeheurer Anstren- 
gung schwangen wir uns über einen oder den anderen Schaft hinüber^ 
mühsam durchkrochen wir andernorts die Gipfel oder zwängten uns zwi- 
schen dem Boden und dem Schaft durch; öfter sprangen wir auf ein dicht- 
bemoostes Stammstück, aber es brach unter uns ein und wir versanken bis 
über die Kniee in Holzmoder. — Es waren das völlig vermooste Schaftei 
welche nur mehr durch den dichten Moosüiz zusammengehalten wurden. 
Kaum war Ein Verhau überwunden, so stellte sich wieder ein neuer entge- 
gen und nach halbstündiger Anstrengung aller Kräfte hatten wir nicht viel über 
hundert Klafter Wegs zurückgelegt. Gleichwohl befanden wir uns schon 
in einer völlig neuen Gegend, offenbar, weil uns die überstiegenen Lager- 
hoizmassen den Rückblick auf den Steig abschlössen. Noch einige hundert 
Schritte , und wir waren nicht nur alle unbewusst von einander abgekom- 
men, sondern hatten auch ungeachtet der gespanntesten Aufmerksamkeit 
einer wie der andere gänzlich die Orientirung verloren. Zum erstenmale 
machte mir der Wald, sonst der trauteste Freund meiner schönen wie mei- 
ner schmerzlichen Stunden — wahrhaftig bange. Mit klopfendem Herzen 
und zurückgehaltenem Athem harrte ich voll Angst aber vergeblich auf den 
Ruf unseres Führers.'* 

^,Nun erst begriff ich die schauerlichen Geschichten, welche mein 
alter Oheim , der seine Jugend in hiesiger Gegend verbracht hatte , in der 
Spinnstube meines Grossvaters öfter zum Besten gab/' 

„ „Ein Wiener Apotheker, erzählte er unter Anderem, kam botanisiren 
hieher. Auf der Hnbmerischen Kolonie im Nasswald, wo er übernaclitete, 
erzählte man ihm wohl, wie gefahrlich es für einen Fremden sei, den Neu- 
wald allein zu besuchen und besonders vom Steige abzuweichen , indem 
selbst die beimischen Holzknechte sich dort gar oft nicht zurecht finden 
können. Vergebens. Er verlachte alle Warnungen und glaubte wahrschein- 
lich , man wolle ihm nur einen kostbaren Führer aufdringen. Am nächsten 
Morgen überstieg er allein das Gscheid und vertiefte sich dann in die 
Waldwüste."« 



811 

„„AIb er nach Verlauf der f&r seinen Ausflag* anberaamten Zeit 
nicht wieder zu den Seinen zurückkam, stellten diese Naehforchungen an, 
sie verfolgten ihn leicht bis in den Nasswald, wo man ihnen roittheilte, 
dass der Vermisste sich vor etwa drei Wochen von hier aus auf den 
W^g machte, um den Neuwald in der Richtung der Terz durchzu- 
machen.**'* 

„„Aber weder in der Terz^ noch in der Frein wollte man 
diesen Fremden haben ankommen sehen, seine weitere Spur war nirgends 
aufzufinden. Es unterlag keinem Zweifel, er war aus dem Neuwalde 
nicht mehr herausgekommen. — Man bot die Holzknechte auf^ den viel- 
leicht schon Verhungerten aufzusuchen, aber alles Suchen war nutzlos. — 
Jetzt erst wurde diesen Leuten klar, was das dumpfe Schreien und Wim- 
mern zu bedeuten hatte, das sie vor einigen Wochen zwei Stunden vor 
Mitternacht aus dem Kessel dieses Urwaldes bis in ihren Holzschlag hin- 
auf vernahmen, und was sie — abergläubisch , wie sie sind — für Gei- 
sterspuck gehalten hatten. Es war der Todesschrei des nnglQcklichen 
Botanikers."" 

„„Als nach einigen Jahren die Holzschläge auch in diesem Kessel 
vorruckten, trafen die Holzknechte ein zwischen zwei über einander ge- 
stfirzten Baumschäften eingezwängtes menschliches Grerippe, daneben eine 
ganz verrostete Botanisirbfichse , zweifelsohne die Reste des botanisiren- 
den Apothekers aus Wien/'" 

„Um nicht vielleichtnochweiter vom Steige abzukommen^ Hess ich mich 
auf einen bemosten Baumstamm nieder und beschloss geduldig das Rufen ab- 
zuwarten, das denn doch endlich erfolgen musste. Ich zog die Uhr, sie 
wiess auf ein viertel auf Eins. Draussen schien -* wie ich mich später 
fiberzeugte — die Sonne in hellstem Mittagsglanze. Aber nicht Ein Strahl 
dieser heissen Augustsonne drang in das ewige Dunkel, noch störte er 
die unwandelbare feuchte Kühlung unter dem hohen Laubgewölbe dieses 
Forstes. Schwermüthig starrte ich in seine düsteren, schattenlosen Säu- 
lenhallen, welche grau auf grün und vrieder grau sich nach allen Seiten 
in's Endlose zu erstrecken schienen." 

„Alle Bewegung schien weit und breit erstorben, es schwirrte kein 
Vogel, es flatterte kein Schmetterling, und selbst die Lüfte ^ welche hoch 
oben die Baumgipfel in sanften Schwingungen wiegten, drangen nicht mehr 
in den Bereich der Schäfte herab. — Lautlose Stille ringsumher; destomehr 
schreckte plötzlich der schneidende Schrei eines einsamen Spechtes und 
ein andermal das geisterhafte Knarren zweier sich reibender windbeweg- 
ter Sdiäfte." 

„Keine Spur menschlicheu Waltens milderte den bangen Eindruck 
dieser schauerlichen Oede." 

„Ich wusste, dass ich nicht ferne sein könne von meinen Freunden und 
gleichwohl fibermannte mich das Gefühl drückendster Einsamkeit, unwider* 
stehliches Bangen." 



Sit 

,»WaB ist der Mensch in seiner eingebildeten Herrlichkeit geg^endber 
der wahrhaft grossen Schöpfung Gottes!? Uebermüthiger Thor» du faselst 
in deinem Rausche, die Menschheit sei Alles, du selbst seist Gott! — Es gab 
ja doch eine fast ewige Zeit, wo der Erdball ganz ohne dich bestand, und 
die Welt, ohne diese Lücke zu bemerken, ruhig ihre Bahn verfolgte. — 
Wenn du kraft deiner Erstgeburt dich für göttlich hältst, so ist die Mn- 
schel längere Zeit vorhanden, als du; wenn du pochst auf deine Zahl , so 
fibertrifft dich der Sand des Meeres, wenn auf das Recht des Besitzes, so 
macht dir der Warm die Herrschaft streitig. — Du sprichst von deiner Herr- 
schaft über die Natur ? ! Setze vorerst aus seinen Elementen das Grras zu- 
sammen, welches dein übermüthiger Fuss zertritt, banne die Krankheit, die 
deinen schwachen Körper zernagt, fessle die Welle, welche das gebrech- 
liche Schiff* verschlingt, mit dem du vorgibst das Weltmeer zu bemeistern!" 
„Flitterkönig der Natur ! tritt in die Tempel , wo sie ihre ganze Maje- 
stät entfaltet, in die Tempel, die ja doch deine Residenz sem sollten , tritt 
ein in die schauerliche Herrlichkeit dieses Urwaldes, tritt allein ein, wie es 
dem gebührt, der allein auf sich bauen will, und du fliehst von einem Schau- 
plätze^ dessen Erhabenheit viel zu gross ist für deine kleine Seele!'' 

.Zur Vervollständigung des Bildes muss ich jener jugendlichen Auf* 
Schreibung noch hinzufügen, dass der beschriebene Urwaldkessel gewöhn- 
lich 60 — 150 Klafter Lagerholz aufs Joch barg, von welchem etwa die 
Hälfte wenigstens noch im Kernholze brauchbar war. — Das Kernholz 
blieb hier 800 — 1000 Jahr gesund und die gefallenen Stämme brauchten 
150—800 Jahre zu ihrer völligen Verwesung. — Um das zu begreifen, möge 
man sich der ausgezeichneten Beschaffenheit des Holzes, des langen Win- 
ters und der fortwährenden feuchten Kühle des kurzen Sommers erin- 
nern, man wolle bedenken, dass kein Sonnenstrahl auf die Lagerhölzer 
fallt, und dass jedes von ihnen durch eine dichte Decke von Moos gegen 
pie Einwirkungen der Atmosphäre geschützt ist. 

Aber man möge ja nicht glauben , dass die riesige Majestät des 
eben dargestellten Kessels überall im Urwalde zu treffen sei. Nichts 
weniger, als das. — Dieselben minder günstigen Einflüsse des Bodens 
und der Lage, welche den Wuchs des gewöhnlichen Waldes gar so häu- 
fig herabsetzen, wirken nicht viel minder stark auch im Urwalde. — Es 
gab daher auch, und gibt noch heute Urwälder mit ganz vereinzelter und 
winziger Bestockung, Wälder, welche nicht den zehnten Theil des obigen 
Ertrages geben« 

In dieser Beziehung, so wie in seiner äusseren Erscheinung über- 
haupt gleicht der wirckliche Urwald fast ganz den bloss sogenannteil Ur* 
Wäldern und unterscheidet sich von diesen hauptsächlich nur durch eine 
weit grössere Masse von Lagerholz. 

Die Wachsthumsverhältnisse hat der eigentliche Urwald sowohl im 
einzelnen Stamme, als im ganzen Bestand nahezu mit dem dichtgehälte- 
nen Plenterwalde gemein. 



SIS 



129 

Selbstverjibigug der FichtenkaliLBehlllge. 

(Die Fichtenwalder der Alpen sind nicht immer un^emengt, häufig sind 

darin mehr oder weniger Lerchen, Tannen oder Buchen meist in dem 

Masse eingesprengt, als die Oertlichkeit diesen Holzarten zusagt.) 

Samenjahre. 

Durch Untersuchung des Alters der in selbstverjöngten Schlägen 
vorhandenen Ptlanzenklassen habe ich gefunden, dass ein reifer Fichten- 
bestand nach der untenstehenden Abstufung so viel Samen trägt, als zur 
genügenden Verjüngung sowohl seiner selbst, als auch eines nebenlie* 
genden Kahlschlages unter sonst günstigen Umständen hinreicht. 

Erfolf^t ein feDfifpender SameDfall innerhalb 
Jahren 



In einer Meereshöhe 
von Fassen 


Im Nordabfalle und im 
HaapUtocke der Alpen 


Im Sfidabfalle 
der Alpen 


1000 


3 




_- 


2000 


4 




3 


3000 


6 




4 


4000 


8 




5 


4500 


11 




6 


5000 


— 




7 


5500 


— 




8 


6000 


— 




11 



In einem dazwischenliegenden Jahre ergibt sich dann auch ein min- 
der ausgiebiger Samenfall. 

(Die Samenjahre der in den Fichtenforst eingesprengten Lerche fallen ins- 
besondere in der Hochregion häufiger. Die Buche und die Tanne 
hingegen scheinen in den TieOagen alle fünf Jahre und auch in den 
Höhen seltener als die Fichte reichlichen Samen zu tragen)« 
Obige Stufenleiter trifil zwar keineswegs in jedem einzelnen Falle 
zu, denn die Naturwirkungen erfolgen nicht nach mathematischen Ge- 
setzen, ja ich kann nicht einmal verbürgen, ob sie ganz genau dem Durch- 
schnitte eines Jahrhunderts entspricht, beiläufig jedoch ist sie richtig und 
genau genug, um die Geschichte der Selbstverjüngung der Fichtenkahl- 
schlage aufzuklären. 

Samenflngt 

Da die Samen der Fichte und Lerche in der Hauptsache bei schö- 
nem Wetter aus&ilen; so werden, sie in grösserer Menge nur von den 
regelmässigen und besonders von den abendlichen Luftströmungen über 



31% 

die Schläge geführt, welche tagtäglich die Hochgebirgsthäler nach der 
Thalrichtung durchstreichen. 

Da nun die Kahlschläge der Holzabbringung wegen auf den Lehnen 
nicht leicht anders als in Streifen vom Rücken zum Thal herab, also mehr 
oder weniger senkrecht auf die Richtung der Hauptluftströraung angelegt 
werden, so können die Schläge recht wohl vom vorstehenden Holze aus 
besamt werden. 

Vortheilhaft auf die Besamung wirkt es dann avch, wenn die Rücken 
(und Gräthen) bewaldet bleiben ; denn weil von jedem Rücken regelmässig 
Luftströmungen nach Unten erfolgen (welche dann häufig mit dem nach 
der Hauptthalrichtung ziehenden Luftstrom zusammenstossend eine schief 
gegen den Thalausgang gerichtete Bewegung annehmen) so fliegen sich 
die Schläge auch von Oben aus an. 

Zur Besamung von Oben herab wirkt dann auch wesentlich der 
Schnee mit, denn er trägt die Samen auf bedeutende Strecken in die 
Tiefe, theils durch den Schub, theils durch grössere oder kleinere Ab- 
rutschungen^ theils endlich durch seine Schmelzwässer. (Der Schnee al- 
lein ist es, der manchmal einigen Buchensamen auf die Kahlschläge bringt.) 

So wesentlich nun die Bewaldung der Rücken zur Besamung der 
auf ihren Gehängen liegenden Schläge beiträgt, so fliegen sich diese doch 
nur von den Seitenvorständen mit Hilfe der Thalluftströmungen vollstän- 
dig und leicht an, wesswegen denn diese letzteren hierin den Ausschlag 
geben. 

Zu dieser Besamung helfen oft auch jene Luftströme mit, welche ge- 
gen die Vorstände hin wehen. Denn weil die Ränder der letzteren in 
der Regel als glatte hohe Holzwand dastehen, so bringen sie den auf sie 
zukommenden Luftstrom nicht wie andere mit niederem Holze beginnende 
und erst allmählig sich hebende Waldränder zum Absterbeu, sondern sie 
beugen ihn oder werfen ihn sogar zurück, so dass der Luftstrom, wel- 
cher nach seiner ursprünglichen Richtung in das hohe Holz hineinwehen 
sollte, stattdem von der Schlageswand wieder zurückweht und dadurch 
für den vorstehenden Schlag auch zum Samenträger wird. 

Durch Abschreitung vieler selbst entstandener Maisse habe ich gefun- 
den, dass die Winde den Fichtensamen nicht leicht über zwei (jene der 
Lerche selten über fünf, den der Tanne hingegen kaum auf eine) Stamm- 
länge in einer Menge über die Schläge tragen, welche zur alsbaldigen 
Verjüngung vollkommen genügt 

Weiter hinaus bedarf es zu solch voller Besamung schon mehrerer 
Samenjahre und über fünf Stammlängen hinaus dürfte die gewöhnliche 
Luftströmung gar nicht mehr wirken. 

Ich will damit nicht sagen, dass in grösserer Entfernung keine Be- 
samung mehr statthaben könne; im Gegentheile habe ich zahlreiche Fälle 
gefunden, wo sich Schläge sogar von der gegenüberliegenden Thalseite 
ans besamten, aber es sind dann nicht mehr die regelmässigen LQfl;strö- 
piungen, welche solches bewirken, sondern die heftigen Winde «iid die 



315 

aussergewöhnlichen Stürme^ die aber dann auch viele Jahre arbeiten niüa- 
aen, um nach und nach einen vollständigen Anflug zu Stande zu bringen. 
Die gewöhnliche Beaamung (mittels der regelmässigen Luftströmun- 
gen) hat sowohl thaleinwärts als thalanswärU statt, jedoch scheint es mir, 
das« sie nach Aussen reichlicher erfolge. 

(Der geringe Fhig des schweren Tannensaroens ist zusammen mit der 
minderen Fähigkeit dieser Holzart, ohne allen Schirm aufzukommen, 
der Grund» warum die Tanne in den grossen Hocbgebirgsforsten, 
wo sie vor Zeiten (insolange der Plenterfaieb bestand) besonders 
auf den Kalkthonböden reichlich eingesprengt war , seit Einffihrung 
der Kahlschlagwirthschaft so sichtlich an Verbreitung verloren hat 
In den Plenterwäldern finden wir sie noch heute in grosser Anzahl» 
auf den Kahlschlagen hingegen erscheint sie in der Regel nur dort, 
wo sie schon unter dem letzten dortgestandenen HochboUe als Nach- 
wuchs gestanden ist* Die Lerche hingegen hat durch die Kahl- 
schlagwirthschaft sichtlich an Verbreitung gewonnen» denn der weite 
Flug ihres leichten Samens» dann auch ihre häuflgeren Samenjahre 
geben ihr vor der Fichte bedeutenden Vorsprung.) 

Gang der anbeirrten 9elbstTer jflngaiig. 

Der nabeliegendste Fall der Selbstverjungung ist jener» in welchem 
der Schlag bereits von dem Bestände verjüngt worden ist» durch dessen 
Abtrieb eben der Kahlschlag entsteht. 

Wie schon in den Absätzen über die Waldböden dargestellt wurde, 
ist der Boden der geschlossenen Fichtenbestände gewöhnlich mit dem Na- 
delabfalle» mit Moos und mit spärlichem Grase bedeckt; erstere sind för 
den fallenden Samen ein vortreffliches Keimbett» und letzteres hindert das 
Aufkommen der jungen Pflanzen nicht 

Auf allen diesen der Verjüngung offenen Böden erscheint 
nach jedem Samen&lle ein reichlicher Nachwuchs» der jedoch, je nach dem 
mehr oder weniger dichtem Schlüsse des Bestandes (und je nach der 
Holzart) gleich im ersten Winter oder in den nachfolgenden Jahren ein- 
geht. (Die Lerche dauert da am allerwenigsten aus» länger hält sich die 
Fichte^ hierauf folgt die Buche und am längsten widersteht die Tanne.) 

Aber nicht allenthalben ist der Boden der Verjüngung so offen. In 
den minder geschlossenen Beständen der Kalkschutt- und Sandböden ist 
es oft der dichte Heideüberzng» und in dem vollkommen geschlossenen Holze 
der sandigen Lehm- oder der quarzigen Schieferböden» dann der gemei- 
nen Lehm- und Schieferböden der Hocbregion ist es zuweilen eine mäch- 
tige Moos- und Heidelbeerdecke» welche den Nachwuchs von vorne her- 
ein vereiteln (im letzteren Falle» weil die Herzwurzeln der jungen Pflan- 
zen die Schwarte nicht zeitlich genug zu durchdringen vermögen). 

Trifft nun der Kahlschlag einen schon mit Nachwuchs versehenen 
Bestand, so wird allerdings ein bedeutender Theil der jungen Pflanzen 
durch die Aufarbeitung der Hölzer und durch die Ueberlagerong mit die- 



816 

sen und dem zurückbleibenden Rinden- und Aatwerke, dann durch die Ab« 
bringung gänzlich zerstört, ein grosser Theil bleibt aber dennoch unver- 
letzt, oder erholt sich wenigstens von der erlittenen Unbill. 

Dass hingegen die plötzliche Freistellung der Fichte geschadet hätte, 
hat man noch nirgends bemerkt; (selbst der Buche wird sie nicht häufig 
tödtlich, wenigstens sind zahlreiche Horste aus derlei Nachwüciisen her- 
vorgegangen; die Tanne jedoch geht häufig ein^ es wäre denn, dass sie 
hart am Vorstande stehend noch dessen Schutz genösse, oder dass sie 
ans minder geschlossi^nem Oberholze herrührte). 

Berücksichtigt man, dass die der Verjüngung offenen Böden in den 
besten Lagen vielleicht nicht die Hälfte, in den schlechteren aber kaum 
ein Viertel der ganzen Waldfläche betragen, dass im Mittel nur alle 5—6 
Jahre ein Samenjahr eintreten mag, dass sich der Anflug unter dem völ- 
lig geschlossenen Oberholze selten über Ein Jahr hält, so wie endlich, 
dass hie und da doch der beim Abtriebe vorhandene Nachwuchs ganz der 
Zerstörung anheimfällt, so begreift man sehr wohl, dass nur ein sehr ge- 
ringer Theil der Kahlschläge seinen Nachwuchs dem früher dortgestan- 
denen Hochholze zu verdanken hat. 

Somit bleibt der bei weitem grösste Theil der Fichtenkahlschläge 
fiir die Verjüngung nach vollendetem Abtriebe. 

Sie können sich aber dann nur insoferne anstandslos bestocken, als 
ihr Boden für die Verjüngung offen ist 

Welche Böden zur Zeit, als sie noch mit schlagbarem Holze be- 
standen sind, der Verjüngung offen sind, ist eben dargethan worden. — 
An dieser Eigenschaft ändert der vollführte Abtrieb nur wenig. — Starke 
Bodenschwarten weVden zwar durch die Aufarbeitung und insbesondere 
durch das Abbringen der Hölzer vielfaltig aufgerissen und dadurch mehr 
oder weniger geöffnet, aber nur dort, wo der Bodenüberzug bloss stel- 
lenweise vorkommt oder weniger dicht ist, reicht das hin, um eine als- 
baldige Bemaissung zu ermöglichen; bei sehr dichtem Ueberznge hat sich 
dieses Aufritzen völlig ungenügend erwiesen. 

Stark bemooste sandige Lehm- oder Schieferböden (und in der Hoch- 
region auch gemeine Lehm- oder Schieferkrumen), die insolange sie noch 
bestockt waren, die Verjüngung immerhin zugelassen hätten, werden so- 
gar manchmal eben durch die Blosslegung völlig ungeeignet zum Anfluge, 
indem die jetzt der Ueberschirmung beraubte starke Moosdecke sich nicht 
mehr feucht genug zu erhalten vermag, um die Samen keimen und die 
Herzwurzeln der Pflänzchen noch zeitlich genug die eigentliche Krume 
erreichen zu lassen. 

Man dürfte also annehmen können, dass von sämmtlichen neuen 
Kahlschlägen in den bessten Lagen kaum die Hälfte und in den schlechten 
vielleicht nicht ein Viertel der Verjüngung offen liegt 

Diese Verjüngung würde nun in der oben angedeuteten Breite des 
reichlichen Samenfluges wohl schon mit dem nächsten Samenjahre erfol- 
gen, wenn der Boden so offen bliebe; wie er gleich nach dem Hiebe war. 



317 

Wie aber schon in den Absätzen über die Waldböden anf^edeutet 
worden 18t» beginnt auf allen besseren (Kalkthon, Lehm und Schiefer) Bö- 
den bereits im zweiten Jahre nach der Fällung eine ganz neue Vegetazion 
▼on manigfaltigen Gräsern » Kräutern und Stauden, welche schon im drit- 
ten oder längstens im vierten Jahre den Schlag so völlig beherrschen» dass 
sie jede keimende Holzpflanze ersticken. Diese Unkräuter wuchern dann 
5 — 15 Jahre, bis sie endlich dem kurzen Grase Platz machen , welches den 
Anflug zulässt und fördert» und somit den Schlag neuerdings der Verjün- 
g«ng öfihet 

Die kleinen Schläge nun» welche in den Banemwaldungen gefährt 
werden» besamen sich dann schon mit dem nächsten Samenjahre» denn 
ihre Breite überschreitet selten jene des reichlichen Samenfluges. Wir 
finden daher» dass die Verjüngung der Bauernholzschläge (welche fast 
durchaus in der untern Region liegen) auch gewöhnlich schon nach 6—18 
im Mittel etwa nach 18 Jahren eintritt. 

Anders ist es aber in den Schlägen der grossen Forste. Obwohl man 
auch hier fast allenthalben auf die Selbstverjüngung rechnet, so beachtet 
man da keinen Samenflug» sondern einzig nur die wohlfeilste Bringung 
der Hölzer» welche nicht nur zu an und für sich grossen Schlägen son« 
dern im Weiteren noch zur ununterbrochenen Aneinanderreihung der ein- 
zelnen Jahresschläge verführt 

Die Hanung in schmäleren Streifen und in Springschlägen würde 
zwar sehr ofk die Abbringung der Hölzer nur um ein Unbedeutendes then- 
rer machen» gleiwohl scheut man aber auch diese unbedeutende Mehr- 
analage oder kann sich wenigstens nicht von der eisernen Macht der Gre- 
wobnheit loswickeln. 

Schon die Jahresschläge der grossen Forste überschreiten mit we- 
nig Ausnahme die Breite des reichlichen Samenfluges; durch deren un- 
unterbrochene Aneinanderreihung werden aber öfter ganze Berghänge zu 
einem einzigen Schlag » ja ausgedehnte Thäler sind schon in dem kurzen 
Zeiträume von 10 — 15 Jahren auf diese Weise völlig entwaldet worden. 

In diesen Schlägen kann sich nun — ihr Boden mag noch so offen 
liegen» nur ein sehr kleiner Theil mit dem ersten Samenjahre anfliegen^ 
ein daranstossender Streifen braucht hiezu 3-4 Samenfälle» und die Be- 
maissung der übrigen bei weitem grösseren (über den gewöhnlichen Sa- 
menflug hinausliegenden) Flächen liegt so zu sagen über alle Berech- 
nung hinaus. 

Die Natur aber» welche allenthalben die Wunden zu verwischen 
strebt, welche der Mensch ihren Schöpfungen schlägt» tritt auch hier wie- 
der wohlthätig ein und zwar vor Allem mittelst der Lerche. — Der leich- 
tere Same dieser Holzart fliegt 8% Mahl so weit» als jener der Fich- 
te» sie trägt dann auch häufiger Samen als diese; da sie nun in den 
meisten Gauen der Fichte beigemengt ist» so übernimmt sie mit um so 
besserem Erfolge die ganze oder hilfsweise Besamung gar vieler Kahl- 
schläge» als sie namentlich die Höhen der Berge zu zieren pflegt. 



318 

Zahlreiche Kahischlag^e fliegen sich daher mit der Lerche an. Oft 
ist sie gewissermaasen nur ein Vorwachs, denn gleichseitig oder später 
besamen sich die Flächen auch mit der Fichte, diese' kämpft anfangs zwar 
ohne Erfolg mit der in der Jugend geil aufschiessenden Nebenbuhlerin, 
aber späterhin gewinnt sie meist denn doch die Oberhand, und der Waid, 
weicher als Jungholz Lerche mit beigemengten Fichten war, kommt noch 
immer als Fichtenbestand mit eingesprengten Lerchen zur Fällung. Aber 
häufig dankt man ihr allein die baldige WiederbewaMung. — Das Ueber* 
handnehmen der Lerche in den Forsten unserer Hochberge ist eine be- 
kannte, von der Kahlschlagwirthschaft sich dadrende Thatsache. 

In anderer aber doch ähnlicher Weise tritt die Weiss- und hoch 
oben manchmahl auch die Bergerle auf. Sobald das Ficbtenhoehhelz, in 
welchem keine Spur von Erlen vorhanden war, abgetrieben ist, schiesst 
überall üppiger Erlenwuchs in die Höhe (wahrscheinlicfa aus Samen ent« 
stehend, welche einem früheren Erlenbestand entfallen, bisher schlafend 
im Boden ruhten, und durch den Abtrieb jetzt ins Leben gerufen wur- 
den). — Häufig kämpft sich die später sich ansamende Fichte darin wie- 
der zur Oberherrschaft empor, manchmahl aber hat die Fichte versagt, 
und man dankt es allein der Erle ^ dass der Boden dem Holzwuchse ver- 
blieb. — Diese Aushilfe der Erlen ist jedoch im grossen Ganzen von kei- 
nem besonderen Gewichte, denn sie beschränkt sich gewöhnlich auf die 
quelligen Stellen der Schieferböden der Tiefregion, und in der Hochre- 
gion (Bergerle) auf einzelne Flecken mit Schiefer oder Lehmkrune. 

Von noch minderer Erheblichkeit aber doch wenigstens erwähnens- 
werth ist endlich das Eingreifen der Legföhre. Diese zieht sich zuweilen 
horstweise in unverjüngte Fichtenorte herab, ohne dem Wiederaufkom- 
men des Hochholzes Schwierigkeiten entgegenzustellen, indem dieses in 
seinen Lücken recht wohl Platz zu fassen vermag. 

Nach den nun gegebenen Andeutungen würde die Verjüngung der 
offenen Böden allenthalben vor sich gehen, wenn nicht vier Dinge we- 
sentlich günstig oder ungünstig auf sie einwirken würden ; es sind diese : 
der Abraum y das Branden mit oder ohne zeitliche Ackerbestellung > die 
Viehweide und die Witterongsunbilden. 

EinfloMü des Abraumes der Sehlftge auf ihre Selbst- 

weriüngang. 

Bei der bisherigen Ausnutznngsweise bleiben in den grossen For- 
sten das Astwerk, die Gipfel, und stark morsche Stammtheile ond sämmt- 
liche Rinden zumeist im Schlage zurück ; nicht gerade weil sich ihre Mit- 
benützung an und für sich nicht lohnen würde, als vielmehr weil sie mit- 
tels Riese und Klause nicht abgebracht werden können. -*- Dieser Abraum 
ist von solcher Bedeutung, dass er auf vollbestockten Flächen, insoferne 
er nicht auf Streifen oder in Haufen zusammengebracht wird, den ganzen 
Schlag ziemlich vollständig überdeckt Hiebei spielen die Rinden eine 



SM 

Hauptrolle« da sie (weil g^ewohDlich in der Saftzeit g^eschiäg-ert wird) in 
ihrer ganzen Breite von den Klötzen abgezognen werden; es wäre denn, 
daaa es sich um eine Scheitholzarbeit handelte. — 

Der Abraum ist unter diesen Umständen ein mächtiges Hinderniss 
für das allsogleiche Anfliegen der Schläge ^ und weil er wenigstens 
S — 3 Jahre braucht, um soweit zu vermodern und zusammenzubrechen, 
dass er nur mehr wenig hindert, so kann man in diesem Falle rechnen, 
dass bei der Halbscheid der Schläge das erste Ssmenjahr nutzlos Torüber- 
geht, und weil bis zum Eintritte des zweiten bereits der Unkräuterwuchs 
die Herrschaft errungen hat, so kann dann die Verjüngung erst nach dem 
Nachlassen des dichten Grasswuchses also nach 8 — 15 Jahren erfolgen. 

Der nachtheiligen Wirkung des Abraumes wird allerdings sehr häu- 
fig dadurch begegnet, dass man ihn — der leichteren Abbringimg der Höl- 
zer wegen — in Streifen (nach dem Hange hinab) zusamraenhäuft, und 
dass man manchmahl die jüngeren und dünneren Rinden zu Lohe weg- 
bringt; demuageachtet nimmt er dann immer noch ein Viertel bis ein Drit- 
tel der Schla§^äche ein^ und vereitelt in demselben Masse das allsoglei- 
che Anfliegen. 

Auf den schlecht bestockten Schlägen fällt der Abraum freilich nicht 
so sehr ins Gewicht; von diesen jedoch ist hier nicht die Rede, weil ihr 
Boden gewöhnlich der Verjüngung ohnediess nicht ofien ist 

BinfliuNS der Brandims Auf die •ekläi^e. 

Oefter aber entledigt man sich des Abraumes ganz einfach dadurch, 
daBs man ihn verbrennt. 

Das geschieht jedoch selten wegen der Vl^aldverjüngung, als viel- 
mehr, um dem Schlage eine einmahlige Getreideernte oder wenigstens ei- 
nen besseren Graswuchs abzugewinnen. 

Für den Getreidebau brandet man gewöhnlich nur bessere , also Trü- 
ber vollbestockte Vl^aldböden der feldwirtbschaftlichen Region, weil sich 
nur auf solchen eine ausgiebige Ernte erwarten lässt. 

Zum Behufe der Brandung wird der Abraum über den ganzen Schlag 
ausgebreitet^ und in dem auf die Fällung folgendem Jahre bei dauernder 
Trockniss entweder von unten angezündet, wo dann das Abbrennen ohne 
viel Nachhilfe von selbst vor sich geht, oder von Oben, in welchem Falle 
Glut und Brände mit Rechen oder Gabelhacken fort und fort nach Unten 
gesogen werden müssen, indem sich das Feuer (auf den Abhängen) zwar 
nach Oben, nicht aber nach Unten von selber verbreitet. 

Der Forstarbeiter und der Bauer , d. i. jene , welche gewöhnlich zu 
branden pflegen , zünden den Schlag am Liebsten von unten an , weil sie 
dann am wenigsten Arbeit haben, sorgsame Forstbeamte hingegen gestat- 
ten nur das Anzünden von oben, um die Gefahr des Waldbrandes zu ver- 
meiden, oder wenigstens zu verringern, indem man beim Anzünden von 
unten das Feuer nicht mehr ganz in seiner Gewalt hat, was zahlreiche 



und furchtbare Waldbrande hinlänglich bewiesen haben, die durdi dieses 
Verfahren, insbesondere dann enUnndet worden sind, wann sich während 
der Brandung ein Wiod erhoben hatte« 

Der Nutzen der Brandung, sowohl rücksichtlich des Getreidebaues 
und des Graswnchses , als auch in Bezug auf die Waldyerjöngung ist zu 
auifaUend, als dass er je geläugnet werden könnte. 

Während der ungebrandete Waldboden gar keine Ernte, oder kaum 
den ausgesäeten Samen gibt, spendet der gebrandete denselben Ertrag, 
wie ein gleicbgelegener wohlgedüngter Acker, wesswegen der Land- 
mann für die einjährige \utzung eines Joches Brandschlag sehr gerne 
1 — 8 fl. Pacht bezahlt 

Gleichwohl war das Branden und ist gewissermassen noch jetzt 
durch alte Regierungsverordnungen verbotheu. Offenbar waren es die trau- 
rigen Erfahrungen über dessen Feuergeßhrlichkeit, welche die Staatsge- 
walt auf dieses Verboth leitetete. Auffallender aber ist es, dass selbst ein- 
sichtige Forstmänner noch immer ihre Stimmen gegen die Brandung er- 
heben, unter Hinweisung auf mannigfache Schläge, welche eben durch 
diese Massregel so sehr der fruchtbaren Bodenschicht beraubt worden sind, 
dass stellenweise wirklich der blosse Gebirgschutt zu Tage liegt 

Dass auf diesen Schlägen durch das Branden gewiss mehr verdor* 
ben, als genützt worden ist^ kann gar nicht widersprochen werden; £e 
nähere Untersuchung belehrt aber, dass hieran nicht die Brandung an 
und für sich, sondern bloss ihr völlig unpassender Vollzug die Schuld trägt 

Die bezüglichen Böden sind nemlich Kalkschuttböden, auf denen sehr 
häufig unter der wenig mächtigen Humusschicht allsogleich der unfrucht- 
bare Gebirgschutt, ja öfter sogar der blosse Fels zu liegen pflegt. — Es 
ist leicht begreiflich , dass wenn auf lehmigen oder Schieferböden auch 
die ganze Humusdecke verzehrt, der Boden also förmlich durchgebrannt 
wird, er dadurch nicht verdirbt, da immer noch die zur Vegetazion ganz 
geeignete und eben durch die Brandung vortrefflich aufgeschlossene und 
gedüngte mineralische Erdschicht zurückbleibt; dass die oberwähnten Kalk- 
schuttböden hingegen ganz verdorben werden müssen, wenn man ihre Hu- 
musdecke gänzlich wegbrennt, indem der dann allein zurückbleibende 
Schutt nach dem sehr schnellen Verbrauche der durch die Brandung er- 
zeugten Salze für eine gedeihliche Vegetazion völlig ungeeignet bleibt, ja 
eben durch diese Salze anfangs noch hitziger, d. i. noch schlechter wird« 
— Ein gleiches Bewandtniss hat es mit den eigentlichen Felsböden, die 
nichts anders sind, als mit einer Humusschicht bedeckte Felsriffe und Blö- 
cke« — Hätte man diese Böden, statt sie gedankenlos durchzubrennen« 
bloss oberflächlich, also so gebrannt, dass nur der oberste Theil der Hu- 
musschicht in Asche verwandelt oder gar nur gesengt worden wäre » bo 
hätte hier die Brandung ganz ähnliche günstige Erfolge gegeben, wie auf 
den Lehm- oder Schieferböden. 

Das oberflächliche Brennen, welches ich im GegensaUse zum Durch« 
brennen, Ueberbrennen heissen will, hätte sich leicht bewerkstelligen 



»1 

laMen, wenn man die Schlag^e oben angezündet hatte, indem man es dann 
uro 80 mehr in seiner Gewalt gehabt baUe, das Feuer ganz nach Ermes- 
sen wirken zu lassen, als der Abraum auf derlei Böden ohnehin nur in 
geringerer Menge entf&llr. 

Aber auch fftr die Wald Verjüngung ist die Ternünftige Brandung von 
VOTtreffficher Wirkung : Einerseits wird der nachtheilige Abraum und die 
auf den besten Bdden nie ganz fehlenden Uokränter hinweggeräumt und 
stattdem in mineralischen Dünger umgewandelt; anderseits erleidet der 
(auf schlechten Böden hiufig vorkommende) für die Vegetazion minder 
geeignete überkohiige oder saure Humus die gleiche vorlheilhafte Ver- 
wandlung. — Dadurch wird der Schlag fftr den Anflug aufs Vollständig- 
ste geöflhet und dem Boden jene Bestandtheile bereitet, welche am mei* 
sten geeignet sind , das Anschlagen der jungen Pflfaizcben zu fiSrdern. — 
Durch die Brandung vrird wirklich ganz dasselbe erreicht, was man mit 
der jetzt im ungeheueren Ruf gekommenen Rasenasche erzweckt« 

Es ist ganz natürlich, dass man in den sorgfaltig ausgenutzten Land- 
forsten, wo auch noch das feinste Reisig vom Schlage weg verkauft wird, 
die Branderde ans getroknetem Rasen abseits in Meilern erzeugt, und nur 
in homöopathischen Dosen allenfalls als blosse Beigabe zur Pflanzerde ver- 
wendet. — Aber nicht minder natürlich ist es, wenn man in den grossen 
Schlügen unsers Hochgebirges, wo so viel unverwerthbarer Abraum zu« 
rückbleibt, dass man damit die ganze obere Bodenschicht in Branderde 
umwandeln kann, um so lieber das letztere thut, als es ungleich weniger 
Mühe und Geld kostet 

In so ferne man also das eigenthümliche des neueren Aufforstungs- 
verfahrens mit der Branderde weniger iii den gewissen örtlichen Verhalt- 
nissen angepassten Form, als vielmehr in dem zu Grunde liegenden Prin- 
sipe erkennen will , haben unsere österreichischen Aelpler vollgültige Mit- 
ansprüche auf dessen Erfindung , denn sie üben die Brandung schon seit 
vielen Jahrhunderten. 

Es ist nicht zu verkennen, dass die Brandung dort, wo der zur 
Feuerung benützte Abraum nicht zureicht, um einen erklecklichen Theit 
des Bodenschwiels theils in Asche zu verwandeln, theils zu verkohlen — 
was gerade auf den stark mit Heide oder .Heidelbeeren überzogenen Böden 
öfter der Fall ist -- dass hier die Brandung grössere Erfolge sichern wür- 
de, wenn man (nach Art der Siegen'schen Hauberge) den Boden schalen, 
den geschälten Schwiel trocknen, und in Meilern brennen, und die Brand- 
erde alsdann wieder über den Schlag ausbreiten würde; kurz wenn man 
den Schwiel nicht brennen sondern schmoden würde. Da man aber auch 
durch das gewöhnliche Verfahren den eigentlichen Zweck d. i. die sichere 
Waldverjüngung ~ mit weit minderen Kosten erreicht, so scheint es nicht . 
angezeigt von demselben in so lange abzulassen, als die.anfiangs etwas 
grössere Fülle oder Wüchsigkeit des neuen Maisses noch keinen gar so 
hohen Werth besiut 



Geg'en das Branden der fik^hllge hat man anwenden wolkn, dtM 
die Holspflanzen auf den Bränden nur während der ersten Jalire anag^e* 
zeicbaeter wachsen, und dann so nachlassen, dass gleiohteiti^e Attfwüchse 
ungehrannter Schläge sehr wohl nachzukommen vermögen* — Aber das 
ist ja eben der Vortheil des Brandens» dass gerade die Erzeugang und 
das anfangliche Leben des Maisses, also genau dasjenige gesickert wird» 
was unter gewöhnlichen Umständen nur gar zu häufig zu nilssIiDgen pflogt 

Gelingt es dann auch manchmahi nicht, den Schlag gleich nach der 
Brandung , also in so lange zu verjüngen , als er noch oflfen i^t, so bleibt 
^ch noch immer der Vortheil, dass er schneller aufs Neue offen wird, 
als ein ungebrandeter, weil darch die Brandung die DBngstoffe vollkom* 
men aufgeschlossen und also durch den Graswuchs (mit oder ohne vor- 
ausgegangenem Getreidebau) auch schneller verbrancht werdeil, indem 
die Unkräuter viel üppiger wuchern, aber dieserwegen auch nicht so 
lange dauern. 

Das Branden der grossen Kahlschläge kommt zwar in unseren Hoch- 
bergen fast überall vor, wo die Forste überhaupt in Kahlschlagen abge- 
trieben werden, aber häufiger wird es nur in den unter- und oberöster- 
reichischen Hochbergen, dann in Kärnthen, vorzüglich aber in Steier- 
mark geübt, kurz in den Gegenden der in einem eigenen Abschnitte be- 
leuchteten Brandwirthschaft Oflfonbar hat hiese letztere auch darauf ge- 
führt und tbatsächlich brandete man bisher fast immer nur der Getreide- 
ernte wegem 

Wirkung der Viehweide auf die TerJOngiinv der 

Selilfti^e« 

Das weidende Vieh, welches in den österraichischen Hochbergen, wo 
im Allgemeinen noch nie ein Weidebann geltend gemacht wurde, vorzugs- 
weise in die Kahlschläge getrieben wird, übt mit Ausnahme der Ziege, 
welche fest immer nur schadet , auf die Verfüngung theiiweise einen nach- 
theiligen, anderntheils jedoch wieder einen sichtlich günstigen Einfluss. 

Zuvörderst ist es der Tritt des schwe^n Hornviehes, welcher zer* 
störend auf den Nachwuchs wirkt, hauptsachlich darum, weil fast sämmlB^ 
che Schläge hier mehr oder weniger steile Lehnen sind. 

Ist nun der Boden weich, was doch in den an Sommerregen so rei« 
eben Hochbergen meistens der Fall ist, so biethet er dem Fasse des Vie* 
hes keinen festen Halt, dieses rutscht bei jedem Tritte, und jeder Fuss 
zieht dabei einen bedeutenden Streifen der oberen Bodenschicht mit sich, 
und begräbt darunter die dortgestandenen zarten Pflänzchen meistens für 
immer* 

In neuen, noch unverrasten und mit einer bedeutenden Humoslage 
versehenen Schlägen , oder auf noch nicht gesetzten und daher auch noc|i 
anbenarbten Bränden, bei ganz schwerem Viehe und bei länger dauerndem 
Regenwetter erreicht diese nachtheiüge Wirkung auf den steilen Hängen 



ihren liffchsten Grad, und sie ist dann wirklich so starke dass schon 4—5 
Rinder einen Schlage von mehreren Jochen fast fSrrolich sserstanipfen. — 
Grössere Pflanzen würden zwar unter dem Viehtritte nicht so bedeutend 
leiden, aber auf diesen Bdden kömihien ja nur Keimpflanzen und Jahrlingfe 
oder höchstens zweijährige Pflanzen vor. 

In dem Masse, als sich der Boden setzt und mit Gras benarbt, lei- 
det er auch weniger von dem Tritte des Viehes, so dass vollkommen 
verraste Schlage bei miissiger Viehzahl nur wenig mehr verdorben 
werden. 

Durch das Abfressen leidet unbedingt und bedeutend nur der Bu- 
chenaufschlag. — Die aufsprossenden Buchen mid die jungen, weichen 
Triebe der älteren Pflanzen sind für das Hornvieh und die Pferde eine 
sehr leckere Rost, der sie umsomehr nachstreben, als es im Beginne der 
Weidezeit (gewöhnlich Ende Mai bis halber Juni) insbesondere in den 
höheren Lagen öfter noch an zureichendem Grase fehlt. — Abgefressene 
Koimpflanzen sind flir immer verloren, altere werden nur im Wüchse 
mehr oder weniger zurückgesetzt 

Nadelholzpflanzen geht das Vieh in der Regel nur wenig an, kleinere 
(S~> 4jährige) Pflanzen werden vom Hornviehe öfter nur darum sanmit dem 
Grase abgebissen, weil es sie nicht gehörig von dem in's Maul gefassten 
Grasbttsche auszuscheiden vermag. — Da jedoch das Rind die Gräser 
mehrere Finger hoch über dem Boden abbeisst, so sind ein- und oft auch 
zweijährige Pflanzen vor dem Verbeissen eben so sicher, wie ganz 
grosse. 

Nur sehr hmigeriges Vieh, und insbesondere jenes , welches wegen 
der in den Alpen so häufig vorkommenden Ueberstallung bereits gezwun- 
gen war, Grass zu fressen (was sie im Winter aus der Streu aufnehmen) 
und dabei den Nadeln und frischen Trieben Geschmack abgewonnen hati 
verbeisst auch den Nadelholzmaiss. — Dieses Verbeissen wird jedoch 
bei massiger Viehzahl nur in den Mulden und auf jenen weniger abschüssigen 
Stellen wirklich zerstörend^ auf welchen das Vieh seine Ruhe zu halten 
pflegt. — Hier wird der Anwuchs wirklich so nachhaltig verbissen, dass 
die nächsten Pflanzen häufig zu Kollerbüschen ausarten. 

Auf allen verrasten Schlägen hingegen wirkt das weidende Vieh ge- 
wöhnlich nur vortheilhaft auf die Verjüngung, indem es die Holzpflanzen 
von dem überschirmenden Grase befreit, unter welchem sie sonst ersti- 
cken« oder wenigstens in so lange kümmern würden, bis sie nicht end- 
lich doöh dem Grase entwachsen wären. Tausende von Anwüchsen sind 
schön jurch die Viehweide vom Verderben gerettet worden ', ja viele 
Maisse wären gar nicht entstanden, wenn das Vieh nicht das wuchernde 
Gras beständig kurz gehalten hätte. 

Im (dem Grase bereits entwachsenen) JungMrudhse wirkt die Weide 
weder nützlich noch merkbar schädlich. 

Das, was ich bisher über dieBeweidung anfgefilhrt habe, gilt eigent- 
lich nur vom Rindviehe, denn in der Hauptsache wird nur dieses hi die 

«1* 



8S4 

groBaen Schlafe unaerer Hochberge getrieben. — Nur mehr nebenbei 
treibt man auch Pferde mit auf, welche jedoch sichtb'ch nachtbeiliger wir« 
ken, sowohl im Vertreten, als im Verbeissen; wesswegen denn die mei<> 
sten alten Waldordnungen, ihren Eintritt in die Schlage f5rmlich ver- 
bieten. 

Die unter verschiedenen Umstanden ganz entgegengesetzte Wffkung 
der Weide ist es , welche unter den minder scharf beobachtenden Al- 
penbewohnern rücksichtlich der Schädlichkeit oder Nützlichkeit der Wald- 
weide von jeher die Meinungen gespalten hat; hiezu kam dann noch das 
eigene Interesse^ welches die Weideniesser auf die eine, und die grossen 
Waldbesitzer und ihre Forstleute auf die andere Seite drängte. 

Uebte man die Waldweide in diesen Bergen mit gehöriger Vorsicht, 
so würde sie unstreitig, ganz abgesehen von der Vermehrung des Erwer- 
bes — dem Holzwuchse zum mindesten nicht mehr schaden, als sie ihm 
nützt. 

Aber eben darin liegt es, dass man ganz rücksichtlos weidet. — Der 
Bauer, sei er nun Servitutberechtigter oder blosser Pächter, verzäunt 
zwar seine Felder und Wiesen gegen das Weidevieh, damit er in ihrem 
Ertrage keinen Schaden leide, er verzäunt seine Weidegrenze, damit sein 
Vieh sie nicht überschreite und vom Nachbar etwa gepfändet werde, er 
verzäunt auch die Abgründe, damit die Rmder nicht abstürzen, er ver- 
zäunt die Almanger, damit dort ungehindert Gras für die etwaigen Schnee- 
tage wachse, — aber die neuen Holzschläge, welche gegen das Vieh gebannt 
sein sollen, verzäunt er um keinen Preis, denn er will ihr Gras nicht ent- 
behren und sich die Ausgabe dafür ersparen. Stattdem reisst er allenfalls 
die Verhegungen nieder, welche der Waldbesitzer auf eigene Kosten an- 
gelegt hat 

Der Bauer stellt zwar dort, wo er den Weidebezirk nicht verzäunt 
hat, einen alten Knecht oder Knaben als Hirten auf, damit das Zuchtvieh 
sich nicht verlaufe und verunglücke, und damit das Melkvieh die rechten 
Weideplätze besuche und zur rechten Zeit zur Sennhütte zurückkehre, 
aber diese können und dürfen ihr Vieh nicht von den Schlägen abhalten, 
welche der Waldbesitzer etwa schonen wollte. 

Die Rücksicht auf den Holzwuchs forderte, dass die Schläge und 
Maisse erst dann betrieben würden, nachdem hinreichend Gras aufgespros- 
sen isr, und dass man nie mehr Vieh einlege, als sich mit dem blossen 
Grase sattsam ernähren könne. Aber der Bauer vermehrt seinen Vieh- 
stand so viel er nur kann und fast allenthalben weit über die Zahl, wel- 
che er mit dem Ertrage seiner Wiesen anskönmlich zu überwintern ver- 
möchte. Und so treibt er nun aus Mangel an Trokenfutter schon auf die 
Alm, wann in den Schlägen kaum erst einige Halme aufgesprossen sind^ 
und alles Vieh muss hinauf, es mag nun oben reichliche oder ärmliche 
Nahrung finden ; denn den Ertrag seiner Wiesen will er ungemindert flir 
den Winter aufbewahren. 



3S5 

Unter flolchen Umständen wird natürlich noch weniger an die feine* 
ren Vorsichten gedacht, als z. B. wären, das Vieh nicht lange in den 
Maissen und am allerwenigsten lagern zu lassen, es erst dann hineinzutrei- 
ben, nachdem es schon den ersten Hunger gestillt hat ü. s. w« 

So wird im Allgemeinen die Weide in unseren Hochgebirgsschlagen 
geübt, und daher kommt es auch, dasfa sie der Verjüngung derselben oft 
so nachtheilig wird. — So ist sie auch von jeher geübt worden, nur hatte 
man in alten Zeiten keinen so starken Viehstand, dagegen aber weniger 
Schläge. 

Die ganze Wald weide, insbesondere jene des Melkviehes, ist von 
jeher auf die Beweidung der Holzschläge gegründet gewesen; ohne diese 
hätte sie oft gar keinen Werth. — Sie wurde aber nicht selten mit 
einer solchen Rücksichtslosigkeit geübt, dass gar viele Schläge sich nur 
mehr unvollständig und manche gar nicht mehr verjüngten. Fast alle in 
der Waldregion liegenden Sennereieu sind mit ihren jetzigen reinen 
Grasflächen aus Holzschlägen hervorgegangen, wobei freilich auch Hacke, 
Heppe und Messer mitgeholfen haben. Gar viele jetzige Althölzer bewei- 
sen durch ihre Lückigkeit und durch ihren eigenthümlichen Schaft und 
Holzwuchs die Unbill, welche sie in ihrer Jugend erlitten haben, und die 
alten Waldordnungen und zahlreichen Regierungseriässe geben Z^^ogniss 
von den Wunden, welche die rücksichtslose Wald weide schon vor mehr 
als einem Jahrhunderte dem Holzwuchse geschlagen hat 

Selbst der Ziegenweide entgehen die Hochgebirgskahlschlage nicht 
ganz. Ist auch die verderbliche Sitte, mit den Ziegen förmlich Sennerei 
zu treiben, in der Regel noch nicht in die Gegenden derKahlscbhgwirth- 
schaft gedrungen, so gibt doch der Almherr, die Sennerin oder ihr Hir- 
tenbub den Kühen meist einige Ziegen bei, der Zuchtviehhirt, der Holzer 
und der Köhler halten sich ein Paar, um während ihres Sommeraufent- 
haltes im Forste Milch zu haben. Diese grossentheils sich selbst über- 
lassenen Ziegen wandern nun vorzugsweise auch in die Schläge und 
MaissC; um dort ihren leckeren Gaumen zu kitzeln. 

Die Ziege wirkt hier so verderblich, wie überall; und dass ihreZer- 
stönmgen weniger auflfallen, liegt nur in ihrer meist geringen Zahl. 

Es stände zwar zuletzt in der Macht der Forstverwaltuogen , ihren 
eigenen Arbeitern die Ziegen zu nehnien, aber wo die Weide überhaupt 
mit so wenig Rücksicht auf den Wald geübt wird, ist es fast unmöglich, 
dem unbemittelten Arbeiter diese für ihn so schätzbare Wohlthat zu ver- 
sagen. Und was den Hölzer betrifft, so muss ihm die Ziegenmilch in den 
gar nicht so seltenen Schlägen, welche naher Quellen entbehren, das 
Wasser ersetzen. 

Frost and Dflrre in ihrem Wiriien auf die Ter jOngnns 

der Ki^il^eUäse, 

So kräftig die Holzarten 4es Fichtenwaldeis im Allgemeinen den Wit- 
le^ongsunhiMen widerstehen, so ist das doch eine Tugend, welche sie 



in ihrer allerersten Ju^^nd noch nicht io vollem Masfe beaitsen. — Aller- 
dings ist ihre Empfindlichkeit auch in diesem zartesten Altar so gering« 
dass schoB der Schuts, welchen ein geringer Gras- oder Mooswuclui, 
einiges Astwerk, ja selbst blosse Stöcke oder zu Tage stellende Felsen 
zu bieten vermögen, bereits zu ihrer Sicherung hinreicht; gaai& bloss ge- 
stellt unterliegen sie aber unter ungünstigen Umstanden denn doch dem 
Froste und der Dürre. 

Der Frost tödtet zwar manchmal auch die Keimpflanzen durch Ver- 
nichtung ihrer Keimblätter, seine gewöhnliche verderbliche Wirkung b^ 
steht jedoch im Ausziehen der jungen Pflanzen. Der Vorgang ist hiebe! 
folgender: Je geschwängerter der Boden mit Wasser ist, destomebr ver- 
mehrt er beim Gefrieren seinen Raum, was erklärlicherweise nur nach 
Oben statthaben kann. — Das Gefrieren beginnt ao der Oberfläche und 
schreitet von hier langsam in die Tiefe, so dass, wenn man sich den Bo* 
den aus lauter dünnen Schichten bestehend denkt» der Frost von Schicht 
zu Schicht nach unten steigt. — Durch das Gefrieren wird die obere 
Bodenschicht fest und wächst mit der Pflanze in einen Körper zusammen. 
Wenn nun der Frost die nächste Schicht ergreift, so dehnt er sie aus 
und sie hebt dann die darüberliegende bereits gefrorne Schicht. Weü 
nun kleine Pflanzen gewöhnlich mit dieser Schicht viel fester zusammen- 
gewachsen sind, als sie mit ihren unteren Wurzel theilen in de«i noch un- 
gefrornen Boden stecken, so werden letztere nach Maßgabe der fortschrei- 
tenden Hebung der gefrornen Erdschicht aus der ungeirornen Erde immer 
mehr herausgezogen, wobei jedoch einzelne Wurzeln und öfter sogar die 
Hauptwurael zu zerreissen pflegen. 

Das Auflhauen des Bodens geht auch von Oben nach Unten. Die 
oberste Schicht thaut auf und die Erde sinkt zusammen ; die Pflanz^ kann 
jedoch nicht mitsioken, da ihr unterer Wurzeltheil ganz fest in der noch 
gefrornen unteren Bodenschicht steckt. So schreitet mit dem Aiifthanen 
auch das Zusammensinken des Bodens immer weiter vpr , ohne dass aber 
je die Pflanze mitsinken könnte , daher sie denn zuletzt gerade um so viel 
mit der Wurzel über dem Boden stehen bleibt, als sie bei dessen Gefrieren 
nach und nach gehoben wurde. * 

Ganz anders ist der Vorgang bei grossen Pflanzen. Die Hauptwurzel 
ist hier schon so stark und so fest im Boden verzweigt, d|uis sie sieh beim 
Heben des gefrornen Bodentheils, statt zu zerreissen oder statt den untern 
Theil aus dem ungefrornen Boden nachzuziehen , lieber von deir gefrornen 
Bodenschicht lostrennt; wesswegen denn auch diefe gröaieren Pflanzen 
vom Froste nicht mehr ausgezogen werden, Xu dißser entsprechenden 
Grösse gelangt die Fichte schon nach S— 4 (die Lerche schon na<A 1--9, 
die Buche nach l-~2) Jahren, besonders üppige Fichten aber auch schon im 
ersten Sommer. 

Das Ausziehen durch einen einzigen Hartfrost ist manchmal so stark, 
(s/^^iy^ Zoll) dass ganzkldne Pflinachea» insbesondere» wem aueh ihre 
Hauptwdl^el abgerissen wurde, beim Aufthauen gan« oder m» grüisMrtea 



«87 

Theii ober dem 3odeu bleibeo', uinfaUeu und absterben. Eine minder be- 
deutende Hebung hat zwar nicht den Tod , aber doch ein sichtbares Küm- 
mern zur Folge, woran wohl offenbar auch das Zerreissen der feinen 
Wurmelfasern viel Schuid trägt Solche Kümmerer verstärken dann im 
nacbiiten Sommer ilure Wurzel n^ir so wenig« dass «e im zweiten Wioier 
auch noch aufgesogen werden und nach diesem oder selbst noch im dritten 
Jahre endlich doch als Opfer des Frostes fallen. 

Auf benarbten Böden können die Pflänzchen darum nicht ausgezogen 
werden« weil ihre Wurz^bi zusammen mit jenen der Graser oder Str&u- 
eher, weiche die Benarbung büdea« einen dichten FiU ausmachen^ welche 
dem Ausziehen vollkommen widersieht. 

Auch anf festen Böden werden diePflatizen wenig oder gar nicht aus- 
gezogen,^ weil erstens diese Krumen wenig Wasser und dieses wenige Qur 
in der Oberfläche aufnehmen , sich daher auch beim Gefrieren vi^ weniger 
ausdehnen» und weil zweitens die Pflanzen hier vidi fester wurzeln. 

Wircklich sind es nur die unbenai4)ten und zugleich oberflächlich sehr 
leckeren^ also die Böden ganz frischer Schläge» aufweichen der Nachwuchs 
gar so gerne ausgezogen wird; dann Böden» deren oberste Schicht aua 
Humus oder stellenweise aus Holzmoder besteht» oder eben ausgebaute» also 
nodhung^«tzle Brände» weil diese alle wenig benarbt sind und grosse Menge 
Wassers in sich aufnehmen.' (Endlich auch die Saat- und Pflanzkämpe») 

Diese Wirkungen des Hartirostes sind am grössten auf den Sonnen- 
seiten der Bej^ge» dann im Südäbfalle der Alpen, weil hier die Böden öfter 
gefriiSren und wieder aufthai^en» als auf dsn Schattenseiten oder in den Ge* 
genden mit rauhem Winter. — In der Hochregion wären sie des äusserst 
vasehen Ein- nnd Austritts des Winters wegen zweifelsohne geringer» wenn 
dort nicht wieder die. Sommerfrösle einträten. 

Im Südabfieüle wirkt dana noch dar Vn^atand Ungünnlig » dass dort die 
Regem^eit in den Herbst f&llt» der Boden also nässer «nfariert 

Mehrmalige» GefrioTen und Außhauen zieht die Pflanze« öfter seihsl 
auf 3—4 Zoll aus* 

Die nemlicben oberflächlich sehr ioekeren und unbenarbtea Böden 
vermögen dann zur Sommerszeit die Pflänschen auch öfter nidit vor dem 
Vertrocknen zu schützen» indem sie bei lange ausbleibendem Regen aucl^ 
fiiastief gänzlich austrocknen » ungeachtet benarbte oder feste Böden sich, 
meh immer genfigend feucht erkalten. — Auch der AnstroCknung unter* 
liegen <&e Pflanzen häufiger anf den Sonnenseiten und im Südabfalle der 
Alpen. 

Gi&ddicherweise bewahren die häufigen und ausgiebigen Sommer- 
regen der nördlichen Alp^n gewöhnlich vor bededteoden Schäden dieser 
Art. 



Weiteres Aber den Gang der SelbstTer jflnsiuis der 

Rahteeliläse. 

Würdigen wir nun die eben dargestellten verderblichen Einflüsse des 
Abraumes, der Viehweide, des Frostes und der Dürre auf die allsogleicbe 
Verjüngung ganz frischer offener Schläge, so werden wir uns nicht mehr 
wundern, warum die ausgiebigsten Samenjahre öfter erfolglos an ihnen 
vorübergehen; berücksichtigen wir dann weiters» dass all diese Einflüsse 
auf den benarbten Böden gar nichts oder nur in viel geringerem Masse 
zu schaden vermögen, so wird es erklärlich, warum endlich der Nach- 
wuchs nach dem Eintritte der leichten Benarbung nicht mehr fehlschlägt 
— Darum fliegen denn auch die ofienen Schläge in der Breite des reich- 
lichen Samenfluges doch meist erst nach vorübergegangenem Gras« 
Wucher an. 

Dort, wo der Boden durch einen dichten Ueberzug von Heide, 
Preusselbeer oder Alpenrosen der alsbaldigen Verjüngung verschlossen ist, 
bedürfte es zu erträglicher Bemaissung auch in der Breite des reichlichen 
Samenfluges mehrerer Samenjahre ; weil aber mittlerweile mit der Schlä* 
gerung weiter gerückt wird, so fallen diese Flächen gewöhnlich schon 
lange vor ihrem gänzlichen Anfliegen ausser den regelmässigen Samenflug. 

Ganz eigen ist das Schicksal der unzähligen Schläge, weiche über den 
gewöhnlichen Samenflug hinausliegen. 

Hieher vermögen nur mehr heftige Vi^inde und Stürme, Schneelawinen, 
Thau und Regenfluthen, kurz nur die aassergewöhulichen Träger einigen 
Samen zu bringen. Der Nachwuchs erscheint daher auf diesen allen samen- 
tragenden Beständen weit entlegenen Beständen nur sehr spärlich , beson- 
ders dann, wenn ihr Boden überdiess noch verwildert (mit Heide, Preussel- 
beeren und Alpenrosen überzogen) ist. Es bedarf da öfter 10 — 90 Jahre, 
bis nur einige vereinzelte Pflanzengruppen zu Stande kommen. — Manch- 
mal dankt man diese Gruppen auch nur dem wenigen Nachwüchse, der aus 
den abgeholzten Beständen zurückgeblieben isL 

Das Anfliegen dieser Flächen macht so wenig Fortschritte, dass die 
erstentstandenen Pflanzengmppen schon zum Samentragen gelangen und die 
Schläge gleichwohl noch nahezu als Blosse daliegen. — Nun aber überneh- 
men eben diese erstentstandenen Horste die endliche Besamung und die 
stufenweise auch ins Samentragen kommenden späteren Aufwüchse unter- 
stützen sie; so dass die allgemeine Verjüngung dieser Schläge nach 30—70 
Jahren endlich dennoch zu Stande kommt. 

Den vollgiltigsten Beweis für die Richtigkeit dieser Thatsaohe liefern 
nicht nur derlei eben im letzterwähnten Verjüjigungsstadiam begriffene 
Schläge, sondern auch unzählige Altbestände, zwischen deren den Hauptbe- 
staud bildenden jüngeren Hölzern man allenthalben vereinzelt oder gruppen- 
weise auffallend ältere Stämme antrifft, deren Schaftform und tiefe Beastung 
unwiderleglich darthut, dass sie lange Jahre freigestanden sind. Die gleiche 
Stärke und Astreinheit des jüngeren Hauptbestandes beweist seine gleich« 



zeiüge Entotehung^, die deon doch nur von den iMeren Horsten her denk- 
bar ist 

Die in dieser Art auf verwilderten Böden entstandenen Bestände sind 
aber fast immer lückenhaft. 

Diese endliche Verjüng^un^ von den zum Samentragen gelangten ersten 
Pflansengruppen her« ist auch der Vorgang»^ mittelst welchen die nnver* 
gleichliche Mutter -Natur allmählich auch ganze Liknder bewalden würde» 
welche« ihrer sammtlichen Forste beraubt, von den Menschen verlassen wer- 
den müssten. 

Durchselmittlielier Zeitbedarf der SelbstTer jflngiins. 

Nach dem so eben Dargestellten kann man sich die Erfabrungsthat- 
sachen erklaren: dass in unseren Hochbergen die kleinen Fichtenkahi- 
schlage besserer Lage (meist Bauern- oder Gemeinwälder) sich in 6-- 18» 
im Mittel in IS Jahren« die ausgedehntesten Kahlschläge der grossen Forste 
jedoch erst in 6—70 und durchschnittlich etwa in 30 Jahren selbst verjün- 
gen ; dass jedoch einzelne Schlage unter ganz besonders ungünstigen Ver- 
hältnissen auch einige Menschenalter hiezu brauclien. 

' Zur Vollendung des Bildes über die Folgen der jetzigen Kahlschlag- 
wirthschaft muss ich noch darauf hinweisen« dass die späte Verjüngung 
auf allen minderkräftigen Böden wegen vorausgegangener Aufzehrung des 
Humus anfinglich geringeren Wuchs der neuen Bestände im Gefolge 
hat« so wie dass auf allen ärmeren und zugleich verwilderten Böden 
durch die Selbstverjüngung nur eine unvollständige Wiederbestockung 
erzielt wird« eine Bestockung^ welche erheblich geringer ist« als die durch 
wohlverstandene Aufforstung erreichbare. 

130 

Das Änfforstuigswesen der Hochberge. 

In Ländern « wo man noch vor Kurzem die grossen Kahlschläge mit 
Recht der Selbstverjfingung überliess, und diess mit gleichem Fuge theil- 
weise noch jetzt thut« wo ausserdem der Plenterhau in bedeutender Uebung 
ist« kann von weit ausgedehnten Aufforstungen keine Rede sein. 

Unzweifelhaft vidrd zwar die künstliche Waldverjüngung von nun an 
auch hier sich rasch in immer weiteren Kreisen verbreiten; bis jetzt aber 
war sie grossentheils nur auf Versuche beschränkt^ und unsere Erfahrungen 
hierüber sind noch so gering« oder wenigstens so wenig wissenschaftlich er- 
fasst und bekannt gemacht« dass ich die Lehre von der Aufforstung der 
österreichischen Alpen« eine Lehre« welche natürlich eine ganz andere 
sicherlich aber reichere werden wird « als die der Flachländer — fugUch mit 
eben den grossen Schlägen dieser Hochberge vergleichen kann« in welchen ein- 
zelne rüstig aufstrebende Baumgruppen zwar schon den Anbau des weiten 
Feldes sicherstellen« dieser volle Anbau jedoch der Zukunft überlM- 
sen bleibt 



Dieser Absthnitl muss daher, ao viek«rspr^iead aiuch sein Titel sein 
mag — nothwendigerweise sehr, dürftig ausfallen. 

Da in diesen Hoehbergen der Wald in der HauptAaehe immer nnr 
Fichtenforst ist, so hat man bis jetzt auch meist nur die Fichte künstlich 
aug€)zogen. Vielenorts hat man diese Holzart swar auch gepflanat» meist 
jedoch nur in sehr günstigen Lagen der Tiefregioo» mehr versucheweise 
oder der blossen Schaustellung wegen» und nirgends in solcher Ausdeh- 
nung» dasa diese Aufforstungen und ihre Ergebnisse besondere Beach- 
tung verdienten. Dagegen finden sich in Steiermark» in Unter« und Ober- 
österreich» in Kärnthen» und selbst in Nordtirol Saaten von beträchtlicher 
Ausdehnung vor, hie und da sind dort bereits ganze Sehßge durch Saat 
aufgeforstet worden» gar manche Stangenhölzer schon daraus hervorge- 
gangen und anderwärts hat man diese AufTorstungsweise wenigstens 
versucht. 

Die allgemeine Wahl der Saat beweist» dass. die österreichischen 
Hochgebirgs-Forstwirthe diese Verjüngungsweise im Allgemeinen far die 
angezeigteste halten, und die vorliegenden Ergebnisse sind zahlreich 
und günstig genug» um sagen zu können» der Fichtenforst lasse sich hier 
mittels Saat im Allgemeinen sicher und wohlfeil nachziehen. 

Saat mittels Getreidebau* 

Die zahlreichsten» wenn gleich im Einzelnen sehr kleinen Saaten 
dieser Art sind unter MOO Fuss Seeböhe auf Flächen von besserem Boden 
gemacht worden» den man nach vorausgegangener Brandung eine Ernte 
von Roggen oder Hafer» oder auch eine zweite Getreide- oder Bübenernte 
abgewonnen hatte. 

Man überstreute im Frühjahre die bereits mit Feldfrucht bestellte 
Fläche ganz einfach noch mit 10 — 16 Pfund (abgeflügeltem) Fichtensamen, 
oder säte den Waldsamen auch auf den Schnee» falls der Ort im voraus- 
gegangenem Herbste schon mit Wintergetreide bestellt worden wäre. 
Hiermit war die Aufforstung beendet. 

Die Brandung und der Feldbau wurden in der Regel von jenen vor- 
genommen, denen man diese fddwirthscbaftliche Zwischennutzung über- 
lassen hatte» die Waldsaat hingegen führte das Forstpersona}e» meist der 
Aufseher des Bezirkes» mit Samen aus» den er häufig selber gesammelt 
oder wenigstens ansgeklengt hatte. 

Zu dieser Feldbesl;eUuiig Usj^n sich in der Regel die Bauern nicht 
herbei» denn sie haben kaum Hände genug zur Bebnun^ ihrer eigenen 
Grundstücke. Wohl aber ist sie sehr erwünscht den verheiraiheten Arbei- 
tern , welche damit ihren Weiberi| und Kindern eine lohnende Beschäfti- 
gung geben. -^ Dort» wo viele Arbeiter ^nsä^sig sind — und des ist in 
diesen Hochbergen in allen grossen (MoQtan) Werkserten der Fall ^ 
wjrd diese Zwischennutzung von fhnen, sogar oft sehr gesucht und sie 
jKahlen dann einen Pacht von 1 — ^ Gulden vqm Joche ^ ja aut sehr i^tep 



und wohlgeiagenen Granden auch ym flmid mehrGulden, falb ihnea deren ' 
Nataaog^ anf t Jahre geatattet nviid. 

Her gröaaere Theil der 8chl&f e verapricht jedoch keine genügeada 
Erntie, aei ea wegen der Unmichligkeit der Krame (Feia- and Schüttböden), 
aei ea wegen der zu hohen Lage— von den übrigen ist dann auch ein guter 
Theil den Wohnorten dieaer Leute au entlegen. Hier unternimmt nur 
höchstens ein oder der andere in der Nahe arbeitende Holzer oder Köhler» 
oft mehr verauchaweiae, die FeldheateUuog und in Brwögung der Uuaicher- 
hei) und GeringAgigkeit der Ernte kann ar naiüriich keinen oder nur einen 
Packt von wenigen Kreuzern sahlen. 

In der Regel gelingt dieae Aaflforatuiig imner gut, nur darf ein Um- 
atand nicht dabei übersehen werden» daa iat» daa auf daa Getreide folgende 
Unkraut. Dean häujfig achieast dieaea iat nächstfolgenden Jahre aait solcher 
Ueppigkeit in die Höhe, daaa ea die jungen Fichten jedeofaUs ersticken 
wftrda, schnitte man ea im Laufe dea Sommera nicht Ein oder awei Mal 
ab. -< Eine solche Vernichtung der bereite gelungenen Saat ist aber leicht 
zu vermeiden , denn wo es die Leute der Muke werth finden , aich um die 
Getreidebestellung zu bewerben , nehmen sie auch gerne die Gräser der 
daraai folgenden Jahre. Und gelange ea auch manchmal nichi, sie hiezu zu 
bewegen, so. ist ea beaaer, daa Unkraut durch eigene Leute ahaehneiden zu 
laaaes, als die fiaat dem Verderben preiszugeben. Und im achlimmaten FaUe 
brauisht man nur den Hag (dieae Orte sind meist mii leichten Slangen und 
Zäunen verbogt) einige Male dem Weidevieh zu öffnen , waa man um ao 
anbedenklicher thun kann , ala es ja ganz in der Gewalt dea betreffenden 
FQratvdrthes ateht, hiefiir den rechten Augenblick anszuwählen und daa 
Gehege nach erreichtem Zwecke wieder zu verachlieaaen. — Sten wählt 
zu dieaer Abweidung trockenea Wetter^ Uisat weder viel noch sehr hunger 
riges Vieh ein, und gestattet unter keiner Bedingung dessen Lagemag. . 

Dieae Aufforstungsweiae empfiehlt sich in jeder Beziehung^ denn sie 
sichert nicht nur die Abchaucht dea Waldea mit den geringaten Kräften, 
aoodern vermehrt aitck die Produkzion und daa Arbeitaeinkommen dea Vol- 
ke« zu Guttaten jener, welche deaaen am meialen bedürfen; sie verbindet 
apch daa Intereaae gerade jener MenschenkJaaae mit dem Walde, welche 
öfter am meisten zu dessen Gefahrdung geneigt sind. — Auch rfickaichtlich 
dea Kostenpunktes empfiehlt sie sich dem Waldeigenthfimer; denn da die 
Saat mit aelbsterzeugtem Samen etwa auf 3—4 Gu&den zu atehen kommt, ao 
eracheinen die Aufforatungskosten durch den erzielten Pacht groasentbeila 
und öfter reichlich gedeckt. 

Leider aber wird diese Verfüngangsweiae in unseren .Hochbergen nie 
den Ajaaachlag geben; denn gerade jene Wälder, in denen aie am meiaten 
nützen würde, d.i. die groaaen Porste, bestehen überwiegejid a«a steitea^ 
felsigen oder .seichtkrumigen Hängen, kurz aus Böden, deren Ackerbestel- 
hing gar nicht möglich iat, oder doch mehr kosten würde als sie eintrüge, 
oder sie stodao hoch gelegen, dMa an ein aicherea.Auareileü des Gtlreidea 
nicht zu denken iatt 



Auch kann ein starker Beg^ehr nach dieser Zwischennatzuog^ mir im 
nächsten Umkreise der starkbevölkerten (Montan) Industrieorte eintreten, 
and gerade im Bereiche der grossen entlegenen Forste ist ein solcher Mangel 
an Arbeitskräften , dass man schon dieserhalb auf diese VeijQogungsweise 
versichten müssle. 

Tollsaat nach worau^sesangenev Brandung« 

Ich habe beträchtliche Schläge gefunden, in welchen man durch die 
Brandung mittels des rückgebliebenen Abraumes vorerst den Boden aufge- 
schlossen und hierauf die Verjüngung mittels Vollsaat erwirkt hatte. — 
Die Saat nahm mau aber nicht gerne in dem auf die Brandung folgenden 
Frühjahre, sondern ein Jahr später vor, indem man zu bemerken glaubte, 
dass im ersteren Falle die Pflanzen weniger zahlreich gediehen, was dort 
sicher stattzuhaben scheint, wo völlig durcbgebraimt wurde. 

Man säte gewöhnlich 10 — 16 Pfiind Samen aufs Joch und bewirkte 
seine Unterbringung durch blosses Ueberfafaren des Bodens mit eisernen 
Rechen, öfter unterbrachte man ihn gar nicht 

Da die unausgelaugte Asche nicht vorteilhaft auf die Keimlinge 
wirkt, so kann man sich wohl das Missling^A der Saaten auf frischen, 
durchgebrannten Stellen erklären, wenn man erwagt, dass hier die Asche 
durch keine vorangehende Bodenbearbeitung mit der Krume verm^igt 
wurde , sondern sammt den übrigen Brandresten ausschliesslich auf de^ 
Oberfläche verblieb« 

Die sogemachten Saaten schlugen allenthalben recht gut an, die 
Jährlinge wuchsen schnell zu kräftigen, stufigen Pflanzen heran und herr- 
liche und vollgeschossene Maisse und StangenbSIzw beweisen, dass auch 
ihr spateres Gedeihen nicht zu bezweifeln sei. 

Die Vollsaat eines Joches kostet auf diese Weise 8—5 Gulden. 

Anfangs säte man fast überall viel dichter und verwendete 90 und 
mehr Pfunde Samen aufs Joch. Aber abgesehen von den grösseren Kosten 
zeigen manche aus solchen Saaten hervorgegangene Maisse schon klar die 
Nachtheile dieses Verfahrens. Denn schon 3 — 7 Jahre vach der Saat 
kam der Maiss in einen äusserst dichten Schluss, ohne dass es — beson- 
ders auf den Kalkscbuttböden — einer hinlänglichen Zahl von Pflanzen 
gelingen konnte, die Oberhand zu erringen. Es trat also für längere Zieii 
eine nachtheilige äpannang ein, welche den Wuchs des ganzen Maisses 
zurückhielt. 

In der Nähe der Höfe Uesse sich freilich kostenlos dadurch helfen^ 
dass man den Maiss in schmalen Streifen nach dem Berghange herunter 
ausbaut, denn die ausgehauenen Fichten geben vortreffliche Hackstreu, 
deren AUnringung eben nach dem Streifen herab sehr leicht wird. 

Binnensaat 

Hie und da und besonders aufanglich hat man auf den Hängen die 
Kinnensaat versucht 



Der Erfolg war auf den Abdachnngen in der Regel ein ungünstiger. 

Zur Ereparung überm&aalger kosten, wegen der d&anen Krume, 
nnd um nicht ins todte Erdreich zu säen, zog man hiezu wagrecht am 
Hange herum ununterbrochene oder stückweise Furchen, ebnete deren 
Sohle so gut als mögh'ch und zog den Abraum an den äussern Rand 
hinaus, damit er dort einen kleinen Wall bilde, und der Saat das Regen-^ 
waaaer möglichst erhielte. 

Jene Samen, welche auf den Abraum des äusseren Randes kamen, 
keimten gar nlchtj oder die Keimlinge vertrockneten, denn dieser Abraum 
ist viel zu locker und hat viel zu wenig mineralische Erde, als dass die 
Saat dort anschlagen könnte. 

Die auf den festen Roden gesäten Samen keimten zwar , aber die 
Erde und der Schutt, welche nach jedem Regengusse (und in der Folge 
beim frQhjahrlichen Aufthauen des Bodens) von der oberen Wand reich- 
lich herabfielen, verschütteten einen guten Theil der Keimlinge, und be- 
nachtheiligten die dennoch aufwachsenden Pflanzen so nachhaltig, dass ein 
anderer Theil noch später einging, und die übrigen nicht eben freudig 
aufwuchsen. Die älteren Aufibrstungen dieser Art zeigen ganz klar, wie 
widerlich den Pflanzen die herabgeschnittene Wand war, denn diese beu« 
gen sich säbelförmig nach Aussen und setzen nach Innen gar keinen 
Zweig an. 

Um die Grösse dieser Verscbüttung zu begreifen, wolle man erwä- 
gen, dass man es hier nicht mit den sanften Abdachungen des niederen 
Gebirges, sondern fast durchaus mit steilen Hängen von 20 — 45 Graden 
zu thun hat. Um hier eine schuhbreite Rinne im festen Roden zu erlangen, 
muss man so tief in den Hang hineinschneiden , dass dadurch eine Wand 
von l — V/t Fuss Höhe entsteht Man wolle ferner erwägen, dass der 
Regen in den Hochbergen S— 3 Mal so dicht fällt, also auch in gleichem 
Masse stärker wirkt, als im Flachlande. 

In den Alpen, in welchen die Verjungungsflächeu in der Regel nicht 
gegen die Weide gebannt werden , kommt dann noch ein Umstand hinzu, 
der an und für sich schon die Rinnensaat im Allgemeinen verwerflich 
machen würde, d. i. das Weidevieh. — Eingeladen nemlich durch dieRequem- 
lichkeit> und gewissermassen auch gezwungen durch die Steilheit der Hänge, 
benutzt das Vieh die Rinnen ausschliesslich als Stdg und vertritt auf diese 
Weise fort und fort die jungen Pflanzen, was natürlich um so verderbli- 
cher wird, als die Wälder fast durchaus nur mit Hornvieh betrieben 
werden. 

Auch das Wild und selbst die Mäuse erkiesen sich die Rinnen zum 
gewöhnlichen Weg und letztere häufig auch zum Winteraufenthalte, wo- 
durch sie den jungen Pflanzen nicht minder nachtheilig ^^iferden. 

Man könnte meinen, dass diesen Nacbtheilen begegnet werden konnte, 
dass man die Rinnen entweder sehr breit oder sehr scjimal zieht. Ersteres 
jedoch wäre manchmal wegen der dünnen Krume ganz unmöglich, und wo 
es auch anginge , viel zu kostspielig, und letzteres wäre noch schlechter. 



weil 8o schmale Rinnen » ^ila man denn 4e»cfa bia anf die nnnerai«elie Erd- 
ccMcht einachneiden mfiaate» verhiltQiaBmiaai^ ao tief würden^ daaa die 
Keimling'e aielier fiberachuttet oder apäler dnrch die darfiber aich acMieaaen- 
den Unkräuter eratici^t würden. 

Die Rinnenaaat empfiehlt aich daher för die steilen Hin^e dieaer Hoch- 
berg^e am so weniger, ala der VoHheil der Brhaltimg der Feachtigfceit, wel- 
cher ihr im Fiachlande nachgerühmt wird , bei der hieaigen gewaltigen Re* 
genmenge (Absatz 3>) in Nichte zusammensinkt 

Selbst für die flacheren Abs&tze und Ar die Rücken und Kuppen scheint 
die Rinnensaat gegenüber den nüchatfolgenden Saatweisen keinen Vortheil 
darzubieten. 

Platiensaat 

Den grösseren Theil der Saaten hat man auf Platten voUffthrL 

Hiebei hat aich Folgendea ergeben. 

Sichtlich schlug es am Besten aus (auf den Hingen) , nicht etwa tief 
iiKden Abhang hineinzugraben, um eine beiiSufig wagrechte Platte zu er* 
langen, sondern die Platte hinzunehmen , wie sie sich durch Abriiumung der 
Bodendecke eben ergab ; nicht bloss der Kosten halber, sondern auch rück- 
sichtlich des Erfolges — Dass in dieaen Bergen dabd der Mangel hinrei- 
chender Feuchtigkeit nicht zu besorgen sei , habe ich bereits oben gezeigt 
Aber anch die Hinw^gwaschung der Krume ist nicht ^u Archten^ sobald 
der Boden feat erhalten wird. Denn die Krume besteht hier entweder aus 
bindigem Lehm oder aus mehr oder weniger grobsandiger oder schotteri* 
ger Erde. Ersterer unterliegt nur wenig der Abspülung, und auf den letz- 
teren Bdden werden allerdings die auf der Oberfl&che vorkommenden feinen 
Erdthelle bald weggewaschen ; der (wegen seiner Schwere) rfickbleibende 
grobe Sand deckt jedoch die Krume dann mit solchem Erfolge , daas eine 
weitere Abspülung nicht mehr leicht statthaben kann. 

Wagrechte Platten hatten so ziemlich die nemlichen Nadfatheile wie 
die Rinnensaat 

Des Viehtrittes wegen hat es sich selbst als unzweckn/iissig bewiesen» 
jene wagrechten Stellen als Platten zu benützen, welche sich häufig auf den 
Hingen schon Torfinden , Stellen» welche in der Regel eben durch daa Wei- 
devieh ausgetreten worden sind. 

Die zweckmSssige Grösse der Platte richtet sich nach der LSnge 
und der Ueppigkeit der Unkräuter» und mag zwischen 1—6 Quadratfnsa 
schwanken. 

Fordert auch ein besonders starker und schnell um sich greifender Un- 
kr&uterwuchs grosse Platten von 4-6 Fusa , so folgt hieraus noeh dicht, 
dass man auch diese ganze Flache besäen müsse; im Gegentheile beschränkt 
man aich der Ersparung wegen hierin nur auf den mittleren Vt — iVs ^^^ 
grossen Theil. — Durch Beurtheiluitg der Zeit, welche ein^seits die jun* 
gen Pflanzen nach den jeweiligen StandortsrerhUtniasen brauchen werden^ 
um der* Unterdrück tmg durch die Unkräuter zu entwachsen, und andei^seltt 



j^ner, iBDeriisIb wekher Me«e über iHe Pltttäii zusammeiifreiffen weHkn, 
rat es Dicht so schwierig^, die richtige Grösse jeder Platie im Voraus su 
ermittelfi. ^ Den Abraum der Platte zieht mifii am Besten an deren an* 
terem Rande. 

Unbedingt mnss die glänze Bodendecke (die Hnmussehielit) bis auf die 
mineralische Erde von der Platte geräumt trerden. In regnerischen Vor- 
sommern keimen z\rar die Samen auch im Überkohh'gen Hnmns, and aeltM 
im reinen Holzmoder; im Hochsommer jedoch vertrocknen sie al^er siciMr 
darin^ oder wenn ja einige derselben den Winter noch erleben, so zieht sie 
dann ganz bestimmt der Frost aas. — Ich habe vielenorts eine grosse Za)d 
von Platten gefunden, die bloss darum nicht «iigeschlagen hatten, weil die 
Arbeiter dort einen Theil des überkohligen Burnus in der irrigen Meinung 
zurückgelassen hatten , dass diese schwarze Brde das Wachsthum der jun- 
gen Pflanzen bef&rdem werde* 

Man hüte sich ancb Ja vor dem Lod^ern der Krame. In der lockeren 
Erde vertrocknen wahrend des Sommers sehr viele Pflanzen, und die übri» 
gen werden mehr oder weniger vom Froste avsgeasogen. — Ich vrill damit 
nicht sagen, dass man nOthigenfalls nicht auch die Krume mengen solle, 
aber man trete sie dann auch wieder sorgf&ltig fest. 

Die Plattensaaten kosten gewöhnlich zwischen 9 und 5 Gulden 
aufs Joch« 

Höchst zweckmässig sal man in den österreichischen Hoohbergen an 
den zurückgebliebenen Batamstöcken oder um die Stöcke herwn, was vor- 
trefflich anschlügt, ja hüufig das einzige Mittel war, um die Saat auf- 
zubringen. 

Die gleichen Dienste, wie die Stöcke leisten auch Felsen und Steine. 

Manigfaltig sind die Vortbeile der Stocksaat Die Stöcke bewahren die 
Pflanzen vor dem Ausziehen durch die Hartfröste — ein unschätzbarer 6e* 
winn in allen Hochlagen — sie sichern sie dann sowohl gegen den Tritt, ak 
insbesondere auch gegen den Biss des Viehes, was hier, wo alle Schlüge 
schonungslos beweidet werden, gleichfalls von grosser Bedeutung ist; sie 
bewahren die j«ngen Holzpflanzen vor dem Verdummen durch die Unkrin- 
ter, indem diese selten bis ganz an die Stöcke herangehen, sie scMMzen 
sie endlich zweifelsohne auch gegen jene atmosphärischen Unbilden» weldils 
die Pflanzen zwar dicht tu tödteii, aber doch im Wüchse zurückzuhalten 
vermöchten. 

Ich muss hier bemerken, dass die Hauptwurztln der alten Fichten* 
Stöcke stark über Tag wegstreichen, indem die Bodensehwarte (welche 
sie im firüheren Hochhohe überdeckte) im Schlage bald verschwindet und 
sie frei legt. Und gerade ier Winkel zwischen zwei ausstreichenden 
HMiptwiffZeb ist der beste Saatplalz. 

Bin anderer vortrefflicher Bantplatz ist auch das kurze Meos^ wel» 
dies in vielen Schiigen von saafter 4bdachang eimehie sehr steitflge 



Ba4eD8teilen bedeckt. — Abgesehen, dass diese» kurze MOO0 ein vor- 
trefiüches Keimbett abj^ibt, leistet e« auch» den Viehtritt nicht anage« 
nommen, in jeder Beziehung vortrefilicbe Dienste. — Auf diesen moosigen 
Stellen habe ich überall eine viei grössere Pflanzenzahl in vortreffli(iheni 
Wüchse gefunden. 

Die Stocksaat empfiehlt sich f&r alle stark beweideten Schlage, ins- 
besoiMlere j edoch fär die Hochlagen ; ihr allein verdankt man die Ver- 
jüngung gar mancher Fläche. — Leider finden sich öfter an diesen Orten 
nicht genug Stocke und Felsen» um die Saatplätze bloss an diese binden 
zu können. Man versäume dann nmsoweniger» die dennoch vorhandene^ 
Stöcke und Steine aufs Achtsamste zu benützen« 

Eiöcheriiaat 

Manchenorts hat man die Fichte auch in Löcher gesät 
Diese Saatweise empfahl sich aber im Allgemeinen durchaus nicht; 
denn weil man denn doch die Bodendecke dabei bis auf die mineralische 
Erdschicht wegnehmen muss , so fallen die Löcher meistens so tief aus» 
dass die Keimlinge gewöhnlich verschüttet oder später wenigstens durch 
das sich über das Loch völlig schliessende Unkraut erstickt werden. 

Nur auf moosigen oder einzelnen Stellen mit sehr kurzem und dün- 
nem Rasen hat sie gut angeschlagen. 

Das sog^enannie %etmem des Bodens. 

In unseren Hochbergen glaubten Viele, dass man die Holzsaat nicht 
allsogleich nach dem Einschlage mit Erfolg vornehmen könne, dass man 
stattdem einige Jahre warten müsse , bis sich der frisch entblösste Wald- 
boden ^»gesetzt'' habe , was wohl ziemlich gleichbedeutend ist mit dem 
Abwarten des schon oft erwähnten nach vorübergegangenem Kräuterwu- 
cher erscheinenden kurzen Grases. 

Diese Annahme hat zwar ihren guten Grund , ist aber demungeacbtet 
nicht ganz richtig. 

Gleich nach der Holzung ist nemlich der Boden nicht nur mit den 
Humas aller Stadien, mit Nadeln und Laub, mit Moosen mid Heidelbeeren, 
kurz mit jener Schwarte bedeckt^ welche im stehenden Holze vorkam, 
sondern es kommen dann noch . die Unmasse von Rinden und Astwerk und 
die vom letzteren abfallenden Nadeln hinzu. 

Auf diese äusserst starke Decke hinauf zu säen, wäre nun freilich 
nahezu widersinnig, und allerdings vermindert sich die Stärke dieses 
Schwiels im Laufe weniger Jahre ; die Moose und die Heidelbeeren sterben 
ab und vermodern, Rinden, Reiser und Nadeln brechen zusammen und ver- 
modern gleichfalls, der daraus hervorgehende, so wie der ursprünglich 
schon dagewesene Humus wird aufgezehrt durch die wuchernde Grasvege- 
tazion, so wie durch Verflüchtigung, kurz der Boden ,,setzt sich'' allerdings 
und wird dadurch in der Art geeigneter zur flolzsaal, dass die Abräuronng des 
Sehwieles zum Behufe der Plattensaat nunmehr weit leichter und wohlfeiler ist* 



Will man sich aber zu mühaamerer Abräumung der ursprünglichen 
Schwarte herbeilassen^ so lässt sich die Holzsaat auch gleich nach dem 
Einschlage mit Erfolg vollfuhren. 

Häufig würde der dadurch gewonnene mehrjährige Holzzuwachs die 
grössere Mühe des Abraumens vergüten, und die Brandung bfithe das Mit- 
tel» die ganze Bodenschwarte mit unbedeutenden Kosten hin wegzubringen. 

Aafforfiitpn§^ der höchsiten Iia|;en. 

Wo immer in den österreichischen Alpen Saaten mit Beachtung der 
angedeuteten Umstände gemacht worden sind, gelangen sie fast immer 
nach Wunsch. 

Bisher hat man sich aber auch fast immer nur an tiefer gelegene 
Schläge gemacht, denn weil man überhaupt nur einen kleineren Theil 
der abgeholzten Flächen künstlich verjüngte, so wählte man hiezu lieber 
die Tiefregion, in welcher die baldige Aufforstung Cdes höheren Holz- 
werthes wegen) mehr eintrug und auch viel leichter, bequemer und si- 
cherer war. 

Das Misslingen mancher Versuche, mit denen man sich an die obere 
Fichtenwaldgrenze hinaufwagte, hat nur bewiesen, dass hier die künst- 
liche Verjüngung ihre eigenen sehr grossen Schwierigkeiten habe, und 
schreckte meist vor weitereu Schritten ab. 

Geichwohl ist die Aufforstung in der obersten Waldregion keine 
müssige sondern eine Frage von höchster Wichtigkeit. — Denn sollte 
dort gleich der Wald nur geplentert werden, sich also von selbst erhal- 
ten, so ist das doch bis jetzt nur zu häufig nicht geschehen, sondern man 
erstreckte die Kahlschläge bis zur Baumgränze hinauf, und überlieferte 
unserer Zeit dort zahlreiche Blossen, wo die sich selbst überlassene Na- 
tur ein oder mehrere Jahrhundert zur Verjüngung brauchen würde« Es sind 
das Blossen, welche um so gewisser aufgeforstet werden sollten, als der 
Wald jener Region eine über den Holzwerth weit hinausreichende Be- 
deutung fiir die gesammte Bodenkultur des Landes hat 

Aber leider ist die sichere Aufforstung der obersten Waldregion noch 
eine völlig offene Frage. Hohen Dank daher unserer Regierung, welche in 
scharfer Auffassung ihrer volkswirthschaftlichen Wichtigkeit Ende 1852 auf 
die vier gelungensten Aufforstungen dieser Art die glänzenden Preise von 
tausend Dukaten aussetzte. 

Diese sich den gewaltigen Aufmunterungen früherer grosser Monar- 
chei^ würdig anreihende, in ihrer Art jedoch einzig dastehende Preisaus- 
scbreibung wird zweifelsohne die rüstigsten Bestrebungen hervorrufen und 
endlich zur Lösung des schwierigen Problems führen. 

Bis dorthin ist jedoch diese Frage völlig unbeantwortbar , wesswe- 
gen ich mich hier nur auf einige Andeutungen beschränke, welche ich 
grösstentheils den bisherigen geglückten oder missglückten Versuchen 
verdanke. 

SS 



838 

Zwei Umstände scheinen es hauptsichiich zu sein, welche dem Em- 
porbringen der Saaten in jenen Höhen gwr so sehr entgegenstehen, er- 
stens die Fröste, dnrch das Ausziehen der Pflanzen, und zweitens die 
mehrjährige Kleinheit dieser letzteren, welche sie auch sehr der Unter- 
drückung durch Gras und Unkräuter (darunter Alpenrosen und Heidel- 
beeren) aussetzt 

Um die grosse Wirkung der Fröste in der Nähe der Baumgrenze 
zu begreifen, wolle man sich ins Gedächtniss rufen, dass in jener Höhe 
selbst die Sommermonate nicht mehr frostfrei sind , und dass diese Som- 
merfröste sehr oft in Hartfröste ausarten (welche die ungeschützte Bo« 
denkrume zum Gefrieren bringen)« 

Die Kleinheit der Pflanzen möge man aus dem entnehmen, dass dort 
die Fichten erst nach 10 — 15 Jahren dem Grase entwachsen, oder was 
dasselbe ist, jene Höhe erreichen, welche in den besseren Tieflagen 
schon 3 — 4jährige Pflanzen erlangen. 

Der Frost nun verlangt für die Pflanzen unbedingt einen gewissen 
dauernden Schutz; ohne diesen würde vielleicht nahezu keine aufkommen. 
— Im Plenter- oder im Urwalde gibt der Wald selbst und die Moose 
und die kurzen Gräser und Unkräuter« welche seinen Boden bedecken, 
diesen Schutz. — Auf dem Kahlschlage kann man ihn gewöhnlich nur von 
den Stöcken, Steinen und Felsen erwarten, nicht leicht aber vom Abräu- 
me. Denn die Schälrinden und das Grass (benadeltes Reisig) würden die 
Keimlinge vielfach ersticken, (letzteres durch die Masse seiner abfallenden 
Nadeln) und das nadelfreie Reisig, welches allerdings zu schützen vermag, 
bricht schon nach 3 — 5 Jahren völlig zusammen; so dass auf den Abraum 
nur in so ferne gerechnet werden könnte, als man ihn eigens hiefur zu- 
sammezöge und beisammen erhielte. 

Auf den alten Schlägen sind aber oft die Stöcke schon verschwun- 
den, und Steinblöcke und Felsen waren nie vorhanden. — Hier nun bleibt 
vielleicht nichts übrig, als eben die Unkräuter als Schutzmittel zu benü- 
tzen , die Saatplaten inmitten derselben anzulegen , die Unkräuter jedoch 
(damit sie nicht verdammen) im Laufe des Sommers ein- oder zweimahl 
abzuschneiden (zu welchem Behufe die Saatplatten mit Pflöcken bezeich- 
net werden könnten, was sie auch vor dem Weideviehe schützen wür- 
de). In grasreichen beweideten Schlägen dürfte das Weide vieh allein 
schon das Gras kurz halten. — Auf wenig geneigten Flächen sollten dann 
die Saatplatten immer auf den kleinen Erhöhungen angelegt werden, denn 
in den Vertiefungen ist die Frostwirkung viel stärker, weil darin das 
Regenwasser zusammenläuft und die Krume nässer erhält. Man erhalte 
endlich den Boden fest, und benütze fleissig die moosigen Stellen zu 



Auf den ersten Anblick schiene es, als wurden sich die Hochlagen 
viel leichter mittels Pflanzung aufforsten lassen. Aber die Pflanzung stösst 
hier auf Schwierigkeiten ganz eigener Art Denn mit Pflanzen, welche 
man der Tiefe entnommen hat^ richtet man hier nichts, denn zar Zeit, 



als an der WaldffrenM der Boden ao weit au^etbauet und ab|;etrocknet 
iat, Qin daa Einpflanzen zu erlauben, sind die Setzlinge der Tiefe achon 
viel zu weit in ihrer Entwicklung vorgeacbritten, um poch mit Si- 
cherheit veraetzt werden zu können. -^ Und Pflaozschulen in der Na- 
he der Hochwaldgrenze selber zu errichten geht nicht wohl an« denn 
in dieser Region wohnt kein Forstangestellter, der ihre Pflege besor- 
gen könnte, eine Pflege, die vermöge der gewaltigen Wirkungen der 
Meteore hier viel umständlicher und nachhaltiger sein müsste, als in 
der Tiefe. 

Auf den wenigen Stazionen, auf welchen man demuiigeacbtef eine so 
hochgelegene Pflanzscbule erhalten könnte, dürfte vielleicht die Büschel- 
pflanzuBg dankbare Ergebnisse liefern. 

Mir scheint dann endlich, dass man an der oberen Hochwaldgrenze 
bei grösseren Blossen vor der Hand ganz auf die Narbzucht der Fichte 
verzichten^ und stattdem lieber Holzarten anziehen sollte« welche in die- 
sen schutzlosen Höhen leichter anschlagen. Ich habe da für den an die 
Hochwaldgrenze zunächst anstossimden Streifen die Lerche und darüber 
hinans die Legföhre im Auge« 

131 

Die SelbstverjUngimg der FichteiikahbckiEge gegesllbcr der 

Änfforstnng. 

Hätte man zur Zeit, als man in den grossen Alpenforsten nur so viel 
Holz schlug, als man eben verwenden konnte, auch die Anflbrstung kunst- 
licher Verjüngung der Schläge verstanden . so würde sie doch kein Ver- 
nünftiger unternommen haben, denn wozu Geld hiefur ausgeben, da sich 
die Schiiige doch auch selber verjüngten, und es sogar sehr vortheilhaft 
war, wenn der Wiederwuchs lange ausblieb, indem man dann aus der 
reichlichen Weide durch viele Jahre einen bedeutenden Ertrag bezog, 
welcher jenen aus dem Holze entschieden überstieg. 

Selbst als man schon den grössten Theil des in den Forsten zu- 
wachsenden Holzes verwerthete, konnte man im Hinblicke auf dessen 
sehr geringen Geldwerth kaum. in Zweifel sein über die überwie- 
genden Vortheiie der Selbstverjüngung. — Man überliess daher die 
Kahlschläge noch immer ganz unbedenklich der Natur — und that sehr 
wohl daran. 

Ganz andere Betrachtungen aber drängen sich heute auf Der Werth 
des ungewonnenen Holzstoflos ist in neuester Zeit auf eine gegen früher 
unglaubliche Höhe gestiegen, man vermöchte fast überall auch das Doppelte 
des wirklich zu Markte gebrachten Holzes um gute Preise abzusetzen, und 
im Weiteren ist auch die Möglichkeit sicherer Aufforstung zu annehmbaren 
Preisen im Allgemeinen nicht mehr zu bezweifeln. 



Es iiit nunmehr die Stunde g^ekommen, wo die Fragte: ob Selbstver- 
jüng^ung oder (allsogleiche) Aufforatung die gründlichate Erörterung er- 
heischt , denn sie ist nicht nur eine Frage für das Privatinteresse der 
Waldbesitzer, sondern ein Problem von grosser volkswirthschaftlicher Be- 
deutung. 

Zwischen (allsogleicher) Aufforstung und Selbstverjüngung der gros- 
sen Forste liegt (Absatz 1S9) ein durchschnittlicher Zeitraum von 25 Jah- 
ren. Angenommen, dass man die Bestände dieser Hochberge zweckmas- 
sigerweise im Mittel im hundertjährigen Alter holze, setzt die (allsoglei- 
che) Aufforstung In die Lage, den grossen Forsten gegen jetzt nachhaltig 
um ein Viertel mehr Holz entnehmen zu können ; welches Mehr den holz- 
verbrauchenden Gewerken zur Verf&gung gestellt das Volkseinkonmien 
um viele Millionen vermehren würde. 

Da jedoch Niemand auch die allernützlichste volkswirthschaftliche 
Massregel unternimmt, insolange sie auch nicht ihm selber einen Vortheil 
bringt, so muss vor Allem untersucht werden, ob denn die (allsogleiche) 
Aufforstung auch dem Waldbesitzer Gewinn bringt. 

Den durchschnittlichen Abtriebsertrag eines Joches Fichtenwald mit 
den gewöhnlichen 100 Klaftern angenommen, ergeben sich die Erträge 
i&r den Turnus von 185 Jahren auf 100 Klaftern bei der Selbstverjüngung, 
und auf 185 Kl. bei (allsogleicher) Aufforstung. Letztere erhöht daher 
den Abtriebsertrag um 85 Kl. d. i. um ein Viertel. 

Der Kern der Frage liegt also f&r den Waldbesitzer darin, ob der 
Stockwerth dieser 85 Kl. den Mehraufwand und den Verlust an Weide- 
ertrag übersteigt, welche mit der (allsogleichen) Aufforstung verbun- 
den sind. 

Folgender Ueberschlag mag das für die Mehrzahl der Falle ans 
Licht stellen. 



Mt 

Von Jedem Joche Golden 

gciiwMikanf Mittel 
dewlBB bei der Aufferstnii^« 

Werth des durch die allsogleiche Aufforstiing 
erzielbaren Mehrertrages von 25 Klafter 
Holzes. Der Stockwerth eioer Klafter 
schwankt in den österreichischen Hoch- 
bergen gewöhnlich zwischen 80 kr. — 
6 Gl. und dürfte im grossen Durchschnitte 
».,0 betragen H — 150 5t 

Verlust bei der AnlTorstiinv« 

Aufforstnngskosten ty« — 3V* ^ 

Verlust an Waldweideertrag. Bei der Auf- 
forstung dauert die Weide um S5 Jahre 
weniger« der jährliche Weidewerth ei- 
nes Joches Kahlschlag schwankt ge- 
wöhnlich zwischen 20 kr. — 1 Gl. und 
dürfte im Durchschnitte 40 kr. betragen 5—15 10 

9— 19 14 

»aller Melurirewlim bei der AvIVerstlUfty 3 — 131 40 



Diese Rechnung zeigt nun in schlagender Ziffer, wie äusserst vor- 
theilhaftim Allgemeinen selbst Ar den Waldbesitzer jetzt schon die (allso- 
gleiche) Aufforstung .der Schläge wäre ; wie diese Massregel den Reiner- 
trag der Forste im grossen Durchschnitte um ein Fünftel erhöhe, und der 
Nutzen, welchen sie dem Forsteigenthümer zufuhrt, viermahl so gross ist 
als die daran geknüpften Ausgabe und Einnahmschmälerung. 

Wer etwa gegen diese Rechnung einwenden wollte^ dass alle ein- 
zelnen Posten mit Zinseszinsen berechnet, ganz andere Ergebnisse liefern 
würden, dem entgegne ich, dass beim ersten Ansätze Zinseszinsen gar 
nicht gerechnet werden dürfen^ denn es handelt sich um grosse nachhal- 
tig zu betreibende Forste, in welchen die Verwirklichung der Aufforstung 
augenblicklich auch die verhältnissmässige Erhöhung der jährlichen Hiebs- 
menge gestattet. 

Nun werden in unseren Hochbergen allerdings noch Fälle vorkom- 
men, in welchen der Holzwerth unter dem obigen Minimum und der 
Weidewerth oder die Aufforstungskosten hingegen über den hier ange- 
setzten Ziffern stehen, so dass der Vortheil der allsogleichen Aufforstung 
vielleicht ganz verschwindet; derlei Einzelßlle beweisen aber nur dasje- 
nige, was Jedermann zugibt, dass nemlich auch die hier bewiesene Re- 
gel gleich jeder anderen ihre Ausnahmen hat. -^ Ueberhaupt kann obige 
Rechnung durchaus nicht auf fiidzelftlle angewandt werden , sie soll nur 
die Thatsachen einander gegenüberstellen, wie sie jetzt im ^rosseq 
Durchschnitte sind. 



ENe besprochene Rechnung zeigt klar* dass der Gewinn der Auf- 
forsUuif weit iJberwiegend vom Stockwerthe des mehrbeziehbaren Hol- 
zes abhängt. Insolange dieser sehr gerin|[ ist, wäre ilie AufforaUiof^ 
baarer Verlust, wo er bereit« hoch steht, ist sie mit nahmhaftem Gre- 
winne verbunden. 

80 sehr wohl daher die Alten thaten, als sie ihre grossen Kahl- 
schlage der Selbstverjüngaag überliessen, eben so sehr verkennt die Neu- 
zeit ihren eigenen Vortheil, wenn sie nicht lieber zur Aufforstung 
schreitet. 

Iftid in dieser Beziehung bleibt noch das Meiste au wünschen übrig; 
denn so zahlreich auch die kleinen Aufforstungen sind, denen man na- 
mentlich in Steiermark , Unter- und Oberösterreich und in Karnthen schon 
begegnet, so ist die künstliche Verjüngung der Kahlschlüge doch nur eine 
ganz kleine Ausnahme: sie wird mehr versuchsweise geübt, während die 
Ueberlassung zur Selbstverjfingung die weit überwiegende Regel bildet, 
und zwar ebenso in den Forsten des Staates, wie in jenen der Privaten 
und der Körperschaften. 

Aus der obigen Rechuungsanlage ist aber ersichtlich, dass die Auf- 
forstung erst anfangt vortheilhaft zu sein, wo und wann der Klafterpreis 
des stockenden Holzes etwa 34 kr. überschritten hat. 

Nun ist es aber gar nicht kinge her,, dass unsere Helnproise dieflie 
Ziffer überhohlt haben; was nun leicht erklärt, warum die Aufforstung 
noch nicht in Fleisch und Blut gedrungen ist 

Aber auch von nun an wird sie nur Schritt für Schritt an die Stelle 
der Selbstverjühgung treten, denn wären auch ihre Vortheile noch glän- 
zender, als sie wirklich bereits sind, so stehen ihr noch immer gewaltige 
Hindernisse entgegen, deren Hinwegräumung gutentheils gar nicht in der 
Gewalt der Forsteigenthümer liegt. 

Zuvörderst muss die Hegelegung der eben aufgeforsteten Flächen 
ermöglicht werden. Die Staatsgewalt muss durch Gesetzgebung und Straf- 
verfahren das Ihrige thun, nicht nur die freien Weideniesser sondern ins- 
besondere die Weideberechtigten a^ur thatsächlichen Achtung des nöthigen 
Weidebannes zu zwingen; denn so lange der Waldhesitzer des Erfolges 
der Aufforstung nicht sicher ist, wird er auch nie die Kosten dazu auf- 
wenden, und wie wäre dieser Erfolg ohne Weidebann gesichert? 

In vielen Forsten müssen d^nn auch die jetzigen kulturfeindlichen 
Rechtsverhältnisse gelöst werden, nach welchen Grund ujkI Beden sammt 
den Neben^utzuugen Einen , und der Holzzuwachs wieder einen anderen 
Eigerthümer hat; in vielen anderen muss erst die nicht minder kultur- 
feindliche Unsicherheit des Grundeigenthumes beseitigt werden. 

In den k* k. Montan- und Salineuforstea muss die begonnene Reinstel- 
lung der Forstregie sammt der ricMigen Bewerthung der Forstwaaren 
vollends. durchgeführt sein, damit sich die grossen Vortheile der Auffor- 
stung auch im einzelnen Falle klar ans Licht stellen. 



3ia 

Die groAsen Forsibesitaer bedfirfen daun längerer Zeit um ihre Forst- 
per«OBalbefltellimg überbaapt nach den Forderongen der Jetztzeit umziwtal- 
ten ; ihr jetziger Betriebsbeamtenstand ist viel za schwach ffir die Auffor- 
stung, wie überhaupt für den von der Jetztzeit geforderten intensiven Forst- 
betrieb. Sie können jedoch in so lange nicht zu einer mit bedeutendem 
Mehraufwande verbundenen Personaiumstaltung schreiten, bis sie nicht 
die unumstossliche Ueberzeugung gewinnen, dass sich diese Mehranslage 
unzweifelhaft verlohne. Dann brauchen auch die schon wohlbestellten Ver- 
waltungen Zeit, für den intensiveren Betrieb die tanglichen Leute zusam- 
menzubringen und einzuschulen. 

Und endlieh mnss noch das Wie der Aufforstung vollends reingestellt 
vrerden. So vollkommen sicher in der Tiefregion jeder tüchtige Alpenforst- 
wirth bereits seine Schlage aufforsten würde, so ist doch die Aufforstungs- 
weise der Hochregion ein noch ungelöstes Problem. 

Die grossen Preise, welche unsere Regierung hiezu ausgeschrieben 
hat, die ZasammeoscJiokung der Hochgebirgsforstwirthe in den Alpen- 
forstverein, und das strebsame Leben, welches überhaupt im Forstwesen 
unserer Hochberge sich zu regen beginnt, werden zwar unfehlbar das 
Problem zur Lösung bringen; aber mittlerweile werden wir den Schnee 
der Hochweiden noch sehr oft dem sommerlichen Blumenteppiche Platz 
machen sehen. 

Ganz Anders stellt sich die obige Vergleichsrechnung für die kleinen 
Privat (Bauern) walder; welche in keinem nachhaltigen Betriebe stehen; 
denn hier beschrankt sich der Vortheil der allsogleichen Aufforstung gegen 
über der Selbstverjüngung bloss auf den früheren Bezug des Haubarkeitser- 
träges, und alle Posten müssen hier auch geändert und mit Zinseszinsen an- 
gesetzt werden. 

Alles mit 4 prozentigen Zinseszinsen, wie billig auf den Zeitpunkt des 
Abtriebes berechnet, ergibt sich dann was folgt 

Bin Joch Gulden 



Schwankung Mittel 



Ciewten bei »lls^ifleieher Anftm^mtwämtg. 

GoMrinn durch den um 10 Jahre früher eintre- 
tenden Bezug des Abtriebsertrages , bei 
SOjahrigem Betriebsalter. 1—8 Gl. im 
Mittel 3 61. Haubarkeitoertrag 100 Kl. . * ty» — 8 



ITerlust bei alis^i^leleliep AnlVerstunif« 

Aufforstungskosten .......... 5 — 3 4 

Verlust von 10 Jahren Waldweide ^ Jahres- 

werth 60 kr. — « Gl. ...... . 7 — 16 1« 

1« - 19 16 

Der kleine Waldbesitzer thate also, selbst wenn er nur dem Reinertrage 

nachtrachtete, im Allgemeinen noch nicht gut« zöge er die Aufforstung der 



VA 

Selbstverjüngung vor, denn er würde dabei offenbar am Reinertrage sei- 
nes Waldes verlieren ; denn der erst in später Zukunft eintretende frühere 
Bezug des Haubarkeitserlrages vergütete ihm in der Regel nicht den Ver- 
lust, den er bei der Aufforstung durch den Entgang an Weide nahezu all- 
sogleich erleiden würde* 

Uebrigens stellt der Bauer derlei subtile Berechnungen gar nicht an. 
Um den Stab über die Aufforstung zu brechen, genügt es ihm, dass der 
Verlust an Waldweide ein ganz sicherer, sogleicher sei, der Gewinn der 
früheren Haubarkeit hingegen ein sehr später, der im besten Falle erst 
seinen Enkeln zu Gute kommt. 

Wir finden daher, dass die Bauern ihre kleinen Kahlschläge fast 
durchaus der Selbstverjüngung überlassen, und es ist nicht zu läugnen, 
dass sie im Durchschnitt Recht dabei haben. 

132 

Wachsthnmsgang des gleichalterigen Fichtenwaldes. 

Schon in den Absätzen 123 und tVk ist der Wachsthumsgang des 
gleichalterigen Fichtenwaldes in mehreren Tafeln dargestellt und vieles 
Andere im Abschnitte 121 angedeutet worden. 

Ich glaube nur noch folgende Tafeln beifügen zu sollen, welche den 
nördlichen Hochbergen entnommen worden sind. 

Oberösterreichiüche Ralkalpen. 

Saizkammergtttiscbe Reichafor ate des B ezirkes Ebenaee. 

Bester Standort. 



Holzalter 
Jahre 


Holsmuse 
des Joches ^ 
MassenklaRer 


Zuwachs vom Joche 
in MassenfuaseD 


zeitlicher 
65 


durchschnittlicher 


10 


1.. 




33 


to 


6.. 


1S3 




6» 


90 


13 


132 




92 


40 


19 


141 




101 


50 


S6 


149 




110 


60 


• 33 


160 




119 


70 


41 


173 




125 


80 


49 


179 




132 


90 


57 


173 




138 


100 


65 


139 




139 


HO 


70 


99 




138 


1X0 


74 


67 




132 


130 


76 


39 




126 


140 


77 


8 




119 



Nebenbestaiid Vk Prozente. 



8U 



Salzburg^iiicheii Vrg^ebirg^e. 

Reichsforste des Bezirkes Taxenbach. 
Thon- und GlimmerschieferbodeD. — Alle La^f^en , mit AasDahme der i/veatlicheD. 



^ 


1 1 


oo 


jl 


Znwtclu 11 


Bestandes- 11 


1 




1 


' 


iBwadis 1 


Ii 1^ 


MÜiiher 


idiiitd. 


fdükher 




vom Joche | 


1 


vom Joche 1 


Eeglo 


Q um WMK Seehöhe* 




RegloD von 2600 — 3600' Seehahe, 1 


— 


— 


— 


390 
1560 


77 


39 

78 


10 
20 ' 


O^s 


11 


llOOO 


296 
U86| 


58 
113 


1 30 
59 


— 


— 


— 


3360 


205 


96 


30 


0-^ 


30 


7000 


2S70| 


158 


86 


0.,, 


! ^6 


1900 


5670 


21(* 


142 


40 




— 


— 


, 4340] 


192 


109 




— 


— 


8330 


279 


167 


50 


0.^ 


42 


1600 


6410j 


217 


128 


*>*« 


66 


1270 


U20Ü 


289 


187 


60 




~, 


• — . 


8670 


231 


14S 


^<i 


73 


090 


14070 


283 


201 


70 


— 


— 


— 


11020 


236 


158 


0.^ 


76 


870 


16S00 


26^ 


210 


HO 


^^ 


^ 


— 


13360 


231 


167 


— 


— 




1Ö360 


230 


2n 


9Q 


0.S4 


76 


660 


15590 


215 


173 


o.„ 


St 


720 


21300 


182 , 


213 


100 




"^ 


' — 


17610 


190 


176 


Refion 3500-4300' 


10 










196 


S8 


20 




0, 


13 


7350 


778 


74 


39 


20 






— 


3«50 


1670 


101 


50 


30 




— 


— 


2790 


120 


70 


40 




0.« 


32 


^ 


4Ü7D 


132 


81 


60 


FOr dte höthate Region aind die al- 




— 


— 


5^20 


137 


90 


60 


lerdings «ehr schwierigen Wacfaa- 


ft< 


47 


1560 


6770 


133 


97 


70 ' 


thumaerhebmii^eif no^h nicht be- 




— 


— 


80*0 


121 


100 


80 


endet. 


0.S 


56 


1200 


1H60 


103 


102 


90 




^ 


** 


100^0 


76 


100 


100 




0^ Ö4 


850 


1062O 


42 


97 


110 








10800 


20 


Ol 


120 





Dichte de» lufttrockenen Fichtenholzes 



Meniholz Tom 

Getreldere^ion . . . . 
Nähe der obereo Wald- 
grenze 

Rolhfaulea Holz « . . 



Jahr- Dichte 
rin^eauf in 1000 
den Zoll Theilen 



Aeste. 



Jahr- Dichte 
rin^e auf in 1000 
den Zoll Theilen 

20—30 340—400 



4— 5 332—370 Getreidere^ion . 

Nähe der oberen Wald- 

S— 40 352—481 gr^enze 90 652—756 

4—15 414—514 BtwaaharzigreAeatevoD 

SchneiteUlänimep , 30 864—000 



SM 



133 
Der Bickaihoeliw&ld. 

Bloss swei Landstriche sind es» wo der Bachenhochwald in gros- 
ser Aosdehnung^ vorkömmt: 

In den nördlichen Vorberg;en der Alpen ^ und vorzugsweise in den 

nordöstlichen d. i. im niederösterreichischen Wienerwalde. 
Dann im sfidostlichen Alpenfusse und insonderheit in Milter* nnd 
Unterkrain. 

Die Buchenrarste des Wienerwaldes. 

Die Bachenforste des Wienerwaldes gehören zu dem VorzQglichstent 
was von dieser Holzart in Europa anzutreffen ist 

Die fast durchaus mittels Selbstverjöngunf entstandenen Maisse wach- 
sen im gedrängtesten Schlüsse auf« Als Stangenhölzer von 30 — SO Jah- 
ren wird ihr Zuwachs bereits sehr betrachtlich und als Mittelhölzer von 
80 — 70 Jahren fangen sie an reichlich Samen abzuwerfen. 

Im dicht geschlossenen Walde f&llt das Alter des grössten Durch- 
schnittszuwachses meistens in die lOO — ISO Jahre, und der Durchschnitts- 
zuwachs selbst betragt gewöhnlich bei 100 Fuss; die einzelnen Stamme 
haben dann eine Länge von 100 und mehr Fuss, und eine Brnststärke von 
12-15 Zollen. 

In den ausgezeichnetsten Lagen jedoch ergiebt sich der in das Alter 
von 130 — ISO Jahre hinausrückende grösste Durchschnittsznwacks mAi 
1 10— 130 Füssen in Stimmen von 120 Schuh Länge und 15— 18 Zollen 
Stärke. Derlei Althölzer halten auch noch bis in das Alter von 160 — 180 
Jahren in gutem Zuwachse aus. 

Binzehie in den Schlägen übergehatlene gegen 900 Jahre ausdanernde 
Stämme gelangen auch zu 180 — 150 Foss Länge und S — 4 Schuh Brust- . 
stärke. — Ich selbst habe einen derlei riesigen Ueberständer von SC KIftnt. 
Hoizgehalt gesehen. 

In den Reichsforsteu ist das gewöhnliche Betriebsalter 120 — 140 Jah- 
re; andere Wälder werden jedoch im 90 — 110 jährigen Alter abgetrieben. 
Der hohe Umtrieb der Reichsforsta bringt die Forstwirthe auch rttck•ich^ 
lieh des Nachwuchses in Verlegenheit ; denn dieser erscheint oft schon im 
angehend haubarem Holze und verlangt meistens schon lange vor dem Ab- 
triebe die Freistellung. 

Waclifltlraiiisiiaiis des Baehenhoeliwaldes 

In den olederöslerreielilseken Reich«for«ten dsa Wls»#rwal4es. 

Lehmboden des Wienersandsteines mit bemerkenswerthem Kalkge- 
htlte. Wohlerhaltene durch Strenrechen kaum geschmälerte Humusdecke. 



9» 

GMchlossdoe aus dem Samenbiebe herrorgegaiig^ene erst ap&t durfbfor- 
Stele Bestände. Seehdhe 1200 — 8M0 Fuss. 







Waldsuwach* auf dem Joebe 


BestaDdesailer 
Jahre 


Zeitlicher 


Darchacbnittlicher 


Gewöhnlich Selten 


Gewfthnlich 


SelUn 


10 


90 


25 


25 


13 


90 


48 


77 


34 


39 


90 


65 


11» 


43 


6t 


M 


79 


133 


51 


78 


SO 


91 


139 


59 


90 


60 


101 


130 


65 


97 


70 


133 


187 


73 


100 


80 


168 


121 


85 


102 


90 


157 


123 


ii4 


104 


100 


135 


125 


96 


106 


110 


104 


125 


100 


108 


120 


60 


126 


97 


110 


130 


5 


126 


91 


111 



140 - 183 - II« 

Die Durehforstan^sertr&ge ergeben sich bei dem hier üblichen min- 
desten Licbtungsf rade im Durchschnitte wie folgt : 



Im Alter von Jahren 


Jedea Joch Elafter 


1- 20 


1.4 


20- 40 


4.. 


40- 60 


5., 


60- 80 


4., 


80—100 


4.0 



und im Ganzen erlanget man von den Bestanden einen Durchforstung^sertrag, 
welcher bei dem dbiichen mindesten Lichtungsgrade dem Drittel deä Hau- 
barkeitsertrages gleichkommt, bei weitgreifender Durchforstung jedoch 
auf die Halbseheid gebracht werden kann, (wo dann aber der sehr seit* 
lieh erscheinende Nachwuchs zum frühen Abtriebshaue im 80 — lOOj&hri« 
gen Alter drängt.) 

Einen sehr bedeutenden Ertrag liefert hier die Ausforstnng der fast 
altenthalben eingesprengten Aspen» Birken (und auch Saalweiden). Diese 
mengen sich zahlreich in die Maisse ein, überwachsen sehr bald die Bu« 
chen ^ und werden bei Gelegenheit der Durchforstung des 80 — 40 jähri- 
gen Bestandes als bereits haubare Bäume ausgezogen, wodann sie einen 
Ertrag von 6 — SO Klaftern abwerfen. Der lichte Laubschlag dieser Holz- 
arten und die grosse Lebenskraft der gedrückten Buchen mildern die 
Nacbtheile der Ueberschirmung so sehr, dass derlei ausgeforstete Bestän- 
de noch immer geschlossen erscheinen und in ihren Abtriebsertragen dep 



St8 

ursprünglich reinen nicht nachstehen» ja was den Längenwuchs betrifft , 
diese oft noch übertreffen. Den Birken und Aspen dankt man hier auch viel- 
faltig den Aufzug herrlicher Buchen-, Mittel und Althölzer aus sehr verein- 
zeltem Aufschlage« Für sich allein würde dieser gewöhnlich nur mittel- 
wüchsige , kurzschäftige und minder holzreiche Bestände herstellen ; 
die dazwischen stehenden weichen Hölzer jedoch treiben ihn in die Hö- 
he, machen ihn astrein, und fordern durch Deckung des Bodens seinen 
Massenwuchs. 

Volle Saraenjahre treten hier durchschnittlich nach 7 — 8 Jahren ein. 
Aber auch in der Zwischenzeit erfolgen 5 Sameniälle , von welchen t zur 
Selbstbesaroung eines Schlages zureichen. 

Im wohlgeschlossenen Holze — und es ist hier fast durchaus wohl 
geschlossen — ist der Boden nahezu allenthalben der Selbstverjfingung of- 
fen. Auf der mit dem Laube der letzten 2 Jahre bedeckten schwachen Hu- 
musschichte , auf welcher nur sehr wenige vereinzelte Kräuter und Halme 
sprossen, findet der fallende, später vom nachfolgenden neuen Laube be- 
deckte Same ein vortreffliches Keimbett, daher denn schon in den Stangen- 
hölzern jedem Samenjahre ein Aufschlag folgt. Dieser wird jedoch erst in 
den Mittelhölzern zahlreich genug, um einen vollen Maiss herzustellen. 

Im dicht geschlossenen Hochholze vermag jedoch der neue Aufschlag 
nicht auszudauern; er vergeht bereits im ersten Jahre; wo jedoch der 
Waldesschluss minder dicht, hält sich der Aufschlag. — Daher kommt es, 
dass viele Alt-, ja selbst Mittelhölzer ohne menschliches Znthun bereits den 
neuen Wald in völlig hinreichender Dichte unter sich haben ; dass die blosse 
Durchforstung sehr häufig schon den Nachvmchs hervorruft; dass endlich 
in den dichtgeschlossensten aufschlaglosen Beständen schon der Aushieb 
von 10 — 15 Proz. Holzmasseden Samenschlag herstellt. 

Die Buche hat hier eine solche Lebenskraft , dass der Nachwuchs un- 
ter dem hohen Holze auch noch 90—30 Jahre ausdauert, und er mag bei 
der endlichen Freistellung noch so kümmerlich aussehen , doch noch vor- 
treffliche Maisse liefert 

Auch Samenschläge , bei deren Einlegung 80 — 30 Prozente der Holz- 
masse ausgehauen wurden, haben voUeq Erfolg gehabt, und selbst 30 -^tO 
Prozent Lichtung führten vollkommen zum Zwecke, wann gerade ein Sa- 
menjahr war. 

Vor Kurzem und in den Reichsforsten grossentheils noch dermahlen 
fährte man vor dem Abtriebshaue noch 9 — 4 Lichthiebe, und liess vom 
Anhiebe bis zum Abtriebshaue oft 9 — 85 Jahre verfliessen; jetzt aber 
fuhrt man mit noch besserem Erfolge auch bloss Einen Lichthieb y bei dem 
man etwa die Halbscbeid der vorhandenen Holzmasse herausräumt und lässt 
hierauf allsogleich den Abtriebshau folgen , so dass von der Besamung bis 
zur endlichen Freistellung nur mehr 3 — 5 Jahre verfliessen. 

Da in den vielen Altbeständen stellenweise schon Nachwuchs vorhan- 
den ist, und auf den übrigen Stellen durch den ersten Samenhieb nicht 
ä)>erall so|^leich erzeugt wird, so fuhrt man häufig auch den aUmählichen 



SM 

(sukzessiven) Hau, bei welchem man zweckmassig^erweise auf jeder Steile 
nach dem jeweiligen örtlichen Bedfirfnisse haut 

In den Reichsforsten riefen einerseits der hohe Umtrieb (ISO— 140 
Jahre) und anderseits das Uebermass der in Verjfingnngshieb gebrachten 
Flächen von selber den allmählichen Hau hervor; indem der in den Alt- 
hölzern längst erschienene Nachwuchs allenthalben nach Lichtung schreit, 
der niedere und feste Abgabesatz jedoch zwingt, den Abtriebshau meist 
zu blossem Nachhau zu ermässigen. 

Die Erfahrung hat gezeigt, dass mit Aufschlag versehene Bestände, 
besonders auf der Schattenseile der Berge, ohne wesentlichen Nachtheil 
allsogleich kahl gehauen werden können. Der Unterwuchs kränkelt zwar 
öfter nach der plötzlichen Freistellung, er erholt sich jedoch wieder und 
steht in der Folge den aus dem Lichthiebe hervorgegangenen Beständen 
nicht nach. — Ueberschreitet jedoch der Aufschlag schon die Höhe von 
4 — 6 Fuss, so treibt man, um den Nachwuchs durch die Aufarbeitung der 
Hölzer nicht zu sehr zu verderben, lieber in zwei Hieben ab und haut 
das erste Mal etwa 60 Klafter Holz. — Derlei Kahlhiebe sind in den hie- 
sigen Reichsforsten zur Zeit der französischen Kriegsdrangsale, als die 
Regierung um jeden Preis Geld schaffen musste, in grosser Ausdehnung 
geftthrt worden und viele der herrlichsten jetzigen Mittelhölzer sind aus 
ihnen hervorgegangen. 

Nachweisbar haben sich die Maisse von derlei unvollständig nnter- 
wachseiien Schlägen nach dem Hiebe durch Buchenstock- und Wurzelaus« 
schlage zur Genüge ergänzt; manchmal aber ist diese Ergänzung wohl nur 
dnrch Birkenanflug und Aspenwurzelausschläge erfolgt. — Eigentliche 
Blossen sind noch nirgends verblieben. 

Gleich günstige Ergebnisse haben die Kahlhiebe gehabt, welche man 
durch Jahrzehende und bis in die neueste Zeit in den herrlichen f&rstl. Lam- 
bergischen Buchenforsten bei Sleier in Oberösterreich geführt hat. Sie ha- 
ben sich aufs allervollständigste und fast durchaus wieder rein mit Buche 
zelbstverjüngt. Freilich war auch bei Einlegung des Kahlschlages Aufschlag 
vorhanden und wahrscheinlich in reichlicherem Masse , indem diese Forste 
frfiiher plenterweise benützt worden sind. 

Jene wenigen Stellen^ welche in den Forsten des Wienerwaldes sich 
nicht selbst verjüngen lassen^ pflanzt man gewöhnlich mit Buchungen aus, 
welche man dem nächsten Aufschlage entnimmt. — Mit glänzendem Er- 
folge erzieht die Mariabmnner Forstschule auch Buchenpfiänzlinge in ihrem 
Forstgarten. Diese frei erwachsenen Bfichlinge (die bloss im ersten Früh- 
jahre geschützt werden) zeichnen sich durch bewunderungswürdige mar- 
kige Fülle ans und übertreffen bei Weitem die unter Beschirmung er* 
wachsenen Pflanzen der Schläge. 

Die Selbstverjüngung misslingt nur auf den wenigen Stellen« wo der 
Boden mit einer Grasnarbe überzogen ist, wo der Wind das fallende 
Laub entführt, oder wo der nemliche Wind das Laub in Unmasse zusam- 
menträgl. Im ersteren und letzteren Falle vermodern » im zweiten Falle 



SM 

erfrieren gewöhnlich die Buchein bevor gie keimen oder werden von den Vdgeli 
oder Mausen weggetragen. Hier ist aber leicht abzuhelfen im ersten Falle^ durch 
Umhacken des Rasens vor dem Samenabfalle, im zweiten darch Einkacken der 
bereits gefallenen Buchein und im dritten durch Hinwegriumung 4er dber- 
flüssigen Laubma^sen. 

Diese Stellen sind aber meist nur auf den sturmausgesetsten westli- 
chen (Nordwest) Berglehnen von solcher Ausdehnung, dass derlei Vorar- 
beiten zur Brzielung vollständiger Maisse nothwendig fallen. 

Die sturmausgesetzten Westseiten eignen sich hier aber überhaupt 
weniger f&r die Buche; Beweis an dem, dass diese hier sehr schfitter 
und kurzschaftig und schiechtwüchsig verbleibt, ja auf den am meisten 
sturmbewegten Stellen sogar das Fortkommen versagt. Hier wird dann 
die Selbstverjüngung um so schwerer, als derlei Buchenbestande nur we- 
nig guten Samen erzeugen» Darum sind auch solche Hänge vorherr- 
schend mit Birken und schlechten Aspen bestockt, und in neuester Zeit 
zieht man es mit Recht vor, sie lieber mit Fichte und Weissifthre kfimt- 
lich zu bestellen, indem diese Holzarten und insbesondere die letztere die 
Sturmwirkuug verglefchungsweise viel besser verträgt. 

In sehr blattreichen windgeschützten Beständen ist die Laubsehicht 
zwar nicht stark genug, um die Keimung der Ekern zu verhindern; sie 
hat aber doch öfter die Verjüngung durch das sommerliche Zusamtmen- 
sitzen vereitelt, in Folge dessen die Büchlinge mit dem Wnrzelkaoten in 
der Luft blieben und vertrockneten. In solchen Fällen hilft man sich ganz 
einfach durch Einlegung des Streurechens. 

Die örtlichen Verhältnisse sind im Wienerwalde überhaupt der Buche 
so hervorragend günstig, dass es weit mehr Scharfsinnes bedürfte sie aw- 
zurotten, als sie natürlich nachzuziehen. 

Die Kunst der Forstwirthe besteht also hier nicht darin, den Wald 
überhaupt zu verjüngen , sondern vielmehr darin , den Maiss von grössler 
Kraft in kürzester Zeit und mit geringster Umständlichkeit in den Ball- 
ungen zu erzeugen. 

Man hat die vorzügliche Bucfaentauglichkeit des Wienerwaldes in 
der Tiefgründigkeit und Frische seines (aus dem Wiener Sandsteine «ojt- 
standenen) Lehmbodens suchen wollen, und folgerte daraus, dass der Lehm- 
boden uberhaupl die dieser Holzart am n»eisten entsprechende Krume sei. 
— Nähere Untersuchungen stellten aber heraus, dass diese hervorragendate 
Buchentauglichkeit nicht sowohl im Lehme an und für sichi sondern 
eigentlich in dessen bedeutendem Kalkgehalte liegt (welch letzterer haij|>^ 
sächlich von den Kalkspathadern herrührt, welche den hiesigen Sand- 
stein überall durchsetzen). 

Treue Begleiter der Buche sind im Wienerwalde die Tanne und in 
den Tieflagen: die Hainbuche, die Traubeneiche und die Zerreiche« dann 
zuweilen auch die Stieleiche. 

im Wienerwalde kommt der Bnchenhochwald auch auf dolomitischen 
(seiGhtkrnmigen und steilen) Böden des Alpeakalkes vor^ zeigt aber dann 
einen ganz anderen Wachsthumsgang. 



dH 







MitUere SUmm- 




Auf deiu Joche 




















Jahrea-Dorchacbn, 




Höh« in FuMen 


SUrke In Zollen 


SUmmsaM 


snwaelia 


alter 


Sandal 


teinb« Dolom. 


Sandateinb. Dolom. Sandatelnb, Dolom. Sandateinb 
0., 0.S 0< 85 38 


. Dolom< 


10 


4 


3 4 


33 


20 


16 


12 16 


»S 


It 


»•3 


10.000 8000 


7600 


33 


41 


35 


30 


22 


18 23 


«9 


i-7 


2.8 


4000 6000 


3000 


38 


43 


37 


40 


86 


27 25 


•4 


S.a 


»^ 


1200 1890 


1800 


47 


47 


39 


80 


41 


36 30 


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•^ 


800 1000 


1500 


52 


49 


42 


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47 


42 36 


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*-9 


•■0 


600 770 


1200 


68 


63 


44# 


70 


54 


48 42 


8« 


'^ 


'n 


670 630 


900 


66 


69 


46« 


80 


61 


54 45 


»^ 


»4 


'■• 


436 644 


800 


73 


63 


48 


90 


68 


60 48 


10.5 


8., 


8^ 


390 476 


650 


77 


66 


471 


100 


74 


66 60 


tu 


«.3 


».. 


860 430 


600 


80 


67 


47 


110 


79 


69 51 


«3 


10., 


10., 


330 310 


480 


82 


66 


454 


120 


84 


72 52 


nt. 


I».s 


»8.3 


316 312 


420 


83 


66 


44 


ISO 


87 


74 — 


13^ 


I«., 




280 272 


— 


82 


64 


— 



Auf dieoeo Böden beoserer Gattiuig drängt sich die Buche auch in 
die Schwarzfohrenwilder ein« and aus gar manchem Walde letzterer Art 
ist schon ein Buchenhochwald hervorgegangen. 

Der Bachenhocliwald in Krain. 

Auch in Krain sind die Wachsthunisverhaltnisse der Buche fast allent- 
halben ganz vorzflglich ; sie ist hier wahrhaftig unverwüstlich , denn wSre 
sie ausrottbar, so mösste sie ob der barbarischen Behandlung^ welche sie 
erfahr und noch erRhrt, an vielen Orten l&ngst verschwunden sein. 

Wie sie den Unbilden der Menschen und ihrer Hausthiere widersteht* 
wird aus dem Verlaufe dieser Darstellung hervorgehen; als Beweis von ihrem 
Widerstände gegen klimatiache Unbill will ich nur anfuhren, dass sie an den 
wenigen Hochbergen von Mitter- und Unterl^rain z. B. auf dein Velkigol- 
iaJL zwar sehr gedrüclit, aber immer noch baumartig bis zum Krummholze 
binanfiBteigt, dasa sie sehr oft auch noch jene Kuppen und Rücken krönt, 
wali^he von der gewaltigen Bora (Nordoststurm) bestriehen werden, zwar 
fast kriechend, wie die Legföhre« aber noch immer baumarlig« 

Die vorzfigiiche Buclientaugiichkeit Inner* und Unterkrains fiegt zwar 
auch in der hervorragenden Regenmenge^ hauptsichiich jadorii in der in- 
sonderlich zusagenden BodenbeschaiTenheit Die Krume ist dort ein kalkigor 
eisenschüssiger Lehm mit steinigem oder klüftigem Fols-Untergrunde , das 
Ergebniss des dortigen Jurakalkes. — Wo atreifenweise Kalkschutt- (Do* 
lomitische) Krumen auftreten, kommt die Buche zwar auch noch fort, aber 
ihr Wuchs ist weit minder gut, sie widersteht mit viel geringerem Erfolge 
den Unbilden der Menschen und des Klimas , wesswegen denn derlei Be- 
stände schlechtwüchsig und lückig und im Boden mit krautartiger Heide und 



tot 

anderen Unkräutern so sehr überzogen sind, dass sie die vollständige Selbst- 
verjuDgung Cvielleicht von jeher) versagen. 

Die Buchenforste Krains wurden in früherer Zeit durchaus and wer- 
den auch noch heutzutage meistens mittels Plenterung gehauen. Bei dieser 
Hauungsweise ist ihre Erhaltung sowohl als ihre Erträglichkeit vollkommen 
gesichert. 

Vielenorts sind jedoch bedeutende Flächen auch kahl gehauen worden. 
Die meisten dieser Schläge haben sich wieder sehr gut bemaisst; zum Theil 
aus dem Aufschlage, welcher zur Zeit des Hiebes vorhanden war, grössten- 
theils aber auch aus den Trieben der rückbleibenden Stdcke und Wurzeln. 
Zwanzig bis fünfzigjähriger Unterwuchs wächst hier nach endlicher Frei* 
Stellung noch vortreffUch fort und 60jährige Stöcke liefern noch brauchbare 
Stock- und Wurzellohden« Sichtlich hilft aber auch die Steilheit der meisten 
Berglehnen zur Besamung der Kahlschläge mit , denn Dank derselben ge- 
langen die Buchein auf 10—30 Klaftern unter den Rand des stehenden Hol- 
zes hinab , sei es durch Springen und Kollern , sei es mittels des abrinnen- 
den Regenwassers, des Schneeschubes und der Schneeabrutschungen. 

Aus den Kahlschlägen Innerkrains sind gleichzeitige Aufwüchse her- 
vorgegangen, welche einen ähnlichen Wachsthumsgang, wie jene des 
Wienerwaldes zeigen. 

Leider konnten weder ich hoch Andere genügend reiche Erhebungen 
anstellen « um den Wachsthumsgang des geschlossenen Buchenplenterwal- 
des in genauer Ziffer darzustellen. So viel jedoch kann ich versichern, dass 
die Buche bei dieser Betriebsform der Fichte sehr ähnelt. Auch i h r Wachs- 
thum wird in der Jugend sehr zurückgehalten ; auch sie bewahrt die Fähig- 
keit , nach endlicher Freistellung im höheren Alter das noch rüstig nachzu- 
holen, was sie in der Jugend versäumen musste, auch s i e erreicht dann unter 
steter und ansehnlicher Massenmehrung ein hohes ungewöhnlich kräftiges 
Alter ; Beweis an dem, dass die hiebsreifen Stämme — noch immer wuchsig 
— gewöhnlich 200 — S70 Jahre zählen. Auch die Buche zeigt im geschlos- 
senen Plenterwalde eine (gegenüber dem gleichalterigem Hochwalde) stau^ 
henawerth gleichförmige Massenmehrung; wie bei der Fichte ist der Schaft 
auffallend minder voHholzig, das Holz jedoch erheblich dichter. 

Im lückigen verdorbenen Plenterwalde geht die Buche viie die Fichte 
mehr oder weniger den Wachsthumsgang fireierwachsener Stämme und 
Horste/ 

Die folgende Tafel stellt den Wachsthumsgang des gleichalterigen 
Buchenhochwaldes aus den höheren Lagen Krains dar. 



353 

Waehsthamsgang des Buehenhoehisraldei» in den 
idrianer Beichi^forsten MLitterlLraing. 

Kalkthonboden mit 3'^ Humusdecke, 1—V/i* mineralischem Ober- 
Grunde und zerklüftetem Fels oder Steinbrocken des Jurakalk zum Unter- 
Grunde. — Es wurde nie Streu gerecht. — Die Bestände sind aus dem 
Kahlschlage hervorgegangen, ganz geschlossen und sind auch nie durch- 
forstet worden. — Sanfte geschützte Abdachung gegen Nordost 





Stammzahl 


Mittlere 

Stammstarke 

des 

Haiipt- 

best. 


Stammgrund- 
flachensumme 


Mittlere 

Stammhöhe 

des 

Haupt- 

best. 

Osrednick) 


Durchschnitts - 
Zuwachs 


Alter 


Haupt- 
best. 


Neben 
best. 


Zus. 
In 


Haupt- Neben- 
best. best. Zus. 

}he von 1800 Fuss ( 


Haupt- 
best. 


Neben- 
best. 


Zu 




der Meereshi 


• 


40 


' 2500 


6500 


8000 


3.1 


130 68 105 


31 


47 


5 


52 


60 


1500 


3000 


4690 


*.4 


160 57 220 ' 


47 


67 


9 


76 


SO 


620 


750 


1370 


7.g 


205 45 250 


64 


88 


12 


100 


100 


306 


225 


622 


19.3 


225 32 270 


70 


97 


13 


110 


120 


220 


100 


320 


13.0 


203 18 220 


72 


73 


5 


78 










In der Meereshöhe von 2600 Fuss 








140 


140 


76 


215 


15.A 


180 16 195 


74 


54 


3 


57 



VoUholsigkeitsfaktor der Altstämme 1.3s~2*oa Mittel I.7 



Ueberhaupt unterscheiden sich die gleichalterigen Buchenhochwälder der 
höheren Lagen Krains nur wenig von jenen des nördlichen Alpenfusses. 

Wesentlich jedoch die tief gelegenen Buchenforste Unterkrai6s. Das 
wärmere Klima ändert hier sichtlich den Wachsthumsgang. — Wir haben 
zwar auch hier noch die nemliche Ueppigkeit des Wuchses vor uns, aber 
Bestände und Bäume schiiesseu irüher ihr Wachsthum ab , gelangen nir- 
gends mehr zur gewaltigen Stärke der Hochlagen ; kurz es zeigt sich, 
das« wir bereit« an der unteren Verbreitungsgrenze der Buch«« stehen. 
Die stärksten Stämme haben hier äusserst selten über SO— S5 Zoll Stärke 
und 100 Fuss Länge. Auch sind hier die Hochhölzer voll Unterholzes« 
das nicht nur aus Sträuchern fast jeglicher Art, sondern abermals aus 
Buchen, dann aus Eiche und Hainbuche besteht, und zwischen und über 
welches sich Schlinggewächse (darunter Epheu und Waldrebe) hoch an 
die Oberbäume hinaufziehen. 

Treue Begleiter der Buche sind in den Hochlagen Krains der Ahorn 
und die Tanne und in der Tiefe die Stieleiche, zuweilen auch Rüster, 
Zerreiche und Kastanie. 

83 



364^ 

In den höheren Lagen Krains drängt sich die Boche sichtlich in die 
Tannenbeatände ein und aus gar manchem Bestände letzterer Art geht 
reiner Buchenwald hervor. Zu dieser Verdrängung der Tanne trägt of* 
fenbar auch die in neuerer Zeit weit stärkere Lichtung der Tannenbe- 
stände bei. 

Schliesslich will ich noch eine Wachsthumstafel beifugen » welche 
südtiroler Buchenhochwäldern des Jurakalkes angehört. 

Waehsthamsgans des Baeheidiochwaldes in den 
primörer Beiehsforsten Welschtirols. 

Kalkthonboden aus dem Jurakalk hervorgegangen. — Geschlossene, 
undurchforstete aus dem Plenterbetriebe hervorgegangene Bestände. See- 
höhe 3000—4000 Fuss (Viderne). 

Bestandes- Stammzahl Mittlere Stammf^rund Mittlere Durchachnlttasu- 
alter des Joches Stammstarke FlSchensumme Stammhöhe wachs Tom Joche 



so 


6000 


1 8 


110 


10 


30 


90 


3100 


a-o 


150 


18 


33 


40 


1550 


4. 


170 


S6 


40 


50 


lOtS 


5 , 


180 


31 


46 


60 


865 


6, 


SOO 


35 


53 


70 


740 


7, 


2S5 


38 


58 


80 


640 


8-. 


«50 


41 


61 



Im Altholze dann noch 15 Prozente Ast- und Gipfelholz. 
Dichte des InfUtroekenen Baehenbanmliolflseiil. 

Jahrriai:« auf I Zoll Dichte in Taaseodthoilen 

Kernholz des Schaftes .... 8—15 610 — 67« 640 

Astholz 40 — 80 700 — 750 7C5 



3S5 



134 
Der Bicheuiiederwald. 

Der Bttchenniederwald , welcher zahlreiche Gehänge der südlichen 
Kalkalpen überkleidet, bildet dort eine g^anz eigene Waldform. 

Obwohl- man «eine Ausdehnung möglichst beschränkt, indem das Nadel- 
holz dort weit mehr einträgt, so beüsst man ihn doch gerne auf den stei- 
len felsigen Kalkhängen, woselbst der Nadelhochwald schwer aufsubringenu 
minder ertragreich und kostspielig auszunutzen wäre. Hier ist er auch 
so sehr an seinem Platze und entwickelt eine solche Lebenskraft, unü 
Ausdauer, dass selbst die rücksichtsloseste Behandlung ihn nicht leicht 
auszurotten vermag. 

Uem Bnchniederwalde dieaer Gegenden mengen sich häufig der Boh- 
nenbaum und tiefer unten, besonders an den Sonnenseiten, die Hopfen- 
buche und die Eiche ein. 

Auf den steilen Hängen der südlichen Kalkalpen sind sämmtliche 
Stangen am Grunde säbelförmig ausgebogen und die Biegung %ergrössert 
sich nach der Steilheit der Lage und nach der Meereshöhe (des stärkeren 
Winterschnees und des mithin auch viel mächtigeren Schneeschubes wegen) 
derart, dass die ersten 'A— r/t Fuss der Stämme öfter völlig niederliegen 
und im Buge (von darüber hin wegfahrenden Lawinen) aufgespalten und 
kernfaul geworden sind. 

Gerade dieser Biegung verdankt man aber grossen theils die voll- 
ständige Erhaltung dieser Niederwälder. Am Grunde des Buges nemKch 
häuft sich das abfallende Laub an, bildet Humus und erhöht den Boden 
derart, dass der Bug dann Wurzel schlägt und endlich ein selbstständiger 
Stamm wird, dem das Abfaulen des Mutterstockes nichts mehr schadet 
-- Wäre dieser glückliche Umstand nicht, so müssten die Buchennieder- 
wälder der Südalpen, welche schon seit wenigstens einem Jahrtausende 
ohne alle Rücksicht auf Wiederverjünguug abgeholzt werden, schon längst 
ausgegangen sein. 

Uebrigens vervollständigen sich diese Schlaghölzer auch gutentheils 
aus Samenpflanzen (da das hohe Abtriebsalter die Besamung begünstigt) 
und aus Wurzellohden (welche man besonders der zahlreichen Blossle- 
gung der Wurzeln verdankt). 

Man haut das Buchenschlagholz hier weder früher noch später, als 
nachdem es zu zusagendem Prügelholze herangewachsen ist. Hiezu 
braucht es in den Höhen auch 60—80 Jahre. Gleichwohl treiben dann 
die Stöcke noch vortrefflich. Selbst die in jenen Gegenden allgemein üb- 
liche Sommerfallung (Frühsommer) schadet der Verjüngung nicht, denn 
die im Hochsommer erscheinenden Triebe verholzen sich vor Eintritt des 
Winters noch genügend. 

«3» 



Ich kann mir nicht die Bemerkung versagen, daas ich in den Hoch- 
lagen der italienischen Kalkalpen selbst 90 — 100 jährige Stöcke gefunden 
habe, welche noch einen sehr guten Wiederwuchs gaben. 

Die Sitte jener Gegeoden » den BudleDniederwald in höherem Alter 
zu hauen, begünstigt sogar seine Erhaltung, denn sie giebt Veranlassung 
zur Entstehung vieler Samenpflanzen. 

Die Buchenniederwälder der Sudalpen geben in ihrer Jugend eine 
vortreflniche Viehweide, denn ausser ihrem reichlichen Graswuchse bieten 
auch das junge Laub und die Knospen besonders dem Kleinviehe gutes 
Futter. Dieserwegen wird die Beweidung der Buchenniederwaldschläge 
tmch allenthalben sehr geschätzt und geübt, leider aber überbürdet man 
sie hänflg mit so viel Vieh oder betreibt sie schon so zeitlich (vor dem 
AuGsprossen iler Gräser, wo dann das Vieh gänzlich auf die Knospenweide 
angewiesen ist), dass viele Jungwüchse dadurch verdorben, ja sehr be- 
Aeutencte Flachen gänzlich verödet worden sind. -- Diese rficbiiehtslose 
Befw^iiung findet hauptsächlich in den Gemeiudevrildern statt» denn der 
Landmann kennt zu gut ihre verderblichen Folgen, als dass er seinen 
eigfine^ Wald denselben aussetzen würde. 

Die in den italischen Alpen sehr ausgedehnte Ziegensenner ei ist 
^röss^entbeils, und die Schafzucht zum Theil auf den Buchenniederwald 
.gegründet. , — Die Beimengmig des Bohnenbaumes ist für die Weide sehr 
günstig» denn sein Laub und seine Knospen Averdeu vom Viehe noch weit 
mehr geschätzt, als jene der Buche und wirken auch günstiger auf die 
Milcherzeugung.! 

Im Folgenden theile ich Einiges über die gewöhnlichen Wachsthums- 
verhältnisse des guten geschlossenen Buchenniederwaldes mit, was ich in 
den italienischen Kalkalpen selbst erhoben habe. 

In die Holzmasse sind alle Zweige bis auf 1 Zoll Stärke eingerechnet. 
Dnrchfichnittszuwachs. 



Meeres- Haubarl&eits- 


stamm- 


Stamm- 


Holzmasae 




liölie. alter. 


länge. 


> stärke. 


vom Joche 




Fusse Jahre 


Fnaae 


Zolle 


in Füssen 

107 \ 
69 




3S00— 3100 30 
3100—4000 40 


1-7. 
Os. 


0» 
0„ 


Auf feM«en, aeiebUru- 
migen KalkUionJ>3den 


'4000-4850 50 


0,H 


0-08 


45 


von gleicher Gfite. 



Höher hinauf kommt die Buche nur mehr horstweise oder ganz ver- 
einzelt vor. 

Auf den Dolomitschuttböden sinkt der Durchschnittszuwachs auch bis 
auf ein blosses Viertel der obigen für den guten Kalkthonboden geltenden 
Zahlen, obgleich die Stangenzahl auffallend gröi^ser ist. Der Buchennieder- 
wald des Dolomitbodens zeichnet sich überhaupt durch eine Ueberzahl von 
Stangen aus, welche aber zum grössten Theil nur sehr gering zuwachsen, 
und von denen auch nur wenige sich ein entschiedenes Vebergewicht über 
die anderen erkämpfen; während auf den Kalkthonboden eine sehr bedeu- 
tende Zahl von Stangen die Oberhand gewinnt und die übrigen auffallend 
als Nebenbestand ausscheidet. 



85r 

Diese einfachen Angaben zeigen schon den nngeheuren Einfluss, wel- 
chen die Seehöhe auch auf den Buchenniederwald übt , denn sie entscheidet 
selbst in der Region des geschlossenen Waldes über das 2V2fsiche des Zu- 
wachses. — Im übrigen hat die hfihere Lage aux!h eine geringere Stamm- 
zahi und eine grössere Abholzigkeit der Schäfte zur Folge. 

Höchst bemerkenswerth ist die besondere Dichte des Schlagholzes 
dieser Gegenden; sie mag jene des Baumholzes um etwa SO Prozente 
übertreffen. 

Die steigende Seehöhe und der Dolomitboden, so auffallend sie den 
Zuwachs herabdrüci^en, wirken entschieden günstig auf die Dichte des 
Holzes und die Hochlagen der südlichen Kalkalpen liefern ein wahrhaft 
eisernes Holz, welches an der Seite der edelsten Gattungen steht, wel- 
che wir besitzen. 

Der Buchenniederwald der italischen Alpen wird in den näheren La- 
gen oder unweit der Triftbäche zu Brennholz aufgearbeitet, von dem man 
ansehnliche Mengen weit in die Städte der grossen Italienischen Ebene zu 
Floss und zu Schiff hinabbringt. — In allen minder günstigen Lagen yiranT 
delt man ihn an Ort und Stelle zu Kohl um, indem diese Waare dort ei? 
nen sehr wohlbezahlten Handelsartikel bildet, und mit viel geringeren Ko- 
sten abgebracht werden kann, als das Holz. Auch viele Zeughölzer für den 
Haus und Wirthschaftsgebrauch liefert der Buchenniederwald, darunter 
die Klötze für die Holzschuhe, wozu sich besonders der dicke und weich- 
faserige Bug ober dem Wurzelknoten eignet 

Im Nord- so wie im Ostabfalle der Alpen kommt die- Buche nur 
in geringerer Ausdehnung als Niederwald vor. Denn sie reicht hier nur 
selten hinauf in die schroffen Kalkitänge, sondern bedeckt Böden, welche 
dem Baum wüchse weit günstiger sind» daher sie denn hier um so no^ehr 
als Hochwald gezogen wird, als der Mensch bisher' noch nicht der Ver* 
suchung unterlag, die hiefur nöthigen grossen stockenden Hoh&vorräthe 
flüssig zu machen. 

Sehr bemerkenswerth, obgleich von keiner forstlichen Bedeutung 
sind noch zwei Buchen-Niederwaldformen der fAtpen d. i. -fene auf den 
hohen kraineri^cbw und küstenländiscben Bergköpfen, webühe dei*. Bora 
(Nordoststurm) blossgestelit sind, dann die Buchenhorste a» der Wald» 
grenze des Haaptalpenstockes. — Auf ersteren sinkt der ganze Schaft des 
sonst so stattlichen Baumes auf einen 4 ~- 6 fussigen Kegel voa 8 ^ 14 
Zoll unterem Durchmesser zusanm^a, welcher seine zahlreichen langen 
Aeste fast kriechend wie die Krimmfobre von der Sturmseite ab auf jene 
Berg- und Felsseiten hinübersendet , welche weniger der Wuth des Sturt 
mes ausgesetzt sind. — In letzterer Form erscheint. die Buche zuweilen 
auf Hochebenen (Tirol) ohne eigentlichen Schaß, die. kurzen Aeste mit 
dichter aber kleiner Belaubung^ hart am Boden hinstreckend, dessen gan- 
zer Wärme sie bedarf, um während der kurzen Vegetazionszeit dieser 
Höhen ihre fast unmerklichen Jahrestriebe nof^h verholzen zu können. 



358 



135 
Der Kriiiiiiiif5Iiraiwaid. 

Di« Krummföhre, welche ober dem Fichten walde die meisten Hftn^e 
der Hochberge , und in den südiichea Kaikaipen sogar in sehr grosser 
Aasdehnung umsäumt, bildet einen Niederwald von höchst merkwürdigen 
Eigenthilmlichkeiten. 

Schon das Wachsthum des einzelnen Stammes ist gans besonders. 
Allerdings treibt auch das Knieholz ganz wie andere Holzarten seine 
neuen Triebe gerade empor , aber das alte Holz leg^ sich auf dem Boden 
nieder, derart» dass nur immer das Erzeugniss der letzten 12 — 25 Jahre 
ober der Erde steht, und das bildet, was man gewohnlich Wald nennt» 
die altere Holzerzeugung hingegen halb oder ganz im Boden versenkt ist. 
Ziemlich genau in dem Masse > als der Stamm und seine Verzweigungen 
alUährlich neu emportreiben, legen sich die Schafttheile dort, wo sie zu- 
letzt vom Boden herauskamen nieder, und vermehren die unterirdische 
Holzmasse des Strauches. 

Dieses fortschreitende Niederlegen, welches natürlich die Richtung 
des ganzen Strauches bestimmt, erfolgt (auf den Berggehängen) im All- 
gemeinen von Oben nach Unten, so dass alle KrummfShrenstämme im 
Durchschnitte ziemlich parallel von den Bergeshöhen in die Tiefe steigen. 

Um die sich niederlegenden Stammtheile sammelt sich alsbald der 
reichliche Nadelabfall des oberirdischen Waldes; der aus diesem hervorge- 
hende Humus und das Moos, welches sich darauf ansiedelt, erhöhen sich an 
ihren Seiten immer mehr und mehr, und greifen endlich darüber zusammen, 
so dass die Schäfte, welche vor einigen Jahren auf dem Boden bloss auf- 
lagen f nunmehr im Boden begraben sind. Jetzt treiben die neu eiugeerde- 
ten Schafttheile auch Wurzeln; merkmürdiger weise aber sterben bei den 
alten Knieföhren die obersten unterirdischen Schaftenden etwa in dem Ver- 
hältnisse ab und verfaulen, als die Krone unten fortwächst und sich 
neue Schaftstücke zu Boden legen. 

Dieses Verhältniss ist, wie der Krummfdhrenwald überhaupt noch viel 
zu wenig untersucht, als dass sich genau angeben liesse, bei welchem Alter 
dieses natürliche Absterben eintritt , ich selbst aber habe die absterbenden 
Enden in den südlichen Kalkalpen 100— 200 jährig gefunden. 

Die Kronen folgen natürlich in der Hauptsache der allgemeinen Rich- 
tung des Stammes (d. i. von Oben nach Unten), sie verzweigen sich je- 
doch auch nach beiden Seiten um so reichlicher , als der Abhang minder 
steil ist; nur am Hange hinauf erstrecken sie sehr selten ihre Aeste. Die 
Aeste sind säbelförmig aufwärts gebogen, mit dem Ausbuge nach Unten. 
So entschieden auch die Steilheit der Hänge und der ungeheure Win- 
terschnee (mittels des Schneeschubes und der Lawinen) Antheil nehmen 
an dieser eigenthfimlichen Bildung des Strauches , so unzweifelhaft liegt 



35» 

diese nicht minder in der eigenen Natur desselben , und jedenfalls hat der 
allmächtige Herr der Thaler und der Berge der Krummföhre schon von 
vorne herein all die Eigenschaften verliehen, welche sie so unvergleich- 
lich geschickt machen für die Bewaldung der unzähligen Alpenhöhen , auf 
denen keine andere Holzart gedeihlich fortzukommen vermöchte* 

Der ganz eigenthumliche Wachsthumsgang des Individuums macht 
nun auch den Wald ganz eigen. 

Ich kann hier leider nur dasjenige anfuhren, was m i r vorzüglich auf- 
gefallen ist. 

Im geschlossenen Knieholze ist es fast unmöglich, durch längere Zeit 
aufwärts zu steigen. Bei jedem Schritte sieht man sich in den Achseln oder 
Kreuzungen der entgegenstehenden Aeste verzwängt , deren Uebersteigung 
selbst die jugendliche Manneskraft bald erschöpft. 

Abwärts dagegen steigt sicbs viel leichter, denn man braucht in der 
Regel nur die Verästelung vor sich mit den Armen auseinander zu theilen 
um mit dem Körper durchzukommen ; aber der unsichere Tritt auf' die 
schwanken Schäfte oder zwischen diese ist gleichwohl so ermüdend, dass 
die Durchstreifung ungebahnter KrummfÖhrenbestände immer der beschwer- 
lichste aller Waldgänge bleibt* — Um desto geschickter wird dadurch das 
Krummholz für die Bergung des Wildes, dem sie auch wirklich oft die 
einzige sichere Zufluchtsstätte sind. 

Bei Weitem die Hanptholzmasse des KrummfShrenwaldes ist unter- 
irdisch. Die oberirdische Verästelung würde dem Kohler der italienischen 
Alpen oft gar nicht die Mühe der Aufarbeitung bezahlen, denn er gewinnt 
aus ihr — wenn es gut geht — kaum 10 Klafter sperriges schwaches Ast- 
holz (vom Joche) , dagegen belohnen die höchst ausgiebigen unterirdischen 
Schäfte gewöhnlich reichlich seine Muhe, denn sie geben ihm nicht sel- 
ten auch 30—50 Klafter 4 — 8 zölligen Wellenholzes. 

Im Urwalde der Krummfohre bemerkt man nicht wie in den anderen 
Holzarten zahlreiche abgestorbene Stämme und Lücken im Kronenschlusse, 
sondern der ganze Wald erhält sich in der Regel ewig wohlgeschlossen ; 
denn hier sterben nicht ganze Stämme, sondern nur die obersten unterirdi- 
schen Schafttheile ab, und die wenigen Aeste, welche mit vertrocknen, 
verschwinden in der üppigen schwarzgrünen Fülle der Nachbarkronen. — 
Die abgestorbenen Stämme, welche man gleichwohl öfter im Krummholze 
bemerkt, rühren meist von den Verwüstungen der Lawinen oder Felsen- 
stürze her , oder gehören alten Sträuchern an , welche von dem Scheitel ei- 
nes Felsens ausgehend , sich über dessen pralle Seitenwände herabbogen, 
ohne sich hier lagern und Wurzel fassen zu können. 

Die Krummföhre ist mehr wie jede andere Holzart geeignet nackte 
Felsenriffe nnd Schutthalden in ertragreichen Waldboden zu verwandeln. 
Ein kleiner Spalt im Felsen, oder eine unbedeutende Vertiefung im Schutt- 
gehänge, sobald sich nur einige krümliche Erde in ihnen ansammelt, bie- 
then dem Samenkorn dieser Holzart bereits genügendes Keimbett, und si- 
chern die erste Jugend des entstehenden Strauches. Dieser breitet nun als- 



960 

bald seine Zweige aus, und schützt dadurch den darunterliegenden Schutt 
oder Fels vor Abschwemmung. ihr Nadelabfall rufl dann eine Humusdecke 
hervor y diese überzieht sich mit Moos und anderen Kräutern, und so bildet 
sich durch Vermittlung dieser Föhre auf Stellen, welche sonst (der Ab- 
schwemmung wegen) ewig nackt geblieben wären» ein förmlicher